{"id":145924,"date":"2026-02-07T13:00:09","date_gmt":"2026-02-07T12:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145924"},"modified":"2026-02-06T16:34:40","modified_gmt":"2026-02-06T15:34:40","slug":"das-beben-von-davos-trump-verkuendet-eine-neue-weltordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145924","title":{"rendered":"Das Beben von Davos: Trump verk\u00fcndet eine neue Weltordnung"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Ein neuer Sheriff ist in der Stadt&ldquo; &ndash; mit dieser unverhohlenen Ansage an die international vernetzte Elite hat Donald Trump in Davos das Ende der alten Weltordnung eingel&auml;utet und die transatlantischen Beziehungen in eine tiefe Krise gest&uuml;rzt. Der renommierte ungarische Auslandsjournalist und Analytiker <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong> seziert in seinem Beitrag die radikale Umgestaltung der globalen Architektur, bei der Washington die Diplomatie durch eiskalte Gesch&auml;ftslogik ersetzt und sogar treue Verb&uuml;ndete in die offene Rebellion treibt. Aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVor Davos erwarteten viele eine historische Rede des US-Pr&auml;sidenten Donald Trump. Stattdessen stahl der kanadische Regierungschef Mark Carney mit einer gut aufgebauten Rede die Show, in der er den westlichen Mainstream gnadenlos mit den Realit&auml;ten konfrontierte. Dem urspr&uuml;nglichen Drehbuch zufolge h&auml;tte die Ukraine erneut im Mittelpunkt stehen sollen, doch Gr&ouml;nland r&uuml;ckte in der Priorit&auml;tenliste nach vorne. Schon allein deshalb, weil der Staatschef der USA auf symbolische Weise unter anderem &uuml;ber diese Frage &ndash; und nicht zuletzt durch die Gr&uuml;ndung des Friedensrates &ndash; in Davos den Auftakt der von ihm vorgestellten neuen Weltordnung verk&uuml;ndete. Freilich werden hierzu nicht nur der derzeit am lautesten protestierende transatlantische Mainstream, sondern auch andere noch ein W&ouml;rtchen mitzureden haben.<\/p><p>Auf heimischem Terrain konfrontierte Donald Trump das Establishment der Globalisierung damit, dass eine &Auml;ra endg&uuml;ltig abgeschlossen ist. Wie der Handelsminister Washingtons bereits vor der Rede des Pr&auml;sidenten andeutete, sei die gro&szlig;e US-Delegation nicht nach Davos gekommen, um sich anzupassen, um Erlaubnis zu fragen oder den Status quo aufrechtzuerhalten. Wie Howard Lutnick &ndash; frei nach James David Vance &ndash; formulierte, sei man gekommen, um klarzustellen, dass der Kapitalismus einen neuen Sheriff in der Stadt hat. Und wie schon der Vizepr&auml;sident ein Jahr zuvor in M&uuml;nchen, gab nun in Davos der US-Pr&auml;sident pers&ouml;nlich den tonangebenden Kreisen in seinem eigenen Stil zu verstehen, dass eine Epoche zu Ende gegangen ist.<\/p><p><strong>Abschied vom Multilateralismus: Die Flucht in die Autonomie<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der westliche reformorientierte Mainstream im Februar 2025 noch schockiert &uuml;ber die M&uuml;nchner Rede von J. D. Vance war, hatte sich diese Elite auf Pr&auml;sident Trump bereits vorbereitet. Man wusste genau, was zu erwarten war, und lud ihn bewusst nach Davos ein. Kaum jemand d&uuml;rfte geglaubt haben, ihn f&uuml;r sich gewinnen zu k&ouml;nnen; man wollte jedoch den Handlungsspielraum eines Mannes austesten, der das Jahr 2026 erneut mit dem &bdquo;Eintreten der T&uuml;r&ldquo; begann und vielleicht allzu selbstbewusst geworden ist.<\/p><p>Es w&auml;re sogar kein abwegiger Gedanke, dass diese &uuml;ber oder hinter den Staaten stehende Elite den in sein eigenes Genie verliebten Repr&auml;sentanten Washingtons sogar benutzt. Zum Beispiel dazu, das nach dem Zweiten Weltkrieg zur St&auml;rkung der westlichen Hegemonie aufgebaute Institutionensystem zu zertr&uuml;mmern, damit diese Elite &ndash; angepasst an die neuen Realit&auml;ten &ndash; weiterhin ihren globalen Einfluss wahren kann. In diesem Spiel wird Trump vorangeschoben und gelenkt, w&auml;hrend er daran arbeitet, diesen Einfluss (auch) zu st&auml;rken, damit die USA der st&auml;rkste Pol der sich formenden multizentrischen Weltordnung werden.<\/p><p>Vergessen wir nicht: W&auml;hrend die Welt auf die (geo-)politischen &Auml;u&szlig;erungen achtete, r&uuml;ckte der neue Co-Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums (WEF), der BlackRock-Gr&uuml;nder und -CEO Larry Fink &ndash; in diesem Punkt keineswegs im Gegensatz zu Donald Trump stehend &ndash;, die K&uuml;nstliche Intelligenz und die Entwicklung der Finanzweltordnung, einschlie&szlig;lich der Rolle des Dollars, ins Zentrum der Konferenz. Als Gastgeber gab er nat&uuml;rlich geschickt dem Entfalten des Gro&szlig;machtwettbewerbs und den Debatten &uuml;ber geopolitische Prozesse Raum. Deren den US-amerikanischen Dominanzanspruch verst&auml;rkender Ausklang d&uuml;rfte nicht nur Europa nachdenklich stimmen, sondern auch die Akteure der nicht-westlichen Welt von Peking &uuml;ber Neu-Delhi bis Moskau.<\/p><p><strong>Carneys Weckruf: Die Allianz der Mittelm&auml;chte gegen das Imperium<\/strong><\/p><p>In diesem Kontext ist vielleicht auch die gut aufgebaute, intellektuell herausragende Rede des kanadischen Premierministers verst&auml;ndlicher, die den westlichen Mainstream gnadenlos mit den Realit&auml;ten konfrontierte und besonders in den liberal-progressiven Medien gro&szlig;en Widerhall fand. Mark Carney hielt dem von Washington repr&auml;sentierten US-imperialen Denken den Spiegel vor, ohne dessen Namen auch nur zu nennen. Zudem unterstrich er mit seinem bemerkenswerten Auftritt die Unbeholfenheit des US-Pr&auml;sidenten und gewann mit seiner freiheitsk&auml;mpferischen, anti-imperialen Rhetorik sogar die Sympathie patriotisch gesinnter Kreise.<\/p><p>Doch vergessen wir nicht: Mark Carney ist ein typischer Vertreter der liberalen kosmopolitischen Elite, der nun gar nicht anders kann, als sich gegen eine USA zu wenden, die bei der Durchsetzung ihrer Interessen die eigenen Verb&uuml;ndeten dem&uuml;tigt und mehr denn je in eine Vasallenrolle zwingt. Zudem hat er als Premierminister Kanadas &ndash; was von Trump nur als Gouverneur des 51. Bundesstaates der USA tituliert wird &ndash; ohnehin keine andere Wahl. Diese Aufgabe hat er jedoch &ndash; das muss man anerkennen &ndash; hervorragend gel&ouml;st.<\/p><p>Der Kern von Carneys Botschaft ist, dass die von den USA gef&uuml;hrte, auf gemeinsam akzeptierten Regeln basierende Weltordnung am Ende ist. Die Welt befinde sich nicht mehr im &Uuml;bergang, sondern im Bruch, und dieser Riss erfordere mehr als blo&szlig;e Anpassung. Einerseits Ehrlichkeit, die Welt so zu sehen, wie sie vor uns liegt, andererseits Zusammenhalt anstelle von zielloser Nostalgie. Wenn die (westlichen) Mittelm&auml;chte zusammenhalten und gemeinsam Nein zum US-Pr&auml;sidenten sagen &ndash; so formulierte er &ndash;, dann st&uuml;nden sie nicht auf der Speisekarte, sondern s&auml;&szlig;en mit am Tisch. Unter Berufung auf V&aacute;clav Havel warnte er, dass Tyrannei dadurch funktioniere, dass der &bdquo;kleine Mann&ldquo; &ndash; in diesem Fall die kleineren L&auml;nder &ndash; mit ihr kooperiere, selbst wenn er nicht einverstanden sei. Wenn diese Zusammenarbeit ende, sei es vorbei mit der Tyrannei. Carney schlug vor, dass Europa und Kanada ein enges B&uuml;ndnis schlie&szlig;en, sich milit&auml;risch und wirtschaftlich unabh&auml;ngig machen und die Mittelm&auml;chte gegen&uuml;ber den Gr&ouml;&szlig;ten St&auml;rke zeigen sollten.<\/p><p>Laut dem kanadischen Regierungschef seien der Multilateralismus und die &bdquo;Konstrukte der kollektiven Probleml&ouml;sung&ldquo; wie die UNO &bdquo;geschw&auml;cht&ldquo; und die L&auml;nder m&uuml;ssten akzeptieren, dass sie h&auml;ufiger als in der j&uuml;ngeren Vergangenheit allein handeln m&uuml;ssen. Es m&uuml;sse eine gr&ouml;&szlig;ere strategische Autonomie in den Bereichen Energie, Lebensmittel, kritische Mineralien, Finanzen und Lieferketten geschaffen werden. &bdquo;Ein Land, das sich nicht selbst mit Nahrung und Treibstoff versorgen oder sich nicht verteidigen kann, hat nur wenige Optionen. Wenn die Regeln dich nicht mehr sch&uuml;tzen, musst du dich selbst sch&uuml;tzen&ldquo;, sagte Carney. In diesem Geist baut Kanada Radarsysteme, die Bedrohungen hinter dem Horizont identifizieren k&ouml;nnen, und diversifiziert seine Beziehungen. Deshalb besuchte Carney k&uuml;rzlich China sowie Katar, woraufhin Washington Kanada mit 100-prozentigen Strafz&ouml;llen drohte und die Einladung zum Friedensrat zur&uuml;ckzog. Doch das Wei&szlig;e Haus versucht mit aller Macht, auch eine engere Beziehung zwischen Kanada und Europa zu verhindern.<\/p><p><strong>Erwachen in Davos: Europa vor den Tr&uuml;mmern der Transatlantik-&Auml;ra<\/strong><\/p><p>Wenn auch nicht mit dieser Deutlichkeit, so skizzierten doch auch andere die Umgestaltung der Welt und die tiefe Krise der transatlantischen Beziehungen. Laut dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Emmanuel Macron kann man auf St&auml;rke nur mit St&auml;rke antworten, und die Europ&auml;ische Union k&ouml;nne sich keine weitere Dem&uuml;tigung leisten. Seine Worte l&ouml;sten jedoch kaum Resonanz aus, da er bereits seit Jahren die Notwendigkeit der Schaffung einer europ&auml;ischen strategischen Autonomie beschw&ouml;rt, in der Praxis jedoch nichts f&uuml;r deren Umsetzung getan hat.<\/p><p>Aufhorchen lie&szlig;en hingegen viele die Ausf&uuml;hrungen von Bart De Wever. Der belgische Premierminister erkl&auml;rte, Washington k&ouml;nne nicht mehr als Verb&uuml;ndeter betrachtet werden, womit die 80 Jahre der atlantischen &Auml;ra endg&uuml;ltig vorbei seien. Was die Gr&ouml;nland-Offensive von Donald Trump betrifft, bemerkte er nur d&uuml;ster, dass es eine Sache sei, ein gl&uuml;cklicher Vasall zu sein, und eine ganz andere, ein elender Sklave. Bemerkenswert ist, dass mehrere Redner &ndash; etwa Jordan Bardella, Fraktionschef der &bdquo;Patrioten f&uuml;r Europa&ldquo; im EU-Parlament &ndash; selbst aus der europ&auml;ischen patriotischen Parteienfamilie ein h&auml;rteres Vorgehen gegen Washington forderten.<\/p><p>Europa erwacht also bereits, sieht die Lage immer klarer und kann gleichzeitig immer weniger auf deren &Auml;nderung hoffen. So muss es sich wohl oder &uuml;bel neuen Herausforderungen stellen, die gr&ouml;&szlig;er sind als der Ukraine-Konflikt und die vermeintliche russische Gefahr. Verzweifelt stellt es jedoch fest, dass es gegen&uuml;ber Trump keine Kraft besitzt. Man geht zwar so weit, zur Schaffung geopolitischer und wirtschaftlicher Gegengewichte engere Beziehungen zu China ins Spiel zu bringen, kann sich jedoch bezeichnenderweise noch nicht aus der Gefangenschaft des Ukraine-Konflikts befreien. So kommt eine Normalisierung des Verh&auml;ltnisses zu Russland nur vorsichtig oder gar nicht zur Sprache.<\/p><p><strong>Der Friedensrat: &bdquo;Trumpismus&ldquo; als globale Institution<\/strong><\/p><p>Carney hat mit seiner geschliffenen Rede zwar die Show gestohlen, doch der sprunghafte und etwas wirre Auftritt von Trump &ndash; der entgegen den Erwartungen keinesfalls als historisch bezeichnet werden kann &ndash; bestimmte dennoch die Tage in Davos. Die Rede des US-Pr&auml;sidenten war, wenn auch nicht in Bezug auf seine Selbstdarstellung, jedenfalls doch zur&uuml;ckhaltender als erwartet. Dennoch best&auml;tigte er, dass diese in allen Fugen krachende Weltordnung am Ende ist. Er setzte die Dem&uuml;tigung des auf falschem Weg befindlichen Europas fort, kritisierte den liberalen und unfruchtbaren F&uuml;hrungsstil Br&uuml;sseler Pr&auml;gung und interpretierte &ndash; wenn auch vorsichtiger als in seinen Social-Media-Posts &ndash; das transatlantische Verh&auml;ltnis neu. Damit beruhigte er auch jene nicht, die eine Zerschlagung der NATO bef&uuml;rchten. Ebenso stellte er klar, dass Washington so oder so, unter Verzicht auf milit&auml;rische Gewalt, aber auch in Bezug auf Gr&ouml;nland seine Interessen durchsetzen wird.<\/p><p>Er erkl&auml;rte unmissverst&auml;ndlich und drohend: &bdquo;Wir bitten um ein St&uuml;ck Eis im Austausch f&uuml;r den Schutz der Welt, und man gibt es uns nicht. Sie haben die Wahl. Sie k&ouml;nnen Ja sagen, und wir werden sehr dankbar sein, oder sie k&ouml;nnen Nein sagen, woran wir uns erinnern werden.&ldquo;<\/p><p>Die Rede des US-Staatschefs war f&uuml;r die Europ&auml;er gleichzeitig beruhigend und Anlass zu weiteren Sorgen. Die Erleichterung &uuml;ber die R&uuml;cknahme des Versprechens einer bewaffneten Intervention wurde eindeutig durch das nun st&auml;ndig und in allen Segmenten sp&uuml;rbare gegenseitige Misstrauen &uuml;berschattet.<\/p><p>Um die Initiative bei der Umgestaltung der Weltordnung zur Wahrung und St&auml;rkung der US-Positionen zu demonstrieren, gr&uuml;ndete Trump in Davos offiziell den Friedensrat, der implizit &uuml;ber die Bewahrung des Friedens in Gaza und den Wiederaufbau der Region hinausgeht. Der Pr&auml;sident aus Washington denkt letztlich an die Abl&ouml;sung der UNO &ndash; allerdings so, dass er den Multilateralismus im klassischen Sinne abschaffen und die Diplomatie nach seinem eigenen Bild, nach den Regeln der Unternehmensf&uuml;hrung, umschreiben w&uuml;rde. In seinem Friedensrat wird der Einfluss durch die Aktion&auml;rslogik bestimmt; sein erkl&auml;rtes Ziel ist die schnelle, gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;ige Beilegung globaler Konflikte.<\/p><p>Man k&ouml;nnte auch sagen, dass der Friedensrat eigentlich die Institutionalisierung des Trumpismus als politische Weltanschauung im internationalen Raum ist, deren Ziel es ist, die multilaterale Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg zu ersetzen oder, um es in der Wirtschaftsterminologie zu sagen, aufzukaufen. Der US-Pr&auml;sident behandelt die globale Sicherheit nicht mehr als v&ouml;lkerrechtliche, sondern als Management-Frage.<\/p><p>Die als Auftakt der neuen Weltordnung angek&uuml;ndigte Gr&uuml;ndung des Friedensrates, das demonstrative Aufstellen eines neuen Machtzentrums, weist &uuml;ber sich selbst hinaus. Einerseits ist die Wahl des Ortes ein Hohn gegen&uuml;ber der Davoser Elite, andererseits ist der Versuch, die Rahmenbedingungen einer neuen Welt festzulegen, eine Botschaft an den &bdquo;globalen S&uuml;den&ldquo;. Abgesehen davon, dass die Weltinstitutionen die ver&auml;nderten Machtverh&auml;ltnisse nicht mehr widerspiegeln, k&ouml;nnte der von Washington initiierte Friedensrat zwar eine Antwort auf die Ineffizienz geben, spiegelt aber die realen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse weiterhin nicht angemessen wider. Stattdessen w&uuml;rde er das Funktionieren der Welt den geopolitischen Interessen der USA unterordnen. Ganz zu schweigen davon, dass er Trump direkt unterstellt ist, was schon mittelfristig kein reibungsloses Funktionieren garantiert.<\/p><p><strong>Fazit: Rohe Gewalt statt Recht<\/strong><\/p><p>Was wir in Davos gesehen haben, ist die Essenz der Gestaltung einer auf roher Gewalt basierenden, sich entlang von Interessensph&auml;ren formenden Weltordnung nach den Vorstellungen von Donald Trump. Diese Logik widerspricht der Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die im Prinzip auf dem Primat von Souver&auml;nit&auml;t, Selbstbestimmung und multilateralen Sicherheitsgarantien aufbaute. Wie man am Beispiel Gr&ouml;nlands sieht, ist im Sinne der &bdquo;America First&ldquo;-Au&szlig;enpolitik von partnerschaftlicher Zusammenarbeit keine Rede mehr; diese wird durch die strategische Notwendigkeit &uuml;berschrieben.<\/p><p>Der US-Pr&auml;sident weist darauf hin, dass die internationale Politik in Wahrheit schon immer durch den Willen der gr&ouml;&szlig;eren und st&auml;rkeren Staaten geformt wurde. In dieser Logik werden die Souver&auml;nit&auml;t durch Interessen &uuml;berschrieben und Regeln oder das internationale Recht sowie auf Abstimmung basierende multilaterale Organisationen als Hindernis oder zumindest als Problem, als unannehmbare Bindung, nicht als Ressource, sondern als Risiko wahrgenommen.<\/p><p>Nicht nur die Mittelm&auml;chte und kleineren L&auml;nder sind gezwungen, eine Seite zu w&auml;hlen. Tats&auml;chlich muss auch Washington entscheiden, mit wem man sich verb&uuml;ndet, denn allein wird man keine Ergebnisse erzielen k&ouml;nnen. Es liegt nahe, dass dies die Gro&szlig;m&auml;chte sind &ndash; allen voran Russland, China, Indien &ndash;, w&auml;hrend er im westlichen Block jene L&auml;nder zur St&auml;rkung seiner Positionen nutzt, die ihm im Denken nahestehen. In der nicht-westlichen Welt hingegen nutzt Trump fallweise und regional verschiedene kleine und mittlere M&auml;chte, um lokale Machtzentren auszugleichen und die Transportwege zu kontrollieren. Dabei darf er sich nat&uuml;rlich nicht wundern, wenn seine Konkurrenten ihm gegen&uuml;ber ebenso verfahren &ndash; sogar seine Verb&uuml;ndeten, wie Kanadas &Ouml;ffnung gegen&uuml;ber China zeigt. In diesen Spielen muss zur Aufrechterhaltung der Stabilit&auml;t noch st&auml;rker als bisher auf jene ber&uuml;chtigten &bdquo;roten Linien&ldquo; und das Respektieren von Einflusszonen geachtet werden; so sehr, dass in der fragilen Welt einer multipolaren Ordnung, die auf Gleichgewichten basiert, sogar die Washingtoner Grobheit nach hinten losgehen kann.<\/p><p><em>Dieser Artikel von G&aacute;bor Stier erschien urspr&uuml;nglich in der ungarischen Wochenzeitschrift <a href=\"https:\/\/demokrata.hu\/vilag\/trump-elnok-uj-vilagrendje-1127849\/\">Demokrata<\/a> sowie auf dem ungarischen Portal <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/uj-vilagrendet-hirdetett-trump\/\">Moszkvat&eacute;r<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: farzand01 \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/3b6a9b526b9b4e76ad5b72bd518c7035\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Ein neuer Sheriff ist in der Stadt&ldquo; &ndash; mit dieser unverhohlenen Ansage an die international vernetzte Elite hat Donald Trump in Davos das Ende der alten Weltordnung eingel&auml;utet und die transatlantischen Beziehungen in eine tiefe Krise gest&uuml;rzt. 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