{"id":145539,"date":"2026-01-30T10:00:26","date_gmt":"2026-01-30T09:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145539"},"modified":"2026-01-30T10:35:37","modified_gmt":"2026-01-30T09:35:37","slug":"joschka-fischer-will-die-europaeische-atombombe-eine-politik-im-geiste-des-militarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145539","title":{"rendered":"Joschka Fischer will die europ\u00e4ische Atombombe \u2013 eine Politik im Geiste des Militarismus"},"content":{"rendered":"<p>Die Atombombe &ndash; die will Joschka Fischer f&uuml;r Europa. Das hat der ehemalige deutsche Au&szlig;enminister gerade in einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/joschka-fischer-uber-die-neue-weltlage-als-junger-mann-wurde-ich-mich-freiwillig-zum-wehrdienst-melden-15191494.html\">Tagesspiegel-Interview<\/a> gefordert. Mit dieser Forderung dokumentiert der 77-J&auml;hrige exemplarisch, wof&uuml;r die Politik der Gr&uuml;nen steht: F&uuml;r Aufr&uuml;stung und Kriegst&uuml;chtigkeit. Tief verstrickt in einer Denkweise, die direkt aus dem milit&auml;risch-industriellen Komplex entsprungen sein k&ouml;nnte, hat sich die Friedenspolitik der Gr&uuml;nen zu einer Politik der Konfrontation entwickelt. Fischers Einlassungen bedienen den Geist des Militarismus &ndash; Sinn und Verstand im Sinne des Friedens lassen sich darin nicht finden. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Gr&uuml;nen-Politiker Joschka Fischer will eine europ&auml;ische Atombombe. Was der Beginn eines Witzes sein k&ouml;nnte, ist leider nicht im Ansatz humoristisch angelegt, sondern bitterer Ernst. Da fordert der ehemalige Bundesau&szlig;enminister f&uuml;r Europa eine Waffe, die in ihrer Zerst&ouml;rungsgewalt dazu ausreicht, die Menschheit auszul&ouml;schen und den kompletten Planeten atomar zu verw&uuml;sten &ndash; nat&uuml;rlich, wie immer, wenn Gr&uuml;ne etwas fordern, nur f&uuml;r die &bdquo;gute Sache&ldquo;. Die Atombombe f&uuml;r Europa &ndash; sie soll Schutz bieten. Denn, man h&ouml;re, wer wei&szlig;, ob die USA noch weiterhin als Schutzmacht agieren w&uuml;rden. Oder genauer, in Fischers Worten: &bdquo;Europa muss das machen, denn die amerikanische Schutzgarantie ist ab sofort ungewiss&ldquo;. Fischer m&ouml;chte man in Anbetracht einer solchen Aussage klarmachen: Erstens <em>muss<\/em> Europa gar nichts. Und zweitens schon gar nicht, wenn eine gr&uuml;ne Partei mit Freude ihre eigenen Werte unter die rasselnde Kette eines Panzers wirft.<\/p><p>In Fischers Worten kommt eine zutiefst r&uuml;ckw&auml;rtsgewandte, anachronistische Denkweise zum Vorschein, die auch direkt aus den ideologisch abgeschotteten Kommandor&auml;umen des Kalten Krieges stammen k&ouml;nnte. Sprich: &bdquo;Die russische Gefahr, die russische Bedrohung, die ist dort drau&szlig;en, nein, sie <em>muss<\/em> dort drau&szlig;en sein. Und wir <em>m&uuml;ssen<\/em> etwas tun.&ldquo; So lauteten damals die dummen Parolen, mit denen die &Ouml;ffentlichkeit &uuml;ber Jahrzehnte propagandistisch kontaminiert wurde &ndash; ganz im Sinne der US-Feindbildpolitik (Brzezinski), wonach der Westen ein Feindbild brauche.<\/p><p>Was diese Denkweise damals bedeutete und was Fischers &Auml;u&szlig;erungen heute bedeuten, ist klar: Aufr&uuml;sten. Noch mehr aufr&uuml;sten. Und noch viel mehr aufr&uuml;sten. Das freut den milit&auml;risch-industriellen Komplex, denn: Viel Geld wird aus dem S&auml;ckle des Steuerzahlers in eine Industrie flie&szlig;en, die mit Mordinstrumenten, mit Vernichtung, Tod und Leid ihr Geld macht.<\/p><p>Auch wenn in Anbetracht der intellektuellen Absurdit&auml;t die Motivation gering ist, &uuml;ber die Sinnhaftigkeit der Einlassungen Fischers nachzudenken: Man muss es wohl tun, denn die Aussagen sind nun drau&szlig;en in der Welt. Dankbar scheinen Medien quer durch die Republik sie aufzugreifen &ndash; selbstverst&auml;ndlich ohne &bdquo;kritische Einordnung&ldquo;.<\/p><p>Wenn Fischer es also als notwendig betrachtet, dass Europa sich atomar bewaffnet, dann bedeutet das doch im Kern nichts anderes, als dass auf absehbare Zeit Russland weiterhin als gro&szlig;e Bedrohung wahrgenommen werden soll. Der Annahme von der Notwendigkeit der atomaren Bewaffnung Europas muss zugrunde liegen, dass Russland tats&auml;chlich bereit dazu sein wird, Europa milit&auml;risch, vielleicht sogar mit Atomwaffen, anzugreifen. Fischers &bdquo;Logik&ldquo; folgend braucht Europa deshalb konsequenterweise selbst die ultimative Vernichtungswaffe, um Russland abzuschrecken.<\/p><p>Eine Politik, die so &bdquo;denkt&ldquo;, ist in ihrem eigenen kl&auml;glichen Feindbild gefangen. Anstatt &uuml;ber die Kunst der Diplomatie f&uuml;r eine Normalisierung des Verh&auml;ltnisses zwischen Russland und Europa zu sorgen, soll lieber ein Weg der politischen Unvernunft beschritten werden. Von der irrigen Annahme, dass Russland tats&auml;chlich zum gro&szlig;en Krieg mit der NATO ausholen k&ouml;nnte, ganz zu schweigen.<br>\nWas w&auml;re das Ergebnis eines solchen Krieges? Eben! Eine Zerst&ouml;rung Europas und Russlands &ndash; mindestens.<\/p><p>Fischer, der sich in dem Interview selbst als &bdquo;Angeh&ouml;riger der Generation Vietnam&ldquo; bezeichnet, redet davon, dass Europa &bdquo;zur Macht&ldquo; werden m&uuml;sse und: &bdquo;Wir m&uuml;ssen St&auml;rke aufbauen. Wir m&uuml;ssen ein machtpolitischer Faktor werden. Dass ich das mal sage, h&auml;tte ich mir auch nicht tr&auml;umen lassen.&ldquo;<\/p><p>Auf die Frage, ob Fischer, der damals ausgemustert wurde, sich heute zum Wehrdienst stellen w&uuml;rde, sagt der Gr&uuml;ne: &bdquo;Als junger Mann w&uuml;rde ich mich freiwillig melden. Die Zeit ist eine andere. Wir werden bedroht. Wir m&uuml;ssen uns verteidigen.&ldquo;<\/p><p>Vielleicht sollte Fischer mal das Gespr&auml;ch mit jemanden suchen, der seinen Ansichten etwas entgegenstellt, was in dem Interview nicht vorkommt: Ein etwas feiner, abgestufter Blick auf die Wirklichkeit.<\/p><p><small>Titelbild: Screencap WDR<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/ffe4294e5c7140a2bf43aeed32519c3f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Atombombe &ndash; die will Joschka Fischer f&uuml;r Europa. Das hat der ehemalige deutsche Au&szlig;enminister gerade in einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/joschka-fischer-uber-die-neue-weltlage-als-junger-mann-wurde-ich-mich-freiwillig-zum-wehrdienst-melden-15191494.html\">Tagesspiegel-Interview<\/a> gefordert. 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