{"id":144389,"date":"2026-01-07T09:00:08","date_gmt":"2026-01-07T08:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144389"},"modified":"2026-01-07T14:46:48","modified_gmt":"2026-01-07T13:46:48","slug":"naechster-halt-groenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144389","title":{"rendered":"N\u00e4chster Halt: Gr\u00f6nland"},"content":{"rendered":"<p>Vom Kidnapping Maduros in Venezuela bis zu Trumps Annexionspl&auml;nen f&uuml;r Gr&ouml;nland: Die USA setzen offen auf Imperialismus &ndash; und st&auml;rken damit paradoxerweise ihre Gegner. Europa schaut tatenlos zu und verkommt als blo&szlig;er Br&uuml;ckenkopf Washingtons. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_612\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-144389-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260107-Naechster-Halt-Groenland-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260107-Naechster-Halt-Groenland-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260107-Naechster-Halt-Groenland-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260107-Naechster-Halt-Groenland-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=144389-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260107-Naechster-Halt-Groenland-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260107-Naechster-Halt-Groenland-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Wie der US-Imperialismus die Gegenkr&auml;fte st&auml;rkt<\/strong><\/p><p>Die Europ&auml;er zeigen sich verwundert. Nachdem sie &ndash; etwa in der Haltung von Bundeskanzler Friedrich Merz &ndash; den v&ouml;lkerrechtswidrigen und unprovozierten Angriffskrieg der USA gegen Venezuela sowie die gewaltsame Entf&uuml;hrung des Pr&auml;sidenten Nicol&aacute;s Maduro mit der Einsch&auml;tzung, &bdquo;die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex&ldquo;, zu rechtfertigen versuchten, dr&auml;ngt US-Pr&auml;sident Donald Trump nun darauf, als N&auml;chstes Gr&ouml;nland aus dem d&auml;nischen Staatsverbund zu l&ouml;sen und zu annektieren. Die verdeckte Komplizenschaft der EU mit den USA erweist sich jedenfalls als nutzlos, falls sie eigentlich Schutz vor eben diesen USA bieten sollte.<\/p><p>&Auml;hnlich wie im Fall Venezuelas unternimmt die USA kaum Anstrengungen, &uuml;berzeugende Begr&uuml;ndungen f&uuml;r eine Intervention vorzulegen. Die Begr&uuml;ndungen der V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che stehen auf t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en. So wird bereits im Prozess gegen Maduro in den USA der Vorwurf, er sei Mitglied eines Drogenkartells, relativiert. Und Trumps Behauptung, gerade seien in Gr&ouml;nland &uuml;berall russische und chinesische Schiffe und deshalb brauche man Gr&ouml;nland f&uuml;r die nationale Sicherheit, bem&uuml;ht sich gar nicht erst um Fakten.<\/p><p>Wie in Venezuela steht letztlich die exklusive Sicherung von Rohstoffen im Vordergrund; Angebote Gr&ouml;nlands zu Gespr&auml;chen dar&uuml;ber sowie die geopolitische Absicherung einer k&uuml;nftigen arktischen Front gegen Russland und China &auml;ndern daran nichts.<\/p><p><strong>Pl&auml;ne f&uuml;r eine &bdquo;freie Assoziierung&ldquo; statt direkter Besetzung<\/strong><\/p><p>Wer bei einer m&ouml;glichen Kontrolle Gr&ouml;nlands durch die USA prim&auml;r an eine milit&auml;rische Besetzung denkt, k&ouml;nnte sich irren. Der britische <em>Economist<\/em> berichtet von &Uuml;berlegungen der Trump-Administration, mit der Insel Abkommen zu schlie&szlig;en, vergleichbar mit denen zu den pazifischen Staaten Mikronesien, den Marshall-Inseln und Palau. Dort erh&auml;lt Washington im Austausch f&uuml;r finanzielle Unterst&uuml;tzung weitreichende Entscheidungsbefugnisse in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Formal bleiben diese Staaten unabh&auml;ngig, doch durch die Abkommen sind sie eng an die USA gebunden. Ein solches Assoziierungsabkommen mit Gr&ouml;nland w&uuml;rde den USA zus&auml;tzlich den Vorteil bieten, die Insel von D&auml;nemark zu distanzieren. Bereits durch ein Abkommen von 1951 ist den USA die Stationierung einer unbegrenzten Zahl von Soldaten in Gr&ouml;nland vertraglich gestattet. Derzeit existiert nur eine aktive US-Milit&auml;rbasis im Norden der Insel. <\/p><p>Welchen Pfad die Trump-Administration auch einschl&auml;gt &ndash; sie ist entschlossen, die Angelegenheit zeitnah zu kl&auml;ren. Im Hintergrund steht die neue strategische Orientierung der USA, die westliche Hemisph&auml;re &ndash; also den gesamten amerikanischen Kontinent, zu dem auch Gr&ouml;nland z&auml;hlt &ndash; zu kontrollieren und als Basis f&uuml;r eine Erneuerung der globalen US-Hegemonie zu nutzen. Das Ziel ist nicht eine Aufteilung der Welt in exklusive Einflusszonen, in denen Russland und China in ihrem Umfeld entsprechend handeln k&ouml;nnten, sondern die Schaffung einer Plattform, von der aus die USA ihren Imperialismus erneuern k&ouml;nnen, um den Konflikt mit Russland, vor allem aber mit dem Hauptrivalen China, aufzunehmen.<\/p><p>Wie bei allem Menschlichen stellt sich jedoch die Frage, ob die Absicht gelingt oder ob nicht sogar das Gegenteil des Gew&uuml;nschten eintritt.<\/p><p><strong>Folgen in Venezuela und die Entlarvung des V&ouml;lkerrechts<\/strong><\/p><p>Zwar haben die USA in Venezuela laut Berichten mindestens 80 Menschen get&ouml;tet und den Pr&auml;sidenten entf&uuml;hrt, doch das &Ouml;l kontrollieren sie noch nicht. W&auml;hrend Maduro in New York einem operettenhaften und kafkaesken Prozess entgegensieht &ndash; gerade auch die &ouml;ffentliche Entw&uuml;rdigung des Angeklagten spricht f&uuml;r einen Schauprozess &ndash;, wurde seine Stellvertreterin Delcy Rodr&iacute;guez, eine &uuml;berzeugte Chavistin, als amtierende Pr&auml;sidentin vereidigt. Rodr&iacute;guez gibt sich kooperationsbereit, aber will den US-&Ouml;lfirmen wie ExxonMobil keine Carte blanche erteilen, so wie Trump dies fordert. Auch der Handel mit China und Russland wird von Seiten Venezuelas nicht eingeschr&auml;nkt. Im Gegenteil scheint nun ein engeres B&uuml;ndnis mit den BRICS-Staaten f&uuml;r Venezuela attraktiver, um sich gegen die Zumutungen aus Washington und den Plan, das Land durch die USA regieren zu lassen, zur Wehr zu setzen.<\/p><p>Die USA haben dar&uuml;ber hinaus demonstriert, dass das V&ouml;lkerrecht f&uuml;r sie nicht mehr gilt. Damit haben sie der seit 1945 g&uuml;ltigen internationalen Rechtsordnung eine Beerdigung erster Klasse bereitet. Washington beruft sich de facto auf das Recht des St&auml;rkeren mit dem Anspruch, weltweit Ordnung zu schaffen, und entlarvt damit zugleich aber die westliche Hegemonie. Selbst Demokratie und Menschenrechte werden nicht einmal mehr als Alibi zur Interventionslegitimation vorgebracht. Die Legitimationsl&uuml;cke scheint vor allem die EU-Spitzen wie Kaja Kallas und von der Leyen zu beunruhigen, die sich in abstrakten Bekenntnissen zum V&ouml;lkerrecht &uuml;ben.<\/p><p><strong>St&auml;rkung der Gegenkr&auml;fte und Europas Rolle als Zaungast<\/strong><\/p><p>Die rasche Abfolge der Ereignisse &ndash; dass auf Venezuela nun Gr&ouml;nland folgt &ndash; wirft die Frage auf, ob ein solches System der Drohung nicht unbeabsichtigt die Gegenkr&auml;fte st&auml;rkt und Handelsbeziehungen etwa mit China in der Region attraktiver macht, da man dort keine &Uuml;berf&auml;lle durch den Handelspartner bef&uuml;rchten muss. Letztlich st&auml;rken die USA mit ihrem ruchlosen Vorgehen die Gegenm&auml;chte &ndash; vergleichbar mit einem Imperium, das die Weltb&uuml;hne nicht freiwillig verlassen will, aber zumindest einen spektakul&auml;ren Abgang f&uuml;r sich selbst inszeniert wissen will.<\/p><p>Die Europ&auml;er hingegen bleiben Zuschauer der Weltgeschichte. Berlin, Br&uuml;ssel, Paris und London haben sich an jene gebunden, die sie gegen Russland in die vorderste Front eines aussichtslosen Krieges dr&auml;ngen wollen, ohne selbst direkt angegriffen zu werden; dabei ist auch an die Terroranschl&auml;ge auf die Nord-Stream-Pipelines zu denken sowie an deren Vorgeschichte, in der verschiedene US-Administrationen erkl&auml;rten, alles tun zu wollen, um den Bau bzw. Betrieb dieser Gasleitungen zu verhindern.<\/p><p>W&auml;hrend der globale S&uuml;den in Teilen versucht, die Gelegenheit zu nutzen, sich von den USA zu emanzipieren und eine neutrale Position einzunehmen, begn&uuml;gen sich die Europ&auml;er mit der geostrategischen Rolle als Br&uuml;ckenkopf der USA in Eurasien. Dies umfasst nicht nur die Stationierung der bis zu 100.000 US-Soldaten in Europa und die US-Raketenstationierungspl&auml;ne in Deutschland 2026, die russische Kommandozentralen ausschalten k&ouml;nnten, sondern auch die zunehmende Dominanz bedeutender europ&auml;ischer Unternehmen durch US-Investmentfonds wie BlackRock sowie die jahrzehntelange Formung transatlantischer Eliten in Politik, Wirtschaft und Medien. <\/p><p><strong>Raus aus der NATO <\/strong><\/p><p>Wer ein Signal f&uuml;r die eigene demokratische Souver&auml;nit&auml;t setzen m&ouml;chte, muss nun den Abzug der US-Truppen und die Schlie&szlig;ung der US-Basen fordern. Die NATO, die weder ein Werte- noch ein Verteidigungsb&uuml;ndnis darstellt, sondern die US-Hegemonie in Europa sichern hilft, muss verlassen werden, will man noch einen Rest an Selbstachtung wahren. Doch wie sehr Herrschaft auf hegemonial gepanzerter Gewalt beruht, zeigte sich an der gemeinsamen Verlautbarung der Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Polens, Italiens, Spaniens, Gro&szlig;britanniens und D&auml;nemarks zu Gr&ouml;nland. Dabei wird zum Schutz Gr&ouml;nlands darauf verwiesen, dass die NATO die Arktis bereits zu ihrer Priorit&auml;t gemacht habe und dies noch verst&auml;rken wolle und sowohl die USA als auch D&auml;nemark Mitglied der NATO seien, um indirekt die Anspr&uuml;che der USA zur&uuml;ckzuweisen. Und der polnische Ministerpr&auml;sident Tusk f&uuml;gte verst&auml;rkend hinzu: &bdquo;Kein Mitglied sollte ein anderes Mitglied der Nordatlantikpakt-Organisation angreifen oder bedrohen. Andernfalls w&uuml;rde die NATO ihre Bedeutung verlieren &hellip;&ldquo;<\/p><p>Ein grotesker Irrtum der Europ&auml;er. Der NATO-Vertrag &ndash; so die offizielle Fiktion &ndash; sch&uuml;tzt das B&uuml;ndnisgebiet, nicht jedoch die Mitgliedsstaaten voreinander; das haben bereits Griechenland und die T&uuml;rkei in ihren Konflikten erfahren m&uuml;ssen. Sollten US-Truppen in gr&ouml;&szlig;erer Zahl nach Gr&ouml;nland verlegt werden, wird niemand eingreifen. Die etwa 60 d&auml;nischen Soldaten inklusive des Verbindungsoffiziers auf der US-Milit&auml;rbasis in Gr&ouml;nland und die rund 70 d&auml;nischen Polizisten w&auml;ren sicherlich schlecht beraten, auf die Idee zu kommen, Widerstand leisten zu wollen. Die Europ&auml;er jedenfalls werden gar nichts tun, so wie bei Venezuela, und vielleicht auch noch den Kakao trinken, durch den sie gezogen werden.<\/p><p><small>Titelbild: muratart\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Kidnapping Maduros in Venezuela bis zu Trumps Annexionspl&auml;nen f&uuml;r Gr&ouml;nland: Die USA setzen offen auf Imperialismus &ndash; und st&auml;rken damit paradoxerweise ihre Gegner. Europa schaut tatenlos zu und verkommt als blo&szlig;er Br&uuml;ckenkopf Washingtons. 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