{"id":145761,"date":"2026-02-03T11:20:11","date_gmt":"2026-02-03T10:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145761"},"modified":"2026-02-03T14:21:10","modified_gmt":"2026-02-03T13:21:10","slug":"eu-europa-im-selbstfindungsstress","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145761","title":{"rendered":"EU-Europa im Selbstfindungsstress"},"content":{"rendered":"<p>Die globalen Entwicklungen nehmen an Geschwindigkeit zu, Ereignisse &uuml;berschlagen sich. Vorgestern noch war der US-Angriff auf Venezuela in den Schlagzeilen, gestern die r&auml;uberischen US-Ambitionen auf Gr&ouml;nland und heute reden wir &uuml;ber einen m&ouml;glichen Milit&auml;rschlag gegen Iran. Daneben findet das t&auml;gliche T&ouml;ten in der Ukraine und im Nahen Osten statt. Die EU-europ&auml;ischen Entscheidungseliten befinden sich im Stressmodus. Was passiert gerade mit EU-Europa mitten im globalen Umbruchprozess, wohin geht die Reise und wo soll EU-Europa stehen? Von<strong> Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8486\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145761-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250203-EU-im-Selbstfindungsstres-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250203-EU-im-Selbstfindungsstres-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250203-EU-im-Selbstfindungsstres-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250203-EU-im-Selbstfindungsstres-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145761-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250203-EU-im-Selbstfindungsstres-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250203-EU-im-Selbstfindungsstres-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>EU-Europa und Deutschland haben, bet&auml;ubt durch ihre tradierte transatlantische Unterwerfungstreue, die realen Entwicklungen gedanklich nicht hinreichend reflektiert, obschon die Zeichen am Himmel un&uuml;bersehbar waren. Sie haben folglich nicht die erforderlichen politischen Entscheidungen getroffen, um EU-Europa in der Welt des Umbruchs sicher aufzustellen. Wegweisende Entscheidungen werden hingegen von anderen Akteuren wie Trump, Putin, Xi oder Modi getroffen. Deutschland und die EU reagieren lediglich darauf und das nicht einmal besonders strategisch. Wie sehr die Ratlosigkeit und vermutlich auch eine gewisse Inkompetenz der Entscheidungseliten EU-Europa belastet, d&uuml;rfte auch die interessante Aussage der EU-Au&szlig;enbeauftragten Kallas mit Blick auf die EU-Kommissionpr&auml;sidentin von der Leyen belegen: Sie, von der Leyen, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article69776d79a7f057aeb6045f60\/bruessel-kaja-kallas-nennt-ursula-von-der-leyen-intern-diktatorin.html\">sei eine Diktatorin<\/a>. Es ist durchaus naheliegend, dass es in der EU-Kommission erhebliche Spannungen zu der Frage gibt, was die richtigen Entscheidungen sein k&ouml;nnten und wer das Sagen hat. Und aus dem politischen Berlin kommen ebenfalls keine innovativen Ideen, wie sich Deutschland und die EU k&uuml;nftig positionieren sollen. <\/p><p>Der Politikwissenschaftler Varwick brachte dies j&uuml;ngst in einem Tweet auf den Punkt: <\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Europa in der Sicherheitspolitik: <\/p>\n<p>K&ouml;nnen wir den USA vertrauen? Nein<\/p>\n<p>M&uuml;ssen wir den USA vertrauen? Ja.<\/p>\n<p>Also beschlie&szlig;en wir, den USA zu vertrauen.<\/p>\n<p>&mdash; Johannes Varwick (@JohannesVarwick) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/JohannesVarwick\/status\/2016119549284729298?ref_src=twsrc%5Etfw\">January 27, 2026<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>In diesem engen Rahmen bewegt sich in etwa die Kreativit&auml;t der EU- und bundesdeutschen Elite zur k&uuml;nftigen Positionierung EU-Europas: Egal, was passiert, egal, was mit uns gemacht wird, nach anf&auml;nglicher Emp&ouml;rung und Fassungslosigkeit fallen wir immer wieder auf die Position zur&uuml;ck, die da, ironisch formuliert, hei&szlig;en k&ouml;nnte: <em>Transatlantizismus oder Tod<\/em>&ldquo;. Oder im <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/merz-regierungserklaerung-108.html\">Wortlaut<\/a> des Bundeskanzlers Merz:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das transatlantische B&uuml;ndnis, das transatlantische Vertrauen ist auch heute noch ein Wert an sich &ndash; f&uuml;r uns in Deutschland &uuml;brigens in ganz besonderer Weise.<\/em>&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese transatlantische Ideologie ist so fest in den K&ouml;pfen vieler EU-europ&auml;ischer Politikentscheider verankert, dass umfassende &Uuml;berlegungen zu strategischen Neu&uuml;berlegungen und -orientierungen fast nicht m&ouml;glich sind:<\/p><ul>\n<li>Trump will Gr&ouml;nland annektieren, die EU-Europ&auml;er sind entsetzt und werden dann doch letztlich Trumps Forderung entsprechen. Wer glaubt, dass sich Trump mit dem &bdquo;Kompromiss&ldquo; von Davos zufriedengeben wird, hat seine Art von Politik immer noch nicht verstanden. Trump fordert &ouml;konomische Unterwerfung und von der Leyen liefert genau diese im Sommer 2025 mit <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/fact-sheets\/2025\/07\/fact-sheet-the-united-states-and-european-union-reach-massive-trade-deal\/\">einem Handelsabkommen<\/a>, in dem die Unterwerfung EU-Europas mehr als deutlich wird. Hierbei monopolisiert die EU ihre Energieversorgung auf die USA und macht sich damit einseitig von den USA abh&auml;ngig inklusive h&ouml;herer Energiepreise, <em>&bdquo;um russisches Gas und &Ouml;l auf dem EU-Markt zu ersetzen&ldquo;<\/em>. Warum auch g&uuml;nstiges, zuverl&auml;ssiges und vergleichsweise relativ sauberes Pipelinegas und -&ouml;l aus Russland, wenn es doch auch teures, weniger zuverl&auml;ssiges und umweltbelastenderes Frackinggas- und Fracking&ouml;l aus den USA geben kann? Hauptsache, die transatlantische Verbundenheit wird demonstriert, w&auml;hrend Trump seine weiteren Erfolge einfahren kann. Nun jedoch hat das EU-Parlament k&uuml;rzlich die Umsetzung des Handelsabkommens vorerst gestoppt. Aber nicht aufgrund der uns&auml;glichen Konditionen des Handelsabkommens f&uuml;r EU-Europa, sondern aufgrund der Gr&ouml;nlandambitionen Trumps und somit den daraus erwachsenden erheblichen Spannungen zwischen den USA und EU-Europa. Dies w&auml;re auch eine elegante M&ouml;glichkeit f&uuml;r die EU, das Handelsabkommen entweder endg&uuml;ltig zu begraben oder aber dezidiert neu auszuhandeln. Zumal Kanzler Merz schlie&szlig;lich <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/merz-regierungserklaerung-108.html\">in seiner j&uuml;ngsten Regierungserkl&auml;rung<\/a> das <em>&bdquo;sich neu regende Selbstbewusstsein der Europ&auml;er&rdquo;<\/em> im Kontext des Gr&ouml;nlanddisputs zu entdecken schien. Allein diese Formulierung offenbart die J&auml;mmerlichkeit der Entscheidungseliten in der EU mit Blick auf die USA.<\/li>\n<li>Trump fordert 5 Prozent BiP f&uuml;r das Milit&auml;r aller NATO-Staaten, und die europ&auml;ischen NATO-Mitgliedsstaaten feiern das als sinnvoll ab, wohlwissend, dass dies im Prinzip nicht zu verwirklichen ist, ohne <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136274\">dass es zu erheblichen gesellschaftlichen und sozialen Verwerfungen kommen wird<\/a>. Und der NATO-Generalsekret&auml;r &uuml;bt sich w&auml;hrenddessen in den peinlichsten Unterwerfungsgesten, indem er Trump als &bdquo;Daddy&ldquo; bezeichnet. Eine solche Realsatire &uuml;bersteigt selbst die Kreativit&auml;t Hollywoods.<\/li>\n<\/ul><p>All dies ist der transatlantischen Ideologie geschuldet, die keine anderweitigen politischen Optionen zul&auml;sst. Und die Ironie der Geschichte ist, dass nur die EU-Europ&auml;er dieser transatlantischen Nibelungentreue verfallen sind, w&auml;hrend Washington seiner Interessenpolitik folgt &ndash; und zwar unabh&auml;ngig der Befindlichkeiten seiner &bdquo;Verb&uuml;ndeten&ldquo;. Um mal Klartext zu reden: F&uuml;r die Trump-Administration sind die europ&auml;ischen NATO-Staaten keine Verb&uuml;ndeten, sondern Man&ouml;vriermasse: Entweder die Europ&auml;er gehorchen oder aber sie werden sanktioniert. Das ist knallharte Realpolitik, w&auml;hrend die EU-Europ&auml;er immer noch den transatlantischen Dornr&ouml;schenschlaf zelebrieren.<\/p><p><strong>EU zwischen Aufbruch ohne Kompass und Sehnsucht nach der alten heilen Zeit<\/strong><\/p><p>Die Gedanken in EU-Europa bewegen sich zwischen der widerstrebenden Erkenntnis, dass die Welt sich im Umbruch befindet &ndash; was f&uuml;r eine wahnsinnig neue Erkenntnis &ndash;, und der Sehnsucht, die gute alte Zeit doch irgendwie bewahren zu k&ouml;nnen: Der Strau&szlig; steckt den Kopf in den Sand und wartet ab, dass die Gefahren doch vorbeiziehen m&ouml;gen. Und so hofft man in EU-Europa, dass es eine Post-Trump-&Auml;ra geben wird, in der dann alles wieder beim Alten ist, so <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145397\">wie es der kanadische Premierminister Carney beschrieb<\/a>: Der Westen sei eine Einheit in einer &bdquo;regelbasierten internationalen Ordnung&ldquo;, einer westlichen Globalordnung gewesen, die nun vorbei sei. <\/p><p>Und nat&uuml;rlich hoffen auch die US-Demokraten darauf. Doch, und das ist der gro&szlig;e Unterschied zur Vergangenheit: Diese Entscheidungen trifft nicht mehr der Westen, zumindest nicht alleine. Der Rest der Welt ist nicht mehr bereit, westliche oder US-amerikanische Direktiven widerspruchslos zu akzeptieren, und der Nichtwesten ist auch materiell in der Lage, diese Direktiven zur&uuml;ckzuweisen. Klar, die USA k&ouml;nnen Drittstaaten durchaus erfolgreich milit&auml;risch angreifen und erheblichen Schaden anrichten. Aber k&ouml;nnen sie auch letztlich diese L&auml;nder politisch erfolgreich unterwerfen? Die USA k&ouml;nnen den Prozess der Multipolarisierung empfindlich st&ouml;ren, sie k&ouml;nnen ein paar Mittelm&auml;chte und kleine Staaten, die in der BRICS+-Welt leben wollen, vielleicht ausschalten, aber den gro&szlig;en Prozess des Wandels werden sie und die EU-Europ&auml;er nicht aufhalten k&ouml;nnen. <\/p><p>Die Kunst einer strategisch klugen Politik ist es, die Realit&auml;ten zu erkennen, was eine Leistung des Verstandes ist, und die richtigen Entscheidungen zu treffen, was eine Vernunftleistung ist. Doch genau Letzteres ist in EU-Europa noch nicht zu finden. Wenn die EU-Europ&auml;er pl&ouml;tzlich das V&ouml;lkerrecht wegen Gr&ouml;nland und der Ukraine wieder entdecken, obschon sie selbst sich als Totengr&auml;ber des V&ouml;lkerrechts nicht nur profiliert haben, sondern sich weiterhin profilieren, dann zeigt dies eindeutig, dass man nicht bereit ist, die neuen Realit&auml;ten zu erkennen. Nat&uuml;rlich ist ein US-Angriff auf Venezuela oder den Iran v&ouml;lkerrechtswidrig, genauso wie auch der Angriff Russlands auf die Ukraine. Wenn dann aber Bundeskanzler Merz davon spricht, <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/merz-drecksarbeit-iran-israel-100.html\">die Israelis w&uuml;rden &bdquo;die Drecksarbeit f&uuml;r uns machen&ldquo;<\/a>, so beweist das, dass er es immer noch nicht begriffen hat: N&auml;mlich, dass die Pflichten des V&ouml;lkerrechts auch uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r den Westen gelten. Sie gelten auch f&uuml;r den Westen oder f&uuml;r niemanden mehr, Punkt. Die Zeit der erfolgreich praktizierten Doppelstandards l&auml;uft aus.<\/p><p><strong>EU und Desintegrationsherausforderungen<\/strong><\/p><p>Die Herausforderungen f&uuml;r EU-Europa bestehen nicht nur darin, auszuloten, welche Wege EU-Europa in der neuen, sich anbahnenden Welt beschreiten sollte, sondern auch, und das ist essentiell f&uuml;r EU-Europa, ob die EU-Integration nicht auch scheitern k&ouml;nnte, dass einzelne EU-Staaten sich ihr Recht herausnehmen, wieder souver&auml;ne Entscheidungen &ndash; ausgerichtet an der nationalen Interessenlage &ndash; treffen zu wollen. Das endg&uuml;ltige Verbot von Erdgasimporten aus Russland in die EU, welches k&uuml;rzlich beschlossen wurde, schw&auml;cht nicht nur die EU in Fragen der EU-Energiesicherheit und -souver&auml;nit&auml;t, sondern auch den Zusammenhalt der EU: Die Slowakei und Ungarn wollen gegen die Entscheidung beim Europ&auml;ischen Gerichtshof klagen, da ihre nationalen Interessen substanziell untergraben werden. Konkret klagen sie gegen die in ihren Augen Tricksereien im Hinblick auf den Abstimmungsmodus. Der &uuml;bliche Abstimmungsmodus, n&auml;mlich der Einstimmigkeitsbeschluss, wurde kurzerhand durch einen Mehrheitsbeschluss ersetzt. Mit solchen Tricksereien wird das Vertrauen der Mitgliedsstaaten in die EU <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/slowakei-klage-importverbot-100.html\">zunehmend belastet<\/a>.<\/p><p>Die sich abzeichnende Niederlage der von der EU und NATO massiv unterst&uuml;tzten Ukraine ist ein weiterer wesentlicher Faktor f&uuml;r das schwindende Vertrauen einiger Mitgliedsstaaten in die F&auml;higkeiten der EU und der NATO. Eine R&uuml;ckbesinnung auf nationale Souver&auml;nit&auml;t und bilaterale Absicherungsbestrebungen werden um sich greifen. Erste EU- und europ&auml;ische NATO-Mitgliedsstaaten wie Ungarn und Albanien orientieren sich zunehmend offen an der Trump-Administration, in der Hoffnung auf einen bilateralen US-Schutzschirm. <\/p><p>Schon tritt Ungarn &ndash; und vielleicht auch k&uuml;nftig weitere EU-Staaten &ndash; dem peace-board Trumps bei und setzt damit ein weiteres Zeichen der R&uuml;ckholung souver&auml;ner Rechte aus Br&uuml;ssel. Staaten wie Ungarn, die Slowakei und Tschechien werden neue Ma&szlig;st&auml;be setzen: Wenn m&ouml;glich mit der EU und der NATO, wenn n&ouml;tig ohne diese beiden Organisationen der euro-atlantischen Integration. Der Wettlauf europ&auml;ischer Staaten um die Gunst der USA beginnt bereits vor unseren Augen.<\/p><p><strong>Schaukelpolitik und blockfreies Denken als neuer Weg<\/strong><\/p><p>Die Trump-Administration macht es vor: Die nationalen Interessen einer Gro&szlig;macht stehen &uuml;ber einer emotionalen Lyrik von der ewigen unverbr&uuml;chlichen Liebe. Und auch kleinere und mittlere Staaten k&ouml;nnen ihre nationalen Interessen durch diese Strategie oftmals effektiver vertreten als durch Vasallentreue einer Gro&szlig;macht gegen&uuml;ber. Diese Art von Politik nennt man Schaukelpolitik &ndash; mittlere und kleine Staaten versuchen durch eine flexible und somit blockfreie Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik ihre Interessen in jedem Einzelfall dadurch zu sichern, indem sie die Partnerschaften nicht auf ewige Nibelungentreue ausrichten, sondern auf konkrete Projekte, so wie es auch der kanadische Premierminister in seiner Rede in Davos als Vorschlag f&uuml;r die Mittelm&auml;chte unterbreitet hat. <\/p><p>Die Chance f&uuml;r EU-Europa, in der Weltpolitik bestehen zu k&ouml;nnen, mitunter auch mitgestalten zu k&ouml;nnen, ergibt sich nur durch eine flexibilisierte und von Blockdenken befreite Au&szlig;en-, Au&szlig;enwirtschafts- und Sicherheitspolitik. Entweder EU-Europa geht diesen Schritt oder aber einzelne Mitgliedsstaaten werden diese Schritte gehen. EU-Europa w&uuml;rde folglich nicht nur international noch irrelevanter werden, sondern sich auch auf einen reinen Dachverband, bestehend aus Nationalstaaten, zur&uuml;ckentwickeln. Eine R&uuml;ckabwicklung auf einen De-facto-Status, der noch weniger sein wird als das von Charles de Gaulles favorisierte &bdquo;<em>Europa der Vaterl&auml;nder<\/em>&ldquo;. <\/p><p>Und der verzweifelte Versuch, durch die russische Feinbildproduktion und damit einhergehend durch Aufr&uuml;stung &ndash; inklusive der angefachten <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/atomwaffen-europa-100.html\">Debatte um die Beschaffung eigener Atomwaffen f&uuml;r Deutschland und die EU<\/a> &ndash; den notwendigen Klebestoff f&uuml;r die europ&auml;ische Integration zu schaffen, wird nach hinten losgehen. Ein Konstrukt, dass auf Feindbilder zwecks eigenen &Uuml;berlebens angewiesen ist, hat keine eigene, sich selbst tragende Identit&auml;t, sondern identifiziert sich nur durch einen gemeinsamen &auml;u&szlig;eren Gegner, was eine Schw&auml;che f&uuml;r das Konstrukt darstellt.<\/p><p>Die n&auml;chste &auml;u&szlig;erst spannende internationale Veranstaltung wird die M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz im Februar sein. Sie ist zunehmend ein Gradmesser f&uuml;r den Zustand des euro-atlantischen Raums.<\/p><p><small>Titelbild: ChatGPT, das Bild wurde mit k&uuml;nstlicher Intelligenz erstellt<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/21a7ff4ceeea43d39b9c80252f2319c0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die globalen Entwicklungen nehmen an Geschwindigkeit zu, Ereignisse &uuml;berschlagen sich. 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