{"id":145871,"date":"2026-02-05T11:00:07","date_gmt":"2026-02-05T10:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145871"},"modified":"2026-02-11T12:18:39","modified_gmt":"2026-02-11T11:18:39","slug":"die-epstein-dateien-bilderberg-peter-mandelson-und-die-frage-was-ist-im-jahr-2012-in-griechenland-passiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145871","title":{"rendered":"Die Epstein-Dateien, Bilderberg, Peter Mandelson und die Frage: Was ist im Jahr 2012 in Griechenland passiert?"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/epstein\/files\/DataSet%209\/EFTA00412123.pdf\">E-Mail<\/a> ist an den gerade zur&uuml;ckgetretenen Peter Mandelson gerichtet und sie ist hochbrisant. Darin: Ein Skript f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=bilderberger\">Bilderberg-Konferenz<\/a> 2012 und die Aussage: &bdquo;Du solltest proaktiv nach Leuten suchen, die es h&ouml;ren m&uuml;ssen.&ldquo; Die E-Mail stammt aus einem Datensatz, den das US-Justizministerium zum Fall Epstein <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/epstein\">ver&ouml;ffentlicht<\/a> hat. Im Kern geht es bei den Ausf&uuml;hrungen in der E-Mail darum, &bdquo;Verhandlungspositionen mit einer neuen griechischen Regierung nach dem 17. Juni zu beeinflussen&ldquo;. Auch die Deutsche Bundesbank wird erw&auml;hnt. Weitreichendes, knallhartes Lobbying kommt im Vorfeld der Bilderberg-Konferenz zum Vorschein &ndash; und die Abgr&uuml;nde der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=griechenland\">Griechenlandpolitik<\/a> werden sichtbar. Der staatseigene Fond HRADF wurde von au&szlig;en vor (!) den Wahlen gegen Syriza in Stellung gebracht. Sichtbar wird, wie der Wille eines gro&szlig;en Teiles der griechischen Bev&ouml;lkerung durch Macht von au&szlig;en untergraben wurde. Eine Kurzanalyse. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1864\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145871-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260205_Die_Epstein_Dateien_Bilderberg_Peter_Mandelson_und_die_Frage_Was_ist_im_Jahr_2012_in_Griechenland_passiert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260205_Die_Epstein_Dateien_Bilderberg_Peter_Mandelson_und_die_Frage_Was_ist_im_Jahr_2012_in_Griechenland_passiert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260205_Die_Epstein_Dateien_Bilderberg_Peter_Mandelson_und_die_Frage_Was_ist_im_Jahr_2012_in_Griechenland_passiert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260205_Die_Epstein_Dateien_Bilderberg_Peter_Mandelson_und_die_Frage_Was_ist_im_Jahr_2012_in_Griechenland_passiert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145871-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260205_Die_Epstein_Dateien_Bilderberg_Peter_Mandelson_und_die_Frage_Was_ist_im_Jahr_2012_in_Griechenland_passiert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260205_Die_Epstein_Dateien_Bilderberg_Peter_Mandelson_und_die_Frage_Was_ist_im_Jahr_2012_in_Griechenland_passiert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Peter Mandelson ist nicht irgendwer. Er war der britische Botschafter in den USA, ein ehemaliger EU-Kommissar und enger Vertrauter der ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair und Gordon Brown. Sein Titel &bdquo;Lord&ldquo; zeugt davon, dass er ein hochrangiges Mitglied der britischen Elite ist. Als das US-Justizministerium am letzten Wochenende Millionen von Dateien aus dem Fall Epstein ver&ouml;ffentlichte, wurde schnell klar: Mandelson kommt in dem Datensatz vor. Nicht einmal oder zweimal: Eine Suchanfrage in den Dateien spuckt derzeit die Zahl 5.896 aus. Das f&uuml;hrte zu einem gewissen &bdquo;Beben&ldquo; in Gro&szlig;britannien. Mandelson trat z&uuml;gig aus der Labour-Partei und dem House of Lords <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cn8jm2vpve1o\">zur&uuml;ck<\/a>. Seinen Titel &bdquo;Lord&ldquo; darf er behalten &ndash; vorerst. <\/p><p>Diese Analyse setzt den Fokus nur auf eine Email, die an Mandelson gerichtet ist. Sie tr&auml;gt als Datum den 29. Mai 2012. Zwei Tage sp&auml;ter sollten 140 f&uuml;hrende Pers&ouml;nlichkeiten aus zentralen gesellschaftlichen Teilbereichen wie Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zur semi-geheimen Bilderberg-Konferenz in den USA zusammenkommen. Die Konferenz der Reichen und M&auml;chtigen fand in dem Jahr in Chantilly, im US-Bundesstaat Virginia in der N&auml;he von Washington DC, statt. <\/p><p>Zur Erinnerung: 2012 &ndash; das war die Zeit, in der die Griechenland-Krise am Hei&szlig;laufen war. In Europa ging es um viel. Vor allen Dingen um: viel Geld. Stabilisierungs- und Umschuldungsma&szlig;nahmen wurden mit gro&szlig;em Druck erzwungen. Durch den zweiten &bdquo;Bailout&ldquo; im M&auml;rz blieb Griechenland zwar vor der Zahlungsunf&auml;higkeit bewahrt, aber weite Teile der griechischen Bev&ouml;lkerung waren wirtschaftlich schwer getroffen. <\/p><p>In der <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/epstein\/files\/DataSet%209\/EFTA00412123.pdf\">E-Mail<\/a>, die an Mandelson gerichtet ist, geht es um den HRADF. Nun gilt es, sich zuerst klarzumachen, was damit gemeint ist. <\/p><p>HRADF steht f&uuml;r Hellenic Republic Asset Development Fund. Anders gesagt: Unter dem HRADF ist ein staatliches Sonderverm&ouml;gen zu verstehen, das in einem Fonds zusammengeflossen ist. <\/p><p>F&uuml;hren wir uns vor Augen: Die Zinsen f&uuml;r griechische Staatsanleihen stiegen ins Unermessliche, der Staat konnte also keine neuen Anleihen zu tragf&auml;higen Bedingungen ausgeben und musste daher, um Kredite von der &bdquo;Troika&ldquo; (EU, EZB, IWF) zu bekommen, Staatsbesitz verkaufen oder privatisieren. Anders gesagt: Die griechische Regierung ver&auml;u&szlig;erte staatlichen Besitz an private Firmen und Investoren. Dieses Geld floss in den HRADF. <\/p><p>Der Reihe nach. Die ver&ouml;ffentlichte Datei beinhaltet einen E-Mail-Austausch. Ganz oben stehen zwei Frauennamen. Es d&uuml;rfte sich dabei um die pers&ouml;nliche Assistentin von Jeffrey Epstein handeln und die damalige Assistentin von Mandelson. Diese Namen sind aber an dieser Stelle nicht wichtig.<\/p><p>Dann folgt eine E-Mail, die von einer m&auml;nnlichen Person geschrieben wurde, die auch nicht zweifelsfrei identifiziert werden kann, aber bei der es sich vermutlich um einen Lobbyisten handelt. Sie ist an Mandelson und Benjamin Weg-Prosser gerichtet. Weg-Prosser ist ein britischer politischer Berater. Er ist der Chef der Firma &bdquo;Global Councel&ldquo;, das hei&szlig;t: einer Beratungsfirma und Lobbyorganisation. Mandelson ist der Pr&auml;sident von Global Councel. <\/p><p>Die E-Mail beginnt mit &bdquo;Peter, Ben&ldquo; und sofort in der zweiten Zeile wird der HRADF angef&uuml;hrt &ndash; in Bezug auf eine &bdquo;Outreach-Strategie&ldquo;. Aus dem Zusammenhang der E-Mail wird klar: Mit &bdquo;Outreach-Strategie&ldquo; ist eine Strategie zur gezielten Investorensuche in Europa f&uuml;r entsprechende griechische Objekte, deren Verkaufswerte dann in den HRADF flie&szlig;en, gemeint. Z&uuml;gig ist die Rede von einem Entwurf jener Pr&auml;sentation, die sich im Anhang befindet (nicht in der ver&ouml;ffentlichten Datei enthalten), die zugleich das Skript f&uuml;r die Bilderberg-Konferenz sei &ndash; verbunden mit der Ansage, Mandelson sollte proaktiv nach entsprechenden Gespr&auml;chspartnern suchen. Was genau hier mit &bdquo;Skript&ldquo; gemeint ist, also ob es um den Entwurf einer Rede oder um ein grunds&auml;tzliches Kommunikationsger&uuml;st im Hinblick auf die Zusammenkunft bei Bilderberg geht, ist unklar. <\/p><p>Klar hingegen ist: Die Bilderberg-Konferenz steht an &ndash; und Interessen stehen im Raum. <\/p><p>Der interessante Teil folgt jetzt: <\/p><blockquote><p>\n<em>Der HRADF hat die Chance, sich in Europa zu engagieren, um Verb&uuml;ndete zu gewinnen und die Verhandlungspositionen mit einer neuen griechischen Regierung nach dem 17. Juni zu beeinflussen. Angesichts der Dringlichkeit, ein sehr hohes Ma&szlig; an politischem Bewusstsein f&uuml;r den Fonds und seine Rolle zu erreichen, und der begrenzten Zeit glauben wir, dass der beste Fokus auf den wichtigsten Entscheidungstr&auml;gern in Br&uuml;ssel, London, Berlin und Paris liegt, die das gr&ouml;&szlig;te Gewicht in den Verhandlungen um den 17. Juni herum und danach haben werden. Wir glauben auch, dass insbesondere die EZB und die Bundesbank auf Ihre Arbeit aufmerksam gemacht werden m&uuml;ssen. In den meisten dieser F&auml;lle verf&uuml;gen wir &uuml;ber Netzwerke, die uns dabei helfen werden, Treffen mit Ihnen oder f&uuml;r Sie zu vereinbaren. Wir k&ouml;nnen eine viel umfangreichere parallele Liste von Kontakten erstellen, die wir in Ihrem Namen informieren m&ouml;chten, wobei wir die Pr&auml;sentation &bdquo;European Stakeholders&rdquo; EFTA00412123 und die Portfolio&uuml;bersicht verwenden werden. Wir haben auch Kontakte bei der Weltbank und dem IWF, die informiert werden k&ouml;nnen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der erste Satz verdient eine genauere Betrachtung:<\/p><blockquote><p>\n<em>Der HRADF hat die Chance, sich in Europa zu engagieren, um Verb&uuml;ndete zu gewinnen und die Verhandlungspositionen mit einer neuen griechischen Regierung nach dem 17. Juni zu beeinflussen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Eigentlich unterstand der HRADF damals dem griechischen Staat &ndash; zu 100 Prozent. Die Art und Weise, wie hier &uuml;ber den HRADF gesprochen wird, wirkt eigenartig, ja: widerspr&uuml;chlich. So wie der Satz formuliert ist, entsteht der Eindruck, als w&auml;re der HRADF ein Fond gewesen, der von au&szlig;en bei Verhandlungen mit einer neuen griechischen Regierung eingesetzt werden kann &ndash; gegen die neue Regierung. Diese Interpretation dr&auml;ngt sich auf.<\/p><p>An dieser Stelle gilt es, sich zu vergegenw&auml;rtigen: Anfang Mai fanden in Griechenland Wahlen statt. Syriza wurde zweitst&auml;rkste Kraft, die Bildung einer Koalition scheiterte. Deshalb wurden Neuwahlen f&uuml;r den 17. Juni festgelegt.<\/p><p>Syriza, wie wir wissen, war eine linke Partei und stellte sich gegen die Vorhaben der Troika. Die Troika samt der Investoren rund um den HRADF hatte Angst, dass Syriza das auferlegte Privatisierungsprogramm platzen lassen k&ouml;nnte &ndash; mit weitreichenden politischen und monet&auml;ren Folgen.<\/p><p>Die hier zitierten Zeilen lassen erahnen, was damals passiert ist. Die hier angestellte Interpretation lautet: Im Vorfeld sollten durch das &bdquo;Outreach&ldquo; (Investorensuche) Bedingungen durch Absprachen und Vertr&auml;ge geschaffen werden, die einen enormen Druck auf den m&ouml;glichen Wahlsieger Syriza aus&uuml;ben w&uuml;rden &ndash; durch eine Schw&auml;chung der Verhandlungsposition.<\/p><p>Bei Lichte betrachtet zeigt sich hier ein leicht ge&ouml;ffneter Vorhang, durch den zu sehen ist, welche Strategie damals, unter anderem, hinter den Kulissen veranschlagt wurde. Noch bevor m&ouml;glicherweise &bdquo;die Radikalen&ldquo; von Syrizia an die Macht kommen sollten, ging es darum, unumkehrbare Grundbedingungen zu schaffen. <\/p><p>F&uuml;r diejenigen, die die Entwicklungen damals kritisch verfolgt haben, d&uuml;rfte das kaum neu sein &ndash; aber der Einblick durch die E-Mail ist dennoch politisch hochbrisant. <\/p><p>Die &Ouml;ffentlichkeit kann sehen, wie &ndash; ganz unabh&auml;ngig von Wahlen &ndash; m&auml;chtige Interessenkreise im Vorfeld eines &bdquo;Ereignisses&ldquo; (hier Wahlen) agieren und versuchen, im Verbund von Macht, Netzwerken und Seilschaften Bedingungen zu erzeugen, die sogar in der Lage sind, den Willen der W&auml;hler zu untergraben. <\/p><p>Nochmal zur Erinnerung: Unter dem extremen Druck, dem die griechische Bev&ouml;lkerung durch die Austerit&auml;tsprogramme ausgesetzt war, erhielt eine der politisch &bdquo;extremsten&ldquo; Parteien des Landes enormen Zulauf. Syriza stellte sich ausdr&uuml;cklich gegen die Privatisierungspolitik und vertrat als Partei den Willen eines gro&szlig;en Teils der W&auml;hler. Soziale Gerechtigkeit &ndash; das stand auf den Fahnen. Doch hinter den Kulissen fand ein den Wahlen vorgelagerter, machtelit&auml;rer, wirtschaftspolitischer Formationsprozess von au&szlig;en statt. Anders gesagt: Die &bdquo;Elitenmacht&ldquo; schuf Fakten, gegen&uuml;ber denen der Wille der Syriza-W&auml;hler chancenlos sein w&uuml;rde. <\/p><p>Im Juni 2012 schaffte es zwar Syriza wieder nicht, die st&auml;rkste Partei zu werden, aber im Januar 2015 war es soweit. Syriza gewann die Wahl eindeutig mit 36,34 Prozent.<\/p><p>Eine &Uuml;berlegung dr&auml;ngt sich auf: Ob aufgrund der Bestrebungen im Hintergrund Syriza 2012 bei einem Wahlsieg noch eine realistische Chance gehabt h&auml;tte, den W&auml;hlerwillen umzusetzen, ist spekulativ. Doch wenn bereits vor den Wahlen 2012 &uuml;ber verschlungene Wege versucht wurde, eine politische Abkehr von der strengen Sparpolitik &uuml;ber den W&auml;hlerwillen zu verunm&ouml;glichen: Wie w&uuml;rde es dann erst aussehen, wenn Netzwerke im Hintergrund noch weitere zweieinhalb Jahren Zeit haben sollten, um ihren politischen Vorstellungen den Weg zu ebnen? <\/p><p>Nun, was nach der Wahl 2015 passierte, ist bekannt. Die &Ouml;ffentlichkeit konnte sehen, wie die Partei einknickte. Die &bdquo;harten Verhandlungen&ldquo; mit der Troika ergaben am Ende die Umsetzung des schwerwiegenden Sparprogramms &ndash; und der Wille der Syriza-W&auml;hler kam unter die R&auml;der eines Netzwerkes der Macht, das f&uuml;r den gemeinen W&auml;hler unsichtbar war. <\/p><p>In der E-Mail hei&szlig;t es, dass sich bei den Bem&uuml;hungen im Hinblick auf Investitionen auf Br&uuml;ssel, London, Berlin und Paris konzentriert werden sollte. Und: In den meisten F&auml;llen w&uuml;rden &uuml;ber Netzwerke verf&uuml;gt, die bei Kontaktaufnahmen behilflich sein k&ouml;nnten. Auch habe man Kontakte zum IWF und zur Weltbank. Die Deutsche Bundesbank, das Kanzleramt und das deutsche Finanzministerium werden im Hinblick auf eine Kontaktaufnahme ebenfalls angef&uuml;hrt.<\/p><p>Mehreres wird aus der E-Mail deutlich. <\/p><ol>\n<li>Im Hinblick auf die Bilderberg-Konferenz kommt zum Vorschein, was Kritiker seit langem ansprechen: Bei Bilderberg handelt es sich mitnichten um einen harmlosen Kaffeeklatsch, bei dem sich, salopp gesagt, Machteliten ein paar Tage gegenseitig den Nacken kraulen. Bei Bilderberg kommen unfassbar m&auml;chtige Akteure zusammen, die allesamt nicht frei von Interessen sind. Wenn Machteliten f&uuml;r 3 bis 4 Tage unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit konferieren und dabei &uuml;ber zentrale politische und gesellschaftliche Themen sprechen, dann ist das kein Schulausflug, dann geht es um Politik und Geld und noch mehr Politik und noch mehr Geld. Die Geld- und Reichweitenmacht, die bei den Bilderberg-Konferenzen zusammenflie&szlig;t, ist gigantisch. Auch wenn es unter den Teilnehmern Differenzen geben mag und die Gruppe nicht als ein komplett einheitlicher Block zu verstehen ist: Sie ist durchzogen von einem massiven Lobbying. Die E-Mail bietet einen Einblick dahingehend, was alleine bereits im Vorfeld der Konferenzen an Lobbying und Polit-Strategien aufgefahren wird.<\/li>\n<li>Was der Zweig der Soziologie, die Eliten- und Machtstrukturforschung, seit langem vermittelt, aber gerne als Verschw&ouml;rungstheorie abgetan wird, schimmert durch, n&auml;mlich: die Lenkung nationaler Politik von au&szlig;en durch ausgezeichnet organisierte Interessengruppen. <\/li>\n<li>Die E-Mail l&auml;sst den Schluss zu, dass &uuml;ber machtelit&auml;re Netzwerke durch ein Agieren im politischen Schattenbereich eine politische Kontinuit&auml;t erm&ouml;glicht wird, die sich sogar &uuml;ber Wahlen hinwegsetzt. <\/li>\n<li>Gut formierte &bdquo;Elitenmacht&ldquo; ist l&auml;ngst in der Lage, den Ausgang von Wahlen zu untergraben und den W&auml;hlerwillen ad absurdum zu f&uuml;hren. Unter den machtelit&auml;ren Einfl&uuml;ssen ist das &bdquo;Atmen&ldquo; der Ventile innerhalb formal demokratischer Prozesse kaum noch m&ouml;glich. Was aus der E-Mail freigelegt werden kann, ist ein Gau f&uuml;r die Demokratie.<\/li>\n<li>Die Machenschaften hinter den Kulissen bleiben der &Ouml;ffentlichkeit in aller Regel verborgen. Kritische Beobachter k&ouml;nnen &bdquo;erahnen&ldquo;, sie k&ouml;nnen auf die angenommenen Strippenzieher im Hintergrund hinweisen, aber alles bleibt im Vagen. Medien bohren diese Schattenstrukturen kaum an, lassen sie unangetastet. Was durch die E-Mail sichtbar wird, ist ein Gl&uuml;cksfall f&uuml;r die Bilderberg-Forschung &ndash; und ein Gl&uuml;cksfall f&uuml;r eine kritische Nachbetrachtung der politischen Dynamiken des gebeutelten Griechenland. <\/li>\n<\/ol><p>Doch damit nicht genug. Wie gesagt liegt der Fokus bei dieser Analyse lediglich auf einer E-Mail. Wer sich die M&uuml;he macht, und den ver&ouml;ffentlichten Datensatz unter entsprechenden Schlagworten wie etwa &bdquo;Greece&ldquo; durchsucht, kann weiter in den Abgrund vorsto&szlig;en. &bdquo;Greece&ldquo; taucht alleine 1.500 Mal in dem Datensatz auf. Quergelesen wird deutlich, dass es sowohl von Epstein selbst als auch von einem mehr oder weniger mit ihm in Verbindung stehenden Umfeld ein sehr <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/epstein\/files\/DataSet%209\/EFTA00852369.pdf\">&bdquo;lebendiges&ldquo;<\/a> Interesse an Griechenland gab. <\/p><p>Das Agieren Mandelsons, das schlie&szlig;lich zu seinem R&uuml;cktritt gef&uuml;hrt hat, ist ein Abgrund f&uuml;r sich. Es geht um die Weitergabe von vertraulichen Informationen, etwa das 500-Milliarden-Euro-Bailout der Eurozone 2010 und Pl&auml;ne in Sachen Verkauf staatlicher Assets. Der britische Premier Keir Starmer <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/politics\/2026\/feb\/04\/starmer-confirms-he-knew-mandelson-kept-epstein-ties-after-prison-term\">sprach<\/a> von &bdquo;Verrat&ldquo; am Land, am Parlament und der Partei. <\/p><p>Bisher wurde in den sozialen Medien viel &uuml;ber den Aspekt &bdquo;sexueller Missbrauch&ldquo; gesprochen. Dieser Komplex spielt in der vorliegenden Analyse aus Gr&uuml;nden der &Uuml;berschaubarkeit keine Rolle. Wichtig zu wissen: Es gibt machtelit&auml;re Netzwerke, die innerhalb zentraler gesellschaftlicher Teilbereiche agieren: Ob Politik, Wirtschaft, Forschung, Milit&auml;r usw., der Einfluss von au&szlig;en ist enorm und es geht um Kompromat. Vorgehensweisen und Absichten m&ouml;gen identisch sein oder sich von Fall zu Fall unterscheiden. Auch beim Erreichen angestrebter Ziele mag es ein Gewinnen und Scheitern geben. Es geht nicht um absolute Macht &ndash; aber es geht um eine Macht, die f&uuml;r demokratische Prozesse l&auml;ngst zu einer Bedrohung geworden ist.<\/p><p>Der &bdquo;Fall Epstein&ldquo; bietet den Einblick in ein bizarres Netzwerk, in das Politik, Wirtschaft, Forschung, Kunst und Showbiz eingewoben sind. Dabei gilt zu verstehen: Die Namen und die jeweiligen Personen sind austauschbar. Heute ist es ein Mandelson, morgen ein Smith und &uuml;bermorgen ein Jones. Denn: Es gibt einen Sumpf. Und solange es diesen Sumpf gibt, gedeihen bestimmte Gew&auml;chse unaufh&ouml;rlich. <\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Internetseite US-Justizministerium<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/53de027f48144c66936fb05e62260225\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/epstein\/files\/DataSet%209\/EFTA00412123.pdf\">E-Mail<\/a> ist an den gerade zur&uuml;ckgetretenen Peter Mandelson gerichtet und sie ist hochbrisant. Darin: Ein Skript f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=bilderberger\">Bilderberg-Konferenz<\/a> 2012 und die Aussage: &bdquo;Du solltest proaktiv nach Leuten suchen, die es h&ouml;ren m&uuml;ssen.&ldquo; Die E-Mail stammt aus einem Datensatz, den das US-Justizministerium zum Fall Epstein <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/epstein\">ver&ouml;ffentlicht<\/a> hat. Im Kern geht es<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145871\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":145872,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,139,127],"tags":[423,431,3624,1555,637,1224,654],"class_list":["post-145871","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-euro-und-eurokrise","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-austeritaetspolitik","tag-bilderberger","tag-epstein-jeffrey","tag-griechenland","tag-staatsanleihen","tag-syriza","tag-troika"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/260205_mandelson.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=145871"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145871\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145891,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/145871\/revisions\/145891"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/145872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=145871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=145871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=145871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}