{"id":14470,"date":"2012-09-18T09:02:16","date_gmt":"2012-09-18T07:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14470"},"modified":"2015-04-28T09:43:38","modified_gmt":"2015-04-28T07:43:38","slug":"die-steuerflucht-mafia-bekampfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14470","title":{"rendered":"Die Steuerflucht-Mafia bek\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"<p>Die versuchte Auswanderung des Inhabers des gr&ouml;&szlig;ten franz&ouml;sischen bzw. weltviertgr&ouml;&szlig;ten Verm&ouml;gensimperiums, Bernard Arnault, nach Belgien, liefert ein anschauliches Lehrst&uuml;ck daf&uuml;r, wie sich die Verh&auml;ltnisse inzwischen entwickelt haben.<br>\nAllen sp&auml;teren Dementis zum Trotz zeigt das Auswanderungsbegehren des uners&auml;ttlichen Milliard&auml;rs, dass zum Selbstl&auml;ufer gewordene Geldgier in ihrer Hartn&auml;ckigkeit, allgemein geltende Gesetze zu umgehen, die mutma&szlig;lichen Steuerfl&uuml;chtlinge in die N&auml;he krimineller Machenschaften r&uuml;ckt.<br>\nSteuerflucht ist  keine Randerscheinung, sondern zentraler Bestandteil einer Wirtschaft geworden, die unter der Dominanz der Finanzwirtschaft mafiotische Formen angenommen hat. Die Bek&auml;mpfung der Steuerflucht hat daher h&ouml;chste Dringlichkeit als nationales und europ&auml;isches Anliegen.<br>\nVon Edwy Plenel[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14470#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], Originaltitel: Combattre la mafia de l&rsquo;&eacute;vasion fiscale<br>\nArtikel erschienen am 12. September 2012 in der <a href=\"http:\/\/www.mediapart.fr\/journal\/international\/110912\/combattre-la-mafia-de-l-evasion-fiscale?page_article=4\">frz. Online-Zeitung mediapart.fr<\/a>. &Uuml;bertragen von <strong>Gerhard Kilper<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Historischer R&uuml;ckblick<\/strong><\/p><p>1937, nach der Wiederwahl Franklin D. Roosevelts f&uuml;r eine zweite Amtszeit, verst&auml;rkten die USA &ndash; in einer der heutigen vergleichbaren Wirtschaftskrise &ndash; ihren demokratisch und sozial ausgerichteten Neuanfang, w&auml;hrend zur gleichen Zeit in Europa Nazismus und Faschismus ihre barbarische Politik bis zum unvermeidlichen Umschlag in den Weltkrieg durchsetzten.<br>\nAm 21. Mai 1937 &uuml;bergab der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau eine Schrift seines Hauses zu Steuerbetrug und Steuerflucht an Roosevelt. Die Schrift belegte, dass in den Jahr f&uuml;r Jahr vorgenommenen Untersuchungen der Steuerbeh&ouml;rden zu Steuereing&auml;ngen und Einkommen die immer hartn&auml;ckigeren Versuche verm&ouml;gender Privatleute und Unternehmen offenbar wurden, den ihnen nach dem Steuerrecht zukommenden Anteil ans Finanzamt nicht zu bezahlen. Und das obwohl der allseits respektierte Richter am Verfassungsgericht, Holmes, seinen Landsleuten erl&auml;utert hatte, Steuern seien &bdquo;der Preis, der f&uuml;r eine zivilisierte Gesellschaft zu entrichten ist&ldquo; &ndash; doch leider wollten zu viele B&uuml;rger Zivilisations-Rabatt.<\/p><p>Keine Steuern zu bezahlen, zu wenig Steuern zahlen oder sich gar ganz seiner Steuerpflicht durch Flucht zu entziehen &ndash; das ist die Karte f&uuml;r eine barbarische Gesellschaft &bdquo;des jeder f&uuml;r sich&ldquo;, gegen ein solidarisches Gemeinschaftsleben, das auch f&uuml;r das Wohlergehen eines jeden Einzelnen da ist. <\/p><p>Bei absoluter Durchsetzung der Option des Geldes als Ziel und Ma&szlig; aller Dinge wird Geld zur ungez&uuml;gelten Waffe f&uuml;r eine blind gewordene Freiheit. Diese Art von Freiheit zerst&ouml;rt Gemeinschaftsbande und Solidarit&auml;t, die die Gesellschaft zusammen halten. Wenn man sich alles kaufen kann, kann es keine Grunds&auml;tze und keine Werte mehr geben und selbst Gesetze verlieren dann ihre Bedeutung. <\/p><p>Steuern sind nicht der Feind der Freiheit (inklusive der Freiheit, sich zu bereichern), sie z&uuml;geln die individuelle Freiheit durch Einbindung des Individuums in einen gesamtgesellschaftlichen Rahmen. Jeder leistet nach Ma&szlig;gabe seiner M&ouml;glichkeiten (wirtschaftlicher Leistungsf&auml;higkeit) seinen Beitrag zum &ouml;ffentlichen Reichtum des Gemeinwesens.  Grundintention der Errichtung und Betreibung von Schulen, Krankenh&auml;usern, Stra&szlig;en etc. etc. war und ist, keinen B&uuml;rger einer Gesellschaft vom Gemeinschaftsleben auszuschlie&szlig;en.<\/p><p>Wenn sich heute in Frankreich f&uuml;hrende Vertreter der Rechten &uuml;ber das Schicksal eines Bernard Arnault aufregen, so zeigt das ihr geringes Interesse f&uuml;r das Gemeinwohl auf der einen und ihre gro&szlig;e F&uuml;rsorge f&uuml;r einige wenige privaten Interessen auf der anderen Seite. Das war &uuml;brigens rechte Politik insbesondere in der 5-j&auml;hrigen Pr&auml;sidentschaft Sarkozys: die Masse der kleinen Leute zahlt &ndash; bei m&ouml;glichst breiter Akzeptanz &ndash; immer mehr Steuern, die sehr Reichen zahlen immer weniger, um sich immer weiter bereichern zu k&ouml;nnen &hellip;<br>\nAber die Gesinnung der franz&ouml;sischen Rechten und ihr Lob illegitimer Praktiken hat in der extremen Radikalisierung der amerikanischen Rechten noch Weiterungen, deren faschistische Versuchungen zur blind gewordenen Fahnenfreiheit geworden sind &hellip; und die das Recht des St&auml;rkeren, weil Reicheren, als gesellschaftliche Norm verk&uuml;ndet. &Uuml;ber den historischen Umweg amerikanischer Vergangenheit wird das ganze Ausma&szlig; intellektueller Regression sichtbar (die europ&auml;ische Aktualit&auml;t eingeschlossen). <\/p><p>Grund f&uuml;r Morgenthaus Schrift waren geringere als erwartete Steuereinnahmen im Jahr 1936 gewesen. Der Bericht verwies auf die Steuerhinterziehungspraxis reicher Amerikaner, die alles taten, um sich kollektiver Solidarit&auml;t zu entziehen. Unter Auflistung dieser Praktiken, inklusive besonders auch der Steuerparadiese und unter Nennung der Namen betroffener Milliard&auml;re, prangerte der amerikanische Finanzminister diese Machenschaften als Gaunereien an und stellte sie allen anderen am (gemeinsamen arbeitsteiligen) Wirtschaftsleben beteiligten Steuerzahlern gegen&uuml;ber &ndash; Arbeitnehmern, kleinen Gewerbetreibenden, (Mittelstands-)Unternehmern &hellip; Morgenthau schrieb an Pr&auml;sident Roosevelt &bdquo;Wir haben noch viel zu viele F&auml;lle von moralischem Betrug, d.h. Steuervermeidung mit als zweifelhaft anzusehenden Begr&uuml;ndungen, die keinen wirklichen Bezug zum realen Gesch&auml;ftsleben haben und derer sich kein anst&auml;ndiger Mensch bedienen w&uuml;rde. Sie haben ihr Regierungsamt mit dem Anspruch angetreten, f&uuml;r mehr Moral im Wirtschaftsleben zu sorgen. Wir brauchen mehr Moral und Anstand in den Beziehungen der B&uuml;rger zu Ihrer Regierung &hellip; Durchschnitts-Arbeitnehmer und Gewerbetreibende bedienen sich nicht solcher Methoden, die gro&szlig;e Masse der Steuerpflichten gibt anst&auml;ndige Steuererkl&auml;rungen ab. Der Fakt, dass Leute, die sich selbst als Wirtschaftselite sehen, den Fiskus betr&uuml;gen oder sich ihm entziehen, ist nicht nur f&uuml;r unsere Steuereing&auml;nge von Nachteil, sondern auch f&uuml;r die anderen B&uuml;rger der Gemeinschaft, die die Machenschaften der Steuerhinterzieher hinnehmen m&uuml;ssen. Durch Steuerhinterziehung der einen erh&ouml;ht sich die Last der ordentlichen Steuerzahler, die selbst &uuml;ber weniger Mittel verf&uuml;gen.<br>\nErfolg und Akzeptanz unseres Steuersystems h&auml;ngen sowohl von einer guten Finanzverwaltung als auch von ehrlichen Steuererkl&auml;rungen der Steuerzahler ab. Wir k&ouml;nnen zu Recht von Leuten der Oberschicht mehr Moral und Anst&auml;ndigkeit erwarten, als das bei den Steuererkl&auml;rungen im Jahr 1936 der Fall war.&ldquo;<\/p><p><strong>Die Partei des Geldes und die Partei des Verbrechens<\/strong><\/p><p>Dieser Alarmruf Henry Morgenthaus gegen Betrug und Steuerflucht setzte eine klare und eindeutige New Deal-Politik zur Besteuerung der sehr reichen B&uuml;rger in Gang. Roosevelt erkl&auml;rte 1936, zwei Jahre nach dem Revenue Act, der die Besteuerung der Reichen neu fasste, &bdquo;Steuern sind der Beitrag, den wir leisten, um das Privileg von Mitbestimmung und Teilhabe an einer organisierten Gesellschaft genie&szlig;en zu k&ouml;nnen&ldquo;.<\/p><p>B&uuml;rger mit einem Jahreseinkommen von mehr als 200 000 $ (heute 1 Million $ entsprechend) wurden mit 63% Einkommensteuer besteuert. Durch Gesetzes&auml;nderung wurde der Spitzensteuersatz 1936 auf 79% erh&ouml;ht und erreichte 1941 den Wert von 91%. Fast ein halbes Jahrhundert lang, praktisch bis zu Reagans und Thatchers Konterrevolution, lag der Spitzensteuersatz f&uuml;r die h&ouml;chsten Einkommen in den USA bei 80%.<br>\nWie es Morgenthau in seiner Zeit unterstrich und wie die heutige belgische Versuchung eines Bernard Arnault zeigt, reicht es nicht, einfach die Reichen st&auml;rker zu besteuern, es muss auch verhindert werden, dass sie betr&uuml;gen, dass sie ihre Verm&ouml;gen au&szlig;er Landes bringen, dass Straft&auml;ter sich der Strenge des Gesetzes entziehen k&ouml;nnen und dass das Verbrechen sich im Schutz einer Schattenwirtschaft ausbreitet.<\/p><p>Dass sich in den letzten 40 Jahren Steuerflucht in der globalisierten Weltwirtschaft  als Gift einnistete, sich professionalisierte und um sich juristische Sperren aufzubauen vermochte, die Steuerflucht zu einer uneinnehmbaren, nicht transparenten, geheimnisvollen Zitadelle in der Art eines &bdquo;schwarzen Loches&ldquo;  machte, diese gef&auml;hrliche, sich selbst sch&uuml;tzende und verst&auml;rkende &bdquo;Mafiatisierung&ldquo; der Welt ist keine Kleinigkeit, bei der man zur Tagesordnung &uuml;bergehen kann.<\/p><p>Man muss kein wirklichkeitsferner Schw&auml;rmer oder Agitator sein, wenn man eine Wesensverwandtschaft zwischen der Partei des Geldes und der Partei des Verbrechens behauptet, zwischen Organisationen, die jenseits ihrer sonstigen Unterschiede  nur das Gesetz von Profit und Geheimhaltung kennen. Roosevelt nahm sich in seiner ber&uuml;hmten Rede vom 31.Oktober 1936 im Madison Square Garden die &bdquo;alten Feinde des Friedens&ldquo; vor, vor allem &bdquo;industrielles und Finanzmonopol, Spekulation, unredliche Banken&ldquo; und fuhr fort: &bdquo;&hellip; sie begannen die Regierung der Vereinigten Staaten als simplen Appendix ihrer privaten Gesch&auml;fte anzusehen. Wir wissen jetzt, dass es genauso gef&auml;hrlich ist, vom organisierten Geld wie vom organisierten Verbrechen regiert zu werden&ldquo;.<\/p><p>Roosevelt bekr&auml;ftigte, das organisierte Geld habe dasselbe Firmenschild wie die organisierte Kriminalit&auml;t und ging damit weiter als der Kandidat Fran&ccedil;ois Hollande mit seiner anonymen Finanzwelt als Feind, die gar nicht so anonym ist &hellip; Zu Roosevelts Kampf gegen Steuerbetrug und Steuerflucht gesellte sich auch der Kampf seines Finanzministers Morgenthau gegen Korruption und gegen die organisierte Kriminalit&auml;t. <\/p><p>Was w&uuml;rden diese &ndash; vom Anspruch der Demokratie erf&uuml;llten und &uuml;berzeugten &ndash; radikalen amerikanischen Reformer angesichts des heutigen Spektakels ultraliberaler Deregulierungen sagen, die uns nach einigen Jahrzehnten eine Welt beschert haben, in der das Geld K&ouml;nig und das Verbrechen dessen Diener ist? <\/p><p>Ja das Verbrechen, die Weigerung, sich an Gesetze zu halten und die Verletzung von Regeln in einem Klima von Feigheit und Unanst&auml;ndigkeit, in dem die Staaten vor der Arroganz der Oligarchien zur&uuml;ckweichen &hellip; <\/p><p>So sieht die Realit&auml;t unserer heutigen Welt als Beute eines entfesselten Kapitalismus &ndash; mit Steuerparadiesen als dessen Kern &ndash; aus. Diese Verh&auml;ltnisse sind keine Randerscheinung, keine Ausnahme oder Abweichung, sondern die Norm. Nicholas Shaxson, schrieb 2011 als Autor des neuesten Schwarzbuchs zu diesem Thema: &bdquo;Steuerparadiese gibt es &uuml;berall. Mehr als die H&auml;lfte des international abgewickelten Handels wird &uuml;ber sie &ndash; zumindest auf dem Papier &ndash; abgewickelt. Mehr als die H&auml;lfte aller Bankaktiva und ein Drittel direkter Auslandsinvestitionen der Multinationalen laufen &uuml;ber Off-shore-Finanz-Zentren. Etwa 85% aller internationalen Bankoperationen und Obligationsemission werden &uuml;ber den sogenannten &bdquo;Euromarkt&ldquo; durchgef&uuml;hrt, den staatsfreien Off-shore-Raum.<\/p><p>Der IWF stellte 2010 fest, dass die kumulierte Bilanz kleiner Steuerparadiesinseln sich auf 18.000 Milliarden $ bel&auml;uft &ndash; ein Drittel des Welt-Sozialprodukts &ndash; und dass diese Zahl wahrscheinlich noch zu gering angesetzt ist. Der amerikanische Rechnungshof enth&uuml;llte 2008, dass 83 der gr&ouml;&szlig;ten Unternehmen des Landes Filialen in Steuerparadiesen unterhalten. Im folgenden Jahr zeigte eine Untersuchung des unabh&auml;ngigen amerikanischen Tax Justice Network, dass 99 der 100 gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Unternehmen an Off-shore-Pl&auml;tzen Filialen unterhielten. In jedem Land sind Banken diejenigen Gesellschaften, die mit Abstand am h&auml;ufigsten Kontakte mit Steuerparadiesen pflegen.&ldquo;<\/p><p>&hellip; Gabriel Zucman und seine Kollege Niels Johannesen, Forscher an der Pariser Wirtschaftshochschule zeigten in einer in diesem Monat September 2012 ver&ouml;ffentlichten Studie, dass das angebliche Vorgehen der G20 gegen Steuerparadiese &bdquo;bis jetzt weitgehend gescheitert ist. Heute gibt es in den Steuerparadiesen genauso viele Gelder wie 2009 und die Finanzfonds zieht es in die am wenigsten kooperativen Steuerparadiese&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Schattenseiten der Globalisierung<\/strong><\/p><p>Wer wei&szlig;, dass heute eine winzige Karibikinsel, die Cayman Islands, das viertgr&ouml;&szlig;te Finanzzentrum der Welt beherbergt? (Diese Frage stellte unser Kollege Christian Chavagneux von &bdquo;Alternatives &eacute;conomiques&ldquo; in der Einleitung zu seinem Buch &bdquo;Les Paradis fiscaux&ldquo;, zusammen mit Roman Palan, coll. Rep&egrave;res, La D&eacute;couverte 2012).<br>\nSeit Chavagneuxs Publikation gab es zahlreiche neue Ver&ouml;ffentlichungen zur Rolle dieser diskreten Schatteninseln &ndash; auf denen auch der amerikanische Pr&auml;sidentschaftskandidat Mitt Romney Verm&ouml;gen angelegt und versteckt hatte&hellip; <\/p><p>Nach Chavagneux sind Steuerparadiese gleichzeitig Schattenseiten der Globalisierung und Hauptakteure der gro&szlig;en Finanzkrise seit 2007. Zu Diensten der m&auml;chtigsten Finanz-Akteure sorgen sie im globalen Ma&szlig;stab gleichzeitig f&uuml;r Verschleierung von Finanztransaktionen, f&uuml;r globale Instabilit&auml;t und Verteilungsungerechtigkeit. Und mit der Verl&auml;ngerung und Vertiefung der Krise setzt sich Schatten gegen Erhellung und Aufkl&auml;rung durch.<\/p><p>Das amerikanische Tax Justice Network ver&ouml;ffentliche in diesem Sommer eine Studie die belegt, dass offizielle Sch&auml;tzungen internationaler Organisationen das Gewicht der Steuerparadiese untersch&auml;tzen. Nach diesem unabh&auml;ngigen Institut betragen die dort versteckten Finanzaktiva nicht schon unglaubliche 17.000 Milliarden $, sondern eher   25.000 Milliarden $, mehr als das Bruttosozialprodukts der USA und Japans zusammen genommen (dabei handelt es sich nur um Finanzaktiva, andere versteckte Aktiva als Investitionen in Immobilien, Yachten, Reitst&auml;lle oder Kunstwerke sind nicht erfasst).<br>\nEin perspektivischer Irrtum w&auml;re es, zu glauben, es handele sich hier nur um individuelle F&auml;lle einzelner Privater, die Gesetze ihrer Staaten brechen, um sich leichter bereichern zu k&ouml;nnen. In Wahrheit haben wir ein komplettes System, von den Gro&szlig;unternehmen bis zu den Gro&szlig;banken, die ihre wirtschaftliche Prosperit&auml;t &uuml;ber die Illegalit&auml;t von Off-shore-Pl&auml;tzen organisieren.<\/p><p>So lie&szlig;en es sich auch Banken, die seit 2008 ohne Gegenleistung Hilfe des Staates in Anspruch nahmen, allesamt weiterhin in Steuerparadiesen gut gehen.  Der j&uuml;ngste Bericht von CCFD-Terre Solidaire belegt, dass die Pr&auml;senz franz&ouml;sischer Banken in Steuerparadiesen &ndash; trotz oder gerade wegen der Krise &ndash; noch zugenommen hat. Bei               7 untersuchten Banken stellte man 547 Filialen in Steuerparadiesen fest, rund 21% ihrer Filialen &uuml;berhaupt. So haben franz&ouml;sische Banken, besonders BNP-Paribas, Cr&eacute;dit Agricole und die Soci&eacute;t&eacute; G&eacute;n&eacute;rale 24 Filialen auf den Cayman-Islands, 12 auf den Bermuda-Inseln, 19 in der Schweiz, 29 in Hongkong und 99 in Luxemburg.<\/p><p>Doch, wie Chavagneux und Palan zeigen, verlagern neben Banken zunehmend auch Gro&szlig;unternehmen ihre Gelder und ihre Firmen-Finanzpolitik in ihre Steuerparadies-Filialen, wo gro&szlig;e Finanztransaktionen oder die Aufteilung weltweit erzielter Gewinne zentral organisiert werden.<\/p><p>So kommt man zu dem Paradox, dass zum Beispiel im Jahr 2008 der gr&ouml;&szlig;te ausl&auml;ndische Investor in Frankreich n&auml;mlich Frankreich selber in Form multinationaler franz&ouml;sischer Unternehmen war. Diese investierten in ihrem Heimatland &uuml;ber ihre in Steuerparadiesen ans&auml;ssigen Filialen &ndash; wertm&auml;&szlig;ig mehr als ausl&auml;ndische Multinationale in Frankreich.<br>\nHinter diesen Zahlen und Praktiken verbirgt sich Diebstahl eines gro&szlig;en Teils unseres arbeitsteilig gemeinsam erzeugten nationalen Reichtums, der umgeleitet und versteckt nicht mehr f&uuml;r das hiesige Gemeinwohl umverteilt werden konnte.<\/p><p>In seiner neuesten Untersuchung zur Steuerflucht aus Frankreich, die zur Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung gegen die Schweizer UBS-Bank f&uuml;hrte, behauptet unser Kollege Antoine Peillon &ndash; ohne Widerspruch oder Dementi &ndash; auf seinem Mediapart-blog, dass &bdquo;die vor dem franz&ouml;sischen Fiskus versteckten Aktiva fast den Wert der H&ouml;he der j&auml;hrlichen frz. Steuereinnahmen haben&ldquo; und dass das Steuerflucht-Verm&ouml;gen von Privatpersonen und Unternehmen &bdquo;sich auf mindestens 590 Milliarden Euro bel&auml;uft, davon allein 108 Milliarden in der Schweiz&ldquo;.<\/p><p><strong>Mindestens 40 Milliarden Steuer-Einnahmen entgehen dem frz. Staat Jahr f&uuml;r Jahr<\/strong><\/p><p>Die Bek&auml;mpfung von Steuerbetrug und Steuerflucht ist inzwischen keine Nebensache mehr, sondern zum Eckpfeiler der wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen, sowie moralischen Erneuerung unserer Nation geworden. <\/p><p>Jenseits eines legitim hohen Spitzensteuersatzes f&uuml;r die h&ouml;chsten Einkommen muss die neue Regierung in den ungleichen Kampf zwischen Erwartungen der Mehrheit unserer Bev&ouml;lkerung und Pflicht-Verletzungen der Oligarchien eingreifen (eine erstklassige p&auml;dagogische Gelegenheit f&uuml;r die Regierung &uuml;brigens). <\/p><p>Hier sind sich alle Kr&auml;fte und Str&ouml;mungen Frankreichs einig, die Hollande im zweiten Wahlgang der Pr&auml;sidentschaftswahlen unterst&uuml;tzt haben &ndash; das zeigte auch der Bericht der neuen Senats-Untersuchungskommission zur Kapitalflucht ins Ausland und deren fiskalische Wirkung (die 2 Berichtsb&auml;nde k&ouml;nnen auf der Internetseite des Senats oder auf dem blog des Berichterstatters Eric Bocquet eingesehen werden).<\/p><p>Dieser unangreifbare Bericht zeigt, dass dem franz&ouml;sischen Haushalt durch Steuerflucht mindestens 40 Milliarden &euro; \/ Jahr, wahrscheinlich aber 50 Milliarden pro Jahr entgehen. Jedenfalls 10 oder 20 Milliarden mehr als die Sparlast von 30 Milliarden &euro;, mit denen  die Franzosen zur Haushaltssanierung belastet werden sollen. <\/p><p>Worauf wartet die Regierung noch bei der &Uuml;bernahme der Erkenntnisse des Senatsberichts und bei der Einleitung einer breiten parlamentarischen Offensive im Kampf gegen die Finanzverbrechen?<\/p><p>Die Lekt&uuml;re der vielen Anh&ouml;rungen des Senats zeigt klar den Verlauf der Fronten: auf der einen Seite das von bestimmten hohen Beamten der Finanzverwaltung beg&uuml;nstigte Gesch&auml;ftsmilieu, das die Volksvertretung von oben herab behandelt und auf der anderen Seite alle die, die auf Ruck und Bewegung durch die neue Regierung hoffen&hellip;<br>\nUnsere beiden oben zitierten Kollegen Chavagneux und Palan verbrachten viel Zeit mit Senatoren, denen sie in Anh&ouml;rungen Graphiken und Schemata zur Erl&auml;uterung ihrer Untersuchungsergebnisse vorlegten. Nach Chavagnan verlautete aus Kreisen des frz. Finanzministeriums, sowohl bei Privatpersonen als auch bei multinationalen Unternehmen deckten Belgien, die Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg zusammen den Hauptanteil des franz&ouml;sischen Steuerbetrugs ab.<\/p><p>Der Betrug nistete sich demnach bei uns mitten in Europa ein, Belgien und Luxemburg waren Gr&uuml;ndungsmitglieder der EU-Vorl&auml;ufer-Organisationen. Alle Finanzinvestoren des amerikanischen Haushaltsdefizits haben ihren Sitz in Steuerparadiesen, die von Frankreichs Defizit besonders in Luxemburg, auf den Cayman-Islands und in Gro&szlig;britannien.<br>\nDie franz&ouml;sischen Senatoren h&ouml;rten auch den Finanzrichter  Renaud Van Ruymbeke an, der 1996 &ndash; mit anderen &ndash; einen Aufruf gegen die Verschleierung internationaler Finanztransaktionen durch Steuerparadiese verfasste (&bdquo;Genfer Appell&ldquo;).<br>\nVan Ruymbeke &auml;u&szlig;erte, damals habe er die Bemerkung eines Schweizer Kollegen nicht so ernst genommen, der sagte: &bdquo;Steuerbetrug ist ein Riesenproblem&ldquo;. 16 Jahre sp&auml;ter ist er der Meinung, &bdquo;Steuerbetrug ist eine Sache, die darin verborgene organisierte Kriminalit&auml;t eine andere. Selbst wenn organisierte Kriminalit&auml;t nur 1-5% der Steuerflucht ausmachen sollte, bedienen sich beide einer bestimmten Anzahl von Instrumenten, die mit Liberalismus oder Globalisierung zu tun haben. (&hellip;) Sobald Gelder die Staatsgrenzen &uuml;berschreiten, gilt das Gesetz des Dschungels.&ldquo;<\/p><p>Mediapart fr. versuchte seit seiner Gr&uuml;ndung 2008 diese Realit&auml;t offen zu legen. Offensichtlich gibt es bei den Protagonisten unserer spektakul&auml;rsten Recherchen keine hartgesottenen Kriminellen. Es waren Finanzbeamte oder mit Waffenbeschaffung befasste Beamte, Beamte im Verteidigungs- und im Wirtschaftsministerium. In der h&ouml;heren Gesellschaft etwa die Erbin von Liliane Bettencourt und Bettencourts Bekanntenkreis, Rechtsanw&auml;lte, Finanziers, Notare, gro&szlig;e Brauereibesitzer, Profi-Politiker; im international agierenden Finanznetz von Ziad Takiedienne traf man auf Fran&ccedil;ois L&eacute;otard (ehemaliger frz. Verteidigungsminister), Nicolas Bazire (die No. 2 der Arnault-Gruppe), Nicolas Sarkozy, Edouard Balladur (ehemaliger frz. Ministerpr&auml;sident), Jean-Francois Cop&eacute; (der sich zurzeit um den Parteivorsitz der nach Sarkozys Niederlage in die Opposition geratene UMP bewirbt) &hellip;<br>\nAuch wenn wir uns auf die Aff&auml;ren Karachi (Fregattengesch&auml;ft von Balladur\/Sarkozy), Woerth-Bettencourt und Takieddine konzentrierten (man k&ouml;nnte noch die Aff&auml;re Tapie anf&uuml;gen), so zeigten doch alle unsere Recherchen einen massiven Zugriff auf Steuerparadiese, die verbreitete Praxis von Steuerbetrug und Steuerflucht. Zusammengefasst k&ouml;nnte man sagen, in diesem privilegierten gesellschaftlichen Milieu Frankreichs ist Gesetzesbruch &uuml;bliche Praxis und mehr noch, wie selbstverst&auml;ndlich werden gesetzesbrecherische Praktiken in diesen Kreisen auch kulturell akzeptiert (siehe etwa unsere j&uuml;ngsten Enth&uuml;llungen zur Verbindung Takieddine &ndash; Barclays Bank).<\/p><p><strong>Der italienische Hilferuf gegen die &bdquo;obere Mafia&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der durch seinen juristischen Kampf als unabh&auml;ngiger Staatsanwalt ber&uuml;hmt gewordene Italiener Roberto Scarpinato erinnert gerne daran, dass die wirkliche Macht, die des Geldes und des Verbrechens sich vermischen, sich gegenseitig kontaktieren oder begegnen, immer eine obsz&ouml;ne Angelegenheit im wirklichen Sinne des Lateinischen &bdquo;ob scenum&ldquo;, also abseits der &ouml;ffentlichen B&uuml;hne. <\/p><p>Denn Geheimhaltung ist die Grund-Obsz&ouml;nit&auml;t der Macht, deshalb sind wir auch &uuml;ber das Bekanntwerden von Machenschaften so verbl&uuml;fft &ndash; egal ob es sich um die Mitschnitte des Hausverwalters im Hause Bettencourt oder um die in den Takiedinne-Dokumenten sich offenbarende Realit&auml;t geht, um Geldgier, Brutalit&auml;t und auch primitive Vulgarit&auml;t der Protagonisten. <\/p><p>Auf &ouml;ffentlicher B&uuml;hne bzw. im institutionellen Handlungsrahmen von &Auml;mtern hebt diese Macht gegen&uuml;ber der &Ouml;ffentlichkeit den Schein einer Vertretung allgemeiner Interessen hervor. Aber hinter der B&uuml;hne entwickeln die M&auml;chtigen, ohne jede Verstellung, eifrige Gesch&auml;ftigkeit, Tricks und Arrangements im Namen ihrer brutal-rohen eigenen Interessen.<br>\nMit seinem Buch &bdquo;Die R&uuml;ckkehr des Prinzen&ldquo; legt Scarpinato ein mit Leidenschaft und Zorn geschriebenes Buch von au&szlig;erordentlicher Qualit&auml;t &uuml;ber die &bdquo;Mafiotisierung&ldquo; einer deregulierten Welt vor. Das Buch scheint unverzichtbar, wenn man verstehen will, wie das Wort Mafia  zum Allerweltswort unserer heutigen Welt wurde. <\/p><p>In unserer Welt der Gegenwart werden aus der wuchernden Zunahme privater Interessen entstehende Interessenskonflikte unter dem Mantel des Allgemeininteresses bzw. des Gemeinwohls de facto institutionalisiert. So wird der Machtmissbrauch legitimiert, durch Gew&ouml;hnung oder Resignation. <\/p><p>Korruption als kulturell akzeptiertes Verhaltensmuster pr&auml;gt selbst die Aus&uuml;bung politischer Macht. Die Leitungs- und Verm&ouml;genseliten praktizieren Illegalit&auml;t zum eigenen Vorteile ohne irgendwelche Gewissensbisse.<\/p><p>Nach Scarpinato verbirgt sich hinter den aus kleinen Verh&auml;ltnissen stammenden Mafia-Killern, der &bdquo;milit&auml;rischen Mafia&ldquo;, von der die Medien berichten, die &bdquo;obere Mafia&ldquo;.<br>\nDas sind die Nutznie&szlig;er der Killer-Mafia, die Scarpinato unter Lebensgefahr in seinen Untersuchungen zu entlarven suchte: Politiker, Leute der besseren Gesellschaft und Finanziers.<\/p><p>&bdquo;Das mafi&ouml;se Italien kennt jeder&ldquo; schleudern sowohl Scarpinato als auch der Journalist Roberto Saviano (Autor des Buches &bdquo;Gomorra&ldquo;) Europa und der Welt ins Gesicht. Saviano wundert sich &uuml;ber Gleichg&uuml;ltigkeit und Sorglosigkeit der Franzosen gegen&uuml;ber der sehr konkreten Anwesenheit italienischer Mafia-Gruppen in Frankreich, die Hand in Hand gehe mit unserer Nachsicht gegen&uuml;ber der korsischen Kriminalit&auml;t.<\/p><p>In der Einleitung der franz&ouml;sischen Ausgabe seines Buches schreibt Saviano, &bdquo;Frankreich ist heute ein Umschlags-, Verhandlungs-, sowie Re-Investitionsplatz der Mafia und ein Platz f&uuml;r die Bildung krimineller Kartelle geworden&ldquo; und er wiederholt diese Botschaft in den Medien.<br>\nAber haupts&auml;chlich, meint Saviano, breite sich die untere Mafia mit ihren Praktiken auch in der  besseren Gesellschaft aus. So sei das internationale Bankensystem seit der Bankenkrise 2008 nicht sehr w&auml;hlerisch gewesen, wenn es darum ging, Verbrechergeld wei&szlig; zu waschen, um die eigenen Kassen mit neuer Liquidit&auml;t aufzufrischen.<br>\nDas hei&szlig;t aber auch, dass wir in Frankreich, mit keinen &ndash; wie in Italien &ndash; von der Exekutive unabh&auml;ngigen Staatsanw&auml;lten in der Problemwahrnehmung hinterher hinken.<br>\nDie fr&uuml;heren gro&szlig;en Worte Sarkozys zu Steuerparadiesen, deren schwarze Liste dann wie durch ein Wunder aufgehellt wurde, waren Begleitmusik zu einer allgemeinen Demobilisierung des franz&ouml;sischen Staates im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskriminalit&auml;t &ndash; egal wo. <\/p><p>Der zentrale franz&ouml;sische Antikorruptionsdienst  (SCPC), dessen Existenz fast in Vergessenheit geraten war, mutierte zu einer leeren Schale. Dieser Dienst ist jedenfalls, wie ihr Chef heute selbst sagt, eine machtlose Institution.<\/p><p>In diesem Jahr prangerte der frz. Rechnungshof hart die Schw&auml;chen von Tracfin als Finanzverwaltungsbeh&ouml;rde zur Bek&auml;mpfung der Geldw&auml;sche an. Und auch die OECD ist &uuml;ber das Nachhinken Frankreichs im Kampf gegen die internationale Korruption besorgt und wundert sich &uuml;ber die geringe Anzahl an untersuchten F&auml;llen sowie &uuml;ber das Ausbleiben von Sanktionen.<\/p><p>Zur gleichen Zeit nutzen jedoch die nicht gerade f&uuml;r konfiskatorischen Kollektivismus bekannten amerikanischen Beh&ouml;rden die Wirtschaftskrise zur St&auml;rkung ihres Kampfes gegen Steuerbetrug und Steuerflucht. <\/p><p>In ihrem Visier steht vor allem die Schweiz und ihre Banken, in denen heute &uuml;ber ein Drittel des fehlenden, weil zu ihnen umgeleiteten Weltreichtums deponiert ist. Im Namen staatlicher Souver&auml;nit&auml;t als Grundlage von Steuererhebung und Steuereintreibung schonen die amerikanischen Beh&ouml;rden keine am Wirtschaftsleben beteiligten Privaten, insbesondere die Schweizer UBS-Bank ist ins Visier der US-Justiz geraten. Zugleich startete Amerika ein Programm zur freiwilligen Selbstanzeige von Steuerbetr&uuml;gern. <\/p><p>Mehr als bisherige Justizverfahren l&ouml;ste an Schweizer Bankpl&auml;tzen der amerikanische <em>Foreign Account Tax Compliance Act<\/em> Panik aus, weil er Geldh&auml;user durch drohende US-Sanktionen zwingen wird, automatisch umfassend alle Informationen &uuml;ber amerikanische Konten in der Schweiz an die USA zu &uuml;bermitteln. Dieses amerikanische Finanzgesetz wird am 1. Januar 2013 in Kraft treten.<\/p><p><strong>Worauf wartet man noch?<\/strong><\/p><ul>\n<li>Worauf wartet man noch in Frankreich, es den USA gleich zu tun?<\/li>\n<li>Worauf wartet man bei der Aufnahme des Kampfes gegen Steuerflucht und Steueroasen? <\/li>\n<li>Worauf wartet man beim Boykott der Erteilung staatlicher Auftr&auml;ge an Gesellschaften, die Filialen in Steueroasen-Verbrecherh&ouml;llen unterhalten? <\/li>\n<li>Worauf wartet man noch, wenn die Steuern auf Unternehmensgewinne in Europa nur 25% betragen gegen&uuml;ber 40% in den USA? <\/li>\n<li>Worauf wartet man, wenn man wei&szlig;, dass in 30 Jahren bei Fortschreibung des Falls der Lohnquote bzw. entsprechendem Ansteigen der Gewinnquote rund 150% des gesamten (heutigen) europ&auml;ischen Sozialprodukts in die Finanzm&auml;rkte flie&szlig;en werden?\n<\/li>\n<li>Worauf wartet man, wenn man wei&szlig;, dass die industrielle Revolution mit ihrem aktuellen digitalen Motor die wirtschaftlichen Ungleichgewichte verst&auml;rken wird und wenn man wei&szlig;, dass die gro&szlig;en Oligopole voll auf Steuerparadiese setzen werden, um Steuern einzusparen?<\/li>\n<\/ul><p>Als Schlussfolgerung seiner Untersuchung &uuml;ber Steuerparadiese (Untertitel &bdquo;Untersuchung &uuml;ber die Verw&uuml;stungen der neoliberalen Finanzindustrie&ldquo;) warnt Nicholas Shaxson:<br>\n&bdquo;Die Steuerparadiese sind inzwischen der Faktor geworden, der bestimmt, wie politische und wirtschaftliche Macht in der heutigen Welt funktioniert. Sie erm&ouml;glichen Privatpersonen, Unternehmen und den reichsten L&auml;ndern die Aufrechterhaltung ihrer Privilegien, f&uuml;r die es keine vern&uuml;nftigen Gr&uuml;nde gibt.<br>\nSteuerparadiese sind das Theater, in dem Million&auml;re gegen Arme, Multinationale gegen B&uuml;rger und Oligarchien gegen Demokratien k&auml;mpfen und in dem jedes Mal die Reichen gewinnen&ldquo;.<\/p><p>Anders gesagt, wenn ihnen nicht entschlossen und kontinuierlich der Kampf angesagt wird, besteht keine M&ouml;glichkeit eine sozial progressive Politik durchzusetzen und noch weniger, den Nachweis einer solchen Politik als Politik-Option &uuml;berhaupt zu erbringen. Denn: der Gegner ist unredlich, arglistig, gewaltt&auml;tig und m&auml;chtig, ohne Grenzen und ohne Gewissen &ndash; ganz so wie das organisierte Verbrechen.<\/p><p><strong>Literaturangaben<\/strong><\/p><ul>\n<li>Morgenthau, Henry &bdquo;Note du Tr&eacute;sor sur la fraude et l&rsquo;&eacute;vasion fiscales&ldquo; in &bdquo;l&rsquo;Economie Politique&ldquo; 3\/2003, S. 63-71<\/li>\n<li>Roosevelt, Franklin D., frz. Version der Rede im Madison Square Garden am 31.10.1936 auf dem blog von Olivier Berruyer<\/li>\n<li>Bocquet, Eric  Untersuchungsakte im blog des frz. Senats unter <a href=\"http:\/\/blogs.senat.fr\/evasion-fiscale\/\">blogs.senat.fr\/&eacute;vasion-fiscale<\/a><\/li>\n<li>Chavagneux, Christian  Artikel seines blogs in mediapart.fr CCFD-Terre solidaire unter der Internetadresse <a href=\"http:\/\/www.ccfd-terresolidaire.org\">www.ccfd-terresolidaire.org<\/a><\/li>\n<li>Cypel, Sylvain   &bdquo;Mais qu&rsquo;allait faire Mitt Romney aux &icirc;les Caimans? &ldquo;, Le Monde vom 17.7.2012<\/li>\n<li>Mafia-Dokumentation der Zeitung Le Point &bdquo;Les mille et une vies de la veuve Casanova&ldquo; vom 16.8.2012<\/li>\n<li>Peillon, Antoine  Artikel seines blogs in <a href=\"http:\/\/www.mediapart.fr\">mediapart.fr<\/a><\/li>\n<li>Piketty, Thomas &bdquo;Roosevelt n&rsquo;&eacute;pargnait pas les riches&ldquo;, Artikel in der Pariser Tageszeitung &laquo;Lib&eacute;ration&raquo; vom 17.3.2009<\/li>\n<li>Perraud, Antoine &nbsp;&bdquo;Quand Hollande se d&eacute;finira&ldquo;, Artikel vom 1.9.2012 in <a href=\"http:\/\/www.mediapart.fr\">mediapart.fr<\/a><\/li>\n<li>Saviano, Roberto  &bdquo;Gomorra&rdquo;, Ets Gallimard 2009; &ldquo;Le combat continue&ldquo;, Ets Laffont 2012<\/li>\n<li>Scarpinato, Roberto &bdquo;Le Retour du Prince&ldquo;, Ets la Contre All&eacute;e 2012<\/li>\n<li>Shaxson, Nicholas &bdquo;The truth about tax havens&ldquo;, The Guardian vom 8.1.2011<\/li>\n<li>Tax Justice Network, unabh&auml;ngiges amerikanisches Netzwerk f&uuml;r Steuergerechtigkeit unter <a href=\"http:\/\/www.taxjustice.net\">www.taxjustice.net<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Edwy Plenel<\/strong>, Jahrgang 1952, von 1980 &ndash; 2005 Journalist in der Redaktion von Le Monde,<br>\n zuletzt als Redaktionsdirektor; 2008 Mitbegr&uuml;nder der unabh&auml;ngigen online-Zeitung mediapart.fr\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die versuchte Auswanderung des Inhabers des gr&ouml;&szlig;ten franz&ouml;sischen bzw. weltviertgr&ouml;&szlig;ten Verm&ouml;gensimperiums, Bernard Arnault, nach Belgien, liefert ein anschauliches Lehrst&uuml;ck daf&uuml;r, wie sich die Verh&auml;ltnisse inzwischen entwickelt haben.<br \/> Allen sp&auml;teren Dementis zum Trotz zeigt das Auswanderungsbegehren des uners&auml;ttlichen Milliard&auml;rs, dass zum Selbstl&auml;ufer gewordene Geldgier in ihrer Hartn&auml;ckigkeit, allgemein geltende Gesetze zu umgehen, die mutma&szlig;lichen Steuerfl&uuml;chtlinge in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14470\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[146,138,137],"tags":[1043,279],"class_list":["post-14470","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziale-gerechtigkeit","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","category-steuern-und-abgaben","tag-frankreich","tag-spitzensteuersatz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14470"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14470\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25866,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14470\/revisions\/25866"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14470"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14470"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}