{"id":145720,"date":"2026-02-02T15:00:38","date_gmt":"2026-02-02T14:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145720"},"modified":"2026-02-02T16:03:19","modified_gmt":"2026-02-02T15:03:19","slug":"die-eu-gegen-jacques-baud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145720","title":{"rendered":"Die EU gegen Jacques Baud"},"content":{"rendered":"<p>Die Kritik an den Ma&szlig;nahmen der Europ&auml;ischen Union (und der folgeverpflichteten Nationalstaaten) gegen den Schweizer Autor und Publizisten Jacques Baud entz&uuml;ndet sich daran, dass mit den gegen Baud verh&auml;ngten &bdquo;Sanktionen&ldquo; die Normalit&auml;t des Rechtsstaats auf den Kopf gestellt werde. Die T&auml;tigkeit und das Verhalten von Jacques Baud seien nicht &ndash; wie verfassungsrechtlich als Grundlage staatlicher Bestrafung zwingend notwendig &ndash; gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt &ndash; im Gegenteil gelte in der EU das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung und &ndash; soweit hinsichtlich der T&auml;tigkeit von Jacques Baud &uuml;berhaupt einschl&auml;gig &ndash; das Recht auf freie politische Bet&auml;tigung. Die Ma&szlig;nahmen gegen Jacques Baud seien daher innerhalb des Rahmens rechtsstaatlicher Normalit&auml;t illegal. Von <strong>Erik Jochem<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9675\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145720-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260202-EU-gegen-Jacques-Baud-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260202-EU-gegen-Jacques-Baud-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260202-EU-gegen-Jacques-Baud-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260202-EU-gegen-Jacques-Baud-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145720-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260202-EU-gegen-Jacques-Baud-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260202-EU-gegen-Jacques-Baud-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Was diese auf rechtstaatliche Normalit&auml;t gegr&uuml;ndete Argumentation freilich &uuml;bersieht, ist die Tatsache, dass sich &ndash; Kinder und Narren sagen die Wahrheit &ndash; die EU, jedenfalls aber die sie repr&auml;sentierende politische Klasse einschlie&szlig;lich des EU-Parlaments, seit l&auml;ngerem &bdquo;im Krieg mit Russland&ldquo; befindet und die Zeiten der Normalit&auml;t nach Auffassung der EU-Verantwortlichen damit gerade hinter uns liegen. Die Ma&szlig;nahmen gegen Jacques Baud geschehen daher offenbar gerade au&szlig;erhalb der Normalit&auml;t, die mit ihnen uno actu au&szlig;er Kraft gesetzt ist. <\/p><p>Die entscheidende Frage ist also: Darf die EU die Normalit&auml;t au&szlig;er Kraft setzen? Wenn ja, handelt es sich bei der EU um das weltweite Unikum eines Nichtstaates mit Souver&auml;nit&auml;tsrechten (Carl Schmitt), was unmittelbar die Frage nach den verbleibenden Souver&auml;nit&auml;tsrechten der ihn konstituierenden Nationalstaaten aufwirft. Je nach Blickwinkel wird man einen Nichtstaat mit Souver&auml;nit&auml;tsrechten als institutionelles Wunderwerk oder als Monstrum betrachten. Der amtierende amerikanische Pr&auml;sident jedenfalls nennt die EU das Problem Europas (was ihm die EU niemals vergeben wird).<\/p><p>Die Unterscheidung in Freund und Feind ist nach Carl Schmitt der Kern des Politischen. Es ist personell die Unterscheidung zwischen denen, f&uuml;r die die Normalit&auml;t, und denjenigen, f&uuml;r die der Ausnahmezustand gilt. Das gilt nach innen wie nach au&szlig;en. <\/p><p>F&uuml;r Jacques Baud gilt mit den &uuml;ber ihn verh&auml;ngten Ma&szlig;nahmen, die keineswegs nur symbolisch seine soziale Ausgrenzung &ndash; seinen sozialen Tod &ndash; bezwecken, zweifellos der Ausnahmezustand. Jacques Baud ist qua Edikt Staatsfeind (Paria) der EU und Deutschlands.<\/p><p>So wie die Sanktionen gegen Russland und die milit&auml;rische und finanzielle Unterst&uuml;tzung der Ukraine nach der Identifikation Russlands als Feind des Guten schlechthin (der Demokratie, des V&ouml;lkerrechts, der Menschenrechte etc.) zweifellos Kriegshandlungen unmittelbar unterhalb der Schwelle des eigentlichen Waffengangs darstellen (sollen), sind die Sanktionen gegen Jacques Baud &ndash; mehr freilich noch die gegen deutsche Staatsb&uuml;rger und B&uuml;rger anderer Mitgliedstaaten gerichteten Ma&szlig;nahmen &ndash; steigerungsf&auml;hige Akte der Gewalt im Innern. <\/p><p>All das ist nicht ohne historische Vorbilder. Im historischen Griechenland und Rom galten in Kriegszeiten f&uuml;r die zeitweiligen F&uuml;hrer des Staates diktatorische Rechte, um der kriegerischen Gefahr nach innen und au&szlig;en zu begegnen. Selbst in Friedenszeiten konnte der &bdquo;innere Feind&ldquo; verbannt, f&uuml;r vogelfrei erkl&auml;rt oder notfalls hingerichtet werden. Sokrates soll der Legende nach den Freitod der Verbannung als Feind der &ouml;ffentlichen Ordnung vorgezogen haben. <\/p><p>Auf einer noch tieferen Ebene funktioniert die Identit&auml;tsbildung von Gruppen nicht so sehr &uuml;ber positive Gemeinsamkeit, die immer unbestimmt bleibt, sondern &uuml;ber Ab- und Ausgrenzung. <\/p><p>F&uuml;r das Homogenit&auml;tsgef&uuml;hl der Gruppe und ihren inneren Frieden ist urspr&uuml;nglich konstituierend die k&ouml;rperliche Gewalt bis zur T&ouml;tung\/Opferung gegen Au&szlig;enseiter.  <\/p><p>Der Krise aller gegen alle folgt die t&ouml;dliche Erl&ouml;sung aller gegen einen und der Umschlag des Get&ouml;teten in die Heiligkeit eines Gottes, ein archaisches Muster, das die Geschichte Jesu Christi menschheitsgeschichtlich offenbart (Ren&eacute; Girard) und dazu gef&uuml;hrt hat, dass Texte wie der vorliegende inhaltlich verfasst und dar&uuml;ber hinaus auch im Rahmen jedenfalls formell bestehender Meinungsfreiheit ge&auml;u&szlig;ert werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Der Weiterentwicklung des Kulturprinzips des S&uuml;ndenbocks (Menschenopfer unter der &Auml;gide von Priestern l&ouml;sen das spontane Ereignis ab und werden im Zuge der &bdquo;Humanisierung&ldquo; der Menschheit, die zweifellos stattfindet, durch andere Opfer ersetzt &ndash; die &bdquo;Bindung&ldquo; Isaacs in der Bibel) verdankt sich auch der moderne Fall Jacques Baud &ndash; was kein Trost ist.<\/p><p>Tats&auml;chlich gilt, dass Jacques Baud der stellvertretende S&uuml;ndenbock f&uuml;r das ist, was die EU-Verantwortlichen als illegitime Bedrohung ihrer selbstempfundenen Mission der Weltmoralit&auml;t (Annalena Baerbock) im Sinne einer woken &bdquo;civil religion&ldquo; (Hans-Georg Moeller) durch die &ouml;ffentliche Meinung empfinden.<\/p><p>Nicht umsonst nehmen sie mit Jacques Baud den fundiertesten und sachlichsten Analytiker des Kriegs in der Ukraine mit vergangener erfolgreicher Friedensvermittlert&auml;tigkeit f&uuml;r die UNO in Afrika ins Visier.<\/p><p>Tats&auml;chliches Motiv der Sanktionen ist nicht Parteinahme f&uuml;r Russland und dessen Pr&auml;sidenten Putin im Ukrainekrieg &ndash; diese liegt bei Jacques Baud genau nicht vor. Das wahre Vergehen lautet auf Blasphemie. Jacques Baud glaubt explizit nicht an eine moralische Bewertung des Konflikts, sondern kritisiert deren Prinzip &ndash; sein Vergehen ist seine &ouml;ffentlich vertretene A-Moral (Hans-Georg Moeller), das Bestehen auf rationaler Bewertung und der M&ouml;glichkeit der Eind&auml;mmung des Konflikts durch rationalen Dialog. Niemand hasst Abtr&uuml;nnige mehr als die Kirche. Der moralische Wokismus, der angeblich nur den Hass anderer verfolgt, steckt selbst voller Hass.<\/p><p>Dass mit Jacques Baud ein im Sinne der &bdquo;Anklage&ldquo; geradezu offensichtlich Unschuldiger geopfert wird, offenbart aber nicht nur die zugrundeliegende zivilreligi&ouml;se Irrationalit&auml;t. Die Wahl eines unparteiischen Unschuldigen gemahnt als Echo an die christliche Metapher der Opferung des Unschuldslamms und die davon ausgehende besondere Ersch&uuml;tterung, die den Kern des christlichen Glaubenserlebnisses und die damit untrennbar verbundene Rebellion gegen die Gewalt der Opferung ausmacht. <\/p><p>Mit der Wahl Jacques Bauds als Opfer erscheint damit ein Wendepunkt erreicht. <\/p><p>In der Zwischenzeit ist die Frage nach dem Monstrum ungekl&auml;rt, w&auml;hrend die Idee des Nationalstaats der chauvinistischen Rechten &uuml;berlassen bleibt.<\/p><p><small>Titelbild: Jacques Baud beim 36. Pleisweiler Gespr&auml;ch \/ NachDenkSeiten<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kritik an den Ma&szlig;nahmen der Europ&auml;ischen Union (und der folgeverpflichteten Nationalstaaten) gegen den Schweizer Autor und Publizisten Jacques Baud entz&uuml;ndet sich daran, dass mit den gegen Baud verh&auml;ngten &bdquo;Sanktionen&ldquo; die Normalit&auml;t des Rechtsstaats auf den Kopf gestellt werde. 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