{"id":144728,"date":"2026-01-13T10:50:11","date_gmt":"2026-01-13T09:50:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144728"},"modified":"2026-01-13T16:37:27","modified_gmt":"2026-01-13T15:37:27","slug":"die-usa-der-madman-und-der-kampf-gegen-den-machtverlust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144728","title":{"rendered":"Die USA, der \u201eMadman\u201c und der Kampf gegen den Machtverlust"},"content":{"rendered":"<p>Am 7. Januar kaperten die USA den unter russischer Flagge schippernden &Ouml;ltanker &bdquo;Marinera&ldquo; auf Hoher See im Nordatlantik. Dieser kam aus Venezuela. Wenige Tage zuvor &uuml;berfielen US-Truppen den souver&auml;nen Staat Venezuela, t&ouml;teten dabei eine Vielzahl des Wachpersonals des venezolanischen Staatschefs und verschleppten diesen in die USA, wo er vor Gericht gestellt wird, weil er gegen US-Gesetze und Sanktionen versto&szlig;en haben soll. Im Sommer beteiligten sich die USA an dem Angriff auf den Iran und versuchten, iranische Nuklearanlagen zu zerst&ouml;ren. Ende 2024 wurde v&ouml;llig &uuml;berraschend der syrische Pr&auml;sident Assad weggeputscht und floh nach Moskau. Insgesamt manifestiert sich eine wachsende milit&auml;rische Aktivit&auml;t der USA seit dem Amtsantritt Trumps. Wie sind diese milit&auml;rischen Angriffe unter geopolitischer Perspektive zu interpretieren? Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_595\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-144728-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260113_Die_USA_der_Madman_und_der_Kampf_gegen_den_Machtverlust_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260113_Die_USA_der_Madman_und_der_Kampf_gegen_den_Machtverlust_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260113_Die_USA_der_Madman_und_der_Kampf_gegen_den_Machtverlust_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260113_Die_USA_der_Madman_und_der_Kampf_gegen_den_Machtverlust_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=144728-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260113_Die_USA_der_Madman_und_der_Kampf_gegen_den_Machtverlust_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260113_Die_USA_der_Madman_und_der_Kampf_gegen_den_Machtverlust_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ende der westlichen Globaldominanz<\/strong><\/p><p>Die Entwicklungen weg von der unipolaren hin zur multipolaren Weltordnung reichen zur&uuml;ck bis in die Mitte der Nullerjahre. Mit der zunehmenden Kooperationsdichte Chinas und Russlands, dann Brasilien, Indien und schlie&szlig;lich S&uuml;dafrika wurde das BRICS-Format 2006 geschaffen. Wenige Jahre zuvor, 2001, wurde die Shanghai Organisation f&uuml;r Kooperation (SCO) auf Betreiben Chinas und Russlands gegr&uuml;ndet.<\/p><p>Diese sich vertiefenden Kooperationsformen sind als unmittelbare Reaktionen auf den westlichen Alleinvertretungsanspruch auf die F&uuml;hrung der Welt zu verstehen.<\/p><p><strong>Unipolares Intermezzo<\/strong><\/p><p>Nach dem Ende der bipolaren ideologischen Konfrontation 1989\/1991 sah sich der Westen als Sieger, was er faktisch auch gewesen ist. Aus diesem Sieg wurde der globale Gestaltungsanspruch, die &bdquo;neue Weltordnung&ldquo;, die &bdquo;Pax Americana&ldquo; begr&uuml;ndet. Osteuropa wurde komplett auf den Kopf gestellt. Die alten sozialistischen Eliten traten freiwillig &ndash; bis auf Rum&auml;nien &ndash; ab. Die neuen Eliten waren &uuml;berzeugte Westler oder wurden zu &uuml;berzeugten Westlern mit entsprechenden Projekten (beispielsweise &bdquo;Open Society Fundation&ldquo; von George Soros oder staatlich gef&ouml;rderte Young-Leader-Programme) gemacht. Das sozialistische Jugoslawien, welches seinen eigenen sozialistischen Weg, den Titoismus, ging, wurde durch innere Konflikte und &auml;u&szlig;ere, die Konflikte noch weiter anheizende Interventionen zerschlagen, kulminierend in dem von der NATO selbst mandatierten Angriffskrieg auf Rest-Jugoslawien 1999 und der erzwungenen Sezession des Kosovo, eines Landesteils Serbiens.<\/p><p>Die westliche Globaldominanz war auf ihrem H&ouml;hepunkt angelangt: Der rechtswidrige Angriff auf Jugoslawien und die Besetzung des Kosovo (Letzteres zwar legitimiert durch die UNO-Sicherheitsresolution 1244, jedoch seitens des Westens sehr eigenm&auml;chtig interpretiert) und die nachfolgende Sezession dieses urserbischen Gebietes waren eine US-Machtdemonstration: Wir k&ouml;nnen tun, was immer wir wollen &ndash; niemand hindert uns. Auch die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad blieb f&uuml;r die US-gef&uuml;hrte NATO folgenlos. Und die Kr&ouml;nung dieser Machtdemonstration waren die wiederholten Erkl&auml;rungen des westlichen Machtblocks w&auml;hrend des rechtswidrigen Angriffskrieges: Wir, die internationale Staatengemeinschaft &ndash; tats&auml;chlich nur die NATO-Staaten &ndash; tun dies und jenes, und obschon der Rest der Welt, die Mehrheit der Staaten dieser Welt, &uuml;berhaupt nicht gefragt wurde, wurde in ihrem Namen gesprochen. Schon damals gab es den Alleinvertretungsanspruch, schon damals wurden milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen zur Konsolidierung der &bdquo;Pax Americana&ldquo; ergriffen, wenn m&ouml;glich mit, wenn n&ouml;tig auch gegen das internationale Recht (Jugoslawien 1999 und Irak 2003, um nur die beiden gr&ouml;&szlig;ten Rechtsbr&uuml;che zu nennen). Einziger Unterschied: Diese rechtswidrigen Gewaltakte wurden noch mit &ndash; zwar f&uuml;r den aufmerksamen Beobachter durchsichtigen &ndash; menschenrechtlichen oder demokratief&ouml;rdernden Motiven bem&auml;ntelt. Die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt jedoch glaubte daran oder &auml;u&szlig;erte keine vernehmbare Kritik, womit der propagandistische Zweck erf&uuml;llt war.<\/p><p>Dieser Alleinvertretungsanspruch sowie die praktische Umsetzung desselben durch den von den USA gef&uuml;hrten Westen musste aus der Sicht der politikwissenschaftlichen Theorie des (Neo-)Realismus fr&uuml;her oder sp&auml;ter zu Reaktionen f&uuml;hren: Auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz 2007 kam es dann zu dem sichtbaren Bruch zwischen Russland und dem Westen. Putins Rede auf der Sicherheitskonferenz kann durchaus als Z&auml;sur, als Beginn der Abwendung Russlands vom Westen, als Eingest&auml;ndnis Russlands, dass Russland im Westen nicht erw&uuml;nscht ist, zumindest nicht als souver&auml;ner Staat mit eigenen au&szlig;enpolitischen Interessen, betrachtet werden. Russland und andere zu Gro&szlig;m&auml;chten heranwachsende Staaten wie Indien und China begannen, ihre Kooperationen trotz ihrer Binnenkonflikte zu intensivieren. Bereits in den 10er-Jahren fragte ich mich, ob das unweigerlich anstehende Aufbrechen der unipolaren Weltordnung durch neue, potente Akteure friedlich oder im Wesentlichen von milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen begleitet werden w&uuml;rde.<\/p><p>Die sozialistischen Staaten Osteuropas kollabierten ab Herbst 1989 wie Dominosteine. Die sozialistischen Entscheidungseliten hatten verstanden, dass sie das kommunistische Paradies nicht zu realisieren vermochten. Sie hatten ihre L&auml;nder wirtschaftlich, sozial und letztlich ideologisch gegen die Wand gefahren. Sie akzeptierten das Ende ihrer sozialistischen Experimente im Wesentlichen ohne Anwendung von Gewalt zur Aufrechterhaltung des Sozialismus. Sie &uuml;berlie&szlig;en neuen Eliten widerstandslos das Ruder. Es waren auf Verstand (sie hatten ihre Niederlage verstanden) und Vernunft (sie zogen die naheliegenden Schl&uuml;sse daraus) basierende Entscheidungen. Wird der Westen, wird Europa, werden die USA ihren eigenen relativen Machtverlust auch friedlich akzeptieren? K&auml;me eine Akzeptanz des relativen Machtverlustes, der Akzeptanz einer auf Gleichheit, nicht mehr auf Dominanz strukturierten Staatenwelt einer Kapitulation des westlichen zivilisatorischen und kulturellen &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hls gleich? Man darf nicht &uuml;bersehen: 600 Jahre europ&auml;ische und westliche Globaldominanz, eine Dominanz, in der alle globalen Strukturen vom Westen geschaffen oder dominiert wurden, f&uuml;hren zu einem ganz besonderen Selbstverst&auml;ndnis: Wir f&uuml;hren! Alles andere ist undenkbar: F&uuml;hren oder Untergang &ndash; etwas dazwischen gibt es scheinbar nicht.<\/p><p>Ist die unipolare Weltordnung eine M&auml;chtekonstellation gewesen, in der der Bruch des Internationalen Rechts gar nicht h&auml;tte vonn&ouml;ten sein m&uuml;ssen, um den eigenen Status als Supermacht mit verb&uuml;ndetem Anhang weiter zu konsolidieren, so ist nun das Ende der unipolaren Weltordnung anscheinend der Zeitpunkt, ab dem es in den Augen der USA wohl um alles geht &ndash; um zu sichern, was (Machtstatus und Einflussr&auml;ume) zu sichern noch m&ouml;glich ist. Um alles gehen bedeutet offensichtlich uneingeschr&auml;nkte, milit&auml;risch basierte Machtprojektion. Das Internationale, auf Frieden und Kooperation ausgerichtete Recht, die UNO-Charta, ist nun am Boden.<\/p><p><strong>Gewissheiten und Ungewissheiten &ndash; aktueller Stand<\/strong><\/p><p>Wie aber k&ouml;nnte das globale Absichern von Macht- und Einflussr&auml;umen im Rahmen der sich herausbildenden multipolaren Weltordnung sich abzeichnen? Festzustellen bleibt:<\/p><p>Erstens: Das Internationale Recht ist mausetot, mindestens aber wird es auf unabsehbare Zeit suspendiert sein. Wer seine nationale Sicherheit noch auf dieses Rechtskonstrukt aufbaut, statt auf eigene Sicherheitsmechanismen zu setzen, wird mehr denn je zum Spielball.<\/p><p>Zweitens: Das Ringen um Macht und Einflusssph&auml;ren wird mit Blut und Eisen in einer sich zunehmend anarchisierenden Staatenwelt ausgetragen statt mit auf Diplomatie basierender Suche nach Interessensausgleich. Das zeigen der Ukraine-Krieg Russlands sowie das milit&auml;rische Handeln der USA. Krieg und milit&auml;rische Gewalt sind nicht mehr die Ultima Ratio, sondern mindestens gleichberechtigtes oder sogar favorisiertes Instrument zur Gestaltung der Au&szlig;en-, Sicherheits- und Geopolitik. Im Falle Donald Trumps ist die Favorisierung dieses Instrumentes offenkundig, hat er doch auch bez&uuml;glich Venezuela feststellen k&ouml;nnen, dass eine kurze milit&auml;rische Aktion scheinbar die politischen Ziele schneller und umfassender erreichen m&ouml;ge als langwierige Verhandlungen mit st&ouml;rrischen Gespr&auml;chspartnern. Der zunehmend offensichtliche Erfolg dieses Regime Change &ndash; die venezolanischen Eliten scheinen sich dem Willen Washingtons zu beugen &ndash; macht Appetit auf mehr. Der n&auml;chste Eskalationsschritt und das Abtasten von Handlungsspielr&auml;umen, n&auml;mlich das Kapern des unter russischer Flagge fahrenden Tankers auf hoher See im n&ouml;rdlichen Atlantik und die bemerkenswert softe Reaktion aus Moskau, beweisen Trump einmal mehr: Gewalt lohnt sich. Aus dieser Erkenntnis heraus beabsichtigt Trump, den US-Milit&auml;retat von mittlerweile 901 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 1,5 Billionen (also um stolze 60 Prozent) im Jahr 2027 zu erh&ouml;hen.<\/p><p><strong>Akzeptanz kontinentaler Einflusssph&auml;ren oder fortgesetzter Kampf<\/strong><\/p><p>Eine Frage jedoch ist noch nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt: Werden die USA kontinentale Einflusssph&auml;ren akzeptieren oder werden sie versuchen, sich so viel wie m&ouml;glich vom globalen Kuchen zu sichern?<\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong>Monroe-Doktrin<\/strong><br>\nDie auch in der <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2025-National-Security-Strategy.pdf\">Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS)<\/a> besonders betonte Monroe-Doktrin, also die doktrin&auml;re Ablehnung au&szlig;eramerikanischer Einmischung in die Angelegenheiten des amerikanischen Doppelkontinents (laut NSS die westliche Hemisph&auml;re) hatte immer auch zwei Dimensionen:\n<p>Amerika &ndash; gemeint als Doppelkontinent &ndash; den Amerikanern. Und Amerika &ndash; als Doppelkontinent &ndash; den US-Amerikanern.<\/p>\n<p>Wie selbstverst&auml;ndlich diese Doktrin in ihrer zweiten Dimension auch von Trump verfolgt wird, zeigt die Anwendung der exterritorialen Jurisdiktion: US-Gesetze sollen auch internationale, also auch f&uuml;r andere Staaten und deren Staatsb&uuml;rger Geltung haben. Ironisch k&ouml;nnte man dies auch als das neue V&ouml;lkerrecht bezeichnen, mithin: US-Recht gleich V&ouml;lkerrecht. Wenn die USA also unilaterale Sanktionen, die ab einer gewissen Qualit&auml;t selbst v&ouml;lkerrechtswidrig sind, erlassen und Drittstaaten oder deren Staatsb&uuml;rger ebenfalls sanktionieren, die diese US-Sanktionen nicht respektieren, also Sekund&auml;rsanktionen gegen diese verh&auml;ngen oder gar Strafverfahren einleiten, dann ist das Rechtssystem einmal komplett umgedreht. Es ist das Recht des St&auml;rkeren, der den Schw&auml;cheren die rechtlichen Grundlagen f&uuml;r deren sodann souver&auml;nit&auml;tsfreie Existenz diktiert. Nichts anderes stellt der Fall Venezuela dar, wenn der amtierende Staatspr&auml;sident entf&uuml;hrt, vor ein US-amerikanisches Gericht gestellt und dar&uuml;ber hinaus erkl&auml;rt wird, Washington regiere auf unabsehbare Zeit nun Venezuela. Aber wird der imperialistische Anspruch der USA auf die westliche Hemisph&auml;re, also auf den amerikanischen Doppelkontinent &bdquo;begrenzt&ldquo; oder greift er dar&uuml;ber hinaus?<\/p><\/li>\n<li><strong>Maximaler Anteil am geopolitischen Kuchen?<\/strong><br>\nDas Kapern des unter russischer Flagge fahrenden Tankers auf hoher See im Nordatlantik durch die USA ist ein unvermittelter V&ouml;lkerrechtsbruch, vorausgesetzt, es g&auml;be das Internationale Recht noch. Es w&auml;re dann ein Versto&szlig; gegen das Gewaltverbot der UNO-Charta Artikel 2 Absatz 4, da die unter russischer Flagge fahrenden Schiffe die russische Staatszugeh&ouml;rigkeit [Art. 91 Abs. (1) Seerechts&uuml;bereinkommen der Vereinten Nationen] inneh&auml;tten und der &bdquo;ausschlie&szlig;lichen Hoheitsgewalt&ldquo; dieses Staates unterstehen [Artikel 92, Abs. (1) Seerechts&uuml;bereinkommen]. Es w&auml;re sodann ein Angriff auf die Souver&auml;nit&auml;t eines Staates und somit ein casus belli, ein Kriegsgrund f&uuml;r den Flaggenstaat. Die USA wiederum argumentieren, das Schiff sei davor staatenlos gewesen und unterliege US-Sanktionen. Nun, zu den US-Sanktionen ist alles gesagt. Was aber ist mit dem Hinweis der vorherigen Staatenlosigkeit des Schiffes? Zum Zeitpunkt des Kaperns war das Schiff nicht staatenlos, sondern besa&szlig; die russische Staatszugeh&ouml;rigkeit, und eine vorhergehende Staatenlosigkeit l&auml;sst sich nicht r&uuml;ckwirkend geltend machen.\n<p>Die Rechtslage ist also eindeutig &ndash; sollte man denken: Nicht so bei der &bdquo;Tagesschau&ldquo;, die den Vorfall mit einer faktisch legitimierenden Wortwahl darstellt: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/eilmeldung\/usa-oeltanker-100.html\">&bdquo;USA beschlagnahmen &Ouml;ltanker&ldquo;<\/a>. Die USA kapern nicht, wobei dieses Verb situationsgerecht w&auml;re, sondern &bdquo;beschlagnahmen&ldquo;, was einen legalen Akt darstellen soll. Laut Medienberichterstattung hatte Russland zwar ein U-Boot und andere Marinef&auml;higkeiten zum Schutze des Tankers entsandt. Und diese waren wohl auch in der N&auml;he des Schiffes, sch&uuml;tzten jedoch das Schiff nicht vor dem US-amerikanischen &Uuml;bergriff. Warum tat Russland das nicht? Wie auch immer die Antwort ausfallen mag, eines ist klar: Die USA haben Russlands Souver&auml;nit&auml;t vor den Augen der Welt verletzt und damit Russland eiskalt blo&szlig;gestellt. Das Nichthandeln Russlands, obschon es maritime F&auml;higkeiten vor Ort hatte, macht den Gesichtsverlust f&uuml;r Moskau vor den Augen der Welt vollst&auml;ndig.<\/p>\n<p>Und Trump? Nun, er hat einen weiteren Beweis daf&uuml;r, dass die anderen nur reden, er aber erfolgreich unter Zuhilfenahme von Gewalt und ohne Gegenwehr zu erfahren handeln kann. Eine positive Erfahrung, die sicherlich nicht dazu beitragen wird, dass Trump sich k&uuml;nftig zur&uuml;ckhalten wird &ndash; im Gegenteil. Das gilt auch f&uuml;r die Gr&ouml;nlandambitionen Trumps. Die Europ&auml;er werden im Falle einer milit&auml;risch gef&uuml;hrten Annexion der Insel seitens der USA nicht eingreifen, sie werden D&auml;nemarks Souver&auml;nit&auml;t <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/laschet-zu-groenland-europa-koennte-nicht-in-einen-krieg-gegen-die-usa-ziehen-100.html\">nicht milit&auml;risch verteidigen<\/a>. Das wei&szlig; Trump. Und w&auml;hrend die Europ&auml;er entschlossene Solidarit&auml;t mit D&auml;nemark suggerieren, hoffen sie vermutlich insgeheim, dass D&auml;nemark Gr&ouml;nland in einem gesichtswahrenden Verfahren von sich aus an die USA abtreten wird &ndash; sodann ihnen der Offenbarungseid erspart bleiben wird.<\/p>\n<p>Nicht minder wichtig an dem Vorfall mit dem russischen Tanker: Die USA handelten au&szlig;erhalb der &bdquo;westlichen Hemisph&auml;re&ldquo;, also au&szlig;erhalb des &bdquo;Geltungsbereichs&ldquo; der Monroe-Doktrin. Dies ist ein Indiz daf&uuml;r, dass die USA unter Trump nicht Willens zu sein scheinen, eine kontinentale Einflusssph&auml;ren-Doktrin zu akzeptieren, sondern durch ihr Handeln f&uuml;r sich den Anspruch formulieren, interkontinental, also weltweit so zu agieren. Die nun kursierende Donroe-Doktrin, also ein Wortspiel aus Monroe-Doktrin, das &bdquo;M&ldquo; ersetzt durch ein &bdquo;D&ldquo; (f&uuml;r Donald Trump), k&ouml;nnte ein Hinweis auf die r&auml;umliche Entgrenzung (&uuml;ber den amerikanischen Doppelkontinent hinaus) des US-Anspruchs sein.<\/p>\n<p>Der zw&ouml;lft&auml;gige Angriff auf den Iran &ndash; ein offizielles Mitglied der SCO und des BRICS-Formats &ndash; 2025 in Kooperation mit Israel ist ebenso ein klares Indiz f&uuml;r den fortgesetzten globalen F&uuml;hrungsanspruch der USA, wie auch die fortgesetzte Unterst&uuml;tzung der Ukraine oder die fortgesetzte milit&auml;rische Pr&auml;senz in Europa sowie in S&uuml;dostasien. Es handelt sich also nicht um einen partiellen Isolationismus (R&uuml;ckzug auf den amerikanischen Doppelkontinent) unter Trump, obschon manche Beobachter dies zun&auml;chst vermutet hatten, sondern um eine noch aggressivere, milit&auml;risch basierte Machtprojektion auf dem gesamten Globus. Besonders f&uuml;r die f&uuml;hrenden beiden SCO- und BRICS-Staaten Russland und China ist es eine Dem&uuml;tigung, dass eine raumfremde Macht auf dem asiatischen Kontinent Mitglieds- und Partnerstaaten milit&auml;risch angreift und diese beiden Staaten wie Schuljungen am Rande des Spielfeldes stehen l&auml;sst. Ihre M&ouml;glichkeiten sind tats&auml;chlich begrenzt, wollen sie keinen unmittelbaren Schlagabtausch mit Washington riskieren und damit das Tor zur H&ouml;lle &ouml;ffnen. Trump wei&szlig; das genau und folgt offensichtlich der &bdquo;Madman&ldquo;-Theorie.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Die &bdquo;Madman&ldquo;-Theorie<\/strong><\/p><p>Diese in der Theorie der internationalen Beziehungen verankerte, aber in der &Ouml;ffentlichkeit wenig bekannte Theorie besagt, dass sich ein Staatschef bewusst irre und somit unberechenbar (Madman = irrer Mann) gegen&uuml;ber anderen Staaten verh&auml;lt, um seine Ziele zu erreichen. Diese Unberechenbarkeit impliziert, zu suggerieren, dass der &bdquo;Madman&ldquo; sogar bereit sei, den eigenen Untergang bzw. die seines Staates zu riskieren, wenn die andere Seite nicht die Bedingungen\/Forderungen des &bdquo;Madman&ldquo; akzeptiert. Der &bdquo;Madman&ldquo; beh&auml;lt sodann die Eskalationsdominanz in dem Konflikt. Die &bdquo;Madman&ldquo;-Theorie funktioniert aber nur unter drei Voraussetzungen:<\/p><p>Erstens muss die irre Verhaltensweise des &bdquo;Madman&ldquo; glaubw&uuml;rdig sein &ndash; ob Trump diese Voraussetzung zu erf&uuml;llen vermag, muss ein jeder f&uuml;r sich beurteilen. Zweitens muss der irre Staatschef &uuml;ber starke milit&auml;rische F&auml;higkeiten verf&uuml;gen. Und drittens m&uuml;ssen auf der Gegenseite rationale und verantwortungsbewusste Staatschefs sein, die, um eine Katastrophe zu verhindern, nachgeben. Noch scheinen auf chinesischer und russischer Seite rationale Akteure die Entscheidungshoheit zu haben. Aber auch dort gibt es Falken in den Sicherheitsorganen, die anders handeln und die &bdquo;Madman&ldquo;-Theorie herausfordern wollen.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Mit dem Regime Change in Kiew 2014, dem in Syrien 2024, dem in Venezuela 2026, dem Bombardement Irans 2025 (diese rechtswidrigen Ma&szlig;nahmen wurden unter Trump wie auch den Demokraten noch vor dem ersten und zweiten Amtsantritt Trumps ergriffen) wird deutlich, dass die US-Administration &ndash; ungeachtet, ob unter Demokraten oder Republikanern &ndash; den geopolitischen Machtkampf zun&auml;chst auf die peripheren Verb&uuml;ndeten der beiden Gro&szlig;m&auml;chte China und Russland fokussiert &ndash; ihnen also ihre Verb&uuml;ndeten durch direkte milit&auml;rische Operationen wegzunehmen sucht bzw. dies gar gelingt. Mit anderen Worten, die USA zielen darauf ab, den Prozess hin zu einer multipolaren Weltordnung zumindest zu verlangsamen, indem den beiden Hauptprotagonisten f&uuml;r den Wandel der Welt die Partnerstaaten abhandenkommen. China und Russland schauen nahezu tatenlos zu, wie Trump sie weltweit vorf&uuml;hrt. Der Begleiteffekt wird sein, dass kleinere Staaten es sich nun zweimal &uuml;berlegen werden, auf den Zug einer multipolaren Welt unter russisch-chinesischer F&uuml;hrung aufzuspringen oder lieber die F&uuml;&szlig;e stillhalten bzw. wieder abspringen in der Hoffnung, dass der Trump-Sturm an ihnen vorbeigeht. Tats&auml;chlich f&uuml;hrt der Regime Change in Venezuela wie auch die schwierige Lage im Iran dazu, dass der globale Epochenwandel zwar nicht wieder umgekehrt werden kann, aber doch wichtige Partner Chinas und Russlands aus dem Spiel genommen werden, sodass der Prozess ins Stolpern kommen k&ouml;nnte.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock AI<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144328\">Der US-Angriff auf Venezuela und das internationale Recht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140348\">Republik Moldau &ndash; Ukraine 2.0? 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