{"id":145405,"date":"2026-01-27T10:00:25","date_gmt":"2026-01-27T09:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145405"},"modified":"2026-01-27T15:55:51","modified_gmt":"2026-01-27T14:55:51","slug":"hauptsache-weg-von-mutti-bildung-gibts-beim-ganztag-ganz-am-rande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145405","title":{"rendered":"Hauptsache weg von Mutti \u2013 Bildung gibt\u2018s beim Ganztag ganz am Rande"},"content":{"rendered":"<p>Ganztagsschulen werden als Allheilmittel gegen die Bildungsmisere gepriesen. Demn&auml;chst gibt es sogar einen Rechtsanspruch darauf. In der tristen Wirklichkeit strotzt das Modell mit Quantit&auml;t und geizt mit Qualit&auml;t. Angesichts von Spardiktaten und eines historischen Lehrermangels geht der Trend Richtung Verwahranstalt. Das Kindeswohl stand ohnehin nie hoch im Kurs. Viel wichtiger ist, dass endlich alle Eltern arbeiten k&ouml;nnen &ndash; oder m&uuml;ssen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8769\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145405-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260127-Bildung-beim-Ganztag-ganz-am-Rande-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260127-Bildung-beim-Ganztag-ganz-am-Rande-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260127-Bildung-beim-Ganztag-ganz-am-Rande-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260127-Bildung-beim-Ganztag-ganz-am-Rande-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145405-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260127-Bildung-beim-Ganztag-ganz-am-Rande-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260127-Bildung-beim-Ganztag-ganz-am-Rande-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Alle preisen sie, alle wollen sie, alle brauchen sie: die Ganztagsschule. Ob Eltern, P&auml;dagogen, Politiker, &Ouml;konomen, Gewerkschafter oder Unternehmer &ndash; wenn &uuml;ber eine Sache in der Gesellschaft Einigkeit herrscht, dann dar&uuml;ber, dass Kinder den lieben langen Tag in einer Lehranstalt verbringen sollten. Hier, so hei&szlig;t es, lernt der Nachwuchs schneller und besser, erh&auml;lt optimale F&ouml;rderung, dazu gibt es Gemeinschaft, Struktur und geregelte Ern&auml;hrung. Also vieles dessen, was vor gar nicht so langer Zeit ein gutes und lebendiges Elternhaus ausgemacht hat.<\/p><p>Doch selbst unter Konservativen, namentlich bei CDU und CSU, schaut man nicht wehm&uuml;tig zur&uuml;ck. Nahezu &uuml;ber alle Parteigrenzen hinweg gilt es heutzutage als &bdquo;Fortschritt&ldquo;, dass die Spr&ouml;sslinge die l&auml;ngste Zeit des Tages von Mama und Papa getrennt verbringen. Grunds&auml;tzliche Einw&auml;nde vernimmt man lediglich auf Seiten der AfD. Das Modell diene <a href=\"https:\/\/afdbundestag.de\/nicole-hoechst-ganztaegige-beschulung-muss-eine-ausnahme-bleiben\/\">&bdquo;in erster Hinsicht der F&ouml;rderung der Erwerbst&auml;tigkeit beider Elternteile, besonders von Frauen&ldquo;<\/a>, was einer kindgerechten Erziehung zuwiderlaufe. Das werden viele nicht gerne h&ouml;ren. Grundfalsch ist die Einsch&auml;tzung aber gewiss nicht.<\/p><p><strong>Gleichstellung mit Haken<\/strong><\/p><p>Man sollte sich nichts vormachen: Bei der &bdquo;Erfindung&ldquo; des Ganztags stand das Kindeswohl nicht an erster Stelle. Ausgangspunkt war vielmehr das verst&auml;rkte Streben der Ern&auml;hrer in die Erwerbsarbeit, das, was so sch&ouml;n in die Formel &bdquo;Vereinbarkeit von Beruf und Familie&ldquo; gefasst ist. Dabei ist dieses Interesse selbst zu einem gewichtigen Teil aus &ouml;konomischen Zw&auml;ngen erwachsen. Jahrzehntelang war es selbstverst&auml;ndlich, dass pro Familie ein Alleinverdiener gen&uuml;gte, in aller Regel der Mann. Heute braucht es vielfach auch eine berufst&auml;tige Mutter, um einen Haushalt zu finanzieren. Diese Bestandsaufnahme stellt die Errungenschaften der Emanzipation nicht in Abrede. Gleichwohl ist zu fragen, wer davon noch und vor allem profitiert. Kurz gesagt: Die heute g&auml;ngige Berufst&auml;tigkeit der Frau ist auch und vor allem Ergebnis des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft in Gestalt forcierter Lohndr&uuml;ckerei zwecks Umverteilung von unten nach oben. Die Gleichstellung der Geschlechter ist dabei allenfalls eine sch&ouml;ne Randerscheinung.<\/p><p>Aus dem Wunsch oder der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, entstand erst das Arrangement, die Kinder andernorts versorgen zu lassen. Der PISA-Schock Anfang der 2000er-Jahre lieferte schlie&szlig;lich so etwas wie den ideellen &Uuml;berbau zur erweiterten Selbstverwertung. Die Rechnung ging so: Wenn Deutschlands Schulen in &uuml;berkommener Form derart miese Leistungen bringen, m&uuml;sse der Unterricht dringend besser, sprich &bdquo;l&auml;nger&ldquo; werden, eben nach dem Vorbild der skandinavischen Staaten, wo Ganztagsschulen Tradition haben und folgerichtig die PISA-Sieger heimisch sind. So passte eines zum anderen und lie&szlig; sich Mamas Lust auf Karriere trefflich mit der Erz&auml;hlung von einer &uuml;berf&auml;lligen Bildungsrevolution kombinieren. Jedenfalls m&uuml;ndete der Hype zu einer Art Glaubensbekenntnis: Mit dem Ganztag wird alles gut, selbst das Gewissen der Erzeuger, denen die Zeit zum Erziehen abgeht.<\/p><p><strong>&bdquo;Parkplatz&ldquo;<\/strong><\/p><p>In einer idealen Welt, also unter Bedingungen finanziell und vor allem personell optimal aufgestellter Schulen, mag da sogar etwas dran sein. Allerdings ist Deutschland vom Ideal weit entfernt und entfernt sich immer weiter. Zwar schie&szlig;en Ganztagsschulen seit Jahren f&ouml;rmlich aus dem Boden. Die Statistik der Kultusministerkonferenz (KMK) z&auml;hlte im Schuljahr 2022\/23 bundesweit <a href=\"https:\/\/www.ganztagsschulen.org\/SharedDocs\/Kurzmeldungen\/de\/m-o\/neue-kmk-statistik-fuer-ganztagsschulen-2022-2023.html\">&uuml;ber 19.000 Einrichtungen<\/a> im Primarbereich und in der Sekundarstufe I, was rund 72 Prozent entsprach. Allerdings bilden Schulen mit &bdquo;voll gebundener&ldquo; und &bdquo;teilweise gebundener&ldquo; Form eine deutliche Minderheit. Hierbei nehmen entweder &bdquo;alle&ldquo; Sch&uuml;ler oder &bdquo;ein Teil&ldquo; der Sch&uuml;lerschaft an mindestens drei Wochentagen f&uuml;r jeweils mindestens sieben Zeitstunden an ganzt&auml;gigen Angeboten teil.<\/p><p>Nach Meinung von Experten wie denen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) gilt nur der &bdquo;voll gebundene&ldquo; Ganztag als p&auml;dagogisch hochwertig, weil er s&auml;mtliche Sch&uuml;ler verpflichtend als Klassengemeinschaft und auf Basis eines rhythmisierten Konzepts am Nachmittag einbindet. Vor allem schaffe dies bessere Rahmenbedingungen, um jedes Kind einzeln zu f&ouml;rdern. Das Modell ist indes die gro&szlig;e Ausnahme. Nach den KMK-Zahlen waren vor drei Jahren lediglich 3,8 Prozent aller Grundschulen mit Ganztagszweig als &bdquo;voll gebunden&ldquo; konzipiert. Bei den Hauptschulen waren es 13,6 Prozent, bei den Realschulen unter 16 Prozent und den Gymnasien knapp &uuml;ber 18 Prozent.<\/p><p>In der Praxis dominiert dagegen der &bdquo;offene&ldquo; Ganztag. Hier k&ouml;nnen die Sch&uuml;ler auf freiwilliger Basis an Nachmittagsangeboten teilnehmen, wobei sich diese oft in einem Mittagessen und einer Hausaufgabenbetreuung ersch&ouml;pfen. Faktisch sind viele Ganztagsschulen gew&ouml;hnliche Schulen geblieben, erg&auml;nzt um einen &bdquo;Parkplatz&ldquo; f&uuml;r Kinder, bei denen zu Hause elterliche Aufsicht und Betreuung zu kurz kommen.<\/p><p><strong>Augenwischerei<\/strong><\/p><p>Demn&auml;chst gibt es daf&uuml;r sogar einen Rechtsanspruch. Losgehen soll es damit ab 1. August 2026 f&uuml;r alle neuen Erstkl&auml;ssler. Planm&auml;&szlig;ig bis zum Schuljahr 2029\/30 soll dann der ganze Primarbereich auf Fr&uuml;h-bis-sp&auml;t-Betreuung umgestellt sein. Nach Verlautbarungen der politisch Verantwortlichen werde damit ein gro&szlig;er Schritt in Richtung mehr Bildungsgerechtigkeit getan. Von einem <a href=\"https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/bmbfsfj\/aktuelles\/pressemitteilungen\/vor-inkrafttreten-des-rechtsanspruchs-ganztagsausbau-geht-kontinuierlich-voran-276946\">&bdquo;echten Meilenstein&ldquo;<\/a> schw&auml;rmt Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). &bdquo;Im Ganztag liegt eine gro&szlig;e Chance, um Kinder unabh&auml;ngig vom Hintergrund ihrer Eltern zum Bildungserfolg zu f&uuml;hren.&ldquo; Gesagt hatte sie dies anl&auml;sslich der Vorlage des dritten Berichts zum &bdquo;Ausbaustand der ganzt&auml;gigen Bildungs- und Betreuungsangebote&ldquo; Anfang Dezember. Der zeichnet ein durchweg positives Bild. Die Entwicklung schreite &bdquo;dynamisch voran&ldquo;, und bei Beibehaltung des Tempos k&ouml;nne der Bedarf &bdquo;perspektivisch gedeckt werden&ldquo;.<\/p><p>Mit der Realit&auml;t hat das wenig tun. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat im Rahmen einer Forsa-Erhebung bei bundesweit &uuml;ber 1.300 Schulleitungen nachgefragt, wie die Dinge vor Ort vorangehen. Ergebnis: Es hakt an so ziemlich allem. Der Rechtsanspruch k&ouml;nne &bdquo;zum momentanen Zeitpunkt nicht &uuml;berall eingel&ouml;st werden&ldquo;, &auml;u&szlig;erte am Freitag der Bundesvorsitzende Tomi Neckov in einer <a href=\"https:\/\/www.vbe.de\/presse\/pressedienste\/pressedienste-2025\/rechtsanspruch-schuetzt-vor-qualitaetsdiskussion-nicht\">Medienmitteilung<\/a>. Es drohten &bdquo;herbe Probleme mit der Qualit&auml;t des Angebots&ldquo;, und man sehe &bdquo;eine Gefahr f&uuml;r die Bildungsgerechtigkeit und logistische Herausforderungen&ldquo;.<\/p><p><strong>Quantit&auml;t vor Qualit&auml;t<\/strong><\/p><p>Die Umfrage wurde im September und Oktober 2025 durchgef&uuml;hrt. Ein Viertel der Befragten gab an, dass nicht f&uuml;r alle Kinder, die vor der Einschulung stehen, die Ganztagsbetreuung gew&auml;hrleistet werden kann. Unter ihnen verwiesen 74 Prozent auf den Mangel an R&auml;umlichkeiten, 67 Prozent auf L&uuml;cken beim Fachpersonal, 15 Prozent auf Probleme mit dem Mittagessen. Die H&auml;lfte beklagte fehlende finanzielle Mittel. Neckov h&auml;lt es deshalb f&uuml;r dringlich, in die &bdquo;Qualit&auml;tsdiskussion&ldquo; einzusteigen. Der Rechtsanspruch suggeriere p&auml;dagogische Angebote, &bdquo;aber am Ende wird nur die Verwahrung von Kindern zugesichert&ldquo; und die Gelegenheit f&uuml;r mehr Bildungschancen vertan.<\/p><p>Das ganze Projekt ist eines der Sorte &bdquo;Augen zu und durch&ldquo;, bei dem das Interesse der Wirtschaft an allzeit frei disponiblen Arbeitskr&auml;ften &uuml;ber allem steht und &bdquo;mehr Bildungsgerechtigkeit&ldquo; nur rhetorisches Beiwerk ist. Hierzulande kann ein Viertel aller Sch&uuml;ler nach Ende der vierten Klasse nicht richtig lesen. Jedes Jahr bleiben 50.000 junge Menschen ohne Schulabschluss. In keinem anderen der f&uuml;hrenden Industriestaaten h&auml;ngt Bildungserfolg so sehr von der sozialen Herkunft ab wie in der &bdquo;Bildungsrepublik&ldquo;. Und selbst bei der internationalen Schulleistungsstudie PISA schnitt Deutschland nach einem Zwischenhoch zuletzt noch miserabler ab als bei der ersten Auflage vor 26 Jahren. Wie kann all das sein, wo doch mit dem Vormarsch der Ganztagsschulen so viel Gutes verhie&szlig;en wurde?<\/p><p><strong>Grassierender Personalmangel<\/strong><\/p><p>Der gro&szlig;e Haken ist der: Unter den Vorzeichen eines kaputtgek&uuml;rzten Bildungssystems kann selbst die bestgemeinte Reform nicht funktionieren. Deutschland erlebt seit Jahren einen historischen Lehrmangel, dem mehr schlecht als recht mit massenhaft Quer- und Seiteneinsteigern, also Amateuren, begegnet wird. Dabei ist sich die Wissenschaft seit Vorlage der Meta-Metaanalyse <a href=\"https:\/\/visible-learning.org\/de\/2009\/02\/hattie-studie-visible-learning\/\">&bdquo;Visible Learning&ldquo;<\/a> des neuseel&auml;ndischen P&auml;dagogen John Hattie weitgehend einig, dass eine professionelle Lehrkraft der entscheidende Faktor f&uuml;r den allgemeinen Lernerfolg ist, insbesondere durch &bdquo;sichtbares Lehren und Lernen&ldquo;.<\/p><p>In Deutschland verschwinden die Profis hingegen zusehends von der Bildfl&auml;che, sprich aus dem Klassenzimmer. Nach Berechnungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden <a href=\"https:\/\/www.gew.de\/aktuelles\/detailseite\/dauerhafter-notstand\">bis 2030 bundesweit zirka 60.000 Lehrkr&auml;fte<\/a> fehlen. Unter Mitber&uuml;cksichtigung des Bedarfs an zus&auml;tzlicher Grundschulbetreuung, Inklusion und Personal an Schulen in schwierigen Lagen summiere sich der Mangel auf bis zu 140.000 Personen. Schon l&auml;nger gelingt es nicht einmal mehr, nur das Unterrichtspensum am Vormittag zu decken. Wie will man bei der Personallage den Nachmittag anders als mit Notn&auml;geln stemmen? Laut besagter VBE-Erhebung sehen 53 Prozent der befragten Schulleiter die p&auml;dagogische Mindestqualifikation f&uuml;r angehende Mitarbeiter in der Ganztagsbetreuung nicht erf&uuml;llt. Der Verband verlangt deshalb eine extra daf&uuml;r qualifizierende Fortbildung. Ein polizeiliches F&uuml;hrungszeugnis allein sage &bdquo;noch nichts &uuml;ber die p&auml;dagogische Eignung aus&ldquo;, so Neckov.<\/p><p><strong>Schlecht, Herr Specht!<\/strong><\/p><p>Folgenschwer und typisch f&uuml;r den deutschen Bildungsf&ouml;deralismus ist die politische Planlosigkeit. Richtig in Fahrt war der Ganztagsschulausbau 2003 mit einem Bundesprogramm &uuml;ber vier Milliarden Euro durch die Regierung Gerhard Schr&ouml;der (SPD) gekommen. Worauf sich Bund und L&auml;nder damals nicht verst&auml;ndigten, war ein einheitliches p&auml;dagogisches Konzept. Die Folge: Jedes Land macht sein eigenes Ding, und wo es &ndash; wie fast &uuml;berall &ndash; an Geld mangelt, wird an Personal und Inhalten gespart. Den kleinsten gemeinsamen Nenner bildet ein Beschluss der KMK: Eine Ganztagsschule muss demnach an mindestens drei Tagen pro Woche sieben Stunden Unterricht anbieten. Ob dabei nur eine Klasse pro Jahrgang ein Nachmittagsprogramm hat und der Rest leer ausgeht, ist so egal wie die Frage, ob die Teilnahme freiwillig oder verpflichtend ist und ob ein echter P&auml;dagoge oder nur eine Hilfskraft die Kurse leitet.<\/p><p>Bei einem solchen Maximum an Unverbindlichkeit musste fast zwingend ein Minimum an Qualit&auml;t herausspringen. Wobei gerade von den beschworenen individuellen F&ouml;rderkonzepten, insbesondere f&uuml;r lernschwache und sozial benachteiligte Kinder, oft jede Spur fehlt. Eine <a href=\"https:\/\/www.dielinkebt.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/der-ganztag-droht-zur-reinen-betreuungs-billigvariante-zu-werden\/\">&bdquo;reine Betreuungsbilligvariante&ldquo;<\/a> konstatiert Nicole Gohlke, Sprecherin f&uuml;r Bildung und Wissenschaft der Bundestagsfraktion Die Linke. Wegen der Bildungshoheit der Bundesl&auml;nder gebe es keine einheitlichen Standards f&uuml;r Personalschl&uuml;ssel, Qualifizierung oder p&auml;dagogische Inhalte, befand sie am Freitag in einer Medienmitteilung. &bdquo;Solange Bund, L&auml;nder und Kommunen nicht dauerhaft zusammenarbeiten d&uuml;rfen, werden all diese Probleme nicht gel&ouml;st.&ldquo;<\/p><p>Wer erinnert sich noch an Robert Atzorns Rolle als &bdquo;Unser Lehrer Dr. Specht&ldquo; und Lieblingspauker der Deutschen Mitte der 1990er-Jahre! Damals war die Schulwelt noch halbwegs in Ordnung und echte P&auml;dagogen keine Mangelerscheinung. Zeiten &auml;ndern sich, selten zum Besseren. Heute gibt&lsquo;s die Penne mithin bis 17 Uhr. Viel Zeit, um sie buchst&auml;blich beim Wort zu nehmen. Demn&auml;chst sogar mit Rechtsanspruch. Herr Schlecht macht das Rollo runter.<\/p><p><small>Titelbild: Elena Medoks\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/fffbc55395174d8a84b723a465043181\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganztagsschulen werden als Allheilmittel gegen die Bildungsmisere gepriesen. Demn&auml;chst gibt es sogar einen Rechtsanspruch darauf. In der tristen Wirklichkeit strotzt das Modell mit Quantit&auml;t und geizt mit Qualit&auml;t. Angesichts von Spardiktaten und eines historischen Lehrermangels geht der Trend Richtung Verwahranstalt. Das Kindeswohl stand ohnehin nie hoch im Kurs. 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