{"id":1440,"date":"2006-07-24T11:24:14","date_gmt":"2006-07-24T09:24:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1440"},"modified":"2016-02-01T11:52:37","modified_gmt":"2016-02-01T10:52:37","slug":"eine-privatisierung-nach-der-andern-was-steckt-dahinter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1440","title":{"rendered":"Eine Privatisierung nach der andern &#8211; was steckt dahinter?"},"content":{"rendered":"<p>Die Bahn soll verkauft werden, Investmentbanken empfehlen Totalzerschlagung der Post, Privatisierungen in M&uuml;lheim an der Ruhr, Freiburg will 7000 Wohnungen verkaufen, Braunschweig seine Abfallwirtschaft, und so fort.<br>\nEs regt sich Widerstand gegen diesen Ausverkauf von Volksverm&ouml;gen. Aber die Politik l&auml;sst sich davon kaum beeindrucken. Dem Widerstand gegen diese Privatisierungsmanie k&ouml;nnte die notwendige Dynamik fehlen, weil nicht hart genug gefragt wird, weil oft nur die sachliche Fragw&uuml;rdigkeit, die &bdquo;Dummheit&ldquo; der Entscheidungen kritisiert und nicht nach den dahinter steckenden privaten Interessenverflechtungen und nicht nach Korruption gefragt wird.<br>\n<!--more--><br>\nSo haben Attac und Robin Wood z.B. am 21.7. in einer spektakul&auml;ren Kletteraktion ein Protestbanner gegen den Ausverkauf der Bahn am Berliner Hauptbahnhof angebracht. Das ist bewundernswert und hat sicher auch seine Wirkung auf die Bildung der &ouml;ffentlichen Meinung. Aber in der dazu verbreiteten Pressemitteilung (siehe unten\/Anhang) suche ich vergeblich nach irgendeinem Hinweis oder auch nur nach einer Frage danach, wer an diesem Privatisierungsvorgang verdient. Die F&uuml;lle der Privatisierungen in Deutschland sind in der Regel sachlich so unbegr&uuml;ndet, dass man sie nur noch verstehen kann, wenn man fragt, wer davon profitiert und beim Vorgang selbst die Hand aufh&auml;lt.<\/p><p>Einige Beobachter und Kritiker der Privatisierungsvorg&auml;nge stellen diese Frage: Werner R&uuml;gemer zum Beispiel hat im Falle M&uuml;lheims, <a href=\"?p=1433\">wie von uns berichtet<\/a>, und in anderen F&auml;llen diese Frage gestellt. In Braunschweig hat eine B&uuml;rgerinitiative die Hintergr&uuml;nde der dortigen Privatisierungsabsichten offen gelegt und gerade eine Dokumentation &uuml;ber die Verschleuderung kommunalen Eigentums zusammengestellt. Ich habe in meinem Buch &bdquo;Machtwahn&ldquo; ein ausf&uuml;hrliches Kapitel unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Dumm, arglos oder korrupt?&ldquo;. Einen Auszug davon <a href=\"?p=1150\">finden Sie in den NachDenkSeiten<\/a>.<\/p><p>Ich zitiere au&szlig;erdem eine Passage von Seite 281 und verweise zugleich auf einen l&auml;ngeren Auszug, der in der Rubrik <a href=\"?p=1439\">Ver&ouml;ffentlichungen der Herausgeber<\/a> heute eingestellt wird:<\/p><blockquote><p>Die Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen und Einrichtungen ist eine der lukrativsten M&ouml;glichkeiten, schnell viel Geld zu verdienen. Deshalb ist der Druck auf die Gemeinden, die St&auml;dte und Kreise besonders gro&szlig;. Die Kommunen, wie auch Bund und L&auml;nder, sind empf&auml;nglich f&uuml;r solche Aktionen, weil sie scheinbar die &ouml;ffentlichen Haushalte entlasten und dabei helfen, Schulden abzubauen oder sie zumindest nicht zu erh&ouml;hen. (Zu den dabei gemachten Denkfehlern siehe S. 115 ff.) Verdient wird schon an der Transaktion, und verdienen werden in der Regel die neuen Eigent&uuml;mer. Meist sind die Vertr&auml;ge zur Privatisierung oder Teilprivatisierung &ouml;ffentlicher Einrichtungen nicht &ouml;ffentlich, und die sogenannten Transaktionskosten werden schon gar nicht offengelegt. Wenn sie von den &uuml;bernehmenden Unternehmen bezahlt werden, hat die &Ouml;ffentlichkeit kaum Einblick.<\/p><\/blockquote><p>Man begreift viele Vorg&auml;nge nicht, wenn man nicht in Rechnung stellt, dass die extremen Renditen heute nicht etwa durch ehrenwerte Wertsch&ouml;pfung sondern durch den Handel mit Verm&ouml;genswerten, man k&ouml;nnte auch sagen: das &bdquo;Verschieben&ldquo; von Verm&ouml;genswerten, erzielt werden. Z.B.: Gro&szlig;-Investoren &ndash; in anderer Sprache: Heuschrecken &ndash; erzielen ihre exorbitanten Gewinne dadurch, dass sie Unternehmen zerschlagen, die L&ouml;hne der Arbeitnehmer dr&uuml;cken und die Einzelteile des Unternehmens weiterverkaufen, und dies dann auch noch steuerfrei. Z.B. Die westdeutschen Banken haben die ostdeutschen Banken nach der W&auml;hrungsunion zu einem Preis von der Bundesrepublik Deutschland &uuml;bernommen, der weit unterhalb ihres wirklichen Wertes lag; Milliarden wurden so auf Kosten aller deutschen Steuerzahler an die westdeutschen Banken verschleudert, und so weiter.<br>\nTypisch f&uuml;r solche Vorg&auml;nge ist, dass sie unter der Decke gehalten werden. &Uuml;ber den Skandal der Verschleuderung der ostdeutschen Banken wurde kaum berichtet, obwohl dieser Vorgang auch noch die schlimme Nebenwirkung hatte, dass er den Ruin ostdeutscher Betriebe betrieb und beschleunigte. Weil der Mantel des Schweigens &uuml;ber diesen Skandal gelegt wurde, wird hier noch einmal auf einen Beitrag verwiesen, der am 1. Juli vergangenen Jahres im Berliner Tagesspiegel erschien und den ich in &bdquo;Machtwahn&ldquo; aus den gleichen Gr&uuml;nden ausf&uuml;hrlich zitierte. Hier Titel und Link: &bdquo;Schulden ohne S&uuml;hne &ndash; 15 Jahre W&auml;hrungsunion: Wie sich westdeutsche Banken auf unsere Kosten an fiktiven DDR-Krediten bereicherten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/01.07.2005\/1909569.asp\" title=\"Externer Link zu http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/01.07.2005\/1909569.asp\">Tagesspiegel<\/a><\/p><p><strong>Zur&uuml;ck zur Absicht, die Bahn zu privatisieren:<\/strong><br>\nJetzt w&auml;re in Konsequenz der zuvor angestellten &Uuml;berlegungen die Frage zu stellen, warum Bundesverkehrsminister Tiefensee und die gesamte Bundesregierung die Bahn privatisieren m&ouml;chten; es w&auml;re zu recherchieren, wer die Berater des Privatisierungsvorgangs sind, welche Banken und Investmentfirmen beteiligt sind und welche Provisionen und anderen Honorare sie vermutlich verdienen; es w&auml;re zu kl&auml;ren, welche Publicrelations-Agenturen und Anwaltskanzleien im Gesch&auml;ft sind und wer welche Beziehungen zu den gro&szlig;en Investoren hat und m&ouml;glicherweise von diesen beeinflusst wird, und auf welchen Wegen und &uuml;ber welche Personen die Privatisierungsbef&uuml;rworter in die Parteien, die Bundesregierung und die Ministerien hinein wirken. Dies zu recherchieren ist eine fantastische Aufgabe f&uuml;r recherchierende Journalisten. Im Netzwerk Recherche sind die Aktivsten aus diesem Kreis zusammengeschlossen. &Uuml;bernehmen Sie!<br>\n(Zu Tiefensee erschien in der taz am 1.7.2006 &uuml;brigens ein Portr&auml;t unter den Titel <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/07\/01\/a0120.1\/textdruck\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/07\/01\/a0120.1\/textdruck\">&bdquo;Mit einem breiten L&auml;cheln f&uuml;r die Stra&szlig;e&ldquo;<\/a> und ein Beitrag unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/07\/01\/a0114.1\/textdruck\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/07\/01\/a0114.1\/textdruck\">&bdquo;Ein Streit um Modelle&ldquo;<\/a>)<\/p><p><strong>Nun noch zur Sache. Ist die Privatisierung der Bahn sinnvoll? Was sind die Folgen? Usw.<\/strong><\/p><p>Ich will darauf in Stichworten eingehen, zumal in den NachDenkSeiten schon einiges dazu zu lesen war und es auch einige gute Zusammenfassungen der Argumente gibt. Auf eines dieser Papiere will ich vorweg hinweisen und den Link nennen: <a href=\"http:\/\/sandimgetriebe.attac.at\/index.php?id=4632\" title=\"Externer Link zu http:\/\/sandimgetriebe.attac.at\/index.php?id=4632\">&bdquo;Stoppt den B&ouml;rsenwahn &ndash; keine Heuschreckenbahn&ldquo;<\/a><\/p><p><strong>1. Privat oder &ouml;ffentlich?<\/strong><br>\nOb ein Produkt oder eine Dienstleistung &ouml;ffentlich\/staatlich organisiert und produziert wird oder ob das privat geschieht, das ist aus meiner Sicht eine Frage der Optimierung und der gesellschaftspolitischen Vorstellungen. Wenn man der Meinung ist (und der bin ich), dass es gut ist und sinnvoll, dass G&uuml;ter der Daseinsvorsorge wie die Versorgung mit Wasser oder Verkehrsleistungen allen Menschen und m&ouml;glichst g&uuml;nstig zur Verf&uuml;gung gestellt werden sollen, dann spricht schon vieles daf&uuml;r, die Produktion dieser Leistungen in &ouml;ffentlicher Hand zu lassen. Im konkreten Fall gibt es auch handfeste Argumente aus der &ouml;konomischen Theorie, aus der Theorie der Marktwirtschaft: Wenn die Produktion eines Gutes mit so genannten Unteilbarkeiten verbunden ist, konkret: wenn es keinen Sinn macht, zwei Bahnstrecken zwischen A und B, oder noch konkreter: zwei Schnellbahntrassen zwischen Frankfurt und K&ouml;ln, zu verlegen, dann kann die Steuerung der Produktion und die Preisfindung nicht &uuml;ber den Markt stattfinden. Dann macht es Sinn, diese Verkehrsleistung &ouml;ffentlich zu erbringen. Das gleiche gilt f&uuml;r Stromleitungen und f&uuml;r Wasserleitungen.<br>\nWeil man die G&uuml;ltigkeit dieser Theorie sp&uuml;rt, gibt es in der &ouml;ffentlichen Debatte und Praxis Hilfskonstruktionen, mit denen man das Manko wettbewerblicher Organisation &uuml;berwinden will: Versteigerung von Lizenzen, Regulierungsbeh&ouml;rden und so weiter. Die Regulierungsbeh&ouml;rden sind besonders aparte Einrichtungen zur Korrektur des Marktversagens. Da entscheiden dann irgendwelche fr&uuml;heren Beamten oder neu eingestellte Betriebswirte &uuml;ber die H&ouml;he von Trassenentgelten und so weiter. Soll das dann Marktwirtschaft sein?<\/p><p><strong>2. Was soll die Privatisierung bringen?<\/strong><br>\nKosten sparen. Besser wirtschaften. Mehr Dynamik. Besseres Marketing. Besseres Management. Mehr Kompetenz. Weniger Korruption und Durchstecherei. &ndash;<br>\nIch habe meine gro&szlig;en Zweifel, ob diese Erwartungen der Realit&auml;t entspr&auml;chen. Ein gut gef&uuml;hrtes &ouml;ffentliches Unternehmen w&uuml;rde nach meiner Erfahrung nicht schlechter abschneiden, im Gegenteil. Wir haben im &Uuml;brigen ja schon einige Erfahrungen:<\/p><ul>\n<li>Wo Kosten gespart worden sind und gespart werden, geschieht das in Privatisierungsf&auml;llen sehr h&auml;ufig dadurch, dass L&ouml;hne gedr&uuml;ckt werden und Arbeitnehmer in prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse entlassen werden. Das bedeutet in der Regel nichts weiter als die Verschiebung der Kosten auf die Betroffenen und auf den Steuerzahler. Typisch ist die in letzter Instanz zu erwartende &Uuml;bernahme der Pensionslasten der bei Post und Telekom entlassenen ehemaligen Beamten durch den Bund. Bei prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen fallen die Soziallasten irgendwann auch beim Staat an.<\/li>\n<li>Die heute existierende Bahn AG ist schon eine Vor-Form der Privatisierung. Der Eigent&uuml;mer Bund hat sich aus der praktischen Politik des Unternehmens im Wesentlichen rausgehalten: das hatte zum Beispiel die Folge, dass die Bahn AG ein bescheuertes, beim Flugverkehr abgeschautes Preissystem einf&uuml;hrte. Zusammen mit dem Kasseler Professor Helmut Holzapfel versuchte ich damals, den zust&auml;ndigen Staatssekret&auml;r gegen dieses Unding zu mobilisieren. Er weigerte sich mit Hinweis auf die Eigenst&auml;ndigkeit des Bahnvorstandes, darauf Einfluss zu nehmen. Das Ergebnis war entsprechend: Das neue Preissystem funktionierte nicht und ruinierte den Ruf der Bahn weiter. So schlecht wie heute war das Ansehen der Bahn zu Zeiten der Beh&ouml;rdenbahn Deutsche Bundesbahn nicht.<\/li>\n<li>Das hat auch mit anderem zu tun. Die Werbung und das Marketing der Bahn AG gehen seit langem an der eigentlichen Zielgruppe der Bahn, der gro&szlig;en Mehrheit unseres Volkes, vorbei. Die im Marketing f&uuml;hrenden Personen kamen in einer entscheidenden Phase nahezu alle aus der Luftfahrt, sie waren offenbar unf&auml;hig, sich in eine andere Welt, in die der Bahn und ihrer Kunden zu versetzen &ndash; bis hinein in die Sprache wurde aus der Welt des Flugverkehrs kopiert. Das ist offenbar die Welt dieser Manager, die sie auf das neue Unternehmen &uuml;bertragen, f&uuml;r das sie nun Marketing machen sollen.<\/li>\n<li>Der Bahnvorstand hat dar&uuml;ber hinaus durch seine Vorurteile bis hin zu Aggressionen gegen&uuml;ber der bisherigen Beamtenbahn wichtige Mitarbeiter nacheinander demotiviert. Von Personalf&uuml;hrung jedenfalls versteht die F&uuml;hrung dieser Aktiengesellschaft nicht mehr als der fr&uuml;here beh&ouml;rdliche Bahnvorstand.<\/li>\n<li>Der heutige BahnAG-Vorstand spart, vor allem an Personal, und merkt nicht, welche nachteiligen Folgen dieses Sparen dann wieder f&uuml;r die Pflege der Kunden hat. Das beste Beispiel daf&uuml;r sind die langen Schlangen vor den Fahrkarten-Schaltern. Wenn ein Kunde eine halbe Stunde warten muss, bis er sein Ticket erwerben kann, wenn &auml;lteren und unge&uuml;bten Menschen Automaten zum Fahrkartenerwerb angeboten und empfohlen werden, deren Handhabung sie nicht bew&auml;ltigen, dann darf man sich &uuml;ber Ansehensverluste nicht wundern.<\/li>\n<li>Schon der erste Schritt der Privatisierung, die Bildung der Bahn AG im Rahmen der Bahnreform war mit Entscheidungen zur Trennung in verschiedene Unternehmensbereiche verbunden, die uns in radikaler Form ins Haus stehen k&ouml;nnten, wenn der Bund die Mehrheit abgibt und die Investoren das Gesamtunternehmen zerschlagen. Die Pleite der Trennung in Fernverkehr, Nahverkehr, Bahnh&ouml;fe, Netz und G&uuml;terverkehr, die die Regierung Kohl entschieden und betrieben hat, ist offenbar schon vergessen. Diese damalige Trennung in den neunziger Jahren brachte uns einzelne Aktiengesellschaften f&uuml;r die genannten Bereiche, jeweils mit eigenen gut bezahlten Vorst&auml;nden. Es waren Wasserk&ouml;pfe quer &uuml;ber die Bahnlandschaft. Dabei gab es noch ein interessantes Detail: erst diese Art von Privatisierung machte es der Politik in Kombination mit der Wirtschaft m&ouml;glich, Spezies unterzubringen. Der britische Journalist und Autor Will Hutton nannte das in einem Buch (The State we are in) &uuml;ber die Privatisierung bei Maggie Thatcher &bdquo;Quangos&ldquo; &ndash; Quasi-autonome-Nichtregierungsorganisationen.<\/li>\n<li>Die Trennung erwies sich schon in den Neunzigern auch in anderer Hinsicht als &uuml;beraus problematisch. Die verschiedenen AGs arbeiteten gegeneinander. Zum Beispiel mobilisierte der Fernverkehr gegen den Nahverkehr, weil dieser mit dem Sch&ouml;nen-Wochenend-Ticket dem Fernverkehr ein paar Kunden und noch mehr Image weggenommen hatte. Wichtige F&uuml;hlungsvorteile, also Vorteile hat die aus der Gemeinsamkeit und der gemeinsamen N&auml;he entstehen, werden bis heute nicht genutzt. Bei einer Trennung gingen sie v&ouml;llig verloren.<\/li>\n<li>Das Fazit: schon der bisherige Teil der Privatisierung, die Gr&uuml;ndung der Bahn AG und die dem Vorstand &uuml;berlassene weit gehende Autonomie m&uuml;ssten davor warnen, diesen Weg weiterzugehen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>3. Die Privatisierung erschwert die Umsetzung einer verkehrspolitischen Konzeption.<\/strong><br>\nDie Bahn hat eine verkehrspolitische Funktion und sie k&ouml;nnte und m&uuml;sste noch eine viel gr&ouml;&szlig;ere haben. Sie hat eine und wird ihr in manchen Bereichen auch schon ganz gut gerecht. In Rheinland-Pfalz zum Beispiel ist der &ouml;ffentliche Nahverkehr in Kooperation von Bahn und Land so ausgebaut worden, dass man von einem beachtlichen Zuwachs an Nutzern sprechen kann. Hier wurde ein negativer Trend gebrochen. Es ist ein Musterbeispiel daf&uuml;r, dass bei Unteilbarkeiten wie dem Bahnverkehr das Angebot in Vorlage gehen muss, um dann die Nachfrage zu generieren und das Ganze ein St&uuml;ckchen rentabler zu machen. Die Schiene m&uuml;sste eine sehr viel gr&ouml;&szlig;ere Aufgabe als bisher im G&uuml;terverkehr wahrnehmen. Und auch da w&auml;re der Ausbau des Angebots quasi als Vorlage notwendig. Deutschland liegt inmitten Europas und droht unter dem Transitverkehr auf der Stra&szlig;e zu ersticken. Wie dieser Ausbau mit einem privatisierten und zerschlagenen Unternehmen Bahn gelingen soll, ist mir schleierhaft. Verkehrspolitische Funktionen wird die Bahn auch in jenen Teilen Ostdeutschlands haben, die derzeit von Abwanderung bedroht sind. Die marktwirtschaftlich schl&uuml;ssige Reaktion auf dieses Ph&auml;nomen ist der R&uuml;ckbau des Schienennetzes.<br>\nGesamtgesellschaftlich jedoch macht es Sinn, das Angebot durchzuhalten, auch um mitzuhelfen, in diesen Regionen wirtschaftlich wieder aufzubauen.<br>\nDas waren nur einige wenige Beispiele daf&uuml;r, dass die Bahn verkehrspolitische Aufgaben hat, die sich &uuml;ber den Markt nicht regeln lassen, weil der Markt in solchen Situationen versagt.<\/p><p><strong>4. Wer heute privatisiert, verschleudert Volksverm&ouml;gen. Von wegen Generationsgerechtigkeit durch diese Art von Schuldenabbau.<\/strong><br>\nEines der immer wiederkehrenden Argumente f&uuml;r Privatisierung, im konkreten Fall auch der Bahn, ist die Behauptung, Privatisierungen seien notwendig, um Schulden abzubauen und damit den nachwachsenden Generationen weniger Lasten aufzuladen, also ein St&uuml;ck Generationengerechtigkeit herzustellen.<br>\nVor diesem Argument stehe ich jedes Mal mit einem Kopfsch&uuml;tteln. Wer so argumentiert, hat noch nicht einmal wahrgenommen, dass bei Privatisierung auf beiden Seiten der Bilanz gestrichen wird. Schulden werden getilgt und Verm&ouml;genswerte werden abgegeben, die Bilanz wird einfach verk&uuml;rzt. Ob die Verm&ouml;genslage des Subjektes, im konkreten Fall unseres Landes, am Ende des Privatisierungsvorgangs g&uuml;nstiger ist oder schlechter ist, und ob die jungen und k&uuml;nftigen Generationen Profiteure dieser Entscheidungen oder Leidtragende sind, das h&auml;ngt von vielen verschiedenen Faktoren ab:<\/p><ul>\n<li>Sie sind Opfer, wenn unter Preis verkauft wird. (Zu Zahlen dazu siehe den oben genannten Beitrag von Winfried Wolf.). Vieles spricht daf&uuml;r, dass Privatisierungen heute schon wegen der konjunkturellen Situation ein schlechtes Gesch&auml;ft f&uuml;r den bisherigen Eigent&uuml;mer und damit auch f&uuml;r die kommenden Generationen sind. Auch die Tatsache, dass die Bef&uuml;rworter der Privatisierung und die politisch entscheidenden Personen mit den Profiteuren der Privatisierung, den k&uuml;nftigen Eigent&uuml;mern und jenen, die am Privatisierungsvorgang verdienen, verbandelt sind, spricht daf&uuml;r, dass wir alle, das deutsche Volk und auch die k&uuml;nftigen Generation bei diesem Vorgang verlieren werden.<\/li>\n<li>Wie bei vielen Privatisierungsvorg&auml;ngen zahlen die k&uuml;nftigen Generationen (und meist auch schon wir heute) f&uuml;r die Folgen &ndash; mit h&ouml;heren Geb&uuml;hren, h&ouml;heren Fahrpreisen und dem Staat &uuml;berlassenen Lasten.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p>&mdash;&mdash;&ndash; Original-Nachricht &mdash;&mdash;&ndash;<br>\nDatum: Fri, 21 Jul 2006 13:47:09 +0200 (CEST)<br>\nVon: attac-netzwerk.de_kreutzfeldt@attac.de<br>\nAn: attac-d-presse@listen.attac.de<br>\nBetreff: [attac-d-presse] Bahnverkauf: Protestbanner am Berliner Hauptbahnhof<\/p><p>Pressemitteilung<br>\nBerlin, 21. Juli 2006<br>\n*Aktion von Attac und Robin Wood gegen geplanten Ausverkauf der Bahn<br>\n*Protestbanner am Berliner Hauptbahnhof<\/p><p>Mit einer spektakul&auml;ren Kletteraktion am Berliner Hauptbahnhof haben Aktivisten des B&uuml;ndnisses &ldquo;Bahn f&uuml;r Alle&rdquo; am heutigen Freitag gegen den geplanten Verkauf der Bahn an private Investoren protestiert. Gegen&uuml;ber dem Kanzleramt lie&szlig;en sie vom Vordach des neuen Bahnhofes ein Transparent mit der Aufschrift &ldquo;Bahn f&uuml;r alle statt Profite f&uuml;r wenige! Stoppt den Ausverkauf der Bahn!&rdquo; herab. &ldquo;Offensichtlich ist es notwendig, Angela Merkel den Protest direkt vor die Nase zu h&auml;ngen.&rdquo;, sagte J&uuml;rgen Mumme, Verkehrsreferent bei Robin Wood. &ldquo;Ihre Regierung stellt sich mit den Privatisierungspl&auml;nen gegen den Willen der Bev&ouml;lkerung&rdquo;, erg&auml;nzte Chris Methmann vom Attac-Koordinierungskreis. Nicht einmal ein Drittel der Bev&ouml;lkerung spricht sich f&uuml;r einen B&ouml;rsengang der Bahn aus, wie eine Forsa-Umfrage im Mai ergab.<\/p><p>Die Bundesregierung strebt nach der Sommerpause einen Bundestagsbeschluss &uuml;ber den Verkauf der Deutschen Bahn AG an. Derzeit geh&ouml;rt das Unternehmen dem Bund als einzigem Aktion&auml;r. &ldquo;Bahn f&uuml;r Alle&rdquo; rechnet bei einer Kapitalprivatisierung mit massiven Verschlechterungen f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger: Bei einem Verkauf ist kurzfristig mit einer Stilllegung von bis zu 5000 Kilometern Strecke zu rechnen. Langfristig ist ein Gro&szlig;teil des Netzes gef&auml;hrdet. Denn f&uuml;r private Investoren steht nicht das Mobilit&auml;tsbed&uuml;rfnis der Menschen im Mittelpunkt, sondern eine Steigerung der Rendite. Die Folge: Noch mehr Menschen m&uuml;ssten von der Schiene auf die Stra&szlig;e umsteigen, ganze Regionen w&uuml;rden vom Netz abgekoppelt. &ldquo;Die Privatisierung ist Gift f&uuml;r das Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Mensch und Umwelt werden abgeh&auml;ngt&rdquo;, meinte Mumme. Erfahrungen in Gro&szlig;britannien h&auml;tten gezeigt, dass eine Privatisierung der Bahn zu Entlassungen, Fahrplanwirrwarr, Preiserh&ouml;hungen und Sicherheitsrisiken f&uuml;hrt. Selbst Bahnchef Hartmut Mehdorn hat in einem Stern-Interview (28\/2006) zugegeben, dass bei einer Privatisierung mit steigenden Preisen zu rechnen ist. Laut Experten ist die Bahn mehr als 100 Milliarden Euro wert. Der erwartetet Verkaufserl&ouml;s liegt bei nur 15 Milliarden Euro. &ldquo;Um kurzfristig Haushaltsl&ouml;cher zu stopfen, will die Regierung unsere in 170 Jahren aufgebaute Eisenbahn verramschen. Das ist eine beispiellose Verschleuderung &ouml;ffentlichen Eigentums&rdquo;, warnte Methmann. Noch hat der Bundestag nichts entschieden. Dennoch gibt die gro&szlig;e Koalition vor, die Privatisierung sei beschlossene Sache. Den Willen der Bev&ouml;lkerung, des Eigent&uuml;mers der Bahn, ignorieren sie. Das B&uuml;ndnis fordert die Regierung auf, die Privatisierungspl&auml;ne abzublasen. Wie eine Bahn in &ouml;ffentlicher Hand b&uuml;rgernah und effizient gestaltet werden kann, zeigt das Beispiel der Schweizer Bahn, die als eine der besten weltweit gilt.<\/p><p>Das B&uuml;ndnis &ldquo;Bahn f&uuml;r Alle&rdquo; wird getragen von Attac, Robin Wood, BUND, B&uuml;rgerbahn statt B&ouml;rsenbahn, Bahn von unten, UMKEHR e.V. und den NaturFreunden Deutschlands und setzt sich ein f&uuml;r eine b&uuml;rgernahe Bahn in &ouml;ffentlichem Besitz. Mit Aktionen und einer Unterschriftensammlung protestiert das B&uuml;ndnis gegen den Privatisierungswahn. Die Uneinigkeit in der gro&szlig;en Koalition und kritische Stimmen in SPD zeigen, dass der Verkauf abzuwenden ist.<\/p><p>Weitere Informationen auf der Internetseite der Kampagne:<br>\n* <a href=\"http:\/\/www.bahn-fuer-alle.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bahn-fuer-alle.de\/\">www.bahn-fuer-alle.de<\/a><br>\nDruckf&auml;hige Bilder ab ca. 14 Uhr:<br>\n* <a href=\"http:\/\/www.bahn-fuer-alle.de\/presse\/aktion\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bahn-fuer-alle.de\/presse\/aktion\/\">www.bahn-fuer-alle.de\/presse\/aktion\/<\/a><\/p><p>F&uuml;r R&uuml;ckfragen:<br>\n* J&uuml;rgen Mumme, Robin Wood,  0171 &ndash; 8 35 95 15<br>\n* Chris Methmann, Attac, 0179 &ndash; 4 54 87 98<br>\n* Frauke Distelrath, Attac-Pressesprecherin, 0179 &ndash; 5 14 60 79<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bahn soll verkauft werden, Investmentbanken empfehlen Totalzerschlagung der Post, Privatisierungen in M&uuml;lheim an der Ruhr, Freiburg will 7000 Wohnungen verkaufen, Braunschweig seine Abfallwirtschaft, und so fort.<br \/> Es regt sich Widerstand gegen diesen Ausverkauf von Volksverm&ouml;gen. 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