{"id":145753,"date":"2026-02-03T10:02:15","date_gmt":"2026-02-03T09:02:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145753"},"modified":"2026-02-04T07:27:29","modified_gmt":"2026-02-04T06:27:29","slug":"drohende-gasmangellage-wette-ohne-netz-und-doppelten-boden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145753","title":{"rendered":"Drohende Gasmangellage \u2013 Wette ohne Netz und doppelten Boden"},"content":{"rendered":"<p>Fragt man die Bundesregierung oder die zust&auml;ndige Bundesnetzagentur nach der Lage der aktuellen Gasversorgung in Deutschland, <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/gasspeicher-leerer-als-sonst-ist-die-versorgung-gesichert,gasspeicher-fuellstand-112.html\">demonstrieren diese maximale Gelassenheit<\/a>. Ja, die Speicher seien vergleichsweise leer, aber das sei &uuml;berhaupt kein Problem, da heute &ndash; anders als zu Zeiten der &bdquo;Abh&auml;ngigkeit von russischem Gas&ldquo; &ndash; ja alles anders sei. Man habe heute LNG-Terminals und Importm&ouml;glichkeiten aus dem europ&auml;ischen Ausland. Das ist zwar richtig. Sollte der Restwinter jedoch kalt werden, wird dies nicht reichen. Man hat die Versorgungssicherheit den M&auml;rkten &uuml;berlassen und die haben einmal mehr versagt. Nun hat man ein System ohne Sicherheitspuffer. Hoffen wir, dass der Winter mild zu Ende geht und vielleicht sogar ein Umdenkprozess einsetzt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_179\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145753-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260203_Drohende_Gasmangellage_Wette_ohne_Netz_und_doppelten_Boden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260203_Drohende_Gasmangellage_Wette_ohne_Netz_und_doppelten_Boden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260203_Drohende_Gasmangellage_Wette_ohne_Netz_und_doppelten_Boden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260203_Drohende_Gasmangellage_Wette_ohne_Netz_und_doppelten_Boden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145753-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260203_Drohende_Gasmangellage_Wette_ohne_Netz_und_doppelten_Boden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260203_Drohende_Gasmangellage_Wette_ohne_Netz_und_doppelten_Boden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/260203_Drohende_Gasmangellage.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Wie ernst ist die Lage?<\/strong><\/p><p>Um die Versorgungssicherheit nach Verh&auml;ngung der Sanktionen gegen Gasimporte aus Russland zu gew&auml;hrleisten, gilt seit dem 30. April 2022 ein <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/evaluierungsbericht-gasspeichergesetz-2198666\">&bdquo;Gasspeichergesetz&ldquo;<\/a>, das Mindestmengen f&uuml;r die Bef&uuml;llung der deutschen Gasspeicher festlegte. So sah die urspr&uuml;ngliche Version f&uuml;r den 1. November einen Minimalf&uuml;llstand von 95 Prozent und f&uuml;r den 1. Februar 40 Prozent vor. Da Deutschland vergleichsweise gut durch den ersten &ndash; jedoch auch milden &ndash; Winter ohne gr&ouml;&szlig;ere russische Gaslieferungen kam, wurden diese Werte sp&auml;ter teils au&szlig;er Kraft gesetzt, teils gesenkt. Aktuell gelten f&uuml;r November unterschiedliche Zielvorgaben je nach Speichertyp (dazu sp&auml;ter mehr) und f&uuml;r den 1. Februar gilt ein Zielwert von nur noch 30 Prozent. Diesen Wert haben die deutschen Speicher &ndash; wenn auch denkbar knapp &ndash; <a href=\"https:\/\/agsi.gie.eu\/\">mit 31,97 Prozent<\/a> trotz des in diesem Jahr vergleichsweise kalten Winters eingehalten. Besteht also kein Grund zur Sorge, wie die Bundesnetzagentur gebetsm&uuml;hlenartig behauptet? Oh, doch.<\/p><p>Dazu zun&auml;chst die Durchschnittswerte aus dem Januar. Im Schnitt importierte Deutschland jeden Tag inkl. der LNG-Lieferungen 3.090 GWh Gas. Zum Vergleich: Im &bdquo;Vorkriegswinter&ldquo; 2021\/2022 waren es im Schnitt noch 2.000 GWh mehr. Die eigene F&ouml;rderung ist mit 89 GWh pro Tag eher zu vernachl&auml;ssigen. Im Januar haben Haushalte, Gewerbe und Industrie pro Tag im Schnitt 4.210 GWh Gas verbraucht. Zwischen Import sowie F&ouml;rderung und Verbrauch gibt es also eine Differenz von etwa 1.000 GWh pro Tag. Das allein w&auml;re kein Problem, entspricht der derzeitige F&uuml;llstand der Speicher von 31,97 Prozent doch rund 81.000 GWh, was bei gleichbleibenden Ein- und Ausspeisungen bis in den Fr&uuml;hling reichen w&uuml;rde. Deutschland importiert jedoch nicht nur Gas, es exportiert es auch &ndash; vor allem in die L&auml;nder (Tschechien, Polen, &Ouml;sterreich), die fr&uuml;her besonders viel russisches Gas bezogen, aber nun dank der Sanktionen &uuml;ber Deutschland aus den gleichen Quellen versorgt werden, aus denen auch Deutschland sein Gas bezieht. Die Exporte betrugen im Januar im Schnitt 858 GWh pro Tag, was die Differenz auf exakt 1.889 GWh pro Tag erh&ouml;ht. <strong>Rechnet man mit dieser Zahl und gleichbleibenden Parametern, w&auml;ren die deutschen Speicher am 16. M&auml;rz komplett leer. <\/strong><\/p><p>In der Branche kalkuliert man &uuml;brigens mit dem 1. April als Ende des &bdquo;Versorgungswinters&ldquo; &ndash; erst dann k&ouml;nnen bei &bdquo;normalem Wetter&ldquo; die Speicher wieder gef&uuml;llt werden, weil weniger verbraucht als ins Netz eingespeist wird. Mit anderen Worten: <strong>Wenn die n&auml;chsten Wochen genau so kalt wie der Januar werden und keine Verbraucher vom Netz getrennt werden, reichen die Gasvorr&auml;te nicht aus, um eine Versorgung bis zum Ende des Winters zu gew&auml;hrleisten.<\/strong><\/p><p><strong>Was ist von den beschwichtigenden Erkl&auml;rungen der Regierung zu halten?<\/strong><\/p><p>Nun hei&szlig;t es seitens Regierung und Beh&ouml;rden aber, dass die Annahme, die Parameter seien konstant, nicht zutreffend sei. Die <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Gasversorgung\/aktuelle_gasversorgung\/start.html\">Bundesnetzagentur<\/a> schreibt dazu Folgendes:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die Versorgungslage hat sich in den vergangenen Jahren ver&auml;ndert. Deutschland verf&uuml;gt &uuml;ber unterschiedliche Importm&ouml;glichkeiten. Gasmengen k&ouml;nnen &uuml;ber Pipelines (insb. aus Norwegen) sowie &uuml;ber&nbsp;LNG-Terminals importiert werden. Au&szlig;erdem hat Deutschland in den vergangenen Jahren die Gasfl&uuml;sse von einem sogenannten Ost-West-Fluss auf einen Nord\/West-Ost-Fluss umgestellt, sodass weitere Importm&ouml;glichkeiten &uuml;ber Frankreich und Belgien erschlossen worden sind. Deutschland ist eng in das europ&auml;ische Gasverbundsystem integriert, was flexible Gastransporte erm&ouml;glicht. Der europ&auml;ische Energiebinnenmarkt ist entscheidend f&uuml;r die Versorgungssicherheit mit Gas. Die grenz&uuml;berschreitende Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Gehen wir die Punkte doch einmal durch. Fangen wir mit den Importm&ouml;glichkeiten an. Richtig ist, dass Norwegen in den letzten Jahren Russland als mit Abstand gr&ouml;&szlig;ter Gaslieferant f&uuml;r den deutschen Markt ersetzt hat, und richtig ist auch, dass die vorhandenen Pipelines gro&szlig;e Importmengen gew&auml;hrleisten. Laut Planungsunterlagen sind dies max. 1.537 GWh pro Tag. Das entspricht den russischen &bdquo;Vorkriegslieferungen&ldquo;. Das Problem: Diese Maximalkapazit&auml;t wird bereits jetzt voll ausgereizt. Allein Deutschland bezog im Januar im Schnitt 1.359 GWh pro Tag aus Norwegen. Die genaue Zahl, wie hoch der Anteil norwegischen Gases bei den Mengen ist, die Deutschland rechnerisch exportiert, bei denen wir also nur Transitland sind, ist nicht exakt in Erfahrung zu bringen. Jedwede Puffer gibt es hier jedoch nicht.<\/p><p><strong>Derzeit liefert Norwegen bereits so viel Gas, wie bei bestehender Infrastruktur m&ouml;glich ist.<\/strong> Sollte es &uuml;brigens Probleme auf den norwegischen Feldern oder an den Pipelines geben, w&auml;re dies auch ohne Wetterversch&auml;rfung eine einzige Katastrophe. Hei&szlig;t es doch, Deutschland sei fr&uuml;her abh&auml;ngig von russischem Gas gewesen, muss es heute hei&szlig;en, Deutschland ist ohne Wenn und Aber abh&auml;ngig von norwegischem Gas. Es existieren keine Puffer und Alternativen in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung. Ganz &auml;hnlich sieht es &uuml;brigens mit den &uuml;brigen Lieferanten f&uuml;r Pipelinegas aus. <strong>Auch die Leitungen aus den Niederlanden und Belgien sind an bzw. kurz vor der technischen Maximalauslastung.<\/strong><\/p><p>Wie sieht es mit den anderen L&auml;ndern aus? Es m&uuml;ssen ja nicht zwingend &bdquo;frisch&ldquo; gef&ouml;rderte Gasmengen sein. Im Spannungs- oder gar Notfall k&ouml;nnte Deutschland ja auch Gas aus den Speichern seiner Nachbarn beziehen. Das stimmt. F&uuml;r die Niederlande und Belgien gilt jedoch, dass es daf&uuml;r nicht nur keine Leitungskapazit&auml;ten gibt, sondern dass die beiden L&auml;nder auch mit 25 bzw. 31 Prozent &auml;hnlich niedrige F&uuml;llst&auml;nde wie Deutschland aufweisen. Frankreich ist &uuml;brigens auch keine echte Alternative, sind dort die Speicher mit 30 Prozent doch &auml;hnlich leer und hinzu kommt, dass Frankreich ohnehin nur ein geringes Speichervolumen hat. Polen hat auch nur vergleichsweise geringe Speicher, die jedoch mit 64 Prozent erstaunlich voll sind. Kein Wunder, das Gas flie&szlig;t ja auch in der umgekehrten Richtung von Deutschland nach Polen. Ist eine &bdquo;R&uuml;ckw&auml;rtsversorgung&ldquo; m&ouml;glich? Technisch ja, politisch ist das wohl eher unwahrscheinlich. Bleiben zwei L&auml;nder, die vergleichsweise gro&szlig;e Speicher haben, die zudem zurzeit auch gut gef&uuml;llt sind &ndash; &Ouml;sterreich (45 Prozent) und Italien (57 Prozent), die in Summe rund doppelt so viel Gas wie Deutschland gespeichert haben. Das Problem ist hier jedoch, dass es keine ausreichenden Leitungskapazit&auml;ten f&uuml;r eine Versorgung Deutschlands aus dem S&uuml;den gibt. &Uuml;ber den &bdquo;Hochleistungsimportpunkt&ldquo; Oberschlauersberg k&ouml;nnte Deutschland theoretisch maximal 144 GWh pro Tag aus &Ouml;sterreich oder Italien importieren. Das k&ouml;nnte f&uuml;r die s&uuml;dlichen Teile Bayern als Notversorgung reichen &ndash; mehr aber auch nicht.<\/p><p>Kommen wir zum LNG und damit zum gro&szlig;en Fragezeichen. Korrekt ist, dass es beim LNG-Import zumindest auf dem Papier in der Tat noch freie Reserven gibt. Rein theoretisch k&ouml;nnte Deutschland rund 1.000 GWh LNG pro Tag einspeisen, zurzeit sind es &bdquo;lediglich&ldquo; rund 400 GWh. Die gro&szlig;e Frage ist hierbei jedoch, wo dieses Gas herkommen soll. Weltweit sind die gro&szlig;en LNG-Lieferstr&ouml;me &uuml;ber Festvertr&auml;ge oder Warentermingesch&auml;fte bereits lange im Voraus gebucht. Zus&auml;tzliche Mengen k&ouml;nnte man sicher zu Mondpreisen auf dem Spotmarkt kaufen &ndash; bis die Tanker an den Terminals in Nord- und Ostsee ankommen, k&ouml;nnte dies jedoch zu sp&auml;t sein. Da die Umwandlung von Fl&uuml;ssiggas in gasf&ouml;rmiges Erdgas zudem bei niedrigen Au&szlig;entemperaturen weniger effizient ist, stellt sich die Frage, wie hoch die realistische Maximaleinspeisung &uuml;berhaupt ist. In j&uuml;ngerer Vergangenheit konnten an keinem Tag mehr als 510 GWh eingespeist werden. Realistisch ist hier also ein Puffer nicht mehr als maximal 200 GWh vorstellbar. Das w&uuml;rde im oben genannten Szenario das Leerlaufen der Speicher aber auch nur um ein paar Tage hinausz&ouml;gern.<\/p><p>Der &bdquo;grenz&uuml;berschreitende&ldquo; Gashandel, auf den die Bundesnetzagentur so stolz verweist, ist nun einmal f&uuml;r den Normalzustand ausgelegt. <strong>Um mitten im Winter unabh&auml;ngig von den Speichern die Volkswirtschaft zu versorgen, reichen die Kapazit&auml;ten hier nicht einmal im Ansatz. <\/strong><\/p><p><strong>Wovon die Beh&ouml;rden nicht sprechen<\/strong><\/p><p>Mindestens ebenso spannend wie die vagen, teils unzutreffenden Aussagen der Bundesnetzagentur ist das, was sie nicht sagt. Implizit suggeriert man bei der Thematik ja immer, dass die Speicher im Notfall tats&auml;chlich bis zum letzten Kubikmeter Gas geleert werden k&ouml;nnen. Doch das ist technisch gar nicht m&ouml;glich. In Deutschland gibt es Kavernen- und Porenspeicher. Sind erstere relativ unproblematisch, sind Porenspeicher nicht daf&uuml;r konzipiert, in akuten K&auml;ltewellen sehr schnell sehr gro&szlig;e Mengen Gas abzugeben. Hinzu kommt, dass die Abgabeleistung mit fallendem F&uuml;llstand sinkt. Man kann sich das so vorstellen: Je niedriger der F&uuml;llstand, desto niedriger der Druck in einem Porenspeicher, desto niedriger die maximale Entnahmeleistung. In <a href=\"https:\/\/www.martinkaessler.com\/gasspeicher-deutschland-2026-prognose\/\">Studien<\/a> wird hier eine Grenze bei einem F&uuml;llstand von rund 20 Prozent genannt &ndash; ist der F&uuml;llstand unter dieser Marke, kann das Gas nur noch sehr langsam abgegeben werden. <\/p><p>Dumm nur, dass sowohl in Deutschland als auch bei unseren Nachbarn die gr&ouml;&szlig;ten Speicher eben jene Porenspeicher sind. Der gr&ouml;&szlig;te deutsche Speicher ist das UGS Rehden und hat derzeit einen F&uuml;llstand von 9,41 Prozent. Mehr als rund 0,2 Prozent lassen sich den Daten zufolge derzeit aus diesem Speicher nicht entnehmen. Der gr&ouml;&szlig;te Speicher Europas ist das UGS Bergermeer, der derzeit bei 26,41 Prozent steht, sich aber t&auml;glich zwischen 0,5 und 1,0 Prozent leert, also bereits in wenigen Tagen nicht mehr mit voller Leistung ins Netz einspeisen kann.<\/p><p>Wenn also der Gasverbrauch auch in den n&auml;chsten Tagen und Wochen deutlich &uuml;ber den Importen liegt, d&uuml;rfte dies auch dazu f&uuml;hren, dass die leistungsf&auml;higeren Kavernenspeicher einen Gro&szlig;teil der Differenz ausgleichen und sich dementsprechend schnell leeren k&ouml;nnten. Der Gasnotstand &ndash; also der Tag, an dem der Verbrauch nicht mehr durch Einspeisungen ins Netz gew&auml;hrleistet werden kann &ndash; k&ouml;nnte also bereits lange vor dem Tag kommen, an dem alle Speicher physisch leer sind.<\/p><p><strong>Was sind die Gr&uuml;nde f&uuml;r die prek&auml;re Lage?<\/strong><\/p><p>Ein flexibles Versorgungsnetz mit vielen unterschiedlichen Importoptionen &ndash; das h&ouml;rt sich doch gut an. Und den Rest erledigen die M&auml;rkte. Prima. In der Theorie ist das auch so. Die Gasversorgungsinfrastruktur ist aber speziell. Wie oben dargelegt reichen die Kapazit&auml;ten in der Heizperiode im Winter nicht aus, um den Verbrauch synchron durch die Gasimporte zu decken. Man muss also in den warmen Jahreszeiten Vorr&auml;te einbunkern, die in den kalten Jahreszeiten die Differenz ausgleichen. Privatwirtschaftliche Akteure machen das freilich nur, wenn es sich rechnet. Und genau das war in den letzten Jahren mit ihren recht milden Wintern nicht der Fall. Angebot und Nachfrage.<\/p><p>Hinzu kommt, dass die Gasabnahme sich durch die Energiewende ver&auml;ndert hat. Deutschland ist raus aus dem Atomstrom und hat die Kohlestromkapazit&auml;ten zur&uuml;ckgefahren. Gaskraftwerke haben nun die wichtige Funktion, vor allem nachts und bei wenig Wind die L&uuml;cken zu f&uuml;llen, die Photovoltaik und Windenergie aufrei&szlig;en. Das ist ja technisch auch machbar, hat jedoch Folgen f&uuml;r den Gaspreis. Durch die vor allem durch die Stromerzeugung ge&auml;nderten Abnahmeprofile f&uuml;r Gas ist in den letzten Jahren das &bdquo;klassische Gesch&auml;ftsmodell&ldquo; der Unternehmen weggefallen, die Gas einspeichern. Im Sommer ist das Gas heute nicht mehr so preiswert, in milden Wintern nicht mehr so teuer. Die Folge: Da das Gesch&auml;ft nicht mehr so lukrativ ist, speichert man halt weniger Gas ein. Und was hat die Regierung gemacht? Sie hat die einst recht restriktiven Richtlinien aufgeweicht und aus den gesetzlichen Mindestvorgaben lasche Zielwerte gemacht.<\/p><p>Es kam, wie es kommen musste. Zu Beginn der Heizperiode im November waren die deutschen Speicher nicht wie sonst mit 90 Prozent, sondern nur mit 75 Prozent gef&uuml;llt. Diese 15 Prozent machen nun den Unterschied. Offenbar hat man zudem die eigenen Prognosen zum Klimawandel ein wenig zu ernst genommen und mit einem viel zu milden Szenario gerechnet.<\/p><p><strong>Wie wahrscheinlich ist die Mangellage?<\/strong><\/p><p>Auch wenn der Winter bislang vergleichsweise kalt war, ist es immer noch m&ouml;glich, dass die Mangellage ausbleibt. <a href=\"https:\/\/www.martinkaessler.com\/gasspeicher-deutschland-2026-prognose\/\">Studien<\/a> rechnen hier mit verschiedenen Szenarien und benennen dabei drei Risikofaktoren: Das bereits erw&auml;hnte Problem mit den Porenspeichern, technische Probleme bei der Infrastruktur und nat&uuml;rlich das Wetter. W&auml;re der Rest des Winters &ndash; wie z.B. 2020 &ndash; au&szlig;ergew&ouml;hnlich warm, w&auml;ren keine Probleme zu erwarten und es g&auml;be sogar noch Puffer. Bleiben Februar und M&auml;rz im langj&auml;hrigen Mittel, kommen wir &ndash; wenn auch nur knapp &ndash; mit dem Gas durch den Restwinter, es bestehen jedoch keine Sicherheitspuffer, auf die das System eigentlich ausgelegt sein sollte. <strong>Sollten Februar und M&auml;rz allerdings &ndash; wie z.B. 2010 &ndash; au&szlig;ergew&ouml;hnlich kalt werden, tritt die Gasmangellage vor Ende der Heizsaison ein.<\/strong><\/p><p>F&uuml;r ein solches Szenario gibt es freilich Pl&auml;ne. Zun&auml;chst wird &ndash; vereinfacht gesagt &ndash; die Schwerindustrie vom Netz genommen. Dann werden die Exporte gestoppt &ndash; sollen doch die &Ouml;sterreicher und die Tschechen frieren. Erst wenn gar nichts mehr geht, kommt es auch zu Einschr&auml;nkungen bei der Versorgung der Haushalte.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260203-Gasmangellage-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260203-Gasmangellage-1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Offen ist jedoch ein weiterer Punkt. Der Januar 2026 zeichnete sich auch dadurch aus, dass noch nie so viel Gas zur Stromproduktion eingesetzt wurde. Das ist sogar verst&auml;ndlich, scheint im Januar doch wenig Sonne. Das wird in der gesamten Debatte erstaunlicherweise kaum bedacht. Was passiert also, wenn es in den n&auml;chsten Wochen nicht nur kalt wird, sondern auch dunkel bleibt und der Wind nur schwach weht? Das w&auml;re dann wohl die &bdquo;perfekte Kombination&ldquo; f&uuml;r eine Versorgungskrise, bei der nicht nur die Gasheizung, sondern auch fl&auml;chendeckend die Stromversorgung Probleme bekommen k&ouml;nnte.<\/p><p>Krise ante portas. Doch freilich muss es nicht dazu kommen. Wenn das Wetter sich in den n&auml;chsten Tagen und Wochen verbessert, die Sonne scheint und der Wind weht, werden wir aus der selbstverschuldeten Krise noch einmal mit einem blauen Auge herauskommen. Wird die Politik dann auch ihre Lehren daraus ziehen? Die derzeitige Kommunikation legt den Verdacht nahe, dass dies nicht so sein wird. Man redet die Gefahr klein und tut gerade so, als g&auml;be es gar kein Szenario, in dem es zu einer Mangellage kommen k&ouml;nnte. Denn dann w&auml;re die Strategie, alles den M&auml;rkten zu &uuml;berlassen, ja nicht mehr haltbar. Der Staat m&uuml;sste selbst aktiv werden und wom&ouml;glich k&auml;me sogar jemand auf die &bdquo;dumme Idee&ldquo;, einmal die Frage zu stellen, ob die Sanktionen gegen Russland nicht einmal hinterfragt werden sollten. Denn eins steht fest: H&auml;tten wir die 1.500 GWh pro Tag, die vor den Sanktionen noch flossen, heute zumindest als Option, h&auml;tten wir auch keine drohende Gasmangellage. Die Politik ignoriert das, der W&auml;hler muss wohl erst daheim frieren, bis er die Brisanz der Thematik wirklich versteht. Vielleicht ist es aber auch die Industrie, die nun die Alarmglocken schl&auml;gt. Denn sie wird als Erstes betroffen sein, sollte es kalt bleiben, und Gas und wom&ouml;glich auch Strom rationiert werden.<\/p><p><small>Titelbild: Mike Mareen\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/28e66252a78644aba6c949511ab88848\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fragt man die Bundesregierung oder die zust&auml;ndige Bundesnetzagentur nach der Lage der aktuellen Gasversorgung in Deutschland, <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/gasspeicher-leerer-als-sonst-ist-die-versorgung-gesichert,gasspeicher-fuellstand-112.html\">demonstrieren diese maximale Gelassenheit<\/a>. Ja, die Speicher seien vergleichsweise leer, aber das sei &uuml;berhaupt kein Problem, da heute &ndash; anders als zu Zeiten der &bdquo;Abh&auml;ngigkeit von russischem Gas&ldquo; &ndash; ja alles anders sei. 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