{"id":146144,"date":"2026-02-12T12:00:45","date_gmt":"2026-02-12T11:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146144"},"modified":"2026-02-12T15:27:30","modified_gmt":"2026-02-12T14:27:30","slug":"buchrezension-wenn-die-waffen-sprechen-der-begin-einer-fabel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146144","title":{"rendered":"Buchrezension \u201eWenn die Waffen sprechen\u201c &#8211; Der Beginn einer Fabel"},"content":{"rendered":"<p>Das Buch ist ein Buch gegen den Krieg &ndash; allerdings kein gew&ouml;hnliches Buch. Kein Moralisieren; keine Risikoanalysen, Opferstatistiken, Schuldzuweisungen oder sonstige friedensethische Reflexionen und Anklagen, wie sie in Wissenschaft, Politik und Medien durchaus &uuml;blich sind. Das Buch setzt ziemlich emotionslos beim Kampfgeschehen direkt an, d.h. beim &bdquo;Agieren&ldquo; und Portraitieren einzelner Soldaten, die die unterschiedlichsten Waffen bedienen und\/oder als todbringende Geschosse, Granaten, Bomben oder Raketen zu sp&uuml;ren bekommen. Von <strong>Dr. Heinz Klippert<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1292\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146144-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260212_Buchrezension_Wenn_die_Waffen_sprechen_Der_Beginn_einer_Fabel_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260212_Buchrezension_Wenn_die_Waffen_sprechen_Der_Beginn_einer_Fabel_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260212_Buchrezension_Wenn_die_Waffen_sprechen_Der_Beginn_einer_Fabel_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260212_Buchrezension_Wenn_die_Waffen_sprechen_Der_Beginn_einer_Fabel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146144-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260212_Buchrezension_Wenn_die_Waffen_sprechen_Der_Beginn_einer_Fabel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260212_Buchrezension_Wenn_die_Waffen_sprechen_Der_Beginn_einer_Fabel_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere zentrale Seite betrifft die Waffen selbst, d.h. deren Wirkungsweise, Gedanken und T&ouml;tungspotenziale. <strong>Martin Beck<\/strong> und <strong>Thorsten Bohnenberger<\/strong> lassen die unterschiedlichsten Waffen in fiktiver Weise von sich erz&auml;hlen und am Beispiel des Ukraine-Krieges sehr konkret schildern, wie sie technisch funktionieren, wie sie ihre Opfer ansteuern und was sie dort Schreckliches anrichten. Dementsprechend wird in ebenso skurriler wie schockierender Weise die ganze Grausamkeit und Absurdit&auml;t kriegstypischer Kampfhandlungen und Waffeneins&auml;tze vor Augen gef&uuml;hrt. Die Fratze des Krieges wird schonungslos offengelegt &ndash; ohne Relativierungen oder ideologische Sch&ouml;nf&auml;rbereien. <\/p><p>Konkret hei&szlig;t dieses: Die angesprochenen Geschosse\/Granaten\/Raketen etc. monologisieren und berichten, wie sie in Arme, Brust oder K&ouml;pfe ihrer &bdquo;Feinde&ldquo; eindringen, K&ouml;rper zerfetzen, Arterien durchschlagen. Das Blut spritzt, K&ouml;pfe, Gliedma&szlig;en und Gesichter zerbersten. Muskeln und Sehnen werden zerst&ouml;rt, Aug&auml;pfel explodieren, Leiber verbrennen, Innereien werden in St&uuml;cke zerrissen. Der Schmerz raubt den Getroffenen die Sinne; er l&auml;sst sie wimmern und nach ihrer Mama rufen. Dieser Horror ist zwar schwer auszuhalten, verdeutlicht aber in unverstellter Sprache den ganzen Irrsinn und die uns&auml;gliche Grausamkeit realer Kriege bzw. Waffeneins&auml;tze. <\/p><p>Mit den sprechenden Waffen (Ger&auml;te, Gewehrkugeln, Granaten, Sprengk&ouml;pfe etc.) bedienen sich die Autoren der Literaturgattung &bdquo;Fabel&ldquo;, wobei diesmal nicht Tiere, sondern die zum T&ouml;ten und Zerst&ouml;ren bestimmten Waffen menschengleich zu Wort kommen &ndash; fiktiv und zugespitzt, aber in erschreckender Weise drastisch, mahnend und anst&ouml;&szlig;ig. Vieles im Buch erinnert an einen brutalen Horrorfilm, in dem diverse Horrorszenen entfaltet und so zum Besten gegeben werden, dass vernunftbegabte Menschen eigentlich zutiefst erschrecken und zur Umkehr finden m&uuml;ssten &ndash; zumal die waffengebundenen Gelder bestens f&uuml;r Soziales, Bildung und andere humanit&auml;re Zwecke verausgabt werden k&ouml;nnten. Diese Mahnung findet sich im Buch einige Male.<\/p><p>Obwohl der Schwerpunkt des Buches erkl&auml;rterma&szlig;en auf den <em>sprechenden Waffen<\/em> mit ihrer geballten Zerst&ouml;rungskraft liegt, geht es gleichzeitig doch auch darum, die hinter diesen Waffen stehenden Menschen ein wenig zu beleuchten &ndash; ihre Kampfmotive, Pr&auml;gungen, Tr&auml;ume, Hoffnungen, Vorurteile, Zweifel und Zerrissenheiten. So werden z.B. auf den Seiten 32 ff. des Buches aus der Sicht verwandtschaftlich verbundener Russen und Ukrainer vorsichtige Zweifel u.a. am Maidan-Putsch, an der Rolle der NATO, am Wirken der Asow-Brigaden und Bandera-Anh&auml;nger oder auch an der Seriosit&auml;t der Minsker Vertr&auml;ge ge&auml;u&szlig;ert und ukrainische Ultranationalisten ganz offen als &bdquo;Faschisten&ldquo; bezeichnet. Kleine, aber wichtige Denkanst&ouml;&szlig;e!<\/p><p>Die Frage ist nur, wer diese und andere Denkanst&ouml;&szlig;e tats&auml;chlich aufnimmt und schockresistent aus dem Labyrinth der waffenbezogenen Horrorschilderungen herausfiltert. Das Problem ist n&auml;mlich, dass die &uuml;berbordenden waffentechnischen Details und Kriegsgr&auml;uel potenziellen Leser\/innen schnell zu viel werden d&uuml;rften. Denn egal, ob es nun eine Gewehrkugel ist, die ihren vernichtenden Lauf nimmt oder ein M&ouml;rser, eine Handgranate, ein Panzer, eine Drohne oder irgendeine Rakete, die Menschen und Geb&auml;ude zerst&ouml;ren &ndash; der Horror ist im Kern immer der gleiche und &uuml;bersteigt in dieser H&auml;ufung schnell die Grenze des Ertr&auml;glichen. <\/p><p>Das gilt umso mehr, als die detaillierte Beschreibung der vorgestellten Waffensysteme, Waffenarten, Sprengk&ouml;pfe, Flugbahnen, Fluggeschwindigkeiten, Reichweiten, Kosten, Einsatzgebiete, Zerst&ouml;rungskr&auml;fte etc. einerseits zwar beeindruckend ist, andererseits aber auch erdr&uuml;ckend und absto&szlig;end wirken kann, da diese Details in der dargebotenen F&uuml;lle weder zu begreifen noch zu verifizieren sind &ndash; zumal die Autoren ganz offen bekennen, dass sie sich des fiktiven Schreibens bedienen. Von daher w&auml;re es vielleicht besser gewesen, die Zahl der Fabeln bzw. &bdquo;Waffenakteure&ldquo; stark zu begrenzen und so der drohenden emotionalen und motivationalen &Uuml;berforderung entgegenzuwirken. Das gilt vor allem f&uuml;r den Schulbereich. <\/p><p>Zugegeben, die eine oder andere &bdquo;Fabel&ldquo; im Unterricht bewusst aufzugreifen und zum Aufbau kriegskritischer Einsichten und Haltungen zu nutzen, ist ein fraglos sinnvolles und lernrelevantes Unterfangen. Dagegen scheint das Buch von Beck\/Bohnenberger als klassisches Lesebuch weniger geeignet, da die ausgepr&auml;gten Redundanzen, Technikdetails und wiederkehrenden Horrorschilderungen die Leselust vieler Rezipienten rasch kappen d&uuml;rften. Von daher steht zu bef&uuml;rchten, dass selbst gutwillige Leser\/innen gar nicht zu der ebenso aufr&uuml;ttelnden wie merkw&uuml;rdigen Atomwaffen-Story in den letzten Abschnitten des Buches vordringen werden. <\/p><p>In diesem Schlussteil n&auml;mlich wird mit utopischem Zuschnitt geschildert, dass sich die von Russland und der NATO abgeschickten Nuklear-Raketen kurz vor der Detonation ihrer Atomsprengk&ouml;pfe autonom und vernunftgeleitet entscheiden, ihren Dienst zu verweigern und damit etwas zu tun, was den amtierenden Politikern und Milit&auml;rs nur selten gelingt, n&auml;mlich wirksam zu deeskalieren. Die Botschaft dieser wundersamen Wendung kann dahingehend interpretiert werden, dass die politisch und milit&auml;risch Verantwortlichen auf dieser Welt endlich zur Vernunft kommen und selbstkritisch erkennen sollten, dass Aufr&uuml;stung, Abschreckung, Kriegsert&uuml;chtigung und manisches Perfektionieren der milit&auml;rischen T&ouml;tungsmaschinerie weder Frieden noch Menschenrechte sichern, sondern uns nurmehr der Apokalypse n&auml;herbringen. <\/p><p>Diese Destruktivit&auml;t milit&auml;rischer Waffen schonungslos sichtbar zu machen und entsprechende Abscheu anzubahnen, ist Anspruch und unbestreitbares Verdienst des Buches. Bleibt nur zu hoffen, dass die eine oder andere &bdquo;Fabel&ldquo; ernsthaft aufgegriffen und so thematisiert wird, dass sich bei den Rezipienten eine nachhaltige Kriegsskepsis einstellt und ein Bewusstsein daf&uuml;r bildet, wie dringlich gerade heute Abr&uuml;stung, Diplomatie, Entspannungspolitik, Vertrauensbildung, Toleranz und V&ouml;lkerverst&auml;ndigung gebraucht werden! Waffen sind nun einmal keine Friedensbringer!<\/p><p><em>&bdquo;Wenn die Waffen sprechen&ldquo; &ndash; Martin Beck und Thorsten Bohnenberger (epubli, Taschenbuch, ISBN: 9783565108947)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch ist ein Buch gegen den Krieg &ndash; allerdings kein gew&ouml;hnliches Buch. Kein Moralisieren; keine Risikoanalysen, Opferstatistiken, Schuldzuweisungen oder sonstige friedensethische Reflexionen und Anklagen, wie sie in Wissenschaft, Politik und Medien durchaus &uuml;blich sind. 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