{"id":14519,"date":"2012-09-24T15:58:18","date_gmt":"2012-09-24T13:58:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14519"},"modified":"2019-07-05T11:09:38","modified_gmt":"2019-07-05T09:09:38","slug":"truber-herbst-in-griechenland-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14519","title":{"rendered":"Tr\u00fcber Herbst in Griechenland (1\/3)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Niels Kadritzke<\/strong> wirft in seiner dreiteiligen Serie einen sehr ausf&uuml;hrlichen Blick auf die momentane Lage in Griechenland. Im ersten Teil besch&auml;ftigt er sich mit mit dem neuen Sparprogramm und dessen Auswirkungen auf die politische Diskussion. Die weiteren Teile der Artikelserie werden morgen und &uuml;bermorgen folgen.<br>\n<!--more--><br>\nDie neuesten Meldungen aus Griechenland sind eigentlich alles andere als neu. Die eine lautet, dass sich die Athener Troika-Koalition noch immer nicht auf das von der anderen Troika geforderte Sparprogramm von 11,88 Milliarden Euro geeinigt hat. Der n&auml;chste Versuch, einen Konsens &uuml;ber die Details der Etatk&uuml;rzungen zu finden, ist f&uuml;r Ende kommender Woche angek&uuml;ndigt. Dann werden die Vertreter der EU-Kommission, der EZB und des IWF, die am Freitag &bdquo;f&uuml;r kurze Zeit&ldquo; aus Athen abgereist sind, ihre Verhandlungen mit dem griechischen Finanzminister Stournaras fortsetzen. Aus Quellen des Ministeriums verlautet aber, dass es vor dem n&auml;chsten Treffen der Euro-Finanzminister am 8. Oktober keine endg&uuml;ltigen griechischen Beschl&uuml;sse und auch keine Verabschiedung des Sparpakets durch das Parlament geben wird (Ta Nea vom 22. September).<\/p><p>Nach Athener Presseberichten sind sich beide Seiten erst &uuml;ber Sparma&szlig;nahmen in H&ouml;he von 9,5 Milliarden Euro einig. Dazu geh&ouml;ren die Einschnitte in die Renten und die Geh&auml;lter des &ouml;ffentlichen Sektors in H&ouml;he von 6,5 Milliarden, aber auch ein von 65 auf 67 Jahre erh&ouml;htes Renteneintrittsalter, was einem Spareffekt von 1,1 Milliarden Euro entspricht. &Uuml;ber die restlichen Milliarden besteht noch keine Einigkeit im Detail. Doch soll die Troika (nach einem Bericht der Kathimerini vom 21. September) den Vorschlag von Stournaras akzeptiert haben, dass diese Einsparungen bei den administrativen Ausgaben der &ouml;ffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen, sowie im Verteidigungshaushalt anfallen sollen. Auch die Kalkulation der griechischen Seite, dass der R&uuml;ckstand bei den Steuereinnahmen in H&ouml;he von 2 Milliarden Euro bis Ende 2014 aufgeholt werden kann, wird von den Troika-Vertrtern angezweifelt. Die wollen von Stournaras detailliertere Pl&auml;ne sehen und sollen bereits angek&uuml;ndigt haben, dass man noch h&auml;rtere Auflagen ausarbeiten muss, wenn die erwarteten Verbesserungen auf der Einnahmenseite und die geplanten Spareffekte in der allgemeinen Verwaltung nicht eintreten sollten.  <\/p><p>Die Unterbrechung der Troika-Mission k&ouml;nnte bedeuten, dass sich nicht nur die Einigung innerhalb der Athener Regierungskoalition verz&ouml;gern wird, sondern auch der abschlie&szlig;ende Bericht der Troika, der bislang f&uuml;r Mitte Oktober vorgesehen ist. So jedenfalls wird in einem Reuters-Bericht spekuliert, in dem es hei&szlig;t, auf Seiten der Troika wolle man jetzt die US-Pr&auml;sidentenwahlen abwarten. Die Obama-Regierung wolle n&auml;mlich alles vermeiden, &bdquo;was die Weltwirtschaft vor dem 6. November ersch&uuml;ttern k&ouml;nnte&ldquo; zitiert Reuters einen h&ouml;heren EU-Vertreter. Eine Quelle in Berlin best&auml;tigt diese Hypothese mit den Worten: &bdquo;Die wollen keinerlei &Uuml;berraschungen.&ldquo; (siehe <a href=\"http:\/\/uk.reuters.com\/article\/2012\/09\/21\/uk-eurozone-greece-report-idUKBRE88K0OQ20120921\">hier<\/a>). Solche Vermutungen wurden allerdings von offizieller Seite in Br&uuml;ssel und in Athen umgehend dementiert. Allerdings zeigt schon das Ger&uuml;cht, dass die Entscheidungen in Sachen Griechenland nicht nur von der Einsch&auml;tzung der griechischen Staatsfinanzen abh&auml;ngig sind.<\/p><p>Die zweite alte Neuigkeit aus Athen lautet: Das f&uuml;r 2012 zu erwartende griechische Prim&auml;rdefizit (also das Haushaltsdefizit ohne Ber&uuml;cksichtigung des Schuldendienstes) liegt (f&uuml;r den Zeitraum Januar &ndash;August 2012) immer noch bei 1,4 Prozent des BIP und damit h&ouml;her als eingeplant. Das erkl&auml;rte Finanzminister Stournaras am 18. September. Noch erhellender ist die Vorabwarnung, die Stournaras f&uuml;r die weitere Konjunkturentwicklung abgibt: &bdquo;Wir sind im f&uuml;nften Jahre einer gro&szlig;en Rezession, die sich bislang kumulativ auf etwa 20 Prozent (des BIP) bel&auml;uft, und wir m&uuml;ssen erwarten, dass sie bis 2014 auf 25 Prozent ansteigen wird.&ldquo;<\/p><p>Im Klartext: Selbst der zum Berufsoptimismus verdammte griechische Finanzminister geht davon aus, dass das BIP nach dem f&uuml;r 2012 erwarteten Minus von 7 Prozent noch zwei weitere Jahre schrumpfen wird (im Jahresdurchschnitt um 2,5 Prozent). Zur Erinnerung: Die ersten Sparauflagen der Troika aus dem Fr&uuml;hjahr 2010 waren mit der Erwartung verkn&uuml;pft, die griechische Wirtschaft werde 2012 zum Wachstum zur&uuml;ckkehren. <\/p><p>Warum die Kalkulationen immer wieder durch die reale Konjunkturentwicklung durchkreuzt werden, l&auml;sst sich exemplarisch an den letzten sechs Monaten zeigen: Die griechische Wirtschaft schrumpfte im 2. Quartal 2012 (April bis Juli) um 6.3 Prozent. Dass sich damit der Abschwung gegen&uuml;ber dem 1. Quartal  (-6,5 Prozent) &bdquo;immerhin abgeschw&auml;cht&ldquo; habe, wie es optimistisch in einer dpa-Meldung vom 8. September hei&szlig;t, ist jedoch ein vorschneller Schluss. Denn die meisten griechischen Konjunkturexperten rechnen f&uuml;r das Gesamtjahr 2012 mit einem R&uuml;ckgang des BIP um mindestens 7 Prozent. Der Hauptgrund wird auch in der dpa-Meldung benannt: das neueste Sparprogramm wird die Masseneinkommen erneut drastisch einschr&auml;nken. <\/p><p>Es ist der ewige Refrain zum alten Lied: Die drakonische Sparpolitik der Troika wird die Rezession abermals vertiefen. Die Arbeitslosenrate hat am Ende des 2. Quartals 2012 mit 23, 6 Prozent einen neuer H&ouml;chststand erreicht. Die Gr&uuml;nde hat Nikos Xydakis in Kathimerini (7. September) b&uuml;ndig formuliert: &bdquo;Die bevorstehenden Haushaltsk&uuml;rzungen werden die Situation nur versch&auml;rfen, ohne die Schuldenlast zu mindern oder die Konkurrenzf&auml;higkeit der griechischen Wirtschaft zu verbessern.&ldquo; Den Griechen droht damit, schreibt Xydakis, das Schicksal von ausgesetzten boat people, &bdquo;die von einem ohnehin verlangsamt fahrenden Schiffskonvoi abgeh&auml;ngt&ldquo;, also ihrem Schicksal &uuml;berlassen werden.<\/p><p>So ist es. Kein Wunder, dass Ministerpr&auml;sident Samaras am 8. September keine Lust hatte, die programmatische Rede zur Er&ouml;ffnung der Internationalen Messe von Thessaloniki zu halten, die seit Jahrzehnten vom jeweiligen Regierungschef genutzt wird, um dem Volk die wirtschaftliche Zukunft des Landes und die Wirtschaftspolitik der Regierung zu erl&auml;utern. Im heutigen Griechenland gibt es dazu wenig zu sagen. Wo es lang geht, schreibt die Troika vor. Deshalb beschr&auml;nkte sich Samaras auf eine Minirede, die in dem Satz gipfelte: &bdquo;Dieses Jahr ist anders, wir befinden uns am schwierigsten Punkt.&ldquo; Gefolgt von der Versicherung, das nunmehr dritte Sparprogramm werde das letzte sein. <\/p><p><strong>Wirkungen des dritten Sparprogramms<\/strong><\/p><p>Das vorl&auml;ufig letzte Sparprogramm wird die griechische Volkswirtschaft schon deshalb weiter nach unten ziehen, weil die Einschnitte in die ohnehin extrem niedrigen Renten und Bez&uuml;ge im &ouml;ffentlichen Sektor sich zu fast 100 Prozent in reduzierten Konsumausgaben niederschlagen werden. Diese haben sich bereits im 1. Halbjahr um mehr als 7 Prozent vermindert; das neue Sparprogramm wird den Einbruch des Konsums auf die 10 Prozent zutreiben. Das gilt erst recht, wenn die Troika gegen&uuml;ber der griechischen Regierung darauf besteht, dass von dem neuen Sparschub in H&ouml;he von 11,88 Milliarden Euro mindestens 7 bis 8 Milliarden allein auf Gehalts- und Rentenk&uuml;rzungen entfallen sollten (statt der 6,5 Milliarden wie in den griechischen Planungen vorgesehen).<\/p><p>Der aufschlussreichste Indikator f&uuml;r die versch&auml;rfte Rezession ist allerdings der R&uuml;ckgang der Netto-Investitionen, den ELSTAT (die staatliche statistische Beh&ouml;rde) auf 19,4 Prozent beziffert. Allein diese Zahl zeigt, dass Griechenland ohne ein von au&szlig;en angesto&szlig;enes und finanziertes Investitionsprogramm nicht zum n&ouml;tigen &ndash; und von den Europartnern st&auml;ndig beschworenen &ndash;  Wirtschaftswachstum zur&uuml;ck kehren kann. Die Grundz&uuml;ge eines solchen Programms haben Hickel und Troost in ihrem Konzept einer &bdquo;Europ&auml;ischen Ausgleichsunion&ldquo; skizziert. Dabei definieren sie f&uuml;r ein Land wie Griechenland als Hauptziel &bdquo;die &Uuml;berwindung wirtschaftsstruktureller Defizite und damit die zeitaufwendige Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen&ldquo;. An den Erfolgen einer solchen langfristig angelegten Aufbaupolitik habe sich dann &bdquo;die zeitliche Abfolge der Sanierung der &ouml;ffentlichen Haushalte&ldquo; zu orientieren. (diese wichtige Analyse ist auf den Nachdenkseiten unter den Hinweisen des Tages vom 31. August nachzulesen).<\/p><p>Das Denken in l&auml;ngeren Zeitr&auml;umen ist den hektischen Rettungsprogrammen der Troika wesensfremd. Und zwangsl&auml;ufig orientiert sich auch die Politik der Athener Regierung &ndash; unter dem Damokles-Schwert einer Vertreibung aus der Eurozone &ndash; nur noch auf das Erreichen der unmittelbaren Sparziele. Dabei hat sie nicht einmal den Mut, von den Euro-Partnern die unabdingbare Streckung des Sparprogramms zu fordern, die man ihr noch vor einigen Monaten fest zugesagt hatte (siehe dazu mein letzter Beitrag vom 30. August).<\/p><p>Allerdings will man in Athen gerade in dieser Frage seit Anfang September einige Hoffnungssignale empfangen zu haben. Dazu geh&ouml;ren Verlautbarungen aus dem IWF, die von griechischer Seite als Zustimmung zu einer Verl&auml;ngerung des Sparzeitrums interpretiert werden. Die Kathimerini vom 16. September berichtete unter Berufung auf Insider-Informationen, dass die IWF-Experten &bdquo;die Argumente zugunsten einer Verl&auml;ngerung offenbar verstehen und akzeptieren&ldquo;, und zwar &bdquo;im Gegensatz zur Europ&auml;ischen Kommission&ldquo;. Als weiteres Indiz wird gesehen, dass die Troika den Portugiesen eine solche Verl&auml;ngerung um ein Jahr (bis Ende 2014) gerade erst zugestanden hat. Optimistisch stimmt in Athen auch die j&uuml;ngste &Auml;u&szlig;erung von Charles Dallara, der im M&auml;rz 2012 als Chef des Institute of International Finance (IIF) die Vereinbarung &uuml;ber den Schuldenschnitt mit Griechenlands privaten Gl&auml;ubigern, das sogenannte PSI-Abkommen, unter Dach und Fach gebracht hatte. Er forderte sogar eine Verl&auml;ngerung um &bdquo;mindestens zwei Jahre&ldquo; und eine geringere Zinsbelastung f&uuml;r die griechische Staatskasse, die sich aus den bisherigen bail-out-Programmen ergibt (<a href=\"http:\/\/english.capital.gr\/News.asp?id=1617246\">Bericht vom 18. September, auf Englisch<\/a>).<\/p><p>Was die ma&szlig;geblichen europ&auml;ischen Partner betrifft, so glaubt man sich in Athen der Unterst&uuml;tzung durch Frankreich und Italien sicher. In diesem Sinne haben sich jedenfalls sowohl Montis (nach dem Besuch von Samaras in Rom) als auch Hollande (am vergangenen Wochenende) ge&auml;u&szlig;ert. Optimistischer interpretiert man auch die Zeichen aus Berlin. Die Regierung Samaras streut die &bdquo;Information&ldquo;, dass die deutsche Regierung f&uuml;r den Fall eines einigerma&szlig;en positiven Troika-Berichts im Oktober eine Streckung &bdquo;um ein oder zwei Jahre&ldquo; fast verbindlich zugesichert habe (so ein Bericht in Ta Nea vom 10. September). <\/p><p>Allerdings werden in Regierungskreisen auch die Umfragen registriert, die besagen, dass in Deutschland 47 Prozent der Befragten den Griechen auf keinen Fall neue Finanzhilfe geben wollen (in Frankreich dagegen nur 27 Prozent), und dass 54 Prozent meinen, Griechenland m&uuml;sse die Eurozone verlassen (in Frankreich sind es 32 Prozent). Gro&szlig;e Aufmerksamkeit erregte deshalb auch der Kommentar von Wolfgang M&uuml;nchau, der in der (Londoner) Financial Times vom 10. September zu lesen war. <\/p><p>Der FT-Kolumnist identifizierte &ndash; vor dem Hintergrund der Kontroverse Draghi vs. Weidmann &uuml;ber die Rolle der EZB &ndash; als ein zentrales Problem der deutschen Europa-Politik den &bdquo;zutiefst beunruhigenden&ldquo; Aufstand der deutschen B&uuml;rger\/W&auml;hler\/Steuerzahler. Das Problem sei also die &ouml;ffentlichen Meinung: &bdquo;Die deutsche &Ouml;ffentlichkeit glaubt an das Narrativ, dass die Krise durch verschwenderische s&uuml;deurop&auml;ische Politiker und Konsumenten verursacht wurde, die ihre ersten zehn Jahre der Euro-Zugeh&ouml;rigkeit verschenkt haben, indem sie sich Hals &uuml;ber Kopf in einen kreditfinanzierten Bau- und Konsumboom st&uuml;rzten. Das ist eine falsche Moralpredigt, die mit &ouml;konomischer Vernunft wenig zu tun hat. Dennoch konnte sie zur dominierenden Interpretation werden. Und es gibt zu wenig Politiker &ndash; und f&uuml;rwahr auch zu wenig Journalisten und Kommentatoren &ndash;  die gegen dieses Narrativ angehen.&ldquo; Als gr&ouml;&szlig;ten Fehler Merkels sieht M&uuml;nchau deshalb ihre Unwilligkeit oder Unf&auml;higkeit, dem Volk eine andere Interpretation vorzutragen. Stattdessen habe Merkel mit ihren Frageverboten (etwa in der Frage der Eurobonds) das &bdquo;falsche Narrativ&ldquo; letztlich best&auml;tigt und verst&auml;rkt.<\/p><p>Gleichwohl geht auch die Financial Times in den meisten ihrer neueren Berichte davon aus, dass ein Grexit innerhalb dieses Jahres &ndash;zumindest aber vor den Pr&auml;sidentenwahlen in den USA Anfang November &ndash;  nicht mehr zu erwarten ist. Besonders aufschlussreich ist eine Analyse, die am 10. September auf den Finanzseiten der FT erschienen ist. In seiner Kolumne &bdquo;View from America&ldquo; weist John Dizard auf die j&uuml;ngste Kursentwicklung bei den griechischen &bdquo;GDP-warrants&ldquo; hin. Diese an die Entwicklung des BIP gekn&uuml;pftem Optionsscheine waren im M&auml;rz 2012 im Rahmen des PSI, also des Schuldenschnitts f&uuml;r die privaten Gl&auml;ubiger, auf den Markt gekommen und hatten zun&auml;chst stark an Wert verloren. Der Tiefpunkt war Mitte Juli erreicht, als &bdquo;die auf eine Euro-D&auml;mmerung eingestimmten M&auml;rkte&ldquo; davon ausgingen, dass Griechenland von der Troika im September die rote Karte gezeigt bekomme und zum Ausscheiden aus dem Euro verdammt sei. Dieser Index ist jedoch seit Mitte August rapide angestiegen, was Dizard als Indiz daf&uuml;r wertet, dass die Operation Grexit zumindest aufgeschoben ist. Die Ursache sieht er in der Angst vor einem Doomsday-Szenario, das im Gefolge eines Grexit drohe: Die Unterbrechung des Zahlungsverkehrs mit Griechenland und das anschlie&szlig;ende Regime von Kapitalkontrollen seien die logische Folge, und &bdquo;wenn diese Kontrollen einen Tsunami von Kapitalflucht aus Spanien und Italien ausl&ouml;sen, dann werden wir alle umkommen!&ldquo;<\/p><p>Dieses Szenario habe Washington aufgeschreckt, schreibt Dizard: Im Wei&szlig;en Haus und im US-Finanzministerium habe man noch &bdquo;die Lektion von 2008&ldquo; im Kopf, dass n&auml;mlich eine Finanzkrise &bdquo;f&uuml;r die Partei an der Macht verlorene Wahlen bedeutet&ldquo;. F&uuml;r Dizard steht fest, dass dies der Grund f&uuml;r die Blitzreise von Timothy Geithner war, die den US-Finanzminister Ende Juli ins Sylter Urlaubsdomizil seines Kollegen Sch&auml;uble f&uuml;hrte. Seitdem sei die griechische Krise vorerst abgesagt, die &bdquo;Exekution&ldquo; eines Grexit suspendiert: &bdquo;Der Troika-Bericht wurde nicht nur (in den Oktober) aufgeschoben, es wurde auch beschlossen, dass er auf einen positivem Ton gestimmt wird.&ldquo;<\/p><p>Diese Darstellung ist einleuchtend, aber nicht verifizierbar. Sie ist aber in jedem Fall interessant genug, um unsere Vorstellungen dar&uuml;ber zu sch&auml;rfen, wie, warum und von wem Entscheidungen getroffen werden, die weitreichende Folgen f&uuml;r ganze Gesellschaften haben. Aber auch dieser Bericht besagt nicht, dass die Gefahr des Grexit auf mittlere und fernere Sicht schon gebannt ist. Interessante Informationen in dieser Hinsicht liefert die j&uuml;ngste weltweite &bdquo;Elite-Umfrage&ldquo; unter 847 Investoren, Analysten und Tradern, die <a href=\"http:\/\/www.bloomberg.com\/news\/2012-09-06\/euro-survives-2012-intact-in-global-poll-seeing-spain-rescued.html\">den Bloomberg-Wirtschaftsdienst abonniert haben<\/a>. Unter den Befragten ist zwar die Erwartung gewachsen, dass die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion das Jarh 2012 noch intakt &uuml;berstehen wird: Nur 32 Prozent glauben, dass die Eurozone im Januar 2013 nicht mehr ihre heutigen 17 Mitglieder umfassen wird; im Mai hatten noch 57 Prozent mit dem Exit von einem oder mehreren L&auml;ndern gerechnet. Auf mittlere Sicht sieht es jedoch anders aus: F&uuml;r Griechenland rechnen 92 Prozent der Befragten in absehbarer Zeit mit einer Zahlungsunf&auml;higkeit (im Fall Portugal sind es 50 Prozent, im Fall Irland nur 21 Prozent). Und 56 Prozent sind &uuml;berzeugt, dass das Land noch 2013 aus der Eurozone ausscheidet, w&auml;hrend 69 Prozent mit einem Grexit bis Ende 2014 rechnen.<\/p><p>Solche Umfragen sind besonders signifikant, weil sie die Meinung von Leuten erfassen, die als &bdquo;global players&ldquo; die Spekulationen auf den internationalen Finanzm&auml;rkten aktiv beeinflussen. Aber auch in der Realwirtschaft ist die Skepsis gro&szlig;, was Griechenlands Zugeh&ouml;rigkeit zur Eurozone betrifft. Nach einem Bericht der New York Times vom 2. September treffen fast alle in Griechenland engagierten US-Unternehmen ihre Vorbereitungen f&uuml;r den <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2012\/09\/03\/business\/economy\/us-companies-prepare-in-case-greece-exits-euro.html?_r=4\">Fall einer R&uuml;ckkehr zur Drachmen-Wirtschaft<\/a>. Nach diesem Bericht sieht der &bdquo;Plan B&ldquo; der Bank of America Merrill Lynch vor, am Tag X einige LkW-Ladungen mit Bargeld nach Griechenland zu schicken, damit sie ihre Angestellten auch bei einer W&auml;hrungsumstellung auszahlen kann. Zudem bl&uuml;he bei allen gro&szlig;en US-Banken das Beratergesch&auml;ft f&uuml;r industrielle Gro&szlig;kunden, die auf die Aufspaltung der Eurozone vorbereitet sein wollen. Die Gro&szlig;bank JP Morgan Chase habe f&uuml;r spezielle Kunden bereits Konten f&uuml;r die Abrechnung in &bdquo;neuen Drachmen&ldquo; eingerichtet. Nach Meinung eines Programm-Managers des Beraterunternehmens Corporate Executive Board l&auml;sst sich &bdquo;mit Sicherheit sagen, dass die meisten Unternehmen ihre Vorbereitungen treffen&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Niels Kadritzke<\/strong> wirft in seiner dreiteiligen Serie einen sehr ausf&uuml;hrlichen Blick auf die momentane Lage in Griechenland. 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