{"id":144447,"date":"2026-01-08T14:00:02","date_gmt":"2026-01-08T13:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144447"},"modified":"2026-01-08T14:03:58","modified_gmt":"2026-01-08T13:03:58","slug":"kiew-und-die-europaeer-wollen-trump-umpolen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144447","title":{"rendered":"Kiew und die Europ\u00e4er wollen Trump umpolen"},"content":{"rendered":"<p>Die europ&auml;ischen &bdquo;Tatkr&auml;ftigen&ldquo; und Kiew haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den verlorenen Krieg in der Ukraine auf diplomatischem Wege zu gewinnen oder zumindest ein Unentschieden herauszuholen. Nach der erfolgreichen Operation in Venezuela, die die Position der &bdquo;Falken&ldquo; in Trumps Umfeld gest&auml;rkt hat, sehen sie nun eine neue Chance. Wie wollen Kiew und die Europ&auml;er Trump &bdquo;umprogrammieren&ldquo;? Ein Beitrag von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Erfolg der Venezuela-Aktion, die Entf&uuml;hrung von Nicol&aacute;s Maduro, hat das Selbstvertrauen von Donald Trump und seinem Umfeld gest&auml;rkt. Innerhalb dieses Kreises hat die Position der &bdquo;Falken&ldquo; sichtlich an Gewicht gewonnen &ndash; jener Kr&auml;fte, die in den Verhandlungen mit Russland stets gegen die von Steve Witkoff vertretene Linie opponierten, dem sie ein zu gro&szlig;es Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Forderungen Moskaus vorwarfen.<\/p><p>Es erscheint daher logisch, dass Kiew in dieser Situation versucht, den Moment zu nutzen, um Trump von Witkoffs Programm &ndash; einer Beendigung des Krieges um jeden Preis &ndash; auf die h&auml;rtere Linie von Au&szlig;enminister Marco Rubio und CIA-Direktor John Ratcliffe umzuschwenken.<\/p><p>Die europ&auml;ischen &bdquo;Tatkr&auml;ftigen&ldquo; st&uuml;tzen Kiew in diesem Bestreben; ein neues Selbstbewusstsein, das auch die Pariser Gespr&auml;che am Dienstag dominierte. Der polnische Ministerpr&auml;sident Donald Tusk k&uuml;ndigte bereits vor dem Treffen Dokumente an, die der Ukraine Sicherheit nach Kriegsende garantieren sollen. Laut westlichen Leitmedienberichten k&ouml;nnten diese Abkommen &ndash; allen Warnungen aus Moskau zum Trotz &ndash; sogar die Stationierung von US- und anderen NATO-Truppen in der Ukraine festschreiben.<\/p><p>Kiew und die Europ&auml;er bestanden von Anfang an darauf, jene Klausel aus dem US-Regelungsplan zu streichen, die auf dem Rahmenabkommen von Alaska zwischen Trump und Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin basierte und die Stationierung von NATO-Truppen in der Ukraine ausschloss.<\/p><p><strong>Paris und der Traum von der &bdquo;robusten Verteidigung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Schon gegen Ende 2025 verdichteten sich die Hinweise auf ein Einlenken Trumps: Er solle der Stationierung europ&auml;ischer Verb&auml;nde nicht nur zugestimmt, sondern ihnen sogar den Schutz durch die US-Luftwaffe und Geheimdienste zugesagt haben. Offiziell best&auml;tigt wurde dies jedoch nicht. Wie sehr der Appetit Kiews und der Europ&auml;er gewachsen ist, zeigten Leaks w&auml;hrend des Treffens in Paris: Demnach k&ouml;nnten nach Kriegsende auch US-Truppen in der Ukraine stationiert werden, die im Rahmen einer Waffenruhe-&Uuml;berwachung nicht-kampfbezogene Aufgaben &uuml;bernehmen w&uuml;rden.<\/p><p>Wir landen also erneut beim Status quo: W&auml;hrend Washington sein Engagement strikt auf Logistik und die Drohnen-&Uuml;berwachung des Waffenstillstands begrenzt, schrauben Br&uuml;ssel und Kiew ihre Erwartungen immer weiter nach oben und werden ihre Aussichten auf eine solche &bdquo;robuste Verteidigung&ldquo; immer optimistischer.<\/p><p>Die nach dem Treffen ver&ouml;ffentlichte Erkl&auml;rung stellt Kiew internationale Friedenstruppen in Aussicht, sobald die Waffen schweigen. Das Dokument weist den USA dabei eine Schl&uuml;sselrolle zu: Washington soll nicht nur den gesamten &Uuml;berwachungsmechanismus anf&uuml;hren, sondern den europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten auch den R&uuml;cken st&auml;rken, falls Russland erneut angreifen sollte. Parallel dazu treiben die &bdquo;Tatkr&auml;ftigen&ldquo; die Milit&auml;rkooperation voran: Sie wollen multinationale Truppen stationieren und die ukrainische Armee massiv aufr&uuml;sten. Eine Sonderkommission soll k&uuml;nftig &uuml;ber Reaktionen bei Waffenruhe-Verst&ouml;&szlig;en entscheiden &ndash; doch die alles entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Was passiert konkret bei einer neuen russischen Offensive?<\/p><p>Ein europ&auml;ischer Diplomat bemerkte dazu:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Im Grunde diskutieren wir immer noch dar&uuml;ber, ob wir das Feuer erwidern oder uns zur&uuml;ckziehen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Auch die St&auml;rke der zu stationierenden Truppen ist nicht gekl&auml;rt. Derzeit zeichnet sich ein Kontingent von 15.000 bis 20.000 Mann ab, dessen Gro&szlig;teil von Frankreich und Gro&szlig;britannien gestellt w&uuml;rde, w&auml;hrend die T&uuml;rkei f&uuml;r die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer verantwortlich w&auml;re. Deutschland, Polen und Italien w&uuml;rden definitiv keine Soldaten in die Ukraine schicken, sich jedoch von au&szlig;erhalb an der Logistik beteiligen. Geleakt wurde zudem, dass die Truppen h&ouml;chstwahrscheinlich in der Westukraine stationiert w&uuml;rden, um ukrainische Soldaten zu unterst&uuml;tzen und auszubilden.<\/p><p>Wie gewohnt &auml;u&szlig;erte sich auch Oleksij Arestowytsch mit einer interessanten Meinung zu diesem Thema. Laut dem ehemaligen Pr&auml;sidentenberater planen die westlichen L&auml;nder die Entsendung von Friedenstruppen nicht zur Abschreckung Russlands, sondern um einen m&ouml;glichen B&uuml;rgerkrieg in der Ukraine zu verhindern. Die Aufgabe der ausl&auml;ndischen Kontingente best&uuml;nde prim&auml;r darin, die Sicherheit von Wahlen zu garantieren und Verst&ouml;&szlig;e gegen den Waffenstillstand zu beobachten.<\/p><p><strong>Die Falle der Falken: Eskalation als Friedensplan?<\/strong><\/p><p>Doch bei aller Euphorie &uuml;ber diese selbstbewussten und optimistischen Pl&auml;ne d&uuml;rfen wir keinen Moment vergessen: Russland muss einem Friedensplan mit Sicherheitsgarantien erst noch zustimmen &ndash; oder ihn ablehnen. Und Moskau sperrt sich gegen jede Pr&auml;senz von NATO-Truppen in der Ukraine. Das gilt ebenso f&uuml;r Trump, der zuvor klarstellte, dass es keine US-Soldaten in der Ukraine geben wird. Die urspr&uuml;ngliche Fassung seines Friedensplans untersagte die Stationierung ausl&auml;ndischer Truppen auf ukrainischem Territorium sogar ausdr&uuml;cklich. Bisher hat Washington nicht offiziell best&auml;tigt, diese Position ger&auml;umt zu haben.<\/p><p>Kiew, die Europ&auml;er und die republikanischen &bdquo;Falken&ldquo; werden jedoch Druck auf Trump aus&uuml;ben, damit er diesen Plan unterzeichnet.<\/p><p>Sollte Trump die Sicherheitsgarantien absegnen und ausl&auml;ndische Truppen erlauben, wird der Westen Moskau dies als geschlossene Position pr&auml;sentieren. Doch Russland d&uuml;rfte voraussichtlich ablehnen. Das w&auml;re der Moment f&uuml;r Kiew, die Europ&auml;er und die &sbquo;Falken&lsquo;, den n&auml;chsten Schritt zu wagen: Sie w&uuml;rden Russland vorwerfen, Trumps Friedensplan gezielt zu torpedieren. So k&ouml;nnten sie den US-Pr&auml;sidenten dr&auml;ngen, Putin h&auml;rter anzupacken &ndash; etwa, indem er Sanktionen ausweitet, Tomahawk-Raketen liefert oder die Ukraine massiv aufr&uuml;stet. Die Pl&auml;ne reichen sogar so weit, die russische Schattenflotte zu beschlagnahmen oder gar zu versuchen, Putin zu entf&uuml;hren oder zu eliminieren.<\/p><p>Zwar gab es solche Forderungen schon fr&uuml;her, doch Joe Biden &ndash; und erst recht Trump &ndash; lie&szlig;en sie meist abtropfen. In Kiew deutete man diese Zur&uuml;ckhaltung oft als Feigheit, Schw&auml;che oder schlicht als &bdquo;Arroganz&ldquo;. Dabei handelt Washington aus US-Sicht durchaus rational: Man will sich aus Konflikten heraushalten und scheut den direkten Zusammensto&szlig; mit Russland. Trump begr&uuml;ndete seinen Drang zum schnellen Frieden stets damit, dass er den dritten Weltkrieg verhindern wolle.<\/p><p>Doch Kiew sch&ouml;pft nun neue Hoffnung. Seit der erfolgreichen Entf&uuml;hrung Maduros k&ouml;nnten Trump und die Amerikaner wieder dieses Gef&uuml;hl der Allmacht versp&uuml;ren. Das k&ouml;nnte sie ermutigen, nun auch gegen&uuml;ber Russland jene Grenzen zu &uuml;berspringen, die sie bisher strikt respektiert haben.<\/p><p>Nach dem Coup in Venezuela k&ouml;nnte Washington nun tats&auml;chlich die Z&uuml;gel gegen&uuml;ber Russland anziehen. Weicht Trump von der Linie ab, die er mit Putin in Anchorage vereinbart hat, treibt dies das Risiko einer Eskalation nach oben und erschwert die Friedensgespr&auml;che massiv. In Trumps innerem Zirkel d&uuml;rften jedoch viele versuchen, ihn von solchen riskanten Schritten abzubringen. Ohnehin garantiert auch ein h&auml;rterer Kurs gegen Russland kein schnelles Kriegsende, da solche Ma&szlig;nahmen &ndash; selbst, wenn sie kommen &ndash; die Lage in Russland nicht sofort ersch&uuml;ttern w&uuml;rden. Ein rascher Erfolg k&auml;me Trump zwar gelegen, doch der Krieg k&ouml;nnte sich durchaus bis zu den Kongresswahlen im November hinziehen. In welche Richtung das Pendel letztlich ausschl&auml;gt, h&auml;ngt nun ma&szlig;geblich davon ab, wie Trump sich bei den Sicherheitsgarantien entscheidet.<\/p><p><small>Titelbild: Joey Sussman\/shutterstock.com<\/small><\/p><p><em>Der Beitrag ist auf Ungarisch <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/kijev-es-az-europaiak-atforditanak-trumpot-2\/\">auf Moszkvater erschienen<\/a>.<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/53e57d2a65e147f3b27e1a391f444b3d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die europ&auml;ischen &bdquo;Tatkr&auml;ftigen&ldquo; und Kiew haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den verlorenen Krieg in der Ukraine auf diplomatischem Wege zu gewinnen oder zumindest ein Unentschieden herauszuholen. Nach der erfolgreichen Operation in Venezuela, die die Position der &bdquo;Falken&ldquo; in Trumps Umfeld gest&auml;rkt hat, sehen sie nun eine neue Chance. 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