{"id":145441,"date":"2026-01-28T10:00:12","date_gmt":"2026-01-28T09:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145441"},"modified":"2026-01-28T16:30:56","modified_gmt":"2026-01-28T15:30:56","slug":"bundesbildungsministerin-prien-will-ueber-zersetzung-reden-bitte-dann-tun-wir-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145441","title":{"rendered":"Bundesbildungsministerin Prien will \u00fcber \u201eZersetzung\u201c reden \u2013 Bitte, dann tun wir das!"},"content":{"rendered":"<p>Bundesbildungsministerin Karin Prien hat der <em>taz<\/em> <a href=\"https:\/\/taz.de\/Karin-Prien-ueber-Angriffe-von-rechts\/!6144384\/\">ein Interview gegeben<\/a> &ndash; herausgekommen ist dabei ein Blick in das Innenleben einer Politik, die im Kampf um die Deutungshoheit zu immer h&auml;rteren Bandagen greift. Da spricht die CDU-Politikerin von &bdquo;Zersetzung&ldquo;, von &bdquo;Delegitimierung&ldquo; und den &bdquo;Feinden der Demokratie&ldquo;. Damit sind allerdings jene gemeint, die &ndash; bei Lichte betrachtet &ndash; gerade keine Feinde der Demokratie sind. Im Kern geht es n&auml;mlich um eine Gegen&ouml;ffentlichkeit und alternative Medien, die sich das demokratische Recht herausnehmen, ihre Meinung so zu artikulieren, wie sie es f&uuml;r angebracht halten. Doch gut, wenn Prien von &bdquo;Zersetzung&ldquo; und &bdquo;Delegitimierung&ldquo; reden will: Bitte! Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_283\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145441-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260128_Bundesbildungsministerin_Prien_will_ueber_Zersetzung_reden_Bitte_dann_tun_wir_das_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260128_Bundesbildungsministerin_Prien_will_ueber_Zersetzung_reden_Bitte_dann_tun_wir_das_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260128_Bundesbildungsministerin_Prien_will_ueber_Zersetzung_reden_Bitte_dann_tun_wir_das_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260128_Bundesbildungsministerin_Prien_will_ueber_Zersetzung_reden_Bitte_dann_tun_wir_das_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145441-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260128_Bundesbildungsministerin_Prien_will_ueber_Zersetzung_reden_Bitte_dann_tun_wir_das_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260128_Bundesbildungsministerin_Prien_will_ueber_Zersetzung_reden_Bitte_dann_tun_wir_das_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was es jetzt braucht, ist nicht mehr Offenheit, sondern ein scharfer Keil. Einer, der die Gesellschaft spaltet. Wenn davon die Rede ist, entsteht schnell ein Zerrbild im Kopf, als w&uuml;rde das Land in zwei gleich gro&szlig;e Teile zerfallen. Doch so ist es nicht. Richtig und tief eingeschlagen, trennt er den gef&auml;hrlichen vom gef&auml;hrdeten Teil der Gesellschaft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So sieht es aus, wenn die Gesellschaft gespalten wird. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2021-11\/corona-pandemie-querdenker-impfgegner-gesellschaft-spaltung-5v8#comments\">Diese Zeilen<\/a> stammen allerdings nicht etwa aus einem von Politikern und Mainstreamjournalisten viel gescholtenen &bdquo;alternativen&ldquo; Medium &ndash; nein, sie sind der &bdquo;liberalen&ldquo; Zeitung <em>DIE ZEIT<\/em> entnommen. Der Artikel tr&auml;gt das Datum 19. November 2021.<\/p><p>Wie wir uns sicher alle erinnern: Es war die Coronazeit. Damals haben viele von jenen, die gerade mit ihren gesalbten Worten vorgeblich die Demokratie hochhalten, den Geist der Demokratie ausgesperrt. Unter den schwersten Grundrechtseinschr&auml;nkungen seit dem Bestehen der Republik verlangten &bdquo;gute&ldquo; Demokraten von den B&uuml;rgern: Gehorchen und den Verstand ausschalten! Das war autorit&auml;r &ndash; und der Moment des Faschistoiden war sp&uuml;rbar. An jenen Stellen, wo dringend &ndash; dringend! &ndash; Meinungsfreiheit, Diskussion und echter demokratischer Streit h&auml;tten vorhanden sein m&uuml;ssen, setzten die &bdquo;W&auml;chter&ldquo; der Demokratie im Verbund mit der Politik auf &bdquo;Zersetzung&ldquo; und &bdquo;Delegitimierung&ldquo;. Die Aberkennung von Status, Ver&auml;chtlichmachung und Herablassung waren gegen&uuml;ber Kritikern der Pandemiepolitik Programm. Wer die &bdquo;falsche&ldquo; Meinung oder Expertise vertrat, war &ouml;ffentlicher Zersetzung ausgesetzt, und Kompetenzen wurden in Abrede gestellt. Und &uuml;berhaupt waren all diejenigen &ouml;ffentlichen Angriffen ausgesetzt, die sich der neuen Konformit&auml;t nicht unterordnen wollten.<\/p><p>Der Journalist Nikolaus Blome durfte im Spiegel mit der vollen symbolischen Kraft eines reichweitenstarken Mediums <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/impfpflicht-was-denn-sonst-a-2846adb0-a468-48a9-8397-ba50fbe08a68\">die folgenden Zeilen schreiben<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Ich hingegen m&ouml;chte an dieser Stelle ausdr&uuml;cklich um gesellschaftliche Nachteile f&uuml;r all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. M&ouml;ge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Eine &bdquo;gesamte Republik&ldquo;, die mit dem Finger auf eine Gruppe von Mitmenschen zeigen soll? <em>Das<\/em> ist Spaltung! &ndash; und von publizistischer Zerst&ouml;rungskraft getrieben. Mitb&uuml;rger &ouml;ffentlich durch einen Fingerzeig zu besch&auml;men, weil sie bei einer hochkomplexen medizinischen Entscheidung nicht bereit sind, &bdquo;mitzuziehen&ldquo;, wie es die Politik will? In der Geschichte der Bundesrepublik gab es leider den einen oder anderen demokratischen Tiefpunkt &ndash; die zitierten Zeilen geh&ouml;ren dazu, und eine Frage dr&auml;ngt sich auf: Wo war Karin Prien, als eine Gruppe von Mitmenschen &uuml;ber ein Medium, das mit zu den reputiertesten der Republik z&auml;hlt, erniedrigt wurden? Diese Frage dr&auml;ngt sich deshalb auf, weil die CDU-Politikerin gerade in einem Interview mit der <em>taz<\/em> etwas gesagt hat, was nicht unkommentiert gelassen werden darf &ndash; im besten Sinne der Demokratie.<\/p><p>In einer Frage, die den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144717\">&bdquo;Komplex G&uuml;nther&ldquo;<\/a> thematisiert, sagt Prien:<\/p><blockquote><p>\n<em>Das andere sind die sogenannten alternativen Medien, die rechtspopulistische und rechtsextreme Positionen immer st&auml;rker in den Diskurs bringen. Ein Teil dieser Medien will zur Delegitimierung und Zersetzung unseres freiheitlichen, demokratischen Systems beitragen, das ist offenkundig.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Hier tauchen sie nun auf, die Signalw&ouml;rter &bdquo;Zersetzung&ldquo; und &bdquo;Delegitimierung&ldquo; &ndash; auf der Basis einer Behauptung!<\/p><p>An dieser Stelle w&auml;re es aus journalistischer Sicht zwingend angebracht gewesen, nach konkreten, belastbaren Beweisen zu fragen. Welche alternativen Medien wollen nachweisbar und gerichtsfest zur &bdquo;Zersetzung unseres freiheitlich-demokratischen Systems beitragen&ldquo;? Stattdessen folgt die Frage der <em>taz<\/em>: &bdquo;Was sollte man dagegen tun?&ldquo;, worauf Prien antwortet:<\/p><blockquote><p>\n<em>Das meiste muss man aushalten. Anders, als behauptet wird, findet Zensur eben gerade nicht statt. Auch die Feinde der Freiheit sind weitgehend durch die Meinungs- und Pressefreiheit, die das Grundgesetz garantiert, gesch&uuml;tzt.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auch hier greift die Bundesbildungsministerin zu einer scharfen Formulierung: &bdquo;Feinde der Freiheit&ldquo;. Erinnern wir uns: In der Coronazeit mussten Menschen aus unserer Mitte allein, ohne ihre Angeh&ouml;rigen, in Krankenh&auml;usern und Heimen sterben. Kinder konnten von ihren Eltern und Eltern konnten von ihren Kindern nicht Abschied nehmen &ndash; welch ein Grauen. Diejenigen, die aus guten Gr&uuml;nden diese Zust&auml;nde kritisiert haben, waren alternative Medien. Jeder echte Demokrat sollte diesen Medien dankbar sein.<\/p><p>Zu dem Interview mit Prien g&auml;be es noch mehr zu sagen, etwa wenn sich die Politikerin &uuml;ber &bdquo;H&auml;me&ldquo; und &bdquo;Beleidigungen&ldquo; beklagt, der sie ausgesetzt sei, oder aber, wenn sie von einer &bdquo;zunehmenden Polarisierung&ldquo; und &bdquo;Radikalisierung&ldquo; spricht.<\/p><p>&bdquo;Radikalisiert&ldquo;, so viel sei gesagt, hat sich die Politik aus der &bdquo;demokratischen Mitte&ldquo; &ndash; und sie polarisiert mit Nachdruck, etwa wenn sie von &bdquo;Feinden der Demokratie&ldquo; spricht, ohne &uuml;berzeugende Belege zu liefern. Doch allein die hier angef&uuml;hrten Stellen reichen aus, um zu verdeutlichen: Es geht nicht um reale Gefahren f&uuml;r die Demokratie, die von alternativen Medien angeblich ausgehen. Es geht, bei Lichte betrachtet, um einen Kampf um die Deutungshoheit, den die etablierte Politik mit immer h&auml;rteren Bandagen f&uuml;hrt. Die Vertreter jener Parteien, die in den letzten Jahrzehnten die Politik der Bundesrepublik gepr&auml;gt haben (Staatsverschuldung von &uuml;ber 2,5 Billionen Euro), sp&uuml;ren, dass ihnen von den alternativen Medien ein anderer Wind ins Gesicht weht als von jenen etablierten Medien, die der Politik mit Kuscheljournalismus begegnen.<\/p><p>Da spricht die Ministerin von &bdquo;rechtspopulistischen&ldquo; Positionen (was soll das sein?), die alternative Medien angeblich immer st&auml;rker in den Diskurs br&auml;chten, und als Leser darf man sich so allgemein die Frage stellen, wie weit die Kenntnisse einer Bundes<em>bildungs<\/em>ministerin im Hinblick auf die Grundprinzipien demokratisch-freiheitlicher Diskussionen reichen m&ouml;gen.<\/p><p>Auch &bdquo;rechtspopulistische&ldquo; Positionen (wie auch immer man diese definiert) d&uuml;rfen von Medien in die &ouml;ffentliche Diskussion eingespeist werden. Wer als demokratischer Politiker damit ein Problem hat, darf so darauf reagieren, wie es die Demokratie verlangt: mit der Kraft der besseren Argumente. Von Argumenten &ndash; von &uuml;berzeugenden erst gar nicht zu reden &ndash; ist an den entscheidenden Stellen in diesem Interview allerdings nichts zu sehen. Und das ist: bezeichnend!<\/p><p><small>Titelbild: penofoto\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundesbildungsministerin Karin Prien hat der <em>taz<\/em> <a href=\"https:\/\/taz.de\/Karin-Prien-ueber-Angriffe-von-rechts\/!6144384\/\">ein Interview gegeben<\/a> &ndash; herausgekommen ist dabei ein Blick in das Innenleben einer Politik, die im Kampf um die Deutungshoheit zu immer h&auml;rteren Bandagen greift. Da spricht die CDU-Politikerin von &bdquo;Zersetzung&ldquo;, von &bdquo;Delegitimierung&ldquo; und den &bdquo;Feinden der Demokratie&ldquo;. Damit sind allerdings jene gemeint, die &ndash; bei Lichte betrachtet<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145441\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":145442,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,123],"tags":[2218,3041,3451,3058,2269,1865,1163,3563,2507],"class_list":["post-145441","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-alternative-medien","tag-cancel-culture","tag-delegitimierung-des-staates","tag-diffamierung","tag-konformitaetsdruck","tag-meinungsfreiheit","tag-meinungspluralismus","tag-prien-karin","tag-streitkultur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/shutterstock_1784505800.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=145441"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145484,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145441\/revisions\/145484"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/145442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=145441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=145441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=145441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}