{"id":14377,"date":"2012-09-07T15:16:25","date_gmt":"2012-09-07T13:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14377"},"modified":"2019-03-02T12:06:33","modified_gmt":"2019-03-02T11:06:33","slug":"flassbeck-und-spiecker-zur-ezb-entscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14377","title":{"rendered":"Flassbeck und Spiecker zur EZB-Entscheidung"},"content":{"rendered":"<p>Hier noch eine Wertung von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker. &ldquo;EZB Entscheidung: In die richtige Richtung, aber mit dem falschen Vorzeichen&rdquo;.  Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>EZB Entscheidung: In die richtige Richtung, aber mit dem falschen Vorzeichen<\/strong><\/p><p>von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker<\/p><p>f&uuml;r Nachdenkseiten.de, 7.9.2012<\/p><p>Schade, so vertut man eine entscheidende Gelegenheit: Die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) hat im Prinzip mit der Entscheidung, massiv, ja sogar unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, einen gro&szlig;en Schritt in die richtige Richtung getan, aber sie tut es unter Konditionen, die, wie schon beim letzten Mal, den Misserfolg des Programms vorprogrammieren. Das ist tragisch, wird das in einem oder zwei Jahren doch all denen in Deutschland scheinbar Recht geben, die, wie die Bundesbank, mit dieser &bdquo;Monetisierung der Staatsschulden&ldquo; das Ende der Welt heraufziehen sehen.<\/p><p>W&auml;re die EZB gestern vor die Presse getreten und h&auml;tte verk&uuml;ndet, dass sie bei einer fundamentalen Wende der Politik bei der Eurorettung bereit w&auml;re, unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, w&auml;re alles gut. Sie h&auml;tte sagen k&ouml;nnen, dass sie der &Uuml;berzeugung ist, dass die Ursache der Krise in der Eurozone eindeutig in der gro&szlig;en Diskrepanz in der Wettbewerbsf&auml;higkeit der Mitgliedstaaten liegt und diese mittelfristig beseitigt werden muss. Sei die Politik unter aktiver Teilnahme Deutschlands bereit, daf&uuml;r zu sorgen, dass von nun an die Lohnst&uuml;ckkosten in Europa so weit konvergieren, dass bei Aufrechterhaltung des Inflationsziels von zwei Prozent die s&uuml;deurop&auml;ischen Staaten einschlie&szlig;lich Frankreichs in zehn Jahren ihre Wettbewerbsf&auml;higkeit wiedererlangt haben, werde sie alles tun, um die monet&auml;ren Voraussetzungen f&uuml;r diesen Heilungsprozess zu garantieren, um sich danach wieder ihren normalen Aufgaben zu widmen.<\/p><p>Das genau hat Mario Draghi aber nicht gesagt. Implizit hat er gesagt, dass tats&auml;chlich das Problem der Eurozone bei den Staatshaushalten liegt, weswegen weiterhin oder sogar noch konsequenter eine Politik des G&uuml;rtel-enger-Schnallens bei den Staatshaushalten (unter dem Schirm) angesagt sei. W&uuml;rden die Politiker versprechen, die Staatshaushalte auf diesem Wege zu sanieren versuchen, werde die EZB schon vorher versuchen, die Zinsen, die f&uuml;r Staatsanleihen zu zahlen sind, zu senken. <\/p><p>Das kann nicht funktionieren. Inzwischen m&uuml;sste auch dem Letzten klar sein, dass man Staatshaushalte mitten in einer Rezession, in der die privaten Haushalte und die Unternehmen zu sparen versuchen, nicht durch Sparversuche sanieren kann. Wer jetzt die staatlichen Ausgaben senkt oder die Steuern erh&ouml;ht, treibt die Wirtschaft nur weiter in die Rezession und den Staat weiter ins Defizit. Dass die Zinsen auf Staatsanleihen einen oder zwei Prozentpunkte niedriger sind, &auml;ndert daran nichts. Die Erfolglosigkeit des EZB Programms wird in einigen Monaten aber genau daran gemessen werden. Man wird sagen, da sieht man, wohin die EZB Druckerpressenpolitik f&uuml;hrt, n&auml;mlich immer nur weiter ins Ungl&uuml;ck.<\/p><p>Wiederum geht es nur um zwei einfache logische Zusammenh&auml;nge: Erstens, Nationen k&ouml;nnen nicht wie schw&auml;bische Hausfrauen sparen, ohne ihre Wirtschaft zu zerst&ouml;ren und, zweitens, nicht alle Nationen k&ouml;nnen zur gleichen Zeit ihre Wettbewerbsf&auml;higkeit verbessern. Alle Nationen k&ouml;nnen zwar zugleich ihre Einkommenssituation &uuml;ber ihre Produktivit&auml;t verbessern, aber nicht alle k&ouml;nnen vom Au&szlig;enhandel im Sinne verbesserter Wettbewerbsf&auml;higkeit und h&ouml;herer Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse oder geringerer Defizite profitieren. Genau das aber wurde in der Pressekonferenz der EZB genannt: &bdquo;In order to restore confidence, policy makers in the euro area need to push ahead with great determination with fiscal consolidation, structural reforms to enhance competitiveness and European institution-building.&ldquo;<\/p><p>Wenn diese Zusammenh&auml;nge nicht bald verstanden werden, ist Euroland verloren. Man sollte meinen, dass das nicht so schwer sein kann. Man muss aber nur heute Morgen in die deutschen Zeitungen und sonstige &bdquo;Leitmedien&ldquo; schauen, um zu verstehen, dass eine unbegreifliche Mischung aus Unwissen, bewusster Ignoranz und plumper Interessenvertretung schon verhindert, dass diese Fragen in Deutschland &uuml;berhaupt auf die Tagesordnung gesetzt und diskutiert werden. Stattdessen wird &ndash; mit Schaum vor dem Mund &ndash; der &bdquo;Rechtsbruch&ldquo; der EZB oder die &Uuml;berschreitung &bdquo;von roten Linien&ldquo; angeprangert. Selbst wenn es ein Rechtsbruch w&auml;re: Wie kann man unkonditioniert die Durchsetzung von Recht verlangen, das von denen, die dem Recht unterliegen, fordert, etwas zu tun, was objektiv unm&ouml;glich ist? Wo es gegen die Logik verst&ouml;&szlig;t, hat auch das Recht sein Recht verloren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier noch eine Wertung von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker. &ldquo;EZB Entscheidung: In die richtige Richtung, aber mit dem falschen Vorzeichen&rdquo;. 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