{"id":143826,"date":"2025-12-18T15:00:24","date_gmt":"2025-12-18T14:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143826"},"modified":"2025-12-18T16:53:03","modified_gmt":"2025-12-18T15:53:03","slug":"miserables-weihnachtsgeschaeft-wo-bleibt-die-wirtschaftspolitische-verantwortung-der-regierung-merz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143826","title":{"rendered":"Miserables Weihnachtsgesch\u00e4ft \u2013 wo bleibt die wirtschaftspolitische Verantwortung der Regierung Merz?"},"content":{"rendered":"<p>Seit Monaten ist klar: Die Konjunktur l&auml;uft schlecht. Es geschieht aber von Seiten der Bundesregierung nahezu nichts, um diese Lage zu verbessern. Die immer wieder forcierte Diskussion um Russlands Gelder im Westen hilft jedenfalls nicht, um die Konjunktur anzuschieben. In dieser Situation w&auml;re es wichtig, in &ouml;ffentliche Infrastrukturprojekte zu investieren und durch passende &ouml;ffentliche &Auml;u&szlig;erungen den privaten Konsum und die privaten Investitionen zu ermuntern. Nichts geschieht. &ndash; Auch die Verlage leiden unter der schlechten Konjunktur. Weil wir uns nicht alleine beim Jammern &uuml;ber die Lage aufhalten wollen, folgt ein konkreter Vorschlag f&uuml;r ein Weihnachtsgeschenk &ndash; sozusagen unser kleiner Beitrag zur Konjunkturbelebung. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;Frieden ist Arbeit, wirkliche Arbeit&ldquo;<\/strong><\/p><p><em>Der Gespr&auml;chsband <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/politik\/geopolitik\/krieg-oder-frieden-deutschland-vor-der-entscheidung.html\">&bdquo;Krieg oder Frieden &ndash; Deutschland vor der Entscheidung&ldquo;<\/a> dokumentiert ein Gespr&auml;ch zwischen von <\/em><em><strong>Klaus von Dohnanyi<\/strong><\/em><em>, ehemaliger B&uuml;rgermeister von Hamburg und Politiker in der SPD, und <\/em><em><strong>Erich Vad<\/strong><\/em><em>, Brigadegeneral a.D. und ehemaliger milit&auml;rpolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, &uuml;ber deutsche Geschichte, ihre pers&ouml;nlichen Erfahrungen mit Krieg und Frieden, sowie &uuml;ber die dringend n&ouml;tige Neuausrichtung von Deutschlands Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Wir ver&ouml;ffentlichen hier einen Auszug aus dem Buch.<\/em><\/p><p>Klaus von Dohnanyi: Die SPD hatte immer zwei Wurzeln, n&auml;mlich die Sozialpolitik und die Friedenspolitik. Und heute haben wir die Friedenspolitik einfach abgehackt. Die Friedenspolitik ist politisch in der SPD nicht mehr da. Wie hat sich die Partei seit Willy Brandt ver&auml;ndert! Ab und zu gibt es Mitglieder der SPD, die versuchen, die Friedenspolitik wieder voranzubringen, aber sie kommt nicht wirklich voran. Es gab ein Manifest vor dem letzten Parteitag, das offenbar v&ouml;llig weggestimmt wurde, also gar nicht bedeutsam und politisch wirksam geworden ist. Es gibt keine diesbez&uuml;gliche Debatte in meiner Partei. Ich bin 1957 in die SPD eingetreten, Mitglied geworden.<\/p><p>Erich Vad: &hellip; als ich geboren wurde.<\/p><p>Klaus von Dohnanyi: Warum bin ich in die SPD eingetreten? Weil Adenauer eine absolute Mehrheit gewonnen hatte. Ich hatte immer das Gef&uuml;hl &ndash; aus meiner Erziehung heraus, auch aus meiner Erfahrung heraus &ndash; dass Frieden und die Herstellung von Frieden Arbeit ist. Mein Vater hat daf&uuml;r sein Leben riskiert und letztlich gegeben. Frieden ist Arbeit, wirkliche Arbeit. Frieden f&auml;llt nicht vom Himmel. Frieden wird uns nicht geschenkt. Frieden ist kein Geschenk des lieben Gottes. Frieden ist ein Produkt von sorgf&auml;ltiger politischer Arbeit. Das hat mich auch Willy Brandt gelehrt, seitdem ich mit ihm gearbeitet habe &ndash; seit 1961. Immer war er bewegt und getrieben von dem Gedanken der Auss&ouml;hnung, des Friedens und der Verst&auml;ndigung. Ich finde, das war auch ein R&uuml;ckgriff auf die Geschichte der SPD, das war ein Versuch, diese beiden Wurzeln gleicherma&szlig;en zu pflegen, die Sozialpolitik und die Friedenspolitik. Das haben wir verloren. Daran ist auch &ndash; das sage ich ungerne &ndash; Olaf Scholz Schuld. Er war in der Ampel-Koalition der Bundeskanzler. Er h&auml;tte in ganz anderer Weise wenigstens an diese Friedenspolitik erinnern k&ouml;nnen, die ja auch ohne Russland nicht gemacht werden konnte. Und dann h&auml;tte Scholz sagen m&uuml;ssen, wir k&ouml;nnen dies und jenes nicht tun aus Kenntnis russischer Sicherheitsinteressen, zum Beispiel die Ukraine in die NATO aufnehmen. Wir m&uuml;ssen immer am Frieden arbeiten! Und das ist nicht von Scholz gekommen.<\/p><p>Erich Vad: Er war immer noch eine moderate Stimme, eine m&auml;&szlig;igende.<\/p><p>Klaus von Dohnanyi: Aber nur eine aufhaltende Stimme, keine strategische. Er h&auml;tte ja damals leicht sagen k&ouml;nnen, Russland ist heute nicht das, was wir uns gew&uuml;nscht haben, aber &ndash; f&uuml;ge ich jetzt hinzu &ndash; das war es auch nicht unter Leonid Breschnew, und trotzdem hat Brandt mit Breschnew gesprochen und verhandelt.<\/p><p>Erich Vad: Und wir hatten auch unseren Anteil daran. Ronald Reagen hat die Sowjetunion mal als das &raquo;Land des B&ouml;sen&laquo; bezeichnet, aber er war auch 1985 derjenige, der sich mit Michail Gorbatschow in Genf getroffen und Frieden geschlossen hat.<\/p><p>Klaus von Dohnanyi: Nat&uuml;rlich. &Uuml;brigens war auch Margaret Thatcher von Gorbatschow sehr beeindruckt. Aber jetzt f&uuml;ge ich hinzu: Auch Gorbatschow war das Ergebnis brandtscher Entspannungspolitik: Wenn wir n&auml;mlich nicht Vertrauen geschaffen h&auml;tten auf der Ebene von Breschnew und seinen Nachfolgern, dann w&auml;re Gorbatschow nie der Nachfolger von Breschnew geworden. Das hei&szlig;t, wir haben nat&uuml;rlich auch zur Innenpolitik in Russland beigetragen durch diese vertrauensbildenden Ma&szlig;nahmen, die wir versucht haben. Ich erinnere an die strategische Formulierung von Willy Brandt und Egon Bahr &raquo;Wandel durch Ann&auml;herung&laquo;. Ich will nicht behaupten, dass die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas allein die Frucht der Politik von Willy Brandt war. Aber sie ist auch von der Politik Willy Brandts mit herbeigef&uuml;hrt worden, weil wir versucht haben, auf sowjetischer Seite eine Vertrauenssituation herzustellen, die auf der anderen Seite eine innere Ver&auml;nderung m&ouml;glich machen w&uuml;rde. Und ich sage, bei Putin schaffen wir gegenw&auml;rtig ja nur die Situation, dass seine Nachfolger h&auml;rter sein werden als er. Ich habe &uuml;berhaupt keinen Zweifel, dass das, was auf Putin folgt, viel h&auml;rter sein wird als Putin selbst, der ja wenigstens noch die deutsche Sprache spricht und sich als Europ&auml;er f&uuml;hlt. Ich habe in diesen Tagen gerade in Vorbereitung unseres Gespr&auml;chs noch einmal die Rede von Putin aus dem Jahr 2001 im Deutschen Bundestag nachgelesen, sorgf&auml;ltig nachgelesen. Das ist, wenn Sie so wollen, ein einziger Schrei nach Zusammenarbeit.<\/p><p><em>Transparenzhinweis: Unsere Redakteurin Maike Gosch hat das Gespr&auml;ch im Juli 2025 moderiert.<\/em><\/p><p><em>Klaus von Dohnanyi, Erich Vad: Krieg oder Frieden &ndash; Deutschland vor der Entscheidung. Neu-Isenburg 2025, Westend Verlag, gebundene Ausgabe, 144 Seiten, ISBN 978-3-98791-336-5, 20 Euro, 18. August 2025. Erh&auml;ltlich im Buchhandel oder <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/politik\/geopolitik\/krieg-oder-frieden-deutschland-vor-der-entscheidung.html\">online<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Monaten ist klar: Die Konjunktur l&auml;uft schlecht. Es geschieht aber von Seiten der Bundesregierung nahezu nichts, um diese Lage zu verbessern. Die immer wieder forcierte Diskussion um Russlands Gelder im Westen hilft jedenfalls nicht, um die Konjunktur anzuschieben. 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