{"id":145598,"date":"2026-01-31T16:00:27","date_gmt":"2026-01-31T15:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145598"},"modified":"2026-02-01T08:13:50","modified_gmt":"2026-02-01T07:13:50","slug":"us-interventionismus-sanktionen-regime-change-strategien-und-voelkerrecht-serie-zu-venezuela-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145598","title":{"rendered":"US-Interventionismus: Sanktionen, Regime-Change-Strategien und V\u00f6lkerrecht (Serie zu Venezuela, Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p>Die USA mischen sich bereits seit Langem mit zahlreichen Ma&szlig;nahmen in die inneren Angelegenheiten Venezuelas ein: Parallel zur Sanktionsschraube verfolgten die USA in dem Land offen Strategien des Regimewechsels, die k&uuml;rzlich gar in die Entf&uuml;hrung des Staatsoberhaupts gem&uuml;ndet sind. Diese Politik steht schon lange in klarem Widerspruch zur selbst proklamierten &bdquo;regelbasierten Ordnung&ldquo;. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6339\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145598-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260131_US_Interventionismus_Sanktionen_Regime_Change_Strategien_und_Voelkerrecht_Serie_zu_Venezuela_Teil_3_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260131_US_Interventionismus_Sanktionen_Regime_Change_Strategien_und_Voelkerrecht_Serie_zu_Venezuela_Teil_3_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260131_US_Interventionismus_Sanktionen_Regime_Change_Strategien_und_Voelkerrecht_Serie_zu_Venezuela_Teil_3_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260131_US_Interventionismus_Sanktionen_Regime_Change_Strategien_und_Voelkerrecht_Serie_zu_Venezuela_Teil_3_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145598-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260131_US_Interventionismus_Sanktionen_Regime_Change_Strategien_und_Voelkerrecht_Serie_zu_Venezuela_Teil_3_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260131_US_Interventionismus_Sanktionen_Regime_Change_Strategien_und_Voelkerrecht_Serie_zu_Venezuela_Teil_3_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Beitrag bildet den dritten Teil der Venezuela-Serie. Er kann f&uuml;r sich gelesen werden; ein umfassenderes Verst&auml;ndnis der historischen und strukturellen Zusammenh&auml;nge ergibt sich jedoch aus der Lekt&uuml;re der ersten beiden Teile. Zudem befindet sich im Anhang ein PDF zum Download mit Dokumenten und Leaks.<\/em><\/p><p><em>Den ersten Teil der Serie finden Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144907\">unter diesem Link<\/a>, den zweiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145231\">unter diesem Link<\/a>.<\/em><\/p><ol>\n<li><strong>Einleitung<\/strong>\n<p>Die Au&szlig;enpolitik der USA in Lateinamerika folgte seit jeher dem Geist der Monroe-Doktrin von 1823, die Nord- und S&uuml;damerika zur Einflusszone der USA erkl&auml;rte und europ&auml;ische Einmischung als Gefahr f&uuml;r die amerikanische Sicherheit brandmarkte. Was zun&auml;chst als antikoloniale Schutzbehauptung einer jungen Republik daherkam, entwickelte sich &uuml;ber die Jahrzehnte zu einem Interventionismus, der die Vormachtstellung Washingtons in der westlichen Hemisph&auml;re zementieren sollte. Bereits zu Zeiten des Kalten Krieges wurden dabei grundlegende Prinzipien des V&ouml;lkerrechts &ndash; allen voran das Interventionsverbot und die staatliche Souver&auml;nit&auml;t &ndash; immer wieder gebrochen. Drastische Beispiele sind der Sturz der reformorientierten Regierungen in Guatemala 1954 und Chile 1973 durch direkte oder verdeckte US-Einmischung sowie die milit&auml;rische Intervention in der Dominikanischen Republik 1965. Guatemala und die Dominikanische Republik stehen stellvertretend f&uuml;r offene hegemoniale Eingriffe im Namen der Containment-Politik[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], w&auml;hrend in Chile CIA-gest&uuml;tzte Destabilisierungsaktionen zum blutigen Putsch gegen Salvador Allende f&uuml;hrten. Solche Pr&auml;zedenzf&auml;lle untergruben die Norm der Nichteinmischung massiv.<\/p>\n<p>Diese historische Bilanz US-amerikanischer Einflussnahmen bildet den Hintergrund f&uuml;r die Entwicklung in Venezuela seit 1999, als Hugo Ch&aacute;vez eine anti-neoliberale, bolivarische Politik einschlug und damit ins Visier Washingtons geriet. Schon fr&uuml;h entwickelte sich das Verh&auml;ltnis zu einem schweren Konflikt, der bis in die Gegenwart fortbesteht.<\/p><\/li>\n<li><strong>Venezuelas Leiden unter US-Sanktionspolitik von 1999 bis 2026<\/strong>\n<p>Schon unter Pr&auml;sident Ch&aacute;vez verschlechterten sich die Beziehungen zu Washington zusehends, was sich zun&auml;chst in diplomatischen Verstimmungen und punktuellen Strafma&szlig;nahmen zeigte. Dazu geh&ouml;rten unmittelbar wirksame Ma&szlig;nahmen wie die j&auml;hrliche Nicht-Zertifizierung Venezuelas als Kooperationspartner mit weitreichenden Folgen f&uuml;r gemeinsame Ausbildungs- und Trainingsprogramme, Wegfall von Informationsaustausch und Verz&ouml;gerungen oder Ausfall bei Wartung und Ersatzteilen, besonders bei den venezolanischen Streitkr&auml;ften.<\/p>\n<p>Mittelbare, strukturell, politisch wirkende Folgen waren Reiseunf&auml;higkeit zu Konferenzen oder Trainings, der Ausschluss von medizinischer Versorgung, famili&auml;re Trennungen bei US-basierten Angeh&ouml;rigen und die &uuml;ber allem schwebende soziale und symbolische Stigmatisierung als der &bdquo;unzuverl&auml;ssige dubiose Venezolaner&ldquo;. Dies legte den Keim zur innenpolitischen Polarisierung. <\/p>\n<p>2006 verh&auml;ngte die Bush-Regierung ein erstes Sanktionspaket gegen Venezuela, angeblich[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] wegen mangelnder Kooperation im Anti-Terror-Kampf. Nachdem Nicol&aacute;s Maduro 2013 Ch&aacute;vez&rsquo; Nachfolge angetreten war und Massenproteste 2014 gewaltsam niedergeschlagen wurden, schuf der US-Kongress eine <em>gesetzliche Grundlage<\/em> f&uuml;r Sanktionen: Ende 2014 verabschiedete er den <em>Venezuela Defense of Human Rights and Civil Society Act<\/em>, der Sanktionen gegen venezolanische Funktion&auml;re erm&ouml;glichte, die f&uuml;r Menschenrechtsverletzungen[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] verantwortlich gemacht wurden. Kurz darauf dehnte Pr&auml;sident Barack Obama diese Politik aus: Im M&auml;rz 2015 erkl&auml;rte er Venezuela per <em>Executive Order<\/em> sogar zur &bdquo;au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Bedrohung&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] f&uuml;r die nationale Sicherheit der USA und fror das Verm&ouml;gen mehrerer Spitzenfunktion&auml;re ein. <\/p>\n<p>Mit der Amts&uuml;bernahme von Donald Trump (2017) versch&auml;rfte Washington den Sanktionskurs erheblich. Die Trump-Administration belegte Dutzende weitere venezolanische Regierungsmitglieder, Milit&auml;rs und Angeh&ouml;rige der Justiz mit Einreisesperren und Kontosperrungen &ndash; unter&#8239;anderem Richter des Obersten Gerichts, die der Entmachtung des oppositionell dominierten Parlaments beschuldigt wurden. <\/p>\n<p>Bereits ab 2015 wirkten sich informelle Finanzma&szlig;nahmen faktisch wie Sanktionen aus: Banken zogen sich zur&uuml;ck, Kreditlinien wurden gekappt und internationale Transaktionen blockiert. Diese Praxis der &sbquo;Overcompliance&rsquo; f&uuml;hrte de facto zu einem Ausschluss Venezuelas vom internationalen Kapitalmarkt &ndash; lange vor den offiziellen Finanzsanktionen der Executive Order 13808 im August 2017. Im August 2017 dann verh&auml;ngte die US-Regierung weitere Finanzsanktionen gegen den venezolanischen Staat: US-B&uuml;rgern und Banken wurde verboten, neue venezolanische Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen des &Ouml;lkonzerns <em>Petr&oacute;leos de Venezuela, S.A.<\/em> (PDVSA) zu kaufen. Diese Ma&szlig;nahme kappte Venezuelas Zugang zu den Kapitalm&auml;rkten nun vollst&auml;ndig und l&uuml;ckenlos. Ziel war es, die Maduro-Regierung wirtschaftlich auszuhungern. Zugleich deutete Trump &ouml;ffentlich eine <em>&bdquo;milit&auml;rische Option&ldquo;<\/em> gegen Maduro an &ndash; eine Drohgeb&auml;rde, die in Lateinamerika Alarm ausl&ouml;ste. <\/p>\n<p>Das Human Rights Council ver&ouml;ffentlichte in seiner 48. Sitzung vom 13. September bis 1. Oktober einen ersch&uuml;tternden Bericht[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>], in dem es feststellte, dass ein umfassender Sanktionsrahmen &ndash; einschlie&szlig;lich sektoraler Ma&szlig;nahmen gegen &Ouml;l-, Gold- und Minenindustrie &ndash; die grundlegendsten Menschenrechte unterminiert habe. Grundlegende Dienste wie Elektrizit&auml;t, Wasser, Gesundheits- und das Bildungssystem wurden massiv beeintr&auml;chtigt. Humanit&auml;re Ausnahmen seien unzureichend, um Verschlechterungen der Lage zu kompensieren. &bdquo;Over-Compliance&ldquo;, also &Uuml;bererf&uuml;llung durch Finanzakteure, verst&auml;rkte die negativen Effekte &uuml;ber den urspr&uuml;nglichen Sanktionsrahmen hinaus.<\/p>\n<p>Nach der in Teilen umstrittenen Wiederwahl Maduros 2018, die die USA und EU als illegitim einstuften, folgte die n&auml;chste Eskalationsstufe: Im Januar 2019 erkannte Washington Oppositionsf&uuml;hrer Juan Guaid&oacute; als legitimen Interimspr&auml;sidenten Venezuelas an. Unmittelbar darauf brach Caracas die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab. Die US-Regierung schn&uuml;rte nun ein umfassendes Sanktionspaket mit dem erkl&auml;rten Ziel, Maduro zu st&uuml;rzen. Im Fr&uuml;hjahr 2019 wurden zum ersten Mal Sektoralsanktionen verh&auml;ngt: Die USA belegten das Staats&ouml;lunternehmen PDVSA mit einem &Ouml;l-Embargo, was faktisch einen Exportstopp f&uuml;r venezolanisches &Ouml;l in die USA bedeutete. Zudem fror das US-Finanzministerium alle venezolanischen Staatsverm&ouml;gen in den USA ein (darunter Milliarden aus &Ouml;leinnahmen) und stellte sie sp&auml;ter dem Guaid&oacute;-Lager in Aussicht. Es folgten Sanktionen gegen die Zentralbank Venezuelas und andere Schl&uuml;sselbereiche der Wirtschaft.<\/p>\n<p>Die EU-Partner schlossen sich dem Druck an, wenngleich in milderer Form: Die Europ&auml;ische Union verh&auml;ngte ab 2017 ein R&uuml;stungsembargo und fror Verm&ouml;genswerte ausgew&auml;hlter venezolanischer Amtstr&auml;ger ein, insgesamt 25 Personen bis 2020[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]. Auch Kanada, Panama, die Schweiz und Gro&szlig;britannien erlie&szlig;en Magnitsky-&auml;hnliche Sanktionen[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] gegen Maduro-Vertraute. Multilaterale Gremien wie der UN-Sicherheitsrat konnten keine kollektiven Sanktionen beschlie&szlig;en &ndash; Russland und China blockierten entsprechende Vorst&ouml;&szlig;e. Stattdessen bildeten die USA mit Gleichgesinnten informelle Koalitionen wie die <em>Lima-Gruppe<\/em> lateinamerikanischer Staaten, um den wirtschaftlichen und diplomatischen Druck auf Caracas zu erh&ouml;hen.<\/p>\n<p>Insgesamt l&auml;sst sich eine stetige Versch&auml;rfung der Sanktionspolitik feststellen: von gezielten Strafma&szlig;nahmen gegen Einzelpersonen hin zu umfassenden Wirtschafts- und &Ouml;lsanktionen, die Venezuela von den Weltm&auml;rkten isolieren sollten. Rechtsbasis waren einerseits Beschl&uuml;sse des US-Kongresses und pr&auml;sidentielle <em>Executive Orders<\/em>, andererseits Abstimmungen in EU-R&auml;ten. Institutionell traten vor allem das <em>US-Treasury Department (OFAC)<\/em> als Sanktionsbeh&ouml;rde sowie das <em>Au&szlig;enministerium<\/em> als Taktgeber auf den Plan. Der UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r Sanktionen, Idriss Jazairy, warnte fr&uuml;h, dass die einseitigen US-\/EU-Sanktionen erheblichen Schaden f&uuml;r die venezolanische Zivilbev&ouml;lkerung anrichteten und v&ouml;lkerrechtlich bedenklich seien[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>].<\/p>\n<p>Sp&auml;testens ab 2019 griffen die Strafma&szlig;nahmen so tief in den venezolanischen &Ouml;lhandel und Finanzsektor ein, dass man von einer wirtschaftlichen Blockade sprechen kann &ndash; insbesondere nachdem 2020\/21 selbst Drittstaaten-Unternehmen sanktioniert wurden, die Venezuelas &Ouml;l exportierten (sekund&auml;re Sanktionen). Diese Entwicklungen rahmen den Konflikt und bereiten den Boden f&uuml;r noch drastischere Regime-Change-Versuche vor, wie im Folgenden gezeigt wird.<\/p><\/li>\n<li><strong>Regime-Change-Strategien<\/strong>\n<p>Parallel zur Sanktionsschraube verfolgten die USA in Venezuela offen Strategien des Regimewechsels. Bereits unter Pr&auml;sident Ch&aacute;vez unterst&uuml;tzte Washington oppositionelle Kr&auml;fte materiell und propagandistisch, was im April 2002 in einen kurzzeitigen Putsch kulminierte. An diesem 11.&nbsp;April 2002 nutzten abtr&uuml;nnige Milit&auml;rs und Gegner der Regierung gewaltt&auml;tige Unruhen als Vorwand, um Ch&aacute;vez zu verhaften und eine &Uuml;bergangsjunta unter Pedro Carmona zu installieren. Die Bush-Regierung in Washington wusste im Voraus &uuml;ber detaillierte Putschpl&auml;ne Bescheid, wie sp&auml;ter freigegebene CIA-Dokumente enth&uuml;llten[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]. Statt Caracas zu warnen, reagierte das Wei&szlig;e Haus jedoch mit <em>stillschweigender Billigung<\/em>: So behauptete Bushs Pressesprecher Ari Fleischer am Tag nach dem Putsch wahrheitswidrig, Ch&aacute;vez sei freiwillig zur&uuml;ckgetreten, um die Macht&uuml;bernahme der Putschisten zu legitimieren. Diplomatisch isoliert &ndash; selbst die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) forderte die Wiederherstellung der verfassungsm&auml;&szlig;igen Ordnung &ndash; brach das Carmona-Regime jedoch binnen 48 Stunden in sich zusammen, Ch&aacute;vez kehrte dank loyaler Milit&auml;rs und Massenprotesten ins Amt zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Nach diesem Fiasko bem&uuml;hte sich Washington, seine Rolle herunterzuspielen. Gleichwohl belegte ein interner Bericht des US-Au&szlig;enministeriums, dass US-Stellen (State Department, Verteidigungsministerium) in den Jahren zuvor venezolanische Institutionen und Oppositionsgruppen mit rund 3,3&nbsp;Millionen&nbsp;US-Dollar unterst&uuml;tzt hatten &ndash; darunter auch Akteure, die in den Putsch involviert waren. Ebenso setzte die vom US-Kongress finanzierte National Endowment for Democracy (NED) ihre F&ouml;rdergeldzahlungen an regierungskritische NGOs und Medien auch nach 2002 unvermindert fort, selbst an Organisationen unter der Leitung bekannter Putschbef&uuml;rworter. Diese Netzwerke aus USAID-, NED- und OTI-Programmen (Office for Transition Initiatives) begleiteten fortan die venezolanische Opposition mit Trainings, Logistik und Finanzmitteln &ndash; offiziell zur <em>F&ouml;rderung von Demokratie und Zivilgesellschaft<\/em>, de facto aber oft zur St&auml;rkung anti-chavistischer Kampagnen.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahren versuchte die Opposition wiederholt, Ch&aacute;vez auf legalem Weg zu st&uuml;rzen (z.&#8239;B. Recall-Referendum 2004, Generalstreik, etc.), jedoch ohne Erfolg. Nach Ch&aacute;vez&rsquo; Tod 2013 &uuml;bernahm Nicol&aacute;s Maduro, doch die US-Strategie des Regimewechsels blieb bestehen und intensivierte sich sogar. Ein entscheidender H&ouml;hepunkt war 2019: Maduro trat im Januar 2019 seine zweite Amtszeit an, basierend auf den umstrittenen[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Wahlen von 2018. Die Opposition boykottierte diese Wahlen gr&ouml;&szlig;tenteils, und im In- und Ausland wurden ihre Ergebnisse als manipuliert angeprangert[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]. <\/p>\n<p>Am 23.&nbsp;Januar 2019 erkl&auml;rte sich daraufhin der Parlamentspr&auml;sident Juan Guaid&oacute; vor Tausenden Anh&auml;ngern selbst zum &bdquo;Interimspr&auml;sidenten&ldquo; Venezuelas &ndash; ein beispielloser Schritt, der offensichtlich koordiniert mit Washington vorbereitet worden war. Wie sp&auml;ter bekannt wurde, rief US-Vizepr&auml;sident Mike Pence Guaid&oacute; am Vorabend pers&ouml;nlich an und versprach ihm volle Unterst&uuml;tzung der USA, sollte er die verfassungsrechtliche Begr&uuml;ndung f&uuml;r eine &Uuml;bergangspr&auml;sidentschaft liefern. Dieses gr&uuml;ne Licht aus dem Wei&szlig;en Haus setzte einen zuvor geheim abgestimmten Plan in Gang, in den US-Diplomaten, Abgeordnete und Oppositionsf&uuml;hrer seit Wochen involviert waren. Pr&auml;sident Trump erkannte Guaid&oacute; nur Minuten nach dessen Proklamation offiziell als legitimen Staatschef an. Fast synchron folgten zahlreiche Regierungen dem US-Vorbild: Kanada, Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Chile, Gro&szlig;britannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und insgesamt &uuml;ber 50 Staaten sprachen Guaid&oacute; innerhalb weniger Tage ihre Anerkennung aus.<\/p>\n<p>Diese rasche internationale Anerkennungskampagne wurde von Washington orchestriert und diplomatisch forciert. So dr&auml;ngte Pence etwa im April 2019 den UN-Sicherheitsrat, Guaid&oacute; anstelle Maduros anzuerkennen, und rief die OAS dazu auf, Venezuelas Sitz neu zu besetzen. Tats&auml;chlich stimmte die <em>Organisation Amerikanischer Staaten<\/em> kurz darauf mit knapper Mehrheit daf&uuml;r, den von Guaid&oacute; ernannten Gesandten als offiziellen Vertreter Venezuelas zu akzeptieren &ndash; ein diplomatischer Erfolg f&uuml;r die USA und OAS-Generalsekret&auml;r Luis Almagro, der offen Partei f&uuml;r die Opposition ergriff.<\/p>\n<p>Die Rolle zentraler Institutionen der US-Au&szlig;enpolitik bei diesen Regime-Change-Versuchen war un&uuml;bersehbar: Das <em>US-Au&szlig;enministerium<\/em> (unter Mike Pompeo) und der Nationale Sicherheitsberater John Bolton trommelten &ouml;ffentlich f&uuml;r einen Machtwechsel in Caracas. Bolton z&auml;hlte Venezuela zusammen mit Kuba und Nicaragua zur &bdquo;Troika der Tyrannei&ldquo; und stellte Maduro ein Ultimatum. Die USAID organisierte im Februar 2019 zusammen mit Guaid&oacute;s Team eine vielbeachtete, aber letztlich gescheiterte <em>Hilfslieferungsoperation<\/em> an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze &ndash; ein Propagandaschachzug, um die venezolanische Armee zum &Uuml;berlaufen zu bewegen. Die halbstaatliche NED erh&ouml;hte zugleich ihre F&ouml;rdergelder f&uuml;r &bdquo;demokratische Initiativen&ldquo; in Venezuela erheblich. <\/p>\n<p>Die OAS fungierte als politischer Resonanzboden: Almagro legitimierte Guaid&oacute; mit Verweis auf die Interamerikanische Demokratie-Charta, w&auml;hrend die ALBA-Staaten (Bolivarianische Allianz) Maduros Pr&auml;sidentschaft verteidigten. Im Hintergrund zogen US-Gesandte wie der Sonderbeauftragte Elliott Abrams die F&auml;den, koordinierten Diplomatie, Sanktionen und Geheimdienstaktivit&auml;ten. Thinktanks wie der <em>Atlantic Council<\/em> in Washington erarbeiteten derweil bereits detaillierte &bdquo;Transition Plans&ldquo; f&uuml;r ein Venezuela nach Maduro, in denen die Restrukturierung der &Ouml;lindustrie, die Abhaltung freier Wahlen und die Reintegration in die Weltwirtschaft skizziert wurden.<\/p>\n<p>Trotz dieses mehrgleisigen Vorgehens &ndash; Wirtschaftssanktionen, diplomatische Isolation, Unterst&uuml;tzung einer Quasi-Parallelregierung und psychologischer Druck auf das Milit&auml;r &ndash; blieb Maduros Sturz bis 2023\/24 aus. Guaid&oacute; konnte sich innenpolitisch nicht durchsetzen und verlor bis Ende 2022 sogar den Parlamentsvorsitz; Anfang 2023 l&ouml;ste die Opposition ihre &bdquo;Interimsregierung&ldquo; mangels Erfolgen auf. Dennoch demonstrierte die Episode 2019, wie weitreichend die internationale Inszenierung eines Regierungswechsels mittlerweile gehen kann: Von offenen Appellen an das venezolanische Milit&auml;r, die Seite zu wechseln, bis zur konzertierten Anerkennung eines Parallelpr&auml;sidenten &ndash; ein Vorgehen, das einen Pr&auml;zedenzfall in der diplomatischen Geschichte darstellt und Fragen nach seiner v&ouml;lkerrechtlichen Zul&auml;ssigkeit aufwirft.<\/p><\/li>\n<li><strong>V&ouml;lkerrechtliche Bewertung<\/strong>\n<p>Die v&ouml;lkerrechtliche W&uuml;rdigung der US-Strategie gegen&uuml;ber Venezuela f&auml;llt weitgehend kritisch aus. Aus Sicht der UN-Charta und angrenzender Normen werden durch die beschriebenen Handlungen mehrere Grundprinzipien tangiert oder verletzt:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>4.1 Das Interventionsverbot und Prinzip der Souver&auml;nit&auml;t<\/strong> (Art.&nbsp;2 Ziff.&nbsp;1&nbsp;und&nbsp;7 UN-Charta). Dieses untersagt Staaten die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer souver&auml;ner Staaten, insbesondere in deren politisches System. Die gezielte Unterst&uuml;tzung eines Staatsstreichs (wie 2002 versucht) und die <em>Anerkennung einer Alternativregierung<\/em> (wie 2019 bei Guaid&oacute;) stellen zweifellos Eingriffe in den Hoheitsbereich Venezuelas dar. Zwar argumentierten die USA und Verb&uuml;ndete, Guaid&oacute; berufe sich auf die venezolanische Verfassung &ndash; doch aus v&ouml;lkerrechtlicher Sicht bleibt die Regierung Maduro trotz Wahlzweifeln die De-facto- und De-jure-Regierung, solange keine innerstaatliche Abl&ouml;sung erfolgt. Die Kollektive Anerkennung Guaid&oacute;s war ein politischer Akt, der von L&auml;ndern wie Mexiko, Uruguay, Russland, China und vielen anderen explizit als Bruch der Nichteinmischung verurteilt wurde. Der st&auml;ndige Vertreter Russlands Wassili Nebensja etwa mahnte im Sicherheitsrat, Washington solle &bdquo;aufh&ouml;ren, in die Angelegenheiten anderer Staaten zu intervenieren&ldquo;[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]. Lateinamerikanische Regionalorganisationen wie die CELAC (Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten) bekr&auml;ftigten wiederholt das Prinzip, dass jede &Auml;nderung in Venezuela <em>friedlich und vom venezolanischen Volk selbst<\/em> ausgehen m&uuml;sse &ndash; eine klare Absage an &auml;u&szlig;eren Regimewechsel.<\/li>\n<li><strong>4.2 Das Gewaltverbot<\/strong> (Art.&nbsp;2&nbsp;Ziff.&nbsp;4&nbsp;UN-Charta) verbietet nicht nur den direkten Einsatz von Waffengewalt, sondern bereits die <em>Drohung mit Gewalt<\/em>. Schon Trumps wiederholte Andeutung einer &bdquo;milit&auml;rischen Option&ldquo; k&ouml;nnte man als Drohkulisse werten, die v&ouml;lkerrechtlich problematisch ist. Der am 3. Januar 2026 tats&auml;chlich durchgef&uuml;hrte Milit&auml;rschlag und die Entf&uuml;hrung des Staatsoberhauptes ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats stellt einen eindeutigen Akt der Aggression dar. Schon vor der Entf&uuml;hrung wurden ein <em>Teilstreitkr&auml;ftemarineeinsatz mit Blockadecharakter<\/em> in der s&uuml;dlichen Karibik und punktuelle Luftschl&auml;ge auf angebliche Drogentransporte von der US-Regierung initiiert. UN-Experten verurteilten im Dezember 2025 die von Washington verk&uuml;ndete Blockade venezolanischer &Ouml;ltanker als klaren Versto&szlig; gegen das Gewaltverbot und grundlegende Normen des V&ouml;lkerrechts.\n<p>Eine Blockade gilt als Einsatz von milit&auml;rischer Gewalt und wurde von den Vereinten Nationen 1974[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] ausdr&uuml;cklich als <em>rechtswidriger Aggressionsakt<\/em> definiert. Die Expertengruppe stellte fest: &bdquo;Es gibt kein Recht, einseitige Sanktionen mittels einer bewaffneten Blockade durchzusetzen&ldquo;. Dies k&auml;me einem <em>bewaffneten Angriff<\/em> gleich, der nach Art.&nbsp;51&nbsp;UN-Charta das angegriffene Land grunds&auml;tzlich zum Selbstverteidigungsschlag berechtigen w&uuml;rde. Die im Herbst 2025 gemeldeten t&ouml;dlichen Zwischenf&auml;lle &ndash; &uuml;ber 100 get&ouml;tete angebliche Drogenschmuggler bei US-Luftangriffen auf venezolanische Boote &ndash; bezeichneten die UN-Experten als willk&uuml;rliche T&ouml;tungen, die Menschenrechte verletzen. Sie forderten alle Staaten auf, dagegen diplomatisch und rechtlich vorzugehen, um die internationale Rechtsordnung zu wahren.<\/p><\/li>\n<li><strong>4.3 Unilaterale Wirtschaftssanktionen<\/strong> au&szlig;erhalb des UN-Rahmens sind aus v&ouml;lkerrechtlicher Sicht nicht per se verboten aber umstritten, wenn sie bestimmte Normen wie etwa die Grundrechte verletzen oder humanit&auml;re Auswirkungen haben. Die UN-Sonderberichterstatterin Alena Douhan stellte 2021 fest, die US-\/EU-Sanktionen gegen Venezuela h&auml;tten &bdquo;verheerende Auswirkungen&ldquo; auf die Bev&ouml;lkerung und seien &bdquo;m&ouml;glicherweise v&ouml;lkerrechtswidrig&ldquo; [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]. Das ist nachvollziehbar, sind die Ma&szlig;nahmen doch v&ouml;llig unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig, und ihr strafender Charakter zieht ein ganzes Volk in Mitleidenschaft. Man k&ouml;nnte sogar von m&ouml;glichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sprechen, sollten Sanktionen gezielt Tod und Leid in Kauf nehmen &ndash; ein Vorwurf, den Caracas erhebt.\n<p>Eine Studie[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] &uuml;ber die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf die altersspezifische Sterblichkeit von 1971 bis 2021 in 152 L&auml;ndern kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen: Wirtschaftliche Sanktionen t&ouml;ten Kinder unter f&uuml;nf Jahren und &auml;ltere Erwachsene am h&auml;ufigsten. Unilaterale Sanktionen der USA und der EU t&ouml;ten am wirksamsten. UN-Sanktionen dagegen wiesen laut Studie keine statistisch signifikanten Sterblichkeitseffekte auf.<\/p>\n<p>Die Autoren sch&auml;tzen, dass unilaterale Sanktionen weltweit mit etwa 564.258 Todesf&auml;llen pro Jahr assoziiert sind &ndash; eine Gr&ouml;&szlig;enordnung, die mit der Sterblichkeit durch bewaffnete Konflikte vergleichbar ist. In der UN-Generalversammlung fand sich eine Mehrheit von Staaten, die die sogenannten <em>unilateral coercive measures<\/em> verurteilen und deren Aufhebung fordern &ndash; ein eindringliches Zeichen, dass die Sanktionspolitik der USA als selektive Rechtsanwendung wahrgenommen wird, die die <em>Souver&auml;nit&auml;t und sozialen Menschenrechte<\/em> Venezuelas verletzt.<\/p><\/li>\n<li><strong>4.4 Die selektive Auslegung des V&ouml;lkerrechts:<\/strong> Die USA berufen sich einerseits auf demokratische Prinzipien und Menschenrechte, um Druck auf Venezuela zu rechtfertigen, ignorieren aber andere Normen (wie das Gewaltverbot oder die Souver&auml;nit&auml;t) im eigenen Handeln. Dieses doppelte Spiel wird auch in Lateinamerika kritisiert. Uruguay erkl&auml;rte gemeinsam mit Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Spanien, dass sie einseitige milit&auml;rische Aktionen, die gegen das V&ouml;lkerrecht und die UN-Charta versto&szlig;en, ablehnen. Organisationen wie CELAC und UNASUR betonten das Prinzip der <em>Nichteinmischung<\/em> als Grundpfeiler einer neuen lateinamerikanischen Eigenst&auml;ndigkeit. ALBA-Staaten[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] sprachen von einer &bdquo;R&uuml;ckkehr zur Kanonenboot-Diplomatie&ldquo; des 19.&nbsp;Jahrhunderts unter neuem Vorwand.\n<\/li><\/ul>\n<p>Insgesamt zeigt die v&ouml;lkerrechtliche Betrachtung, dass die US-Vorgehensweise in Venezuela in einem eklatanten Spannungsverh&auml;ltnis zur internationalen Rechtsordnung steht. Weder das gezielte Herbeif&uuml;hren eines Regierungswechsels durch &auml;u&szlig;eren Druck noch eine milit&auml;rische Intervention lassen sich mit der UN-Charta vereinbaren, solange keine unmittelbare Bedrohung oder ein Mandat vorliegt. Vielmehr wirken die Ereignisse um Venezuela als Pr&uuml;fstein daf&uuml;r, wie belastbar das Nachkriegsv&ouml;lkerrecht in einer Zeit ist, in der neue Machtzentren (China, Russland) die unilateralen Aktionen der alten Hegemonialmacht USA herausfordern. Dass letztlich kein Konsens in der internationalen Gemeinschaft &uuml;ber die Anerkennung Guaid&oacute;s oder Sanktionen bestand, unterstreicht die Fragmentierung: W&auml;hrend ein Block westlicher und verb&uuml;ndeter Staaten das Vorgehen der USA mittrug, pochten andere auf das Recht Venezuelas, seinen politischen Weg selbst zu bestimmen. Diese Rivalit&auml;t spiegelt sich in Begriffen wie <em>&bdquo;Rules-based order&ldquo;<\/em> (westlich dominiert) vs. <em>multipolare Rechtsordnung<\/em> wider.<\/p><\/li>\n<li><strong>Schluss \/ Fazit<\/strong>\n<p>Die politischen Interventionen der USA gegen&uuml;ber Venezuela von 1999 bis 2026 stellen sich als Lehrbeispiel einer selektiven V&ouml;lkerrechtsanwendung dar. Einerseits reklamieren die USA f&uuml;r sich das Recht, in Namen von Demokratie und Menschenrechten einzugreifen, andererseits verletzen sie dabei grundlegende Normen wie Souver&auml;nit&auml;t, Nichteinmischung und Gewaltverbot. Dieses Vorgehen kn&uuml;pft an eine lange Historie US-amerikanischer Hemisph&auml;renpolitik an &ndash; von der Monroe-Doktrin &uuml;ber den Kalten Krieg bis zur Entf&uuml;hrung eines Staatsoberhaupts auf seinem eigenen Territorium &ndash; und offenbart doch im 21.&nbsp;Jahrhundert neue Qualit&auml;ten.<\/p>\n<p>Die normative Verbindlichkeit des V&ouml;lkerrechts wurde in diesem Konflikt mit &auml;u&szlig;erster R&uuml;cksichtslosigkeit hinweggefegt und hat so einen gef&auml;hrlichen Pr&auml;zedenzfall geliefert. Internationales Recht ist letztlich so stark wie die Bereitschaft der Staaten, es einzuhalten. <\/p>\n<p>Letztlich steht das V&ouml;lkerrecht im 21.&nbsp;Jahrhundert an einer Wegscheide. Der Fall Venezuela illustriert, wie die sogenannte regelbasierte Ordnung des Westens (vom V&ouml;lkerrecht ganz zu schweigen) durch <em>selektive Befolgung<\/em> ausgeh&ouml;hlt wird. In diesem Sinne ist der venezolanische Konflikt mehr als ein regionaler Zwist &ndash; er ist ein Gradmesser daf&uuml;r, ob normative Regeln gegen&uuml;ber Machtinteressen im neuen multipolaren Zeitalter bestehen k&ouml;nnen oder ob wir einer Welt entgegensehen, in der am Ende doch wieder (bzw. weiterhin) das Recht des St&auml;rkeren obsiegt.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/260131-Interventionismus-Anhang.pdf\">In diesem PDF<\/a> finden sich weitere Dokumente und Leaks.<\/p><p><em>Der folgende vierte Teil der Serie richtet den Blick auf die &Auml;ra Maduro. Im Zentrum stehen die &ouml;konomischen Fehlsteuerungen nach dem Ende des Rohstoffbooms, die zunehmende Korruption und Repression sowie die Aush&ouml;hlung von Wahl- und Kontrollmechanismen. Zugleich wird untersucht, wie Sanktionen Versorgungslage, Gesundheitswesen und Migration beeinflusst haben. Abschlie&szlig;end geht es um die eine zentrale Abw&auml;gung: Welche Verantwortung tr&auml;gt die Regierung selbst &ndash; und wo verst&auml;rken externer Druck und internationale Isolierung den inneren Kollaps?<\/em><\/p><p><small>Titelbild: zmotions \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Containment wurde als eine antiimperialistische Strategie verstanden, um sich der Sowjetunion entgegenzustellen und so das Selbstbestimmungsrecht der V&ouml;lker aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.congress.gov\/crs-product\/IF10715?utm=\">Seit 2006 stellt der US-Au&szlig;enminister j&auml;hrlich fest<\/a> (zuletzt im Mai 2025), dass Venezuela gem&auml;&szlig; Abschnitt 40A des US-amerikanischen Waffenausfuhrkontrollgesetzes (22 U.S.C. &sect;2781) nicht &bdquo;vollst&auml;ndig mit den Anti-Terror-Ma&szlig;nahmen der Vereinigten Staaten kooperiert&ldquo;. Die Vereinigten Staaten haben daraufhin alle kommerziellen Waffenverk&auml;ufe und -weitergaben an Venezuela untersagt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/es\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/AMR5312392015ENGLISH.pdf\">AI-Report<\/a> &ndash; VENEZUELA: THE FACES OF IMPUNITY<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Ich, Barack Obama, [&hellip;] stelle fest, dass die <a href=\"https:\/\/www.govinfo.gov\/content\/pkg\/DCPD-201500159\/pdf\/DCPD-201500159.pdf\">Situation in Venezuela<\/a> [&hellip;] eine ungew&ouml;hnliche und au&szlig;erordentliche Bedrohung f&uuml;r die nationale Sicherheit und die Au&szlig;enpolitik der Vereinigten Staaten darstellt, und ich erkl&auml;re hiermit den nationalen Notstand, um dieser Bedrohung zu begegnen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Visit to the Bolivarian Republic of Venezuela Report of the Special Rapporteur on the negative impact of unilateral coercive measures on the enjoyment of human rights<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2017\/2063\/oj\/pdf\">Council Regulation<\/a> (EU) 2017\/2063 of 13 November 2017 concerning restrictive measures in view of the situation in Venezuela<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Magnitsky-&auml;hnliche Sanktionen sind personenbezogene Zwangsma&szlig;nahmen, die sich gezielt gegen einzelne Verantwortliche f&uuml;r schwere Menschenrechtsverletzungen oder erhebliche Korruption richten &ndash; nicht gegen Staaten, Volkswirtschaften oder Bev&ouml;lkerungen.<br>\nDer Begriff geht zur&uuml;ck auf den Fall Sergei Magnitsky, eines russischen Anwalts, der 2009 nach Aufdeckung massiver Korruption in russischem Staatsgewahrsam starb.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/press-releases\/2019\/01\/venezuela-sanctions-harm-human-rights-innocent-people-un-expert-warns\">Venezuela sanctions<\/a> harm human rights of innocent people<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/files\/declassification\/iscap\/pdf\/2007-044-doc1.pdf\">CIA<\/a> wusste vor dem Putsch &uuml;ber detaillierte Pl&auml;ne Bescheid<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Die <a href=\"https:\/\/dorothykronick.com\/28J.pdf\">Arbeit von Dorothy Kronick<\/a> (Berkeley) untersucht die Validit&auml;t von ver&ouml;ffentlichten Stimmz&auml;hldaten und argumentiert, dass bestimmte technische Eigenschaften des venezolanischen Systems eine F&auml;lschung <em>der Z&auml;hlung<\/em> schwer bis unwahrscheinlich machen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/645882\/WD-2-048-19-pdf.pdf\">Hintergrundanalyse<\/a>, inkl. rechtlicher Perspektiven und Kritik an Wahlbedingungen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/russiaun.ru\/en\/news\/05012026\">Erkl&auml;rung<\/a> des St&auml;ndigen Vertreters Wassili Nebensja bei einer Unterrichtung des UN-Sicherheitsrates zu Venezuela<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/documents-dds-ny.un.org\/doc\/RESOLUTION\/GEN\/NR0\/739\/16\/img\/NR073916.pdf\">Resolution 3314<\/a> (XXIX) am 14. Dezember 1974<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] VI. <a href=\"https:\/\/docs.un.org\/en\/A\/HRC\/48\/59\/Add.2\">Conclusions<\/a> 92. Der Sonderberichterstatter stellt mit Besorgnis fest, dass die sektoralen Sanktionen gegen die &Ouml;l-, Gold- und Bergbauindustrie, die Wirtschaftsblockade der Bolivarischen Republik Venezuela, das Einfrieren von Zentralbankverm&ouml;gen, die gezielten Sanktionen gegen venezolanische Staatsangeh&ouml;rige und Unternehmen aus Drittstaaten sowie die zunehmende &Uuml;berbefolgung der Sanktionen durch Banken und Unternehmen aus Drittstaaten die bereits bestehende wirtschaftliche und humanit&auml;re Lage versch&auml;rft haben. Sie haben die Erzielung von Einnahmen und die Nutzung von Ressourcen zur Erhaltung und zum Ausbau der Infrastruktur und sozialer Unterst&uuml;tzungsprogramme verhindert, was verheerende Auswirkungen auf die gesamte Bev&ouml;lkerung des Landes hat, insbesondere &ndash; aber nicht nur &ndash; auf Menschen in extremer Armut, Frauen, Kinder, medizinisches Personal, Menschen mit Behinderungen oder lebensbedrohlichen oder chronischen Krankheiten sowie die indigene Bev&ouml;lkerung.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/cepr.net\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sanctions_LancetPaper_072225.pdf\">Effects of International Sanctions<\/a> on Age-Specific Mortality: A Cross-National Panel Data Analysis<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.albatcp.org\/en\">ALBA<\/a> Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra Am&eacute;rica<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USA mischen sich bereits seit Langem mit zahlreichen Ma&szlig;nahmen in die inneren Angelegenheiten Venezuelas ein: Parallel zur Sanktionsschraube verfolgten die USA in dem Land offen Strategien des Regimewechsels, die k&uuml;rzlich gar in die Entf&uuml;hrung des Staatsoberhaupts gem&uuml;ndet sind. Diese Politik steht schon lange in klarem Widerspruch zur selbst proklamierten &bdquo;regelbasierten Ordnung&ldquo;. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145598\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":144910,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20],"tags":[3611,1795,3212,2637,2175,2071,305,2761,663,3125,1418,3438,2556,1556,1703,1333,1019],"class_list":["post-145598","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","tag-aussenpolitische-doktrin","tag-chavez-hugo","tag-doppelte-standards","tag-embargo","tag-interventionspolitik","tag-maduro-nicolas","tag-menschenrechte","tag-organisation-amerikanischer-staaten","tag-putsch","tag-regelbasierte-ordnung","tag-regime-change","tag-un-charta","tag-unterwanderung","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-venezuela","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/shutterstock_2427326889.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=145598"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145669,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145598\/revisions\/145669"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/144910"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=145598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=145598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=145598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}