{"id":14481,"date":"2012-09-19T09:40:51","date_gmt":"2012-09-19T07:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14481"},"modified":"2015-04-28T09:46:31","modified_gmt":"2015-04-28T07:46:31","slug":"imk-polarisierung-von-einkommen-destabilisiert-die-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14481","title":{"rendered":"IMK: Polarisierung von Einkommen destabilisiert die Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die privaten Verm&ouml;gen in Deutschland sind zunehmend ungleich verteilt. Das unterstreicht, nach verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen, auch der Entwurf f&uuml;r den neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die Einkommen haben sich ebenfalls stark auseinander entwickelt. Das ist nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem, zeigt eine aktuelle Untersuchung: Die zunehmende Ungleichheit in Deutschland und anderen Staaten hat die Finanz- und Wirtschaftskrise mit verursacht, die bis heute nachwirkt. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Till van Treeck vom Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung und Simon Sturn von der University of Massachusetts in Amherst.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\nMaterialien zur Armut, zusammengestellt von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn einem Punkt sind sich alle einig: Deutschland war in den vergangenen zehn Jahren zu einseitig auf seine Exporterfolge fokussiert, stellen Internationaler W&auml;hrungsfonds, OECD, EU-Kommission und Internationale Arbeitsorganisation (ILO) unisono in aktuellen Analysen fest. Die Krise im Euroraum zeige die Negativwirkungen dieser Strategie auf &ndash; und n&ouml;tige Alternativen: Eine st&auml;rkere Binnennachfrage in der Bundesrepublik w&uuml;rde dabei helfen, in Europa und der Welt die Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen zu verringern &ndash; und w&auml;re damit ein wichtiger Beitrag zur &Uuml;berwindung der Krise.<br>\nDaf&uuml;r m&uuml;sste Deutschland eines seiner Kernprobleme angehen: die rasant gewachsene Einkommensungleichheit, betonen van Treeck und Sturn. Die beiden &Ouml;konomen haben im Rahmen eines Forschungsprojektes der ILO die Effekte zunehmender Ungleichheit in verschiedenen L&auml;ndern analysiert, darunter auch in Deutschland. Sie werteten dazu eine Vielzahl wissenschaftlicher Quellen aus.<br>\nBislang konzentriere sich die Diskussion &uuml;ber Ungleichheit als eine der Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise vor allem auf die Vereinigten Staaten und die Schwellenl&auml;nder, allen voran China, erl&auml;utern Sturn und van Treeck. Doch zu den Kernproblemen der Eurozone, deren Krise von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ausgel&ouml;st wurde, z&auml;hle auch die wachsende Ungleichheit der Einkommen im gr&ouml;&szlig;ten Mitgliedsland Deutschland.<\/p><p>Seit der Jahrtausendwende sind die L&ouml;hne deutscher Arbeitnehmer kaum gestiegen, die Schere zwischen gro&szlig;en und kleinen Einkommen hat sich immer weiter ge&ouml;ffnet. Zwischen 2001 und 2007 sank die Lohnquote gemessen am Bruttoinlandsprodukt um mehr als f&uuml;nf Prozentpunkte. In den Jahren 1999 bis 2009 wuchs das verf&uuml;gbare Einkommen des reichsten Zehntels um 16,6 Prozent, das des &auml;rmsten Zehntels schrumpfte um 9,6 Prozent (siehe auch die Infografik im B&ouml;ckler Impuls 13\/2012; Link unten). Dabei war Deutschland laut Daten der Bundesbank bereits zum Start der W&auml;hrungsunion 1999 in hohem Ma&szlig;e wettbewerbsf&auml;hig, so die Forscher. Aufgrund der im europ&auml;ischen Vergleich weit unterdurchschnittlichen Lohnentwicklung konnte die deutsche Wirtschaft diesen Vorteil immer weiter ausbauen. Hingegen d&auml;mpften die schwache Reallohnentwicklung und die zunehmende Einkommensungleichheit die Binnennachfrage.<\/p><p>Als wesentlichen Faktor identifizieren van Treeck und Sturn dabei die Hartz-Reformen, die den Arbeitsmarkt flexibler machen sollten. Sie haben hierzulande das Wachstum des Niedriglohnsektors weiter angetrieben. Bis in die Mittelschicht breiteten sich ein Gef&uuml;hl der Unsicherheit und die Angst vor Jobverlust aus. Auch in den USA nahm die Einkommensungleichheit zu. Dort h&auml;uften viele B&uuml;rger immer h&ouml;here Schulden an &ndash; zum Beispiel, um sich trotz niedriger Einkommen ein Eigenheim leisten zu k&ouml;nnen. Damit st&uuml;tzte der private Konsum zwar die wirtschaftliche Entwicklung. Doch das Leistungsbilanzdefizit wuchs, die Hauskreditblase platzte &ndash; die Finanz- und Wirtschaftskrise nahm ihren Lauf.<\/p><p>Die Deutschen hingegen verschuldeten sich nicht, um trotz stagnierender Einkommen ihren Lebensstandard zu halten. Im Gegenteil: Sie sparten einen gr&ouml;&szlig;eren Teil ihres Einkommens. Diese typisch deutsche Reaktion ist auch dem typisch deutschen institutionellen Rahmen geschuldet, stellen die beiden Wissenschaftler fest:<\/p><ul>\n<li>Deutsche Arbeitnehmer arbeiten vielfach in hoch spezialisierten Industriezweigen und verf&uuml;gen &uuml;ber betriebsspezifisches Wissen. Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse sind stabiler als in den USA. Wenn Arbeitsmarktreformen Entlassungen erleichtern und zugleich die Ungleichheit steigt, bef&uuml;rchten Arbeitnehmer, dass sie im Falle eines Jobverlusts aufgrund ihrer Spezialisierung nur schwer anderweitig unterkommen und Einkommensverluste hinnehmen m&uuml;ssen. Die Konsequenz: Sie sparen.<\/li>\n<li>Weitere Reformen des Sozialstaats, wie die Teilprivatisierung der Altersrente, lie&szlig;en die Besch&auml;ftigten ebenfalls mehr Geld auf die hohe Kante legen.<\/li>\n<li>Erschwerend kommen die relativ niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen und der sehr gro&szlig;e Lohnabstand zu den M&auml;nnern hinzu: Die starke Ausbreitung von Minijobs gerade bei verheirateten Frauen bedeutet auch, dass diese vor allem &uuml;ber ihren Ehemann sozial abgesichert sind. Zugleich macht das Steuersystem es f&uuml;r sie finanziell unattraktiv, mehr zu arbeiten. In dieser Konstellation w&auml;re ein Jobverlust des Mannes umso dramatischer &ndash; was die Deutschen in Reaktion auf die steigende Ungleichheit und die Deregulierung des Arbeitsmarkts noch mehr sparen lie&szlig;.<\/li>\n<\/ul><p>All diese Faktoren lie&szlig;en die Binnennachfrage nicht mehr wachsen, macht die Analyse der Wissenschaftler deutlich. Seit der Jahrtausendwende speiste sich das deutsche Wirtschaftswachstum allein aus dem Export. Starker Export, schwache Inlandsnachfrage und hohe Sparquote verursachten einen dauerhaft hohen Leistungsbilanz&uuml;berschuss. Deutschland lebte damit auch von der &Uuml;berschussnachfrage der europ&auml;ischen Nachbarn. Diese speiste sich wiederum aus Kreditblasen, die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise platzten.<\/p><p>In Deutschland sollten Reformen deshalb darauf abzielen, die Einkommensungleichheit wieder zu reduzieren, empfehlen van Treeck und Sturn. Wichtig seien Lohnabschl&uuml;sse, die den Verteilungsspielraum ausnutzen, wie in j&uuml;ngster Zeit geschehen. Die Politik k&ouml;nne dies unterst&uuml;tzen, indem sie die Allgemeinverbindlicherkl&auml;rung von Tarifabschl&uuml;ssen erleichtert, die Arbeitsmarktreformen um einen gesetzlichen Mindestlohn erg&auml;nzt und die Leiharbeit eind&auml;mmt. Damit lie&szlig;en sich die schwache Konsumnachfrage und die starke Abh&auml;ngigkeit der Wirtschaft vom Export &uuml;berwinden &ndash; zum Wohle ganz Europas.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/38555_40935.htm\">Pressmitteilung IMK, Hans-B&ouml;ckler-Stiftung<\/a> <\/p><p>Drei Infografiken zum Download im B&ouml;ckler Impuls:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_boeckler_01.png\" alt=\"\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/hbs_showpicture.htm?id=40853&amp;chunk=1\">B&ouml;ckler Impuls<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_boeckler_02.png\" alt=\"\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/hbs_showpicture.htm?id=40854&amp;chunk=2\">B&ouml;ckler Impuls<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_boeckler_03.png\" alt=\"\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/hbs_showpicture.htm?id=40854&amp;chunk=3\">B&ouml;ckler Impuls<\/a> <\/p><p><strong>Siehe dazu auch:<\/strong><\/p><p><strong>Was der Armutsbericht &uuml;ber Deutschland verr&auml;t<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_armutsbericht.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_armutsbericht_small.png\" alt=\"\"><\/a><\/p><p>Die Reichsten werden immer reicher. Das geht aus dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor. Das private Nettoverm&ouml;gen hat sich allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erh&ouml;ht &ndash; allerdings ist der Wohlstand sehr ungleichm&auml;&szlig;ig verteilt. Die reichsten zehn Prozent der Deutschen verf&uuml;gen &uuml;ber mehr als die H&auml;lfte des Gesamtverm&ouml;gens, der unteren H&auml;lfte der Haushalte bleibt gerade mal ein Prozent. Und der Anteil des obersten Zehntels ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. 1998 belief er sich noch auf 45 Prozent, 2008 lag er bereits bei mehr als 53 Prozent des Nettogesamtverm&ouml;gens. (&copy; SZ-Grafik)<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/bundesregierung-was-der-armutsbericht-ueber-deutschland-verraet-1.1470897\">SZ<\/a> <\/p><p>Weiter berichtet die SZ aus dem ihr vorliegenden, jedoch noch nicht ver&ouml;ffentlichten 4. Armuts-Reichtumsbericht:<\/p><ul>\n<li>dass die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Hartz IV leben m&uuml;ssen, ist von 2007 bis 2011 um 236.000 zur&uuml;ckgegangen sei. Man h&auml;tte sich allerdings gerne die Angabe der absoluten Zahl bzw. den Prozentanteil dieser Gruppe, die von Hartz IV leben muss gew&uuml;nscht. Nach Angaben der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit von Anfang dieses Jahres lebten mehr als 1,6 Millionen Kinder in Deutschland von Hartz 4, das ist jedes siebte Kind, in Ostdeutschland oder z.B. im Ruhrgebiet sogar jedes vierte, in Berlin jedes dritte (<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/hartz-4\/kinder-armut-in-berlin-und-bei-alleinerziehenden-am-hoechsten-22896882.bild.html\">33,6 Prozent<\/a>)\n<p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_haushaltseinkommen.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_haushaltseinkommen_small.png\" alt=\"\"><\/a><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article109313940\/Die-grosse-Neiddebatte-um-das-Geld-der-Reichen.html\">Welt.de<\/a><\/p><\/li>\n<li>dass sich die Zahl der Betreuungspl&auml;tze f&uuml;r Kinder ab einem Jahr seit 2006 verdoppelt h&auml;tte. Auch hier fehlt die absolute Zahl und der Versorgungsgrade. Nach Angaben des BMFSF lagt die Betreuungsquote bei unter Dreij&auml;hrigen im M&auml;rz 2011 bei 25,4 Prozent (20 Prozent West, 49 Prozent Ost). Angestrebt ist, dass ab August 2013 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsplatz angeboten werden k&ouml;nnen soll. Die eingesetzten Mittel f&uuml;r fr&uuml;hkindliche Betreuung f&uuml;r Kinder unter 6 Jahren beliefen sich auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandproduktes, das sei immer noch &bdquo;weit unterdurchschnittlich&ldquo;,  in L&auml;ndern wie D&auml;nemark oder Schweden betrage dieser Anteil das Dreifache,<\/li>\n<li>dass der Anteil der Sch&uuml;ler, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss schaffen von 7,7 Prozent im Jahr 2007 auf 6,5 Prozent 2010 zur&uuml;ckgegangen sei und dass nach wie vor die Bildungschancen von Kindern in Deutschland sehr stark davon abh&auml;ngig seien, was die Eltern gelernt h&auml;tten und welches Haushaltseinkommen sie erzielten,<\/li>\n<li>dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2007 um 40 Prozent auf 1,06 Millionen im Jahresdurchschnitt 2011 zur&uuml;ckgegangen sei und dass es bei den im Ausland geborenen Zuwanderern im Vergleich zu anderen Industrienationen einen besonders starken R&uuml;ckgang gebe. Bekannt ist allerdings auch, dass diese Statistik t&auml;uscht. 1,4 Millionen Menschen sind von der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit 2011 als nicht mehr langzeitarbeitslos gef&uuml;hrt worden, sei es weil sie etwa wegen Krankheit als arbeitsunf&auml;hig gelten (35 Prozent), weil sie wegen &bdquo;fehlender Verf&uuml;gbarkeit oder Mitwirkung&ldquo; nicht mehr als jobsuchend gelten (11 Prozent) oder weil sie in &bdquo;arbeitsmarktpolitischen Ma&szlig;nahmen&ldquo;, also <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Statistik-vertuscht-Probleme-article5366946.html\">etwa Ein-Euro-Jobs ober in Umschulungsma&szlig;nahmen sind (23 Prozent)<\/a>,<\/li>\n<li>dass sich der Anteil der atypischen Besch&auml;ftigung (Teilzeitstellen bis 20 Wochenstunden oder Minijobs) binnen zehn Jahren von 20 auf 25 Prozent erh&ouml;ht habe. Diese Zunahme sei aber nicht auf Kosten normaler Arbeitsverh&auml;ltnisse gegangen. Im Umkehrschluss hei&szlig;t das allerdings, dass ein erheblicher Anteil des Zuwachses an Arbeitspl&auml;tzen der atypischen Besch&auml;ftigung geschuldet ist. F&uuml;r 2010 ermittelte das Statistische Bundesamt, dass die atypische Besch&auml;ftigung gut <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2011\/07\/PD11_270_132.html\">75 % zum Gesamtzuwachs der Zahl abh&auml;ngig Besch&auml;ftigter beitrug<\/a>. Vor kurzem berichtete das Statistische Bundesamt, dass die Zahl der atypisch Besch&auml;ftigten mit 7,918 Millionen einen neuen H&ouml;chststand erreicht habe und dass <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14017\">knapp 2 Millionen Menschen in der zur&uuml;ckliegenden Dekade in atypischer Besch&auml;ftigung gelandet seien<\/a><\/li>\n<li>dass derzeit &bdquo;nur&ldquo; 2,45 Prozent der &uuml;ber 65-J&auml;hrigen auf staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen seien, aber immerhin liege ihr Risiko aber bei 14,7 Prozent,<\/li>\n<li>dass bei den Geringverdienern die Sorge bestehe, dass sich zus&auml;tzliche Vorsorge trotz langer Lebensleistung nicht lohnen k&ouml;nnte, weil Einkommen aus einer zus&auml;tzlichen Altersvorsorge im Alter mit der Grundsicherung verrechnet werde. Siehe jedoch die sog. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14316\">Rentenschock-Tabelle<\/a>&ldquo;.<\/li>\n<\/ul><p>In einem weiteren Beitrag berichtet die SZ, dass die <strong><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/neuer-armuts-und-reichtumsbericht-der-bundesregierung-reiche-trotz-finanzkrise-immer-reicher-1.1470673\">Reichen trotz Finanzkrise immer reicher<\/a><\/strong> w&uuml;rden. Der private Reichtum werde immer gr&ouml;&szlig;er, das Verm&ouml;gen des Staates hingegen kleiner. Die SZ zitiert aus dem Bericht des Arbeitsministeriums: &ldquo;W&auml;hrend das Nettoverm&ouml;gen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um &uuml;ber 800 Milliarden Euro zur&uuml;ckging, hat sich das Nettoverm&ouml;gen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt.&rdquo; Im Zuge der Rettungsma&szlig;nahmen anl&auml;sslich der Finanz- und Wirtschaftskrise sei &ldquo;eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar&rdquo;.<\/p><p>Das private Nettoverm&ouml;gen h&auml;tte sich nach den Regierungsangaben allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erh&ouml;ht. Weiter berichtet die SZ: Hinter diesen Zahlen stecke jedoch auch &ldquo;eine sehr ungleiche Verteilung der Privatverm&ouml;gen&rdquo;. So vereinten &ldquo;die verm&ouml;gensst&auml;rksten zehn Prozent der Haushalte &uuml;ber die H&auml;lfte des gesamten Nettoverm&ouml;gens auf sich&rdquo;. Der Anteil dieses obersten Zehntels sei dabei &ldquo;im Zeitverlauf immer weiter gestiegen&rdquo;. 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den H&auml;nden dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtverm&ouml;gens. Die untere H&auml;lfte der Haushalte verf&uuml;ge &uuml;ber nur gut ein Prozent des gesamten Nettoverm&ouml;gens, hei&szlig;t es in dem Bericht weiter.<\/p><p>Zur Lohnentwicklung berichtet die SZ: Gro&szlig;e Unterschiede verzeichne die Analyse auch bei der Lohnentwicklung: Sie sei &ldquo;im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend&rdquo; gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbesch&auml;ftigten h&auml;tten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen m&uuml;ssen. &ldquo;Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bev&ouml;lkerung&rdquo;, werde dazu angemerkt.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_bruttoerwerbseinkommen.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120919_bruttoerwerbseinkommen_small.png\" alt=\"\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article109313940\/Die-grosse-Neiddebatte-um-das-Geld-der-Reichen.html\">Welt.de<\/a><\/p><p>Die FAZ macht aus dem ern&uuml;chternden Bericht die Schlagzeile:<br>\n<strong>Die Deutschen werden immer Reicher<\/strong><br>\nDie wirtschaftsliberale Zeitung berichtet zuerst: Auch nach der Finanzkrise h&auml;tten sich die Verm&ouml;gen der Deutschen gut erholt. Zwischen 2007 und 2012 hab das private Nettoverm&ouml;gen &ndash; dazu geh&ouml;ren etwa Immobilien, Bauland, Geldanlagen oder Anspr&uuml;che aus Betriebsrenten &ndash; den Angaben zufolge um 1,4 Billionen Euro zugelegt. &bdquo;Zahlen zur Ungleichheit gibt es in dem Bericht auch.&ldquo;<\/p><p>Die reaktion&auml;re &bdquo;Welt&ldquo; sieht darin: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article109313940\/Die-grosse-Neiddebatte-um-das-Geld-der-Reichen.html\">Die gro&szlig;e Neiddebatte um das Geld der Reichen<\/a>&ldquo;<br>\nHier findet man auch das gesamte Arsenal der Rechtfertigung der Spaltung zwischen arm und reich:<\/p><ul>\n<li>Eine Verm&ouml;genssteuer w&uuml;rde zu Kapitalflucht f&uuml;hren und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen schw&auml;chen.<\/li>\n<li>H&uuml;ther vom Arbeitgeber-Institut der deutschen Wirtschaft  (IW) sieht den R&uuml;ckgang des staatlichen und den Anstieg des privaten Nettoverm&ouml;gens positiv, denn der Staat sei nicht der bessere Unternehmer.<\/li>\n<li>Und der Chef des Post-Instituts Zukunft der Arbeit (IZA), Zimmermann,  lobt das wachsende Privatverm&ouml;gen, denn angesichts der Alterung der Gesellschaft m&uuml;ssten die Deutschen vorsorgen. (Wer hier vorsorgt, interessiert ihn nicht.)<\/li>\n<\/ul><p><strong>Siehe aber auch den Kommentar:<\/strong><\/p><p><strong>So asozial ist Deutschland<\/strong><br>\nWer den Armuts- und Reichtumsbericht studiert, bekommt den Eindruck, dass in Deutschland wieder ein Klassensystem entsteht. Schuld daran ist nicht nur die Union &ndash; sondern auch die SPD. Ein Kommentar von Hans Peter Sch&uuml;tz<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/reiche-werden-immer-reicher-so-asozial-ist-deutschland-1896555.html\">stern<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers G.B.:<\/strong> Mal sehen wie die Urfassung das Bundessozialministeriums im Laufe der Ressortabfassung wieder gesch&ouml;nt wird. Schon beim 3. Armuts- und Reichtumsbericht waren gute Tabelle der ersten beiden Berichte nicht mehr drin..<\/em><br>\n<em>Dazu kommt nat&uuml;rlich das Problem der Reichtumsmessung (Ehrlichkeit; Bewertung von Luxusg&uuml;tern, wie Gem&auml;lden; Kleinst-Stichprobe ohne reelle Hochrechnungsm&ouml;glichkeit;&hellip;) Die letzten DIW-Berichte haben ja aus zwei Quellen deutlich unterschiedliche Zahlen bekommen.<\/em><\/p><p><strong>Siehe zum Thema Armut<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.der-paritaetische.de\/armutsbericht2011\">Armutsbericht des Parit&auml;tischen Wohlfahrtsverband 2011<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/kontrovers---das-aktuelle-thema-neue-armut-in-deutschland.html#forschungsberichte-armut-reichtum\">Forschungsberichte und Gutachten zu den Armuts- und Reichtumsberichten der Bundesregierung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/09\/PD12_315_221.html;jsessionid=C59BC141080D3DB8D4EE214111736E1D.cae2\">Statistisches Bundesamt: Armutsgef&auml;hrdung in den meisten Bundesl&auml;ndern gestiegen<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Till van Treeck, Simon Sturn: Income inequality as a cause of the Great Recession? A survey of current debates, International Labour Office, Genf, 16. August 2012. <a href=\"http:\/\/www.ilo.org\/wcmsp5\/groups\/public\/---ed_protect\/---protrav\/---travail\/documents\/publication\/wcms_187497.pdf\">Download [PDF &ndash; 3.5 MB]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die privaten Verm&ouml;gen in Deutschland sind zunehmend ungleich verteilt. Das unterstreicht, nach verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen, auch der Entwurf f&uuml;r den neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die Einkommen haben sich ebenfalls stark auseinander entwickelt. Das ist nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem, zeigt eine aktuelle Untersuchung: Die zunehmende Ungleichheit in Deutschland und anderen Staaten hat die Finanz-<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14481\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[140,146,132],"tags":[1383,453],"class_list":["post-14481","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-soziale-gerechtigkeit","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-armuts-und-reichtumsbericht","tag-hans-boeckler-stiftung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14481"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14487,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14481\/revisions\/14487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}