{"id":145361,"date":"2026-01-26T10:00:51","date_gmt":"2026-01-26T09:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145361"},"modified":"2026-01-26T16:15:05","modified_gmt":"2026-01-26T15:15:05","slug":"russenhass-ist-deutsche-staatstradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145361","title":{"rendered":"Russenhass ist deutsche Staatstradition"},"content":{"rendered":"<p>Wahlweise gelten Juden oder Russen als Verursacher allen &Uuml;bels auf der Welt. Kaiser Wilhelm II. erkl&auml;rte einst: &bdquo;Der Rassenkrieg, der Krieg des Slawentums gegen das Deutschtum [&hellip;] wenn diese Frage nicht diplomatisch gel&ouml;st werden kann, dann muss sie mit Waffengewalt entschieden werden.&ldquo; Nach dem Attentat von Sarajevo und der russischen Mobilmachung, in der Berlin eine Kriegsvorbereitung sah, erkl&auml;rte Deutschland am 1. August 1914 Russland den Krieg. 2,7 Millionen Deutsche und 3,6 Millionen Russen verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Zwei Jahrzehnte sp&auml;ter bezeichnete Adolf Hitler die Slawen als rassisch minderwertig, um seinen Vernichtungskrieg im Osten vorzubereiten: &bdquo;Der Slawe ist zur Sklaverei geboren&ldquo;, war ein bekanntes Verdikt des &bdquo;F&uuml;hrers&ldquo;. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland sieben Millionen Tote und die Sowjetunion 25 Millionen Tote zu beklagen. Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1983\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145361-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260126_Russenhass_ist_deutsche_Staatstradition_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260126_Russenhass_ist_deutsche_Staatstradition_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260126_Russenhass_ist_deutsche_Staatstradition_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260126_Russenhass_ist_deutsche_Staatstradition_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145361-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260126_Russenhass_ist_deutsche_Staatstradition_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260126_Russenhass_ist_deutsche_Staatstradition_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Merz, Wadephul, Kiesewetter<\/strong><\/p><p>So wurde die Frage, warum es immer wieder wenigen verantwortungslosen und skrupellosen Verbrechern gelingt, Millionen Menschen in den Tod zu treiben, zum gro&szlig;en Thema der Nachkriegsgeneration.<\/p><p>Den Antislawismus der Nazis griffen die USA in der darauffolgenden Zeit auf, um ihren Kampf gegen den Kommunismus und die Sowjetunion zu f&uuml;hren. So bezeichnete General George S. Patton schon 1945 als Oberbefehlshaber der US-Truppen in Deutschland die Russen als Asiaten, die nur Gewalt verst&uuml;nden. Sie seien kulturell und politisch unvereinbar mit dem Westen. Man h&auml;tte besser gegen die Sowjetunion weiterk&auml;mpfen sollen.<\/p><p>Und in der Tat k&auml;mpften die USA nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion und sp&auml;ter gegen Russland durch Propaganda und Wirtschaftskriege und unterst&uuml;tzen mit Waffenlieferungen und einem gemeinsamen Kommando und Planungszentrum in Wiesbaden bis zum heutigen Tag den durch Aufr&uuml;stung und &bdquo;Regime Change&ldquo; herbeigef&uuml;hrten Stellvertreterkrieg der ukrainischen Armee gegen Russland.<\/p><p>Dass ein mit der europ&auml;ischen Kultur und Geschichte nicht vertrauter US-General wie Patton die Russen als kulturell unvereinbar mit dem Westen bezeichnete, mag man noch nachsehen. Aber dass die westdeutsche Nachkriegspolitik von Feindseligkeit und Hass gegen Russland gepr&auml;gt war, zementierte die deutsche Teilung und befeuerte den Kalten Krieg. Der heute noch von CDU-Politikern wie Friedrich Merz, Johann Wadephul oder Roderich Kiesewetter gepflegte Russenhass geht nicht zuletzt auf Konrad Adenauer zur&uuml;ck, der 1946 wie Patton &bdquo;Asien an der Elbe&ldquo; sah und st&auml;ndig vor der sowjetischen Gefahr warnte.<\/p><p>Das war geschichtsvergessen und der Beginn einer verwerflichen Doppelmoral, denn die Nazis hatten nicht nur sechs Millionen Juden grausam ermordet. Auch 25 Millionen B&uuml;rger der Sowjetunion verloren in Hitlers Vernichtungskrieg ihr Leben. Sie starben auf dem Schlachtfeld, verhungerten, wurden verbrannt oder gezwungen, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln.<\/p><p><strong>Tolstoi und der deutsche Idealismus<\/strong><\/p><p>In dieser Zeit wusste zumindest das deutsche Bildungsb&uuml;rgertum, dass russische und deutsche Kultur tief miteinander verbunden sind. Der Schriftsteller Iwan Turgenew nannte Deutschland sein zweites Vaterland und vertrat eine westliche, liberale Modernisierung Russlands. Fjodor Dostojewski, der von Albert Einstein hochgesch&auml;tzt wurde (&bdquo;Er gibt mir mehr als jeder Wissenschaftler&ldquo;), kannte die Philosophie Kants, Hegels und Schopenhauers und bewunderte Goethe und Schiller. Er entfernte sich allerdings im Laufe der Zeit zunehmend vom Westen und kritisierte ihn als materialistisch und geistig leer. F&uuml;r ihn war das orthodoxe Christentum das moralische Zentrum Russlands.<\/p><p>Auch Lew Tolstoi, der einen deutschen Hauslehrer hatte, war vom deutschen Idealismus und der Weimarer Klassik gepr&auml;gt. Er wandte sich aber gegen den deutschen Militarismus und warb f&uuml;r eine universelle Moral der N&auml;chstenliebe und Gewaltlosigkeit.<\/p><p>Sankt Petersburg, lange Zeit das kulturelle Zentrum des Russischen Reiches, ist ebenso eine europ&auml;ische Stadt wie Berlin, Paris oder Rom. Es ist die Geburtsstadt Putins. Die Kultur dieser Stadt hat ihn gepr&auml;gt, und in diesem Geiste hielt er seine historische Rede am 25. September 2001 im Deutschen Bundestag. Er sagte: &bdquo;Kultur hat nie Grenzen gekannt. Kultur war immer unser gemeinsames Gut und hat die V&ouml;lker verbunden. Heute erlaube ich mir, einen gro&szlig;en Teil meiner Ansprache in der Sprache von Goethe, Schiller und Kant zu halten.&ldquo; Er warb f&uuml;r gute Nachbarschaft und Freundschaft und beschwor das &bdquo;starke und lebendige Herz Russlands, welches f&uuml;r eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft ge&ouml;ffnet ist&ldquo;.<\/p><p>Seine ausgestreckte Hand wurde nicht ergriffen. Stattdessen wurden Zug um Zug auf Betreiben der amerikanischen R&uuml;stungsindustrie und der Neokonservativen in Washington die ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes in die NATO aufgenommen. Als auch die Ukraine und Georgien Mitglieder des westlichen B&uuml;ndnisses und an der russischen Grenze US-Soldaten und Raketen stationiert werden sollten, wurde aus russischer Sicht die rote Linie &uuml;berschritten. Es folgten der von den USA finanzierte Putsch auf dem Maidan, die Besetzung der Krim durch Russland, der Krieg Kiews gegen die russischsprachige Ostukraine mit 14.000 Toten und der gleichwohl v&ouml;lkerrechtswidrige Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine. Vier Jahre tobt jetzt dieser sinnlose Krieg, viele Menschen sind gestorben. Die Zerst&ouml;rung der Ukraine geht weiter, und ein Ende ist immer noch nicht in Sicht.<\/p><p>Putin redet heute wie einst die Slawophilen, die die Orientierung Russlands an Westeuropa, an der Aufkl&auml;rung, dem Individualismus und dem Liberalismus ablehnten. Die westliche Gesellschaft, so sagt er jetzt, n&auml;here sich dem Nihilismus, lehne moralische Normen ab und zerst&ouml;re Religion und Familie.<\/p><p>Warum gelang und gelingt es der deutschen Regierung nicht, als Vermittler in diesem Stellvertreterkrieg aufzutreten? Sie m&uuml;sste die Lehre aus der eigenen Geschichte ziehen und erkennen: Judenhass und Russenhass haben dieselben Wurzeln. An erster Stelle steht die Projektion, eigene unerw&uuml;nschte Gef&uuml;hle werden auf Juden oder Russen &uuml;bertragen. Wahlweise wurden oder werden Juden oder Russen als Verursacher allen &Uuml;bels auf der Welt angesehen. Und selbstverst&auml;ndlich streben sie nach Weltherrschaft. Der verschw&ouml;rungsideologische Kern dieser D&auml;monisierung ist un&uuml;bersehbar. Der so entstandene Hass ist stabil und rationalen Argumenten nicht mehr zug&auml;nglich.<\/p><p><strong>Brandts Entspannungspolitik<\/strong><\/p><p>Anfang der Siebzigerjahre erlebten wir, wie der kulturelle Austausch den Eisernen Vorhang durchl&ouml;cherte und die Entspannungspolitik Willy Brandts Vorurteile und Feindbilder &uuml;berwand. Jean Monnet, der mit anderen die Vers&ouml;hnung der miteinander verfeindeten europ&auml;ischen Nationen und ihre Zusammenarbeit auf den Weg brachte, soll einmal gesagt haben: &bdquo;Wenn ich es noch einmal zu tun h&auml;tte, w&uuml;rde ich mit der Kultur beginnen.&ldquo;<\/p><p>Kultur &uuml;berwindet Grenzen und f&uuml;hrt die Menschen zusammen. Warum versuchen wir es nicht noch einmal? Wir werden es nicht &uuml;berleben, wenn wir, wie einst Wilhelm II., den &bdquo;Frieden&ldquo; mit der Atommacht Russland mit Waffengewalt herbeif&uuml;hren wollten.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst am 16. Januar 2026 <a href=\"https:\/\/weltwoche.ch\/daily\/russenhass-ist-deutsche-staatstradition\/\">in der Weltwoche Deutschland Nr. 03.26<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: tunasalmon\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahlweise gelten Juden oder Russen als Verursacher allen &Uuml;bels auf der Welt. 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