{"id":144334,"date":"2026-01-06T10:00:01","date_gmt":"2026-01-06T09:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144334"},"modified":"2026-01-07T07:52:34","modified_gmt":"2026-01-07T06:52:34","slug":"frau-palla-muss-sich-von-den-s21-clowns-emanzipieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144334","title":{"rendered":"\u201eFrau Palla muss sich von den S21-Clowns emanzipieren!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Niemand wei&szlig;, wann Stuttgart 21 endlich er&ouml;ffnet wird, in welcher Form und ob &uuml;berhaupt. Auch die neue Chefin der Deutschen Bahn nicht. Sie werde den Staatskonzern &bdquo;auf links drehen&ldquo; und aus Fehlern lernen, versprach Evelyn Palla bei ihrer Vorstellung, schw&auml;rmte nun aber &uuml;ber das weltweit vielleicht &bdquo;beeindruckendste Bahnprojekt&ldquo;. Die Neue sei schlecht gebrieft worden von Leuten, die ihr Gesicht wahren wollen und in ihrem Starrsinn sogar k&uuml;nftige Trag&ouml;dien riskieren, meint der DB-Kritiker <strong>Christoph Engelhardt<\/strong>. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> spricht der Physiker und Analyst &uuml;ber Tunnel, die keiner braucht, &bdquo;Kraut-und-R&uuml;ben&ldquo;-Fahrpl&auml;ne und &bdquo;Pappnasen&ldquo;, die den Naturgesetzen entsagen, um ihre Lebensl&uuml;ge zu retten. Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2945\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-144334-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260106_Frau_Palla_muss_sich_von_den_S21_Clowns_emanzipieren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260106_Frau_Palla_muss_sich_von_den_S21_Clowns_emanzipieren_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260106_Frau_Palla_muss_sich_von_den_S21_Clowns_emanzipieren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260106_Frau_Palla_muss_sich_von_den_S21_Clowns_emanzipieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=144334-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260106_Frau_Palla_muss_sich_von_den_S21_Clowns_emanzipieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260106_Frau_Palla_muss_sich_von_den_S21_Clowns_emanzipieren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zur Person <\/strong><\/p><p><em>Der Physiker und Analyst Dr. Christoph Engelhardt (Jahrgang 1965) ist ein profilierter Kritiker des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 (S21). Als Gr&uuml;nder und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Faktencheck-Plattform <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/wiki\/Hauptseite\">WikiReal.org<\/a> befasst er sich schwerpunktm&auml;&szlig;ig mit dessen Planungsm&auml;ngeln. Er trat als Experte in Plananh&ouml;rungen, Gerichtsverfahren und vor dem Bundestag auf und ist Co-Autor eines aktuellen Fachartikels zum Pfaffensteigtunnel, dem n&auml;chsten Gro&szlig;projekt, bei dem sich aus Sicht der Autoren die <a href=\"https:\/\/wikireal.info\/wiki\/Datei:2025-12-12_PM_Wikireal_-_Pfaffensteigtunnel.pdf\">Fehler von Stuttgart 21 wiederholen<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Ralf Wurzbacher: Herr Engelhardt, die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn (DB), Evelyn Palla, soll, anders als ihre Vorg&auml;nger, wirklich etwas von der Eisenbahn verstehen, also vom operativen Betrieb und nicht nur vom Management. Sie kann sogar eine Lokomotive fahren, hat daf&uuml;r eigens den Triebfahrzeugf&uuml;hrerschein gemacht. Nach den ersten Eindr&uuml;cken zu urteilen: Trauen Sie Palla den von ihr angek&uuml;ndigten radikalen Kurswechsel beim Staatskonzern zu? <\/strong><\/p><p><strong>Christoph Engelhardt<\/strong>: Es sind tats&auml;chlich neue T&ouml;ne, die man von ihr aus dem Bahntower h&ouml;rt &ndash; etwa, wenn sie von einem &bdquo;kompletten Neuanfang&ldquo; spricht und davon, dass sie &bdquo;den Konzern auf links drehen&ldquo; will. Das l&auml;sst gro&szlig;e Ver&auml;nderungen erwarten. Und es klingt nach einer neuen Faktenorientierung, wenn Frau Palla nun eine &bdquo;l&uuml;ckenlose Aufkl&auml;rung&ldquo; der Verz&ouml;gerungen der S21-Inbetriebnahme verspricht und wenn sie sagt, die bei Stuttgart 21 begangenen Fehler d&uuml;rften sich bei weiteren Gro&szlig;projekten nicht wiederholen. Das macht uns nat&uuml;rlich besondere Hoffnung.<\/p><p><strong>Was hie&szlig;e es konkret, aus den Fehlern bei Stuttgart 21 zu lernen? <\/strong><\/p><p>Nun &ndash; zun&auml;chst m&uuml;sste man sich der Realit&auml;t stellen, also die Fehler bei S21 benennen. Nicht nur an der Oberfl&auml;che kratzen, sondern in der Analyse tiefer gehen. Beispielsweise bei der jetzigen Verz&ouml;gerung mit der sogenannten Digitalisierung. Hier darf man nicht Halt machen bei den Problemen des Zulieferers Hitachi, sondern muss auch die Grundfrage stellen: Bringt das neue &bdquo;ETCS&ldquo;-Signalsystem &uuml;berhaupt die gew&uuml;nschte Kapazit&auml;tserh&ouml;hung im zentralen Engpass des Tiefbahnhofs mit nur acht Bahnsteiggleisen? Man unterstellt dort mit den aktuellen Fahrpl&auml;nen eine Steigerung der Zugleistung pro Stunde um 100 bis 200 Prozent durch die Digitalisierung. Tats&auml;chlich gibt es daf&uuml;r aber bisher keinen Beleg, eher Hinweise auf Kapazit&auml;tsreduktion, wie ich vor anderthalb Jahren schon einmal im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116773\">Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> erl&auml;utert hatte.<\/p><p><strong>Unser Gespr&auml;ch drehte sich damals auch um Sicherheitsfragen &hellip; <\/strong><\/p><p>Richtig. Wir hatten &uuml;ber den fehlenden Brandschutz in den Tunneln gesprochen, wozu sowohl die Bahn wie auch das Eisenbahn-Bundesamt sich bisher schlicht weggeduckt hatten. Das gilt auch f&uuml;r die ebenfalls schon angesprochenen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116902\">weiteren offenen Fragen des Projekts<\/a>. Zur Erinnerung, es geht um die viel zu schmalen Bahnsteige und den deshalb auch fehlenden Brandschutz im Tiefbahnhof, um das nicht beherrschte sechsfach &uuml;berh&ouml;hte Gef&auml;lle der Bahnsteige und etwa auch um die &Uuml;berflutung der unterirdischen Verkehrsanlagen zuk&uuml;nftig etwa einmal in 15 Jahren. Hier geht es jeweils um Leib und Leben von aberhunderten von Reisenden. <\/p><p>In der Politik machen sich zunehmend postfaktische Entscheidungen breit. Aber hier in der Ingenieurstechnik haben L&uuml;gen besonders kurze Beine, da holen einen die Naturgesetze erbarmungslos schnell ein, sobald der Betrieb startet oder sobald das erste Mal etwas passiert. Und dann kann bei S21 keiner sagen, er habe es nicht gewusst &ndash; auch Frau Palla nicht.<\/p><p><strong>Angesichts der weit fortgeschrittenen Arbeiten ist der Punkt, die ganze Unternehmung einfach abzublasen, l&auml;ngst &uuml;berschritten. Aber ist das Projekt wenigstens in einer Art zu retten, die das Desaster f&uuml;r Passagiere und Umwelt in Grenzen h&auml;lt? <\/strong><\/p><p>Auch jetzt gilt noch, dem schlechten Geld nicht noch gutes hinterherzuwerfen. Erst einmal innehalten. Wir schlagen einen Faktencheck vor. Die oberirdischen Gleisanlagen k&ouml;nnen auf keinen Fall ganz verschwinden. Ob der Tiefbahnhof &uuml;berhaupt oder gegebenenfalls nur f&uuml;r einen Bruchteil des Verkehrs genutzt werden kann, w&auml;re erst nach einer ehrlichen Bestandsaufnahme der Sicherheitsfragen und m&ouml;glicherweise umfangreichen Nachbesserungen denkbar.<\/p><p><strong>Bei Erhalt der Gleisanlagen h&auml;tte sich allerdings der eigentliche Antrieb des Projekts erledigt, n&auml;mlich der, Platz f&uuml;r ein riesiges Immobilienprojekt im Herzen Stuttgarts zu schaffen. Hat Palla die Traute, das Traumschloss Rosensteinquartier zu beerdigen? Sehen Sie schon Bewegung bei dem Thema?<\/strong><\/p><p>Es geht nicht um Traute. Es geht um verantwortungsvolles Handeln, um Verantwortung f&uuml;r die Schieneninfrastruktur des Landes und f&uuml;r die Sicherheit der Reisenden. Da gibt es eigentlich f&uuml;r die Konzernleitung keinen Spielraum, wenn man den Problemen offen ins Gesicht schaut. W&uuml;rde dies schonungslos geschehen, h&auml;tte auch die Politik kein Problem, umzusteuern. Voraussetzung w&auml;re aber, dass die Vermeidung von Gesichtsverlust nicht &uuml;ber die Daseinsvorsorge und den Schutz der Gesundheit gestellt w&uuml;rde, wie das noch aktuell der Fall ist.<\/p><p>Frau Palla hat offensichtlich noch nicht den &Uuml;berblick &uuml;ber den Stand der Grundfragen des Projekts. Zuletzt wurde sie mutma&szlig;lich vom Management des Projekts gebrieft, als sie davon sprach, Stuttgart 21 sei das &bdquo;wirklich beeindruckendste Bahnhofsprojekt, das es vielleicht auf der ganzen Welt gibt&ldquo;. Ich m&ouml;chte sie erinnern, dass sie den &bdquo;Konzern auf links drehen&ldquo; wollte. Sie wollte dabei die &bdquo;Macher vor Ort&ldquo; st&auml;rken. Eigentlich kein schlechter Ansatz &ndash; aber nicht in Stuttgart.<\/p><p><strong>Warum dieser Starrsinn? <\/strong><\/p><p>Dort haben die f&auml;higen und verantwortungsvollen Bahner das sinkende Schiff l&auml;ngst verlassen oder wurden gefeuert. Es wurden Pro-S21-Aktivisten eingestellt, die nur noch daran arbeiten, ihre Lebensl&uuml;ge nicht eingestehen zu m&uuml;ssen. Frau Palla k&ouml;nnte schnell die Grundfragen kl&auml;ren, indem sie diese Leute in den Ring schickt &ndash; in einen professionellen Faktencheck mit uns Kritikern. Wenn das Projekt tats&auml;chlich als das &bdquo;beeindruckendste Bahnhofsprojekt&ldquo; auch gemessen an den anerkannten Regeln der Technik herauskommt, dann k&ouml;nnen die Bronzetafeln f&uuml;r das neue Wahrzeichen Stuttgarts gegossen werden.<\/p><p>Frau Palla wird aber erleben, dass alle kneifen. Sie wird h&ouml;ren, es sei doch alles schon genehmigt. Dabei wurden die Grundfragen nie gepr&uuml;ft: Wie viel Kapazit&auml;tssteigerung im Bahnhof bringt ETCS, wenn &uuml;berhaupt? Die geplanten Z&uuml;ge fassen sehr viele Reisende, kommen die im Brandfall rechtzeitig vor dem Rauch in Sicherheit? Warum sollte der Kinderwagen, der auf dem geneigten Bahnsteig in Ingolstadt Nord ins Gleis rollte, das bei S21 nicht tun? Wie h&auml;ufig werden mit dem Klimawandel die unterirdischen Verkehrsanlagen und der Tiefbahnhof geflutet werden? Die Geschichte wird &uuml;ber die handelnden Personen richten, und die Naturgesetze lassen sich von hilflosen Ma&szlig;nahmen der Gesichtswahrung nicht beeindrucken. <\/p><p><strong>Die Welt mag so etwas wie S21 noch nicht gesehen haben beziehungsweise muss Ewigkeiten warten, &uuml;berhaupt irgendwas zu sehen. Die Er&ouml;ffnung hat Palla vorsorglich auf unbestimmte Zeit verschoben und lediglich den Termin zur dann m&ouml;glichen Terminierung auf Mitte 2026 gesetzt. Wann rechnen Sie mit Vollzug? <\/strong><\/p><p>Ich schlie&szlig;e eine verantwortungsvolle Inbetriebnahme und einen Verkehr im Tiefbahnhof im angek&uuml;ndigten Umfang vollkommen aus. Was ich nicht ausschlie&szlig;en kann, ist Willk&uuml;r in der Genehmigung des Projekts. Zu viele Menschen haben zu viel Gesicht zu verlieren, es ist nur die Frage, ob sich Frau Palla von diesen Menschen in eine tiefe Mitschuld hineinziehen l&auml;sst.<\/p><p><strong>Eines von mehreren S21-Erg&auml;nzungsprojekten, welche das Gesamtprojekt irgendwie retten sollen, ist der sogenannte Pfaffensteigtunnel, der auf elf Kilometern L&auml;nge von B&ouml;blingen zum Stuttgarter Flughafen f&uuml;hren und dessen Bau 2026 starten soll. Inzwischen wurde gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Finanzierung angek&uuml;ndigt. Sie meinen, das Vorhaben ist einmal mehr ein Fall von Planungsunfug. Warum? <\/strong><\/p><p>In der Tat, dieser Tunnel w&auml;re der l&auml;ngste Eisenbahntunnel Deutschlands und ist das n&auml;chste Multimilliarden-Gro&szlig;projekt, bei dem sich aus unserer Sicht die Fehlplanungen und Manipulationen &auml;hnlich wie bei Stuttgart 21 wiederholen. Dieser Tunnel soll mehrere Elemente des Projekts S21 ersetzen. Wir kritisieren, dass dieser Tunnel wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen ist. Er wurde aber dennoch in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) gehievt, indem er mit dem hochwirtschaftlichen Ausbau der G&auml;ubahn verkn&uuml;pft wurde.<\/p><p><strong>Erkl&auml;ren Sie bitte kurz, was es mit der G&auml;ubahn auf sich hat. <\/strong><\/p><p>Die G&auml;ubahn ist die Hauptbahn von Stuttgart in Richtung S&uuml;den bis nach Singen. Sie ist Teil der Verkehrsachse Berlin-Z&uuml;rich-Mailand und ein wichtiger G&uuml;terverkehrskorridor zur Entlastung der Rheintal-Schiene. Sie war 1946 von Frankreich zwischen Horb und Tuttlingen auf rund 80 Kilometern L&auml;nge auf ein Gleis zur&uuml;ckgebaut worden. 2018 wurde dann ein Ausbauprojekt in den BVWP aufgenommen, in dem ein Viertel dieser Strecke auf zwei Gleise ausgebaut werden sollte. Ein h&ouml;chst &uuml;berf&auml;lliges und hochwirtschaftliches Projekt mit einem Nutzen-Kosten-Verh&auml;ltnis (NKV) von 2,7, also fast dreimal mehr Nutzen verglichen mit der Investition.<\/p><p>Der Pfaffensteigtunnel dagegen ist, wie wir jetzt ausgerechnet haben, extrem unwirtschaftlich mit einem NKV von maximal 0,23. In den letzten Tagen wurden die offiziellen Kosten noch einmal auf zwei Milliarden Euro erh&ouml;ht. Davon werden also mindestens 1,5 Milliarden nutzlos verbrannt. Nur nach B&uuml;ndelung mit dem hochwirtschaftlichen G&auml;ubahn-Ausbau kam der Pfaffensteigtunnel gerade so auf ein NKV von 1,2 und wurde damit in den BVWP gehoben und kann au&szlig;erhalb des Projekts Stuttgart 21 finanziert werden. Die G&auml;ubahn braucht den Pfaffensteigtunnel aber gar nicht, der soll vielmehr die gescheiterte Stuttgart 21-Planung auf den Fildern zur Anbindung des Flughafens in wesentlichen Teilen ersetzen.<\/p><p><strong>Mit welchem Mehrwert? <\/strong><\/p><p>Der Tunnel soll zuk&uuml;nftig t&auml;glich rund 100 Personen zum Flughafen bef&ouml;rdern, denen nicht jetzt schon die S-Bahn zur Verf&uuml;gung steht. Daf&uuml;r m&uuml;ssten die &uuml;ber 95 Prozent anderen Fahrg&auml;ste den mehrere Kilometer l&auml;ngeren und steilen Umweg &uuml;ber den Flughafen nehmen und verlieren durch den erzwungenen Halt mindestens drei Minuten, w&auml;hrend die 100 durch den Milliardentunnel nicht einmal so viel Zeit sparen. Denn sie haben zum Terminal noch einen 250 Meter weiten, beschwerlichen Fu&szlig;weg aus 26 Meter Tiefe vor sich.<\/p><p>Jetzt soll aber unten am Hauptbahnhof die G&auml;ubahn schon 2027 gekappt werden. Das geschieht ohne betriebliche Notwendigkeit, allein um Fakten zu schaffen f&uuml;r die Immobilienverwertung. Da aber der Bau des Tunnels noch lange Zeit braucht, ist die absurde Konsequenz, dass die Region im S&uuml;den f&uuml;r etliche Jahre von Stuttgart abgeh&auml;ngt wird. Man schie&szlig;t sich also hier massiv ins Knie.<\/p><p><strong>Was haben Sie noch an dem Vorhaben auszusetzen? <\/strong><\/p><p>Der Tunnel wird mit ein paar Minuten Fahrzeitverk&uuml;rzung gerechtfertigt. Es hei&szlig;t, anders k&ouml;nne man den Taktknoten des Deutschlandtakts im Tiefbahnhof nicht erreichen. Diese Argumentation krankt an zwei Fehlern. Zum einen ist die Gesamtstrecke mit dem milliardenteuren Tunnel gar nicht schneller als die alte Planung und das obwohl rund elf km mehr zweigleisiger Ausbau hinzukommen.<\/p><p>Aber viel grundlegender ist der Punkt, dass im Tiefbahnhof gar kein Taktknoten vorliegt und auch nicht m&ouml;glich ist. Schaut man sich den Fahrplan eines Bahnhofs mit Integralem Taktfahrplan an, wie Z&uuml;rich Hauptbahnhof, dann versammeln sich dort die Z&uuml;ge aller Linien zu einer festen Knotenzeit, zu der dann mit minimalem Zeitverlust w&auml;hrend der Haltezeit umgestiegen werden kann. Die Fahrpl&auml;ne des Tiefbahnhof sind das krasse Gegenteil, nur &bdquo;Kraut und R&uuml;ben&ldquo;. Es ist vollkommen egal, wann ein Zug ankommt, er verpasst zu jeder Minute der Stunde in etwa gleich viele Anschl&uuml;sse und die Reisenden m&uuml;ssen teils &uuml;ber 50 Minuten auf einen Umstieg warten. Eine Fahrzeitverk&uuml;rzung bringt hier also &uuml;berhaupt nichts. Damit entf&auml;llt auch die Rechtfertigung f&uuml;r weitere geplante Projekte wie den Nordzulauftunnel.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich ist so ein Tunnel eine gigantische CO2-S&uuml;nde. Im NKV ist dieser Beitrag in skandal&ouml;ser Weise bisher um einen Faktor 35 zu niedrig bewertet. Eine Fehlplanung ist der Tunnel aber auch, weil er sogar einen gravierenden Engpass schafft. Bisher hat die G&auml;ubahn ihren eigenen Zugang zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Zuk&uuml;nftig muss sie sich ab dem Flughafen den Fildertunnel mit den Hauptbahnen aus Ulm\/M&uuml;nchen und aus T&uuml;bingen teilen. Das ist eine erhebliche Einschr&auml;nkung der Kapazit&auml;t. Und au&szlig;erdem fehlt dem Tunnel ein funktionierendes Rettungskonzept im Brandfall.<\/p><p><strong>Das mit dem aus Ihrer Sicht fehlenden Brandschutz betrifft s&auml;mtliche Tunnel im S21-Komplex. Geschichte wiederholt sich &hellip; <\/strong><\/p><p>Ja, leider. &Auml;hnlich wie in den Stuttgart-21-Tunneln haben wir einen verengten Tunnelquerschnitt mit beschleunigter Rauchausbreitung, einen verengten Rettungsweg, und dennoch sollen zwei- bis viermal so viele Personen wie &uuml;blich in den Z&uuml;gen unterwegs sein. Auf keinen dieser Punkte wurde im Brandschutzkonzept reagiert. So h&auml;tte man den h&ouml;chstzul&auml;ssigen Abstand der Rettungsstollen von 500 Metern verringern k&ouml;nnen, so wie das bei den meisten der europ&auml;ischen und chinesischen Tunnel gemacht wird, f&uuml;r die derselbe H&ouml;chstwert gilt. Das Eisenbahn-Bundesamt schreibt, dass bei diesen Tunneln die Breite der Rettungswege und der Abstand der Rettungsstollen entsprechend der Personenzahl dimensioniert werden muss. Aber bei Stuttgart 21 und mutma&szlig;lich auch beim Pfaffensteigtunnel wird genehmigt, ohne dass das je gemacht wurde.<\/p><p>Bisher wurde auf jede Kritik, die Genehmigung sei ohne die notwendigen Pr&uuml;fungen erteilt worden, geradezu pampig geantwortet, dass aber die Genehmigung erteilt wurde. Es fehlt nur, dass noch ein &bdquo;B&auml;tsch!&ldquo; hinzugesetzt wird. Man hat das Gef&uuml;hl, man habe mit Autisten zu tun. Deshalb mache ich mir auch jetzt keine Illusionen und rechne mit einer Fortf&uuml;hrung dieser Arbeitsverweigerung der Beh&ouml;rde. Wir erleben gerade, dass wir als Einwender gegen den Tunnel vom Eisenbahn-Bundesamt ausgebootet werden. Seit anderthalb Jahren haben wir keine Bescheide auf unsere Einwendungen erhalten. Aber die Genehmigung ist wohl schon l&auml;ngst ausgemacht, denn der Bau des Tunnels soll am 9. Januar beginnen.<\/p><p><strong>Und DB-Chefin Palla dirigiert die Geisterfahrt aus dem F&uuml;hrerstand? <\/strong><\/p><p>Den Eindruck k&ouml;nnte man bekommen. Aber auch zum Pfaffensteigtunnel wurde Frau Palla wohl in gleicher Weise gebrieft wie zu Stuttgart 21, mutma&szlig;lich von denselben Pappnasen. So sagte sie zuletzt auf kritische Fragen: &bdquo;Meine Antwort ist kurz, der Pfaffensteigtunnel wird nicht mehr in Frage gestellt.&ldquo; Das klingt nicht danach, dass sie dieses Gro&szlig;projekt wirklich selber reflektiert hat. Sie ist noch neu im Amt und kann nicht alle derart gro&szlig;en Projekte gleich in der Tiefe durchdringen. Entsprechend wichtig ist, dass sie sich die richtigen Berater w&auml;hlt.<\/p><p><strong>Um auf den Gespr&auml;chsanfang zur&uuml;ckzukommen: Was w&auml;re f&uuml;r Sie ein Kurswechsel bei der Bahn, der den Namen verdient? <\/strong><\/p><p>Frau Palla hat bisher im Prinzip die richtigen Ansagen gemacht, nur nicht spezifisch zu S21 oder dem Pfaffensteigtunnel. Sie muss sich von den Stuttgart-21-Clowns emanzipieren. Sollen diese unverbesserlichen Projektbef&uuml;rworter doch in einem echten Faktencheck ihre Argumente verteidigen. Dann kann Frau Palla nur gewinnen: Entweder werden wir Kritiker widerlegt und man hat die beste Werbung f&uuml;r Stuttgart 21 und den Pfaffensteigtunnel gemacht, oder aber es wird das Schlimmste noch verhindert. In diesem Feld der Ingenieurswissenschaft k&ouml;nnen wir uns nicht dauerhaft der Wahrheit verweigern, das h&auml;lt niemand durch. Die Naturgesetze sind gnadenlos.<\/p><p><small>Titelbild: (C) privat<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/807e6055814c4f91894b61afd72fc999\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand wei&szlig;, wann Stuttgart 21 endlich er&ouml;ffnet wird, in welcher Form und ob &uuml;berhaupt. Auch die neue Chefin der Deutschen Bahn nicht. Sie werde den Staatskonzern &bdquo;auf links drehen&ldquo; und aus Fehlern lernen, versprach Evelyn Palla bei ihrer Vorstellung, schw&auml;rmte nun aber &uuml;ber das weltweit vielleicht &bdquo;beeindruckendste Bahnprojekt&ldquo;. 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