{"id":145943,"date":"2026-02-08T14:00:59","date_gmt":"2026-02-08T13:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145943"},"modified":"2026-02-06T16:30:00","modified_gmt":"2026-02-06T15:30:00","slug":"freie-meinungsaeusserung-als-demokratische-diskussionskultur-beleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145943","title":{"rendered":"Freie Meinungs\u00e4u\u00dferung als demokratische Diskussionskultur beleben"},"content":{"rendered":"<p>Dass es sich bei der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung um die Freiheit der Gesamtbev&ouml;lkerung handelt, sich in einem demokratischen Diskussionsprozess f&uuml;r das verantwortungsbewusste Bew&auml;ltigen von gesellschaftlichen Herausforderungen zu engagieren, d&auml;mmert auch den Vertretern der gegenw&auml;rtigen werteorientierten Demokratie. Leider nicht als eine Chance, sondern als eine Gefahr. Somit zeigt die mediale Polit&ouml;ffentlichkeit kein Interesse an der Verwirklichung des urdemokratischen Ideals von einer Bev&ouml;lkerung, die sowohl fachlich als auch geistig-moralisch in der Lage w&auml;re, nicht nur praktisch das allt&auml;gliche &Uuml;berleben zu meistern, sondern dabei auch die Folgen des gesellschaftlichen Handelns verantwortungsbewusst zu &uuml;berschauen und somit Fehlentwicklungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Von <strong>Pentti Turpeinen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6709\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-145943-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260206-Freie-Meinungsaeusserung-als-demokratische-Diskussionskultur-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260206-Freie-Meinungsaeusserung-als-demokratische-Diskussionskultur-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260206-Freie-Meinungsaeusserung-als-demokratische-Diskussionskultur-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260206-Freie-Meinungsaeusserung-als-demokratische-Diskussionskultur-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=145943-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260206-Freie-Meinungsaeusserung-als-demokratische-Diskussionskultur-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260206-Freie-Meinungsaeusserung-als-demokratische-Diskussionskultur-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In den letzten Jahrtausenden hatten diese Art &Uuml;berlegungen keine Chance, realisiert zu werden. Kein Wunder: F&uuml;r die edlen Alleinherrscher waren die ungebildeten Untertanen kein Diskussionspartner, und sie sp&uuml;rten auch kein Bed&uuml;rfnis, dies zu &auml;ndern. Somit waren die Bev&ouml;lkerungen bei ihren Revolutionen gegen die Unterdr&uuml;ckung nicht auf die &Uuml;bernahme der komplexen Machtstrukturen vorbereitet. Auch die zahlreichen demokratischen Aufst&auml;nde in den Stadtstaaten der griechischen Antike vor 2.500 Jahren wurden der Reihe nach niedergeschlagen.<\/p><p>Die von den Monarchien kultivierte Unwissenheit der Untertanen hinterlie&szlig; ihre Spuren auch bei den demokratischen Umw&auml;lzungen in Europa und Amerika. Die herrschaftlichen Eliten, sei es als sogenannte Volksvertreter, blieben an der Macht.<\/p><p>Unter diesen gesellschaftspolitischen Machtverh&auml;ltnissen war es auch in den repr&auml;sentativen Demokratien keine Option, die Bev&ouml;lkerungen zu Mitgestaltern des gemeinschaftlichen &Uuml;berlebens zu qualifizieren. Die Jahrtausende praktizierte monarchistische Trennung von Herren und Untertanen wurde zeitgem&auml;&szlig; in elit&auml;re Entscheider und qualifizierte Arbeitskr&auml;fte verwandelt. Also gilt es, die freie Marktwirtschaft als Garant f&uuml;r einen gerechten Ausbau des allgemeinen Wohlstandes zu verteidigen.<\/p><p>Dass die Zahl der Milliard&auml;re, wie die Entwicklungsorganisation Oxfam neulich berichtet hat, wieder gewachsen ist, dass ZW&Ouml;LF der Reichsten mehr besitzen als VIER MILLIARDEN andere, wird in der zivilisiert-aufgekl&auml;rten &Ouml;ffentlichkeit als eine Selbstverst&auml;ndlichkeit zur Kenntnis genommen.<\/p><p>In dieser Ungleichheit eine Ungerechtigkeit zu erkennen, &uuml;berfordert den geistig-moralischen Horizont der zivilisierten Geisteshaltung. Man hat eben gelernt, Ungerechtigkeit, Kriege, Zerst&ouml;rung der nat&uuml;rlichen Lebensbedingungen usw. als ein notwendiges &Uuml;bel beim Steigern des allgemeinen Wohlstandes hinzunehmen. Und man beruhigt einander mit dem schlichten Spruch: Immerhin leben wir in einer Demokratie.<\/p><p>Die Lebensbedingungen als einen umfassend zusammenh&auml;ngenden Verwandlungsprozess zu &uuml;berschauen, ist eine naturgegebene &Uuml;berlebensstrategie der Lebensformen. Hat sich ja als Homo sapiens um 300.000 Jahre bew&auml;hrt. Als aber die Herrschaftssysteme lernten, diesen &bdquo;nat&uuml;rlichen Menschenverstand&ldquo; f&uuml;r ihre Zwecke einzugrenzen, begannen die Probleme. Und als &bdquo;Homo sapiens KI sapiens&ldquo; sind die Perspektiven bedrohlich zusammengeschrumpft.<\/p><p>Die Reduktion der individuellen Lebenswirklichkeit auf die Ideale des jeweiligen Machtsystems wurde als eine Ehre und Pflicht kultiviert. Dabei lernten die zivilisierten Bev&ouml;lkerungen, die jeweiligen geistig-moralischen Werte nicht nur als vermeintlich allgemein menschliche, sondern als ein Vorbild f&uuml;r die ganze Menschheit zu verinnerlichen. Der &bdquo;weise Wei&szlig;e&ldquo; ward geboren.<\/p><p>Ja, unsere abendl&auml;ndische Zivilisation befindet sich noch in einer Anfangsphase ihrer geistig-moralischen Entwicklungsm&ouml;glichkeiten. Die Unf&auml;higkeit, die Bedingtheit des eigenen Denkens und Handelns in einem globalen Gesamtkontext zu reflektieren, hat man seit herrschaftlichem Anbeginn nicht als Nachteil, sondern als eine Grundvoraussetzung der wirtschaftspolitischen Dynamik erkannt. Der Einwand, dies als eine Fehlentwicklung zu thematisieren, wird entschieden zur&uuml;ckgewiesen: Da wir keine Fehler machen k&ouml;nnen, wozu dar&uuml;ber &ouml;ffentlich diskutieren. Basta!<\/p><p>Diese Geisteshaltung hat schon in den Anf&auml;ngen des menschlichen Zusammenlebens ihren Ursprung. Als die lokalen St&auml;mme die M&ouml;glichkeit entdeckten, das &Uuml;berleben in Zusammenarbeit mit anderen St&auml;mmen zu koordinieren, entstand die Aussicht, &uuml;berregionale Gemeinschaften zu bilden.<\/p><p>Statt die gegenseitige Hilfsbereitschaft unter den Urmenschen als eine aufbauf&auml;hige &Uuml;berlebensstrategie f&uuml;r das gemeinschaftliche Verwirklichen von r&auml;umlich ausgedehnten Gesellschaften zu erkennen, setzten sich die damaligen Eliten mit einer archaischen Platzhirschmentalit&auml;t durch. Und es entwickelte sich eine Jahrtausende w&auml;hrende &bdquo;Erfolgsgeschichte&ldquo; unter dem Slogan &bdquo;Macht schafft Pracht&ldquo;. Auf der glorreichen B&uuml;hne ihres &bdquo;Theaters zum himmlischen Triumph&ldquo; f&uuml;hlten sich die Kaiser und K&ouml;nige und auch sonstige Herrschaften bei ihren Ritualen f&uuml;r die n&auml;chsten gemeinschaftlichen Unternehmungen, zum Beispiel weitere Eroberungen, in ihrem Element. &bdquo;Nur Alpha-M&auml;nnchen sind wahre M&auml;nnchen&ldquo; wurde ein Grundsatz der Allgemeinbildung. Damit gelang es, auch die Untertanen zu H&ouml;chstleistungen beim Kultivieren der gemeinschaftlichen Ehre zu animieren.<\/p><p>Diesem &bdquo;herrschaftlich gesunden Menschenverstand&ldquo; war es von Anbeginn eine Ehrensache, das gemeinschaftliche &Uuml;berleben auf die eigenen Machtbereiche zu reduzieren. Und dies galt als eine grundlegende Voraussetzung f&uuml;r den werteorientierten Fortschritt: Je mehr die edlen Herrschenden ihren Wohlstand vermehren, desto mehr haben auch ihre Bev&ouml;lkerungen davon; in einem angemessenen Verh&auml;ltnis, versteht sich.<\/p><p>Die dazugeh&ouml;rigen Risiken und Nebenwirkungen, seien es Kriege, Ungerechtigkeit und Zerst&ouml;rung der nat&uuml;rlichen Lebensbedingungen, sind der Allgemeinheit auch heute bestens bekannt und werden aber in alter zivilisierter Tradition als unvermeidliche, aber beherrschbare Gef&auml;hrdungen akzeptiert.<\/p><p>Die Vorstellung, dass die Kulturen der Welt einander als gleichwertige Partner bei der Suche nach einer gemeinschaftlichen &Uuml;berlebensstrategie bereichern k&ouml;nnten, war mit der zivilisiert-elit&auml;ren &bdquo;Macht und Pracht&ldquo;-Ideologie nicht zu vereinen. Durch die gesellschaftlichen Machtverh&auml;ltnisse gepr&auml;gt, blieben die Eigeninteressen der Eliten auch in den demokratischen Nationen ma&szlig;gebend. Und es war eine Ehrensache, dieses Demokratieverst&auml;ndnis bei der Nationenbildung (nation building) der ehemaligen Kolonien durchzusetzen; im eigenen Interesse, versteht sich.<\/p><p>Dementsprechend gelingt es auch der UNO nicht, die Interessen der Menschheit als eine einzig sinnvolle und kreative Handlungsbasis zu entdecken. Die wirtschaftspolitischen Eliten entscheiden. Die Bev&ouml;lkerungen hatten nie die Chance, die gemeinschaftliche Lebensgestaltung als Mitwirkende durchschauen zu lernen.<\/p><p>Im R&uuml;ckblick solle man sich in einem &ouml;ffentlichen Diskurs dar&uuml;ber auseinandersetzen, ob die in den letzten Jahrtausenden erk&auml;mpfte globale F&uuml;hrung (leadership) der abendl&auml;ndischen Zivilisation eine von Gott gesegnete Wohltat f&uuml;r die gesamte Menschheit sei oder doch eher eine aus privaten Macht- und Profitinteressen gepr&auml;gte, profane Tragikom&ouml;die; mit wunderbar kreativen H&ouml;hepunkten ausgeschm&uuml;ckt, versteht sich. Kreativit&auml;t, Neugierde und Erfindungsreichtum sind uns eben eigen, unabh&auml;ngig von den Idealen der jeweiligen Lebensbedingungen. Die gegenw&auml;rtigen Kulturideale machen es den sch&ouml;pferischen Geistern etwas leichter: Erfindet Verkaufsschlager!<\/p><p>Der Weg zu einer menschheitlichen &Uuml;berlebensstrategie hat sich als unerwartet kompliziert und als eine Verschwendung menschlicher Potenziale erwiesen. Vor allem die herrschaftlichen Eliten wollten nie zugeben, dass sie die Komplexit&auml;t der gesellschaftlichen Wirklichkeit nur sehr begrenzt, also nur aus ihrer Sicht, verstehen.<\/p><p>Um ihren Ruhm als &bdquo;guter Mensch&ldquo; zu verewigen, f&uuml;hlten sie sich also veranlasst, ihre pers&ouml;nliche Schuld an den unermesslichen materiellen wie menschlichen Sch&auml;den zu verschleiern. Kommt einem doch auch gegenw&auml;rtig bekannt vor! Den Schrei von mehreren Hundert Millionen &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; des zivilisierten Fortschritts haben sogar unsere Religionen zu &uuml;berh&ouml;ren gelernt. Und &uuml;ber die eigene Mitwirkung beim Schlachten der L&auml;mmer waren die Hirten schon vor Jahrhunderten ins Schweigen geraten.<\/p><p>Wenn man sich nicht nur auf die positiven kulturellen und sozialpolitischen Errungenschaften konzentriert &ndash; und solche gab es vor allem durch den Einsatz von sozialen Bewegungen wahrlich en masse &ndash;, sondern sich zutraut, objektiv und n&uuml;chtern auch die Untaten ins Auge stechen zu lassen, waren die demokratischen Nationen von Anfang an nicht in der Lage, die altvertrauten Streitigkeiten um &bdquo;Macht und Pracht&ldquo; weder mit den Nachbarv&ouml;lkern noch im Inneren demokratisch zu befrieden. Zwei Weltkriege und diverse B&uuml;rgerkriege sowie die Intensivierung des Kolonialismus und weltweite Zerst&ouml;rung der nat&uuml;rlichen Lebensbedingungen usw. bleiben auch in gegenw&auml;rtiger, regelbasierter Geisteshaltung ein zutiefst verinnerlichtes Erbe der monarchistischen Herrschaftsideologien.<\/p><p>Die Fehlentwicklungen der abendl&auml;ndisch-herrschaftlichen Tradition haben sich weltweit in eine stabile Normalit&auml;t erstarrt.<\/p><p>Von dieser elit&auml;ren Engstirnigkeit der regelbasierten Ideologien verst&auml;rkt, f&uuml;hlt man sich nun auf der Weltb&uuml;hne wieder t&uuml;chtig genug, um den zivilisierten &bdquo;Kampf aller gegen alle&ldquo; mit altvertrautem Ach und Krach aufzunehmen. Von den altbekannten Risiken und Nebenwirkungen will man sich auch diesmal nicht verunsichern lassen.<\/p><p>Seit Jahrtausenden engagieren sich viele mit bewundernswertem Einsatz und voller Empathie f&uuml;r die Opfer der Ungerechtigkeiten. Und dies immer und immer wieder: Kriege, Unterdr&uuml;ckung, Ungleichheit, Ausbeutung, Zerst&ouml;rung der nat&uuml;rlichen Lebensbedingungen usw. bleiben der Motor des werteorientierten Fortschritts. Mit all den Protesten, Aufst&auml;nden, Revolutionen, Revolten, Arbeiterbewegungen, Antikriegsbewegungen, Aktionen gegen die Umweltzerst&ouml;rung, parlamentarischen Initiativen, neuen Parteien usw. ist es nicht gelungen, die systemimmanenten Fehlentwicklungen endg&uuml;ltig aus der Welt zu schaffen.<\/p><p>Die etablierten monarchistisch-kapitalistischen Gesamtsysteme waren nicht zu zerr&uuml;tten. Und somit hat es die herrschaftlich gepr&auml;gte Allgemeinheit geistig-moralisch &uuml;berfordert, an Kriegen und sonstigen Missst&auml;nden &uuml;berhaupt systemimmanente Fehlentwicklungen zu erkennen, geschweige denn, sich dieser zu entledigen.<\/p><p>Da w&auml;re vielleicht hilfreich, die Aufkl&auml;rung als gesunden Menschenverstand wiederzuentdecken und unsere angeborene geistig-moralische F&auml;higkeit, die Komplexit&auml;t der Gesamtzusammenh&auml;nge zu erkennen, endlich als eine gemeinschaftliche &Uuml;berlebensstrategie zu kultivieren.<\/p><p>Meinetwegen auch als eine demokratische Diskussionskultur am Internet-Stammtisch! Aber bitte, noch bevor die herrschaftlich erzogene KI die Gespr&auml;chsleitung &uuml;bernimmt!<\/p><p><small>Titelbild: Golden Dayz \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass es sich bei der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung um die Freiheit der Gesamtbev&ouml;lkerung handelt, sich in einem demokratischen Diskussionsprozess f&uuml;r das verantwortungsbewusste Bew&auml;ltigen von gesellschaftlichen Herausforderungen zu engagieren, d&auml;mmert auch den Vertretern der gegenw&auml;rtigen werteorientierten Demokratie. Leider nicht als eine Chance, sondern als eine Gefahr. 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