{"id":146046,"date":"2026-02-11T10:00:16","date_gmt":"2026-02-11T09:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146046"},"modified":"2026-02-11T14:43:50","modified_gmt":"2026-02-11T13:43:50","slug":"belarus-befreit-sich-aus-dem-westlichen-wuergegriff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146046","title":{"rendered":"Belarus befreit sich aus dem westlichen W\u00fcrgegriff"},"content":{"rendered":"<p>Belarus gewinnt durch kluges Taktieren jene Handlungsspielr&auml;ume zur&uuml;ck, die nach 2020 verloren schienen. Indem Pr&auml;sident Alexander Lukaschenko seine traditionell engen Dr&auml;hte zum Kreml nutzt, um seine Rolle als Vermittler zu profilieren, und dabei geschickt auf den Kurswechsel in Washington reagiert, mildert Minsk den &auml;u&szlig;eren Druck langsam, aber sp&uuml;rbar ab. Ein Beitrag von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_694\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146046-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260211-Belarus-befreit-sich-aus-westlichem-Wuergegriff-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260211-Belarus-befreit-sich-aus-westlichem-Wuergegriff-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260211-Belarus-befreit-sich-aus-westlichem-Wuergegriff-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260211-Belarus-befreit-sich-aus-westlichem-Wuergegriff-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146046-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260211-Belarus-befreit-sich-aus-westlichem-Wuergegriff-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260211-Belarus-befreit-sich-aus-westlichem-Wuergegriff-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ein Zeichen f&uuml;r geschicktes Man&ouml;vrieren von Minsk war die Freilassung politischer Gefangener in mehreren Wellen als Geste gegen&uuml;ber der US-Administration. Als Ergebnis wurden bereits die Sanktionen gegen D&uuml;ngemittel aufgehoben. Mehr noch: US-Pr&auml;sident Donald Trump hat den belarussischen Pr&auml;sidenten Alexander Lukaschenko sogar in den &bdquo;Friedensrat&ldquo; eingeladen. Und als w&auml;re das nicht genug, dr&auml;ngte selbst die k&uuml;rzlich freigelassene belarussische Oppositionsf&uuml;hrerin Marija Kolesnikowa auf eine westliche &Ouml;ffnung gegen&uuml;ber Belarus.<\/p><p><strong>Pl&auml;doyer f&uuml;r den Dialog zwischen Europa und Lukaschenko<\/strong><\/p><p>Marija Kolesnikowa, die im Dezember aus der Haft entlassene belarussische Oppositionsf&uuml;hrerin, forderte die Europ&auml;ische Union in einem Interview mit der Zeitung <em>Financial Times<\/em> dazu auf, eine Ann&auml;herung an das Lukaschenko-System anzustreben. Die Mitanf&uuml;hrerin der Proteste von 2020 argumentierte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Je mehr sich Belarus von Europa isoliert, desto mehr ist es gezwungen, sich Russland anzun&auml;hern. Dies macht das Land f&uuml;r Europa weniger sicher und weniger berechenbar. Als Mensch mit europ&auml;ischer Mentalit&auml;t verstehe ich nicht, warum Europa nicht schon vor den USA Verhandlungen mit Lukaschenko aufgenommen hat. Es ist offensichtlich, dass beispielsweise Deutschland viel engere Beziehungen zu Belarus pflegt als Washington.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Als zentrale Figur des Protests von 2020 und ehemalige Kulturmanagerin mit langj&auml;hrigen Wurzeln in Stuttgart galt Kolesnikowa im Westen lange als unantastbare Freiheitsikone. Sie f&uuml;gte hinzu, dass die Beschr&auml;nkungen gegen Belarus auch f&uuml;r die &bdquo;stark europ&auml;isierten&ldquo; Belarussen einen schweren Schlag darstellten. Sie wies darauf hin, dass das Land einst Spitzenreiter bei den in der EU ausgestellten Schengen-Visa war. Nach Ansicht der Oppositionspolitikerin verfolgt Europa eine fehlerhafte Politik: &bdquo;Lukaschenko ist ein pragmatischer Politiker. Er versteht die Sprache des Gesch&auml;fts. Wenn er bereit ist, humanit&auml;re Schritte f&uuml;r eine Lockerung der Sanktionen zu unternehmen &ndash; einschlie&szlig;lich der Freilassung politischer Gefangener sowie der Wiederzulassung unabh&auml;ngiger Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGO) &ndash;, dann muss man dar&uuml;ber sprechen, anstatt ihn zu isolieren.&ldquo;<\/p><p><strong>Sanktionslockerungen gegen humanit&auml;re Gesten<\/strong><\/p><p>Im Austausch f&uuml;r die Aufhebung der Sanktionen auf belarussische Kalid&uuml;ngemittel lie&szlig; Lukaschenko am 13. Dezember 2025 Kolesnikowa frei, die seit dem 7. September 2020 in Haft sa&szlig;. Zusammen mit ihr wurden 122 weitere politische Gefangene freigelassen, darunter der Nobelpreistr&auml;ger Ales Bjaljazki, der Oppositionspolitiker Wiktor Babariko, Marina Solotowa (ehemalige Chefredakteurin des Portals <em>TUT.BY<\/em>) sowie die Aktivisten des Menschenrechtszentrums Wjasna, Waljanzin Stefanowitsch und Uladsimir Labkowitsch. Die nun Freigelassenen mussten das Land verlassen.<\/p><p>Die USA hatten im August 2021, ein Jahr nach den umstrittenen Pr&auml;sidentschaftswahlen, Belarus &ndash; einen der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Produzenten von Kalid&uuml;nger &ndash; auf die Sanktionsliste gesetzt. Daten des belarussischen Statistikamtes zufolge verdiente das Land vor der Krise 2020 j&auml;hrlich 2,4 Milliarden Dollar mit dem Export von Kalid&uuml;nger, was etwa acht Prozent der gesamten Exporte und vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprach.<\/p><p>Der US-Sonderbeauftragte John Cole erkl&auml;rte nach seinen j&uuml;ngsten Gespr&auml;chen in Minsk, dass der aktuellen Entscheidung weitere &auml;hnliche Ma&szlig;nahmen folgen k&ouml;nnten, da die Kommunikation zwischen Washington und Minsk bez&uuml;glich der Sanktionen fortgesetzt werde. &bdquo;In dem Ma&szlig;e, wie sich die Beziehungen zwischen den beiden L&auml;ndern normalisieren, werden immer mehr Sanktionen aufgehoben&ldquo;, sagte Cole und dr&uuml;ckte seine Hoffnung aus, dass man k&uuml;nftig einen Punkt erreiche, an dem es &uuml;berhaupt keine derartigen restriktiven Ma&szlig;nahmen mehr gebe.<\/p><p>Cole erw&auml;hnte zudem, dass neben der Normalisierung der Beziehungen auch &uuml;ber den Krieg zwischen Russland und der Ukraine gesprochen wurde. Er merkte an, dass Lukaschenko &bdquo;gute Ratschl&auml;ge&ldquo; zur L&ouml;sung des Ukraine-Konflikts gebe. Bereits im September 2025 war eine Delegation aus Washington in Minsk zu Gast. Nach diesem Treffen lie&szlig;en die belarussischen Beh&ouml;rden 51 Gefangene frei und wiesen sie nach Litauen aus.<\/p><p><strong>Lukaschenko im Friedensrat<\/strong><\/p><p>Ein weiteres deutliches Zeichen der belarussisch-US-amerikanischen Ann&auml;herung ist die Einladung von Alexander Lukaschenko in Donald Trumps &bdquo;Friedensrat&ldquo;, neben dem russischen und dem kasachischen Pr&auml;sidenten, Wladimir Putin und Qasym-Jomart Tokajew.<\/p><p>In der Folge gab das belarussische Staatsoberhaupt bekannt, das Dokument &uuml;ber den Beitritt von Belarus unterzeichnet zu haben. Lukaschenko erkl&auml;rte vor Journalisten, er habe ein offizielles Ersuchen nach Washington gesandt, in dem Belarus seine Bereitschaft zur Teilnahme signalisierte. Er betonte, sein Land verf&uuml;ge &uuml;ber begrenzte M&ouml;glichkeiten und erwarte daher nicht, dem Gazastreifen signifikante Hilfe leisten zu k&ouml;nnen. Sein Interesse gelte vielmehr dem Engagement in Bezug auf die Ukraine, wo Minsk seiner Aussage nach als Vermittler oder Einflussfaktor dazu beitragen k&ouml;nnte, den Frieden n&auml;herzubringen und Druck auf die ukrainische F&uuml;hrung auszu&uuml;ben. Die Minsker F&uuml;hrung wertet diese Einladung als Anerkennung der internationalen Autorit&auml;t des belarussischen Staatsoberhauptes.<\/p><p><em>Der Beitrag ist zuerst auf dem ungarischen Fachportal <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/belarusz-szabadul-a-nyugati-szoritasbol\/\">Moszkvat&eacute;r<\/a> erschienen.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Arkadij Schell \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139598\">Interview mit dem belarussischen Au&szlig;enminister: Kooperation im Schatten des Krieges<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/5e2e02c418f9408aa22109e55c177b7f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus gewinnt durch kluges Taktieren jene Handlungsspielr&auml;ume zur&uuml;ck, die nach 2020 verloren schienen. 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