{"id":144022,"date":"2025-12-25T11:00:23","date_gmt":"2025-12-25T10:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144022"},"modified":"2025-12-28T17:04:32","modified_gmt":"2025-12-28T16:04:32","slug":"friedensaktivist-der-fruehen-stunde-eine-weihnachts-begegnung-mit-wolf-g-teil-i-von-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144022","title":{"rendered":"Friedensaktivist der fr\u00fchen Stunde: Eine (Weihnachts-)Begegnung mit Wolf G. (Teil I von III)"},"content":{"rendered":"<p>Der Bonner Diplom-Mathematiker <strong>Wolf G&ouml;hring<\/strong> (86) ist ein alerter Zeitzeuge bundesrepublikanischer Geschichte und Friedensaktivist seit Mitte der 1960er-Jahre. W&auml;hrend Menschen in seinem Alter &ndash; Linke oder Ex-Linke zumal &ndash; Seiten oder Barrikaden wechselten, blieb er sich treu und versucht als partout &bdquo;Kriegsunt&uuml;chtiger&ldquo; zum Schluss dieses Interviews, einen marxistischen Weg zu einer friedlichen Welt zu skizzieren. F&uuml;r die <em>NachDenkSeiten<\/em> f&uuml;hrte <strong>Rainer Werning<\/strong> ausgiebige Gespr&auml;che mit Wolf G&ouml;hring, deren zweiter Teil am 26. Dezember 2025 auf den <em>NachDenkSeiten<\/em> erscheint.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Rainer Werning: Sie sind Jahrgang 1939, ein Kind des Zweiten Weltkriegs. Wie sehen Sie diese Zeit?<\/strong><\/p><p><strong>Wolf G&ouml;hring:<\/strong> Wie verwaschene Videoclips mit verrauschter Sprache h&auml;ngen zig Erinnerungen in meinem Kopf. Nach dem Krieg war der Krieg nicht zu Ende. Immer wieder gab es etwas, das an die Verheerungen &ndash; gro&szlig;e wie kleine, auch geradezu nickelige &ndash; erinnerte. Jeder, der damals lebte, d&uuml;rfte solche Bilder aus ganz pers&ouml;nlichen, tragischen oder einfach nur l&auml;stigen Erlebnissen im Kopf haben.<\/p><p>Im Mai 2025 las ich die Geschichte einer 85-j&auml;hrigen Russin, ein paar Wochen j&uuml;nger als ich, die beim R&uuml;ckzug der Wehrmacht 1943 mit den Bewohnern ihres Dorfes nach Estland verschleppt und &ndash; getrennt von Mutter und anderen Verwandten &ndash; in ein Kinder-KZ gesteckt worden war. Dort wurde ihnen f&uuml;r verwundete deutsche Soldaten Blut abgezapft. Die meisten Kinder starben unter dieser Barbarei. Ich spiegelte das an meinem Leben als Dreieinhalb- bis Viereinhalbj&auml;hriger: An manchen N&auml;chten beim ersten Alarmzeichen in den Bunker rennen und morgens zur&uuml;ck in die gl&uuml;cklicherweise unversehrte Wohnung, mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft spielen oder an der Hand eines Vertrauten zum Einkauf gehen.<\/p><p>Ebenfalls im Sommer 2025 war mein philippinischer Junge mit einem Freund bei dessen 85-j&auml;hrigen polnischen Oma in Gdingen. W&auml;hrend des Krieges lebte sie weit im Osten Polens. Sie h&ouml;rte damals w&auml;hrend einer Razzia, wie eine Nachbarin erschossen wurde, weil sie Juden versteckt hatte. &bdquo;Bomm&ldquo;, sagte sie zu den Jungens.<\/p><p>Ich kann mich nur entschuldigen f&uuml;r die Gr&auml;uel, die die Generation unserer V&auml;ter und Gro&szlig;v&auml;ter in den besetzten L&auml;ndern, vor allem in der Sowjetunion und an den j&uuml;dischen Menschen, ver&uuml;bt hat.<\/p><p><strong>Wie starteten Sie in eine Welt, die bereits im Krieg war?<\/strong><\/p><p>Ich wurde Ende 1939 in Heidelberg geboren &ndash; in der &bdquo;Fremde&ldquo;, denn meine Eltern lebten in Saarbr&uuml;cken. Das wurde am 1. September 1939 im Zuge von vorbereiteten &bdquo;Ma&szlig;nahmen zur Reichsverteidigung&rdquo; evakuiert. Meine Mutter kam bei einer Freundin und deren Mutter unter, die es ebenfalls nach Heidelberg verschlagen hatte.<\/p><p>Mein Vater arbeitete als freier Journalist f&uuml;r Zeitungen in der Region. Mit einem Sonderausweis durfte er mit seinem Motorrad ins Sperrgebiet, auch zur Front, fahren. Er konnte einige Koffer aus der Wohnung seiner Eltern, den Gro&szlig;eltern, packen und ihnen hinterherschicken. Ihre Wohnung lag links der Saar, einen guten Spaziergang weit von Lothringen\/Frankreich entfernt. Am 1. September waren sie mit einem geliehenen Handwagen losgetippelt; ein angek&uuml;ndigter LKW f&uuml;r &auml;ltere Leute blieb aus. Am zweiten Tag kamen sie bis Homburg\/Saar, wo sie bei Verwandten unterkamen. Endstation ihrer Reise, dann mit der Bahn, war im Fichtelgebirge. Gro&szlig;vater &ndash; 67 Jahre alt &ndash; arbeitete seit 1911 bei einer Maschinenbaufirma als <em>&bdquo;Dippel-Insch&rdquo;<\/em>, wie er sagte. Das Konstruktionsb&uuml;ro dieser Firma f&uuml;r Gasmotoren &agrave; la V&ouml;lklinger Weltkulturerbe sowie Dampfmaschinen war ins Fichtelgebirge verlegt worden. Im Sp&auml;tsommer 1940 ging&rsquo;s zur&uuml;ck nach Saarbr&uuml;cken. Wie es den Menschen im grenznahen Lothringen in dieser Zeit erging, wei&szlig; ich nicht.<\/p><p>Einige Soldaten, die meinen Vater wohl von seinen Touren kannten, erhielten die Zeitung mit meiner Geburtsanzeige und gratulierten meiner Mutter mit einem Brief. Mein Vater machte daraus ein Artikelchen f&uuml;r die Zeitung. Am Ende hie&szlig; es im Brief, &bdquo;dass aus dem Wolf ein strammer Soldat wird&ldquo;. &bdquo;F&uuml;r den Graben, Mutter, f&uuml;r den Graben&ldquo;, argw&ouml;hnte Kurt Tucholsky vierzehn Jahre zuvor. Den Faschismus hielt mein Vater f&uuml;r Sozialismus &ndash; &bdquo;das sozialistische Aufbauwerk des F&uuml;hrers&ldquo; &ndash;, wie ich einem von ihm verfassten Zeitungsartikel zu einer Veranstaltung am 1. Mai 1940 in Neunkirchen\/Saar sp&auml;ter entnehmen konnte.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46.png\" alt=\"\" width=\"970\" height=\"980\" class=\"alignleft size-full wp-image-144029\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46.png 970w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46-297x300.png 297w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46-768x776.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46-643x650.png 643w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46-485x490.png 485w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.25.46-243x245.png 243w\" sizes=\"auto, (max-width: 970px) 100vw, 970px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 1\/ Strammer S.<br>\nTitel: &ldquo;Auf dass der Wolf ein strammer Soldat wird!&rdquo;<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring<\/small><\/p><p>Im fr&uuml;hen 1940 reiste meine Mutter mit mir, dem S&auml;ugling, nach Sachsen zu ihren Eltern, dann ins Fichtelgebirge zu den anderen Gro&szlig;eltern, schlie&szlig;lich zu einer Bekannten nach Kaiserslautern. Im Sp&auml;tsommer 1940 durften wir alle wieder nach Saarbr&uuml;cken, wor&uuml;ber sp&auml;ter mal dieses, mal jenes erz&auml;hlt wurde. In den 1990ern musste ich diese Stationen nachvollziehen: Meine Tochter wollte sich zur Apothekerin approbieren lassen und musste l&uuml;ckenlos ihre deutsche Staatsangeh&ouml;rigkeit nachweisen. Dazu geh&ouml;rten auch meine Aufenthalte in Deutschland. Die Eintr&auml;ge in ihrem Perso, in meinem und dem ihrer Mutter gen&uuml;gten nicht nach der damaligen Apothekenordnung &ndash; wohl ein Nachhall aus Zeiten, als man einen Ariernachweis vorlegen musste.<\/p><p><strong>Wo wuchsen Sie auf, und welche sind Ihre ersten Erinnerungen aus der Kriegszeit?<\/strong><\/p><p>Meine erste Erinnerung datiert von Ende Juli 1942. Es war sp&auml;t in der Nacht. Ich schlief, als ich H&auml;nde und Stimme meiner Mutter sp&uuml;rte. Sie schien mich ein wenig in meinem Bettchen zurechtzuschieben, und ich wollte mich zur Seite rollen, um weiterzuschlafen. Da wurde es k&uuml;hl, denn sie hob mich hoch und sagte entschuldigend, dass wir in ein anderes Haus gehen m&uuml;ssten. Seltsam, so ging&rsquo;s mir durch meinen m&uuml;den Kopf: &bdquo;Die Flieger kommen, wir d&uuml;rfen kein Licht machen&rdquo;, meinte sie. Dann stieg sie mit mir die enge steile Treppe hinab, die vom Dachst&uuml;bchen ins Parterre f&uuml;hrte. Im Finstern stolperte sie auf den oberen Stufen etwas, ihren kleinen Aufschrei und den leichten Ruck, als sie sich wieder fing, hab&lsquo; ich noch im Ohr, sp&uuml;r&lsquo; ich noch an meinem K&ouml;rper.<\/p><p>Wir verlie&szlig;en mit den beiden Frauen, mit denen sie schon in Heidelberg zusammen war, das inmitten von G&auml;rten gelegene H&auml;uschen. Meine Mutter trug mich; wir eilten einen schmalen Weg zur Stra&szlig;e, wo an der Ecke ein gr&ouml;&szlig;eres Haus mit Luftschutzkeller stand. Ich h&auml;tte immer &bdquo;Licht, Licht&rdquo; gerufen, erz&auml;hlte meine Mutter sp&auml;ter, denn die angreifenden Flieger hatten bereits &bdquo;Christb&auml;umchen&rdquo;, brennende Magnesiumstreifen zur Erleuchtung des Zielgebiets, abgeworfen. Im Luftschutzkeller waren Leute, anfangs brannte Licht. Verschiedene nahmen mich, den Kleinen, auf den Arm. Es war mir l&auml;stig, ich weinte und konnte danach bei meiner Mutter weiterschlafen.<\/p><p>Im Morgengrauen ging&rsquo;s zur&uuml;ck, vor dem H&auml;uschen lag in einer Mulde ein Blindg&auml;nger, den ich anfassen wollte. &bdquo;Nein, nein. Gef&auml;hrlich. Nicht anfassen. Das holt heute ein Mann weg.&rdquo; Drei Stimmen wie eine. &bdquo;Ich will&rsquo;s sehen, wie der Mann das wegholt. Weckt mich, wenn ich schlafe.&rdquo; Sie weckten mich nicht &ndash; zu meinem deutlichen Unwillen. Allein in dieser Nacht starben &uuml;ber 200 Menschen, was ich erst viel sp&auml;ter erfuhr.<\/p><p>Vor und neben dem H&auml;uschen war ein kleiner Hof, auf einer Seite standen Kaninchenst&auml;lle. Beim F&uuml;ttern der Tierchen schaute ich zu; sie dienten als Nahrungserg&auml;nzungsmittel. Vor dem Haus stand ein Tisch, bedeckt mit einer Wachstuchdecke. Bei sch&ouml;nem Wetter a&szlig;en wir dort zu Mittag. Einmal gab es Rhabarberkompott &ndash; himmlisch der Geschmack. Tante Sofie, die &auml;ltere der beiden Frauen, hatte es gekocht.<\/p><p>Einmal verpackte meine Mutter hinter dem H&auml;uschen etwas in einen Karton. Ich fragte, was das sei. &bdquo;Das ist von deinem Vater&rdquo;, h&ouml;rte ich und fragte: &bdquo;Wo ist der?&rdquo;, denn ich konnte mich an keinen Vater erinnern. &bdquo;Der ist gefallen. Der ist im Himmel.&rdquo; Ich wandte meinen Kopf nach oben, schaute in den blaugrauen Himmel, wo auch ein W&ouml;lkchen war. Ich sah niemanden. &bdquo;Den kannst du nicht sehen. Aber er ist dort.&rdquo; Dass er gefallen sei, machte alles noch r&auml;tselhafter. Ich war auch ein paarmal gefallen und deswegen nicht in den Himmel gekommen. Ich sagte dann aber immer, wenn mich jemand nach meinem Vater fragte: &bdquo;Der ist gefallen; der ist im Himmel&ldquo;, bis mir jemand den Himmel ausredete.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02.png\" alt=\"\" width=\"1032\" height=\"546\" class=\"alignleft size-full wp-image-144033\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02.png 1032w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02-300x159.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02-1024x542.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02-768x406.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02-926x490.png 926w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.28.02-463x245.png 463w\" sizes=\"auto, (max-width: 1032px) 100vw, 1032px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 2\/ Sonnwend<br>\nTitel: Brief vom 23.6.1941<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring<br>\nKlartext: &ldquo;&hellip; Sonnwend ist vor&uuml;ber. Wir haben es mit einem gigantischen Feuer gefeiert. Was alles der OKW-Bericht gemeldet &hellip;&rdquo;<\/small><\/p><p>Nach dem Krieg stand das H&auml;uschen noch. Das Haus, in dem wir Schutz gesucht hatten, war zerbombt. Die Parterredecke war geborsten, sie hing wie ein grobes Tuch &uuml;ber den Tr&uuml;mmern, vage von der Stahlarmierung zusammengehalten.<\/p><p>Den &Uuml;berfall auf die Sowjetunion machte mein Vater von der ersten Sekunde an mit, den Vormarsch &uuml;ber den Bug und erste Gefangene fotografierend. Am n&auml;chsten Abend ein Brief an meine Mutter: &bdquo;Sonnenwend ist vor&uuml;ber. Wir haben es mit einem gigantischen Feuer gefeiert.&rdquo; Danach immer wieder nette Worte, als war&rsquo;s eine Abenteuerreise. Am 7. Oktober 1941 brachte er, mit einer Maschinenpistole auf &bdquo;einen Sp&auml;htrupp von Bolschewisten&rdquo; feuernd, noch ein &bdquo;Mich hat&rsquo;s erwischt!&rdquo; heraus. Sein Grab liegt bei einer Kirche, heute wenige Klicks entfernt im Internet zu sehen, als Foto seit meiner Kindheit vertraut.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07.png\" alt=\"\" width=\"1056\" height=\"774\" class=\"alignleft size-full wp-image-144034\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07.png 1056w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07-300x220.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07-1024x751.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07-768x563.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07-887x650.png 887w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07-669x490.png 669w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.29.07-334x245.png 334w\" sizes=\"auto, (max-width: 1056px) 100vw, 1056px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 3\/ Kondolenz<br>\nTitel: Aus einem Kondolenzbrief<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring<br>\nKlartext: &ldquo;&hellip; dass Dein lieber Mann in seinem Beruf und ebenso an der Front vor dem Feinde voll aufgegangen ist, war ein Zeichen seiner T&uuml;chtigkeit und seines k&auml;mpferischen Geistes. Nicht umsonst hat er einen so &uuml;beraus ruhmreichen Nachruf erhalten. Als treuer Gefolgsmann seines F&uuml;hrers und einsatzbereiter K&auml;mpfer f&uuml;r sein Vaterland wurde Dein lieber Mann vom Heldentod dahingerafft. Somit gab er auch f&uuml;r uns sein Blut, damit wir leben k&ouml;nnen.&rdquo;<\/small><\/p><p>Es gab auch Skurriles. In einer Nacht bei Fliegeralarm suchten mich Opi und Omi; ich lag nicht mehr auf der Couch. Ihre Stimmen weckten mich, und ich lag unter ihren Betten. Vielleicht war ich beim ersten Sirenenton reflexhaft &bdquo;in Deckung gegangen&rdquo;. Ein andermal ging ich mit der Omi ins Zentrum von Saarbr&uuml;cken. An einem Haus war die Vorderfront weggebombt, die h&ouml;lzernen Decken hingen noch in den stehengebliebenen W&auml;nden. Auf einer lag, kurz bevor sich der Fu&szlig;boden nach unten w&ouml;lbte, eine Milchkanne aus Aluminium. Ich zeigte Omi das K&auml;nnchen, das sich kurz vor dem Abgrund gehalten hatte.<\/p><p>Meine Mutter arbeitete als Sportlehrerin beim Bund Deutscher M&auml;del <em>[kurz: BDM<\/em>, der von den Nazis im Juni 1930 als Gliederung der vier Jahre zuvor ins Leben gerufenen m&auml;nnlichen Hitler-Jugend (HJ) gegr&uuml;ndet worden war &ndash; <em>RW]<\/em> zeitweilig in Lothringen nahe Metz, in Ottrott im Elsa&szlig; und in Neustadt a. d. Weinstra&szlig;e. Bei Lehrg&auml;ngen und Sportfesten war sie oft noch weiter weg, ich blieb bei ihren Eltern oder bei Tante Sofie oder bei den anderen Gro&szlig;eltern. Manchmal konnte sie mich auch mitnehmen. Ich war vielerorts zu Hause.<\/p><p><strong>Blieben Sie bis zum Kriegsende in Saarbr&uuml;cken, und wie erlebten Sie die sp&auml;te Kriegszeit?<\/strong><\/p><p>Im Herbst 1944 wurden die Gebiete links der Saar und Saarbr&uuml;cken erneut evakuiert. Dort verlief der Westwall, dort sollte die Wehrmacht die &bdquo;Invasion&ldquo; stoppen. Meine Mutter, die Omi und ich &ndash; der Opi war im Fr&uuml;hjahr verstorben &ndash; fuhren mit der Bahn nach Amerika, einem winzigen Ort mit einer Kammgarnspinnerei an der Zwickauer Mulde. F&uuml;r kurze Zeit kamen wir dort unter, dann ging&rsquo;s weiter nach Dresden. Wir besichtigten viel. Einmal breitete im Zoo ein gro&szlig;er Vogel seine Federn auseinander. &bdquo;Mutti, was ist das f&uuml;r ein Vogel?&rdquo; &ndash; &bdquo;Ein Pfau!&rdquo; &ndash; &bdquo;Fau-eins, Mutti?&rdquo; Schallendes Gel&auml;chter, als da ein f&uuml;nfj&auml;hriger Knirps eine angeblich wunderwirkende V-Waffe f&uuml;r einen stolzierenden Pfau hielt.<\/p><p>In Dresden gab&rsquo;s kaum Fliegeralarm, aber auch kaum Vorkehrungen gegen Angriffe. Meiner Mutter missfiel es; im Dezember fuhr sie mit mir nach Calw im Schwarzwald, wo die anderen Gro&szlig;eltern geblieben waren. Der Angriff auf Dresden am 13. Februar machte meine Mutter sehr betroffen, es war ihr Geburtstag. Eine gute Freundin hatte in der niedergebrannten Altstadt gewohnt, sie wurde &ndash; scheinbar leblos &ndash; aus den Tr&uuml;mmern gezogen und auf einen Leichenwagen gelegt, als jemand bemerkte, dass sie atmete; sie &uuml;berlebte. Meine Mutter meinte, w&auml;re sie in Dresden geblieben, h&auml;tte sie an ihrem Geburtstag sehr wahrscheinlich diese Freundin aufgesucht, um mit ihr zu feiern. An ihren Geburtstagen sprach sie immer wieder davon, zuletzt 2013 an ihrem Hundertsten.<\/p><p>Von Calw zogen wir ins nahe gelegene Hirsau. Dort begann das Kriegsende am 23. April pl&ouml;tzlich und dauerte einige Stunden. Meine Mutter wollte auf der rechten Nagoldseite aus einem Felsenkeller, f&uuml;r den sie den Schl&uuml;ssel hatte, irgendwelche Sachen an einige Leute &uuml;bergeben. Das sollte schnell gehen. Mich brachte sie auf der linken Seite am Hang beim Waldrand zu einem Splitterschutzloch, umstanden von drei, vier Fichten. &bdquo;Ich bin bald zur&uuml;ck. Warte auf mich.&ldquo; In jenen Tagen fielen immer wieder Sch&uuml;sse, mit kurzen und l&auml;ngeren Pausen, ganz unregelm&auml;&szlig;ig, fern und scheinbar belanglos. Meine Mutter war erst kurz weg, da fielen wieder Sch&uuml;sse. Ich erwartete ein P&auml;uschen, doch es wurde weiter geschossen. Ich h&ouml;rte es &uuml;ber die Fichten hinwegpfeifen und versuchte, zwischen den &Auml;sten Geschosse zu erblicken. Gro&szlig;vater erkl&auml;rte mir sp&auml;ter, warum ich sie nicht sehen konnte. Das Schie&szlig;en ging stundenlang; die Fu&szlig;g&auml;ngerbr&uuml;cke &uuml;ber die Nagold, die meine Mutter auf dem kurzen R&uuml;ckweg nehmen wollte, lag bis zum fr&uuml;hen Nachmittag unter Beschuss. Erst da konnte sie zu mir kommen. Wir wollten dann zu einem nahen Haus laufen, als mit krachendem Bersten ein letzter Schuss fiel. Zitternd und mit klopfenden Herzen warfen wir uns in eine Mulde, bis uns jemand bedeutete, zu dem Haus zu kommen. Nach einigem Warten war der Krieg in Hirsau zu Ende.<\/p><p>Mein damaliges Herzpochen erinnernd, frage ich mich heute, wie jenen Kindern und ihren Eltern zu Mute war, als sie in Babi Jar anstanden, um auf deutsches Kommando hin erschossen zu werden.<\/p><p><strong>Der Krieg war zu Ende. Wie ging es weiter? Was pr&auml;gte Sie in dieser Zeit?<\/strong><\/p><p>Nach dem Krieg war dieser doch nicht zu Ende. Im Fr&uuml;hsommer 1945 spielte ich auf der Gasse vor unserer Wohnung in Hirsau. Eine Frau, die ich zuvor nicht bemerkt hatte, meinte zu mir: &bdquo;Gelt, du bischt doch traurig.&rdquo; &ndash; Verbl&uuml;fft meinte ich: &bdquo;Nein, ich bin nicht traurig.&rdquo; &ndash; &bdquo;Doch, du muscht doch traurig sei&rsquo;. Dein Onkel ischt doch im G&rsquo;f&auml;ngnis.&rdquo; &ndash; &bdquo;Nein, mein Onkel ist nicht im Gef&auml;ngnis, der ist in Russland vermisst.&rdquo; &ndash; &bdquo;Dann hoscht du noch einen zweiten Onkel, der ischt im G&rsquo;f&auml;ngis und wird&rsquo; uffg&rsquo;hengt.&rdquo; &ndash; &bdquo;Nein, ich hab nur einen Onkel.&rdquo; &ndash; &bdquo;Dann weischt du des net richtig, frag dei&rsquo; Mutter!&rdquo; Dann trollte sich die schw&auml;bische Hausfrau. Ich erz&auml;hlte es meiner Mutter, und diese dem Gro&szlig;vater. Der wiederum erkl&auml;rte mir die Sache: Ich habe nur einen Onkel, der ist vermisst. Der Mann im Gef&auml;ngnis hat mit unserer Familie nichts zu tun. Unser Name wird anders geschrieben, n&auml;mlich mit einem Buchstaben, den man nicht ausspricht, mit einem Hah. So verlief mein erster Schritt als F&uuml;nfj&auml;hriger in die Welt der Schreibkundigen.<\/p><p>Anfang September fuhr meine Mutter nach Saarbr&uuml;cken, um die Lage zu peilen. Ich lebte derweil in einem von Nonnen betriebenen Kinderheim in Hirsau. An manchen Tagen hie&szlig; es, sehr fr&uuml;h aufzustehen und in einer Kapelle einem gewissen Jesulein zu Liebe in kurzer Hose, Sandalen und einem d&uuml;nnen kurz&auml;rmeligen Hemdchen erb&auml;rmlich zu frieren. Ich war &uuml;bergl&uuml;cklich, als meine Mutter zur&uuml;ckkam, um mit mir nach Saarbr&uuml;cken zu reisen. Wir starteten mit dem Zug, um kurz vor Pforzheim bei Glatteis zu Fu&szlig; weiterzugehen; eine Bahnbr&uuml;cke war gesprengt. Unterwegs schlug es meine Mutter hin, ein Marmeladenglas in ihrem Rucksack zerbrach. Wir gingen durch das zertr&uuml;mmerte Pforzheim zum Bahnhof. Am Abend &uuml;bernachteten wir in Mannheim in einem Bahnw&auml;rterh&auml;uschen auf dem Bahnsteig. Am Morgen standen wir um einen Passierschein an, um den Rhein &uuml;berqueren zu k&ouml;nnen. An den K&ouml;pfen der Rheinbr&uuml;cke brannten in zerl&ouml;cherten &Ouml;lf&auml;ssern Feuer, die Soldaten erschienen mir in dem flackernden Licht besonders bedrohlich.<\/p><p>In Oggersheim blieben wir ein paar Tage bei Verwandten. Dann in Saarbr&uuml;cken wollten wir in den Ort links der Saar, in dem die Gro&szlig;eltern gelebt hatten. Wir mussten die Saar &uuml;berqueren. Wo, bei den vielen gesprengten Br&uuml;cken? Wir fuhren mit der Stra&szlig;enbahn, bis es noch zwei Kilometer zur Wohnung waren, aber dazwischen lag der Fluss, die Br&uuml;cke gesprengt. Etwas oberhalb gab es ein Nadelwehr, &uuml;ber das ein schmaler Steg f&uuml;hrte, eine Plattform f&uuml;r die Leute, die an den Nadeln den Wasserstand regulierten. &Uuml;ber dem tosend hinabst&uuml;rzenden Wasser gab&rsquo;s ein Gel&auml;nder, h&uuml;fthoch f&uuml;r die Erwachsenen, scheitelhoch f&uuml;r mich. Ich weigerte mich, hin&uuml;berzugehen, bis ein Mann das Gep&auml;ck meiner Mutter nahm und sie mich fest an der Hand ans andere Ufer f&uuml;hrte.<\/p><p>Die Tante lebte schon seit einigen Wochen in der fr&uuml;heren Wohnung der Gro&szlig;eltern. Sie zeigte mir sogleich eine Stelle in der Giebelwand im Wohnzimmer, die sie zugemauert hatte: Eine Granate hatte ein Loch gerissen. Die Tante, Schwester meines Vaters und meines Onkels, war unverheiratet, also Fr&auml;ulein, wie man damals sagte. W&auml;hrend des Krieges war sie dienstverpflichtet, zun&auml;chst als Schwesternhelferin in Rum&auml;nien, dann in Poltawa in der Ukraine und sp&auml;ter als Leiterin eines Soldatenheimes bei Brjansk. So alt geworden, wie ich es jetzt bin, sagte sie zu mir: &bdquo;Dort &uuml;ber dem Wald stand wochenlang schwarzer Rauch, und es stank f&uuml;rchterlich. Jeder wusste: die SS verbrennt dort Juden.&rdquo;<\/p><p>Im Fr&uuml;hjahr 1946 nahm mich meine Mutter nach Saarbr&uuml;cken mit. Wir gingen in eine kleine Stra&szlig;e, rechts und links die Tr&uuml;mmer an stehen gebliebene Grundmauern angeh&auml;uft, in der Mitte ein schmaler Pfad. Sie blieb stehen und meinte: &bdquo;Hier ist es. Nein, doch nicht&rdquo;, um ein paar Schritte weiter zu gehen. &bdquo;Ja hier ist es. Schau&rdquo;, sagte sie zu mir und zeigte ein wenig &uuml;ber die Tr&uuml;mmer hinaus. &bdquo;Dort war das Arbeitszimmer deines Vaters. Dort hat er gesessen und f&uuml;r die Zeitung geschrieben.&rdquo; Dann gingen wir wieder.<\/p><p>Bei meiner neuen Bleibe gab&rsquo;s auch das Normale: Kennenlernen der Nachbarskinder, im Winter Schlittenfahren auf der Hauptstra&szlig;e gleich vor der Haust&uuml;r, am Bach durch den Matsch stapfen.<\/p><p><strong>Sie haben bislang, so jung Sie noch waren, schon einiges gesehen und erlebt. Wie ging es weiter?<\/strong><\/p><p>Im Sommer 1946 fuhr ich mit meiner Mutter zu den Gro&szlig;eltern, die im Schwarzwald eine idyllische Bleibe in einem kleinen Dorf bei einem Bauern gefunden hatten: Zwei Pferde, sieben K&uuml;he, acht Jungrinder, 40 H&uuml;hner, Glucken und K&uuml;ken, zwei Schweine, Bienen, Katzen, Hunde, ein Junge meines Alters und seine etwas &auml;ltere Schwester. Die Bauern des Dorfs mussten die Milch bis auf einen Rest f&uuml;r den Eigenbedarf abliefern. Die Gro&szlig;eltern hatten bald ihre t&auml;gliche kuhwarme Milchversorgung: Einen halben Liter hier, anderntags dreiviertel Liter dort oder auch nur ein Drittel usw. Eingesammelt wurde das mit einem Milchkesselchen und einem Spaziergang &uuml;ber die Felder, wo man auch mal Champignons fand. Die Milch kam in einem flachen Topf in den Keller, nach zwei Tagen wurde der Rahm abgesch&ouml;pft und gesammelt. Nach einigen Tagen war&rsquo;s so viel, dass er mit einem Schneebesen in Schlagrahm und schlie&szlig;lich in Butter verwandelt wurde.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43.png\" alt=\"\" width=\"1064\" height=\"428\" class=\"alignleft size-full wp-image-144035\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43.png 1064w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43-300x121.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43-1024x412.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43-768x309.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43-1060x426.png 1060w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.30.43-609x245.png 609w\" sizes=\"auto, (max-width: 1064px) 100vw, 1064px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 4\/ Schwarzwald<br>\nTitel Bild links: Die Bleibe der Gro&szlig;eltern Waldstreu trocknet auf der Stra&szlig;e<br>\nTitel Bild rechts: Drei Freunde auf der Treppe zum Bauernhof<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring (ca. 1950)<\/small><\/p><p>Gro&szlig;mutter hatte drei T&uuml;tchen Schokoladenpudding durch die Kriegsjahre, die Evakuierungen und die Umz&uuml;ge &bdquo;gerettet&rdquo;. So gab es bald einmal zum Nachtisch Schokoladenpudding mit Schlagrahm. Mit meinem L&ouml;ffelchen stach ich erbsenkleine St&uuml;ckchen von Pudding und Rahm ab und lie&szlig; beides langsam auf der Zungenspitze zergehen. H&ouml;flich und l&auml;chelnd blieben die Erwachsenen sitzen, bis ich Pudding und Rahm verkostet hatte. Unter der Wohnung war im Parterre ein gro&szlig;er Raum, die Waschk&uuml;che, in einer Ecke ein Backofen. Der wurde alle drei Wochen befeuert. Es wurde Zwiebelkuchen und Roggenbrot gebacken &ndash; voll bio und lokal. Wir bekamen immer etwas ab.<\/p><p>Drau&szlig;en beim Acker war ein Garten, worin auch die Gro&szlig;eltern ein St&uuml;ck hatten. Bald war ich mit in dem G&auml;rtchen, hundert Meter weiter eine Feldscheune aus frischem Holz, es wurde ges&auml;gt und geh&auml;mmert, Zimmerleute liefen herum. Die alte Scheune war am Kriegsende abgebrannt, als die Franzosen vom nahen Wald heranr&uuml;ckten. In der Scheune waren ein paar junge deutsche Soldaten. Sie starben, Minuten, vielleicht nur Sekunden, bevor der Krieg f&uuml;r sie zu Ende gewesen w&auml;re. Auf dem Kirchhof des Dorfes erinnert ein Stein an sie.<\/p><p>Im Herbst lernte meine Mutter meinen Stiefvater kennen. Als ich vom Schwarzwald nach Hause kam, stellte sie ihn mir vor. Im Fr&uuml;hjahr zogen wir in das &bdquo;Haisje von da Goth&rdquo;, Baujahr 1862, wie auf dem T&uuml;rsturz stand, ein bauf&auml;lliger Scheunenteil und noch bauf&auml;lligere Anbauten hinter der Scheune, einst das Domizil von Schweinen und Gei&szlig;en, dahinter das H&auml;uschen mit dem Plumpsklo. Das Grundst&uuml;ck zog sich hundert Meter weiter, auf der hinteren H&auml;lfte war Roggen angebaut. Auf diesem St&uuml;ck hatte man bereits zwei Bombentrichter zugeschaufelt und mit Asche aufgef&uuml;llt. Vor f&uuml;nf Jahren fand ich einen zwei Finger gro&szlig;en, rostigen Eisensplitter, vielleicht ein Rest dieser Bomben. Ein kleines Nachbarhaus war angebaut, die uns abgewandte Seite lag in Tr&uuml;mmern: eine weitere Bombe. Hinter unserm Grundst&uuml;ck ging&rsquo;s in Felder und ein kleines Tal, ein St&uuml;ckchen aufw&auml;rts lag ein wundersch&ouml;nes, riesiges Schwimmbad, eine Seitenwand zerbombt.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20.png\" alt=\"\" width=\"986\" height=\"686\" class=\"alignleft size-full wp-image-144036\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20.png 986w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20-300x209.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20-768x534.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20-934x650.png 934w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20-704x490.png 704w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.32.20-352x245.png 352w\" sizes=\"auto, (max-width: 986px) 100vw, 986px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 5\/ Haisje<br>\nTitel: Das Haisje von da Goth, 1947<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring<\/small><\/p><p><strong>Wie war das innerhalb Ihrer Verwandtschaft: Gab es da Menschen, die dezidiert gegen den Krieg waren?<\/strong><\/p><p>Es waren keine gro&szlig;en Erkl&auml;rungen gegen den Krieg, sondern spontane &Auml;u&szlig;erungen aus der Familie und von Freunden, die ein Unbehagen an Krieg erkennen lie&szlig;en. Nie hie&szlig; es, ich solle ein &bdquo;strammer Soldat&rdquo; werden.<\/p><p>Ich war oft in jenem Schwarzwalddorf und ging mit den Bauern raus auf den Acker. Mal wurde am Waldrand, mal in der Stube gevespert. An der Wand beim Esstisch hing das Foto eines Soldaten mit Tornister, sein Gewehr an der Seite. Das war der &auml;ltere Bruder des Bauern, gefallen im Ersten Weltkrieg. Auch wenn ich mit meinem Freund schubsend in die Stube st&uuml;rmte, so war das Foto kaum zu &uuml;bersehen.<\/p><p>Auf dem Nachbarhof lebten zwei M&auml;dchen, ihr Vater war gefallen. Deren Gro&szlig;vater ging t&auml;glich hinkend aufs Feld &ndash; Folge einer Verwundung aus dem Ersten Weltkrieg.<\/p><p>Der Bruder meiner Gro&szlig;mutter, von ihren Kindern Onkel Soldat gerufen, erlebte nur wenige Wochen des Ersten Weltkriegs. Er fiel in Lothringen.<\/p><p>Mein Stiefvater, geboren 1919, war begeistert, als die R&uuml;ckkehr der <em>Legion Condor<\/em> gefeiert wurde. So ein Held wie diese Piloten wollte er auch werden. Er meldete sich zur Luftwaffe, wurde aber kein Pilot: Er war bei den Tests nicht cool genug. Als Fotolaborant war er f&uuml;r diese Truppe gut: Mitfliegen, Fotos f&uuml;r die Luftaufkl&auml;rung machen, entwickeln, zu Papier bringen, was Bodeneinsatz nicht ausschloss. Kurz vor Beginn des Krieges erklang tagelang nur Marschmusik in der Kaserne; das machte derma&szlig;en hippelig, dass alle sich fragten: &bdquo;Wann geht&rsquo;s denn endlich los?&rdquo; Als er das in den 1950ern erw&auml;hnte, war seine kritische Distanz deutlich zu h&ouml;ren. Seine Begeisterung war schnell verflogen, als gleich zu Kriegsbeginn eine Granate in die Scheune schlug, in der er mit einigen Kameraden lag. Einige schrien &ndash; t&ouml;dlich getroffen &ndash; noch ein paar Minuten erb&auml;rmlich.<\/p><p>Der Bruder meines Vaters geriet im Fr&uuml;hsommer 1942 in &bdquo;russische&rdquo; Kriegsgefangenschaft, als er bei einem sowjetischen Vorsto&szlig; mit einem Kameraden sein Funkger&auml;t vergraben wollte. Er galt seither als vermisst. Die Gro&szlig;eltern hofften; ein Foto von ihm stand neben einem vom Grab meines Vaters auf einem Holzbord am Esstisch. Anfang der 1950er dann eine Nachricht vom Suchdienst des Roten Kreuzes: Er ist im August 1945 in einem sowjetischen Lager bei Jekaterinburg gestorben.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20.png\" alt=\"\" width=\"868\" height=\"630\" class=\"alignleft size-full wp-image-144037\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20.png 868w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20-300x218.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20-768x557.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20-675x490.png 675w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.33.20-338x245.png 338w\" sizes=\"auto, (max-width: 868px) 100vw, 868px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 6\/ Grab<br>\nTitel: Grab von E. G&ouml;hring &ldquo;neben andern Gefallenen des Gefechts&rdquo;<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring (Oktober 1941)<\/small><\/p><p>Mein Stiefvater erz&auml;hlte von deutschen Verbrechen in der Ukraine, dass man Juden von der Ladefl&auml;che von LKWs in Bergwerkssch&auml;chte abkippte. Er weigerte sich, solche Verbrechen zu fotografieren. Er erlebte, wie ein gefangen genommener Partisan auf offener Stra&szlig;e von einem Feldj&auml;ger mit einem Genickschuss ermordet wurde. In Charkow sah er, wie er es sarkastisch ausdr&uuml;ckte, dass &bdquo;die SS die Balkone mit Geh&auml;ngten verziert&rdquo; hatte.<\/p><p>In einem Dorf in der Ukraine war er mit etwa 60 Mann eingeschlossen. Nach zwei Wochen wagten 16 den Ausbruch. Sie rannten durch tiefen Schnee und schmissen alles weg, was sie am Laufen hinderte. Acht kamen an; einem, der neben ihm lief, riss eine Granate den Kopf weg. Mein Stiefvater wusste um die Todesart, wenn ein Panzer mit einer Kette &uuml;ber einem Einmannloch stoppte und mit der andern einen Kreis fuhr, dabei den Menschen im Loch zermalmend. Mit Gesten unterstrich er seine Worte. Meinem Stiefvater drohte eine Anklage vor einem Kriegsgericht wegen angeblicher Selbstverst&uuml;mmelung. Er hatte befehlsgem&auml;&szlig; eine Latrine mit Schwefels&auml;ure gereinigt, ohne dass ihm die Gef&auml;hrlichkeit dieser S&auml;ure bekannt war. Er ver&auml;tzte sich heftig die H&auml;nde.<\/p><p>Solche Geschichten bleiben h&auml;ngen. Auch diese, eher skurrile Geschichte, wie er am Ende aus einem sowjetischen Lager in der Tschechei entkam. Er mimte vor den Wachen am Tor einen Tollpatsch. Am dritten Tag konnte er grimassierend und unbehelligt an den lachenden Wachen vorbei durchs Tor gehen, bis er au&szlig;er Sichtweite war. Nachts wanderte er nach Westen, tags versteckte er sich. Er schlug sich zu einem pf&auml;lzischen Dorf durch, wo seine Eltern und viele andere aus dem erw&auml;hnten Ort bei Saarbr&uuml;cken evakuiert waren.<\/p><p>Das bauf&auml;llige Haus, in dem wir seit Fr&uuml;hjahr 1947 lebten, wurde umgebaut. Oben entstand eine Wohnetage, unten waren die Arbeitsr&auml;ume f&uuml;r unser neu entstandenes Fotogesch&auml;ft. Die Wohnetage war eigentlich eine Wohnung, aber weil der Umbau bezuschusst worden war, musste geteilt werden: Vorne wohnte eine Familie mit zwei kleinen Kindern, nach hinten hatten wir ein gro&szlig;es und ein kleines Zimmer. Das war die K&uuml;che, wo uns die Mutter meines Stiefvaters, die Oma, bekochte. Am kleinen K&uuml;chentisch a&szlig;en wir eng beisammen zu Mittag und Oma erz&auml;hlte. Mehrmals h&ouml;rte ich die Geschichte von ihrem Gro&szlig;vater aus Schlesien. Er war preu&szlig;ischer Soldat in der Schlacht von Spichern. Im Eifer des Gefechts erhielt er einen S&auml;belhieb in den Nacken. Als er deutsch klingende Schmerzensschreie ausstie&szlig;, meinte der Schl&auml;ger: &bdquo;Sag doch glei&rsquo;, dass du ein D&uuml;tscher bischt.&rdquo; Dieser S&uuml;ddeutsche hatte ihn f&uuml;r einen Franzosen gehalten. Der Verletzte blieb nach seiner Genesung in der Gegend. Die Oma mimte, wie verrenkt ihr Gro&szlig;vater sp&auml;ter seinen Nacken hielt.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24.png\" alt=\"\" width=\"1068\" height=\"944\" class=\"alignleft size-full wp-image-144038\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24.png 1068w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24-300x265.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24-1024x905.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24-768x679.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24-735x650.png 735w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24-554x490.png 554w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-11.34.24-277x245.png 277w\" sizes=\"auto, (max-width: 1068px) 100vw, 1068px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 7\/ Spichern<br>\nTitel: Sturm auf die Spicherer H&ouml;hen. Gem&auml;lde von Anton von Werner, 1880.<br>\nQuelle: Laut Wikipedia: Historisches Museum Saar, CC BY-SA 4.0,<br>\n<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=104937098\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=104937098<\/a><\/small><\/p><p>Die Spicherer H&ouml;hen, um die im August 1870 &ndash; im &bdquo;Kriesch sippzisch&rdquo; &ndash; gek&auml;mpft wurde, konnte ich in wenigen Kilometern Luftlinie liegen sehen: ein riesiges Kreuz und ein zweist&ouml;ckiges Geb&auml;ude, das <em>Caf&eacute; Woll<\/em>. Der Krieg-Siebzig schien anfangs der 1950er eine ganze Ewigkeit weit in der Vergangenheit; er war nicht weiter weg als heute der deutsche &Uuml;berfall auf die Sowjetunion. 2012 war ich mit meiner jungen Familie und meiner 99-j&auml;hrigen Mutter zuletzt dort oben. Auf einmal nahm sie eine Hand vom Rollator und zeigte, mich einmal mehr erinnernd, &uuml;ber den bewaldeten Steilhang nach unten, wo ganz versteckt die Autobahn die Grenze passiert: &bdquo;Dort unten, aber es ist schon lange nicht mehr, da war ein Lazarett, dort war mein Gro&szlig;vater, er war hier verwundet worden.&rdquo; Ein paar Schritte weiter wollten wir das Caf&eacute; Woll besuchen, aber die Tische waren alle belegt. Sie meinte: &bdquo;Ach, als Kind war ich &ouml;fter mit meinen Eltern im Caf&eacute; Woll.&rdquo; Ja: Mit der Stra&szlig;enbahn bis zur Grenze fahren und dann eine kleine Stra&szlig;e, an der besagtes Lazarett gelegen hatte, nach oben spazieren. So friedlich kann es zugehen.<\/p><p>Ein Freund erw&auml;hnte, als ich wohl zehn war, dass sein Vater als Volksst&uuml;rmler mit anderen am Kriegsende eine Panzersperre bei Saarbr&uuml;cken verteidigen sollte. Die M&auml;nner ergaben sich stattdessen kampflos. Auf mein f&uuml;rwitziges &bdquo;Ja, aber, warum nicht?!&rdquo; erkl&auml;rte mir der Freund, was andernfalls geschehen w&auml;re: Die M&auml;nner, auch sein Vater w&auml;ren tot gewesen. Das &uuml;berzeugte mich nicht sofort. Erst sein Beharren brachte mich dazu.<\/p><p>Ich war bei den Pfadfindern. Als wir etwa 16 waren, erfuhren wir vom Leiter unserer Gruppe, selbst Jahrgang 1926, wie er im Herbst &rsquo;44 in amerikanische Gefangenschaft geriet. Er sa&szlig; mit seinen Kameraden in einem Keller am &ouml;stlichen Ausgang eines Dorfs; am anderen Ende hatte sich ein weiterer ein Einmannloch geschanzt, wo er mit einer Panzerfaust des ersten US-Panzers harrte und ihn abschoss. Nunmehr waffenlos stieg er vor dem n&auml;chsten mit erhobenen H&auml;nden aus dem Loch und ergab sich. Der Panzerkommandant griff zum Ges&auml;&szlig;, zog eine Pistole und erschoss den Mann. Im Weiteren fiel kein Schuss mehr, auch als der Kommandant der Einheit im offenen Jeep durch den Ort fuhr. Die Gruppe, die das Geschehen beobachtet hatte, ergab sich kampflos. Wir diskutierten lange, bis unser Gruppenleiter uns 16-j&auml;hrige Gro&szlig;m&auml;uler &uuml;berzeugen konnte, dass die kampflose &Uuml;bergabe das einzig Richtige war.<\/p><p><small>Titelbild: (c) privat<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bonner Diplom-Mathematiker <strong>Wolf G&ouml;hring<\/strong> (86) ist ein alerter Zeitzeuge bundesrepublikanischer Geschichte und Friedensaktivist seit Mitte der 1960er-Jahre. W&auml;hrend Menschen in seinem Alter &ndash; Linke oder Ex-Linke zumal &ndash; Seiten oder Barrikaden wechselten, blieb er sich treu und versucht als partout &bdquo;Kriegsunt&uuml;chtiger&ldquo; zum Schluss dieses Interviews, einen marxistischen Weg zu einer friedlichen Welt zu skizzieren.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144022\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":144076,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,171],"tags":[3612,1494,2104,2394,2250,966,2474],"class_list":["post-144022","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","category-militaereinsaetzekriege","tag-goehring-wolf","tag-infrastruktur","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-nachkriegszeit","tag-weltkrieg","tag-wiederaufbau"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2512XX_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=144022"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144022\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":144227,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144022\/revisions\/144227"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/144076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=144022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=144022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=144022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}