{"id":143940,"date":"2025-12-21T14:00:52","date_gmt":"2025-12-21T13:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143940"},"modified":"2025-12-19T16:47:53","modified_gmt":"2025-12-19T15:47:53","slug":"blick-aus-dem-globalen-sueden-kerala-hat-die-extreme-armut-abgeschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143940","title":{"rendered":"Blick aus dem Globalen S\u00fcden: Kerala hat die extreme Armut abgeschafft"},"content":{"rendered":"<p>Kerala ist es in den letzten Jahren als einzigem indischen Bundesstaat gelungen, die extreme Armut zu beseitigen. Wie wurde das erreicht? Unter anderem durch eine klare &ouml;ffentliche Politik, dezentrale Planung und eine umfassende Genossenschaftsbewegung. Von <strong>Vijay Prashad<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nLiebe Freunde,<\/p><p>herzliche Gr&uuml;&szlig;e vom Schreibtisch des <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/\">Tricontinental: Institute for Social Research<\/a>.<\/p><p>Am 1. November 2025 wurde der s&uuml;dwestindische Bundesstaat Kerala &ndash; in dem 34 Millionen Menschen leben &ndash; von Regierungschef (Chief Minister) Pinarayi Vijayan <a href=\"https:\/\/www.thehindu.com\/news\/national\/kerala\/kerala-declared-free-from-extreme-poverty-first-indian-state-to-do-so\/article70228620.ece\">f&uuml;r frei von extremer Armut erkl&auml;rt<\/a>. Kerala ist nach <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/studies-1-socialist-construction\/\">China<\/a>, das 2021 verk&uuml;ndete, dass es die extreme Armut landesweit beseitigt hat, einer der wenigen Orte weltweit, an dem dies erreicht wurde.<\/p><p>Die Errungenschaft Keralas ist aus zwei Gr&uuml;nden von Bedeutung. Erstens ist Kerala in einem Land, in dem <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/sites\/g\/files\/zskgke326\/files\/2024-10\/2024_global_multidimensional_poverty_index.pdf\">Hunderte Millionen Menschen immer noch in Armut leben<\/a>, der einzige der 28 Bundesstaaten und acht Unionsterritorien Indiens, der die extreme Armut &uuml;berwunden hat. Zweitens wird Kerala von der von Kommunisten gef&uuml;hrten Linken Demokratischen Front (LDF) regiert, und ihm wird daher regelm&auml;&szlig;ig die Unterst&uuml;tzung durch die von der rechtsgerichteten Bharatiya Janata Party (Indische Volkspartei) gef&uuml;hrte Zentralregierung verweigert.<\/p><p>Keralas Projekt zur Beseitigung extremer Armut (EPEP) entstand auf der Grundlage jahrzehntelanger K&auml;mpfe von Arbeitern und Bauern, die starke &ouml;ffentliche Institutionen und Massenorganisationen geschaffen haben, sowie der Arbeit mehrerer linker Regierungen. Das EPEP wurde von Vijayan &ndash; einem F&uuml;hrungsmitglied der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten) &ndash; w&auml;hrend der ersten Kabinettssitzung der von ihm gef&uuml;hrten zweiten LDF-Regierung im Mai 2021 auf den Weg gebracht.<\/p><p>Nach einem streng auf Kriterien basierenden Prozess, der sich auf den Zugang der Haushalte zu Besch&auml;ftigung, Nahrung, Gesundheit und Wohnraum konzentrierte, identifizierte die Regierung 64.006 Familien (oder 103.099 Personen) als extrem arm. Um diese Erhebung durchzuf&uuml;hren, st&uuml;tzte sich die Regierung auf etwa 400.000 Z&auml;hler &ndash; darunter Regierungsangestellte, Genossenschaftsmitglieder und Mitglieder der Massenorganisationen linker Parteien &ndash;, um die besonderen Probleme zu ermitteln, mit denen arme Familien konfrontiert sind.<\/p><p>Diese Z&auml;hler erstellten f&uuml;r jede Familie ma&szlig;geschneiderte Pl&auml;ne &ndash; von der Sicherung von Anspr&uuml;chen und dem Zugang zu &ouml;ffentlichen Dienstleistungen bis hin zur Beschaffung von Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Lebensunterhalt &ndash;, um ihre St&auml;rke im Kampf gegen die Armut zu f&ouml;rdern.<\/p><p>Die Genossenschaftsbewegung spielte in dieser Kampagne eine grundlegende Rolle. Der Planungsprozess zur Armutsbek&auml;mpfung w&auml;re ohne die Rolle des lokalen Selbstverwaltungssystems, das Ergebnis der erfolgreichen Dezentralisierung der Macht in Kerala, nicht m&ouml;glich gewesen. Zum Zeitpunkt der Ver&ouml;ffentlichung dieses Newsletters finden in Kerala gerade neue Kommunalwahlen statt.<\/p><p>In den letzten Jahren hat das Tricontinental: Institute for Social Research eng mit dem Forschungszentrum der Uralungal Labour Contract Cooperative Society (UL) zusammengearbeitet, um Wissen &uuml;ber die Genossenschaftsbewegung in Kerala aufzubauen. Wir sind sehr stolz darauf, unsere gemeinsame Studie &bdquo;<a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/study-kerala-cooperatives\/\">Die Genossenschaftsbewegung in Kerala, Indien<\/a>&ldquo; einen Monat nach der Erkl&auml;rung Keralas zur Beseitigung der extremen Armut zu ver&ouml;ffentlichen.<\/p><p>Unsere Studie stellt sechs verschiedene Genossenschaften vor, mit Beitr&auml;gen, die von Wissenschaftlern recherchiert und verfasst wurden, die eng mit ihnen zusammengearbeitet haben. Einer von ihnen konzentriert sich auf Kudumbashree, eine reine Frauenkooperative mit fast f&uuml;nf Millionen Mitgliedern, die eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des EPEP gespielt hat.<\/p><p>Keralas erste demokratische Regierung, die 1957 ihr Amt antrat, wurde von Kommunisten gef&uuml;hrt. Sie begann sofort mit der Durchf&uuml;hrung eines Programms zur Agrarreform, einschlie&szlig;lich Landumverteilung, und mit dem Ausbau universeller Sozialg&uuml;ter wie &ouml;ffentlicher Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/dossier-the-joy-of-reading\/\">Bibliotheken<\/a>.<\/p><p>Diese Demokratisierung des l&auml;ndlichen Raums in Verbindung mit einer anhaltenden sozialen Mobilisierung beschleunigte den Weg von Millionen Menschen in Kerala zu sozialen Indikatoren, die weltweit Beachtung finden: nahezu vollst&auml;ndige Alphabetisierung, sehr niedrige S&auml;uglings- und M&uuml;ttersterblichkeit, hohe Lebenserwartung und einige der h&ouml;chsten Werte f&uuml;r die menschliche Entwicklung in Indien. Diese Investitionen, die &uuml;ber Jahrzehnte hinweg get&auml;tigt wurden, schufen die Voraussetzungen f&uuml;r die Beseitigung der Armut, lange bevor die gezielten Programme ins Leben gerufen wurden.<\/p><p>Kommunistisch gef&uuml;hrte Koalitionen regierten Kerala von 1957 bis 1959, 1967 bis 1969, 1980 bis 1981, 1987 bis 1991, 1996 bis 2001, 2006 bis 2011 und von 2016 bis heute. Selbst wenn die Linke nicht an der Macht war, stellte die soziale Mobilisierung durch die Linke sicher, dass rechtsgerichtete Regierungen diese Errungenschaften nicht vollst&auml;ndig r&uuml;ckg&auml;ngig machen konnten.<\/p><p>Mit dem Erstarken des neoliberalen Modells der Schuldenkonsolidierung in den 1990er-Jahren wuchs der Druck auf die LDF-Regierung, einige dieser Projekte r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen und Privatisierungen durchzuf&uuml;hren. Die LDF entschied sich jedoch f&uuml;r einen anderen Weg.<\/p><p>Durch die 1996 ins Leben gerufene <a href=\"https:\/\/peoplesdispatch.org\/2021\/09\/19\/bringing-the-state-closer-to-people-25-years-of-keralas-peoples-plan\/\">People&rsquo;s Plan Campaign<\/a> for Decentralised Planning (Volkskampagne f&uuml;r dezentrale Planung) &uuml;bertrug die Regierung 40 Prozent der Staatsausgaben an lokale Verwaltungen und forderte diese auf, den Bedarf zu ermitteln, Programme zu entwerfen und Budgets f&uuml;r Entwicklungsprojekte zuzuweisen. Anstatt eine einheitliche Agenda f&uuml;r Entwicklung und Armutsbek&auml;mpfung zu entwickeln, schufen die Menschen in Kerala lokal geplante und kontextspezifische Projekte, die sich auf die Emanzipation ausgebeuteter und marginalisierter Gemeinschaften konzentrierten, darunter Angeh&ouml;rige indigener V&ouml;lker (Adivasis), der untersten sozialen Schichten (Dalits) und K&uuml;stengemeinden. Die Kampagne schuf eine Kultur der demokratisierten Sozialpolitik und bef&ouml;rderte ein dichtes Netzwerk von &ouml;ffentlichen Einrichtungen und Genossenschaften &ndash; allesamt entscheidend f&uuml;r das EPEP.<\/p><p>Als er das Ende der extremen Armut in Kerala verk&uuml;ndete, stellte Chief Minister Vijayan das EPEP als Fortsetzung dieses langen Weges vor. Er verwies auf mehrere Initiativen, die den Weg f&uuml;r das Programm geebnet hatten, darunter die Universalisierung des &ouml;ffentlichen Verteilungssystems, das subventionierte Lebensmittel und Kraftstoffe bereitstellt, sowie langfristige Bem&uuml;hungen zur Beseitigung von Landlosigkeit und Wohnungslosigkeit, darunter die LIFE-Mission, die weit &uuml;ber 400.000 Familien im ganzen Bundesstaat mit Wohnraum versorgt hat.<\/p><p>Zu diesen k&ouml;nnen wir weitere S&auml;ulen des Modells von Kerala hinzuf&uuml;gen &ndash; staatliche Programme, die die &ouml;ffentliche Gesundheitsversorgung, die Lebensmittelverteilung, die Unterst&uuml;tzung im Bildungsbereich und Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeiten erweitert haben, und nicht zuletzt die Genossenschaften. Zusammen haben diese Initiativen das soziale Leben in Kerala ver&auml;ndert und den Charakter seiner linken Bewegung gest&auml;rkt.<\/p><p>Unsere Studie mit dem UL Research Centre bietet einen Einblick in die verschiedenen Genossenschaften, die eine Schl&uuml;sselrolle bei der Demokratisierung der Wirtschaft Keralas gespielt haben. Kudumbashree, was auf Malayalam &bdquo;Wohlstand der Familie&rdquo; bedeutet, wurde 1998 als Teil der Mission des Bundesstaates zur Beseitigung der Armut gegr&uuml;ndet und ist heute das gr&ouml;&szlig;te Netzwerk f&uuml;r gegenseitige Hilfe von Frauen weltweit.<\/p><p>Es baut auf eine transformative Idee auf: Wenn Frauen auf Haushalts- und Gemeindeebene ihr Selbstvertrauen und ihre F&auml;higkeit zur Bew&auml;ltigung des Wirtschaftslebens st&auml;rken, kann sich der Schwerpunkt der Entwicklung von patriarchalischen Institutionen hin zu den Bed&uuml;rfnissen berufst&auml;tiger Frauen verlagern. Kollektivfarmen, Gemeinschaftsk&uuml;chen, genossenschaftliche Initiativen zur Kompetenzentwicklung und andere Formen gemeinschaftlicher Unternehmungen haben es den Frauen von Kudumbashree erm&ouml;glicht, ihr Einkommen zu steigern und sowohl im &ouml;ffentlichen als auch im privaten Leben Macht aufzubauen.<\/p><p>Kudumbashrees Schwerpunkt auf Solidarit&auml;t statt Wettbewerb und auf kollektivem statt individuellem Unternehmertum unterscheidet es von marktorientierten Strategien zur Armutsbek&auml;mpfung. K&uuml;rzlich k&uuml;ndigte die Regierung von Kerala ein Soziales Sicherungssystem f&uuml;r Frauen (<a href=\"https:\/\/yojanapopular.com\/kerala-womens-security-scheme\/\">Women&rsquo;s Security Scheme<\/a>) an, das auf der Notwendigkeit basiert, den Wert unbezahlter Hausarbeit anzuerkennen. Anspruchsberechtigte Frauen zwischen 35 und 60 Jahren erhalten 1.000 Rupien pro Monat. Eine solche Initiative ist Teil der allgemeinen Bem&uuml;hungen, die patriarchalischen Eigentumsverh&auml;ltnisse in Kerala zu ver&auml;ndern.<\/p><p>Kudumbashree ist Teil eines gr&ouml;&szlig;eren &Ouml;kosystems von Genossenschaften, die Keralas Kampf gegen die Armut unterst&uuml;tzen. Zusammengenommen sind diese Initiativen eindrucksvolle Beispiele daf&uuml;r, was Marx sagte: &bdquo;Die Lohnarbeit (ist) nur eine vor&uuml;bergehende und untergeordnete Form, bestimmt, vor der assoziierten Arbeit zu verschwinden, die mit williger Hand, bereitem Geist und freudigem Herzen ihre Arbeit verrichtet.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Sie zeigen, dass Genossenschaften nicht nur Sicherheitsnetze f&uuml;r die Armen sind, sondern auch Vehikel f&uuml;r demokratische Planung, technologischen Fortschritt und soziale W&uuml;rde.<\/p><p>Dazu geh&ouml;ren:<\/p><ul>\n<li><strong>Die Uralungal Labour Contract Cooperative Society (UL)<\/strong>: Die UL wurde 1925 im Norden Keralas als Genossenschaft f&uuml;r Bauarbeiter gegr&uuml;ndet, die mit Ausgrenzung aufgrund ihrer Kastenzugeh&ouml;rigkeit konfrontiert waren. Sie hat sich zu einer der gr&ouml;&szlig;ten Arbeiterkooperativen Asiens entwickelt und besch&auml;ftigt Zehntausende von Menschen in gro&szlig;en Infrastrukturprojekten. Sie zeigt, wie von Arbeitnehmern kontrollierte Unternehmen komplexe &ouml;ffentliche Bauvorhaben durchf&uuml;hren und gleichzeitig den sozialen Schutz und das kollektive Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer und der umliegenden Gemeinschaften erweitern k&ouml;nnen.<\/li>\n<li><strong>Keralas Netzwerk von Kreditgenossenschaften<\/strong>: Mehr als viertausend Kreditgenossenschaften mit mehreren zehn Millionen Mitgliedern vor allem aus der Arbeiterklasse und marginalisierten Bev&ouml;lkerungsgruppen arbeiten als &bdquo;Volksbanken&rdquo;, die Bereiche erreichen, die private Finanzinstitute nicht abdecken. Indem sie Kreditnehmer vor Geldverleihern sch&uuml;tzen, die Landreform verankern und lokale Ersparnisse mobilisieren &ndash; auch w&auml;hrend der &Uuml;berschwemmungen 2018 und der COVID-19-Pandemie &ndash; sind sie das finanzielle R&uuml;ckgrat f&uuml;r die Beseitigung der Armut.<\/li>\n<li><strong>Die Kerala Dinesh Beedi Workers&rsquo; Central Cooperative Society<\/strong>: Sie wurde 1969 gegr&uuml;ndet, nachdem private Besitzer von Beedi-Fabriken (Beedi sind d&uuml;nne, handgerollte Zigaretten) ihre Betriebe geschlossen hatten, anstatt neue Arbeitsschutzma&szlig;nahmen umzusetzen. Dinesh Beedi wurde schnell zum f&uuml;hrenden Beedi-Hersteller in S&uuml;dindien. Die Genossenschaft sicherte ihren Mitgliedern h&ouml;here L&ouml;hne, soziale Sicherheit und ein reichhaltiges kulturelles Leben. Sp&auml;ter diversifizierte sie weg vom Tabak, um Arbeitspl&auml;tze in sozial n&uuml;tzlicher Produktion zu erhalten.<\/li>\n<li><strong>Die Sahya Tea Cooperative Factory<\/strong>: In der Bergregion von Idukki gr&uuml;ndeten kleine Teebauern und Landarbeiter 2017 mithilfe der Thankamany Service Cooperative Bank mit 15.000 Mitgliedern ihre eigene Fabrik und l&ouml;sten sich damit von den &bdquo;Big Tea&ldquo;-Monopolen. Mit einer Verarbeitung von 15.000 Kilogramm Bl&auml;ttern pro Tag und mehr als 150 Besch&auml;ftigten sichert Sahya rund 3.500 Teebauern bessere Preise und zeigt, wie kleine Produzenten in der Wertsch&ouml;pfungskette vorankommen und menschenw&uuml;rdige Existenzgrundlagen verteidigen k&ouml;nnen.<\/li>\n<li><strong>Die Udayapuram Labour Contract Cooperative Society<\/strong>: In Kodom Belur, einer abgelegenen Dorfgemeinschaft in Kasaragod, gr&uuml;ndeten Bewohner, die mit feudalen Grundbesitzverh&auml;ltnissen, korrupten Beamten und ausbeuterischen Auftragnehmern konfrontiert waren, 1997 eine Arbeitsgenossenschaft. Von etwas mehr als 200 Mitgliedern ist sie auf fast 3.000 angewachsen, darunter viele Adivasis, die nun &ouml;ffentliche Arbeiten zu transparenten, fairen Bedingungen ausf&uuml;hren und die Priorit&auml;ten der lokalen Entwicklung selbst gestalten.<\/li>\n<\/ul><p>Insgesamt betrachtet zeigen diese Genossenschaften &ndash; ebenso wie Kudumbashree &ndash; was m&ouml;glich wird, wenn staatliche Politik, soziale Reformen und organisierte Arbeitnehmer zusammenkommen. Sie tun mehr, als nur die H&auml;rten des Marktes abzumildern. Sie organisieren die Produktion nach menschlichen Bed&uuml;rfnissen neu, vertiefen die Demokratie am Arbeitsplatz und im Ort und bieten einen lebendigen Eindruck von assoziierter Arbeit in der Praxis &ndash; von einem m&ouml;glichen Kommunismus &ndash;, selbst unter den harten Bedingungen des zeitgen&ouml;ssischen Kapitalismus, die Programme wie das EPEP notwendig machen.<\/p><p>Die Geschichte der Armutsbek&auml;mpfung in Kerala ist nicht ohne Herausforderungen. Der Bundesstaat geh&ouml;rt nach wie vor zur Indischen Union und ist daher anf&auml;llig f&uuml;r die Wechself&auml;lle der Politik der rechtsgerichteten Regierung in Neu-Delhi. Wie in vielen Teilen des Globalen S&uuml;dens sind auch die jungen Menschen in Kerala mit hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert und emigrieren oft in die Persische Golfregion und andere Teile der Welt, um Arbeit zu finden. Versuche, neue, <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/newsletterissue\/newsletterissue-china-socialist-development\/\">hochwertige Produktivkr&auml;fte<\/a> aufzubauen, die es dem Bundesstaat erm&ouml;glichen k&ouml;nnten, veraltete Industrien zu ersetzen, werden durch den begrenzten Zugang zu den Steuereinnahmen gebremst, die die Zentralregierung vom Bundesstaat einzieht. Dennoch gibt es fortlaufende Bem&uuml;hungen, diese Einschr&auml;nkungen zu &uuml;berwinden und ein robusteres Wachstumsparadigma f&uuml;r Kerala aufzubauen.<\/p><p>Im Februar 2021 gab Pr&auml;sident Xi Jinping bekannt, dass fast 99 Millionen Chinesen sich aus der extremen Armut befreit h&auml;tten, die letzten Armen des Landes. Das Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern hat dies ein Jahrzehnt vor dem von den Vereinten Nationen in den Zielen f&uuml;r nachhaltige Entwicklung <a href=\"https:\/\/sdgs.un.org\/goals\">f&uuml;r 2030 festgelegten Termin<\/a> getan.<\/p><p>Kerala hat sein Ziel ein Jahr vor dem erwarteten Termin erreicht.<\/p><p>Vietnam, ein weiteres Land, das diesem Ziel nahe ist, plant, die extreme Armut bis 2030 zu beenden.<\/p><p>Es ist keine &Uuml;berraschung, dass alle diese drei Projekte von kommunistischen Parteien geleitet werden, deren Einsatz f&uuml;r die Emanzipation der Menschen sie dazu antreibt, daf&uuml;r zu arbeiten, dass jeder Mensch ein w&uuml;rdiges Leben f&uuml;hren kann. Die Beseitigung der Armut ist kein Ziel an sich, sondern Teil des langen Weges zur menschlichen Emanzipation &ndash; sie ist ein lebendiges gesellschaftliches Projekt und keine Liste von Punkten, die abgehakt werden m&uuml;ssen. Wie Kwame Nkrumah sagte: &bdquo;Vorw&auml;rts immer, r&uuml;ckw&auml;rts niemals&ldquo;.<\/p><p>Mit herzlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nVijay<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist der <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/newsletterissue\/kerala-extreme-poverty\/\">50. Newsletter des Tricontinental: Institute for Social Research<\/a>, aus dem Englischen &uuml;bersetzt von <strong>Marta Andujo<\/strong>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: AustralianCamera \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91897\">Apple: Zwangsarbeit in Indien mit Foxconn<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124292\">Faktencheck &agrave; la NDS: Kein offizieller Empfang f&uuml;r Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock in Indien?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143543\">Die &bdquo;w&uuml;tende Flut&ldquo; der Ultrarechten in Lateinamerika<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143065\">Blick aus dem Globalen S&uuml;den: &bdquo;Verstehen, wer die Menschheit gerettet hat&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142057\">Blick aus dem Globalen S&uuml;den: Der Sudan braucht Frieden &ndash; jetzt<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/94d66a2e41a84fe9bead9c60bb611467\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Quelle: Karl Marx, <em>Inauguraladresse der Internationalen Arbeiterassoziation<\/em>, 1864, in: Marx-Engels-Werke (MEW), Band 16, Berlin: Dietz Verlag, 1962, S.&#8239;14.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kerala ist es in den letzten Jahren als einzigem indischen Bundesstaat gelungen, die extreme Armut zu beseitigen. 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