{"id":145235,"date":"2026-01-24T14:00:14","date_gmt":"2026-01-24T13:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145235"},"modified":"2026-01-27T11:57:49","modified_gmt":"2026-01-27T10:57:49","slug":"kriegswirtschaft-wegen-russland-oder-wegen-nie-da-gewesenem-niedergang-ehemaliger-merkel-berater-mit-warnenden-worten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145235","title":{"rendered":"Kriegswirtschaft wegen Russland oder wegen \u201enie da gewesenem Niedergang\u201c? Ehemaliger Merkel-Berater mit warnenden Worten"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wir haben also eine hoch angespannte wirtschaftliche Lage und eine hoch angespannte gesellschaftliche Situation mit Polarisierung, dem Erstarken radikaler Kr&auml;fte &ndash; nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.&ldquo; Das sind die Worte des Bundeswehrgenerals a. D. Erich Vad in einem <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/ex-merkel-berater-warnt-soll-damit-von-innenpolitischen-problemen-abgelenkt-werden-li.10012709\">Interview mit der <em>Berliner Zeitung<\/em> zum Thema Kriegswirtschaft<\/a>. Eindringlich warnt der ehemalige Berater von Kanzlerin Angela Merkel vor den Gefahren der gegenw&auml;rtigen politischen Marschrichtung. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> dokumentieren an dieser Stelle einige Aussagen. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nErich Vad geh&ouml;rt zu jenen, die seit geraumer Zeit mit einem kritischen Auge auf die aktuellen Entwicklungen in Sachen Russlandpolitik und Ukraine-Krieg blicken. Im M&auml;rz 2025 sagte er in einem Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130273\">&bdquo;Teile einer intellektuellen, politischen und medialen Klasse scheinen zum Krieg bereit.&ldquo;<\/a><\/p><p>In einem aktuellen Interview mit der <em>Berliner Zeitung<\/em> fokussiert der Brigadegeneral a. D. auf das Thema Kriegswirtschaft und findet deutliche Worte.<\/p><p>&bdquo;Bereits Clausewitz hatte erkannt, dass der Krieg dem &sbquo;Handel&lsquo;, also der Wirtschaft gleiche und jeder Krieg zu allen Zeiten dem &sbquo;Gebiet des gesellschaftlichen Lebens&lsquo; zuzuordnen sei&ldquo; sagt Vad, um dann auf eine Aussage des &Ouml;konomen Clemens Fuest einzugehen: Fuest, so Vad, habe vor Kurzem gesagt, &bdquo;wir m&uuml;ssten uns angesichts der drohenden Gefahr aus Russland immer st&auml;rker in Richtung Kriegswirtschaft bewegen&ldquo;. Vad erweitert die Perspektive und sagt weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte vor einigen Wochen bereits gesagt, die deutsche Wirtschaft stehe vor dem Infarkt. Die Chefin der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, Andrea Nahles, sieht wiederum kaum noch M&ouml;glichkeiten, Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir haben also eine hoch angespannte wirtschaftliche Lage und eine hoch angespannte gesellschaftliche Situation mit Polarisierung, dem Erstarken radikaler Kr&auml;fte &ndash; nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das sind bemerkenswerte Aussagen. In den t&auml;glichen Berichten der Medien kommt die Verkn&uuml;pfung zwischen dem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125342\">politischen Gro&szlig;projekt Kriegst&uuml;chtigkeit<\/a> und den wirtschaftlichen, wirtschaftspolitischen und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten so gut wie nicht vor.<\/p><p>Der Eindruck entsteht: Es handelt sich dabei um voneinander getrennte Bereiche, die nichts miteinander zu tun haben.<\/p><p>Auf die Frage der <em>Berliner Zeitung<\/em>, ob Vad in der Entwicklung mehr &bdquo;als nur eine wirtschaftliche Krise&ldquo; sehe, sagt er:<\/p><blockquote><p>\n<em>Ja, wir reden nicht nur von Stagnation, sondern von einem echten wirtschaftlichen Einbruch. Die Arbeitslosenzahlen werden die Drei-Millionen-Marke deutlich &uuml;berschreiten. In diesem Zusammenhang entsteht der Eindruck, dass Kriegswirtschaft, also das Abl&ouml;sen der freien, sozialen Marktwirtschaft durch eine auf Krieg hin ausgerichtete, staatliche Planungswirtschaft, auch deshalb als attraktiv erscheinen k&ouml;nnte, weil sie Besch&auml;ftigung schafft. Zulieferer aus der Automobilbranche sind teilweise froh, in den R&uuml;stungsbereich zu wechseln, um Arbeitspl&auml;tze zu sichern. Das kann ich menschlich nachvollziehen, aber es ist sehr kurz gedacht. Ich frage mich, ob wir Kriegswirtschaft wirklich nur wegen einer angeblich umfassenden Bedrohung aus dem Osten brauchen, oder ob sie nicht auch angestrebt wird, weil sich unsere Wirtschaft in massivem, nie da gewesenem Niedergang befindet und damit der Trend zur Kriegswirtschaft quasi aus wirtschaftlicher Not heraus geboren wurde.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Vad wagt hier, eine &bdquo;Ketzerfrage&ldquo; zu stellen. Haben die lauten Rufe nach Kriegswirtschaft, die seit geraumer Zeit von Br&uuml;ssel, Berlin und anderen St&auml;dten durch Europa hallen, wirklich nur etwas mit Russland zu tun? Oder muss die Absicht, auf Kriegswirtschaft umzustellen, auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation in Europa verstanden werden? Oder, wie Vad es mit drastischen Worten formuliert: Geht es vielleicht um den &bdquo;nie da gewesenen Niedergang&ldquo; der Wirtschaft?<\/p><p>Diese Frage darf in Anbetracht der Gesamtsituation kein Tabu sein. Nein, im Gegenteil: Sie ist mit Nachdruck zu stellen.<\/p><p>Vad warnt weiter vor den Gefahren einer Kriegswirtschaft und beantwortet die Frage, ob die Kriegswirtschaft &bdquo;den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft&ldquo; widerspreche mit der Aussage: &bdquo;Absolut&ldquo;.<\/p><p>Die Kriegswirtschaft, so der Ex-Milit&auml;r,<\/p><blockquote><p>\n<em>f&uuml;hrt zwangsl&auml;ufig zur Verknappung ziviler G&uuml;ter, zu erheblichen Wohlstandsverlusten, vor allem zu massiver Beanspruchung und Indienststellung der Zivilgesellschaft. Da kommt man nicht mehr mit Freiwilligkeit hin, sondern man muss Menschen faktisch dazu bewegen oder zwingen, in die R&uuml;stungsindustrie zu wechseln.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Schlie&szlig;lich sagt Vad:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die Ausrufung des sogenannten Spannungsfalls nach Artikel 80a des Grundgesetzes wird bereits von Politikern der Regierungskoalition angemahnt. Sie ist logische Folge einer Einsch&auml;tzung, dass wir uns bereits im Krieg beziehungsweise in einer Art Vorkrieg mit Russland bef&auml;nden. Dadurch w&uuml;rde die Notstandsgesetzgebung aktiviert; es h&auml;tte eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft sowie eine weitgehende Notstandsregierung auf Zeit mit umfassender politischer Kontrolle &uuml;ber die Menschen zur Folge. Auf den ersten Blick lie&szlig;en sich dadurch &bdquo;zwangsweise&ldquo; Vollbesch&auml;ftigung erzielen und gleichzeitig gesellschaftliche Probleme wie Migration oder der wachsende Rechtspopulismus in Deutschland politisch in den Griff bekommen, aber eben nur scheinbar, nur kurzfristig, nicht nachhaltig und: mit fatalen Konsequenzen. Wenn das der Plan der Regierung w&auml;re, w&auml;re das alles sehr kurzsichtig gedacht.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Vads Gedanken sind wichtig. Sie geh&ouml;ren in die Breite der &ouml;ffentlichen Diskussion. Denn: Es geht um viel.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Westend Verlag<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/94507e78dca64f50ab3495dc4aa4a9b6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wir haben also eine hoch angespannte wirtschaftliche Lage und eine hoch angespannte gesellschaftliche Situation mit Polarisierung, dem Erstarken radikaler Kr&auml;fte &ndash; nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.&ldquo; Das sind die Worte des Bundeswehrgenerals a. D. Erich Vad in einem <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/ex-merkel-berater-warnt-soll-damit-von-innenpolitischen-problemen-abgelenkt-werden-li.10012709\">Interview mit der <em>Berliner Zeitung<\/em> zum Thema Kriegswirtschaft<\/a>. 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