{"id":144967,"date":"2026-01-19T11:00:30","date_gmt":"2026-01-19T10:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144967"},"modified":"2026-01-19T15:37:59","modified_gmt":"2026-01-19T14:37:59","slug":"schlechte-arbeitsmoral-merz-unzufriedenheit-mit-den-deutschen-weil-die-zu-wenig-einsatz-und-leistung-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144967","title":{"rendered":"Schlechte Arbeitsmoral \u2013 Merz&#8217; Unzufriedenheit mit den Deutschen, weil die zu wenig Einsatz und Leistung zeigen"},"content":{"rendered":"<p>Cleveres muss der Redenschreiber des Bundeskanzlers sich dabei gedacht haben, als er die Zeilen f&uuml;r die Neujahrsansprache von Friedrich Merz zum Empfang der Industrie- und Handelskammer in Halle-Dessau formulierte: Starke Worte, deutliche Aussagen, Wir-Gef&uuml;hl ausdr&uuml;cken, so wie &bdquo;in die H&auml;nde spucken&ldquo; und vor allem: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ziel: Im Sinne des Regierungschefs w&uuml;rden die Zuh&ouml;rer folgern, dass allein die, die, wie verlangt, in die H&auml;nde spucken und mehr als bisher leisten sollen, es so in den H&auml;nden haben, das Land &bdquo;wieder voranzubringen&ldquo;. Merz&rsquo; wahre Absichten sind aber andere, sein Handeln inakzeptabel, ist zu beobachten. Ihm geht es nur darum, zu fordern, statt selbst zu liefern. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2779\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-144967-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119-Merz-Unzufriedenheit-mit-den-Deutschen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119-Merz-Unzufriedenheit-mit-den-Deutschen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119-Merz-Unzufriedenheit-mit-den-Deutschen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119-Merz-Unzufriedenheit-mit-den-Deutschen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=144967-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260119-Merz-Unzufriedenheit-mit-den-Deutschen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260119-Merz-Unzufriedenheit-mit-den-Deutschen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vom eigenen Zutun, der eigenen Arbeit, klugen Regierungshandeln vernahm sich keine Zeile. Der Redenschreiber von Bundeskanzler Friedrich Merz lieferte geschickt, den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung verschleiernd, im Tonfall patriotisch, eifrig und ein &bdquo;Wir&ldquo; einf&uuml;gend. Dem unsrigen Kanzler sei indes gesagt: Nicht etwa mehr Arbeit bringt mehr und\/oder einen gesicherten Wohlstand (wobei die Frage erlaubt sein muss, wie der definiert sein soll). Eine soziale, umsichtige, faire Politik und Bedingungen, die die Deutschen mitnimmt, anstatt ihre Lebensleistungen zu missachten und f&uuml;r andere Zwecke zu missbrauchen &ndash; diese Mischung sorgt f&uuml;r Wohlergehen, materiell, finanziell, ideell.<\/p><p>Friedrich Merz und seine politischen Mitstreiter arbeiten jedoch anders, und zwar seit zig Jahren. Merz missversteht seinen Auftrag (oder handelt er richtig, im Sinn seiner Auftraggeber?). Er ist nicht, wenn er f&uuml;r die Deutschen da w&auml;re, in seiner Funktion in Amt, W&uuml;rde und Eid, um den Leuten deutlich zu sagen, was sie ertragen sollen, was sie tun sollen. Er ist auch nicht im Amt, um zu sagen, was sie nicht bekommen werden. Doch er handelt genau so.<\/p><p><strong>Was f&uuml;r eine Rede &ndash; keine, f&uuml;r die arbeitende Deutsche zuk&uuml;nftig gern ins Geschichtsbuch schauen<\/strong><\/p><p>Medien wie zum Beispiel <em>n-tv<\/em> berichteten, dass der Bundeskanzler bei einem Empfang m&auml;chtig Luft abgelassen und den Deutschen mal richtig kraftvoll gesagt hat, was Sache ist:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Arbeitsmentalit&auml;t in Deutschland getadelt und l&auml;ngere Arbeitszeiten angemahnt. &ldquo;Insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug&rdquo;, sagte Merz am Mittwoch in einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau.&rdquo; Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche l&auml;sst sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten &ndash; und deswegen m&uuml;ssen wir mehr arbeiten&rdquo;, f&uuml;gte er hinzu.<\/em><\/p>\n<p>    <em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merz-kritisiert-die-Arbeitsmoral-der-Deutschen-id30242973.html\">ntv<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Deutschen, die von der Politik hart arbeitend genannten Menschen also, seien demnach die Verursacher, dass die &bdquo;Leistung&ldquo; derzeit nicht stimme (Mentalit&auml;tsfrage) und deshalb der &bdquo;Wohlstand&ldquo; eben ohne etwas mehr von allem nicht zu erhalten sei. Wenn aber alle mehr zupackten, dann kriegten wir das schon hin, so schlussfolgerte wom&ouml;glich der Zuh&ouml;rer aus seinen Worten. Dem Kanzler sei widersprochen: Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche sind tats&auml;chlich Bestandteil des Wohlstands, sind verdiente Ergebnisse durch Arbeit und Fortschritt. Oder nicht? Menschen arbeiten, um zu leben, ja. Arbeit ist Teil des Lebens. Arbeit ist und kann erf&uuml;llend sein, vor allem, wenn sie wertgesch&auml;tzt und gebraucht wird. Wir leben aber nicht nur, um zu arbeiten, schon gar nicht, wenn Wertsch&auml;tzung, Motivation, faire Belohnung und Perspektiven fehlen.<\/p><p>Viele Deutsche, die mehr arbeiten sollen, haben von dem Mehrwert, der eventuell damit generiert wird, nichts. Sie sind Arbeiterklasse, sie leisten &bdquo;Erwerbsarbeit&ldquo;, sie m&uuml;ssen arbeiten gehen, um ihre Rechnungen zu bezahlen, und das f&auml;llt dank der herrschenden Politik in diesem Land zunehmend schwerer. Doch anstatt das anzuerkennen und Abhilfe anzuschieben, trat Merz nach und emp&ouml;rte sich vor der IHK:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Die Arbeitskosten in unserem Land sind einfach zu hoch, und wir m&uuml;ssen von diesem hohen Niveau runter&rdquo;, sagte er.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Seine Schlussfolgerung? Mehr arbeiten f&uuml;r das gleiche Geld, das br&auml;chte mehr Ertrag. Zu erg&auml;nzen w&auml;re: f&uuml;r die, die nicht Arbeitnehmer sind. Merz bejahte das, siehe Kosten:<\/p><blockquote><p><em>Merz forderte einen Wandel der Arbeitsmentalit&auml;t: &ldquo;Eine der besten M&ouml;glichkeiten, die Arbeitskosten zu senken, ist, dass wir uns alle gegenseitig versprechen, dass wir insgesamt wieder durch Mehrarbeit, durch mehr Leistung eine h&ouml;here volkswirtschaftliche Leistung in Deutschland erbringen.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Weil der Kanzler wohl gelernt hat &ndash; siehe Missverst&auml;ndnisse (Stadtbild und so) &ndash;, gestand er ein, dass er nicht alle Deutschen aus der flei&szlig;igen Arbeiterschaft meine. Stimmt schon, man denke nur mal an die vielen &Uuml;berstunden, das muss ebenfalls mal in aller Deutlichkeit gesagt werden:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Er wisse, &ldquo;wie anf&auml;llig f&uuml;r Missverst&auml;ndnisse solche Formulierungen sind&rdquo;, f&uuml;gte der Kanzler hinzu. Er verwies auf Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, &ldquo;die sehr viel Arbeit und auch sehr viele &Uuml;berstunden machen&rdquo;. Insgesamt m&uuml;ssten die Arbeitszeiten in Deutschland aber steigen.<\/em><\/p>\n<p>    <em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merz-kritisiert-die-Arbeitsmoral-der-Deutschen-id30242973.html\">ntv<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Da war doch mal was? 35-Stunden-Woche, Errungenschaften des wissenschaftlich-technischen Fortschritts &ndash; aber zu wessen Nutzen?<\/strong><\/p><p>CDU-Kanzler Friedrich Merz wird den legend&auml;ren Begriff &bdquo;35-Stunden-Woche&ldquo; nicht auf dem Schirm haben, sozialdemokratische Kollegen vielleicht. So gab es in den 1980er-Jahren mal einen Kampf der Arbeitnehmer f&uuml;r die 35-Stunden-Woche. Ziel war es, die w&ouml;chentliche Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich auf 35 Stunden zu verk&uuml;rzen, um die Belastungen zur&uuml;ckzufahren, damit mehr Lebensqualit&auml;t erzielt und mehr Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden. Wie es sich jedoch f&uuml;r einen Arbeitskampf im Kapitalismus geh&ouml;rte: Die Arbeitgeber wehrten sich mit Aussperrungen gegen Streikende, die dennoch lange Zeit durchhielten. Tats&auml;chlich wurde dann nach Jahren endlich in verschiedenen Branchen der Bundesrepublik (Beispiel Metallindustrie) nach und nach die 35-Stunden-Woche eingef&uuml;hrt. Ein bisschen Verteilungsgerechtigkeit zog ein.<\/p><p>Heutzutage findet sich &ndash; so &auml;ndern sich die Zeiten &ndash; nirgends mehr ein Plakat f&uuml;r die 35-Stunden-Woche. Und wenn, ja wenn doch mal &uuml;ber moderne Arbeitsabl&auml;ufe und Erleichterungen nachgedacht wird, man diese mit einer Vier-Tage-Woche realisieren kann und es tats&auml;chlich vision&auml;re Unternehmen gibt, die das machen, dann kommt der erzkonservative Kanzler mit seinen alten &Auml;rmel-umkrempel-Spr&uuml;chen.<\/p><p>Nicht nur das: In seiner Rede verkaufte Merz die Schleifung der sozialen Errungenschaft Arbeitszeitgesetz als Vorschlag zum Abbau von B&uuml;rokratie. Stimmt, die &bdquo;B&uuml;rokratie&ldquo; ist seit Langem im Land &uuml;berbordend und &uuml;bergriffig. Sie ist aber das Instrument, zu kontrollieren und die Einnahmenseite zu erh&ouml;hen, auf dass Vater Staat seine Politik abgewandt von den Menschen jahrein jahraus durchsetzen kann. Wie muss sich ein kleiner Handwerker, ein B&auml;cker oder ein Gastronom vorkommen, einerseits sogar gern mehr arbeiten zu wollen, andererseits in Folge mehr Nachweise, mehr Dokumentationen vorlegen, mehr Vorschriften beachten und, weil er ja mehr Umsatz erzielte, mehr Steuern zahlen zu m&uuml;ssen? F&uuml;r wessen Wohlstand?<\/p><p>Kanzler Merz wird sicher wissen, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt immer weitergeht. Ob er sieht, dass die damit einhergehenden Errungenschaften, M&ouml;glichkeiten und Aussichten weniger den Deutschen, die hart arbeiten, zugutekommen als denen, die Arbeitgeber sind? Diese sehen, dass mittels Automatisierung, Rationalisierung, Flexibilit&auml;t, Effizienzsteigerung usw. gern auch und zunehmend auf hart arbeitende, physische Arbeitskr&auml;fte verzichtet werden kann, nicht wahr? Gerade hat in Sachen &bdquo;Effizienzsteigerung&ldquo; ein Konzern in Erfurt praktisch vorgef&uuml;hrt, wie das l&auml;uft, auf dass die dort freigestellten Deutschen gar nicht mehr arbeiten m&uuml;ssen &ndash; ihnen wurde f&uuml;r langj&auml;hriges Ackern kurz und k&uuml;hl gedankt &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144588\">und tsch&uuml;ss<\/a>. Ob in Erfurt oder in anderen St&auml;dten im Land &ndash; das flei&szlig;ige, brave Engagement der Deutschen, der Arbeiterschaft wird abverlangt, und doch bleibt alles beim Alten. Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert.<\/p><p><strong>Einsatz fordern &ndash; doch was ist, wenn der flei&szlig;ige Deutsche gar nicht oder nur in Teilzeit zum Einsatz kommt?<\/strong><\/p><p>Ups, Merz&acute; Redenschreiber hat seine Zeilen f&uuml;r den Kanzler doch nicht ganz so fantasievoll und aktuell verfasst. Von wegen Order f&uuml;r 2026 und ab geht&rsquo;s. Merz hatte schon im Fr&uuml;hjahr 2025 gefordert:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Wir m&uuml;ssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten&rdquo; &ndash; die Marschrichtung, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Fr&uuml;hjahr beim Wirtschaftstag seiner Partei ausgab, ist deutlich.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Merz und seine Mannschaft haben, ach ist das ein Leichtes, die Deutschen als homogene Einheit in ihrer Vorstellung im Blick, denen beim Wirtschaftstag der CDU gleich noch eine weitere Kr&ouml;te verklickert wurde:<\/p><blockquote><p>\n    &bdquo;<em>Der demografische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumg&auml;nglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>    <em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/teilzeit-arbeitsmarkt-100.html\">Tagesschau<\/a><\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Sowohl die geforderte Mehr-Arbeit als auch die Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit blenden aber die unterschiedlichen Lebenssituationen der Deutschen, ihre Gestaltungsm&ouml;glichkeiten und den untauglichen Beitrag der Politik, Verursacher der Miseren, aus. Mit diesen &bdquo;Steigerungen&ldquo; w&uuml;rde vielmehr die Lebenserwartung sinken, und betreffs Demografie w&uuml;rden keine Ver&auml;nderungen erzielt (siehe die ohnehin niedrige Geburtenrate). Hart arbeitende Menschen &uuml;berlegen es sich dreimal, ob sie Kinder in diese widerspr&uuml;chliche, kostenintensive Welt setzen. Wie soll eine Mutter arbeiten oder sogar mehr arbeiten, wenn f&uuml;r ihr Kind dank der &bdquo;guten Politik&ldquo; kein Kindergartenplatz zu finden ist?<\/p><p>Egal. Merz hat mit seiner Forderung, ohne Lohnausgleich mehr und l&auml;nger zu arbeiten, einzig seine Klientel, die Arbeitgeberschaft auf dem Schirm.<\/p><p>Sein Schweigen &uuml;ber die tats&auml;chlichen Gr&uuml;nde von Wohlstandsgef&auml;hrdung, demografischen Wandlungen, Kosten, volkswirtschaftlichen Leistungen, die nicht zur Zufriedenheit der Regierung ausfallen, ist kalkuliert, eitel, peinlich, skandal&ouml;s. Gut, Merz wollte sich beim betreffenden IHK-Empfang nicht Asche aufs eigene Haupt streuen und etwa sagen: Stimmt, wir sehen eine hohe offene und verdeckte Arbeitslosigkeit, die Zahl der Firmeninsolvenzen steigt und steigt, die Preise in vielen Lebensbereichen ebenfalls. Wir kaufen lieber doppelt so teures, umweltsch&auml;dliches Gas von unseren amerikanischen Freunden (ups, ja, da gibt es gerade Problem mit der Partnerschaft). Im Supermarkt schn&uuml;ren viele den G&uuml;rtel enger, au&szlig;er die Monopolisten, die freudig Mitnahmeeffekte der Kostensteigerungen sehen und Kasse machen &ndash; aber so richtig.<\/p><p>Und dann erst: Wir r&uuml;sten auf, als g&auml;be es kein Morgen &ndash; als w&uuml;rde dieser einst beginnen mit einer Radiodurchsage, dass wir uns im Krieg befinden. Dann haben wir wohl die st&auml;rkste Armee, hurra!<\/p><p>Das mit dem Fachkr&auml;ftemangel, das stimmt ebenfalls nicht so ganz. Es gibt viele sehr gut qualifizierte Deutsche, allein wollen die halt nicht f&uuml;r schlechtes Geld so ran wie gefordert. Die, die arbeiten, sehen sich latent damit konfrontiert, das ihr Lohn (Kosten f&uuml;r die Arbeitgeber) zu hoch sei, dass der Mindestlohn ein Schimpfwort im Land ist, dass viele Menschen, vor allem Frauen, gern mehr arbeiten w&uuml;rden. Doch sie kommen aus der Nummer mit der Teilzeit nicht heraus. Und ja, die Deutschen sollen flei&szlig;ig(er) arbeiten und klaglos hinnehmen, dass ihre Miete einen immer gr&ouml;&szlig;eren Teil ihres Lohnes auffrisst. Kostet halt alles.<\/p><p>Und die, ja die, die aus welchen Gr&uuml;nden auch immer gar keine Arbeit haben, denen geht es nach einer kurzen Phase des Durchatmens wieder dank Merz&lsquo; harter Hand erneut so richtig an den Kragen. B&uuml;rgergeld war mal. Das Wort klang besser als Hartz. Und wer den Schaden hat, braucht nicht lange auf den Hohn und den Spott zu warten &ndash; im Land der Dichter und Denker.<\/p><p>Das alles sagte der Kanzler nicht.<\/p><p><strong>Mehr arbeiten also. Wof&uuml;r? Merz hat genaue Vorstellungen<\/strong><\/p><p>Mehr arbeiten? Das sollen die Deutschen daf&uuml;r, dass Merz&lsquo;sche Tr&auml;ume wahr werden: die wehrhafte deutsche Gesellschaft, im Schulterschluss die H&auml;lfte (mindestens) des Bruttosozialprodukts in die R&uuml;stung, die Armee, die (dann einst zivile) Infrastruktur stecken. Das BIP w&uuml;rde durch gesteigerten Flei&szlig; der stolzen B&uuml;rger noch gr&ouml;&szlig;er, so w&uuml;rde mehr Geld frei f&uuml;r Merz&acute; Vorhaben, die Bundeswehr zur st&auml;rksten Milit&auml;rmacht des Kontinents zu machen, Deutschland zur F&uuml;hrungsmacht, die Jugend voller Inbrunst f&uuml;r die Wehrpflicht begeisternd. Merz&acute; Kollege und Verteidigungsminister arbeitet zu dem Komplex auch richtig hart &ndash; was Wunder, dass Meinungsumfragen ihm den Titel &bdquo;beliebtester Politiker im Land&ldquo; verleihen. Merz kann sich da mal ein Beispiel nehmen.<\/p><p>Das alles und viel mehr ist dann der Wohlstand, den der Kanzler meint. Vier-Tage-Woche, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit, ein verdienter, langer Lebensabend, die Lust der jungen Menschen, in diese stolze Gesellschaft viele Kinder zu setzen &ndash; ach was, alles Quatsch. Damit l&auml;sst sich kein Merz&lsquo;scher Wohlstand erwirtschaften. Die Ertr&auml;ge ernten andere.<\/p><p>Doch halt. Nein Herr Kanzler, andersrum: Der Wohlstand ist erwirtschaftet, und die genannten Lebenswirklichkeiten sind Bestandteile dieses von den vielen Menschen erarbeiteten Gesamtmehrwertes. Es hei&szlig;t doch auch so sch&ouml;n Volkswirtschaft, nicht wahr?<\/p><p>W&uuml;rden Kanzler, seine Regierung und Gefolgschaften mehr oder, sagen wir besser, den Deutschen wirklich zugewandt arbeiten, gem&auml;&szlig; dem Amtseid beispielsweise, w&uuml;rden Ma&szlig;nahmen ergriffen, die der Kanzler in seiner Rede au&szlig;en vor lie&szlig;. Einige Vorschl&auml;ge: Wie w&auml;re es mit Abr&uuml;stung, mit sozialer Ausrichtung der Arbeitswelt, mit Unterst&uuml;tzung der Generationen, fairen L&ouml;hnen, mit einer ehrlichen wie w&uuml;rdevollen Behandlung der Menschen, die die Leistungsgesellschaft au&szlig;en vor l&auml;sst? Mit einer Innen- und Au&szlig;enpolitik der Vernunft, der Friedlichkeit, der Diplomatie, der friedlichen Weitsicht, der Handreichung? Die Welt ist nicht komplex. Sie ist einfach zu erkl&auml;ren.<\/p><p>W&uuml;rde der Kanzler so vision&auml;r sein, ich w&auml;re froh, s&auml;he er in einer Vier-Tage-Woche genau das Potenzial f&uuml;r die Zukunft unserer Gesellschaft. Sich aus Hamsterr&auml;dern befreien, dem ewigen wie leeren Wachstumswahn widerstehen, sich stattdessen einander zuwenden. Kanzler aller Deutschen ist er und Mitglied einer Volkspartei, die das C im Namen tr&auml;gt, f&auml;llt mir dazu noch ein. Zu erwarten w&auml;re dann anderes als das, was Merz in seinen Reden von sich gibt und wie er und seine politische Klasse handelt. Vision&auml;r ist das nicht, es ist r&uuml;ckw&auml;rtsgewandt.<\/p><p><small>Titelbild: ChatPGT. Das Bild wurde mit k&uuml;nstlicher Intelligenz erstellt.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cleveres muss der Redenschreiber des Bundeskanzlers sich dabei gedacht haben, als er die Zeilen f&uuml;r die Neujahrsansprache von Friedrich Merz zum Empfang der Industrie- und Handelskammer in Halle-Dessau formulierte: Starke Worte, deutliche Aussagen, Wir-Gef&uuml;hl ausdr&uuml;cken, so wie &bdquo;in die H&auml;nde spucken&ldquo; und vor allem: arbeiten, arbeiten, arbeiten. 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