{"id":144963,"date":"2026-01-19T10:00:36","date_gmt":"2026-01-19T09:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144963"},"modified":"2026-01-19T15:19:44","modified_gmt":"2026-01-19T14:19:44","slug":"deutschland-macht-sich-damit-gemein-mit-israelischen-verbrechen-interview-mit-shir-hever-zum-deutsch-israelischen-cyberpakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144963","title":{"rendered":"\u201eDeutschland macht sich damit gemein mit israelischen Verbrechen\u201c \u2013 Interview mit Shir Hever zum deutsch-israelischen Cyberpakt"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem neuen &bdquo;Cyber- und Sicherheitspakt&ldquo; vertieft die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit Israel in sensiblen Bereichen wie Cyberabwehr, Polizei und Geheimdienste. Das Abkommen wurde am 11. Januar 2026 vom deutschen Innenminister Dobrindt mit Israels Premierminister Netanjahu abgeschlossen &ndash; trotz breit dokumentierter v&ouml;lkerrechtswidriger Taten der israelischen Sicherheitskr&auml;fte in den besetzten Gebieten, u.a. Massent&ouml;tung von Zivilisten, und der Tatsache, dass der israelische Premier &bdquo;wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit&rdquo; per internationalem Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht wird (ausf&uuml;hrlich zum Abkommen und den Hintergr&uuml;nden <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144827\">hier<\/a>. Im Interview sprechen wir mit dem israelischen Polit&ouml;konomen und Friedensforscher <strong>Shir Hever<\/strong> &uuml;ber die politische, rechtliche und gesellschaftliche Bedeutung dieser verst&auml;rkten Kooperation. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Maike Gosch.<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6274\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-144963-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119_Deutschland_macht_sich_damit_gemein_mit_israelischen_Verbrechen_Interview_mit_Shir_Hever_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119_Deutschland_macht_sich_damit_gemein_mit_israelischen_Verbrechen_Interview_mit_Shir_Hever_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119_Deutschland_macht_sich_damit_gemein_mit_israelischen_Verbrechen_Interview_mit_Shir_Hever_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119_Deutschland_macht_sich_damit_gemein_mit_israelischen_Verbrechen_Interview_mit_Shir_Hever_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=144963-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119_Deutschland_macht_sich_damit_gemein_mit_israelischen_Verbrechen_Interview_mit_Shir_Hever_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260119_Deutschland_macht_sich_damit_gemein_mit_israelischen_Verbrechen_Interview_mit_Shir_Hever_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Zur Person: Shir Hever arbeitet unter anderem zur politischen &Ouml;konomie der israelischen Besatzung, zu R&uuml;stungs- und Sicherheitskooperationen sowie zu den Auswirkungen von Milit&auml;r- und &Uuml;berwachungstechnologien auf demokratische Gesellschaften. Er lebt in Deutschland und ist regelm&auml;&szlig;iger kritischer Analytiker der deutsch-israelischen Sicherheitsbeziehungen.<\/em><\/p><p><strong>Maike Gosch: Laut <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Deutschland-und-Israel-vereinbaren-weitreichende-Sicherheitskooperation-11138428.html\">Presseberichten<\/a> haben Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Israels Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanjahu am 11. Januar 2026 in Jerusalem ein weitreichendes Abkommen zur Sicherheitszusammenarbeit unterzeichnet. Der sogenannte &bdquo;Cyber- und Sicherheitspakt&ldquo; sieht eine engere Zusammenarbeit in mehreren Bereichen vor, darunter die gemeinsame Drohnenabwehr, die Bek&auml;mpfung von Cyberangriffen, der Einsatz k&uuml;nstlicher Intelligenz gegen Desinformation sowie der Zivil- und Bev&ouml;lkerungsschutz. Dobrindt &auml;u&szlig;erte sich dazu folgenderma&szlig;en: &bdquo;Israel ist einer unserer wichtigsten Partner im Bereich Cybersicherheit und wird mit diesem Abkommen unser Premiumpartner.&ldquo; Was ist Ihre Einsch&auml;tzung hierzu, auch aus v&ouml;lkerrechtlicher Sicht?<\/strong><\/p><p><strong>Shir Hever:<\/strong> Solche Abkommen hat es bereits viele gegeben, und dies ist keineswegs das erste seiner Art. In der Regel stellen Regierungen diese Vereinbarungen weit gr&ouml;&szlig;er dar, als sie inhaltlich tats&auml;chlich sind. Man m&ouml;chte &ouml;ffentlich verk&uuml;nden: <em>&bdquo;Wir haben ein neues, wichtiges Abkommen geschlossen.&ldquo;<\/em> F&uuml;r Israel ist das besonders wichtig, weil es damit signalisieren kann: <em>&bdquo;Wir sind noch kein Paria-Staat, es gibt noch Staaten in der Welt, die bereit sind, mit uns zu sprechen &ndash; wie Deutschland.&ldquo;<\/em> &ndash; nur Deutschland eigentlich. Entsprechend wird das Abkommen als etwas Gro&szlig;es inszeniert. Aber ich glaube, inhaltlich ist es nicht besonders neu und auch nicht besonders innovativ. Seine eigentliche Bedeutung erh&auml;lt es erst durch den politischen Kontext, in dem es geschlossen wurde.<\/p><p>Vor allem hat sich die Kriegsf&uuml;hrung ver&auml;ndert. Cyberaspekte von Sicherheit spielen heute eine zentrale Rolle in Kriegen, f&uuml;r die Sicherheit von Staaten und f&uuml;r ihre Souver&auml;nit&auml;t. Israel nutzt Cyberinstrumente, um Menschen im Iran, im Libanon und in Pal&auml;stina zu t&ouml;ten &ndash; es geht dabei um konkrete Lebensgefahr. Vor diesem Hintergrund ist es ein Anachronismus, dass auf deutscher Seite ein Innenminister, Alexander Dobrindt, dieses Abkommen unterzeichnet hat, denn tats&auml;chlich geht es hier um Verteidigung und um Waffen, nicht um klassische Polizeiarbeit. Das ist ein grundlegender Punkt, den man klar benennen muss.<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em><strong>In diesem Sinne ist das Abkommen eindeutig v&ouml;lkerrechtswidrig.&ldquo;<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote><p>Bezogen auf Ihre konkrete Frage: Dieses Abkommen ist illegal. Was Deutschland hier tut, verst&ouml;&szlig;t gegen das V&ouml;lkerrecht. Am 19. Juli 2024 hat der Internationale Gerichtshof in einem Gutachten festgestellt, dass die israelische Besatzung insgesamt illegal ist &ndash; nicht nur in Bezug auf Gaza, sondern grunds&auml;tzlich. Daraus folgt, dass es Drittstaaten und Unternehmen verboten ist, mit israelischen Firmen oder staatlichen Institutionen zu kooperieren, wenn diese Zusammenarbeit die Besatzung betrifft. Jeder Cyber- oder Sicherheitstechnologieeinsatz, den Israel im Westjordanland, in Gaza oder auf den Golanh&ouml;hen nutzt, f&auml;llt darunter. Deutschland darf sich daran nicht beteiligen. In diesem Sinne ist das Abkommen eindeutig v&ouml;lkerrechtswidrig.<\/p><p>Zweitens: Minister Dobrindt musste nach Jerusalem reisen, um dieses Abkommen zu unterzeichnen. Warum ist Netanjahu nicht zu ihm nach Deutschland gereist? Der Grund ist klar: Gegen ihn liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Dieser Haftbefehl ist auch in Deutschland g&uuml;ltig, also auf deutschem Staatsgebiet vollstreckbar. Das bedeutet: Was Dobrindt hier tut, ist Komplizenschaft. Er erm&ouml;glicht, dass Netanjahu nicht verhaftet wird, obwohl es &ndash; auf deutschem Staatsgebiet &ndash; seine Pflicht als Innenminister w&auml;re, genau das zu tun. Statt Netanjahu festzunehmen, reist er nach Jerusalem, um ihn dort zu treffen. Aus juristischer Perspektive ist das &auml;u&szlig;erst problematisch. Deutschland macht sich damit gemein mit israelischen Verbrechen.<\/p><p>Ein zus&auml;tzlicher Aspekt ist noch interessant: In den internationalen Beziehungen gibt es bestimmte Normen und Traditionen, wie solche Treffen ablaufen. Wenn ein Minister einen diplomatischen Termin wahrnimmt, sollte dieser auch auf Ministerebene stattfinden. Das hei&szlig;t: Dobrindt h&auml;tte sich offiziell mit seinem israelischen Amtskollegen treffen m&uuml;ssen. Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir jedoch war Mitglied einer Organisation, die in Israel als terroristisch verboten ist. Er hat genozidale, rassistische und menschenverachtende &Auml;u&szlig;erungen get&auml;tigt und wird daf&uuml;r in verschiedenen L&auml;ndern sanktioniert, unter anderem in der Europ&auml;ischen Union. In Deutschland w&uuml;rde man f&uuml;r solche &Auml;u&szlig;erungen im Gef&auml;ngnis landen &ndash; das ist sehr klar. Er hatte auch damals &ouml;ffentlich zur Ermordung des israelischen Ministerpr&auml;sidenten Jitzchak Rabin aufgerufen und immer wieder zu Gewalt &ndash; nicht nur gegen Pal&auml;stinenserinnen und Pal&auml;stinenser, sondern auch gegen J&uuml;dinnen und Juden. Damals wurde er nicht bestraft, weil er minderj&auml;hrig war. Heute erh&auml;lt er weiterhin Unterst&uuml;tzung von Personen wie Meir Kahane und Baruch Goldstein, also den schlimmsten Vertretern j&uuml;discher Vorherrschaftsideologie und terroristischer Gewalt in der Geschichte. Das ist seine politische Linie. H&auml;tte Dobrindt sich mit Itamar Ben-Gvir getroffen und w&auml;re davon ein Foto ver&ouml;ffentlicht worden, w&auml;re das vermutlich f&uuml;r Dobrindt das Ende seiner politischen Karriere gewesen.<\/p><p>Innerhalb Israels gibt es zudem erhebliche Probleme: Der Oberste Gerichtshof erw&auml;gt, Ben-Gvir aus seinem Amt zu entlassen, weil er seine Macht als Polizeiminister missbraucht hat. Er benutzt die israelische Polizei wie seine eigene Nationalgarde, um seine politischen Ziele zu erreichen &ndash; etwa, um oppositionelle Proteste anzugreifen. Er erlaubt nur Demonstrationen, die ihm politisch genehm sind, nicht aber linke oder Anti-Kriegs-Proteste.<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em><strong>Dobrindt hat also in jedem Fall einem wegen Kriegsverbrechen Angeklagten die Hand gereicht.&ldquo;<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote><p>Vielleicht dachte Dobrindt deshalb, es sei politisch weniger problematisch, sich mit Netanjahu fotografieren zu lassen statt mit Ben-Gvir. Das war, glaube ich, eine Fehleinsch&auml;tzung. Netanjahu hat ebenfalls zu V&ouml;lkermord aufgerufen, und auch gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor. Dobrindt hat also in jedem Fall einem wegen Kriegsverbrechen Angeklagten die Hand gereicht. Aber innerhalb Israels kann Netanjahu nun sagen: <em>&sbquo;Seht her, ich kann weiterhin internationale Abkommen abschlie&szlig;en, obwohl ich unter massiven Vorw&uuml;rfen stehe und obwohl der Internationale Strafgerichtshof gegen mich vorgeht.&lsquo;<\/em> Insofern ist dieses Abkommen politisch sehr n&uuml;tzlich f&uuml;r Netanjahu.<\/p><p>Aus deutscher Perspektive f&auml;llt es mir schwer, zu verstehen, warum Dobrindt sich auf ein solches Abkommen eingelassen hat. Ich glaube, Israel hat hier gezielt einen Hype, also Propaganda genutzt, um sich als weltweiten Experten f&uuml;r Cybertechnologie darzustellen. Dabei muss man sehr konkret fragen: Worin besteht diese angebliche Expertise eigentlich? Es geht um Spionagesoftware, um Programme wie Pegasus. Das sind Technologien, die faktisch Waffen darstellen. Pegasus und &auml;hnliche Programme verschiedener israelischer Firmen sind Technologien, die sich kaum auf demokratische Weise einsetzen lassen.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie das erl&auml;utern?<\/strong><\/p><p>Die USA haben diese Technologie. China und Russland haben diese Technologie. Aber Israel ist der einzige Staat, der bereit ist, solche Technologie zu verkaufen. Pegasus wurde sogar an Deutschland verkauft &ndash; an das Bundeskriminalamt (BKA). Es gibt einen Bericht dar&uuml;ber von der PEGA-Kommission. Diese wurde vom EU-Parlament eingesetzt, um zu untersuchen, ob und wie diese Technologie Menschen- und B&uuml;rgerrechte in Europa gef&auml;hrdet, und die PEGA-Kommission hat entschieden, dass das BKA diese Technologie nicht h&auml;tte kaufen d&uuml;rfen, weil es sich um Spionagesoftware handelt, die extrem tief in die Rechte der B&uuml;rger eingreift und das Recht auf Datenschutz verletzt. Da es keine Achtung vor dem Datenschutz gibt, ist es so: Wenn ein Richter sagt, die Polizei hat das Recht, eine bestimmte Person in einem bestimmten Zeitraum zu &uuml;berwachen, dann gilt das nur in diesem Rahmen. Wenn man jedoch diese Programme nutzt, bekommt man alle Informationen &ndash; auch von anderen Menschen und auch &uuml;ber einen viel gr&ouml;&szlig;eren Zeitraum &ndash;, und das ist rechtswidrig.<\/p><p>Das geht also weit &uuml;ber das hinaus, was der richterliche Beschluss erlaubt hat. Deswegen hat das BKA am Anfang gesagt, dass das BKA dieses Programm so nicht kaufen k&ouml;nne. Die israelische Firma, die <em>NSO Group<\/em> hei&szlig;t, hat jedoch gesagt, dass sie die Technologie nicht &auml;ndern k&ouml;nne. Die Technologie ist im Kern so gef&auml;hrlich.<\/p><p>Am Ende wurde trotzdem ein Abkommen geschlossen, bei dem die <em>NSO Group<\/em> eine technische Kontrolll&ouml;sung entwickelt hat, um zu erreichen, dass ein Teil der Informationen, die &uuml;ber den richterlich genehmigten Rahmen hinaus gesammelt werden, f&uuml;r die deutsche Polizei nicht sichtbar ist. Das bedeutet, dass die Regulierung der deutschen Polizei durch private israelische Firmen erfolgt &ndash; und das ist nat&uuml;rlich eine antidemokratische Entscheidung. Deshalb hat sich auch die PEGA-Untersuchungskommission des Europ&auml;ischen Parlaments damit befasst und dar&uuml;ber berichtet. Das stellt eine gro&szlig;e Gefahr f&uuml;r alle Staatsb&uuml;rgerinnen und Staatsb&uuml;rger in Deutschland dar.<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em><strong>Man m&uuml;sste vielmehr Mechanismen entwickeln, um sich gegen israelische Cybertechnologien zu sch&uuml;tzen, und nicht, um sich mit israelischen Cybertechnologien zu sch&uuml;tzen.&ldquo;<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote><p>Pegasus wurde sogar in Deutschland, auf deutschem Boden, verwendet &ndash; zum Beispiel in Berlin <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/artikel\/pressemitteilungen\/776\/russische-exil-journalistin-uberwacht\">gegen eine russische Journalistin<\/a>, die kritisch gegen&uuml;ber Putin ist und in Berlin Zuflucht gefunden hatte. Trotzdem wurde sie dort mit dieser Cyberwaffe angegriffen, die von einer israelischen Firma verkauft wurde. Das hei&szlig;t, Deutschland macht dieses Gesch&auml;ft mit dem falschen Partner. Man m&uuml;sste vielmehr Mechanismen entwickeln, um sich <strong>gegen<\/strong> israelische Cybertechnologien zu sch&uuml;tzen, und nicht, um sich <strong>mit<\/strong> israelischen Cybertechnologien zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>Und was wir Mitte September 2024 gesehen haben &ndash; also in genau der Zeit, nachdem der Internationale Gerichtshof festgestellt hatte, dass die Besatzung illegal ist und die Vereinten Nationen das in der Generalversammlung best&auml;tigt haben und Konsequenzen gefordert haben &ndash;, ist Folgendes: Israel hat im Libanon die Pager-Angriffe durchgef&uuml;hrt.<\/p><p>Dabei wurden Sprengs&auml;tze in zivile elektronische Ger&auml;te eingebaut. Das verst&ouml;&szlig;t gegen das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht, insbesondere gegen das Verbot, Waffen in zivilen Objekten zu verstecken, wie es sich aus Artikel 7 Absatz 2 des ge&auml;nderten Protokolls II (1996) zum VN-Waffen&uuml;bereinkommen &uuml;ber bestimmte konventionelle Waffen (CCW) <a href=\"https:\/\/www.justsecurity.org\/103184\/amended-protocol-booby-traps-pagers\/\">ergibt<\/a>.<\/p><p>Und dann k&ouml;nnen wir sehen, dass die CDU so zynisch geworden ist, dass sie nicht sagen: <em>&sbquo;Solche Technologien sind illegal und gef&auml;hrlich, wir m&uuml;ssen uns dagegen wehren und deutsche Staatsb&uuml;rgerinnen und Staatsb&uuml;rger vor solchen Technologien sch&uuml;tzen.&lsquo;<\/em> Stattdessen wirkt dieser Schritt so, als w&uuml;rden sie sagen: <em>&sbquo;Wir wollen das auch haben.&lsquo;<\/em> Also: <em>&sbquo;Wir sind begeistert, dass Israel das tun kann, wie toll, dass Israel Attentate gegen Menschen durchf&uuml;hren kann.&lsquo;<\/em> Das finde ich besorgniserregend und traurig.<\/p><p><strong>Weiter hie&szlig; es in der Berichterstattung, dass das Abkommen die Einrichtung eines gemeinsamen deutsch-israelischen Zentrums f&uuml;r KI- und Cyberinnovation vorsieht. Au&szlig;erdem hat Alexander Dobrindt eine verst&auml;rkte Zusammenarbeit der Geheimdienste angek&uuml;ndigt. Dabei soll es um den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad und den deutschen Bundesnachrichtendienst gehen. Dazu h&auml;tte ich gern Ihre Einsch&auml;tzung, denn mehrere Punkte erscheinen mir hier problematisch: Zum einen geht es um den Grundrechtsschutz in Deutschland f&uuml;r deutsche B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, gerade wenn man bedenkt, wie israelische Geheimdienste im Bereich Menschenrechte und Grundrechte agieren. Zum anderen stellt sich f&uuml;r mich die Frage der deutschen Souver&auml;nit&auml;t: Machen wir uns nicht sehr abh&auml;ngig von Israel, wenn wir uns milit&auml;risch, technisch und geheimdienstlich so stark vernetzen und die Systeme miteinander verflochten werden? Wir haben solche Verflechtungen ja bereits auch schon stark mit den USA und im Rahmen der NATO. Dadurch entsteht jedoch ein politischer &bdquo;Lock-in&ldquo;: Wenn es demokratisch einmal zu einem Kurswechsel gegen&uuml;ber Israel kommen sollte, lie&szlig;e sich das nur noch sehr schwer wieder entflechten. Also: Einerseits der Grundrechtsschutz, andererseits Souver&auml;nit&auml;t und politischer Lock-in &ndash; wie sehen Sie das?<\/strong><\/p><p>Lock-in ist ein gro&szlig;es Problem, vor allem bei komplexen Waffensystemen. Die Tatsache, dass die deutsche Armee Radarsysteme oder Raketen aus Israel kauft, bedeutet: Wenn die milit&auml;rische Zusammenarbeit gestoppt wird &ndash; und das ist nur eine Frage der Zeit, das muss geschehen, denn deutsche Beamtinnen und Beamte machen sich meiner Ansicht nach mitschuldig an Kriegsverbrechen &ndash;, dann wird zum Beispiel die deutsche Luftwaffe am Ende ohne Radare dastehen. Schade &ndash; aber mir ist wichtiger, dass das internationale V&ouml;lkerrecht beachtet wird. Also eigentlich nicht schade. Mir ist egal, wie viele Radare sie haben. Wichtig ist, dass Menschen nicht ermordet werden, mit israelischer Technologie oder mit irgendeiner anderen Technologie.<\/p><p>Die Zusammenarbeit von deutschen mit israelischen Geheimdiensten ist an sich nichts Neues &ndash; das gibt es schon seit Langem.<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em><strong>Das ist ein Angriff auf die Unabh&auml;ngigkeit und auf die ethischen Richtlinien deutscher Universit&auml;ten.&ldquo;<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote><p>Zu dem geplanten Cyber-Zentrum: Es geht hier nicht um ein Geheimdienstb&uuml;ro in irgendeinem Keller an einer unbekannten Adresse. Es geht um akademische Forschung. Und so macht die deutsche Regierung Universit&auml;ten in Deutschland m&ouml;glicherweise zu Komplizen bei Verbrechen gegen das internationale V&ouml;lkerrecht &ndash; und ich vermute, genau das ist es, was Israel will.<\/p><p>Israel will, dass an Universit&auml;ten, an denen es Professorinnen und Professoren f&uuml;r internationales V&ouml;lkerrecht gibt, die wissen, dass das illegal ist und nicht sein darf, trotzdem mitgemacht wird. Es gibt Studierendengruppen, die sagen: <em>&bdquo;Wir wollen das nicht.&ldquo;<\/em> Es gibt Proteste. Aber durch solche Kooperationsprojekte mit israelischen wissenschaftlichen Einrichtungen gibt es Jobs, es gibt Geld, es gibt Forschungsgelder. Und dann gibt es Professorinnen und Professoren und Studierende, deren Karriere oder Studium von dieser Zusammenarbeit abh&auml;ngt. Sie wollen dann keine Proteste auf dem Campus. Sie wollen lieber nicht h&ouml;ren, was die Ergebnisse israelischer Forschung und Entwicklung in Gaza anrichten. Und das ist ein echtes Problem. Das ist nicht nur eine einfache Zusammenarbeit, das ist ein Angriff auf die Unabh&auml;ngigkeit und auf die ethischen Richtlinien deutscher Universit&auml;ten.<\/p><p>Es gibt Universit&auml;ten mit Zivilklauseln, und es gibt leider auch Universit&auml;ten, die ihre Zivilklauseln nicht respektieren &ndash; wenn es um Israel geht. Und es gibt Druck auf Universit&auml;ten, diese Zivilklauseln aufzuheben, damit sie neue Forschungsprojekte und Gelder bekommen k&ouml;nnen. Die Universit&auml;ten brauchen dieses Geld, diese Forschungsgelder, und der Druck ist sehr gro&szlig;.<\/p><p>Zum Beispiel meine eigene Alma Mater, die Freie Universit&auml;t Berlin &ndash; ich sch&auml;me mich sehr, das zu sagen &ndash;, hat sehr viele Kooperationen mit israelischen arch&auml;ologischen Projekten in den besetzten Gebieten, aber auch mit Projekten zu Waffenentwicklung, zu Geheimdienstthemen und Cyberthemen, und sogar juristischer Forschung, bei der es &ndash; meiner Meinung nach &ndash; darum geht, Rechtfertigungen oder Argumentationslinien zu entwickeln, um israelische Kriegsverbrechen in Gaza zu relativieren oder die israelische Position vor dem Internationalen Gerichtshof zu st&auml;rken. Dazu gibt es ein ganzes <a href=\"https:\/\/bds-fu.de\/en\/report\/\">Dossier<\/a>, das auflistet, was die Freie Universit&auml;t aus meiner Sicht falsch macht.<\/p><p>Und auch an vielen anderen Universit&auml;ten in Deutschland gibt es Studierendengruppen oder Fakult&auml;ten, die an solchen Forschungen beteiligt sind: an der Universit&auml;t Hamburg zum Beispiel. Ich lebe jetzt in Karlsruhe, und das Karlsruher Institut f&uuml;r Technologie (KIT) &ndash; eine sehr technische Universit&auml;t &ndash; arbeitet sehr viel mit israelischer R&uuml;stungsforschung zusammen. Hier geht es nicht nur um theoretische Fragen wie Jura oder Geheimdienstforschung, sondern um Forschung mit sehr praktischen Konsequenzen: etwa die Entwicklung optischer Systeme f&uuml;r Raketen oder Fernsteuerungen f&uuml;r Bulldozer, die H&auml;user in Gaza zerst&ouml;ren. Diese Bulldozer werden ferngesteuert, sodass der Soldat die Menschen nicht sieht, die er vielleicht t&ouml;tet, w&auml;hrend der Bulldozer Wohnh&auml;user zerst&ouml;rt.<\/p><p><strong>Noch ein letzter Punkt aus der Berichterstattung. Da stand: Die Kooperation erstrecke sich auch auf Spezialeinheiten und Geheimdienste. Laut Medienberichten soll die deutsche Spezialeinheit GSG 9 k&uuml;nftig enger mit der israelischen Eliteeinheit <em>Yamam<\/em> trainieren. Yamam geh&ouml;rt zur israelischen Grenzpolizei, arbeitet mit dem Milit&auml;r und Geheimdiensten zusammen. Was k&ouml;nnen Sie uns zu dieser Einheit sagen, und was ist die Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit?<\/strong><\/p><p>Man muss hier einen Punkt kl&auml;ren: Was ist eigentlich mit der sogenannten &bdquo;israelischen Grenzpolizei&ldquo; gemeint? Wenn man &bdquo;Grenzpolizei&ldquo; h&ouml;rt, denkt man an Polizei, an Staatsgrenzen. Das ist hier nicht der Fall. Die sogenannte &bdquo;Grenzpolizei&ldquo; tr&auml;gt nur diesen Namen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine paramilit&auml;rische Einheit, bestehend aus jungen Menschen, die keine ordentliche Ausbildung wie Polizisten erhalten haben. Offiziell sind sie zwar dem Polizeiministerium unterstellt, aber sie sind mit automatischen Gewehren ausgestattet, mit gepanzerten Fahrzeugen. Das entspricht nicht dem, was man &uuml;blicherweise unter Polizei versteht. Normalerweise haben sie nichts mit israelischen Zivilistinnen und Zivilisten zu tun, obwohl sie offiziell als Polizei gelten. In Extremf&auml;llen jedoch &ndash; zum Beispiel, wenn Pal&auml;stinenserinnen und Pal&auml;stinenser mit israelischer Staatsangeh&ouml;rigkeit protestieren und die Regierung diese Proteste sehr hart unterdr&uuml;cken will &ndash; werden Einheiten wie <em>Yamam <\/em>oder andere Grenzpolizei-Einheiten geschickt. Denn diese Einheiten kommen mit milit&auml;rischer Gewalt. Sie sind viel brutaler als die zivile Polizei. Sie tragen andere Uniformen, und man sieht sofort: Sie sehen aus wie Soldaten.<\/p><p>Ich kann hier eine kurze Anekdote erz&auml;hlen: Es gab eine Demonstration in Tel Aviv vor der deutschen Botschaft. Eine kleine Gruppe von Israelis &ndash; vor allem j&uuml;dische Israelis &ndash; protestierte gegen die deutsche Botschaft wegen Beihilfe zum V&ouml;lkermord. Sie kritisierten Deutschland daf&uuml;r, dass es seiner Pflicht &ndash; insbesondere aus Artikel 25 des Grundgesetzes &ndash; nicht nachkomme. Daraufhin schickten die israelischen Beh&ouml;rden die Grenzpolizei. Das ist sehr ungew&ouml;hnlich, weil die Grenzpolizei normalerweise nicht im Zentrum von Tel Aviv eingesetzt wird. Aber hier wollten sie die Protestierenden mit gro&szlig;er Gewalt angreifen. Das war sehr brutal. Es gibt Videos von diesen Grenzpolizisten. Ich glaube allerdings, dass es in diesem Fall nicht <em>Yamam<\/em> war, sondern eine andere Einheit.<\/p><p><em>Yamam<\/em> ist eher daf&uuml;r bekannt, mit Motorr&auml;dern zu operieren, zum Beispiel bei Razzien in Beduinend&ouml;rfern: Sie brechen in H&auml;user ein, verhaften Menschen oder werfen sie gewaltsam aus ihren H&auml;usern &ndash; und anschlie&szlig;end werden die H&auml;user zerst&ouml;rt.<\/p><p><strong>Zus&auml;tzlich zu dieser geplanten Zusammenarbeit zwischen der GSG 9 und Yamman wurde Folgendes angek&uuml;ndigt, ich zitiere den <em><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland-und-israel-unterzeichnen-cyber-und-sicherheitspakt-a-bed53fe1-a89c-4981-816a-e425f2792863\">Spiegel<\/a><\/em>:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Deutschland werde zudem erstmals beim US-gef&uuml;hrten B&uuml;ro des Sicherheitskoordinators f&uuml;r Israel und die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde (OSC) in Jerusalem &raquo;mit in die F&uuml;hrung&laquo; gehen, erkl&auml;rte Dobrindt weiter. Diese Funktion werde der bisherige Pr&auml;sident der Spezialkr&auml;fte der Polizei in Deutschland, Olaf Lindner, &uuml;bernehmen. (&hellip;) Deutschland unterst&uuml;tzt schon seit vielen Jahren die Polizei in den pal&auml;stinensischen Gebieten, um dort zur Stabilisierung der Lage beizutragen. Deutschland wolle Israels Sicherheit mit gew&auml;hrleisten, sagte Dobrindt.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>Ich stelle mal eine etwas provokante Frage: Glauben Sie, dass diese Zusammenarbeit zwischen israelischen und deutschen Polizeikr&auml;ften zu einer besseren Einhaltung der Menschenrechte durch die israelischen Kr&auml;fte f&uuml;hrt oder eher zu einer Verrohung der deutschen Polizei, die dort vielleicht andere und h&auml;rtere Vorgehensweisen lernt?<\/strong><\/p><p>Hierzu eine Anekdote: Im Mai 2022 haben israelische Sicherheitskr&auml;fte die Al-Jazeera- Journalistin Shireen Abu Akleh ermordet. Wahrscheinlich wurde sie durch einen Scharfsch&uuml;tzen in den Kopf geschossen. An demselben Tag, als das geschehen ist, war Doron Turgeman, damaliger Chef der israelischen Polizei in Ostjerusalem, gerade in Berlin und leitete dort ein Seminar f&uuml;r die Berliner Polizei. Von Berlin aus gab er den Befehl, dass auf der Beerdigung von Shireen Abu Akleh keine pal&auml;stinensischen Fahnen gezeigt werden d&uuml;rften. Daraufhin st&uuml;rmte die israelische Polizei &ndash; hier ging es um Grenzpolizei &ndash; die Leichenhalle bei der Beerdigung, um zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob sich eine Fahne auf dem Sarg befand. Und dann, w&auml;hrend der anschlie&szlig;enden Trauerprozession mit dem Sarg, griffen sie die Trauernden an, um pal&auml;stinensische Fahnen zu entfernen. Doron Turgeman wurde dann sp&auml;ter in Israel kritisiert, dass er diesen Befehl gegeben hat, obwohl er in Berlin war und von dort aus nicht einsch&auml;tzen konnte, wie provokativ und gef&auml;hrlich dieser Befehl war und wie schlecht das in den internationalen Medien aussah.<\/p><p>Aber die Berliner Polizei hat von ihm viel gelernt. Genau in dieser Zeit &ndash; wir sprechen immer noch vom Mai 2022 &ndash; hat die Berliner Polizei in der ganzen Stadt &bdquo;Racial Profiling&ldquo; praktiziert. Wenn jemand mit einer Kufija oder einer pal&auml;stinensischen Fahne gesehen wurde, wurde diese Person von der Polizei angegangen. Ich kenne sogar jemanden, der im Krankenhaus gelandet ist, nur weil er eine Kufija trug. Er war allein. Die Polizei behauptete, das sei eine illegale &bdquo;Demonstration&ldquo; einer einzelnen Person gewesen.<\/p><p>Das ist das Ergebnis davon, wenn jemand wie Doron Turgeman ein Seminar f&uuml;r die Berliner Polizei geben darf. Ich sage nicht, dass die deutsche Polizei oder die Berliner Polizei kein &bdquo;Racial Profiling&ldquo; angewendet hat, bevor sie sich mit Israelis getroffen hat &ndash; es gibt meiner Meinung nach schon seit Langem Rassismus innerhalb der Polizei. Aber der Einfluss der Rechtfertigung durch die israelische Polizei ist entscheidend. Es wird vermittelt: &sbquo;Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir Menschen, die verd&auml;chtig aussehen &ndash; wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Kleidung oder ihrer Religion &ndash;, anders behandeln. Wenn man das nicht tut, dann ist man naiv.&lsquo; Eine solche Haltung, die bei der israelischen Polizei sehr &uuml;blich ist, hat &ndash; meiner Ansicht nach &ndash; negative Auswirkungen auf die Demokratie in Deutschland.<\/p><p><strong>Wir m&uuml;ssen hier sicher dazu sagen, dass daran viel Spekulation ist, weil wir nicht wissen, welche Inhalte das Seminar hatte, das Turgeman in Berlin gegeben hat und ob und wie es sich auf das Polizeiverhalten ausgewirkt hat.<\/strong><\/p><p>Vielleicht. Die israelischen Firmen sagen aber offen: Wir m&uuml;ssen &bdquo;Racial Profiling&ldquo; betreiben. In Bezug auf sie ist das gar keine Spekulation. Sie sagen: <em>&bdquo;In Deutschland glaubt man, man m&uuml;sse Menschenrechte achten, das ist naiv, und deshalb hat man keine Sicherheit. Man braucht uns.&ldquo;<\/em> Aus israelischer Sicht wird das sehr klar ge&auml;u&szlig;ert.<\/p><p><strong>Um mal in die andere Richtung zu schauen: Es wird gemeinsam trainiert, das hei&szlig;t, es kann einen Einfluss in Richtung Deutschland geben, aber es werden auch Deutsche dort ausbilden und an &Uuml;bungen teilnehmen. Glauben Sie, dass das irgendeine positive Auswirkung auf die israelischen Sicherheitskr&auml;fte haben kann? K&ouml;nnte das nicht auch der Gedanke auf deutscher Seite gewesen sein, zu sagen: Wir helfen dabei, bessere Standards in Israel durchzusetzen?<\/strong><\/p><p>Ich verstehe, warum Sie diese Frage vorhin provokativ genannt haben. Ich will hier kein gro&szlig;es Lob auf die demokratischen Werte der deutschen Polizei singen. Es gibt nat&uuml;rlich gro&szlig;e Unterschiede zwischen verschiedenen Polizeieinheiten in Deutschland. In Karlsruhe zum Beispiel ist die Polizei ganz anders als in Berlin, das merkt man deutlich.<\/p><p>Aber es gibt einen anderen Punkt, der f&uuml;r deutsche Polizistinnen und Polizisten sehr wichtig ist, die nach Israel gehen, um dort mit israelischen Polizeikr&auml;ften zu trainieren. Diese &Uuml;bungen finden nicht nur an einem neutralen Ort oder in einem Klassenzimmer statt. Es gibt auch physische Trainings, die in besetzten Gebieten durchgef&uuml;hrt werden. F&uuml;r die israelische Polizei gibt es viele wichtige St&uuml;tzpunkte im Westjordanland und nat&uuml;rlich in Ostjerusalem. Wenn ein deutscher Polizist an einer solchen &Uuml;bung teilnimmt, dann begeht dieser Polizist selbst m&ouml;glicherweise eine Straftat im Sinne des V&ouml;lkerrechts. Die Israelis werden den deutschen Polizeibeamten nicht mitteilen, wo die Grenze verl&auml;uft. Es liegt in der Verantwortung der Deutschen, sich zu weigern, mit ihren israelischen Kollegen im Bus &uuml;ber die &bdquo;Gr&uuml;ne Linie&ldquo; zu fahren, aber die Grenze ist nicht markiert [Anm. d. Red.: &bdquo;Gr&uuml;ne Linie&ldquo; wird in Israel die v&ouml;lkerrechtlich ma&szlig;gebliche Grenze zwischen Israel und den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten genannt].<\/p><p><strong>Wie waren denn die Reaktionen innerhalb Israels zu diesem Abkommen und zu der Zusammenarbeit? Wie wurde es dort besprochen?<\/strong><\/p><p>Es gab sehr wenig inhaltliche Reaktionen oder Kommentierungen dazu in den israelischen Medien. Das passiert &uuml;brigens auch in Deutschland. Viele Journalistinnen und Journalisten sind m&uuml;de, haben sehr viel Arbeit und nicht genug Zeit, gr&uuml;ndlich zu recherchieren. Wenn die Regierung eine Presseerkl&auml;rung verschickt, werden manchmal nur ein paar Worte ge&auml;ndert, und dann wird das ver&ouml;ffentlicht, als w&auml;re es ein Artikel. Das sehe ich hier ganz deutlich.<\/p><p>Das israelische Au&szlig;enministerium und das israelische Polizeiministerium wollten sagen: Schaut her, wir haben dieses wichtige Abkommen mit Deutschland geschlossen. Genau so wurde das dann auch in israelischen Zeitungen ver&ouml;ffentlicht. Aber viele Israelis &ndash; ich glaube, die gro&szlig;e Mehrheit &ndash; verstehen, dass die Regierung damit Propaganda macht und einfach sagen will: <em>&sbquo;Wir sind so wichtig, wir sind so gut.&lsquo;<\/em> Deswegen gab es zu dieser Meldung kaum eine inhaltliche Auseinandersetzung.<\/p><p>Es gab aber eine andere Form der Zusammenarbeit, die tats&auml;chlich eine Reaktion ausgel&ouml;st hat. Das war eine <a href=\"\">KI-Konferenz f&uuml;r Bildungssysteme<\/a> &ndash; also nicht f&uuml;r Sicherheit, sondern f&uuml;r den Bildungsbereich. Der israelische Bildungsminister hat f&uuml;r diese Konferenz hochrangige Beamtinnen und Beamte aus verschiedenen L&auml;ndern eingeladen, um dar&uuml;ber zu sprechen, wie KI in Schulen genutzt werden soll. Er hat sehr viele L&auml;nder eingeladen, etwa hundert oder so, aber nur sehr wenige haben zugesagt. L&auml;nder wie Togo oder Mikronesien haben best&auml;tigt, dass sie kommen. Dazu kamen noch zwei L&auml;nder, die nicht so klein oder weit entfernt sind: &Ouml;sterreich und Deutschland. Die israelische Zeitung <em><a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2026-01-01\/ty-article\/.premium\/israeli-education-ministry-invested-millions-in-ai-conference-that-no-one-will-attend\/0000019b-7998-d35d-a59b-7bbb7e3d0000\">Haaretz<\/a><\/em> schrieb dann sinngem&auml;&szlig;: Die einzigen L&auml;nder, die zu dieser Konferenz kommen wollen, sind unwichtige L&auml;nder wie Togo und die &bdquo;Schamstaaten&ldquo; &Ouml;sterreich und Deutschland. Viele Israelis sehen Deutschland also als einen &bdquo;Schamstaat&ldquo;, der also aus dem Gef&uuml;hl historischer Schuld alles f&uuml;r Israel tun w&uuml;rde. Das hei&szlig;t: Wenn Israel sagt, <em>&bdquo;Wir haben ein Sicherheitsabkommen mit Deutschland unterschrieben&ldquo;<\/em>, hat das f&uuml;r viele in Israel keine gro&szlig;e Bedeutung.<\/p><p><strong>In einem gro&szlig;en Teil der deutschen Berichterstattung dazu und in der Art, wie das Abkommen auch vom Ministerium f&uuml;r Inneres kommuniziert wird, entsteht der Eindruck, dass dieses Abkommen eine vollst&auml;ndige Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland einleiten soll &ndash; so, als w&auml;ren die letzten zwei oder drei Jahre gar nicht passiert. Es wird relativ deutlich, dass sowohl der Anschlag in Berlin auf das Stromnetz als auch die Unruhen im Iran genutzt werden, um einerseits ein starkes Bedrohungsszenario innerhalb Deutschlands zu zeichnen und andererseits Israel gewisserma&szlig;en von allem reinzuwaschen, was zuvor geschehen ist, und es wieder als verl&auml;sslichen Partner gegen &bdquo;Mullah-Regimes&ldquo; und &bdquo;islamistische Terroristen&ldquo; darzustellen. Glauben Sie, dass diese Normalisierung funktionieren wird? Und wie sehen Sie die weitere Entwicklung hierzu?<\/strong><\/p><p>Aus meiner Sicht hat die Normalisierung Israels von deutscher Seite eigentlich nie aufgeh&ouml;rt hat. Bei <em>Jung &amp; Naiv<\/em> gab es ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kFPnPiNkrd8\">Interview mit Olaf Scholz<\/a> vor den letzten Wahlen, mitten in dem, was ich als V&ouml;lkermord bezeichne. Er wurde gefragt, was mit den Kriegsverbrechen in Gaza sei, und Olaf Scholz hat seine Augen geschlossen und mit geschlossenen Augen in Bezug auf den V&ouml;lkermord-Vorwurf gegen Israel gesagt: <em>&bdquo;Davon gehe ich nicht aus.&ldquo;<\/em><\/p><p>Also: Normalisierung wovon? Das ist die eigentliche Frage. Wenn auf der politischen Ebene in Deutschland &ndash; also bei Beh&ouml;rden &ndash; Gesetze ignoriert werden, Fakten ignoriert werden und die Realit&auml;t ignoriert wird. Sie haben es am Anfang schon angesprochen: Es geht nicht nur um den Vorwurf des V&ouml;lkermords. Es geht darum, dass der Internationale Gerichtshof von einem plausiblen V&ouml;lkermord gesprochen hat. Die Vereinten Nationen haben das im Rahmen von Resolutionen und Debatten aufgegriffen. Das ist nicht nur ein Vorwurf, die Mehrheit aller L&auml;nder der Welt sieht das so. Deutschland behauptet trotzdem immer, man m&uuml;sse noch besser informiert werden. Aber was bedeutet das, wenn so viele andere L&auml;nder das bereits als plausiblen V&ouml;lkermord einordnen? Wie kann man &uuml;ber Normalisierung sprechen, wenn es von deutscher Seite auch zuvor schon keine Anerkennung daf&uuml;r gab, dass das, was Israel tut, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist?<\/p><p><strong>Maike Gosch:<\/strong> Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/p><p><small>Titelbild: FOTOGRIN \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144827\">Wieso unterzeichnet Innenminister Dobrindt &bdquo;Cyber- und Sicherheitspakt&ldquo; mit Netanyahu und nennt Israel &bdquo;Premiumpartner&ldquo;?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143130\">Bundesregierung verweigert Information zu israelischen Soldaten auf Fliegerhorst Holzdorf in Brandenburg: &bdquo;Vertrauliche Kooperation&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142844\">Deutsche R&uuml;stungsk&auml;ufe finanzieren israelischen V&ouml;lkermord<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140924\">Phase 2 des israelischen V&ouml;lkermords: Besetzung von 53 Prozent des Gazastreifens, Morde, Segregation und gelbe Linie<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/1a24e643d98b4218abc924f067c11787\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem neuen &bdquo;Cyber- und Sicherheitspakt&ldquo; vertieft die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit Israel in sensiblen Bereichen wie Cyberabwehr, Polizei und Geheimdienste. 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