{"id":143991,"date":"2026-01-01T12:00:13","date_gmt":"2026-01-01T11:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143991"},"modified":"2025-12-23T07:10:32","modified_gmt":"2025-12-23T06:10:32","slug":"der-mensch-als-waffe-und-kriegsschauplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143991","title":{"rendered":"Der Mensch als Waffe und Kriegsschauplatz"},"content":{"rendered":"<p>Sind die da oben denn alle verr&uuml;ckt geworden, mag man sich fragen angesichts der geradezu hysterischen Kriegspropaganda, die uns umgibt. Ein &Uuml;berfall Russlands w&uuml;rde erwartet, also sei es mehr als gerechtfertigt, dass Deutschland Milliardenschulden aufnimmt. Hektische Aufr&uuml;stung, K&uuml;rzung von Sozialleistungen &ndash; doch Proteste dagegen sind immer noch zaghaft. Was geschieht mit uns? Dieser Frage ist die &bdquo;Neue Gesellschaft f&uuml;r Psychologie&ldquo; in einem Kongress nachgegangen, zu dem es jetzt eine &uuml;beraus interessante Buchver&ouml;ffentlichung gibt: &bdquo;Militarisierung der Gesellschaft. Von der Gl&uuml;ckss&uuml;chtigkeit zur Kriegsbereitschaft&ldquo;. Eine Rezension von <strong>Irmtraud Gutschke<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7579\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-143991-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251222-Mensch-als-Waffe-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251222-Mensch-als-Waffe-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251222-Mensch-als-Waffe-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251222-Mensch-als-Waffe-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=143991-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251222-Mensch-als-Waffe-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"251222-Mensch-als-Waffe-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zu diesen verr&uuml;ckten Zeiten f&auml;llt mir eine Gruselstory ein, die Edgar Allan Poe 1845 verfasste: &bdquo;Das System des Dr. Teer und Prof. Feder&ldquo;. Neugierig auf dieses psychologische Konzept, besucht der Erz&auml;hler eine Nervenklinik im S&uuml;den Frankreichs und wird in be&auml;ngstigend-bizarre Vorg&auml;nge hineingezogen, ehe ihm die Augen aufgehen: Die Patienten haben ihre &Auml;rzte und W&auml;rter eingesperrt, die nun ihrerseits den Verstand verlieren. Der Wahnsinn hat gesiegt.<\/p><p>&Uuml;bertragen auf hier und heute, mag es uns ja scheinen, dass diese oder jene Politiker in ihrer aggressiven Realit&auml;tsverleugnung, ihrer narzisstischen Selbst&uuml;bersch&auml;tzung, gepaart mit Verfolgungsangst, psychiatrische Hilfe n&ouml;tig h&auml;tten. Doch im Gegenteil verd&auml;chtigen sie alle, die irgendwie Einspruch wagen, verhaltensgest&ouml;rt zu sein.<\/p><p>&bdquo;Vorbereitet wird die Schaffung einer &sbquo;Volksgemeinschaft&lsquo; zum Schwur auf den Krieg&ldquo;, hei&szlig;t es in der Einleitung zu diesem Band. &bdquo;Dazu bedarf es andererseits der Spaltung der Gesellschaft, der Gleichschaltung der Medien, der Einschr&auml;nkung der Grundrechte und Meinungsfreiheit und vieles mehr. Jede Kritik daran wird brutalst verfolgt. Dies alles sind allerdings Entwicklungen, die in der Coronazeit bereits einge&uuml;bt wurden.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Schon damals sei eine gesellschaftliche Spaltung entstanden, die sich inzwischen vertiefte. Vordergr&uuml;ndig ging es um die Pandemiema&szlig;nahmen, darum, ob man sich impfen lassen sollte oder nicht. Doch dahinter stand die grundlegende Frage, wie frei wir denn noch sind, ob man uns nicht wie im Film &bdquo;Matrix&ldquo; eine Scheinwelt &uuml;berst&uuml;lpt. Dieses unbehagliche Gef&uuml;hl hat sich heute verst&auml;rkt. Nicht verwunderlich, dass viele da die K&ouml;pfe in den Sand stecken. Um ihres Seelenfriedens willen lassen sie die &bdquo;Tagesschau&ldquo;-Propaganda &uuml;ber sich ergehen, um sich danach von der Abendunterhaltung berieseln zu lassen. Das scheint derma&szlig;en identit&auml;tsstiftend zu sein, dass abweichende Meinungen nicht ertragen werden.<\/p><p>Eine ruhige Debatte &uuml;ber den Ukrainekonflikt zum Beispiel scheint unm&ouml;glich. Wer dem offiziellen Narrativ nicht folgt, tut oft gut daran, das Thema zu meiden, um sich nicht mit Kollegen, Freunden, Verwandten zu zerstreiten. Ist das Unsicherheit, Opportunismus, Feigheit? Zweifel und Ohnmachtsgef&uuml;hle: Da kann es allein schon hilfreich sein, das Be&auml;ngstigende klar zu benennen. Doch daf&uuml;r muss man es erst einmal durchschauen.<\/p><p>Der Band &bdquo;Militarisierung der Gesellschaft. Von der Gl&uuml;ckss&uuml;chtigkeit zur Kriegsbereitschaft&ldquo; ist von der Neuen Gesellschaft f&uuml;r Psychologie initiiert worden. Sein Vorzug: Individuelles Verhalten wird in einem gr&ouml;&szlig;eren gesellschaftlichen Kontext betrachtet. Drei&szlig;ig kompetente Leute &ndash; Psychologen, aber auch Politik- und Erziehungswissenschaftler, Konfliktforscher, Historiker, &Ouml;konomen, K&uuml;nstler, Journalisten beleuchten das Thema von verschiedenen Seiten. So viel Wissen floss da zusammen! Erstaunlich! Eigentlich m&uuml;sste dieses Buch zum Bestseller werden. Aber es ist kein Wunder, dass es medial bisher kaum zur Kenntnis genommen wurde.<\/p><p><strong>Der Wunsch, eine unannehmbare Realit&auml;t zu verdr&auml;ngen<\/strong><\/p><p>Schon in ihrem Band &bdquo;Macht. Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird&ldquo; haben sich Almuth Bruder-Bezzel und Klaus-J&uuml;rgen Bruder eingehend mit Techniken der Manipulation besch&auml;ftigt. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die vorliegende Sammlung haben sie zusammen mit Benjamin Lemke und Conny Stahmer-Weinandy herausgegeben.<\/p><p>&bdquo;Ein medialer Gleichschritt l&auml;sst differenzierte Stimmen kaum zu Wort kommen&ldquo;, stellt Benjamin Lemke fest. Wie er als Psychologe und Politikwissenschaftler beide Wissensgebiete verbindet, ist beeindruckend. In seinem Aufsatz &bdquo;Das Phantasma der Macht im Angesicht von Aufr&uuml;stung und Krieg&ldquo; bezieht er sich auf Rosa Luxemburg ebenso wie auf Sigmund Freud.<\/p><p>Schon kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1913 hat Rosa Luxemburg ja die Funktion des Militarismus in der Geschichte des Kapitalismus herausgearbeitet:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Tatsache, dass der Kapitalismus auf Dauer nicht friedlich existieren kann, ergibt sich aus dem &ouml;konomischen System und dem Zwang der Konkurrenz. Die ungleichen Entwicklungen zwischen den imperialistischen Hauptm&auml;chten untereinander bergen den wesentlichen Sprengstoff zur Entfesselung inner-imperialistischer Kriege.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Sigmund Freud, der zun&auml;chst voll patriotischer Euphorie war, wurde angesichts der grassierenden Gewalt zum Kriegsgegner. Ein kriegf&uuml;hrender Staat setze &bdquo;List, L&uuml;ge und Betrug&ldquo; nicht nur gegen den Feind ein, sondern fordere zugleich &bdquo;Gehorsam und Aufopferung von seinen B&uuml;rgern. Zugleich entm&uuml;ndige er durch Verheimlichung, Zensur und falsche Nachrichten.&ldquo;<\/p><p>Trifft das auf Deutschland nicht bereits zu? Wenn Widerspr&uuml;che unbewusst gemacht werden, &bdquo;entsteht ein machtvoller Konsens, der sich auf verschiedene Weisen in die Psyche des loyalen B&uuml;rgers einschreiben kann: Affirmation der guten Macht, Leugnung von Ohnmacht oder Verleugnung von Macht schlechthin&ldquo;, schreibt Benjamin Lemke. Schon Sigmund Freud habe gewusst: An sich v&ouml;llig unglaubhaft scheinende Rechtfertigungsversuche einer herrschenden Klasse werden geglaubt, weil sie unannehmbare Realit&auml;t verdr&auml;ngen helfen, die Flucht in die Illusion erlauben und die Gr&ouml;&szlig;en-Allmachtsfantasien der Unterworfenen &bdquo;erl&ouml;sen&ldquo;. So sei es &bdquo;gerade der Wunsch nach eigener Macht, die Fiktion eigener Macht, Souver&auml;nit&auml;t und Selbstbestimmung, der durch die Kriegsrhetorik ausgebeutet wird.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Seinen Ausf&uuml;hrungen stellt er ein Zitat von Bertolt Brecht aus dem Jahre 1954 voran:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Kapitalisten wollen keinen Krieg. Sie m&uuml;ssen ihn wollen. Die deutschen Kapitalisten haben zwei M&ouml;glichkeiten in einem Krieg. Sie verraten Deutschland und liefern es an die USA aus. Sie betr&uuml;gen die USA und setzen sich an die Spitze.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Momentan k&ouml;nnte gar Letzteres geschehen. Zusammen mit den Kriegstreibern in der EU widersetzt sich die deutsche Regierung den von Wirtschaftsinteressen geleiteten Friedensbem&uuml;hungen der USA, um gegen alle Vernunft, auf Teufel komm raus weiterhin auf einen Sieg der Ukraine gegen Russland zu setzen &ndash; und um nach all den Jahren nicht selbst als Versager dazustehen.<\/p><p>Gerade hat Wolodymyr Selenskyj seinen Stabschef Andrij Jermak dazu bewegt, seinen R&uuml;cktritt einzureichen, nachdem Ermittler dessen B&uuml;ro durchsucht hatten. Damit der Korruptionsskandal nicht noch gr&ouml;&szlig;ere Wellen schl&auml;gt? [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] K&ouml;nnten am Ende auch Br&uuml;ssel und Berlin involviert sein?<\/p><p><strong>Ein Blick in die Geschichte<\/strong><\/p><p>Es ist ein Vorzug des Buches, dass geopolitische Zusammenh&auml;nge nicht au&szlig;en vor bleiben und auch historische Hintergr&uuml;nde beleuchtet werden. Nicht allen d&uuml;rfte bekannt sein, was Werner R&uuml;gemer schreibt: Demnach h&auml;tten mit Beginn des Ersten Weltkrieges die &bdquo;Wall-Street Banken und die mit ihnen aktion&auml;rsm&auml;&szlig;ig verbundenen Konzerne &ndash; R&uuml;stung, Energie, Lebensmittel, Textil usw.&ldquo; die Armeen &bdquo;insbesondere Gro&szlig;britanniens, Frankreichs, Italiens&ldquo; kreditiert und beliefert.<\/p><p>Die aufsteigenden Faschismen in Europa seien ebenfalls durch das US-Kapital unterst&uuml;tzt worden, so R&uuml;gemer. &bdquo;Ab 1935 produzierten Ford, GM und Chrysler in ihren westeurop&auml;ischen und deutschen Filialen die meisten Milit&auml;rfahrzeuge f&uuml;r die Wehrmacht.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Die viel beschworene UN-Charta sei gegen solche Machenschaften oft wirkungslos geblieben, res&uuml;miert der Politikwissenschaftler Wolfram Effenberger. Das V&ouml;lkerrecht werde zunehmend missachtet, die Menschen w&uuml;rden get&auml;uscht und belogen, Konflikte eher gesch&uuml;rt als beigelegt und Massenvernichtungspotenzial eher einsatzbereit gehalten anstatt abgebaut. Und das Ganze im Namen der Humanit&auml;t &hellip; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p><strong>Medien als Sprachrohr von Machtpolitik<\/strong><\/p><p>&bdquo;Verordnete Kriegst&uuml;chtigkeit und paralysierte B&uuml;rger&ldquo; hat der Konfliktforscher Leo Ensel seinen Text genannt. &bdquo;Warum reagieren wir so, als handele es sich um ein unbeeinflussbares Naturereignis, obwohl in dieser Angelegenheit doch alles, was geschieht, in der Macht menschlicher Berechnung und Entscheidung liegt?&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Warum wird die (Atom)-Kriegsgefahr so wirkungsvoll verdr&auml;ngt? Weil wir uns eine solch riesige Bedrohung nicht vorstellen k&ouml;nnen und wollen.<\/p><p>Zudem liefert die nahezu gleichgeschaltete (&ouml;ffentliche und private) Medienlandschaft &bdquo;jede Menge &sbquo;Ablenk&auml;ngste&lsquo;. &bdquo;Dazu passt &ndash; das hat der Psychologe und Amerikanist Jonas T&ouml;gel pr&auml;zise herausgearbeitet &ndash;, dass die NATO den Bereich der &sbquo;Kognitiven Kriegsf&uuml;hrung&lsquo; &hellip; zum offiziellen sechsten Kriegsschauplatz erkl&auml;rt hat und nun Unsummen in diesen Bereich pumpt.&ldquo; [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>&bdquo;Zum Krieg muss der Mensch erst erzogen werden&ldquo;, schreibt die Sozialp&auml;dagogin Conny Stahmer-Weinandy, &bdquo;man muss seine Menschlichkeit, seine vitale Lebensenergie und Gl&uuml;ckserwartung erst abschaffen, ihn seiner Lust und seinem Leben entfremden &hellip; Man muss ihn davon &uuml;berzeugen, dass Abstrakta wie Freiheit, Vaterland, Demokratie, Sicherheit, Wertewesten realer sind als der konkrete Mensch &hellip; Man muss das unbefangen Menschliche erst abschaffen und ein Glaubensbekenntnis an seine Stelle setzen.&ldquo; Krieg kann dann als Abenteuer erscheinen, eine eingeschworene Gemeinschaft versprechen, die es wert ist, nach Innen und nach Au&szlig;en verteidigt zu werden. &bdquo;Auch immer mehr Frauen wollen dem Vaterland dienen. Sie glauben, es sei Gleichberechtigung (&hellip;).&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Solange Herrschaft auf die Zustimmung der Bev&ouml;lkerung, den gesellschaftlichen Konsens angewiesen sei, wird sie Steuerungstechniken einsetzen, um das Verhalten sowie das Denken in ihrem Sinne zu beeinflussen.<\/p><p>Unfassbar, wie Joachim Gauck als damaliger Bundespr&auml;sident am 12. Juni 2012 in der F&uuml;hrungsakademie der Bundeswehr in Hamburg f&uuml;r Auslandseins&auml;tze deutscher Soldaten warb, wobei er einr&auml;umte: &bdquo;Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist f&uuml;r unsere gl&uuml;ckss&uuml;chtige Gesellschaft schwer zu ertragen.&ldquo; Aber Freiheit sei &bdquo;ohne Verantwortung nicht zu haben, sie entbehrt auch ihres Wertes und ihrer W&uuml;rde ohne diesen Begriff.&ldquo; [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>&bdquo;Was macht das mit der Bev&ouml;lkerung?&ldquo;, fragt der Psychologie-Professor Klaus-J&uuml;rgen Bruder. &bdquo;Der Mensch als Objekt der Verh&auml;ltnisse &hellip; Wir sind darauf angewiesen, Zeichen zu deuten und mit dieser Deutung etwas zu machen, auf diese Deutung zu antworten.&ldquo; Und wir k&ouml;nnen auch gegen diese Deutung opponieren, ihr zuwiderhandeln. Die Parole &bdquo;Freiheit, Demokratie gegen Autokratie&ldquo; ist in seinen Augen ein &bdquo;Versteckspiel des Diskurses der Macht. Der Krieg wird nicht darum gef&uuml;hrt, worum die Diskussion gef&uuml;hrt wird.&ldquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Dass die &bdquo;Corona-Inszenierung&ldquo; so etwas &bdquo;wie die Generalprobe der Vorbereitungen f&uuml;r den jetzt angek&uuml;ndigten Krieg&ldquo; gewesen sei, meint er. Christiane Reymann, Mitbegr&uuml;nderin der Partei Die LINKE, stimmt ihm zu. &bdquo;Wie konnte es dazu kommen, dass im Zeichen von Corona so gro&szlig;e Teile von Gesellschaftskritikern pl&ouml;tzlich &uuml;berzeugt waren, der Staat sorge sich um das Wohlergehen seiner B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger? Warum um alles in der Welt sollte deren Gesundheit pl&ouml;tzlich Zentrum und Bezugspunkt all seines Handelns geworden sein? [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Die Stigmatisierung von Protesten gegen Grundrechtsverletzungen im Zeichen von Corona als verschw&ouml;rungstheoretisch, rassistisch, antisemitisch, rechtsoffen, rechtsextrem &hellip; hat eines sicher verst&auml;rkt: Die Scheu vor kapitalistischer Systemkritik.&ldquo; [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Bestenfalls in &bdquo;Sklavensprache&ldquo; werde sie noch ge&uuml;bt.<\/p><p>Daraus sei die LINKE geschw&auml;cht hervorgegangen. &bdquo;Im Bundestag und Bundesrat nutzt die Partei Die Linke nicht ihre Chance, den fahrenden Zug der Militarisierung in Deutschland wenigstens aufzuhalten.&ldquo; Insofern, so f&uuml;ge ich hinzu, hat der Triumph, mit einer gro&szlig;en Fraktion im Parlament zu sitzen, wohl eine Kehrseite. Mitunter sogar publikumswirksam, wird Aufruhr simuliert. Das erwartet man ja von den Linken im politischen Theater.<\/p><p>Aber gerade im Ukraine-Konflikt liegt die LINKE nahe an den herrschenden Parteien &ndash; was wiederum der AfD nutzt, die sich nun gar als Friedenskraft inszenieren kann.<\/p><p><strong>Und wo bleibt die Friedensbewegung?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Der Mensch als Waffe und Kriegsschauplatz&ldquo; &ndash; so haben Annelise Fikentscher und Andreas Neumann ihren Beitrag &uuml;berschrieben. Politische Techniken, um das Friedensinteresse der Bev&ouml;lkerung umzulenken und zu brechen, seien schon vor 1917 in den USA entwickelt worden. Edward Bernays, der Neffe Sigmund Freuds, tat sich dabei besonders hervor. Die D&auml;monisierung des hinter jeder Ecke lauernden Kommunismus als &bdquo;Feind von Gott und Vaterland&ldquo; sei damals nur eines von vielen Mitteln gewesen.<\/p><p>Neu war mir, welche Rolle heute dem &bdquo;International Peace Bureau&ldquo; in der Berliner Marienstra&szlig;e zukommt, &bdquo;um zu verhindern, dass die Friedensbewegung vom NATO-Kurs abweicht&ldquo;. Unglaublich, ausgerechnet ein &bdquo;Friedensb&uuml;ro&ldquo; sollte der kognitiven Kriegsf&uuml;hrung dienen? &bdquo;Wirkungsvoller als die neue Friedensbewegung zu diffamieren&ldquo;, hei&szlig;t es im Buch, sei es gewesen, &bdquo;sie zu umarmen &hellip; Die Friedensbewegung musste entgratet, ihr musste die Spitze genommen werden &hellip;&ldquo; [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>So bitter es ist: &bdquo;Friedens-Kongresse und Friedensdemonstrationen haben keinen der beiden Weltkriege verhindert&ldquo;, res&uuml;miert Rudolph Bauer. &bdquo;Uns gegen&uuml;ber steht auf der Seite von Krieg, Milit&auml;r und Zerst&ouml;rung eine straff organisierte, gehorsamsgedrillte und mit modernster Technik bewaffnete &Uuml;bermacht, ein omnipotenter Gewaltapparat &hellip;&ldquo; [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Er zitiert Carl von Ossietzky, dass der deutsche Pazifismus immer illusion&auml;r gewesen sei, verschw&auml;rmt, gesinnungsbesessen. &bdquo;Er war Weltanschauung, Religion, Dogmatik, ohne dass sich etwas davon in Energie umgesetzt h&auml;tte &hellip; organisatorisch hat er nie die Massen erfasst. Da gerade liegt das Entscheidende: der Pazifismus muss politisch werden &hellip;&ldquo; [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/p><p>Wie aber soll das geschehen? Sp&auml;testens seit Corona hat eine allgemeine Ermattung das Land erfasst. Eine von t&auml;glichen Schreckensnachrichten erm&uuml;dete, frustrierte Bev&ouml;lkerung igelt sich ein, statt der Parole &bdquo;Aufstehen&ldquo; zu folgen. Nur nicht aufmucken &ndash; instinktiv sp&uuml;ren viele Leute die Gefahr und verkriechen sich in der Masse. Mit abweichenden Meinungen allein zu sein, gar ausgegrenzt zu werden, erscheint vielen B&uuml;rgern anscheinend momentan noch be&auml;ngstigender als das m&ouml;gliche Nahen eines gro&szlig;en Krieges.<\/p><p>Parieren sollen sie wie Schafe, die erst geschoren werden, ehe man sie zur Schlachtbank f&uuml;hrt &ndash; oder denen man das ganze Fell abzieht. Die Warnung vor falschen Propheten, die wie W&ouml;lfe in Schafspelzen zu den Menschen kommen, hat &uuml;ber Jahrtausende nicht an G&uuml;ltigkeit verloren. Wie in Grimms M&auml;rchen k&ouml;nnen sie auch Kreide fressen. Dass die Mutter Futter bringt, hoffen die Gei&szlig;lein, und &ouml;ffnen die T&uuml;r.<\/p><p><em>Bruder \/Bruder-Bezzel\/ Lemke\/ Stahmer-Weinandy (Hrsg.): &bdquo;Militarisierung der Gesellschaft. Von der Gl&uuml;ckss&uuml;chtigkeit zur Kriegsbereitschaft&ldquo;. Wien 2025, Verlag Promedia, Taschenbuch, 264 Seiten, ISBN 978-3853715550, 24 Euro.<\/em><\/p><p><em>Zum Band &bdquo;Militarisierung der Gesellschaft&rdquo; gibt es am 11. Februar, 18 Uhr, im &bdquo;Literatursalon im FMP1&Prime; in Berlin eine Veranstaltung von Irmtraud Gutschke mit den Psychologen Benjamin Lemke und Klaus-J&uuml;rgen Bruder.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: shutterstock.com \/ Kastoluza<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small><strong>Quellen:<\/strong><\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Militarisierung der Gesellschaft, S. 8<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Almuth Bruder-Bezzel\/ Klaus-J&uuml;rgen Bruder: Macht. Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird. Westend Verlag 2021.<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Militarisierung der Gesellschaft, S. 27 ff.<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/korruptionsverdacht-selenskyjs-stabschef-andrij-jermak-tritt-zurueck-li.10007923\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/korruptionsverdacht-selenskyjs-stabschef-andrij-jermak-tritt-zurueck-li.10007923<\/a><\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Militarisierung der Gesellschaft, S. 65 ff.<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] ebenda, S. 58<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] ebenda, S. 201<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] ebenda, S. 207<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] ebenda, S. 34 f.<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-06\/gauck-bundeswehr-ignoranz\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-06\/gauck-bundeswehr-ignoranz<\/a><\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Militarisierung der Gesellschaft, S. 49<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] ebenda, S. 102<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] ebenda, S. 104<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] ebenda, S. 231<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] ebenda, S. 77<\/small><\/p><p><small>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] ebenda, S. 84<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/a8efc2a393d24b3690ea5e5443464cba\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind die da oben denn alle verr&uuml;ckt geworden, mag man sich fragen angesichts der geradezu hysterischen Kriegspropaganda, die uns umgibt. 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