{"id":14437,"date":"2012-09-13T14:55:27","date_gmt":"2012-09-13T12:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14437"},"modified":"2015-04-28T09:34:02","modified_gmt":"2015-04-28T07:34:02","slug":"cornelia-yzer-durch-die-drehtur-und-zuruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14437","title":{"rendered":"Cornelia Yzer  &#8211; Durch die Dreht\u00fcr und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Die Personalpolitik der Bundeshauptstadt Berlin treibt immer seltsamere Bl&uuml;ten. Als Nachfolgerin der erfolglosen CDU-Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz hat der schwarz-rote Berliner Senat eine Person auserkoren, die schon vor ihrer Nominierung als abschreckendes Musterbeispiel f&uuml;r den sogenannten Dreht&uuml;reffekt zwischen Lobbyismus und Politik galt. Die Ernennung <a href=\"http:\/\/www.lobbypedia.de\/index.php\/Cornelia_Yzer\">Cornelia Yzers<\/a> zur neuen Wirtschaftssenatorin Berlins ist ein Armutszeugnis f&uuml;r die Politik und der finale Kotau vor den Interessen der Wirtschaftslobby. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nF&uuml;r alle Leser, denen der Name Cornelia Yzer kein Begriff ist, m&ouml;chte ich an dieser Stelle gerne eine Passage aus meinem in diesem Jahr erschienen Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3864890020\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=derspiege-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3864890020\">Stresstest Deutschland<\/a>&ldquo; zitieren:<\/p><blockquote><p><em>Problematischer sind da schon die Aktivit&auml;ten von Lobbyisten, die auf die Exekutive abzielen. Hier wird oft direkt Einfluss auf die Gesetzesvorlagen und andere administrative und exekutive Vorg&auml;nge der Fachministerien genommen und dabei die parlamentarische Kontrolle ausgehebelt. Lobbyisten, die auf die Exekutive einwirken, bedienen sich meist verdeckter Formen des Lobbyismus und setzen auf verschiedenen Ebenen an. Diese reichen von informellen Gespr&auml;chen unter vier Augen mit einem subalternen Mitarbeiter einer Beh&ouml;rde, der Einfluss auf seine Vorgesetzten aus&uuml;ben soll, bis zu Kungeleien an oberster Stelle. Fr&uuml;her nannte man so etwas &bdquo;Hinterzimmerpolitik&ldquo;, heute spricht man lieber verkl&auml;rend von &bdquo;Kamingespr&auml;chen&ldquo;.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei einem dieser Kamingespr&auml;che im Jahr 2001 konnten beispielsweise die Cheflobbyisten der Pharmaindustrie und der amerikanische Botschafter, der sich f&uuml;r die Interessen des US-Pharmakonzerns Pfizer eingesetzt hat, den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der davon &uuml;berzeugen, dass das j&uuml;ngst verabschiedete Gesetz seiner Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, das den Kassen einen Preisnachlass in H&ouml;he von vier Prozent auf patentgesch&uuml;tzte Medikamente einr&auml;umt, keine so gute Sache sei.   Schr&ouml;der sah das ein, und Schmidt musste ihr eigenes Gesetz kurze Zeit sp&auml;ter wieder kassieren. Der Preis f&uuml;r den Lobbyerfolg war eine Einmalzahlung in H&ouml;he von 200 Millionen Euro,  die die Pharmakonzerne an den Staat &uuml;berwiesen. Experten sch&auml;tzen, dass die R&uuml;cknahme des Gesetzes die &ouml;ffentlichen Kassen jedoch j&auml;hrlich rund 500 Millionen Euro kostet. F&uuml;r den Steuerzahler war dies wohl eines der teuersten &bdquo;Kamingespr&auml;che&ldquo; der Geschichte.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine kleine Anekdote am Rande: Als Cheflobbyistin der Pharmaindustrie &ndash; sie war von 1997 bis 2011 Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller &ndash; sa&szlig; dem Kanzler bei besagtem &bdquo;Kamingespr&auml;ch&ldquo; eine alte Bekannte gegen&uuml;ber: Cornelia Yzer. Sie war vor ihrer Lobbyt&auml;tigkeit acht Jahre f&uuml;r die CDU im Bundestag und f&uuml;nf Jahre als parlamentarische Staatssekret&auml;rin unter den Ministern Merkel und R&uuml;ttgers t&auml;tig. F&uuml;r ihr kurzes Intermezzo in der Politik darf sich Yzer bereits jetzt auf Pensionsanspr&uuml;che in H&ouml;he von 4500 Euro pro Monat freuen. Der Staatsrechtlicher Herbert von Arnim merkt dazu zu Recht an: &bdquo;Mit Mitte drei&szlig;ig hat Frau Yzer bereits Anspr&uuml;che auf eine Altersrente, f&uuml;r die drei Normalverdiener ein ganzes Leben brauchen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Heute ist Cornelia Yzer nicht mehr Mitte drei&szlig;ig, sondern bereits einundf&uuml;nfzig Jahre alt. Zu ihren mehr als &uuml;ppigen Versorgungsanspr&uuml;chen aus ihrer ersten politischen Schaffenszeit, kommen noch in der H&ouml;he unbekannte, aber sicher noch &uuml;ppigere, Anspr&uuml;che aus ihrer Zeit als Cheflobbyistin der Pharmaindustrie. Wie jedermann wei&szlig;, ist die Stelle als Wirtschaftssenatorin in Berlin nicht unbedingt ein Beruf, den man mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit bis zu seinem Renteneintritt aus&uuml;bt. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gro&szlig;, dass Frau Yzer, die erst durch die Dreht&uuml;r von der Pharmaindustrie in die Politik, dann weiter von der Politik in die Pharmaindustrie und nun wieder von der Pharmaindustrie in die Politik gewechselt ist, demn&auml;chst wieder die Dreht&uuml;r betritt und einen lukrativen Posten bei der Pharmaindustrie annimmt. Es ist ohnehin ein Wunder, dass Frau Yzer bei ihrem Wechselspiel zwischen Lobby und Politik noch keinen Drehwurm bekommen hat. <\/p><p>Wessen Interessen vertritt die Lobbyistin im Berliner Senat? Die des W&auml;hlers, mit dem sie seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte? Oder die der Pharmaindustrie, mit der sie so eng verb&auml;ndelt ist, wie wohl kein anderer Politiker? Berlin ist das deutsche Mekka der Pharmabranche. Am Standort Berlin erwirtschaftet die Pharmaindustrie einen Umsatz von 5,6 Mrd. Euro. Bayer (fr&uuml;her Schering) und Berlin Chemie geh&ouml;ren in Berlin zu den gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgebern und Pfizer und Sanofi haben in der Hauptstadt ihre Deutschland-Zentralen. F&uuml;r diese Konzerne ist es freilich ein Hauptgewinn, dass die Frau, die noch vor kurzen die Interessen dieser Konzerne vertreten hat, nun auf Seiten der Regierung aktiv Politik im Sinne der Pharmakonzerne betreiben kann.<\/p><p>Wer k&uuml;nftig noch Krokodiltr&auml;nen dar&uuml;ber vergie&szlig;t, dass die Menschen der Politik nicht vertrauen und ihre Interessen nicht mehr gewahrt sehen, sollte sich fragen, wer die Schuld an dieser Entwicklung tr&auml;gt. Es ist den Menschen nicht zu ver&uuml;beln, dass sie kein Vertrauen mehr zu einer Politik haben, die Cheflobbyisten der Wirtschaft ins Ministeramt bef&ouml;rdert.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/8b2e8dddd24f44d287cf76bd68a809a2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Personalpolitik der Bundeshauptstadt Berlin treibt immer seltsamere Bl&uuml;ten. Als Nachfolgerin der erfolglosen CDU-Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz hat der schwarz-rote Berliner Senat eine Person auserkoren, die schon vor ihrer Nominierung als abschreckendes Musterbeispiel f&uuml;r den sogenannten Dreht&uuml;reffekt zwischen Lobbyismus und Politik galt. 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