{"id":14560,"date":"2012-09-27T09:43:18","date_gmt":"2012-09-27T07:43:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14560"},"modified":"2024-09-29T04:34:02","modified_gmt":"2024-09-29T02:34:02","slug":"zu-syrien-und-weit-daruber-hinaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14560","title":{"rendered":"Zu Syrien und weit dar\u00fcber hinaus"},"content":{"rendered":"<p>In einem breit angelegten Interview erkundet Nahost-Experte <strong>G&uuml;nter Meyer<\/strong> die mannigfachen Dimensionen des syrischen B&uuml;rgerkriegs und seine Folgen &ndash; &ouml;konomische und geostrategische &ndash; f&uuml;r andere L&auml;nder in der Region. Er ist der &Uuml;berzeugung, dass die USA und Israel bislang den meisten Nutzen aus der Situation gezogen haben. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Lars Schall<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEiner der herausragenden Experten in Europa zum Nahen Osten, Professor G&uuml;nter Meyer, befasst sich in diesem ausf&uuml;hrlichen Exklusiv-Interview, das in Englisch f&uuml;r Asia Times Online gef&uuml;hrt wurde, den syrischen B&uuml;rgerkrieg und seinen internationalen Dimensionen. Das Original wurde <a href=\"http:\/\/www.atimes.com\/atimes\/Middle_East\/NI22Ak01.html\">hier<\/a> ver&ouml;ffentlicht und am 26. September aktualisiert.<\/p><p>Prof. Dr. G&uuml;nter Meyer hat seit fast 40 Jahren empirische Forschungen &uuml;ber die soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung in den arabischen L&auml;ndern durchgef&uuml;hrt und ist Autor von mehr als 150 B&uuml;chern und Artikeln, vor allem &uuml;ber Syrien, &Auml;gypten, Jemen und die L&auml;nder des Golf-Kooperationsrats. Er leitet das Zentrum f&uuml;r Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t in Mainz, Deutschland, eines der weltweit f&uuml;hrenden Informationszentren f&uuml;r die Verbreitung von Nachrichten und Forschungen zum Nahen Osten. Professor Meyer ist <\/p><ul>\n<li>Vorsitzender der <a href=\"http:\/\/davo1.de\/\">Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient f&uuml;r gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation (DAVO)<\/a><\/li>\n<li>Pr&auml;sident der <a href=\"http:\/\/www.smi.uib.no\/eurames\/\">European Association for Middle Eastern Studies (EURAMES)<\/a><\/li>\n<li>Vorsitzender des <a href=\"http:\/\/wocmes.iemed.org\/\">International Advisory Council of the World Congress for Middle Eastern Studies (WOCMES)<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Lars Schall:<\/strong> Professor Meyer, da unsere Wahrnehmungen durch die Medien gebildet werden, was denken Sie &uuml;ber die Berichterstattung zum Konflikt in Syrien in den westlichen Medien?<\/p><p><strong>G&uuml;nter Meyer:<\/strong> Meine Wahrnehmungen werden nicht nur von den Medien gebildet, sondern auch von meiner eigenen Erfahrung in Syrien und durch den Kontakt mit Syrern, anderen arabische Experten und politischen Aktivisten des Arabischen Fr&uuml;hlings. Die Informationen, die ich aus diesen Quellen und auch von arabischen Medien erhalte, decken ein viel breiteres Spektrum von Ansichten und Einsch&auml;tzungen ab, als die eher einseitige Berichterstattung in der Mehrheit der westlichen Medien.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Welche Dinge haben Sie insbesondere zu kritisieren?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Bis vor kurzem war die Mainstream-Berichterstattung in den meisten westlichen Medien eindeutig voreingenommen. Sie konzentrierte sich haupts&auml;chlich auf die Unterscheidung zwischen dem &ldquo;schlechten&rdquo; syrischen Regime, das gest&uuml;rzt werden muss, und der &ldquo;guten&rdquo; Opposition, die unterst&uuml;tzt werden muss, weil sie gegen eine korrupte, autorit&auml;re und brutale Regierung k&auml;mpft. Diese Wahrnehmung hat sich in den vergangenen Monaten allm&auml;hlich ver&auml;ndert. Mehr und mehr Medien berichten &uuml;ber die widerstreitenden Interessen der stark fragmentierten oppositionellen Gruppen sowie &uuml;ber die Gr&auml;ueltaten der Rebellengruppen und ihre Verbrechen gegen die Zivilbev&ouml;lkerung, insbesondere gegen Alawiten, aber auch gegen Christen.<\/p><p>Der Zustrom von Salafisten, Dschihadisten und Anh&auml;ngern von al-Qaida sowie die Erwartung, dass radikale sunnitische Islamisten Syrien nach dem Sturz von Baschar al-Assad kontrollieren werden, sind st&ouml;rende Themen, &uuml;ber die nun auch immer h&auml;ufiger in westlichen Medien berichtet wird. Nach einer langen Verz&ouml;gerung konzentriert sich die Berichterstattung &uuml;ber die Entwicklung in Syrien nicht mehr nur auf die Verbreitung der politischen Ansichten der &ldquo;Friends of Syria&rdquo;, die den Sturz des Regimes in Damaskus propagieren. Stattdessen w&auml;chst die Zahl der Berichte, die sich bem&uuml;hen, ein umfassendes Bild &uuml;ber die hoch komplexe Situation in Syrien zu geben.<\/p><p>Nichtsdestoweniger gibt es immer noch eine Voreingenommenheit, wenn es um die Berichterstattung &uuml;ber Massaker geht. Die Mehrheit der westlichen Medien &ndash; und auch die meisten westlichen Regierungen &ndash; neigen dazu, Informationen aus oppositionellen Quellen zu verbreiten, wonach die Regierungstruppen, insbesondere die Shabiha-Miliz, verantwortlich sind f&uuml;r die grausamen T&ouml;tungen von Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Zur gleichen Zeit werden Beweise f&uuml;r eine systematische &ldquo;Massaker-Marketingstrategie&rdquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] der Rebellen als Propaganda des Assad-Regimes zur&uuml;ckgewiesen. Es ist offensichtlich, dass in vielen F&auml;llen, vor allem bei den Massakern mit den h&ouml;chsten Opferzahlen in Houla [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] und Daraya [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] oppositionelle Kr&auml;fte brutale Verbrechen gegen Zivilisten begingen, nur um die Regierung f&uuml;r diese Massaker verantwortlich zu machen. Mit dieser Strategie versuchen sie, die &ouml;ffentliche Meinung zu manipulieren und politische Entscheidungen gegen das syrische Regime zu beeinflussen.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> W&uuml;rden Sie sagen, dass die geopolitische Bedeutung Syriens f&uuml;r die eurasische Energie-Politik hier von Relevanz ist? Ich meine, letztendlich ist Syrien ein wichtiger Transportknotenpunkt f&uuml;r k&uuml;nftige &Ouml;l- und Gaspipelines, nicht wahr?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Wann immer Sie versuchen, politische Konflikte im Nahen Osten zu analysieren und auf deren Grund zu gelangen, werden Sie wahrscheinlich &Ouml;l oder Gas finden. Der gegenw&auml;rtige Konflikt wurde mit Syriens Rolle als Transitland f&uuml;r iranische Gas-Exporte in Verbindung gebracht. Im vergangenen Jahr unterzeichneten Iran, Irak und Syrien einen Vertrag zum Bau einer Erdgas-Pipeline bis 2016, die vom riesigen South Pars-Feld im Iran bis zur syrischen Mittelmeerk&uuml;ste f&uuml;hren soll, um den Libanon und Europa mit Gas zu versorgen. Als Ergebnis w&uuml;rde die T&uuml;rkei ihre hoch profitable und politisch wichtige Position als dominierendes Transitland f&uuml;r Gas aus Russland und dem kaspischen Becken einb&uuml;&szlig;en. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<br>\nK&ouml;nnte diese zu erwartende Konkurrenz ein Grund f&uuml;r die t&uuml;rkische Regierung sein, ihre guten Beziehungen mit dem syrischen Regime aufzugeben und die Opposition zu unterst&uuml;tzen? Das ist eher unwahrscheinlich. In den letzten Jahren hat der Iran zahlreiche Absichtserkl&auml;rungen und Vertr&auml;ge mit ausl&auml;ndischen Regierungen und Unternehmen unterzeichnet, um iranische Gas- und &Ouml;lfelder auszubeuten und Pipelines zu bauen. Als Folge des US-Embargos gegen den Iran wurde nichts davon durchgef&uuml;hrt. Deshalb ist zu vermuten, dass der Vertrag zum Bau einer Pipeline nach Syrien vor allem aus innenpolitischen Gr&uuml;nden von der iranischen Regierung initiiert  wurde. Man muss auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Frage stellen. Warum sollte Gas aus dem s&uuml;dlichen Iran nach Europa exportiert werden, wenn die h&ouml;chste Nachfrage nach iranischem Gas aus den Nachbarl&auml;ndern Pakistan und Indien kommt?<\/p><p>Ein anderes Projekt w&uuml;rde viel mehr Sinn ergeben: Im Jahr 2009 hatte Katar vorgeschlagen, eine Pipeline von den Gasfeldern des Emirats &uuml;ber Syrien bis in die T&uuml;rkei zu bauen, von wo das Gas &uuml;ber andere Pipelines nach Europa transportiert werden kann. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Basierend auf diesem Projekt, hatten Assad-Anh&auml;nger behauptet, dass die Unruhen in Syrien kein Aufstand seien, sondern eine von Katar angezettelte Aggression, um das Land zu beherrschen und Katars Zugang zum Mittelmeer f&uuml;r seine Gas-Exporte zu gew&auml;hrleisten. Dieses Argument kann getrost den Verschw&ouml;rungstheorie zugeordnet werden. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Sind die entdeckten Energieressourcen im &ouml;stlichen Mittelmeer und im Levante-Becken ebenfalls von Interesse hier?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Die noch in der Erschlie&szlig;ung befindlichen Erdgasvorkommen sind extrem wichtig f&uuml;r Israel, das nicht mehr auf die unsichere Versorgung mit &auml;gyptischem Erdgas durch die immer gesprengte Pipeline auf der Sinai-Halbinsel angewiesen sein wird. Die bisher entdeckten Erdgasreserven sind so gro&szlig;, dass Israel nicht nur Energie-Unabh&auml;ngigkeit erreichen, sondern auch von lukrativen Exportgesch&auml;ften profitieren wird. Weitere umfangreiche Gas- und sogar &Ouml;lreserven werden in den Offshore-Gebieten vor der K&uuml;ste von Syrien und Libanon vermutet. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Doch haben die neu entdeckten Ressourcen keinen direkten Einfluss auf die gegenw&auml;rtige Krise in Syrien.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Wenn es um die westlichen M&auml;chte geht, beabsichtigen diese vor allem eine Schw&auml;chung der Iran-Syrien-Hisbollah-Achse?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Es gibt zahlreiche Aussagen der US-Regierung, die die geostrategische Bedeutung des Sturzes des syrischen Regimes betonen, wodurch sowohl der Iran als auch die Hisbollah im S&uuml;dlibanon ihren wichtigsten Verb&uuml;ndeten verlieren w&uuml;rden. Die iranische und syrische Lieferung von Waffen an die Hisbollah wird dann nicht mehr m&ouml;glich sein. Die Schw&auml;chung der Streitkr&auml;fte dieser schiitischen Organisation bedeutet, dass die Auswirkungen auf die Machtstruktur des Libanon und vor allem ihre F&auml;higkeit, Israel anzugreifen, dramatisch sinken wird. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Der Sturz von Baschar Al-Assad w&uuml;rde auch den Einfluss von Russland und China im Nahen Osten schw&auml;chen und die Rolle der USA und Saudi-Arabiens in dieser Region st&auml;rken.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Erleben wir derzeit eine &ldquo;Balkanisierung Syriens&rdquo; oder eine &ldquo;Balkanisierung des Nahen Osten&rdquo; im Allgemeinen?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> In den letzten Jahrzehnten war Syrien gepr&auml;gt durch eine s&auml;kulare Herrschaftsform mit starker panarabischer Orientierung. Jetzt sind die ethnischen und religi&ouml;sen Spannungen zu einem dominierenden Faktor geworden, der die Einheit des syrischen Staates bedroht. Der schlimmste Fall w&auml;re in der Tat eine &ldquo;Balkanisierung&rdquo; f&uuml;r Syrien. Das w&uuml;rde eine Aufteilung des Landes bedeuten in einen nord&ouml;stlichen kurdischen Staat, von wo die PKK [Arbeiterpartei Kurdistans] ihre Angriffe gegen die T&uuml;rkei forcieren k&ouml;nnte, einen Alawiten-Staat im westlichen Bergland und an der K&uuml;ste, eine kleine Drusen-Enklave im S&uuml;den und einen sunnitischen Staat in zentralen Syrien. Nur der letzte w&uuml;rde wahrscheinlich &uuml;ber gen&uuml;gend wirtschaftliches Potenzial verf&uuml;gen, um auf lange Sicht Bestand zu haben.<\/p><p>Andere Experten legen ein &ldquo;Libanonisierungs&rdquo;-Szenario nahe, das die Kr&auml;fte der syrischen Streitkr&auml;fte binden und die Zentralregierung in Damaskus schw&auml;chen w&uuml;rde. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Das Modell einer &ldquo;Irakisierung&rdquo; von Syrien k&ouml;nnte auch Chancen besitzen, mit mehreren autonomen oder semi-autonomen Regionen zur Realit&auml;t zu werden. &Auml;hnliche Forderungen werden auch im &ouml;lreichen Osten Libyens erhoben, wo gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung nicht l&auml;nger vom Zentrum der politischen Macht in Tripolitanien, der westlichen Region von Libyen, dominiert werden wollen.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Sehen wir in Syrien eine &auml;hnliche Situation wie zuvor in Libyen oder ist sie ganz anders?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Die Rahmenbedingungen in Libyen waren ganz anders. Gaddafis Streitkr&auml;fte waren viel zu schwach, um der milit&auml;rischen &Uuml;bermacht der NATO zu widerstehen, die vom UN-Sicherheitsrat erm&auml;chtigt worden war, in Libyen einzugreifen. Gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung und fast der gesamte Osten Libyens opponierte gegen das autorit&auml;re Regime, so dass sich ausl&auml;ndische Milit&auml;rberater in diesem Teil des Landes frei bewegen sowie die oppositionelle K&auml;mpfer mit schweren Waffen ausr&uuml;sten und in deren Handhabung unterweisen konnten.<\/p><p>Bashar al-Assad kann sich dagegen auf die hervorragend ausgebildeten und hochger&uuml;steten Republikanische Garde und die 4. Bewaffnete Division verlassen &ndash; Elite-Truppen, die fast ausschlie&szlig;lich aus Alawiten bestehen.. Die syrische Luftwaffe und insbesondere die Luftverteidigung sind mit der neuesten russischen Milit&auml;rtechnik ausger&uuml;stet. Eine aktuelle Analyse des Massachusetts Institute of Technology kommt zu dem Schluss, dass die syrische Luftverteidigung f&uuml;nfmal so schlagkr&auml;ftig ist wie die von Gaddafi. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Eine milit&auml;rische Offensive durch ausl&auml;ndische Truppen, um Bashar al-Assad zu st&uuml;rzen, w&auml;re eine &auml;u&szlig;erst riskante und teure Operation. Dar&uuml;ber hinaus besteht keine Chance, dass Russland und China eine UN-Resolution f&uuml;r eine milit&auml;rische Intervention in Syrien akzeptieren. Unter diesen Umst&auml;nden haben die USA, Frankreich und das Vereinigten K&ouml;nigreich bisher nur oppositionelle K&auml;mpfer auf t&uuml;rkischem Territorium in der N&auml;he der nordwestlichen Grenze von Syrien ausgebildet und sie mit Kommunikationsmitteln und anderer nicht-t&ouml;dlicher Ausr&uuml;stung versorgt. Gleichzeitig l&auml;sst der Iran mit zivilen Flugzeugen milit&auml;risches Personal und gro&szlig;e Mengen von Waffen durch den irakischen Luftraum nach Syrien fliegen, um beim Bek&auml;mpfen des Aufstands zu helfen &ndash; so ein westlicher Geheimdienstbericht, der von der Nachrichtenagentur Reuters eingesehen wurde. Die irakische Regierung bestreitet jedoch, dass solche Fl&uuml;ge stattfinden.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Wir wissen, dass Kr&auml;fte der al-Qaida auf syrischem Boden k&auml;mpfen. Ed Husain, Senior Fellow f&uuml;r Nahost-Studien beim Council on Foreign Relations, schrieb dazu: &ldquo;Im Gro&szlig;en und Ganzen sind die Bataillone der Freien Syrische Armee (FSA) m&uuml;de, geteilt, chaotisch und unwirksam. Indem sie sich vom Westen verlassen f&uuml;hlen, sind die Rebellen zunehmend demoralisiert &hellip; Al-Qaida-K&auml;mpfer k&ouml;nnen dagegen dazu beitragen, die Moral zu verbessern. Der Zustrom von Dschihadisten bringt Disziplin, religi&ouml;se Inbrunst, Kampferfahrung aus dem Irak, die Finanzierung von sunnitischen Sympathisanten in der Golfregion, und vor allem t&ouml;dliche Resultate. Kurz gesagt, die FSA braucht jetzt die al-Qaida.&rdquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<br>\nDas ist schon eine Aussage nach mehr als zehn Jahren des so genannten &ldquo;Kriegs gegen den Terror&rdquo;, nicht wahr?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> In der Tat! Es gibt viele &auml;hnliche Berichte &ndash;  unter anderem aus dem &ouml;stlichen Euphrat-Tal nahe der irakischen Grenze, wo Oppositionsk&auml;mpfer mehrere Monate lang vergeblich versucht hatten, Stellungen der syrischen Armee einzunehmen. Am Ende baten sie eine wesentlich besser bewaffnete al-Qaida-Gruppe um Unterst&uuml;tzung. Nach deren Angriffen zog sich die Armee innerhalb von wenigen Tagen aus der Garnison zur&uuml;ck.<\/p><p>Die al-Qaida-K&auml;mpfer und Dschihadisten kommen nicht nur aus arabischen L&auml;ndern, wo sie vor allem im Irak, aber auch in Tunesien, Libyen und auf der Arabischen Halbinsel umfangreiche Kampferfahrungen gesammelt haben. Andere sind in Pakistan ausgebildet worden, und auch militante Muslime aus europ&auml;ischen L&auml;ndern haben sich den islamistischen Milizen in Syrien angeschlossen. Ihre Zahl w&auml;chst rasant. Dies ist der Hauptgrund, warum die US-Regierung die oppositionellen K&auml;mpfer nicht mit Boden-Luft-Raketen beliefern will, die am Ende in den H&auml;nden von al-Qaida oder Hisbollah landen k&ouml;nnten. Es wurde erst vor kurzem berichtet, dass die Freie Syrische Armee 14 Stinger-Raketen erworben hat. Bisher ist es jedoch noch nicht best&auml;tigt worden, dass diese Waffen verwendet wurden, um syrische Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber anzugreifen [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>].<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Welche Bedeutung hat es, dass al-Qaida eine sunnitische Terrororganisation ist?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Rund 70% der syrischen Bev&ouml;lkerung sind Sunniten. Viele von ihnen betrachten die herrschenden Alawiten nicht als echte Muslime. Das gleiche gilt f&uuml;r al-Qaida, die fordert, dass alle Muslime gemeinsam die alawitischen &ldquo;Ungl&auml;ubigen&rdquo; ausl&ouml;schen sollen. Doch bedeutet dies keineswegs, dass al-Qaida und andere ausl&auml;ndische Dschihadisten von allen syrischen Sunniten unterst&uuml;tzt w&uuml;rden. Ganz im Gegenteil. Die &uuml;berwiegende Mehrheit lehnt sowohl die extremistischen Ansichten als auch die Intervention der radikalen ausl&auml;ndischen Islamisten ab, deren Ziel die Errichtung eines Kalifats in Syrien ist.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Es wird gesagt, dass Syriens Herrscher Baschar al-Assad chemische Waffen verwenden k&ouml;nnte. Was ist Ihre Meinung dazu?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Das Regime hat versichert, dass es niemals chemische oder biologische Waffen verwenden wird. Diese Aussage kann durchaus als glaubw&uuml;rdig angesehen werden, da der Einsatz von Massenvernichtungswaffen oder sogar die Bewegung solcher Waffen bedeuten w&uuml;rde, die &ldquo;rote Linie&rdquo; zu &uuml;berschreiten, mit der Pr&auml;sident Obama drohte. Eine milit&auml;rische Intervention gegen die syrische Regierung w&uuml;rde die Folge sein. [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p>Allerdings gibt es unbest&auml;tigte arabische Presseberichte, wonach NATO-M&auml;chte in Abstimmung mit Saudi-Arabien einen Angriff mit chemischen Waffen im s&uuml;dlichen Syrien vorbereiten, f&uuml;r den das Assad-Regime verantwortlich gemacht werden soll, um eine massive internationale Invasion zu rechtfertigen. [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Beobachten wir im syrischen Konflikt bestimmte Entwicklungen wie unter einem Mikroskop: die USA k&ouml;nnen sich einige bestimmte Arten von Abenteuern finanziell nicht mehr leisten und erreichen die Grenzen ihres Einflusses, w&auml;hrend die Russen und die Chinesen nicht gesagt bekommen wollen, was im Nahen Osten zu tun ist?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Der finanzielle Aspekt ist sehr wichtig aus der Sicht der US-Regierung, aber es gibt auch Pr&auml;sident Obamas Versprechen, &ldquo;unsere Jungs wieder nach Hause zu bringen.&rdquo; Ein neues amerikanisches Engagement in einem weiteren Krieg ist &auml;u&szlig;erst unpopul&auml;r, besonders w&auml;hrend des gegenw&auml;rtigen Pr&auml;sidentschaftswahlkampfes. Was Russland und China angeht, so verfolgen sie wichtige geostrategische Interessen in Syrien. Es gibt keinen zwingenden Grund, weshalb sie ihre komfortable und einflussreiche Position aufgeben sollten, die sie gerade auch durch ihr Vetorecht im UN-Sicherheitsrat besitzen.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Hinsichtlich der ausl&auml;ndischen Einfl&uuml;sse wurde vor kurzem geschrieben, dass europ&auml;ische und arabische Staaten hohe Regierungsbeamte bezahlen, wenn diese sich von Assad abwenden. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Ihre Meinung zu diesem Thema?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Das gilt nicht nur f&uuml;r einzelne Mitglieder der syrischen Regierung und im Ausland t&auml;tige Diplomaten, sondern vor allem f&uuml;r Angeh&ouml;rige der syrischen Streitkr&auml;fte. Katar und Saudi-Arabien haben &ouml;ffentlich angek&uuml;ndigt, dass sie mindestens 300 Millionen US $ ausgeben werden, um die Geh&auml;lter der oppositionellen K&auml;mpfer zu zahlen und auch regimetreuen Soldaten aller R&auml;nge finanzielle Anreize zu bieten, damit sie desertieren und zu den oppositionellen Truppen &uuml;berlaufen. Unter diesen Umst&auml;nden ist es wirklich erstaunlich, dass nur so wenige Offiziere, Gener&auml;le und f&uuml;hrende Mitglieder des Regimes bis jetzt &uuml;bergelaufen sind. Dies unterstreicht, wie stabil die Macht der Regierung, des Milit&auml;rs und der Sicherheitsdienste immer noch ist.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Wie w&uuml;rde eine europ&auml;ische Haltung aussehen, die unterst&uuml;tzungswert w&auml;re?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Lassen Sie mich mit einer Erkl&auml;rung beginnen, warum die gegenw&auml;rtige europ&auml;ische Haltung nicht unterst&uuml;tzungswert ist. Die f&uuml;hrenden Regierungen der EU haben eine politische L&ouml;sung des syrischen Konflikts verworfen und sich stattdessen f&uuml;r die &ndash; zumindest indirekte &ndash;<br>\n Unterst&uuml;tzung eines gewaltsamen Sturzes des Assad-Regimes entschieden. Sie kooperieren insbesondere mit dem Syrischen Nationalrat (SNC), der von der Muslimbruderschaft dominiert wird und haupts&auml;chlich aus Syrern besteht, die eine lange Zeit in westlichen L&auml;ndern gelebt haben, vor allem in den USA. Diese Leute wollen das Post-Assad Syrien regieren, aber sie werden keineswegs von der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung in Syrien akzeptiert.<\/p><p>In Berlin zum Beispiel stellte die Stiftung Wissenschaft und Politik in Zusammenarbeit mit dem US Institute of Peace die Einrichtungen zur Verf&uuml;gung, damit sich die Mitglieder der syrischen Opposition und internationale Experten treffen konnten, um f&uuml;r &ldquo;den Tag danach&ldquo; zu planen. [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Das Ergebnis ist eine Agenda zur Etablierung eines neuen politischen Systems in Syrien nach westlichen demokratischen und wirtschaftlichen Konzepten, sobald das gegenw&auml;rtige Regime gest&uuml;rzt ist.<\/p><p>Dieser Plan wurde entworfen ohne Kenntnis &uuml;ber die k&uuml;nftige Verteilung der Macht unter den verschiedenen Kr&auml;ften, die an dem Sturz der Regierung beteiligt sein k&ouml;nnten, und mit nur geringer Beteiligung der zahlreichen oppositionellen Gruppen in Syrien. Es ist nicht verwunderlich, dass ein solcher Plan von Mitgliedern der innersyrischen Opposition als &ldquo;akademische &Uuml;bung&rdquo; ohne Relevanz zu einem Zeitpunkt abgelehnt wurde, an dem das Ergebnis der syrischen Krise noch v&ouml;llig offen ist. Das gleiche gilt f&uuml;r zur Planung der syrischen Zukunft in Paris, Rom, Istanbul und Kairo.<\/p><p>Die h&auml;ufigen Forderungen, dass sich die &auml;u&szlig;erst heterogene Opposition zusammenschlie&szlig;en sollte, haben sich als zwecklos erwiesen. Dies gilt auch f&uuml;r den letzten Versuch des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Francois Hollande, der obendrein angeboten hat, eine neue syrische Exilregierung anzuerkennen. Der Vorschlag wurde sofort aus Washington als unzeitgem&auml;&szlig; aufgrund der Uneinigkeit der oppositionellen Gruppen abgelehnt.<br>\nWesentlich relevanter f&uuml;r die Entwicklung der Krise ist der Vorschlag, auf syrischem Territorium eine Sicherheitszone f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge zu etablieren. Dies wurde zuerst von der t&uuml;rkischen Regierung gefordert und k&uuml;rzlich vom franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten unterst&uuml;tzt. Derzeit sind mehr als 80.000 Syrer in Fl&uuml;chtlingslagern in der T&uuml;rkei angekommen, 100.000 hatte die Regierung Erdogan zur Obergrenze der aufnehmbaren Fl&uuml;chtlinge erkl&auml;rt. Weitere Fl&uuml;chtlinge sollten deshalb in einer sicheren Pufferzone auf der syrischen Seite der Grenze zur T&uuml;rkei untergebracht  werden. Das gleiche wurde entlang der jordanischen Grenze vorgeschlagen.<\/p><p>Auf den ersten Blick k&ouml;nnte eine solche Forderung eher harmlos und unproblematisch erscheinen, f&uuml;r deren Umsetzung nur eine begrenzte milit&auml;rische Intervention erforderlich ist. Doch kann eine sichere Pufferzone in Syrien nur nach einem umfassenden Krieg der NATO und alliierter Truppen aus arabischen L&auml;ndern gegen das starke syrische Milit&auml;r eingerichtet werden. Um die Fl&uuml;chtlinge in ihrem Herkunftsland zu sch&uuml;tzen, muss eine Flugverbotszone eingerichtet werden, die nur kontrolliert werden kann, nachdem die NATO die Luft&uuml;berlegenheit &uuml;ber das gesamte syrische Territorium gewonnen hat.<\/p><p>Dies w&uuml;rde die Zerst&ouml;rung der syrischen Luftwaffe mit etwa 400 Kampfflugzeugen und des riesigen Arsenals an hoch entwickelten Boden-Luft-Raketen einschlie&szlig;en. Die Gr&ouml;&szlig;e, der Aufwand und die Dauer einer solchen Intervention w&uuml;rden enorm sein, wie aus der MIT-Analyse hervorgeht. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Man muss auch bedenken, dass in v&ouml;lkerrechtlicher Hinsicht ein solcher Angriff nur aufgrund der internationalen Norm der &ldquo;Responsibility to Protect&rdquo; (R2P, Verantwortung zum Schutz der Bev&ouml;lkerung) durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte. Aber deren Anwendung muss durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrates genehmigt werden, in dem ein Veto von Russland und China f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich gehalten werden kann.<\/p><p>Auf die Frage nach der Position zur&uuml;ckkommend, die unterst&uuml;tzt werden soll: Die sinnvollste Position und die einzige, die eine friedliche L&ouml;sung erlaubt, ist immer noch der Annan-Plan [der Vorschlag des ehemaligen Generalsekret&auml;rs der Vereinten Nationen, Kofi Annan], der nicht nur vorsieht, die Opposition und ihre Anh&auml;nger, sondern auch die Regierungen in Damaskus und Teheran an den Verhandlungen &uuml;ber die k&uuml;nftige Entwicklung von Syrien zu beteiligen. Bisher erschien es aussichtlos, dass dieser Vorschlag von der Exil-Opposition und ihren Unterst&uuml;tzern in den USA, der Arabischen Liga, der T&uuml;rkei und der EU angenommen werden k&ouml;nnte. Wie die libanesische Tageszeitung As-Safir am 25. September unter Bezug auf ungenannte diplomatische Quellen berichtete, zeichnet sich jedoch ein erster Hoffnungsschimmer f&uuml;r eine politische L&ouml;sung ab. So ist eine Ann&auml;herung in der Syrienkrise zwischen dem Iran, &Auml;gypten und der T&uuml;rkei unter Einbeziehung von Russland und China festzustellen, die zu einer Beendigung der eskalierenden Gewalt auf diplomatischem Wege f&uuml;hren k&ouml;nnte, sofern dies nicht durch die USA blockiert wird.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Was denken Sie &uuml;ber die helfende Hand, die der Bundesnachrichtendienst den Rebellen gibt?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Die Bild-Zeitung hat enth&uuml;llt, dass Mitglieder des Bundesnachrichtendienstes, die auf Schiffen vor der libanesischen K&uuml;ste und auf dem NATO-St&uuml;tzpunkt in der N&auml;he von Adana stationiert sind, Erkenntnisse &uuml;ber die Bewegung der syrischen Regierungstruppen sammeln und diese Informationen mit der Freien Syrischen Armee teilen. [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] Das gleiche gilt f&uuml;r Agenten des britischen Geheimdienstes mit Sitz in Zypern und auch f&uuml;r die Aktivit&auml;ten der US-Geheimdienstagenten und Spionage-Satelliten.<\/p><p>Es ist offensichtlich, dass die deutsche Regierung ihre Lektion aus dem Verzicht auf die milit&auml;rische Intervention in Libyen gelernt hat, der einen schweren R&uuml;ckschlag in den politischen Beziehungen zu den NATO-Partnern verursachte und die Chancen deutscher Unternehmen verringerte, vom wirtschaftlichen Wiederaufbau des nordafrikanischen Landes zu profitieren. Dieses Mal spielt Deutschland nicht nur eine f&uuml;hrende Rolle im Rahmen der EU-Entscheidungen f&uuml;r wirtschaftliche Sanktionen gegen Syrien, sondern auch bei der gemeinsamen Unterst&uuml;tzung der Westm&auml;chte f&uuml;r die syrische Opposition, einschlie&szlig;lich der Bereitstellung von Geheimdienstinformationen.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Was ist Ihre Wahrnehmung der Rolle von Saudi-Arabien und Katar?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Beide L&auml;nder stehen an der Spitze der Gegner des syrischen Regimes. Sie sind die wichtigsten finanziellen Unterst&uuml;tzer der syrischen Opposition, einschlie&szlig;lich der Finanzierung von Waffen f&uuml;r die Rebellen. Es gibt sogar Berichte von nicht-offengelegten Quellen in arabischen Medien, dass Saudi-Arabien bereit sein soll, die Kosten f&uuml;r eine umfassende milit&auml;rische Intervention in Syrien durch die NATO zu tragen.<\/p><p>Warum ist diese konservative sunnitische Monarchie so begierig darauf, Bashar al-Assad zu verdr&auml;ngen? Die wichtigsten Gr&uuml;nde betreffen die religi&ouml;s motivierte Ablehnung der alawitischen Herrscher und der politischen, wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Allianz zwischen Damaskus und der schiitischen Regierung in Teheran, die als gro&szlig;e Bedrohung f&uuml;r die Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrates wahrgenommen wird.<\/p><p>Der Sturz des syrischen Regimes w&auml;re ein schwerer Schlag f&uuml;r den politischen Einfluss des Iran im Nahen Osten. Die Regierung in Teheran wird beschuldigt, die schiitische Opposition in der &ouml;lreichen &ouml;stlichen Provinz von Saudi-Arabien sowie in Kuwait, im Norden des Jemen und vor allem in Bahrain zu unterst&uuml;tzen. Hier konnte der Aufstand der schiitischen Mehrheit der Bev&ouml;lkerung gegen die herrschende sunnitische Minderheit nur von Truppen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterdr&uuml;ckt werden.<\/p><p>Die Entscheidung des katarischen Herrschers zur Unterst&uuml;tzung der syrischen Opposition beinhaltet neben der Bereitstellung von finanziellen Mitteln auch den Einsatz von Al Jazeera, um Propaganda-Nachrichten zu Gunsten der Rebellen zu verbreiten. In der Vergangenheit hatte der in Doha ans&auml;ssige TV-Sender den Ruf des wichtigsten unabh&auml;ngigen, objektiven und sehr kritischen Nachrichtensenders in der arabischen Welt gewonnen. Er spielte eine herausragende Rolle als die zuverl&auml;ssigste Quelle von Informationen &uuml;ber die Revolutionen in Tunesien, &Auml;gypten und Libyen.<\/p><p>Das positive Bild wurde ersch&uuml;ttert, als der Sender zu einer einseitigen Stimme f&uuml;r die Regierungspolitik Katars gegen Bashar al-Assad wurde und sogar gef&auml;lschte Nachrichten &uuml;ber das syrische Regime produzierte. So wurde unter anderem in einer auf YouTube ver&ouml;ffentlichten Video-Dokumentation gezeigt, wie ein Journalist von Al Jezeera einen Film inszenierte, der mit falschen Informationen die Brutalit&auml;t des syrischen Regimes belegen sollte. [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Und was ist mit der T&uuml;rkei?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Vor dem syrischen Aufstand waren die Beziehungen zwischen den beiden L&auml;ndern sehr gut. Der Hauptkonflikt in der Vergangenheit wurde beigelegt, das hei&szlig;t, dass die T&uuml;rkei eine ausreichende Versorgung mit Euphrat-Wasser garantierte und die syrische Regierung die Unterst&uuml;tzung der kurdischen Arbeiterpartei stoppte. W&auml;hrend der fr&uuml;hen Phase des Arabischen Fr&uuml;hlings hatte die t&uuml;rkische Regierung den Aufstand in Tunesien, &Auml;gypten und Libyen unterst&uuml;tzt, und Erdogans gem&auml;&szlig;igter islamistischer Staat wurde als das ideale politische Modell f&uuml;r die post-revolution&auml;ren arabischen Staaten gefeiert.<\/p><p>Kurz nachdem die Unruhen in Syrien begannen und die Gewalt des Regimes gegen die Demonstranten zunahm, stellte sich die t&uuml;rkische Regierung auf die Seite der arabischen Golfstaaten und unterst&uuml;tzte die Opposition. Sie nahm Fl&uuml;chtlinge auf und erlaubte anderen NATO-Staaten, die syrischen K&auml;mpfer auf t&uuml;rkischem Territorium zu trainieren. [<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>] Diese Position geriet von der s&auml;kularen t&uuml;rkischen Opposition mehr und mehr unter Beschuss, die Erdogan vorwarf zu versuchen, eine islamistische sunnitische Regierung in Damaskus installieren zu wollen und die Regierung beschuldigte, das Leben von zwei t&uuml;rkischen Piloten geopfert zu haben, deren Kampfflugzeug abgeschossen worden war, als es in syrisches Gebiet eindrang, um die Effizienz der  in Syrien zu testen. <\/p><p>Die urspr&uuml;ngliche Unterst&uuml;tzung der Regierung durch die Mehrheit der t&uuml;rkischen Bev&ouml;lkerung f&uuml;r einen demokratischen Wandel im Nachbarland schwindet. Zugleich w&auml;chst die Bef&uuml;rchtung, dass das Engagement Ankaras in der syrischen Krise negative Auswirkungen auf die nationale Sicherheit und Wirtschaft haben wird. Die drastische Zunahme der PKK-Anschl&auml;ge in Ostanatolien und die gravierende Verschlechterung der Sicherheitslage in den alewitischen Siedlungsgebieten nahe den Lagern von sunnitischen Fl&uuml;chtlingen best&auml;tigen diese Bef&uuml;rchtungen. Der abnehmende R&uuml;ckhalt in der t&uuml;rkischen Bev&ouml;lkerung f&uuml;r die Regierungspolitik &ndash; nicht zuletzt auch  durch die milit&auml;rischen Aktivit&auml;ten ausl&auml;ndischer Truppen auf t&uuml;rkischem Gebiet &ndash; hat offenbar bereits zu einer Neuorientierung der Au&szlig;enpolitik in Ankara gef&uuml;hrt. Dies zeigt sich nicht nur in der Verlegung des Oberkommandos der Freien Syrischen  Armee aus der T&uuml;rkei in sogenannte &bdquo;befreite Gebiete&ldquo; innerhalb Syriens, sondern auch in dem vorsichtigen Bem&uuml;hen, mit Teheran und Kairo eine Verhandlungsl&ouml;sung anzustreben.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Angesichts dieser Einfl&uuml;sse, hat der Krieg in Syrien nicht aufgeh&ouml;rt, ein B&uuml;rgerkrieg zu sein? Ist er nicht eigentlich zu einer kombinierten Operation &auml;u&szlig;erer Kr&auml;fte geworden?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Es ist immer noch ein B&uuml;rgerkrieg, aber mit zunehmender Intervention aus dem Ausland. Viele politische Analysten verweisen in diesem Zusammenhang auf Stellvertreterkriege zwischen den USA und Russland sowie sunnitischen und schiitischen Staaten.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Was erwarten Sie f&uuml;r den Fall, dass Assad gest&uuml;rzt wird?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Zun&auml;chst einmal ist das Regime noch an der Macht, und es ist eine offene Frage, ob es &uuml;berhaupt gest&uuml;rzt werden kann. Einige meiner arabischen Kollegen weisen darauf hin, dass die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r das Regime sogar als eine Folge der j&uuml;ngsten Gr&auml;ueltaten von Rebellengruppen gewachsen ist.<\/p><p>Die meisten Anh&auml;nger von Assad sind keineswegs gl&uuml;cklich &uuml;ber das autorit&auml;re politische System, aber sie haben Angst, dass ihre Situation noch viel schlimmer werden wird, wenn die Opposition an die Macht gelangt. Dies gilt nicht nur f&uuml;r Alawiten, die etwa 13% der Bev&ouml;lkerung ausmachen und massive Rachemorde f&uuml;rchten. Die mehr als 2 Millionen Mitglieder der verschiedenen christlichen Konfessionen und auch andere religi&ouml;se Minderheiten wie die Drusen und Ismailiten haben Angst davor, diskriminierte B&uuml;rger zweiter Klasse unter einer islamistischen sunnitischen Regierung zu werden.<\/p><p>Andere Anh&auml;nger des Regimes sind unter den Menschen zu finden, die bei staatlichen Stellen angestellt sind, sei es im Milit&auml;r, in den Sicherheitsdiensten, in der Verwaltung und anderen &ouml;ffentlichen Diensten. Der Bericht &uuml;ber einen Postboten, der von salafistischen Rebellen ermordet wurde, nur weil er sein Gehalt von der Regierung erhalten hat, [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] wird von vielen Beamten als ein abschreckendes Beispiel betrachtet, was ihnen passieren kann, wenn die Opposition die Kontrolle in Syrien &uuml;bernimmt.<\/p><p>Aus regionaler Sicht stammen die Gegner des Regimes vor allem aus den l&auml;ndlichen Gebieten. Die wirtschaftliche Situation der Bev&ouml;lkerung, die in der Landwirtschaft t&auml;tig ist, hat sich seit 2006 deutlich verschlechtert aufgrund der Liberalisierungspolitik, die auch auf Dr&auml;ngen der EU von der Regierung &uuml;bernommen wurde und unter anderem den Verzicht von staatlichen Subventionen f&uuml;r landwirtschaftliche Produktionsmittel beinhaltete.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus zerst&ouml;rte eine f&uuml;nf Jahre anhaltende D&uuml;rreperiode die wirtschaftliche Grundlage zahlreicher b&auml;uerlicher Betriebe, sodass etwa 1,5 Millionen Menschen in die St&auml;dte abgewandert sind. Handwerker geh&ouml;ren ebenfalls zu den Verlierern der wirtschaftlichen Reformen, weil billige industrielle Einfuhren den syrischen Markt &uuml;berschwemmten und zu einem R&uuml;ckgang der Nachfrage nach ihren handwerklichen Produkten gef&uuml;hrt haben. Dies erkl&auml;rt beispielsweise, warum sich Duma, ein Vorort von Damaskus mit zahlreichen kleinen Werkst&auml;tten, in ein Zentrum des Widerstandes gegen die Regierung verwandelt hat. [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]<\/p><p>Auf der anderen Seite haben die Angeh&ouml;rigen der st&auml;dtischen Mittelschicht, und hier insbesondere H&auml;ndler und Unternehmer, erheblich von der Liberalisierung der Wirtschaft profitiert. Die Mehrheit von ihnen, die in Damaskus und in der Wirtschaftsmetropole Aleppo lebt, steht noch loyal zur Regierung. Dies wurde deutlich, als die Rebellen einige Quartiere in Aleppo besetzten. Sie erhielten nur Unterst&uuml;tzung von den Bewohnern der Vorst&auml;dte mit einer dominanten Bev&ouml;lkerung l&auml;ndlicher Zuwanderer. In den anderen Teilen der Stadt stie&szlig;en die Rebellen auf Ablehnung und Feindseligkeit, w&auml;hrend die Regierungstruppen herzlich als Retter vor den Eindringlingen begr&uuml;&szlig;t wurden.<br>\n.<br>\nDie etwa 2 Millionen Kurden im n&ouml;rdlichen Teil des Landes stellen eine weitere Gruppe dar, die eine entscheidende Rolle f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Entwicklung von Syrien spielen wird. Derzeit haben sich die Regierungstruppen fast vollst&auml;ndig aus diesem Bereich zur&uuml;ckgezogen. Es gibt Forderungen nach einer k&uuml;nftigen autonomen oder zumindest semi-autonomen kurdischen Region, was sogar zu Schl&auml;gereien zwischen kurdischen und arabischen Vertretern der Opposition bei einer Konferenz in Kairo f&uuml;hrte. [<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Allerdings ist die kurdische Bev&ouml;lkerung in Syrien keineswegs geeint, sondern aufgeteilt in etwa ein Dutzend Gruppen mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass die t&uuml;rkische Regierung eine solche teilweise unabh&auml;ngige kurdische Region, die als R&uuml;ckzugsgebiet f&uuml;r PKK-K&auml;mpfer dienen k&ouml;nnte, tolerieren wird.<\/p><p>Ein weiteres Problem ist der &ldquo;Arabische G&uuml;rtel&rdquo; entlang der t&uuml;rkischen Grenze im Nordosten der &ouml;lreichen kurdischen Region. Hier wurden 43 D&ouml;rfer in den 1970er Jahren f&uuml;r mehr als 20.000 arabische Bewohner der l&auml;ndlichen Siedlungen errichtet, die nach dem Bau des Euphrat-Damms durch den Stausee &uuml;berflutet wurden. Das Land f&uuml;r diese neuen D&ouml;rfer war von kurdischen Gro&szlig;grundbesitzern enteignet und den arabischen Siedlern &uuml;bergeben worden.<\/p><p>Ich bin mit der Situation dieser arabischen Gemeinden vertraut, weil ich eine wissenschaftliche Untersuchung &uuml;ber die sozialen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse in allen D&ouml;rfern durchgef&uuml;hrt habe. [<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>] Die Zahl der Einwohner hat sich in der Zwischenzeit auf rund 100.000 Menschen erh&ouml;ht, die jetzt mit kurdischen Forderungen nach der R&uuml;ckgabe des Landes an die ehemaligen Eigent&uuml;mer und sogar dem vollst&auml;ndigen Verlassen des Gebietes konfrontiert werden.<\/p><p>Ich habe versucht zu erkl&auml;ren, dass die oben genannten religi&ouml;sen, sozio-&ouml;konomischen und ethnischen Gruppen ganz unterschiedliche Erwartungen f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Entwicklung von Syrien haben. Differenziert nach der politischen Ausrichtung, gibt es ein breites Spektrum von Gruppen, angefangen bei den Anh&auml;ngern eines reformierten Assad-Regimes im Sinne einer s&auml;kularen Demokratie westlichen Stils, bis hin zu K&auml;mpfern f&uuml;r einen sunnitisch dominierten Staat auf der Basis der Scharia, des islamischen Rechts. Das letztgenannte Modell verf&uuml;gt aufgrund der massiven Unterst&uuml;tzung aus anderen arabischen Staaten und der Tatsache, dass die &uuml;berwiegende Mehrheit der Syrer Sunniten sind, wahrscheinlich &uuml;ber die gr&ouml;&szlig;ten Realisierungschancen.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Patrick Seale schrieb k&uuml;rzlich in einer Tour d&rsquo;horizon:<br>\n&ldquo;Der Nahe Osten steht vor einer akuten Kriegsgefahr, mit unvorhersehbaren und m&ouml;glicherweise verheerenden Folgen f&uuml;r die Staaten und Bev&ouml;lkerungen der Region. Ein &lsquo;Schatten-Krieg&lsquo; wird bereits gef&uuml;hrt &ndash; von Israel und den Vereinigten Staaten gegen den Iran, durch eine Koalition von L&auml;ndern gegen Syrien und durch die gro&szlig;en M&auml;chte gegeneinander. Ein blo&szlig;er Funke k&ouml;nnte diesen Zunder in Brand setzen.&ldquo; [<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]<br>\nIst das wahr?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Solch eine Initialz&uuml;ndung, die den gesamten Mittleren Osten in Brand steckt, k&ouml;nnte durch einen israelischen Angriff auf den Iran oder eine ausl&auml;ndische Milit&auml;rintervention in Syrien wahr werden. Im ersten Fall ist von Irans Verb&uuml;ndeten Syrien und Hisbollah ein Angriff auf Israel zu erwarten. Im zweiten Fall wird der Iran seinen syrischen Verb&uuml;ndeten gem&auml;&szlig; den Vertr&auml;gen der gegenseitigen Unterst&uuml;tzung zwischen Teheran und Damaskus verteidigen. Auch Libanon, Jordanien und der Irak w&uuml;rden unmittelbar in diesen Krieg hineingezogen.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Mr. Seale schrieb im selben Artikel auch: &ldquo;Anstatt an der Seite der Vereinigten Staaten und Israels bei der Zerst&ouml;rung von Iran und Syrien zu stehen, sollten Saudi-Arabien und seine Verb&uuml;ndeten am Golf dem Iran beim Aufbau eines neuen Sicherheitssystems f&uuml;r die Region frei von &auml;u&szlig;eren Einmischungen beitreten. Wenn sie gemeinsam handeln, k&ouml;nnen sie der Region die Verw&uuml;stungen des Krieges ersparen. Aber sie m&uuml;ssen schnell handeln, denn die Zeit l&auml;uft uns davon.&ldquo;<br>\nWas ist Ihre Stellung dazu?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Das ist eine sehr sch&ouml;ne Empfehlung, aber weit entfernt von der politischen Realit&auml;t. Die Spannung zwischen Saudi-Arabien und Iran erscheinen vorerst als kaum &uuml;berwindbar  &ndash; nicht in erster Linie, weil die arabischen Monarchen den USA zur Seite stehen, sondern vor allem wegen der Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten. Dahinter verbirgt sich zugleich die Bedrohung f&uuml;r die Staaten des Golf-Kooperationsrates, dass der Arabische Fr&uuml;hling und die Idee einer Islamischen Republik sich auch auf der Arabischen Halbinsel verbreiten und zum Sturz der dortigen Monarchien f&uuml;hren k&ouml;nnten. Die einheimische Opposition und der Widerstand gegen das politische System sind besonders stark in Bahrain und sie nehmen vor allem in Saudi-Arabien zu. Daher kann die Konfrontation mit dem Iran sowie die Intervention in Syrien und in anderen Teilen der arabischen Welt auch als ein Kampf f&uuml;r das &Uuml;berleben der herrschenden Familien auf der Arabischen Halbinsel angesehen werden.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Wie k&ouml;nnte ein Krieg des Westens gegen den Iran verhindert werden?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Wir reden hier &uuml;ber einen einseitigen israelischen Angriff gegen die Atomanlagen im Iran. Teheran hat stets erkl&auml;rt, dass sein Atomprogramm friedlich ist. Im abschlie&szlig;enden Kommunique des j&uuml;ngsten Gipfels der Bewegung der blockfreien Staaten bekr&auml;ftigten die 120 Mitglieder ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Irans Anspruch, gem&auml;&szlig; dem Vertrag &uuml;ber die Nichtverbreitung von Atomwaffen das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie sowie das Recht auf einen vollst&auml;ndigen nuklearen Brennstoffkreislauf, einschlie&szlig;lich der Urananreicherung, zu haben. [<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]<\/p><p>Die Regierung in Teheran hat viele Male zur Zerst&ouml;rung des j&uuml;dischen Staates aufgerufen. Daher betrachtet Israel eine Atommacht Iran als Bedrohung seiner Existenz. Rechtfertigt dies einen pr&auml;ventiven Milit&auml;rschlag gegen den Iran? Laut der letzten Erkl&auml;rung des israelischen Ministers f&uuml;r Geheimdienste sind beide Regierungen in Jerusalem und Washington zu dem Schluss gekommen, dass es 18 Monate bis zwei Jahre f&uuml;r den Iran erfordern w&uuml;rde, um eine Atomwaffe ab dem Zeitpunkt produzieren zu k&ouml;nnen, an dem die politische Entscheidung dazu getroffen werden w&uuml;rde. [<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>]<\/p><p>Um zu verhindern, dass Iran die notwendigen Teile erwerben kann, die zum Baubeginn einer Atombombe erforderlich sind, hat das israelische Milit&auml;r alle notwendigen Vorbereitungen f&uuml;r einen Pr&auml;ventivschlag gegen Iran abgeschlossen. Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak sind die wichtigsten Bef&uuml;rworter eines Angriffs gegen die iranischen Anlagen &ndash; trotz massiver &ouml;ffentlicher Warnungen von hochrangigen Mitgliedern des Milit&auml;rs und der Geheimdienste in Israel sowie eines wachsenden politischen Drucks aus der US-Regierung. Dennoch setzte Netanyahu sein S&auml;belrasseln fort und versicherte seinen Anh&auml;ngern, dass Pr&auml;sident Obama die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung gew&auml;hren w&uuml;rde, sobald ein israelischer Angriff begonnen habe.<\/p><p>Dass diese Erwartung nicht als selbstverst&auml;ndlich hingenommen werden sollte, wurde klar, als die Anzahl der beteiligten US-Truppen am gemeinsamen j&auml;hrlichen Man&ouml;ver zur Verteidigung Israels drastisch reduziert wurde und der Vorsitzende des US-Generalstabs, General Dempsey, in einem Interview erkl&auml;rte, er werde bei einem israelischen Angriff kein &ldquo;Komplize&ldquo; sein. Solch ein Angriff k&ouml;nnte Irans Atomprogramm nur verz&ouml;gern und die internationale Koalition auseinanderbringen, die harte Sanktionen gegen die Islamische Republik durchgesetzt hat. [<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>]<\/p><p>Als Folge dieses &ouml;ffentlichen Tadels und &auml;hnlicher Kritik aus Paris und Berlin, ver&auml;nderte Netanyahu seine Strategie und forderte, dass die USA Teheran bei den nuklearen Aktivit&auml;ten &ldquo;rote Linien&rdquo; setzen m&uuml;sse, bei deren Verletzung des Land mit einem Krieg konfrontiert w&uuml;rde. Auch diese Forderung wurde sofort vom US-Verteidigungsminister abgelehnt. Netanyahus anschlie&szlig;ender Versuch, den politischen Druck auf die Obama-Regierung zu erh&ouml;hen, gipfelte in der Behauptung, dass der Iran bereits innerhalb eines Zeitraums von nur sechs bis sieben Monaten in der Lage sein wird, Atomwaffen zu produzieren. Dies widerspricht den Erkenntnissen aller Geheimdienste und wird die Weigerung der US-Regierung nicht &auml;ndern, in einen neuen Golfkrieg hineingezogen zu werden. Unter diesen Umst&auml;nden besteht keine unmittelbare Gefahr, dass Israel einen Angriff gegen den Iran durchf&uuml;hrt &ndash; zumindest nicht vor der n&auml;chsten Pr&auml;sidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten. [<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>]<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Ist der Konflikt mit dem Iran auch ein Kampf im Zusammenhang mit Energiefragen und m&ouml;glichen &Ouml;l- und Gas-Pipelines?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Seit fast 70 Jahren ist die Kontrolle der &ouml;lreichen Golfregion eine Priorit&auml;t f&uuml;r die US-Au&szlig;enpolitik gewesen. Es begann im Jahr 1943, als Pr&auml;sident Franklin D. Roosevelt eine &Ouml;l-f&uuml;r-Sicherheit-Beziehung mit K&ouml;nig Abdel Aziz vereinbarte und erkl&auml;rte, die Verteidigung von Saudi-Arabien sei von vitalem Interesse f&uuml;r die USA.<\/p><p>Im Jahr 1953 spielte die CIA eine f&uuml;hrende Rolle beim Sturz der demokratisch gew&auml;hlten Regierung von Mossadegh, der die iranische &Ouml;lindustrie verstaatlicht hatte. Mit US-Hilfe wurde so Mohammed Reza Schah Pahlavi wieder als Herrscher installiert. Er &ouml;ffnete die T&uuml;r zur Ausbeutung der iranischen &Ouml;lvorkommen durch US-Unternehmen und wurde &ldquo;der Polizist der USA in der Golfregion&rdquo;, mit der m&auml;chtigsten Milit&auml;rstreitmacht in der Region, die mit US-Waffen f&uuml;r mehr als US $ 20 Milliarden ausger&uuml;stet war. Die islamische Revolution im Iran im Jahre 1979 war ein schwerer Schlag f&uuml;r die US-Dominanz in dieser Region und f&uuml;hrte zur Feindschaft zwischen Teheran und Washington.<\/p><p>Die Besetzung Kuwaits durch Saddam Husseins Armee im Jahre 1990 bot eine einmalige Chance f&uuml;r die Vereinigten Staaten, ihre milit&auml;rische Pr&auml;senz in der Region weiterauszubauen, um die &uuml;brigen arabischen Golfstaaten gegen die Gefahr der irakischen Aggression zu sch&uuml;tzen und die Gr&ouml;&szlig;e und Anzahl der amerikanischen Milit&auml;rbasen in der Golfregion zu erh&ouml;hen. Die US-gef&uuml;hrte Invasion des Irak unter dem Vorwand der Bek&auml;mpfung der Bedrohung durch Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen im Jahr 2003 basierte vollst&auml;ndig auf angeblichen Beweisen, die von der CIA gef&auml;lscht worden waren. [<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>]<\/p><p>Die Invasion verfolgte ausschlie&szlig;lich den Zweck, die geostrategischen Interessen der Neo-Konservativen in der George W. Bush-Regierung durchzusetzen, d.h. die US-Kontrolle &uuml;ber die irakischen &Ouml;lvorkommen sicherzustellen. Die Ausf&uuml;hrung dieses Plans erwies sich als Fehlschlag. Nach gro&szlig;em Aufwand und nach etwa 4.000 get&ouml;teten Amerikanern und mehr als 100.000 Opfern unter der irakischen Zivilbev&ouml;lkerung mussten die Vereinigten Staaten ihre milit&auml;rische Pr&auml;senz im Irak vollst&auml;ndig aufgeben. Die die Beziehungen zwischen der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad und Washington haben sich verschlechtert, w&auml;hrend der Einfluss des Iran enorm gewachsen ist.<\/p><p>Unter diesen Umst&auml;nden sind die steigenden Spannungen zwischen der Islamischen Republik Iran und den Golfmonarchien ein Segen f&uuml;r die geostrategischen Interessen der USA. Durch den Schutz der GCC-Staaten gegen die iranische Bedrohung kann die Obama-Regierung ihre milit&auml;rische Pr&auml;senz in der &ouml;lreichen Region rechtfertigen, und die US-R&uuml;stungskonzerne k&ouml;nnen hohe Profite durch den Verkauf von Waffen an die Golfstaaten erzielen. Die j&uuml;ngsten Vertr&auml;ge &uuml;ber die Lieferung von  F-15 Kampfjets an die saudi-arabische Luftwaffe haben eine Wert von $ 30 Mrd., die Vereinigten Arabischen Emirate kauften ein Anti-Raketen-System und Chinook-Hubschrauber  f&uuml;r $ 4,5 Mrd. und Oman bestellte Kampfflugzeuge f&uuml;r $ 1,4 Milliarden. [<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>]<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Wie beurteilen Sie die Aktionen, die unl&auml;ngst durch den &auml;gyptischen Pr&auml;sidenten Mohammed Morsi unternommen wurden, insbesondere im Zusammenhang mit seinen Besuchen in China und Iran? [<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>]<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Es ist sehr bezeichnend, dass Pr&auml;sident Mohammed Morsi seinen ersten Besuch in einem Land au&szlig;erhalb des Nahen Ostens nicht in Washington, sondern in Peking abstattete. Dies zeigt den Versuch, die &auml;gyptische Au&szlig;enpolitik aus der fr&uuml;heren Abh&auml;ngigkeit von den Vereinigten Staaten w&auml;hrend der Regierungszeit von Pr&auml;sident Mubarak herauszuf&uuml;hren. Der demonstrative Besuch wurde von der Mehrheit der &auml;gyptischen Bev&ouml;lkerung und insbesondere von der Muslim-Bruderschaft begr&uuml;&szlig;t, deren Mitglieder nicht vergessen haben, dass die US-Regierung Mubaraks Politik der Verfolgung der islamischen Opposition unterst&uuml;tzt hatte,  w&auml;hrend der Zehntausende von Muslimbr&uuml;dern<br>\neingesperrt und gefoltert wurden.<\/p><p>Das Streben nach gr&ouml;&szlig;erer Unabh&auml;ngigkeit wurde auch durch die Entscheidung Morsis unterstrichen, an der Konferenz der Blockfreien-Bewegung in Teheran teilzunehmen, und das trotz der Kritik und des politischen Drucks aus den USA und von Israel, die eine Isolation der  Islamischen Republik forderten. Morsi nutzte seine Er&ouml;ffnungsrede bei dieser Konferenz, um f&uuml;r ein Pl&auml;doyer zur Schaffung einer regionalen Gruppe, bestehend aus &Auml;gypten, Iran, Saudi-Arabien und der T&uuml;rkei, um eine L&ouml;sung f&uuml;r die Krise in Syrien zu finden. Dieser Vorschlag deckt sich keineswegs mit den US-Interessen gegen&uuml;ber den Regimen in Damaskus und Teheran. Er muss als ein weiterer Schritt angesehen werden, mit dem &Auml;gypten sein politisches Gewicht in der Region wiedererlangen will.<\/p><p>LS: Sehen Sie es als ein gro&szlig;es Problem an, so wie es David P Goldman unterstrichen hat, dass die &auml;gyptische Bev&ouml;lkerung wirtschaftlich hilflos ist, weil sie keine oder nur geringe Mittel der Produktion haben, um sich als Klientel der USA, Saudi-Arabien oder wen sonst noch zu emanzipieren? [<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>]<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Eine solche Aussage verfehlt v&ouml;llig den Punkt, dass &Auml;gypten sowohl aus wirtschaftlicher wie auch aus geostrategischer Sicht sehr viel zu bieten hat. &Auml;gypten weist mit 82 Millionen Einwohnern die gr&ouml;&szlig;te Bev&ouml;lkerung in der arabischen Welt auf. Dies beinhaltet einen riesigen Absatzmarkt, der zus&auml;tzlich durch &Uuml;berweisungen von &Auml;gyptern im Ausland gest&auml;rkt wird. Das eingehende Geld von Migranten erreichte im vergangenen Jahr einen Rekord von $ 14,3 Milliarden, die haupts&auml;chlich f&uuml;r private Konsumg&uuml;ter ausgegeben werden und ma&szlig;geblich dazu beigetragen haben, den R&uuml;ckgang der Devisenreserven im Jahr 2011 zu bremsen. [<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>]<\/p><p>Das gr&ouml;&szlig;te arabische Land ist auch von enormer geostrategischer Bedeutung f&uuml;r die USA und Israel durch die Stabilisierung der politischen Situation in der Region auf der Grundlage des Camp David-Abkommens. &Auml;gypten garantiert der US-Luftwaffe &Uuml;berflugrechte und erlaubt die Nutzung des Suezkanals, einem  wichtigen Transportweg f&uuml;r &Ouml;llieferungen, Containerschiffe und amerikanische Milit&auml;rtransporte in die Golfregion. Im Gegenzug f&uuml;r diese Vorteile hat Washington bisher $ 1,56 Mrd. an j&auml;hrlicher finanzieller Hilfe f&uuml;r seinen wichtigen Verb&uuml;ndeten gezahlt, was sich seit 1979 zu einem Gesamtbetrag von $ 65 Milliarden summiert. Der weitaus gr&ouml;&szlig;te Teil dieser Gelder wurde verwendet, um Waffen von amerikanischen R&uuml;stungsunternehmen zu kaufen. [<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>]<\/p><p>Die politische Arena &auml;ndert sich nun. Morsi l&auml;dt neue Wettbewerber ein, die die dominante amerikanische Position in &Auml;gypten streitig machen. Sein Besuch in Peking diente in erster Linie dem Zweck der Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Bisher hat China etwa $ 500 Millionen investiert. Zus&auml;tzliche Vertr&auml;ge &uuml;ber umfangreiche Investitionen in Infrastrukturprojekte wurden w&auml;hrend Morsis Besuch unterzeichnet. Im Jahr 2011 erreichten die chinesischen Warenausfuhren in dieses arabische Land $ 7,3 Milliarden und &uuml;bertrafen damit die US-Exporte nach &Auml;gypten in H&ouml;he von $ 6,2 Milliarden. Einige Analysten stellen bereits die Frage, ob &ldquo;China &Auml;gypten von den USA kauft?&rdquo; [<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>]<\/p><p>Um ihren Einfluss in &Auml;gypten zu sichern, m&uuml;ssen die Vereinigten Staaten ihre finanzielle Unterst&uuml;tzung f&uuml;r &Auml;gypten erh&ouml;hen. Die Ank&uuml;ndigung des Wei&szlig;en Hauses, Kairo mit einem zus&auml;tzlichen Schuldenerlass von $ 1 Milliarde und wirtschaftlicher Hilfe zu versorgen, die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r ein $ 4,8 Milliarden Kredit-Paket vom Internationalen W&auml;hrungsfonds und die Ankunft einer gro&szlig;en US-Delegation, darunter sechs Repr&auml;sentanten des Handelsministeriums und Vertreter Dutzender von multinationalen Unternehmen, zeigen recht deutlich, welche Bedeutung die US-Regierung und die privaten Wirtschaftsakteure &Auml;gypten beimessen. [<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>]<\/p><p>Zur gleichen Zeit konkurrieren auch Katar und Saudi-Arabien darum, ihren Einfluss in &Auml;gypten zu erh&ouml;hen. Dies begann bei der Kampagne zur ersten freien Parlamentswahl nach der &auml;gyptischen Revolution, als Katar die Muslimbruderschaft unterst&uuml;tzte, w&auml;hrend Saudi-Arabien den Salafisten erhebliche Wahlkampfmittel zu Verg&uuml;ng stellte. Nach dem Sieg der Muslimbr&uuml;der sowohl in den Parlaments- als auch in der Pr&auml;sidentschaftswahl ist es keine &Uuml;berraschung, dass die katarischen Herrscher sich weiterhin als &auml;u&szlig;erst gro&szlig;z&uuml;gig bei der Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Morsis-Regierung zeigen. Dies wird durch die Ank&uuml;ndigung unterstrichen, dass $ 18 Mrd. in Tourismus- und Industrie-Projekte in den n&auml;chsten f&uuml;nf Jahren investiert werden. Saudi-Arabien zieht nach. [<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>]<\/p><p>Golf-Unternehmen und Investmentbanken, die von den hohen &Ouml;lpreisen profitieren, stehen ebenfalls Schlange, um in &Auml;gypten zu investieren. Dies gilt insbesondere f&uuml;r den Bankensektor, in dem die europ&auml;ischen Banken ihre &auml;gyptischen Anteile verkaufen, um die Bankenkrise zu Hause zu bew&auml;ltigen. [<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">37<\/a>]<\/p><p>Es ist offensichtlich, dass der R&uuml;ckgang der Post-Revolutions-Wirtschaft in &Auml;gypten seinen Wendepunkt erreicht hat. Die wirtschaftlichen Aussichten verbessern sich rasch. Ob sich diese positive Entwicklung fortsetzen wird und eine ausreichende Anzahl von dringend ben&ouml;tigten neuen Arbeitspl&auml;tzen bringt, h&auml;ngt von der politischen Stabilit&auml;t, der Wiederherstellung der &ouml;ffentlichen Sicherheit und der erfolgreichen Durchf&uuml;hrung von Strukturreformen der Wirtschaft ab.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Was sind die politischen Implikationen der gewaltsamen Proteste gegen den Anti-Islam-Film f&uuml;r die Beziehungen zwischen &Auml;gypten und den USA?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Nach dem Angriff auf die US-Botschaft in Kairo verurteilte der &auml;gyptische Pr&auml;sident nur den beleidigenden Film und f&uuml;gte eine allgemeine Aussage hinzu, dass die ausl&auml;ndischen diplomatischen Missionen gesch&uuml;tzt werden m&uuml;ssen. Durch die Vermeidung einer Verurteilung der gewaltsamen anti-amerikanischen Proteste versuchte Morsi offensichtlich, seine heimische Allianz mit den ultrakonservativen Salafisten nicht in Gefahr zu bringen. Allerdings verursachte dieses Verhalten eine harsche Reaktion von Pr&auml;sident Obama, der &Auml;gypten &bdquo;weder einen Verb&uuml;ndeten, noch einen Feind der Vereinigten Staaten&ldquo; nannte. Obwohl ein Sprecher des Wei&szlig;en Hauses sp&auml;ter erkl&auml;rte, dass sich der Status von &Auml;gypten nicht ge&auml;ndert habe in Bezug auf die besonderen Privilegien des Landes bei der Zusammenarbeit mit den USA, haben sich dennoch die Beziehung zwischen den beiden Staaten verschlechtert. Dies wird auch durch das Aussetzen der Verhandlungen &uuml;ber den Schuldenerlass und weitere finanzielle Hilfen aus Washington unterstrichen.<\/p><p>Die anti-amerikanischen Proteste in vielen arabischen L&auml;ndern und vor allem der Tod des amerikanischen Botschafters in Libyen k&ouml;nnte auch die US-Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Opposition in Syrien ernsthaft beeintr&auml;chtigen. Laut Berichten arabischer Medien besteht eine weit verbreitete Angst unter den Mitgliedern der syrischen oppositionellen Gruppen, dass der t&ouml;dliche Angriff militanter Islamisten auf die Botschaft in Benghazi als Modell f&uuml;r die Entwicklung in Syrien nach dem Sturz des alawitischen Regimes betrachtet wird. Dies k&ouml;nnte zu einer Neuorientierung der US-Politik und einer Einstellung der amerikanischen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die oppositionellen Kr&auml;fte f&uuml;hren.<\/p><p><strong>LS:<\/strong> Zum Schluss die klassische Frage: Wer bezieht die meisten Vorteile aus dem, was in Syrien und dar&uuml;ber hinaus passiert?<\/p><p><strong>GM:<\/strong> Bisher sind Israel und die USA die gr&ouml;&szlig;ten Gewinner. Die Regierung in Jerusalem konnte erhebliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r ihren Kampf gegen den Iran aus Washington und den europ&auml;ischen Hauptst&auml;dten erhalten. Dies gilt nicht f&uuml;r die milit&auml;rische Intervention, die von Netanyahu und Barak gefordert wird, aber in Bezug auf eine betr&auml;chtlich Verst&auml;rkung der Sanktionen gegen Teheran, die zu immer mehr gravierenden Problemen f&uuml;r die wirtschaftliche Entwicklung des Iran f&uuml;hren. Zugleich haben die Unruhen im Rahmen des arabischen Fr&uuml;hlings und vor allem die Eskalation der Gewalt in Syrien der israelischen Regierung erm&ouml;glicht, dass sie ihre j&uuml;ngste massive Siedlungsausweitung in den besetzten Gebieten weitgehend unbemerkt von der Welt&ouml;ffentlichkeit durchf&uuml;hren konnte.<\/p><p>Die USA profitiert von der wachsenden Abh&auml;ngigkeit der GCC-Staaten von milit&auml;rischem Schutz durch US-Truppen sowie einem Rekordumsatz von Waffen durch die Waffen-Hersteller in den Vereinigten Staaten, wo Zehntausende von neuen Arbeitspl&auml;tzen geschaffen und Hunderttausende von alten Arbeitspl&auml;tzen gesichert werden.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] J&uuml;rgen Todenhofer: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/baschar-al-assad\/juergen-todenhoefer-interviewt-syriens-praesident-in-damaskus-25060754.bild.html\">Mein Treffen mit Assad<\/a>, Bild, 9 July 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Viktor Reznov: <a href=\"http:\/\/www.syrianews.cc\/syria-journalist-houla-massacre\/\">ANNA News Journalist Marat Musin about Houla Massacre<\/a>, Syria News, 31 May 2012; also Rainer Hermann: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/arabische-welt\/syrien-eine-ausloeschung-11784434.html\">Syrien. Eine Ausloschung<\/a>, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13 June 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Robert Fisk: <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/voices\/commentators\/fisk\/robert-fisk-inside-daraya--how-a-failed-prisoner-swap-turned-into-a-massacre-8084727.html\">Syria&rsquo;s Pipelineistan War<\/a>, Al Jazeera, 6 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Tamsin Carlisle, Thomas Seibert: <a href=\"http:\/\/www.thenational.ae\/business\/energy\/qatar-seeks-gas-pipeline-to-turkey\">Qatar Seeks Gas Pipeline to Turkey<\/a>, The National, 26 August 2009.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Roula Khalaf, Abeer Allam: <a href=\"http:\/\/www.ft.com\/cms\/s\/1fa5d708-8e1c-11e1-bf8f-00144feab49a,Authorised=false.html?_i_location=http%3A%2F%2Fwww.ft.com%2Fcms%2Fs%2F0%2F1fa5d708-8e1c-11e1-bf8f-00144feab49a.html&amp;_i_referer=\">Assad Intensifies Cyberwar against Qatar<\/a>, Financial Times, 24 April 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Osama Habig: <a href=\"http:\/\/www.dailystar.com.lb\/Business\/Lebanon\/2012\/Sep-07\/187039-lebanons-offshore-gas-likely-exceeds-cyprus-syria.ashx#axzz27eR4MNHh\">Lebanon&rsquo;s offshore gas likely exceeds Cyprus<\/a>, Syria, Daily Star, 7 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.mccain.senate.gov\/public\/index.cfm?FuseAction=PressOffice.FloorStatements&amp;ContentRecord_id=e460be36-c488-e7de-8c38-64c3751adfce\">Remarks by Senator John McCain on the situation in Syria on the floor of the US Senate<\/a>, 5 March 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Pepe Escobar: <a href=\"http:\/\/www.atimes.com\/atimes\/Middle_East\/NH24Ak03.html\">Realpolitik blurs US red line in Syria<\/a>, Asia Times Onlline, 24 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Brian T Haggerty: <a href=\"http:\/\/web.mit.edu\/ssp\/publications\/working_papers\/Syria%20WP%2012-01.pdf\">Safe havens in Syria: missions and requirements for an air campaign [PDF &ndash; 1.2 MB]<\/a>, SSP Working Paper, July 2012, also Daniel Trombly: <a href=\"http:\/\/news.usni.org\/news-analysis\/news\/cost-syrian-intervention\">The cost of a Syrian intervention<\/a>, US Naval Institute, 22 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Ed Husain: <a href=\"http:\/\/www.cfr.org\/syria\/al-qaedas-specter-syria\/p28782\">al-Qaeda&rsquo;s specter in Syria<\/a>, Council on Foreign Relations, 6 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Alexander Marquardt: <a href=\"http:\/\/abcnews.go.com\/blogs\/headlines\/2012\/08\/syrian-helicopter-appears-to-be-shot-down-by-rebels\/\">Syrian helicopter appears to be shot down by rebels<\/a>, abc-News, 27 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/world-middle-east-19319446\">Obama warns Syria chemical weapons use may spark US action<\/a>, BBC, 21 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Paul Joseph Watson: <a href=\"http:\/\/www.infowars.com\/nato-plot-to-use-ambulances-as-cover-for-humanitarian-invasion-of-syria\/\">NATO plot to use ambulances as cover for humanitarian invasion of-Syria<\/a>, Infowars, 29 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>]  Ismail Salami: <a href=\"http:\/\/usa.mediamonitors.net\/content\/view\/full\/97464\">West Throttling Syria, Tightening Noose<\/a>, Media Monitors Network, 20 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] The Day After: <a href=\"http:\/\/www.thedayafter-sy.org\/media\/thedayafteren.pdf\">The day after project: supporting a democratic transition in Syria [PDF &ndash; 1.2 MB]<\/a>, August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.dw.de\/dw\/article\/0,,16177482,00.html\">German Spy Ship Aiding Syrian Rebels<\/a>, Deutsche Welte, 20 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.globalresearch.ca\/unravelling-media-scandal-al-jazeera-exodus-channel-losing-staff-over-bias\/\">Unravelling media scandal: Al Jazeera exodus: Channel losing statt over bias<\/a>, Global Research, 13 March 2012; also <a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/xswh63_media-west-proxy-to-fuel-syria-conflict_news\">Al Jazeera proxy for war hungry forces fuelling Syrian conflict<\/a>, Russia Today. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Murat Yetkin: <a href=\"http:\/\/www.hurriyetdailynews.com\/the-syrian-war-becomes-a-turkish-political-issue.aspx?pageID=449&amp;nID=28763&amp;NewsCatID=409\">The Syrian war becomes a Turkish political issue<\/a>, Hurriyet, 28 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Jurgen Wagner: <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/download\/IMI-Studie2012-12_web.pdf\">Imperialer Neolliberalismus: Syrien und die Europaische Nachbarschaftspolitik [PDF &ndash; 376 KB]<\/a>, IMI-Studie 12, 13 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.alarabiya.net\/articles\/2012\/07\/03\/224309.html\">Fights break out at Syria opposition meet; Kurds walk out in protest over nationality<\/a>, Al Arabiyya News, 3 July 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] G&uuml;nter Meyer: Die Umsiedlung der Bev&ouml;lkerung aus dem &Uuml;berflutungsbereich des Assad-Sees, Erlanger Geographische Arbeiten, Sonderband 16, 1984, p. 25-86, 299-301.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Patrick Seale: <a href=\"http:\/\/www.agenceglobal.com\/index.php?show=article&amp;Tid=2852\">The urgent need to prevent a Middle East war<\/a>, agence global, 14 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Dilip Hiro: <a href=\"http:\/\/yaleglobal.yale.edu\/content\/non-aligned-summit-belies-isolation-iran\">Non-Aligned summit belies isolation of Iran<\/a>, Yale Global, 4 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] IAEA Report: Iran doubled number of centrifuges between May and August, Media Line MidEast Daily, 2 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] <a href=\"http:\/\/in.reuters.com\/article\/2012\/08\/31\/israel-iran-pressure-idINL6E8JV1U620120831\">Israel under international pressure not to attack Iran alone<\/a>, Reuters, 31 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] <a href=\"http:\/\/gitm.kcorp.net\/index.php?id=614172&amp;news_type=Top&amp;lang=en\">Israel shift on Iran after US &lsquo;no&rsquo;<\/a>, Gulf Times, 5 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Jeremy R. Hammond: <a href=\"http:\/\/www.foreignpolicyjournal.com\/2012\/09\/08\/the-lies-that-led-to-the-iraq-war-and-the-persistent-myth-of-intelligence-failure\/0\/\">The lies that led to the Iraq War and the persistent myth of &lsquo;intelligence failure&rsquo;<\/a>, Foreign Policy Journal, 8 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Mark Landler and Steven Lee Myers: <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/12\/30\/world\/middleeast\/with-30-billion-arms-deal-united-states-bolsters-ties-to-saudi-arabia.html?_r=3\">With 30 billion arms deal, US bolsters Saudi ties<\/a>, New York Times, 29 December 2011.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] M. K. Bhadrakumar: <a href=\"http:\/\/www.atimes.com\/atimes\/Middle_East\/NH21Ak02.html\">Egypt thumbs the nose at US<\/a>, Asia Times Online, 21 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] David P. Goldman: <a href=\"http:\/\/www.atimes.com\/atimes\/Middle_East\/MG12Ak03.html\">When will Egypt go broke?<\/a>, Asia Times Online, 12 July 2011.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] Jamie Collinson: <a href=\"http:\/\/www.microdinero.com\/index.php\/english\/nota\/5188\/egyptian-remittances-peaked-in-2011\">Egyptian remittances peaked in 2011<\/a>, microDinero, 18 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.themedialine.org\/news\/news_detail.asp?NewsID=35863\">Egyptian blase about US threat to cut aid<\/a>, The Media Line, 23 August 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Erin Cunningham: <a href=\"http:\/\/www.globalpost.com\/dispatch\/news\/regions\/middle-east\/egypt\/120905\/china-egypt-us-economy-aid-debt-morsi\">Is China &lsquo;buying&rsquo; Egypt from the US?<\/a>, Global Post, 6 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] Borzou Daragahi: <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/middle_east\/egypts-consumer-and-investor-confidence-on-the-rise\/2012\/09\/06\/a1937d9e-f850-11e1-8b93-c4f4ab1c8d13_story.html\">Egypt&rsquo;s consumer and investor confidence on the rise<\/a>, Washington Post, 6 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] <a href=\"http:\/\/gitm.kcorp.net\/index.php?id=614434&amp;news_type=Economy&amp;lang=en\">Qatar to invest $ 18bn in Egypt<\/a>, Gulf Times, 7 September 2012.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.businessweek.com\/news\/2012-09-05\/marriott-joins-boeing-seeking-trade-assurance-on-trip-to-egypt\">Brian Wingfield and Nicole Gaouette: Mariott joins Boeing seeking trade assurance on trip to Egypt<\/a>, Bloomberg Businessweek, 6 September 2012.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem breit angelegten Interview erkundet Nahost-Experte <strong>G&uuml;nter Meyer<\/strong> die mannigfachen Dimensionen des syrischen B&uuml;rgerkriegs und seine Folgen &ndash; &ouml;konomische und geostrategische &ndash; f&uuml;r andere L&auml;nder in der Region. 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