{"id":14388,"date":"2012-09-10T08:58:03","date_gmt":"2012-09-10T06:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14388"},"modified":"2015-04-28T09:01:31","modified_gmt":"2015-04-28T07:01:31","slug":"das-gerede-uber-demographie-und-kapitaldeckung-ist-ein-klassischer-fall-von-brainwashing-auszug-aus-einem-alten-und-aktuellen-text","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14388","title":{"rendered":"Das Gerede \u00fcber Demographie und Kapitaldeckung ist ein klassischer Fall von Brainwashing \u2013 Auszug aus einem alten und aktuellen Text"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Vorbereitung f&uuml;r einen NDS-Text zur laufenden Debatte um die Altersarmut und die Strategie der dahinter steckenden Interessen habe ich mich eines eigenen fr&uuml;heren Textes erinnert. Es handelt sich um ein Kapitel eines 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen Taschenbuchs. Die Aussagen zum Generationenvertrag, zur Illusion &uuml;ber den Vorteil der Kapitaldeckung, zur damals anlaufenden Propaganda und den dahinter steckenden Interessen, zu den einfachen L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten usw. sind immer noch aktuell. Der Blick auf heute aus damaliger Sicht scheint mir auch f&uuml;r NDS-Leser\/innen interessant, vielleicht auch am&uuml;sant. Deshalb die Wiedergabe dieses fr&uuml;heren Textes. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<!--more--><\/p><p>Am&uuml;sant sein k&ouml;nnte, dass ich wie andere auch meine Hoffnung auf die Wende zu Rot-Gr&uuml;n setzte. Eine eitle Hoffnung, wie wir heute wissen und damals ahnten. Ich hatte skeptisch gefragt, ob SPD und B&uuml;ndnis\/Gr&uuml;ne bei diesem Thema noch kampagnenf&auml;hig sind. Der folgende Text ist Antwort 4 von 8 Antworten auf die Frage nach den Themen und Projekten zu einer Alternative zu Helmut Kohl und Schwarz-Gelb. Das Buch war im Vorfeld der Bundestagswahl von 1998 erschienen.<\/p><p>Ich kann nicht verschweigen, dass die R&uuml;ckerinnerung an diesen Text deprimiert: Die wichtigsten Schritte zur Zerst&ouml;rung einer unserer wichtigen S&auml;ulen der sozialen Sicherung sind vorhergesagt  und es wird auch klar, was zu tun w&auml;re und wie einfach das w&auml;re. Und dennoch mussten wir machtlos zusehen, wie uns die damals schon zu erkennende PR- und Lobby-Maschine &uuml;berrollte. Und wir sehen heute, wie auf den Tr&uuml;mmern &ndash; der Altersarmut &ndash; die n&auml;chste Zerst&ouml;rungsstrategie aufgebaut wird.<br>\nBeides wird Gegenstand meines n&auml;chsten Beitrags zum Thema sein. <\/p><p><strong>Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: Mut zur Wende!<\/strong><br>\nErschienen 1997 im Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin <\/p><div style=\"float:left;margin: 0 10px 5px 0;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120910_mut_zur_wende.jpg\" alt=\"\"><\/div><p>4. Der Generationenvertrag zur Altersvorsorge h&auml;lt<\/p><p>Das Vertrauen in die soziale Sicherung der Renten wird vors&auml;tzlich zerst&ouml;rt. Diesen Vorgang offenzulegen und zu erkl&auml;ren, wie der Generationenvertrag der gesetzlichen Rentenversicherung auch f&uuml;r die junge Generation gesichert werden kann, das ist eines der ganz gro&szlig;en Wahlkampfthemen f&uuml;r 1998 und ein Schl&uuml;sselprojekt zur Verteidigung der Sozialstaatlichkeit.<\/p><p>Die Bonner Koalition suggeriert zwar mit ihrem Rentenreformentwurf, die gesetzliche Rentenversicherung, wie sie bisher auf dem Generationenvertrag beruht, erhalten zu wollen, doch Teile der CDU\/CSU und vor allem der FDP geben das bisherige System der Sozialversicherung preis. Hier spielt sich eine Entwicklung ab, die den Charakter eines Krimis und die Dimension eines Milliardendeals hat.<\/p><p>Statt notwendige politische Entscheidungen zu treffen, die eine Entlastung der Sozialkassen bewirken k&ouml;nnten, wird Stimmung gemacht. Die Ver&auml;nderung der Alterspyramide hin zu mehr Rentenempf&auml;ngern bei gleichzeitiger Abnahme der Beitragszahler werde den Generationenvertrag zerbrechen lassen, hei&szlig;t es aus Kreisen der Union, der FDP und der mit ihnen verbundenen Interessengruppen. Das System sei nicht mehr haltbar, man m&uuml;sse umsteigen auf das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren. Modelle, wie das nach dem s&auml;chsischen Ministerpr&auml;sidenten benannte Biedenkopf-Modell, pl&auml;dieren f&uuml;r eine Grundsicherung, finanziert durch Steuern: jeder Mann und jede Frau soll k&uuml;nftig einen Sockel an Altersrente vom Staat beziehen, den man dann zus&auml;tzlich aufstocken kann &ndash; &uuml;ber Betriebsrenten und Zusatzrenten, mit privat angespartem Verm&ouml;gen und &uuml;ber private Lebensversicherungen. Auf den ersten Blick eine vern&uuml;nftige, einfache L&ouml;sung.<\/p><p>Tats&auml;chlich jedoch haben wir es bei dem Gerede um das angebliche Ende des Generationenvertrags und die notwendige Umstellung vom Umlageverfahren zum Kapitaldeckungsverfahren mit einem klassischen Fall von Brainwashing zu tun.<\/p><p>Zum einen ist die demographische Verschiebung bei weitem nicht so dramatisch, wie es dargestellt wird. Es wird einen Anstieg der Belastungen f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung bis etwa zum Jahre 2030 geben. Die Lage entspannt sich dann wieder geringf&uuml;gig, und sie kann sich ohnehin &auml;ndern, wenn sich die Geburtenrate oder die Zuwanderung ver&auml;ndert. Niemand kann das genau vorhersagen.<\/p><p>Viel wichtiger f&uuml;r die Kl&auml;rung der Frage, wie die Arbeitenden durch die Rentner und durch die nicht arbeitende Kindergeneration belastet werden, sind folgende Aspekte: Wie entwickelt sich die Produktivit&auml;t der Volkswirtschaft, wie hoch ist die Arbeitslosigkeit, und welche Art von Arbeitsverh&auml;ltnissen &ndash; sozial gesicherte oder ungesicherte &ndash; werden die Regel? Wenn es gelingt, endlich die Arbeitslosigkeit abzubauen und die Produktivit&auml;tsentwicklung unserer Volkswirtschaft wenigstens ann&auml;hernd so zu halten wie in den vergangenen Jahren, dann werden ohne &Auml;nderung des Systems, also selbst ohne Senkung des Rentenniveaus, die verf&uuml;gbaren Realeinkommen der arbeitenden Menschen und Familien auch in Zukunft steigen. Das Vertrauen in diese M&ouml;glichkeit aufzugeben k&auml;me einer politischen Bankrotterkl&auml;rung gleich.<br>\nZudem und auch dar&uuml;ber wird falsch informiert, &auml;ndert sich durch die Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren nichts an der Tatsache, da&szlig; auch k&uuml;nftig eine bestimmte Anzahl von Menschen f&uuml;r die nicht arbeitende alte Bev&ouml;lkerung und die Kindergeneration zu sorgen haben wird. Die Umstellung des Finanzierungssystems &auml;ndert nichts an dieser Relation, es sei denn, man unterstellt, da&szlig; Menschen fruchtbarer werden, wenn sie von der gesetzlichen Renten- zur privaten Lebensversicherung wechseln. Die gel&auml;ufige Behauptung, die erh&ouml;hte Kapitalbildung, die mit einer Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren verbunden sei, f&uuml;hre zu einem h&ouml;heren Wachstum, mu&szlig;, zumal in einer offenen Volkswirtschaft, nicht zutreffen,<\/p><ul>\n<li>weil sich m&ouml;glicherweise &uuml;berhaupt keine Zunahme der volkswirtschaftlichen Sparquote ergibt, sondern nur eine Substitution von Anlageformen eintritt und<\/li>\n<li>weil die nationale Ersparnis angesichts internationaler Kapitalm&auml;rkte keinen limitierenden Faktor f&uuml;r die Investitionsquote und das Wachstum darstellt.<\/li>\n<\/ul><p>Die Konservativen zerst&ouml;ren das System der gesetzlichen Rentenversicherung &ndash; teils gewollt, teils ungewollt<br>\nDie gesetzliche Rentenversicherung ist vor allem deswegen in finanziellen Schwierigkeiten,<\/p><ul>\n<li>weil die hohe Arbeitslosigkeit und die zeitweise gro&szlig;z&uuml;gigen Vorruhestandsregelungen dazu f&uuml;hren, da&szlig; es zu Mindereinnahmen bei der Rentenversicherung kommt,<\/li>\n<li>weil sie mit 30 Milliarden DM versicherungsfremden (genauer: nicht durch Beitr&auml;ge gedeckten) Leistungen belastet ist; z.B. Ausgaben f&uuml;r Renten der Aus- und Umsiedler und Belastungen aus der Wiedervereinigung, die eigentlich vom Bund bezahlt werden m&uuml;&szlig;ten, aber aus Rentenversicherungsbeitr&auml;gen der Arbeitnehmer finanziert werden.<\/li>\n<\/ul><p>W&uuml;rde die Bundesregierung darauf verzichten, allgemeine Staatsaufgaben den Beitragszahlern anzulasten, dann k&ouml;nnten die Beitr&auml;ge sofort um ca. 2% gesenkt werden. &raquo;Die aktuellen Finanzierungsdefizite der Rentenversicherung gehen auf die Arbeitslosigkeit und die vereinigungsbedingten zus&auml;tzlichen Lasten zur&uuml;ck&laquo;, res&uuml;miert das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am 12. Juni 1997 ver&ouml;ffentlichten Studie.<\/p><p>Dazu kommt, da&szlig; immer mehr junge Menschen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage entweder nicht st&auml;ndig einen Arbeitsplatz finden oder auf Arbeitsverh&auml;ltnisse angewiesen sind, bei denen keine Sozialversicherungspflicht besteht. Der von den Neoliberalen betriebene Trend wirkt langfristig gegen das bestehende Rentensystem. Hier gibt es tats&auml;chlich ein Reformproblem. Wer weiter ungesicherte Arbeitsverh&auml;ltnisse oder Scheinselbst&auml;ndigkeit ohne Sozialversicherung zul&auml;&szlig;t, der untergr&auml;bt das Rentensystem finanziell und das Vertrauen in die soziale Sicherung.<\/p><p>Eine neue politische Koalition m&uuml;&szlig;te in ihrem Wahlkampf dar&uuml;ber aufkl&auml;ren, da&szlig; der Systemwechsel nichts an den demographischen Problemen l&ouml;st, ja da&szlig; die Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung zuallererst mit der fehlgeschlagenen bzw. nicht vorhandenen Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung und ihres Mi&szlig;managements bez&uuml;glich der deutschen Vereinigung zu tun haben. Anstatt eine bew&auml;hrte Sozialversicherung ohne Not preiszugeben, m&uuml;ssen zuerst diese Fehlentwicklungen wirksam bek&auml;mpft werden. &Auml;nderungen, die das bew&auml;hrte System als Ganzes nicht in Frage stellen, sind durchaus vern&uuml;nftig. Sie sind wegen vieler gesellschaftlicher Verschiebungen wie der &Auml;nderung der Erwerbsbiografien und wegen hoher Scheidungsraten auch notwendig.<\/p><p>&Auml;nderungen, die das Vertrauen zerst&ouml;ren, sind hingegen unvern&uuml;nftig. Das gilt f&uuml;r das wichtigste Element der von der Bundesregierung geplanten Rentenreform. Danach soll das Standard-Rentenniveau von 70 auf 64% des durchschnittlichen Nettogehaltes sinken. Gerade f&uuml;r Geringverdienende und Frauen, die wegen ihrer Kinder oft nicht durchg&auml;ngig arbeiten, ist eine solche gro&szlig;e Absenkung nicht zumutbar. Dar&uuml;ber zu befinden ist heute auch wirklich nicht n&ouml;tig. Wer diese Entscheidung heute dennoch betreibt, mu&szlig; sich vorhalten lassen, die B&uuml;rger verunsichern, von der sozialen Vorsorge weg und hin zur privaten treiben zu wollen.<\/p><p>Nach einer im Juli 1997 ver&ouml;ffentlichten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) nahm das Vertrauen der B&uuml;rger in die sozialen Sicherungssysteme in den letzten Jahren rapide ab. Diese Verunsicherung ist die Folge der &raquo;Reform&laquo;-Debatte und tats&auml;chlicher Eingriffe wie etwa der Zuzahlungen im Krankenkassenwesen. Schon die jungen Leute machen sich Sorgen um ihre Renten, unter den herrschenden Umst&auml;nden mit Recht, wenn sie keine Arbeit haben und die Ausbildungszeiten nur begrenzt angerechnet werden.<br>\nSoweit diese Verunsicherung bewu&szlig;t betrieben wird, mu&szlig; man fragen: Wer verdient daran, wer hat ein Interesse daran? &ndash; Die privaten Lebensversicherer betreiben mit viel Aufwand Werbung in H&ouml;rfunk, Fernsehen und Zeitungen. Es ist interessant, zu beobachten, wie Artikel &uuml;ber die angeblich desolate Lage der gesetzlichen Rentenversicherung mit Anzeigen der Versicherungswirtschaft gekoppelt sind, manchmal so geschickt, da&szlig; kaum noch deutlich wird, ob es sich um einen redaktionellen oder einen gesponserten Beitrag handelt.<br>\nDie privaten Lebensversicherungsgesellschaften nehmen heute knapp 90 Milliarden an Pr&auml;mien ein. Sie wittern jetzt das Gesch&auml;ft des Jahrhunderts. Schlie&szlig;lich hat die gesetzliche Rentenversicherung einen Leistungsumfang von ca. 300 Milliarden. Nur 1\/10 dieses Kuchens herauszuschneiden br&auml;chte den privaten Lebensversicherungen einen Zuwachs ihrer Pr&auml;mien von 33%, also einen au&szlig;erordentlich gro&szlig;en Gesch&auml;ftszuwachs.<\/p><p>Bei aller Verunsicherung der B&uuml;rger scheint vielen die Aussicht auf eine Grundrente verlockend. Da diese &uuml;ber Steuergelder, also vom Staat, finanziert werden soll, hat sie schon fast Wohlfahrtsstaatscharakter. Doch was sind die Folgen?<\/p><p>Die angepeilte Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren h&auml;tte gravierende Auswirkungen auf die junge Generation, derentwegen angeblich die Umstellung vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren betrieben wird. Sie w&uuml;rde mehrfach belastet: Die heute Jungen m&uuml;&szlig;ten erstens weiterhin mit ihren Beitr&auml;gen die Renten der Alten bezahlen; sie w&auml;ren also bei den Beitr&auml;gen gar nicht entlastet. Sie m&uuml;&szlig;ten zweitens ihre eigene private Lebensversicherung bezahlen. Das hei&szlig;t, der Beitrag f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung und f&uuml;r die private m&uuml;&szlig;te addiert werden, was zu einer Rentenbeitragsbelastung von 22, 23, 25% oder noch mehr f&uuml;hren w&uuml;rde. Der jungen Generation mutet man drittens zu, da&szlig; sie mit unsicheren Arbeitsverh&auml;ltnissen fertig werden soll. Und dann soll viertens diese Generation auch noch akzeptieren, da&szlig; die ihnen nachwachsende Generation in 30 oder 40 Jahren keine Beitr&auml;ge mehr f&uuml;r sie zu zahlen hat.<\/p><p>Es besteht die Gefahr, da&szlig; die steuerfinanzierte Grundsicherung f&uuml;r Alte nicht ausreichend hoch festgesetzt oder in Zeiten der Finanzknappheit nicht ausreichend einem Inflations- und Reallohnzuwachs angepa&szlig;t wird, w&auml;hrend das gegenw&auml;rtige Rentensystem durch die formelm&auml;&szlig;ige Dynamisierung in Gestalt der Nettolohnanpassung dieses Problem bisher nicht hatte. Da Menschen gerade in jungen Jahren die Notwendigkeit der Vorsorge nicht sehen und deshalb nicht an eine private Zusatzversicherung zur Grundsicherung denken, wird die Altersarmut anwachsen. Dazu ein Zitat zur Praxis in Gro&szlig;britannien aus der &raquo;ZEIT&laquo; vom 14. M&auml;rz 1997: &raquo;Nach dieser neoliberalen Maxime haben bereits die Briten ihr Rentensystem zugunsten privater Vorsorge umgebaut. John Bridgeman, Generaldirektor des auch f&uuml;r die Kontrolle privater Lebensversicherer zust&auml;ndigen Office of Fair Trade, fa&szlig;t die Stimmung unter den &auml;lteren Menschen im modernen Gro&szlig;britannien so zusammen: &rsaquo;Die Leute f&uuml;rchten heute mehr, da&szlig; sie zu lange leben, als da&szlig; sie zu fr&uuml;h sterben, weil ihr Geld f&uuml;r einen einigerma&szlig;en ausk&ouml;mmlichen Lebensabend nicht mehr reicht.&lsaquo;&laquo;<\/p><p>Da&szlig; politische Entscheidungen dieses Ausma&szlig;es bei uns direkt oder indirekt auf die Interessen von privaten gro&szlig;en Konzernen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind, ist sehr bemerkenswert. Die wirkliche Triebfeder der hier geplanten Revolution sind die Milliarden Pr&auml;mien, die k&uuml;nftig bei den privaten Lebensversicherungen anfallen und die den gesetzlichen Rentenversicherungen fehlen werden.<\/p><p><em><strong>Ob SPD und B&uuml;ndnisGr&uuml;ne noch kompagnenf&auml;hig sind?<\/strong><\/em><br>\nDie Rentenfinanzierung hat alle Dimensionen eines gro&szlig;en Wahlkampfthemas:<\/p><ul>\n<li>Es betrifft viele Menschen.<\/li>\n<li>Es gibt einen wirklichen Konflikt. Die andere Seite mu&szlig; und wird um ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit willen versuchen, diesem Konflikt auszuweichen.<\/li>\n<li>Die CDU\/CSU ist in dieser Frage gespalten. Es gibt f&uuml;hrende Politiker und zahlreiche W&auml;hler der CDU\/CSU, die genauso wie die meisten Sozialdemokraten und Gewerkschafter das System der sozialen Sicherung vor dem Ausverkauf an private Interessen retten wollen und die genau wissen, was gespielt wird.<\/li>\n<li>Es geht um viel Geld. Damit hat das Thema die Dimension des Themas &raquo;Gro&szlig;es Geld&laquo; der Wahl 1972. Damals hatten Teile der deutschen Wirtschaft mit mehreren Millionen Mark in den Wahlkampf eingegriffen, um Bundeskanzler Willy Brandt loszuwerden. Die SPD hat aus diesem Versuch der Einflu&szlig;nahme ein gro&szlig;es Thema gemacht und gewonnen.<\/li>\n<\/ul><p>Das Thema Rentenfinanzierung wird ein guter Test daf&uuml;r sein, ob die SPD und die B&uuml;ndnisGr&uuml;nen f&auml;hig sind, eine Alternative zur konservativen Hegemonie zu entwerfen, zu propagieren und zu verteidigen. Das ist fraglich geworden. Teile der B&uuml;ndnisGr&uuml;nen signalisieren deutliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Privatversicherungsvariante. Bei den &raquo;Modernisierern&laquo; der SPD ist es &auml;hnlich. Das gilt nicht f&uuml;r die Rentenreformkommission der SPD und die gro&szlig;e Mehrheit der Mitglieder und Verantwortungstr&auml;ger.<br>\nDennoch lohnt es sich in dieser Frage, eine gemeinsame Basis zu suchen und zu finden. Die soziale Sicherung ist das Verm&ouml;gen der &raquo;kleinen Leute&laquo;. Wenn es nicht gelingt, ihnen dieses &raquo;Verm&ouml;gen&laquo; zu erhalten, dann werden sie sich dem Umweltschutz, liberalen Rechtsauffassungen und Menschenrechtsfragen noch mehr verschlie&szlig;en, als dies heute der Fall ist.<\/p><p><em><strong>Die Entscheidung &uuml;ber die Zukunft der Sozialstaatlichkeit f&auml;llt 1998<\/strong><\/em><\/p><p>Es entscheidet sich in diesen Monaten, ob es den privaten Interessenten gelingt, den Zusammenbruch des jetzigen Sozialversicherungssystems endg&uuml;ltig einzuleiten. Es entscheidet sich, ob es gelingen k&ouml;nnte, den Menschen, die unter Dauerberieselung der Werbung zum Einstieg in eine Privatversicherung stehen und denen eingeredet wird, das soziale Sicherungssystem breche demn&auml;chst zusammen, wieder Sicherheit zu geben. Deshalb ist es h&ouml;chste Zeit, die f&uuml;r das Renommee der Sozialstaatlichkeit entscheidende Weichenstellung zum gro&szlig;en Thema zu machen. Noch einmal: Es gen&uuml;gt nicht, die Ideologie der andern allein durch Sachargumente zu entkr&auml;ften bzw. eigene Vorschl&auml;ge zur Rentenreform gegen die anderen Reformvorstellungen zu setzen. Es ist wichtig, den Menschen zu sagen, warum ihnen Angst gemacht wird. Sie m&uuml;ssen das der Kampagne zugrundeliegende Interessengeflecht erkennen. Nur dann werden sich Emotionen und damit eine Gegen&ouml;ffentlichkeit mobilisieren lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Vorbereitung f&uuml;r einen NDS-Text zur laufenden Debatte um die Altersarmut und die Strategie der dahinter steckenden Interessen habe ich mich eines eigenen fr&uuml;heren Textes erinnert. Es handelt sich um ein Kapitel eines 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen Taschenbuchs. Die Aussagen zum Generationenvertrag, zur Illusion &uuml;ber den Vorteil der Kapitaldeckung, zur damals anlaufenden Propaganda und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14388\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[39,11,14],"tags":[635,300,974],"class_list":["post-14388","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rente","category-strategien-der-meinungsmache","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","tag-altersarmut","tag-mueller-albrecht","tag-rot-gruen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14388"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14388\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25855,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14388\/revisions\/25855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}