{"id":144056,"date":"2025-12-27T11:00:08","date_gmt":"2025-12-27T10:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144056"},"modified":"2025-12-29T14:39:47","modified_gmt":"2025-12-29T13:39:47","slug":"friedensaktivist-der-fruehen-stunde-eine-weihnachts-begegnung-mit-wolf-g-teil-iii-schluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144056","title":{"rendered":"Friedensaktivist der fr\u00fchen Stunde: Eine (Weihnachts-)Begegnung mit Wolf G. (Teil III &#038; Schluss)"},"content":{"rendered":"<p>Der Bonner Diplom-Mathematiker <strong>Wolf G&ouml;hring<\/strong> (86) ist ein alerter Zeitzeuge bundesrepublikanischer Geschichte und Friedensaktivist seit Mitte der 1960er-Jahre. W&auml;hrend Menschen in seinem Alter &ndash; Linke oder Ex-Linke zumal &ndash; Seiten oder Barrikaden wechselten, blieb er sich treu und versucht als partout &bdquo;Kriegsunt&uuml;chtiger&ldquo; zum Schluss dieses Interviews, einen marxistischen Weg zu einer friedlichen Welt zu skizzieren. F&uuml;r die NachDenkSeiten f&uuml;hrte <strong>Rainer Werning<\/strong> ausgiebige Gespr&auml;che mit Wolf G&ouml;hring, deren Teil I und Teil II Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144022\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144042\">hier<\/a> nachlesen k&ouml;nnen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Rainer Werning: Sie kamen nach Hannover, Erlangen und Konstanz schlie&szlig;lich in Sankt Augustin bei Bonn in der im April 1968 gegr&uuml;ndeten &ouml;ffentlichen Forschungseinrichtung Gesellschaft f&uuml;r Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) an. Spielten dort Fragen wie Mitbestimmung, Geheimhaltung und Milit&auml;rforschung eine Rolle?<\/strong><\/p><p><strong>Wolf G&ouml;hring:<\/strong> Willy Brandts Diktum &bdquo;<em>Mehr Demokratie wagen&ldquo;<\/em> geh&ouml;rte zur Aufbruchstimmung der jungen Leute, die ich kannte. Sie hielt bis in die 1970er-Jahre an. Das neue Betriebsverfassungsgesetz brachte &bdquo;mehr Demokratie an der Werkbank&ldquo;. Das kontrastierte mit der in den fr&uuml;hen 1960ern kolportierten &Auml;u&szlig;erung des sp&auml;ter ermordeten Hanns Martin Schleyer: <em>&bdquo;Die Demokratisierung von Schulen und Betrieben ist so unm&ouml;glich wie die von Zuchth&auml;usern.&ldquo;<\/em><\/p><p>Das sahen wir in der GMD anders. In wissenschaftlich-technischen Belangen wurde Mitbestimmung eingefordert. Es waren informelle Strukturen entstanden: Es gab Versammlungen aller Besch&auml;ftigten eines Instituts, auch beispielsweise der Sekret&auml;rinnen und der Operateure an den Rechnern. Jede Versammlung w&auml;hlte einen Sprecher, die Sprecher aller Institute bildeten den Sprecherrat, der aus seiner Mitte die H&auml;lfte in den Wissenschaftlichen Rat entsandte, dessen weitere Mitglieder die Institutsleiter stellten. In der GMD gab es auch eine r&uuml;hrige Gruppe der Gewerkschaft &Ouml;TV, deren Mitglied ich wurde. Wir wollten unser Wissen &uuml;ber Entwicklungen der Datenverarbeitung in die Gewerkschaften tragen; die Forschung der &ouml;ffentlich finanzierten GMD sollte ebenso &ouml;ffentlich sein und der Gesellschaft zugutekommen.<\/p><p>Die angedeutete betriebliche Demokratie sollte in der Satzung der GMD, deren Gesellschafter der Bund zu 90 und Nordrhein-Westfalen zu zehn Prozent waren, abgesichert sein. Diese hatten bereits 1971 den Entwurf einer neuen Satzung f&uuml;r die 1968 gegr&uuml;ndete GMD vorgelegt. Im Sommer 1974 &ndash; ich war mittlerweile einer der Sprecher &ndash; legten sie einen neuen Entwurf vor, der auch im Wissenschaftlichen Rat diskutiert werden sollte. Im alten Entwurf hie&szlig; es: <em>&bdquo;Die Gesellschaft dient ausschlie&szlig;lich friedlichen Zwecken&ldquo;<\/em>, was im neuen fehlte! Das konnte nur hei&szlig;en, dass man uns Milit&auml;rforschung aufdr&uuml;cken wollte.<\/p><p>Nach allem, was ich &uuml;ber die Verbrechen der Wehrmacht, zu Nazioffizieren in der Bundeswehr erfahren hatte, was ich zur Billigung des Korea-, Algerien- und Vietnamkrieges sowie der Putsche im Iran von 1953 bis in Chile 1973 durch die Bundesregierungen beobachtet und was es an Versuchen zu einer atomaren Bewaffnung sowie zu einem &bdquo;Roll-Back&ldquo; und einer &bdquo;Vorw&auml;rtsverteidigung&rdquo; gegen&uuml;ber den sozialistischen Staaten gegeben hatte, gab es f&uuml;r mich nur ein <em>kategorisches Nein<\/em> zur Milit&auml;rforschung. Mit dieser Haltung zog ich in die Sitzung des Sprecherrats. Die Debatte war eindeutig: Wir wollten die friedliche Zweckbestimmung in der Satzung sehen. Ich war f&uuml;r die n&auml;chste Sitzung des Wissenschaftlichen Rats neben anderen delegiert. Wir konnten einige Institutsleiter von unserer Forderung &uuml;berzeugen und hatten die Mehrheit! Die &Ouml;TV-Gruppe sah das genauso. Auf zahlreichen Versammlungen im Betrieb wurde die Forderung diskutiert. Einige meinten, auch Milit&auml;rforschung k&ouml;nne friedlichen Zwecken dienen. Das war eine Minderheit, von der sich viele &uuml;berzeugen lie&szlig;en, dass das partout nicht zusammenpasst.<\/p><p>Von der &Ouml;TV-Gruppe wurde ein B&uuml;ndel an Forderungen formuliert: friedliche Zwecke, Mitbestimmung in wissenschaftlich-technischen Angelegenheiten durch alle Besch&auml;ftigten, sichere Arbeitspl&auml;tze, vor allem keine Zeitvertr&auml;ge, Ver&ouml;ffentlichung aller Arbeitsergebnisse, keine Geheimhaltung. Wir sammelten etwa 350 Unterschriften unter den knapp &uuml;ber 600 Besch&auml;ftigten, dabei hatten wir bei Weitem nicht alle angesprochen. Im Herbst lud Hans Matth&ouml;fer, Bundesforschungsminister, Sozialdemokrat und Gewerkschafter, zu einer Anh&ouml;rung. Gleich zu Beginn versuchte es Matth&ouml;fer kernig: Wer f&uuml;r die friedlichen Zwecke sei, sei Pazifist oder moskauh&ouml;riger Kommunist. Statt zu beruhigen, erntete er nur Emp&ouml;rung und etwa zehn eidesstattliche Erkl&auml;rungen &uuml;ber den genauen Wortlaut seiner Erkl&auml;rung. Am Ende wurde die Satzung von den Gesellschaftern ohne die Festlegung auf friedliche Zwecke vereinbart. Aber wir waren danach h&ouml;chst unsichere Kadetten und f&uuml;r die Milit&auml;rs unbrauchbar.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35.png\" alt=\"\" width=\"1140\" height=\"1522\" class=\"alignleft size-full wp-image-144057\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35.png 1140w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35-225x300.png 225w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35-767x1024.png 767w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35-768x1025.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35-487x650.png 487w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35-367x490.png 367w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.27.35-184x245.png 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 1140px) 100vw, 1140px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 10\/ Matth&ouml;fer<br>\nTitel: Brief von Hans Matth&ouml;fer an den Betriebsrat zu &bdquo;friedlichen Zwecken&ldquo;<br>\nQuelle: (aus &bdquo;Working within the System&ldquo;, in: &bdquo;Mathematics and War&ldquo;, 2003)<\/small><\/p><p>Bei jedem sich bietenden Anlass wurde bekr&auml;ftigt, dass wir gegen Milit&auml;rforschung sind, beispielsweise bei US-Pr&auml;sident Reagans Sternenkriegspl&auml;nen <em>SDI<\/em> oder als ein Referent im Forschungsministerium uns die Entwicklung &bdquo;intelligenter&rdquo; Panzerminen nahelegte. Sie sollten an der DDR-Grenze vergraben werden und im Kriegsfall am Ger&auml;usch erkennen, ob sich ein BRD- oder ein DDR-Panzer n&auml;herte. Im letzteren Fall sollte das Ding explodieren, wenn der Panzer dar&uuml;ber rollt. In der n&auml;chsten Betriebsversammlung denunzierte ich dieses Ansinnen. Ich forderte die Kollegen auf, sich ebenfalls nicht an der Entwicklung solcher Minen zu beteiligen. Ich erw&auml;hnte, wie ich auf der Bonner Hofgartenwiese mit Hunderttausenden das <em>Nein<\/em> gesprochen hatte, als Wolfgang Borcherts Gedicht &bdquo;Sag Nein&rdquo; rezitiert wurde. Mit gro&szlig;em Applaus wurde mir zugestimmt, und das schmutzige Ansinnen war vom Tisch.<\/p><p>Mein Amt als Sprecher endete im Juli 1974. Anfang 1975 kandidierte ich f&uuml;r den Betriebsrat, wurde Mitglied und zun&auml;chst dessen freigestellter Vorsitzender. &Uuml;ber die Auseinandersetzung um die friedlichen Zwecke berichteten wir in der alle acht Monate stattfindenden Konferenz der Betriebsr&auml;te von Forschungseinrichtungen, zu der jeder einzelne Betriebsrat zwei bis drei Delegierte entsandte. &Ouml;TV und DAG nahmen ebenfalls teil. F&uuml;r die Kernforschungseinrichtungen in J&uuml;lich und Karlsruhe gab es diese &bdquo;Zivilklausel&rdquo;, weil sonst die Westalliierten 1955 der BRD keine Kernforschung erlaubt h&auml;tten. Auf diesen Konferenzen wurde Milit&auml;rforschung regelm&auml;&szlig;ig abgelehnt, beispielsweise, als die BRD Forschungsgelder aus dem US-Programm zu SDI abgreifen wollte.<\/p><p>Solche Diskussionen gaben Dietrich Schulze, dem langj&auml;hrigen Betriebsratsvorsitzenden des <em>Kernforschungszentrums Karlsruhe (KFK)<\/em>, sicherlich einen R&uuml;ckhalt, als er f&uuml;r die Aufrechterhaltung der Zivilklausel stritt, nachdem das KFK in dem <em>Karlsruher Institut f&uuml;r Technologie (KIT)<\/em> aufgehen sollte. Schulze konnte sich &ndash; nahezu 30 Jahre nach unserer betrieblichen Aktion &ndash; auf eine breite Friedensbewegung st&uuml;tzen. Die Forderung wurde weitergetragen, und zahlreiche Universit&auml;ten und einige Bundesl&auml;nder legten sich auf eine Zivilklausel f&uuml;r die Forschung fest. Die Zeitenwendeh&auml;lse stellen das knallhart in Frage.<\/p><p><strong>Datenverarbeitung ber&uuml;hrt den Datenschutz. Wie war das bei der GMD?<\/strong><\/p><p>Ab den fr&uuml;hen 1970ern interessierte mich Datenschutz als Abwehrrecht des B&uuml;rgers gegen&uuml;ber dem Staat. Da w&auml;re das Personenkennzeichen PKZ zu nennen, das sich so leicht mit der Datenverarbeitung zu machen lassen schien &ndash; bis das Bundesverfassungsgericht es als nicht verfassungsgem&auml;&szlig; verwarf. Ein &auml;hnlicher Anlauf war ein Bundesmeldegesetz, das bald nur noch als Bundesmelderechtsrahmengesetz forciert wurde. In der Einleitung der entsprechenden Bundestagsdrucksachen wurde regelm&auml;&szlig;ig die &bdquo;Reichsmeldeordnung von 1938&Prime; zum Vorbild genommen, bis sich der <em>Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)<\/em> gegen diese Anlehnung an den Faschismus wandte. Die Reichsmeldeordnung hatte 1938 den Zweck, j&uuml;dische Mitb&uuml;rger und Wehrdienstverweigerer aus ihren Verstecken zu holen, nach Meinung des f&uuml;r die Bundestagsdrucksache verantwortlichen Ministerialbeamten ein &bdquo;Kennzeichen eines modernen Staats&rdquo;! In der Loseblattsammlung &bdquo;Gesetze des Bundes&rdquo; des Nomos-Verlags tauchte die Formulierung noch in den 1990ern in einem Kommentar auf.<\/p><p>Der Betriebsrat der GMD, dem ich bis 1990 zumeist freigestellt angeh&ouml;rte, stritt 1987-88 mit der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung um die Einf&uuml;hrung einer ISDN-Telefonnebenstellenanlage. Der Betriebsrat hat mitzubestimmen, weil es sich um eine &bdquo;technische Kontrolleinrichtung&rdquo; handelt, bei der sich die Verbindungsdaten einzelner Telefonate speichern lassen. Mitbestimmen hei&szlig;t mitgestalten. Der Betriebsrat verlangte die technischen Unterlagen. Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung und Hersteller mussten liefern. Meine T&auml;tigkeit bei Telefunken und sp&auml;ter im Normenausschuss f&uuml;r &Uuml;bermittlungsprotokolle und f&uuml;r Modems machten es mir m&ouml;glich, den Papierwust zu sichten: Die gesamte Vermittlung wird durch einen programmierten kleinen Computer abgewickelt. Da l&auml;sst sich allerhand machen, beispielsweise abh&ouml;ren, indem die Sprachsignale nicht nur auf der von den Nutzern gewollten Verbindung, sondern auch zu einem geheimen Mith&ouml;rer transportiert werden, mich dabei auch an fr&uuml;here staatliche Abh&ouml;rskandale erinnernd. &bdquo;Raus damit!&rdquo;, forderten wir.<\/p><p>Auch viele weitere merkw&uuml;rdige Leistungsmerkmale sollten erst gar nicht in der gelieferten Software vorhanden sein. &bdquo;Geht nicht. Alles ist in einem gro&szlig;en Programm, da l&auml;sst sich nichts l&ouml;schen!&rdquo; So, und nach China sollen die Dinger auch geliefert werden. Dort wird abgeh&ouml;rt, also ist bei uns die Abh&ouml;rsoftware f&uuml;r den &bdquo;kleinen Lauschangriff&rdquo; auch drin! Der Betriebsrat legte eine Betriebsvereinbarung vor, die solches ausschlie&szlig;en sollte. Die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung, vertreten von einem Verwaltungsjuristen, der in den 1950ern, also weit vor dem aufkommenden Computerzeitalter studiert hatte, lehnte den Entwurf als viel zu weitgehend ab. &bdquo;F&uuml;r mich ist das ein ganz gew&ouml;hnliches Telefon&rdquo;, lie&szlig; er uns wissen. Der Hersteller wollte seine Anlage im harten Betrieb sehen, und so musste die Post die Anlage anschlie&szlig;en und nach ein paar Tagen unter Aufsicht eines Gerichtsvollziehers wieder vom Netz nehmen; zuvor hatte der Gute ein Spalier von Medienleuten passiert. Ein Arbeitsgericht hatte dem Antrag des Betriebsrats auf Erlass einer einstweiligen Verf&uuml;gung stattgegeben, weil die n&ouml;tige Betriebsvereinbarung fehlte. Drei Wochen sp&auml;ter konnte der Betriebsrat in einer Einigungsstelle seine wichtigsten Forderungen durchsetzen. Die Medien berichteten ausf&uuml;hrlich. Aus der ganzen Republik fragten Betriebsr&auml;te nach dieser Sache; an die zweihundert Mal versendeten wir unsere Unterlagen. Das Problem des leichth&auml;ndigen Lauschangriffs bei ISDN-Anlagen war publik.<\/p><p><strong>Wie erlebten Sie die Friedenskundgebung in Bonn am 10. Juni 1982 auf der Hofgartenwiese, zu der 500.000 Menschen gekommen waren?<\/strong><\/p><p>Das war eine gewaltige Kundgebung und ebenso gewaltig die Lautsprecheranlage, aus der Harry Belafontes <em>&bdquo;We shall overcome&rdquo;<\/em> &uuml;ber den Platz t&ouml;nte. Beeindruckend die Rezitation von Wolfgang Borcherts Gedicht &bdquo;Sag Nein&rdquo; &ndash; <em>&bdquo;Und wenn sie dir befehlen, du sollst einen neuen Tod f&uuml;r das alte Leben erfinden, dann gibt es nur eins: Sag Nein&ldquo;<\/em>! Dieses Nein wurde an jeder Stelle des Gedichts von hunderttausenden Menschen mitgesprochen. F&uuml;r mich war es ein klares, unumst&ouml;&szlig;liches, pers&ouml;nliches Versprechen. Die Teilnehmenden, die so alt wie ich oder auch &auml;lter waren, hatten den Zweiten Weltkrieg erlebt. Sie wussten: So etwas darf nicht wiederholt werden. Das d&uuml;rfte sie zu gro&szlig;em Teil bewogen haben, zu dieser Kundgebung zu kommen.<\/p><p>Es sind jetzt 43 Jahre vergangen, viele aus dieser Altersgruppe sind verstorben; ihre Stimme, ihre Aktivit&auml;t fehlen. Die, die zehn Jahre j&uuml;nger sind als ich, kennen die sp&auml;tere Nachkriegszeit, ein paar Erz&auml;hlungen der &Auml;lteren vielleicht, aber sie vernahmen auch reichlich Anti-Russen-Propaganda. F&uuml;r die noch J&uuml;ngeren ist der Zweite Weltkrieg mindestens so weit weg, wie es f&uuml;r mich der Erste war. Gleichwohl lernte ich in meiner Jugendzeit einiges &uuml;ber ihn: Er war brutal, bestialisch; er war ein Vorspiel f&uuml;r den Zweiten.<\/p><p><strong>Was kam Ihnen in den Sinn, als Ex-Bundeskanzler Scholz den Begriff der &bdquo;Zeitenwende&rdquo; bem&uuml;hte und die erneute Stationierung US-amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland verk&uuml;ndete?<\/strong><\/p><p>Mit Raketen scheinen einige Leute mal wieder einen H&ouml;llenritt nach Moskau vorzuhaben. Sie sollten bedenken, dass Napoleon und Hitler an einem solchen Vorhaben scheiterten.<\/p><p>Scholz&rsquo; beschworene &bdquo;Zeitenwende&ldquo; beendete meinen Ruhestand. Vieles ging mir durch den Kopf. Ich baggerte im Internet nach einem SPD-Plakat von 1953, an das ich mich erinnerte. Es zeigt einen auf Kr&uuml;cken durch eine zertr&uuml;mmerte Stadt humpelnden Kr&uuml;ppel, betextet mit <em>&bdquo;Nie wieder &ndash; Darum verhandeln. SPD&rdquo;<\/em>.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29.png\" alt=\"\" width=\"1260\" height=\"1772\" class=\"alignleft size-full wp-image-144058\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29.png 1260w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-213x300.png 213w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-728x1024.png 728w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-768x1080.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-1092x1536.png 1092w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-462x650.png 462w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-348x490.png 348w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.31.29-174x245.png 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 11\/ SPD<br>\nTitel: Plakat der SPD zur Bundestagswahl 1953<\/small><\/p><p>Die heute hinausposaunte Propaganda erinnerte mich an die Nazizeit. Ich las Originale: Goebbels Sportpalastrede, Hitlers Ansprache am 22. Juni 1941 nach dem &Uuml;berfall auf die Sowjetunion, heute im Internet abrufbar, k&uuml;rzlich auch seine Ansprache am 1. September 1939 nach dem &Uuml;berfall auf Polen. Au&szlig;erdem las ich in der 1961 erschienenen Dokumentation <em>&bdquo;Juni 1941&Prime; sowie Anton Zischkas &bdquo;&Ouml;lkrieg, Wandlung der Weltmacht &Ouml;l&rdquo;<\/em>, Auflage vom Mai 1940, vermutlich von meinem Vater gekauft. Zischka schreibt darin vom US-Imperialismus; ein deutscher kommt nicht vor, wiewohl das Deutsche Reich sich seit Hitlers Machtantritt imperialistisch auff&uuml;hrte. Der Krieg wird als &bdquo;aufgezwungener&rdquo; bezeichnet, Hitler als jemand beschrieben, der eigentlich immer nur Frieden wollte, denn er habe die Kohleverfl&uuml;ssigung in industriellem Ma&szlig;stab gestartet. Dies befreite Staaten mit gro&szlig;en Kohlevorkommen von der &Ouml;labh&auml;ngigkeit und verminderte die Gefahr von Kriegen um &Ouml;l. So verschleiert man eigene imperialistische Ziele; mit solchen Fl&ouml;tent&ouml;nen f&auml;ngt man Ratten.<\/p><p>Umso zeitloser Karl Liebknechts Satz: <em>&bdquo;Der Hauptfeind steht im eigenen Land.&rdquo;<\/em> Mein Vater nahm es anders. Im Morgengrauen des 22. Juni 1941 schoss er am Bug bei Brest-Litowsk ein Foto. Es wurde ver&ouml;ffentlicht und tr&auml;gt die Unterschrift: <em>&bdquo;Die Eisenbahnbr&uuml;cke ist f&uuml;r den deutschen Vormarsch gesichert. Nun geht Infanterie vor gegen den Feind, der so lange als unberechenbare Drohung an des Reiches Ostgrenze stand.&rdquo;<\/em> Russische Bedrohung?! Von der NATO wird sie auf der Warschauer Tagung 2016 erneut beschworen und war bereits schon 1951 von Adenauer in seiner Rede in Bad Ems als Gespenst an die Wand gemalt worden; er forderte die deutsche Wiederbewaffnung zur Rettung Europas.<\/p><p>Ich schaute auf eine gro&szlig;e Karte <em>&bdquo;Das europ&auml;ische Russland&rdquo;<\/em> von Herbst 1940; darin ein ungef&uuml;ger, immer wieder neu angesetzter, roter Strich, von Lublin bis nahe Stalingrad und irgendwie wieder zur&uuml;ck: Der Irrweg meines Stiefvaters vom 22. Juni 1941 bis Mai 1945. Ich schaute in einen Karton mit Fotos von ihm. Eines in 6 x 9 zeigt ein mit Blumen geschm&uuml;cktes Grab eines russischen Piloten, an einem Stock eine Inschrift: &bdquo;gefallen im Luftkampf 25.VI.41&Prime;. Auf der R&uuml;ckseite in der Handschrift meines damals 22-j&auml;hrigen Stiefvaters: <em>&bdquo;Tiefangriff auf unser Lager von mir mit M.G. abgeschossen. H.&rdquo;<\/em><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36.png\" alt=\"\" width=\"1058\" height=\"682\" class=\"alignleft size-full wp-image-144059\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36.png 1058w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36-300x193.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36-1024x660.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36-768x495.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36-1008x650.png 1008w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36-760x490.png 760w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.33.36-380x245.png 380w\" sizes=\"auto, (max-width: 1058px) 100vw, 1058px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 12\/ Abschuss<br>\nTitel: Grab eines sowjetischen Piloten<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring<\/small><\/p><p>Wollen die Herren Merz, Wadephul, Pistorius [Letzterer war in seinen politisch-n&uuml;chternen, nicht-bellizistischen Tagen von November 2006 bis Februar 2013 immerhin Oberb&uuml;rgermeister der &bdquo;Friedensstadt&ldquo; Osnabr&uuml;ck &ndash; <em>RW<\/em>] und all die andern, die &bdquo;zeitenwenderisch&ldquo; auf die alte Kriegstrommel hauen, die jungen Leute wieder zwingen, russische Piloten abzuschie&szlig;en? Meinen J&uuml;ngsten sollen sie und ihresgleichen nicht f&uuml;r derlei Barbarei haben!<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42.png\" alt=\"\" width=\"1336\" height=\"1526\" class=\"alignleft size-full wp-image-144060\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42.png 1336w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42-263x300.png 263w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42-897x1024.png 897w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42-768x877.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42-569x650.png 569w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42-429x490.png 429w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.34.42-214x245.png 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 1336px) 100vw, 1336px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 13\/ Ostfront<br>\nTitel: Hitlers H&ouml;llenritt nach Moskau. Tagesbefehl vom 2. Oktober 1941<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring (als Foto)<\/small><\/p><p>&bdquo;Zeitenwende&ldquo; l&ouml;ste in mir ein D&eacute;j&agrave;-vu aus. Sie hatte eigentlich viel fr&uuml;her begonnen, n&auml;mlich als der fr&uuml;here westdeutsche Au&szlig;enminister Hans-Dietrich Genscher den Trick mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag verk&uuml;ndete und einen Friedensvertrag als nicht weiter n&ouml;tig bezeichnete. Da kontrollierte er bereits die Au&szlig;enpolitik der DDR. Er verhandelte eigentlich mit sich selbst, bevor er das Ergebnis den Vier M&auml;chten vorlegte. Die Einf&uuml;hrung des Kapitalismus in der geschleiften DDR und in der Sowjetunion und schlie&szlig;lich die Aufl&ouml;sung der Letzteren d&uuml;rfte Genscher mit Genugtuung wahrgenommen haben. Kurz nach dem Krieg hatte er in der sowjetisch besetzten Zone einer Gruppe liberaler Studenten angeh&ouml;rt, die f&uuml;r ungebremste Markwirtschaft wirkten. Das war gegen die Staatsdoktrin der Sowjetunion, das war Hochverrat an deren Verfassung. Einige Mitglieder der Gruppe wurden verhaftet, der f&uuml;hrende Kopf in Moskau zum Tode verurteilt und erschossen. Genscher wurde gewarnt und floh in den Westen. Die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> berichtete in den 1990ern dar&uuml;ber.<\/p><p>Genscher setzte eine Zeitenwende mit der Anerkennung Kroatiens als selbst&auml;ndiger Staat. Kroatien hatte heimlich einen Gro&szlig;teil der Waffen der DDR erhalten. Rainer Eppelmann als Abr&uuml;stungsminister der DDR und J&ouml;rg Sch&ouml;nbohm als General der Bundeswehr waren zust&auml;ndig. Jugoslawien wurde mit deutscher Hilfe weiter zertr&uuml;mmert. Die v&ouml;lkerrechtswidrige Bombardierung Serbiens mit weit &uuml;ber 2.000 zivilen Toten, darunter hunderte Kinder und Jugendliche im Jahr 1999, war ein weiteres St&uuml;ck einer Wende. Die &ouml;konomische und politische Dominanz Deutschlands im Bunde mit &Ouml;sterreich, wie sie einmal auf dem Balkan bestanden hatte, sollte wiedererstehen, Gro&szlig;britannien, Frankreich und den USA einen geb&uuml;hrenden Teil &uuml;berlassend.<\/p><p>Am 22. Juni 2021 fand in Bonn vor dem Alten Rathaus ein Gedenken zum deutschen &Uuml;berfall auf die Sowjetunion statt. Vertreter von Wei&szlig;russland und Russland nahmen daran teil. Der ukrainische Botschafter Melnyk war auch eingeladen und sagte ab &ndash; klar. Die Bonner Oberb&uuml;rgermeisterin, Frau D&ouml;rner von den Gr&uuml;nen, eine <em>Mayor for Peace<\/em>, war auch eingeladen und sagte kurzfristig ab. St&auml;dtischen Vertretern untersagte sie die Teilnahme.<\/p><p>In einer offenen E-Mail an Frau D&ouml;rner bezeichnete ich ihr Verhalten als sch&auml;big. W&auml;hrend des Gedenkens, so schrieb ich der <em>Mayor for Peace<\/em>, kamen mir Berichte von mir pers&ouml;nlich nahen Zeitzeugen &uuml;ber deutsche Verbrechen in der Sowjetunion in den Sinn. Sie meinte in ihrer Antwort, wir d&uuml;rften nicht wegsehen, wenn Menschen gefoltert und misshandelt werden. Mit der erzwungenen Landung eines Flugzeugs in Minsk und der Festnahme eines Regimekritikers und seiner Begleiterin habe eine weitere Eskalation in Belarus stattgefunden, und sie h&auml;tte nicht mit einem Vertreter dieses Staates auf einem Foto erscheinen wollen. Dieser Mensch &ndash; so erg&auml;nze ich &ndash; rief in seiner kurzen Ansprache trotz der Folterungen, Misshandlungen und Ermordungen seiner Landsleute durch Deutsche zur Vers&ouml;hnung als einzig gangbarem Weg auf, er w&auml;re gewiss bereit gewesen, sich mit Frau D&ouml;rner, einer Nachfahrin dieser millionenfachen Menschenrechtsverletzer, auf einem Foto zu zeigen. Frau D&ouml;rner hat mit ihrer Absage nicht nur den wei&szlig;russischen Botschafter, sondern auch den russischen Konsul in Bonn br&uuml;skiert, und gleicherma&szlig;en die Millionen Menschen, die sie vertreten. Dieses St&uuml;ck zur <em>Zeitenwende<\/em> lief &ndash; wohlgemerkt &ndash; acht Monate vor Beginn der russischen &bdquo;Spezialoperation&rdquo; in der Ukraine.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16.png\" alt=\"\" width=\"1326\" height=\"1000\" class=\"alignleft size-full wp-image-144061\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16.png 1326w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16-300x226.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16-1024x772.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16-768x579.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16-862x650.png 862w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16-650x490.png 650w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.37.16-325x245.png 325w\" sizes=\"auto, (max-width: 1326px) 100vw, 1326px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 14\/ D&ouml;rner<br>\nTitel: Antwort der Bonner Oberb&uuml;rgermeisterin auf meine offene Email<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring<\/small><\/p><p><strong>Wie bewerten Sie das Gerede, Russland zu schw&auml;chen oder sogar zu ruinieren?<\/strong><\/p><p>Einen gro&szlig;en Sprung vorw&auml;rts in die Vergangenheit machte die ministerielle Trampolink&uuml;nstlerin [gemeint ist Ex-Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock &ndash; RW]. Am 8. Dezember 2021 hatte sie den Amtseid abgelegt, wonach sie dem Wohl des deutschen Volkes dienen werde. Wenig sp&auml;ter und einen ganzen Monat vor Beginn der russischen &bdquo;Spezialoperation&ldquo; erkl&auml;rte sie, Deutschland sei bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um Russland zu ruinieren. Ich geh&ouml;re zu Deutschland. Ich war weder damals noch heute bereit, Russland zu ruinieren und schon gar nicht, einen hohen Preis daf&uuml;r zu zahlen. Das w&auml;re eine Handlung, die das friedliche Zusammenleben mit Russland st&ouml;rt; sie ist verfassungswidrig (Artikel 23 GG) und verst&ouml;&szlig;t gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag, wonach von Deutschland nur Frieden auszugehen hat und kein Ruinieren eines anderen Staates.<\/p><p>Wer wie Baerbock vom Weltwirtschaftsforum zur <em>Young Gobal Leader<\/em> &ndash; jungen Weltenlenkerin &ndash; ausgebildet wurde, muss sich wohl in deutschem Staatsrecht nicht auskennen. Ihr gen&uuml;gte es, den amerikanischen Neocons nachzuplappern &ndash; drei Wochen vor Scholz&rsquo; Besuch bei Putin. Einen Verzicht auf die Ruinierung Russlands hat man von Scholz nicht geh&ouml;rt. Dass Russland derartige deutsche imperialistische Absichten, zumal im Windschatten der USA, nicht einfach wegsteckt, m&uuml;sste Scholz und Baerbock klar gewesen sein.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10.png\" alt=\"\" width=\"1120\" height=\"782\" class=\"alignleft size-full wp-image-144063\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10.png 1120w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10-300x209.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10-1024x715.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10-768x536.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10-931x650.png 931w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10-702x490.png 702w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.38.10-351x245.png 351w\" sizes=\"auto, (max-width: 1120px) 100vw, 1120px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 15\/ Ruinieren<br>\nTitel: Auf dem Weg zur Ruinierung Russlands<br>\nQuelle: Der Sto&szlig;trupp Nr. 459, 15. September 1941, Privatbesitz W. G&ouml;hring<\/small><\/p><p>Baerbocks Absicht vom Ruinieren Russlands ist etwas sanftm&uuml;tiger formuliert als Hitlers Absicht vom Juni 1941, sie l&auml;uft trotzdem auf die gleiche Sache hinaus. Hitler startete eine Trag&ouml;die; die heutigen Kriegstreiber haben es allerdings erst zur Farce jener Trag&ouml;die gebracht, auch wenn schon viele Menschen krepiert sind oder zu Kr&uuml;ppeln wurden.<\/p><p><strong>Warum suchen aus Ihrer Sicht so viele Menschen wie in fr&uuml;heren Zeiten ihr Heil in der Konfrontation?<\/strong><\/p><p>Allenthalben verfallen Leute der Kriegslogik, denken sie ans Abschrecken und Hochr&uuml;sten. Scholz schw&auml;tzte vom <em>&bdquo;Doppelwumms&rdquo;<\/em>. Im April 2025 stand in der <em>Frankfurter Rundschau (FR)<\/em>, Frankfurt sei nicht auf &bdquo;den Krieg vorbereitet&rdquo;. Auf welchen? Werden Luftschutzwarte ernannt und die Dachb&ouml;den mit Feuerpatschen ausgestattet?<\/p><p><em>&bdquo;Wer wollte ernsthaft den Soldatinnen und Soldaten der ukrainischen Armee den Willen absprechen, ihr Land und mit diesem unsere Freiheit vor Putins morbiden Expansionsgel&uuml;sten zu sch&uuml;tzen?&rdquo;<\/em>, so Harry Nutt in diesem Blatt. &bdquo;Morbide Expansionsgel&uuml;ste&rdquo;? Wie kommt Nutt auf derart &bdquo;morbide&rdquo; Gedanken? Im Juni des Vorjahres hatte Peter Rutkowski in der FR den &bdquo;kleingeistigen blutr&uuml;nstigen Putinismus&rdquo; entdeckt. Ewiggestrige k&ouml;nnen leicht das Wort aus Hitlers Tagesbefehl vom 2. Oktober 1941 anf&uuml;gen: <em>&bdquo;Dieser Feind besteht nicht aus Soldaten, sondern zum gro&szlig;en Teil nur aus Bestien&rdquo;<\/em>, nur zwei Tage nachdem sich in Kiew deutsche Soldaten als Bestien auff&uuml;hrten, indem sie 35.000 j&uuml;dische Menschen erschossen.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06.png\" alt=\"\" width=\"1278\" height=\"612\" class=\"alignleft size-full wp-image-144064\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06.png 1278w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06-300x144.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06-1024x490.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06-768x368.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06-1060x508.png 1060w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06-1023x490.png 1023w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.40.06-512x245.png 512w\" sizes=\"auto, (max-width: 1278px) 100vw, 1278px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 16\/ Bestien<br>\nTitel: Auszug aus Hitlers Tagesbefehl &bdquo;Soldaten der Ostfront&ldquo; vom 2. Oktober 1941 zur Er&ouml;ffnung der Schlacht um Moskau<br>\nQuelle: Privatbesitz W. G&ouml;hring (als Foto) <\/small><\/p><p><em>&bdquo;Kriegst&uuml;chtig wie nur je&rdquo;<\/em>, stand im Fr&uuml;hjahr 2025 in einer E-Mail. Kein Zitat von Boris Pistorius, sondern von Goebbels vom 9. Juli 1944 in der Wochenschrift <em>&bdquo;Das Reich&rdquo;<\/em>. Damals vermochte ich als Knirps beim ersten Alarm flink in einen Bunker zu flitzen. Heute m&ouml;chte ich als alter Mensch das nicht wieder haben. Darum: <em>Nie wieder kriegst&uuml;chtig.<\/em><\/p><p>Warum bringen sich so viele mit derartigen Wortgesch&uuml;tzen und schlie&szlig;lich mit echten Gesch&uuml;tzen in Stellung? Warum schreiben die &Auml;lteren in den <em>Verteidigungspolitischen Richtlinien<\/em> den Jungen vor, wie einst mein Vater &bdquo;im hochintensiven Gefecht Leib und Leben zu riskieren&rdquo;? Was trieb die deutschen Imperialisten der Hitlerzeit zum Krieg mit der halben Welt, &bdquo;bis alles in Scherben f&auml;llt&rdquo;? Was treibt sie heute?<\/p><p>Wieso wurde China von den USA zum &bdquo;systemischen Rivalen&rdquo; ernannt? Wieso muss &bdquo;Europa&rdquo; milit&auml;risch stark werden und unabh&auml;ngig von den USA? Wie kommt es zu solchen Konfrontationen?<\/p><p>Die Kriegstreiber brauchen Waffen. Sie m&uuml;ssen produziert werden &ndash; von Arbeitnehmern, die froh sein sollten, wenn sie einen solchen Job h&auml;tten. <em>&bdquo;Die Industriearbeitspl&auml;tze hier in G&ouml;rlitz sind ein wichtiger Motor der Region und die Existenzgrundlage f&uuml;r viele Familien&rdquo;<\/em>, meint die CDU Sachsens, nachdem dort nach 175 Jahren keine Waggons mehr, sondern Panzer gebaut werden sollen. Sachsens Ministerpr&auml;sident Kretschmer beschwatzt die frisch gek&uuml;rten Panzerbauer: <em>&bdquo;Es geht um Ihre Arbeitspl&auml;tze, Ihre Zukunft.&rdquo;<\/em><\/p><p>Die industriell-kapitalistische Produktionsweise f&uuml;hrt zur Konfrontation, die im kompromisslosen Austausch der Produkte beginnt, im <em>&bdquo;higgling and bargaining on the market&rdquo;<\/em>, im Feilschen und Zocken auf dem Markt, wie Adam Smith es nannte, wo jeder leer ausgeht, der nichts zu bieten hat. Die Produkte werden Waren, die ausgetauscht werden m&uuml;ssen, weil sie Produkte voneinander unabh&auml;ngig betriebener Privatarbeiten sind, so Marx. Erst im Austausch erweist sich, ob die Produkte f&uuml;r andere einen Nutzen haben. Die meisten von uns haben nichts zu bieten als ihre Arbeitskraft, die sie f&uuml;r Lohn verkaufen m&uuml;ssen, um umgekehrt ihren Lohn beim Kauf des N&ouml;tigen wieder abzuliefern. Marx und Engels nannten diese &bdquo;Arbeitnehmer&rdquo; Proletarier. Daneben gibt es Leute &ndash; Kapitalisten &ndash;, die so viel Kapital in Form von Geld, Produktionsanlagen und Rohstoffen besitzen, dass sie Arbeitskr&auml;fte kaufen und auf ihre Weisung, ihr Kommando hin produzieren lassen k&ouml;nnen. So viel zu dieser Produktionsweise, deren Analyse Marx und Engels viele tausend Seiten Text kostete. Zu der resultierenden Konfrontation zwischen Kapitalisten und schlie&szlig;lich zwischen Staaten als jeweiligen &bdquo;ideellen Gesamtkapitalisten&rdquo; in der Form des Imperialismus haben Lenin und auch Bucharin einiges notiert.<\/p><p><strong>Ihr R&eacute;sum&eacute;: Wie kann man sich aus und von der Logik der Konfrontation befreien?<\/strong><\/p><p>Der kompromisslose Austausch h&auml;ngt an der Art der gesellschaftlichen Produktion, n&auml;mlich an den &bdquo;voneinander unabh&auml;ngigen Privatarbeiten&rdquo;. Doch, die Produktion l&auml;sst sich so umorganisieren, dass der Austausch und mit ihm die Konfrontation entf&auml;llt. Seit 1848, also seit 177 Jahren gibt es ein Projekt, das darauf abzielt, n&auml;mlich <em>&bdquo;Proletarier aller L&auml;nder vereinigt euch!&rdquo;<\/em> Das ist mehr, als einen Streik zu f&uuml;hren oder mit Hundertausenden auf einer gro&szlig;en Wiese zu demonstrieren. Das ist mehr, als dass sich Vertreter von Proletariern hin und wieder f&uuml;r ein paar Tage zu politischen Debatten treffen. Die Proletarier sollen dort, wo sie als Proletarier wirken, n&auml;mlich im Job, w&auml;hrend der Arbeit die Verbindung zu denen in anderen Betrieben und Unternehmen, auch &uuml;ber Sprach- und Landesgrenzen hinaus suchen, um Produktion und Verteilung von G&uuml;tern und Leistungen im eigenen Interesse zu regeln und praktisch zu handhaben, und zwar weit &uuml;ber die bereits in Lieferketten bestehenden, vom Kapital eingesegneten stofflichen und personellen Verbindungen hinaus.<\/p><p>Die Lieferketten, die Infrastrukturen des Verkehrs und Transports, die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, die Produktionsmittel in den Unternehmen, die Systeme f&uuml;r Bildung, Gesundheit sowie f&uuml;r Ver- und Entsorgung: Proletarier haben sie geschaffen, Proletarier halten sie in Gang, alles in gemeinschaftlicher Arbeit. Die Proletarier haben hierf&uuml;r kein Kapital vorgeschossen, dessen Einsatz sich rentieren m&uuml;sste. Sie m&uuml;ssen deshalb nicht die Gewinnoptimierung in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellen, sondern die Frage, was in welchem Ma&szlig; ben&ouml;tigt wird und wie es geschaffen oder geleistet werden wird und welche Ergebnisse dieser gesellschaftlichen Arbeit ihnen und all den weiteren Menschen zugutekommen sollen.<\/p><p>In einer solchen Welt w&auml;re die Schummelsoftware bei Dieselautos &ndash; vermeintlich zur Sicherung von Marktanteilen und Gewinnen &ndash; nicht m&ouml;glich gewesen; das Schummeln w&auml;re aufgeflogen, bevor man sich daran gemacht h&auml;tte. Als <em>Nord Stream 2<\/em> noch heile war, aber von Habeck blockiert wurde, h&auml;tten sich die Leute in Schwedt selber mit ihren Kollegen in Russland verabreden k&ouml;nnen, um die R&ouml;hre in Betrieb zu nehmen. Habeck h&auml;tte Rumpelstilzchen im Wald spielen k&ouml;nnen, aber russisches Gas w&auml;re nach Deutschland geflossen. Die Besch&auml;ftigten in den USA, deren Arbeitspl&auml;tze von Trumps Kettens&auml;gen-Truppe abgeh&auml;ngt werden, k&ouml;nnten das Ganze gemeinsam ignorieren und ihre Arbeit weiter erledigen und zugleich eine &ouml;ffentliche Debatte ansto&szlig;en, was gegebenenfalls wie zu &auml;ndern w&auml;re, ohne selbst doch noch auf der Stra&szlig;e zu landen.<\/p><p>Trumps Zollkrawall k&ouml;nnte ein international vereinigtes Proletariat, zu dem auch die Z&ouml;llner geh&ouml;ren, an sich abperlen lassen und dabei die Arbeit so umverteilen, dass die Z&ouml;llner keine Z&ouml;llner mehr w&auml;ren, aber keineswegs arbeitslos. Jemandem zu befehlen, er m&ouml;ge &bdquo;Stahlhelme statt Kocht&ouml;pfe&rdquo; produzieren, wie Wolfgang Borchert es in seinem Gedicht &bdquo;Sag Nein&rdquo; benannte, w&auml;re gleichfalls ein Unding. Die Zusammenarbeit der Proletarier &uuml;ber alle betrieblichen, sprachlichen und staatlichen Grenzen hinweg w&uuml;rde verhindern, dass die einen Eisenerz f&ouml;rdern, aus dem die anderen Kanonen machen, die gegen die ersteren gerichtet werden. Man erkennt die Ketten, die die Proletarier zu verlieren h&auml;tten, und welche Welt sie gew&ouml;nnen, ignorierten sie die Weisungen von Kapitaleignern und Gro&szlig;kopfeten und machten ihr eigenes Ding. Sie w&uuml;rden Freiheiten einf&uuml;hren und Demokratie auch in der Produktion durchsetzen. Kurzum mit Bert Brecht: <em>&bdquo;Wir brauchen keine neuen Herren, wir brauchen keine Herren&rdquo;<\/em>.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08.png\" alt=\"\" width=\"988\" height=\"1598\" class=\"alignleft size-full wp-image-144065\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08.png 988w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-185x300.png 185w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-633x1024.png 633w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-768x1242.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-950x1536.png 950w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-402x650.png 402w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-303x490.png 303w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bildschirmfoto-2025-12-22-um-12.43.08-151x245.png 151w\" sizes=\"auto, (max-width: 988px) 100vw, 988px\" \/><\/a><br>\n<small>Abb. 17\/ Manife&szlig;<br>\nTitel: Aus: &bdquo;Et kummenistisch Manife&szlig; op K&ouml;lsch&rdquo;<\/small><\/p><p><strong>Welche Chancen sehen Sie pers&ouml;nlich f&uuml;r &bdquo;Proletarier aller L&auml;nder vereinigt euch&rdquo;?<\/strong><\/p><p>Das Projekt <em>&bdquo;Proletarier aller L&auml;nder vereinigt euch!&rdquo;<\/em> kann wieder Fahrt aufnehmen. Mittels Informations- und Kommunikationstechnik, woran zu Marx&rsquo; Zeiten nicht zu denken war, k&ouml;nnen die Arbeitnehmer Produktion und Verteilung der G&uuml;ter auf eine neue Weise organisieren, ohne bei null anzufangen. Die &bdquo;voneinander unabh&auml;ngig betriebenen Privatarbeiten&rdquo; k&ouml;nnen von den wirklichen Machern, n&auml;mlich den <em>Arbeiternehmern<\/em>, so verbunden werden, dass kompromissloser Austausch, kapitalistische Konkurrenz und massive Konfrontation entfallen. Die ben&ouml;tigten Daten sind vorhanden, teils in abgeschotteten privaten H&auml;ppchen einer globalen Cloud. Man sollte tun, was die Freaks der elektronischen Datenverarbeitung schon immer wollten: <em>Zusammenf&uuml;hren dieser Daten<\/em>.<\/p><p>Gewiss ist die Sache um vieles komplexer und komplizierter als hier skizziert. Etwa eine Milliarde Menschen kocht sich ihr Essen an offenen Feuern. In manchen Gegenden setzen US-Konzerne oder Vasallen der USA sklavenartiges Arbeiten durch. Zw&ouml;lf Prozent der weltweiten Arbeitskr&auml;fte arbeiten in der &bdquo;Plattform&ouml;konomie&rdquo; &agrave; la <em>Uber<\/em> und <em>Lieferando<\/em> unter extrem schlechten Bedingungen. Die Menschen in solchen Verh&auml;ltnissen ben&ouml;tigen unsere Solidarit&auml;t, um sich mit ihren Co-Proletariern vereinen zu k&ouml;nnen. Die weltweite Vereinigung erm&ouml;glicht es, Krieg abzuschaffen sowie die Umwelt- und Klimaprobleme und die milliardenfachen sozialen Probleme zu bew&auml;ltigen. Sie bietet &ndash; im Jargon der Vereinten Nationen &ndash; &bdquo;unprecedented opportunities&rdquo;, nie dagewesene M&ouml;glichkeiten.<\/p><p>Also: Gewerkschaften und ihre Zusammenarbeit weltweit st&auml;rken, Mitbestimmung &bdquo;in der Wirtschaft&rdquo;, die Friedensbewegung in all ihren Facetten unterst&uuml;tzen und erg&auml;nzen, Neinsagen bei und Blockieren von Waffenproduktion, Ausbau von Bildung sowie von Kranken- und Altenversorgung. Und immer wieder: Wir k&ouml;nnen und wollen uns noch mehr zusammentun; wir k&ouml;nnen uns die weltweite gesellschaftliche Produktion, die wir ja l&auml;ngst schon leisten, auch unseren Interessen unterordnen. Es gilt zu &uuml;berwinden, was Karl Valentin karikierte: <em>&bdquo;M&ouml;gen h&auml;tt&rsquo; ich schon wollen, aber d&uuml;rfen hab&rsquo; ich mich nicht getraut.&rdquo;<\/em><\/p><p>Als Follower von Marx und Engels nehm&rsquo; ich zum Schluss noch Schiller hinzu: <em>&bdquo;Frisch, Gesellen, seid zur Hand!&rdquo;<\/em><\/p><p><small>Titelbild: (c) privat<\/small><\/p><p><em><strong>Lesetipp zum Thema<\/strong><br>\nFabian Scheidler: Friedenst&uuml;chtig. Wie wir aufh&ouml;ren k&ouml;nnen, unsere Feinde selbst zu schaffen. Wien 2025, Promedia Verlag, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN 978-3853715499, 20,00 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bonner Diplom-Mathematiker <strong>Wolf G&ouml;hring<\/strong> (86) ist ein alerter Zeitzeuge bundesrepublikanischer Geschichte und Friedensaktivist seit Mitte der 1960er-Jahre. W&auml;hrend Menschen in seinem Alter &ndash; Linke oder Ex-Linke zumal &ndash; Seiten oder Barrikaden wechselten, blieb er sich treu und versucht als partout &bdquo;Kriegsunt&uuml;chtiger&ldquo; zum Schluss dieses Interviews, einen marxistischen Weg zu einer friedlichen Welt zu skizzieren.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144056\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":144076,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[184,170,165,209],"tags":[3367,1740,3293,595,850,1543,3262,1120,3612,2529,1268,2252,2301,893,906,259,291,3321,1510,3418],"class_list":["post-144056","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ueberwachung","category-friedenspolitik","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-interviews","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitsbedingungen","tag-bellizismus","tag-betriebliche-mitbestimmung","tag-datenschutz","tag-deutsche-einheit","tag-forschung-und-entwicklung","tag-friedensbewegung","tag-goehring-wolf","tag-imperialismus","tag-kalter-krieg","tag-klassenkampf","tag-konfrontationspolitik","tag-militarisierung","tag-ruestungsindustrie","tag-russland","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-zeitenwende","tag-zivilklausel","tag-zwei-plus-vier-vertrag"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2512XX_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=144056"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":144075,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144056\/revisions\/144075"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/144076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=144056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=144056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=144056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}