{"id":145017,"date":"2026-01-23T13:00:15","date_gmt":"2026-01-23T12:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145017"},"modified":"2026-01-23T13:24:47","modified_gmt":"2026-01-23T12:24:47","slug":"wenn-das-flugzeug-nicht-fliegt-gehen-wir-zu-fuss-fuenf-deutsche-ueber-ihren-silvesterurlaub-in-moskau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145017","title":{"rendered":"\u201eWenn das Flugzeug nicht fliegt, gehen wir zu Fu\u00df!\u201c \u2013 F\u00fcnf Deutsche \u00fcber ihren Silvesterurlaub in Moskau"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2022 ist Russland von Deutschland so gut wie abgeschnitten. P&auml;ckchen kommen nur noch mit Versp&auml;tung oder gar nicht an. Z&uuml;ge fahren nicht mehr. Flugzeuge fliegen nur noch mit einem Umweg &uuml;ber die T&uuml;rkei. Der Preis f&uuml;r die Flugtickets hat sich verdreifacht. Eine Hotelbuchung per Internet ist seit 2022 nicht mehr m&ouml;glich. Durch das 19. Sanktionspaket der EU ist es Reiseagenturen in Deutschland verboten, Reisen nach Russland zu organisieren. Doch es gibt Menschen, die sich f&uuml;r Russland interessieren, das Land vielleicht sogar m&ouml;gen und die sich in ihrer Reisefreiheit nicht einschr&auml;nken lassen wollen. Von solchen Menschen handelt der folgende Bericht von <strong>Ulrich Heyden<\/strong> (Moskau).<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5105\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145017-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260120-Deutsche-Silvesterurlaub-in-Moskau-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260120-Deutsche-Silvesterurlaub-in-Moskau-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260120-Deutsche-Silvesterurlaub-in-Moskau-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260120-Deutsche-Silvesterurlaub-in-Moskau-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145017-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260120-Deutsche-Silvesterurlaub-in-Moskau-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260120-Deutsche-Silvesterurlaub-in-Moskau-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ende Dezember 2025 bekam ich aus Deutschland eine Nachricht &uuml;ber <em>Telegram<\/em>, ob ich nicht Lust h&auml;tte, mich mit einer Reisegruppe aus Bremen in Moskau zu treffen. Wir trafen uns am 28. Dezember in einem georgischen Restaurant im Zentrum von Moskau. Es war der erste Tag der Gruppe in Moskau. Die f&uuml;nf Deutschen wollten von mir etwas &uuml;ber das Leben in Moskau und die politischen Verh&auml;ltnisse erfahren. Es war ein mehrst&uuml;ndiges, freundliches Gespr&auml;ch. Am 4. Januar, dem letzten Tag vor dem Abflug, interviewte ich die Gruppe dann &uuml;ber ihre Reiseeindr&uuml;cke.<\/p><p>Die f&uuml;nf aus Bremen und Bremerhaven waren zwischen 60 und 70 Jahre alt. Es waren zwei geb&uuml;rtige Westdeutsche, Wolfgang und Bernd, zwei geb&uuml;rtige Ostdeutsche, Sophie und Frank, und Olga, eine geb&uuml;rtige Russin, die seit 1998 in Deutschland lebt. Alle f&uuml;nf geh&ouml;ren zu einer deutsch-russischen Friedensgruppe.<\/p><p><strong>Moskau im Schnee &ndash; &uuml;berw&auml;ltigend!<\/strong><\/p><p>Und so gestaltete sich die Ankunft der Gruppe auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo. Das Flugzeug war in Istanbul mit vier Stunden Versp&auml;tung gestartet, denn aus Moskau wurde Drohnen-Alarm gemeldet. Dreimal wurde der Start des Fliegers deshalb verschoben. Ob die Stimmung da nicht mies wurde, fragte ich. &bdquo;Wir wollten nach Moskau&ldquo;, antwortete Olga. Die Stimmung sei gewesen: &bdquo;Wenn das Flugzeug nicht fliegt, gehen wir zu Fu&szlig;.&ldquo;<\/p><p>Als die Reisenden dann um 4 Uhr nachts am Moskauer Flughafen ankamen, mussten sie sich erstmal orientieren. Taxis kann man in Moskau nur &uuml;ber Handy bestellen. Die beiden Handys in der Reisegruppe, die in Russland funktionierten, konnten nicht benutzt werden, weil Handys von Ausl&auml;ndern am ersten Tag in Russland aus Sicherheitsgr&uuml;nden nicht freigeschaltet werden. Damit will man verhindern, dass ukrainische Terroristen Drohnen-Navigation importieren.<\/p><p>Als nach einiger Suche dann Taxifahrer umgerechnet 90 Euro f&uuml;r zwei Taxis in die Innenstadt forderten, schlug Ljudmilla vor, f&uuml;r umgerechnet 70 Cent mit der Metro zu fahren.<\/p><p>Bis die Metro fuhr, war noch eine halbe Stunde Zeit, und so setzten sich die f&uuml;nf zu einem Ankommenswodka in einen Imbiss.<\/p><p>Als sie mit der Bahn im schneebedeckten Stadtzentrum ankamen und die Weihnachtsbeleuchtung sahen, war Bernd &bdquo;&uuml;berw&auml;ltigt&ldquo; von den Eindr&uuml;cken. Verwundert war die Reisegruppe, als sie Sonntag morgens um sieben schon Kolonnen von Schneefegern im Einsatz sahen.<\/p><p>Um 8 Uhr morgens waren sie dann endlich alle im Bett. Was Bernd verwunderte, war, dass in Russland Energieeffizienz offenbar noch keine wichtige Rolle spielt, denn die Heizungen seien immer volle Pulle an. In &auml;lteren Geb&auml;uden wird die Zimmertemperatur zur kalten Jahreszeit immer noch mit der leichten &Ouml;ffnung eines Fensters geregelt.<\/p><p>Die Gruppe war von Anfang an darauf eingestellt, dass es kein v&ouml;llig normaler Urlaub mit den &uuml;blichen Annehmlichkeiten werden w&uuml;rde. Mit den Sanktionen wolle die EU die Deutschen und die Russen ja ganz bewusst voneinander trennen, meinten die Reisenden. Mir schien, ihnen brachte es Spa&szlig;, dass sie das letzte T&uuml;rchen, das es noch nach Russland gibt, aufgesto&szlig;en hatten.<\/p><p><strong>Schuld und Verantwortung<\/strong><\/p><p>Die Reisegruppe hat in acht Tagen ein gro&szlig;es, selbstorganisiertes Besichtigungsprogramm absolviert. Man war auf dem Roten Platz und im Kreml. Ein Spaziergang im Alexandergarten, entlang der Kremlmauer, brachte die Reisegruppe zum Ehrenmal des unbekannten Soldaten. Dort brennt eine ewige Flamme. An dem Ort herrsche eine sehr besondere Stimmung, meinten meine Gespr&auml;chspartner.<\/p><p>Als zentrale nationale Gedenkst&auml;tte ehrt das Ehrenmal alle gefallenen Soldaten, die anonym in Massengr&auml;bern bestattet wurden oder deren Schicksal in Schlachten gegen die Nazi-Invasoren w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs (des &bdquo;Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieges&ldquo;) ungekl&auml;rt blieb.<\/p><p>Zu lesen ist eine Inschrift &bdquo;Dein Name ist unbekannt, deine Tat ist unsterblich.&ldquo; (&#1048;&#1084;&#1103; &#1090;&#1074;&#1086;&#1077; &#1085;&#1077;&#1080;&#1079;&#1074;&#1077;&#1089;&#1090;&#1085;&#1086;, &#1087;&#1086;&#1076;&#1074;&#1080;&#1075; &#1090;&#1074;&#1086;&#1081; &#1073;&#1077;&#1089;&#1089;&#1084;&#1077;&#1088;&#1090;&#1077;&#1085;). Wolfgang sagte: &bdquo;An diesem Ort wurde uns unsere deutsche historische Schuld und gegenw&auml;rtige Verantwortung insbesondere gegen&uuml;ber Russland ergreifend bewusst.&ldquo;<\/p><p>Entlang der Kremlmauer befinden sich au&szlig;erdem rechteckige Bl&ouml;cke aus rotem Stein, in denen sich Urnen mit Erde von den zw&ouml;lf sowjetischen &bdquo;Heldenst&auml;dten&ldquo; befinden. Geehrt werden die St&auml;dte Leningrad\/Sankt Petersburg, Kiew, Odessa, Stalingrad\/Wolgograd, Minsk, Kertsch und andere. Ausgezeichnet wurden die St&auml;dte f&uuml;r den heldenhaften Widerstand der dort k&auml;mpfenden Soldaten. Die Urnen ehren aber auch das Leid der Zivilbev&ouml;lkerung.<\/p><p><strong>Eindr&uuml;cke von der Tretjakow-Galerie<\/strong><\/p><p>Die Gruppe besuchte in Moskau noch zahlreiche weitere Sehensw&uuml;rdigkeiten. Eindrucksvoll fanden die Reisenden auch den Besuch in der Tretjakow-Galerie. &bdquo;Dort sahen wir Russlands Seele&ldquo;, meinte Wolfgang. &bdquo;Wieso Seele?&ldquo;, fragte ich. &bdquo;Naja, die alten Ikonen, die Landschaftsbilder und Bilder vom einfachen Leben, so etwa denkt man sich doch die russische Seele &hellip;&ldquo;<\/p><p>Manchmal spaltete sich die Gruppe auf. Einige besuchten das <a href=\"https:\/\/bulgakovmuseum.ru\/en\/category\/about\/\">Museum des Schriftstellers Michael Bulgakow<\/a>, andere waren im <a href=\"https:\/\/tsaritsyno-museum.ru\/the_museum\/\">Zarizyno-Schloss<\/a> im S&uuml;den der Stadt. Das Schloss wurde als Landsitz f&uuml;r die Zarin Katharina die Gro&szlig;e gebaut.<\/p><p>Man besuchte im Norden der Stadt die Pavillons des 1939 er&ouml;ffneten &bdquo;WDNH&ldquo;-Ausstellungsgel&auml;ndes, in dem die Leistungen der sowjetischen Volkswirtschaft gezeigt wurden. Heute haben auf dem Gel&auml;nde auch die jetzt unabh&auml;ngigen ehemaligen Sowjetrepubliken <a href=\"https:\/\/vdnh.ru\/visitors\/\">eigene Ausstellungspavillons<\/a>. Dort lie&szlig; man sich landestypische Leckereien schmecken.<\/p><p>In einem der WDNH-Pavillons gibt es auch eine <a href=\"https:\/\/vdnh.ru\/news\/11807\/\">Ausstellung des russischen Malers Nikolai Roerich<\/a>. Roerich ist durch seine einzigartigen Gem&auml;lde aus dem Himalaja bekannt. Als Zeitzeuge des Ersten Weltkrieges initiierte der K&uuml;nstler 1935 einen <a href=\"http:\/\/www.roerich-izvara.ru\/eng\/roerich-pact.htm\">internationalen Pakt<\/a> zum Schutz von Kulturg&uuml;tern, wissenschaftlichen Einrichtungen und Denkm&auml;lern.<\/p><p>Auf dem WDNH-Gel&auml;nde besichtigte man auch das f&uuml;r Russland au&szlig;ergew&ouml;hnliche <a href=\"https:\/\/futurione.ru\/\">Futurione-Kunstprojekt<\/a>, das den physischen und digitalen Raum verbindet.<\/p><p>Es gab auch eindrucksvolle Zuf&auml;lle. Am dritten Reisetag bei einem Rundgang auf dem Friedhof der Neuen-Jungfrauen-Kirche, auf dem viele ber&uuml;hmte russische und sowjetische Pers&ouml;nlichkeiten beerdigt wurden, wurde die Gruppe Zeugin der <a href=\"https:\/\/yandex.ru\/video\/preview\/10939095039730980572\">Beerdigung von Vera Alentowa<\/a>, einer ber&uuml;hmten russischen Schauspielerin. Sie spielte eine Hauptrolle in dem Film &bdquo;Moskau glaubt den Tr&auml;nen nicht&ldquo;, der 1979 Premiere hatte.<\/p><p><strong>Hotel-Einquartierung auf Vertrauensbasis<\/strong><\/p><p>Mit den Dienstleistungen in Moskau waren die f&uuml;nf Reisenden zufrieden. Das kleine Hotel in der Archangelskij-Gasse im Stadtzentrum, in dem sie wohnten, war gem&uuml;tlich. Das Vier-Sterne-Hotel liegt direkt neben einer alten Kirche. Die Rezeption war sehr zuvorkommend. Da die Reisegruppe an einem Wochenende in Moskau ankam und die Banken, wo man Geld wechseln konnte, nicht aufhatten, durften sie zwei Tage ohne Bezahlung in dem Hotel wohnen. Die Moskauer Banken arbeiten w&auml;hrend der Neujahrsfeiertage, die sich bis zum 11. Januar hinziehen, nur eingeschr&auml;nkt.<\/p><p>Der Aufenthalt der Reisegruppe in Moskau w&auml;re noch angenehmer gewesen, wenn sie die neue Registrierungsprozedur f&uuml;r Touristen durchlaufen h&auml;tten. Denn dann kann man mit seinem Handy Konzertkarten kaufen, Restaurantbesuche bezahlen und die Handy-Navigation benutzen.<\/p><p>Wenn ein Ausl&auml;nder in Russland ein Handy benutzen will, muss er es zun&auml;chst registrieren. Das ist eine recht aufwendige Prozedur. Zun&auml;chst muss man sich beim Einwohnermeldeamt Gosuslugi.ru online registrieren. Erst dann kann man eine SIM-Karte f&uuml;r sein Handy kaufen. Um aber mit dem Handy auch einzukaufen zu k&ouml;nnen, muss man als dritten Schritt noch ein Bankkonto er&ouml;ffnen.<\/p><p>Olga hatte diese Prozedur schon bei einer fr&uuml;heren Reise nach Kaliningrad absolviert. Und nur, weil Olga ein registriertes Handy hatte, konnte Sophie in der N&auml;he des Roten Platzes eine kostenpflichtige Toilette besuchen.<\/p><p>Bernd war der Zweite in der Gruppe, der ein einsatzf&auml;higes Handy hatte. Das Handy von Bernd lief &uuml;ber einen US-amerikanischen Anbieter. Mit dem Handy konnte man nicht bezahlen, aber immerhin die Navigation benutzen.<\/p><p>Eine wichtige Rolle bei der F&uuml;hrung durch Moskau spielte Olga, die sich in der 13-Millionen-Stadt gut auskennt. Olga hatte schon in ihrer Zeit als &Ouml;konomie-Studentin Touristen aus Tschechien durch die Sowjetunion begleitet. Die Russin erinnerte sich, dass sie damals manchmal Touristengruppen in das damals hochmoderne Moskauer Hotel &bdquo;Kosmos&ldquo; schleuste. Die Touristen aus der sozialistischen Tschechoslowakei wollten damals &ndash; in den 1980er-Jahren &ndash; mal ein &bdquo;richtiges &sbquo;kapitalistisches&lsquo; Hotel&ldquo; sehen, erz&auml;hlte Olga. Das Hotel &bdquo;Kosmos&ldquo; war extra zur Olympiade 1980 gebaut worden. Heute hat Moskau Hunderte moderne Hotels.<\/p><p><strong>Sicherheitsfragen<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend unserer Gespr&auml;che kamen auch Probleme zur Sprache. Ich erkl&auml;rte der Reisegruppe, dass es in Moskau vor U-Bahn-Stationen und vor ber&uuml;hmten Geb&auml;uden und Einkaufszentren wegen der Gefahr ukrainischer und islamistischer Terror-Attacken Metalldetektoren und Wachleute gibt, die bei Nutzern dieser Einrichtungen stichprobenartig Taschen kontrollieren. Meine Erl&auml;uterungen schienen Sophie nicht zu &uuml;berzeugen. Sie fragte, ob es denn schon Terrorakte in Moskau gab. Ich z&auml;hlte ein paar Terroranschl&auml;ge der letzten Zeit auf.<\/p><p>Im M&auml;rz 2024 wurden von Terroristen aus Tadschikistan und Kirgistan bei einem Anschlag auf den Konzertsaal Crocus City Hall 149 Menschen get&ouml;tet und 609 verletzt. In den vergangenen zwei Jahren wurden in Moskau zwei russische Gener&auml;le durch Bombenattentate get&ouml;tet. Die russischen Sicherheitsorgane erkl&auml;rten, dass in allen genannten F&auml;llen die ukrainischen Geheimdienste dahintersteckten.<\/p><p><strong>Keine Diebe, keine Graffitis<\/strong><\/p><p>Sophie und auch Olga erz&auml;hlten, dass sie sich in Moskau auf der Stra&szlig;e sicherer f&uuml;hlen als in Bremen, wo beiden schon mehrere Mal auf der Stra&szlig;e von Dieben Taschen geklaut wurden.<\/p><p>Angenehm fand die Gruppe auch, dass es in Moskau keine Graffitis gibt. In Deutschland sei eigentlich nur der Berliner Hauptbahnhof frei von Graffitis.<\/p><p>Den Reisenden fiel ferner auf, dass sie keine Betrunkenen und keine Obdachlosen trafen. Ich habe einen anderen Eindruck, allerdings lebe ich in einem Au&szlig;enbezirk. Ich sehe immer wieder Obdachlose und manchmal auch Betrunkene, nicht in Massen, aber man trifft sie schon. Ich sehe sie manchmal, wenn sie nachts in Wohnhochh&auml;usern auf den Feuertreppen schlafen. Auch Graffitis sehe ich gelegentlich in den Au&szlig;enbezirken.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/8247354\">Nach Angaben der Zeitung <em>Kommersant<\/em><\/a> gibt es in Russland zwei Millionen Obdachlose, davon 238.000 in Moskau. Zur Unterbringung von Obdachlosen gibt es in der russischen Hauptstadt mit ihren 13 Millionen Einwohnern allerdings nur 1.000 Pl&auml;tze.<\/p><p>Der Kontakt mit den Russen auf der Stra&szlig;e war durchweg freundlich, erz&auml;hlten die Reisenden aus Deutschland. Im Kaufhaus GUM seien sie von zwei jungen M&auml;dchen angesprochen worden. Die sagten: &bdquo;Ihr m&uuml;sst Deutsche sein. Die pr&uuml;fen immer alles so genau.&ldquo; Die M&auml;dchen, eine Moskauerin und eine junge Frau aus Chabarowsk im Fernen Osten, erz&auml;hlten, dass sie die Sanktionen nicht st&ouml;ren. Die F&uuml;nfergruppe hatte den Eindruck, dass Moskau voller Touristen &ndash; auch aus dem Inland &ndash; ist, denn alle Ausfl&uuml;ge und F&uuml;hrungen in der Stadt waren ausgebucht.<\/p><p>Die Kommunikation in Gesch&auml;ften lief problemlos. Wenn es nicht auf Englisch ging, war das Personal sofort zu einer Verst&auml;ndigung mittels eines elektronischen &Uuml;bersetzers bereit.<\/p><p><strong>Silvester kein gro&szlig;es Feuerwerk<\/strong><\/p><p>Da wir uns gut verstanden und der Rote Platz f&uuml;r die Neujahrsfeier &ndash; vermutlich wegen Drohnengefahr &ndash; geschlossen war, lud ich die Reisegruppe zu einer Silvesterfeier zu mir nach Hause ein. Meine G&auml;ste wunderten sich, dass in Moskauer Wohngebieten um Mitternacht fast nicht geb&ouml;llert wird. Ganz ohne Feuerwerk, das kam unerwartet und f&uuml;hlte sich irgendwie komisch an.<\/p><p>Doch zehn Minuten nach Mitternacht ging es in den Moskauer Wohnbezirken dann doch noch los. Die Menschen machten selbst kleine Feuerwerke.<\/p><p>Wir feierten nach russischer Sitte. In den Minuten vor dem Jahreswechsel h&ouml;rten wir die traditionelle Neujahrsansprache von Wladimir Putin. Als dann um null Uhr die Kremlglocken t&ouml;nten, stie&szlig;en wir auf das neue Jahr an.<\/p><p>Die gro&szlig;en Feuerwerke &ndash; organisiert von der Stadt in verschiedenen Bezirken der Stadt &ndash; gab es zum Jahreswechsel 2025\/26 nicht. Der Grund: Moskau wird regelm&auml;&szlig;ig von ukrainischen Drohnen angeflogen, die aber seit zwei Jahren alle beim Anflug im Umland von Moskau von der russischen Luftabwehr &uuml;ber Feldern und Wiesen abgeschossen werden, sodass sie in der Stadt keinen Schaden anrichten konnten.<\/p><p><strong>Wie war das Echo in der Heimat?<\/strong><\/p><p>Auf meine Frage, wie die Verwandten und Freunde auf die Reise der f&uuml;nf reagierten, bekam ich gemischte Antworten. Eine Frau, die eigentlich auch nach Moskau wollte, habe im letzten Moment abgesagt, erz&auml;hlte Sophie. Ihr Sohn hatte ihr die Reise wegen der Drohnen-Gefahr verboten. &bdquo;Meine eigene Tochter wollte auch nicht mit&ldquo;, erz&auml;hlte Sophie.<\/p><p>Bernd erz&auml;hlte, er habe am Anfang der Reise von seiner Familie kein Echo bekommen. Das fand er traurig. Aber nach einigen Tagen h&auml;tten seine Verwandten ihm geschrieben, dass sie sich Sorgen machen. Seine Cousine schrieb ihm: &bdquo;Was, du bist in Moskau? Ist da nicht Krieg?&ldquo;<\/p><p>Wolfgang kam zum Schluss unserer Gespr&auml;chsrunde nochmal ins Schw&auml;rmen: &bdquo;Moskau habe ich als absolute Weltstadt wahrgenommen, die den Vergleich mit Paris oder London nicht scheuen muss &ndash; sowohl, was die alten Stadtteile anbetrifft, als auch die neue City&ldquo;.<\/p><p><small>Titelbild: Bernd I.<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/72746f294c5a4e11b56f22a558aac894\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2022 ist Russland von Deutschland so gut wie abgeschnitten. P&auml;ckchen kommen nur noch mit Versp&auml;tung oder gar nicht an. Z&uuml;ge fahren nicht mehr. Flugzeuge fliegen nur noch mit einem Umweg &uuml;ber die T&uuml;rkei. Der Preis f&uuml;r die Flugtickets hat sich verdreifacht. Eine Hotelbuchung per Internet ist seit 2022 nicht mehr m&ouml;glich. Durch das 19.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145017\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":145018,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,212,60,20],"tags":[2387,813,918,3619,2972,259,966,1019],"class_list":["post-145017","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gedenktagejahrestage","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","tag-denkmal","tag-drohnen","tag-kulturlandschaft","tag-reisebericht","tag-reisebeschraenkungen","tag-russland","tag-weltkrieg","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/photo_2026-01-11_00-26-23.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=145017"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145017\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145269,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145017\/revisions\/145269"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/145018"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=145017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=145017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=145017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}