{"id":145375,"date":"2026-01-26T11:55:31","date_gmt":"2026-01-26T10:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145375"},"modified":"2026-01-27T12:18:52","modified_gmt":"2026-01-27T11:18:52","slug":"die-neue-bedrohungslage-in-europa-eine-propagandaanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145375","title":{"rendered":"\u201eDie neue Bedrohungslage in Europa\u201c \u2013 eine Propagandaanalyse"},"content":{"rendered":"<p>Wie funktioniert Propaganda in den Medien? Die <em>taz<\/em> liefert dazu gerade ein Musterbeispiel. Da hei&szlig;t es: &bdquo;Die neue Bedrohungslage in Europa r&uuml;ckt die Vorsorge mit wichtigen Nahrungsmitteln st&auml;rker in den Blick.&ldquo; Die Formulierung &bdquo;neue Bedrohungslage in Europa&ldquo; wird gegen&uuml;ber dem Leser als unbestrittener Fakt verkauft. Redaktionelle Zweifel und Abstand zu der Behauptung? Fehlanzeige. Hier bedient ein Medium unkritisch eine politische Erz&auml;hlung, die seit geraumer Zeit dem Feindbildaufbau als auch dem politischen Gro&szlig;vorhaben <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136945\">Kriegst&uuml;chtigkeit<\/a> dient. Eine Analyse von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMan achte auf die &Uuml;berschriften und hinterfrage alle Aussagen im Grundsatz. Propaganda nistet sich oft bereits in den &Uuml;berschriften, also der &auml;u&szlig;eren Rahmung von Medienbeitr&auml;gen, ein. Die <em>taz<\/em> ver&ouml;ffentlichte gerade <a href=\"https:\/\/taz.de\/Krisenvorsorge-der-Bundesregierung\/!6145827\/\">einen Artikel<\/a> unter einer &Uuml;berschrift, die Aufmerksamkeit verdient.<\/p><blockquote><p>\n    <em>Krisenvorsorge der Bundesregierung<\/em><\/p>\n<p>    &bdquo;<em>Update&ldquo; der Lebensmittel-Notreserve soll anlaufen<\/em><\/p>\n<p>    <em>Die neue Bedrohungslage in Europa r&uuml;ckt die Vorsorge mit wichtigen Nahrungsmitteln st&auml;rker in den Blick. Der Notfallplan soll erneuert werden.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Mit diesen Zeilen konfrontiert die Zeitung die bundesdeutsche Leserschaft.<br>\nGehen wir der Reihe nach vor.<\/p><p>Auf den ersten Blick mag diese &Uuml;berschrift sachlich, n&uuml;chtern wirken. In der Dachzeile, also ganz oben, ist von der &bdquo;Krisenvorsorge der Bundesregierung&ldquo; die Rede. Dann &bdquo;erf&auml;hrt&ldquo; der Leser, dass ein &bdquo;Update der Lebensmittelnotreserve anlaufen&ldquo; soll &ndash; ein &bdquo;Update&ldquo;, also quasi so, wie es jeder Computerbenutzer kennt, sprich: nichts Ungew&ouml;hnliches. Schlie&szlig;lich liefert das Blatt in der Unterzeile zur &Uuml;berschrift den Grund f&uuml;r das Vorhaben. Es geht um <em>&bdquo;die&ldquo;<\/em> &ndash; Achtung, schon der Artikel ist hier ein Schl&uuml;sselwort &ndash; &bdquo;neue Bedrohungslage&ldquo;.<br>\nDer Artikel ist mit einem Foto von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bebildert, das den CSU-Politiker mit erhobenem Finger und bedeutungsschwangerem, entschlossenem Blick zeigt.<\/p><p>Zun&auml;chst: Oberfl&auml;chlich betrachtet sieht inhaltlich alles danach aus, dass Kritik an dieser Stelle unangebracht ist. Schlie&szlig;lich: Was spricht schon dagegen, dass die Regierung in Sachen &bdquo;Krisenvorsorge&ldquo; aktiv ist? &bdquo;Krisen&ldquo;, egal welche, kann es immer geben. Nichts w&auml;re schlimmer, als unvorbereitet einer Krise gegen&uuml;berzustehen. Und: Gerade ein &bdquo;Update&ldquo; in Sachen Nahrungsmittel, also eine &bdquo;Erneuerung&ldquo; des Notfallplans f&uuml;r die &bdquo;Lebensmittel-Notreserve&ldquo;, ist doch vom Grundsatz her auch keine schlechte Idee, oder? Und: Journalistisch wirkt die &Uuml;berschrift auch sachlich, womit der Eindruck von Objektivit&auml;t entsteht.<\/p><p>Wer so denkt, d&uuml;rfte an dieser Stelle bereits der Propaganda auf den Leim gehen. Der Teufel steckt, wie so oft bei der Manipulation, im Detail. Die gesamte &Uuml;berschrift, der gesamte Artikel sind propagandistisch kontaminiert, weil er sich auf eine Aussage st&uuml;tzt, die als unbestrittener Fakt angef&uuml;hrt wird, aber eben mitnichten so fest als &bdquo;Fakt&ldquo; im Raum steht, wie es der Artikel vorgibt.<\/p><p>Nachdem von <em>Krisenvorsorge der Bundesregierung <\/em>gesprochen wird und die Leserschaft dar&uuml;ber &bdquo;informiert&ldquo; wird, dass ein<em> Update der Lebensmittel-Notreserve anlaufen<\/em> soll, hei&szlig;t es: &bdquo;Die neue Bedrohungslage in Europa &hellip;&ldquo;.<\/p><p>Moment!<\/p><p>Eine neue Bedrohungslage in Europa? Von welcher &bdquo;neuen Bedrohungslage in Europa&ldquo; ist hier die Rede?<\/p><p>Bemerkenswert: Im Artikel taucht kein einziges Mal der Begriff Russland oder Putin auf. Stattdessen ist Folgendes zu lesen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin hat gezeigt, wie dringlich ein Update unserer Notfallreserve ist&ldquo;, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur vor der Agrarmesse Gr&uuml;ne Woche in Berlin. &bdquo;Wir schieben das nicht auf die lange Bank. Ich werde dieses Jahr nutzen, eine Finanzierung f&uuml;r das Update auf die Beine zu stellen.&ldquo; <\/em><\/p><\/blockquote><p>Festzustellen gilt: Der Anschlag auf das Stromnetz war real. Genauso wie die Auswirkungen. Dass in Anbetracht eines solchen Anschlags die Politik in Sachen Notfallreserven aktiv wird, ist angebracht. Aber: Was soll die Aussage der <em>taz<\/em> von der angeblichen &bdquo;neuen Bedrohungslage in Europa&ldquo;? Das sagt in dem Artikel nicht einmal der Minister. Was hat ein realer, aber lokal begrenzter Anschlag mit einer Bedrohungslage in ganz Europa zu tun?<\/p><p>Wer die Berichterstattung und die &ouml;ffentliche Diskussion verfolgt, wei&szlig;: Wenn von einer Bedrohung &bdquo;ganz Europas&ldquo; gesprochen wird, dann geht es nahezu immer um Russland. Der Schluss, dass hier Russland gemeint ist, selbst wenn es nicht in dem Artikel ausgesprochen wird, dr&auml;ngt sich dem &bdquo;informierten&ldquo; Mediennutzer f&ouml;rmlich auf.<\/p><p>Das Problem: Eine solche hier postulierte &bdquo;neue Bedrohungslage&ldquo; darf journalistisch nicht als Fakt wiedergegeben werden. An dieser Stelle f&uuml;hrt es zu weit, auf die Einzelheiten anzugehen, warum die immer wieder von Politik und Medien angef&uuml;hrte angebliche Bedrohung Deutschlands oder gar ganz Europas durch Russland der Realit&auml;t <em>nicht<\/em> standh&auml;lt (was sollte eine solche Bedrohung f&uuml;r einen Sinn ergeben?). Nur so viel: F&uuml;r alle in den Medien zu findenden &bdquo;Argumente&ldquo; gibt es Gegenargumente. <\/p><p>Die Gesamtlage im Hinblick auf bestimmte Vorf&auml;lle (wie etwa Drohnensichtungen) ist diffus, um nicht zu sagen teilweise sogar aberwitzig (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128338\">etwa der angebliche Angriff Russlands auf deutsche Autos mit Bauschaum<\/a>). Selbst der Vorfall in Berlin ist derzeit im Nebul&ouml;sen. Auch angebliche &bdquo;Erkenntnisse&ldquo; von Geheimdiensten usw., die ebenfalls immer mal wieder warnen, sind keine Beweise, die in Granit gemei&szlig;elt sind. Insbesondere angeblichen &bdquo;Erkenntnissen&ldquo; von Beh&ouml;rden haben Journalisten vom Grundsatz her kritisch hinterfragend gegen&uuml;berzustehen. Erinnert sei nur an die &bdquo;Beweise&ldquo; in Sachen Massenvernichtungswaffen im Irak. Von dieser dringend notwendigen kritischen journalistischen Distanz zum Objekt der Berichterstattung ist weder in der &Uuml;berschrift noch in dem Artikel etwas zu sehen.<\/p><p>Stattdessen stellt die Zeitung ihrer Leserschaft eine Aussage vor die F&uuml;&szlig;e, die mit der vollen symbolischen Wirkkraft der Zeitung als Realit&auml;t verkauft wird. Wie angedeutet: Bereits der Artikel &bdquo;die&ldquo; in der Aussage &bdquo;die neue Bedrohungslage in Europa&ldquo; entfaltet eine enorme propagandistische Macht. So wie der Artikel hier verwendet wird, entsteht im deutschen Sprachverst&auml;ndnis der Eindruck, dass &bdquo;die neue Bedrohungslage&ldquo; quasi einem allgemein bekannten, selbstverst&auml;ndlichen Wissen entspricht. Alle <em>wissen<\/em>, ja: <em>m&uuml;ssen wissen<\/em>, dass es &bdquo;die&ldquo; neue Bedrohungslage gibt. Auf der unterschwelligen Wahrnehmungsebene entsteht beim Leser regelrecht der Eindruck, dass er, sollte er denn &bdquo;die&ldquo; neue Bedrohungslage nicht kennen, geradezu sich f&uuml;r sein Nichtwissen sch&auml;men muss.<\/p><p>Es w&auml;re Aufgabe eines klugen Journalismus, auch noch so g&auml;ngige und von der Politik als selbstverst&auml;ndlich angef&uuml;hrte Erz&auml;hlungen zu hinterfragen. Schlie&szlig;lich: Die Frage, ob es eine reale Bedrohung von ganz Europa gibt, ist elementar. Auf ihr baut eine weitreichende Politik (Stichwort: kriegst&uuml;chtig) auf, die bereits tats&auml;chlich ganz Europa (inklusive der Medien) in ihren Bann zieht.<\/p><p>So wenig eine Impfung angeblich &bdquo;nebenwirkungsfrei&ldquo; ist, weil es unz&auml;hlige Male Politik und Medien gesagt haben, so wenig ist zwangsl&auml;ufig &bdquo;die&ldquo; &bdquo;neue Bedrohungslage in ganz Europa&ldquo; real, weil Politik und Medien immer wieder eine solche Lage als real betrachten.<\/p><p>Es sei an dieser Stelle egal, aus welchen Gr&uuml;nden die <em>taz<\/em> zu einer solchen Behauptung greift. Sie ist journalistisch untragbar. Sie wirkt wie ein Eckstein, der in eine fragw&uuml;rdige politische Propagandagrunderz&auml;hlung eingebaut wird. Ein solches Vorgehen aber bedient die Politik &ndash; und ist kein Journalismus.<\/p><p><small>Titelbild: Lewis Tse\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b22d793c14e84d8d9e43038ea2d1e856\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie funktioniert Propaganda in den Medien? Die <em>taz<\/em> liefert dazu gerade ein Musterbeispiel. Da hei&szlig;t es: &bdquo;Die neue Bedrohungslage in Europa r&uuml;ckt die Vorsorge mit wichtigen Nahrungsmitteln st&auml;rker in den Blick.&ldquo; Die Formulierung &bdquo;neue Bedrohungslage in Europa&ldquo; wird gegen&uuml;ber dem Leser als unbestrittener Fakt verkauft. Redaktionelle Zweifel und Abstand zu der Behauptung? Fehlanzeige. Hier bedient<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145375\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":145379,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,60,183,11],"tags":[3291,590,244,3457],"class_list":["post-145375","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-innere-sicherheit","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-anschlag","tag-taz","tag-vierte-gewalt","tag-zivilschutz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/shutterstock_2663193895.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145375","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=145375"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145375\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145388,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145375\/revisions\/145388"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/145379"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=145375"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=145375"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=145375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}