{"id":1456,"date":"2006-07-29T12:25:40","date_gmt":"2006-07-29T10:25:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1456"},"modified":"2016-01-31T16:24:09","modified_gmt":"2016-01-31T15:24:09","slug":"das-deutsche-problem-mit-dem-arbeitsmarkt-das-iw-sieht-die-schuld-bei-den-arbeitslosen-das-iab-sieht-das-problem-im-auftragsmangel-der-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1456","title":{"rendered":"Das \u201edeutsche Problem\u201c mit dem Arbeitsmarkt: Das IW sieht die Schuld bei den Arbeitslosen, das IAB sieht das Problem im Auftragsmangel der Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht 3 Millionen Stellenangebote und 1,3 Millionen offene Stellen. Nirgendwo in Europa seien mit 3,2% so viele Arbeitspl&auml;tze unbesetzt wie in Deutschland. Das IW sieht <a href=\"http:\/\/www.iw-koeln.de\/default.aspx?p=pub&amp;i=1892&amp;pn=2&amp;n=n1892&amp;m=pub&amp;f=4&amp;ber=Informationen&amp;a=19400\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.iw-koeln.de\/default.aspx?p=pub&amp;i=1892&amp;pn=2&amp;n=n1892&amp;m=pub&amp;f=4&amp;ber=Informationen&amp;a=19400\">&bdquo;ein deutsches Problem&ldquo;<\/a> in der mangelnden Mobilit&auml;t und Flexibilit&auml;t und in der &bdquo;recht gro&szlig;z&uuml;gigen&ldquo; staatlichen Alimentation der Arbeitslosen.<br>\nSind also die Arbeitslosen an der hohen Arbeitslosenrate selbst schuld?<br>\n<!--more--><br>\nDiese Meldung des IW wurde nat&uuml;rlich sofort von vielen Medien [<a href=\"http:\/\/www2.onwirtschaft.t-online.de\/dyn\/c\/84\/09\/53\/8409538.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www2.onwirtschaft.t-online.de\/dyn\/c\/84\/09\/53\/8409538.html\">1<\/a>] [<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/archiv\/06.07.2006\/2642258.asp\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/archiv\/06.07.2006\/2642258.asp\">2<\/a>] nachgeplappert.<br>\nDankenswerterweise ging Nicola Holzapfel dem <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/jobkarriere\/berufstudium\/artikel\/555\/81474\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.sueddeutsche.de\/jobkarriere\/berufstudium\/artikel\/555\/81474\/\">&bdquo;R&auml;tsel Arbeitsmarkt&ldquo; in der S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/a> einmal journalistisch etwas gr&uuml;ndlicher nach und befragte die Arbeitsmarktforscher vom &bdquo;Institut f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit&ldquo; (IAB) zu der Pressemeldung des IW.<\/p><p>Das Ranking des IW habe mit der Realit&auml;t nichts zu tun, verlautete vom IAB. &ldquo;Die Statistiken der aufgef&uuml;hrten L&auml;nder sind nicht vergleichbar, weil die Datenbasis v&ouml;llig unterschiedlich ist. Manche L&auml;nder erfassen nur offene Stellen ausgew&auml;hlter Wirtschaftsbereiche oder von Unternehmen bestimmter Gr&ouml;&szlig;e, einige ermitteln ihre Zahlen durch Betriebsbefragungen, anderen sch&auml;tzen sie&rdquo;, sagt die Arbeitsmarkt-Expertin Kettner. Dazu k&auml;me noch die Hartz-IV-Reform. &ldquo;Die angebotenen Ein-Euro-Jobs flie&szlig;en in die deutsche Statistik ein. In anderen L&auml;ndern gab es im vergangenen Jahr keine solche Arbeitsmarktreform&ldquo;.<\/p><p>Nach der j&auml;hrliche <a href=\"http:\/\/doku.iab.de\/kurzber\/2006\/kb0606.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/doku.iab.de\/kurzber\/2006\/kb0606.pdf\">Betriebsbefragung des IAB zum gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot [931 KB]<\/a>, sind zwar im Herbst 2005 mit 1,1 Millionen erfreulicherweise wieder 400.000 Stellen mehr angeboten worden als im Jahr zuvor, darunter allerdings nur 350.000 aktuelle Vakanzen. Dazu haben aber vor allem die 1-Euro-Jobs mit einem Zuwachs von rd. 110.000 beigetragen. Am &bdquo;Ersten Arbeitsmarkt&ldquo; wurden rd. 980.000 Stellen angeboten, gut 70.000 Stellen mehr als im Vorjahr.<\/p><p>Ist es also doch &ndash; wie das IW nahe zu legen scheint &ndash; ein &bdquo;Problem&ldquo; der aktuell gemeldeten 4,3 Millionen Arbeitslosen, wenn sie bei knapp einer Million Stellenangeboten nicht zugreifen? <\/p><p>Was das IW unterschl&auml;gt ist, dass Stellenbesetzungen Ausgleichsvorg&auml;nge zwischen Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt sind, die eben mehr oder weniger Zeit ben&ouml;tigen.<br>\nDie Spanne vom Beginn der Bewerbersuche durch den Betrieb bis zur Arbeitsaufnahme eines (sozialversicherungspflichtig) Besch&auml;ftigten betrug im Jahr 2 005 in Westdeutschland durchschnittlich 73 Tage, in Ostdeutschland 62 Tage.<br>\nDa die Betriebe in der Regel mit zeitlichem Vorlauf auf Bewerbersuche gehen, ist die Vakanzzeit erheblich k&uuml;rzer. Im Westen betrug sie 2 005 durchschnittlich 18 Tage, im Osten 14 Tage. So lange waren also die angebotenen Stellen offen.<br>\nDas IAB kommt sogar zum Ergebnis, dass offene Stellen 2 004 und 2 005 im Ganzen leichter besetzt werden konnten als in fr&uuml;heren Jahren.<\/p><p>Zwischenbemerkung:<br>\nDie hohe Zahl an Stellenangeboten (rd. 1 Million) und die relativ kurze Vermittlungsfristen best&auml;tigen einmal mehr, dass der Arbeitsmarkt viel dynamischer ist, als sich das in den monatlichen Arbeitslosenstatistiken ausdr&uuml;ckt. Auch zeigt sich in der Studie des IAB zum gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot, dass nur etwa 34% der offenen Stellen &uuml;berhaupt bei den Arbeits&auml;mtern gemeldet wird, &uuml;ber zwei Drittel aller Stellen werden also auf dem &bdquo;freien&ldquo; Arbeitsmarkt vermittelt. Auch darin zeigt sich erneut, wie unsinnig es ist, wenn die Bundesregierung nahezu s&auml;mtliche ihrer Energien in der Arbeitsmarktpolitik seit Hartz auf die &bdquo;Reform&ldquo; der Arbeitsagentur und deren Instumentarien konzentriert, statt eine offensive Besch&auml;ftigungspolitik zu betreiben. <\/p><p>Gibt es also wirklich kein &bdquo;deutsches Problem&ldquo; bei der Besetzung offener Stellen?<br>\nDas IAB befragte deshalb Betriebe, ob in den letzten 12 Monaten ihre Gesch&auml;ftst&auml;tigkeit durch externe Gr&uuml;nde behindert worden sei und welche Rolle dabei insbesondere das Fehlen geeigneter Arbeitskr&auml;fte gespielt habe.<br>\nDiese Umfrage bef&ouml;rderte ein ganz anderes &ldquo;Problem&ldquo; zu Tage als uns offenbar das IW suggerieren will.<br>\nIch zitiere w&ouml;rtlich den IAB-Kurzbericht vom 27.4.2006: <\/p><blockquote><p>Von den befragten Betrieben berichteten rd. 52 Prozent im R&uuml;ckblick auf die letzten 12 Monate von betriebsexternen Aktivit&auml;tshemmnissen, wie zu wenig Auftr&auml;gen bzw. zu wenig Umsatz, zu wenig geeigneten Arbeitskr&auml;ften oder Finanzierungsrestriktionen. Der Anteil war um 3 Prozentpunkte h&ouml;her als im Vorjahr.<br>\nAls wichtigstes Hemmnis wurden fehlende Auftr&auml;ge genannt. Dies betraf rd. 35 Prozent aller Betriebe, etwa so viele wie im Vorjahr. Von einem Mangel an geeigneten Arbeitskr&auml;ften berichteten 7 Prozent, etwas mehr als im Vorjahr. <strong>In Deutschland ist somit der Auftragsmangel nach wie vor das mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Hemmnis f&uuml;r mehr Besch&auml;ftigung und Wachstum, w&auml;hrend der Arbeitskr&auml;ftemangel nur eine geringe, wenn auch leicht zunehmende Rolle spielt.<\/strong><\/p><\/blockquote><p>Auftragsmangel und nicht Arbeitskr&auml;ftemangel ist also das &bdquo;deutsche Problem&ldquo;!<\/p><p>Und auf noch ein &bdquo;deutsches Problem&ldquo; verweis Lutz Bellmann vom IAB in der S&uuml;ddeutschen Zeitung: &ldquo;Arbeitgeber, die nicht kompromissbereit sind, k&ouml;nnten sich schwer tun, jemanden zu finden. Sie m&uuml;ssen &uuml;berlegen, was sie wollen und sich zum Beispiel fragen, ob es wirklich ein junger Bewerber sein muss oder nicht auch ein &Auml;lterer passt. Vielleicht m&uuml;ssen sie auch eine Einarbeitung in Kauf nehmen&rdquo;.<br>\nEs liegt also eher an der mangelnden Bereitschaft der Unternehmer, Kompromisse gegen&uuml;ber neu einzustellenden Arbeitskr&auml;fte einzugehen, hat Bellmann in einer anderen Studie des IAB herausgefunden. Also nicht wie das IW unterstellt, an der mangelnden Flexibilit&auml;t und Mobilit&auml;t der Arbeitskr&auml;fte oder daran, dass sich Arbeitslose im sozialen Netz gem&uuml;tlich machten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht 3 Millionen Stellenangebote und 1,3 Millionen offene Stellen. Nirgendwo in Europa seien mit 3,2% so viele Arbeitspl&auml;tze unbesetzt wie in Deutschland. Das IW sieht <a href=\"http:\/\/www.iw-koeln.de\/default.aspx?p=pub&amp;i=1892&amp;pn=2&amp;n=n1892&amp;m=pub&amp;f=4&amp;ber=Informationen&amp;a=19400\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.iw-koeln.de\/default.aspx?p=pub&amp;i=1892&amp;pn=2&amp;n=n1892&amp;m=pub&amp;f=4&amp;ber=Informationen&amp;a=19400\">&bdquo;ein deutsches Problem&ldquo;<\/a> in der mangelnden Mobilit&auml;t und Flexibilit&auml;t und in der &bdquo;recht gro&szlig;z&uuml;gigen&ldquo; staatlichen Alimentation der Arbeitslosen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1456\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,123,30],"tags":[342,550,479],"class_list":["post-1456","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-iab","tag-iw","tag-reservearmee"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1456"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30740,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1456\/revisions\/30740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}