{"id":14621,"date":"2012-10-04T15:34:52","date_gmt":"2012-10-04T13:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14621"},"modified":"2015-05-02T09:18:44","modified_gmt":"2015-05-02T07:18:44","slug":"eine-interessante-rede-uber-klinikarzte-im-spannungsfeld-zwischen-profit-und-patientenwohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14621","title":{"rendered":"Eine interessante Rede \u00fcber \u201eKlinik\u00e4rzte im Spannungsfeld zwischen Profit und Patientenwohl\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Konrad G&ouml;rg[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14621#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], Arzt am Uni-Klinikum Marburg, das sich in Besitz der Rh&ouml;nkliniken befindet, hat am 1.10.2012 eine Rede gehalten, die wir unseren Leserinnen und Lesern zug&auml;nglich machen wollen. Es geht dabei um die Ungleichbehandlung von Patienten, um das Zwei-Klassen-System und die Folgen der weiteren Kommerzialisierung auf das Verh&auml;ltnis von Arzt und Patient. Bitte geben Sie diesen Text an Interessierte weiter und engagieren Sie sich bitte, wenn in ihrem Umkreis die Privatisierung von Kliniken ansteht. Neben wichtigen Anmerkungen zur Wirkung der Geld-Steuerung auf das Verh&auml;ltnis von Arzt und Patient, enth&auml;lt der Text auch gesellschaftspolitisch interessante Erfahrungen: Ich pers&ouml;nlich halte den Sozialstaat &ndash; trotz all seiner uns bekannten M&auml;ngel &ndash; f&uuml;r eine der gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Kulturleistungen und es ist nicht hinnehmbar, wenn der Sozialstaat, also die organisierte Solidarit&auml;t, immer weiter zur&uuml;ckgedr&auml;ngt wird. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>15. Montagsgebet in der Elisabethkirche: &ldquo;Das Wort zur Sache&rdquo;<\/strong><\/p><p><strong>von Konrad G&ouml;rg, gehalten am 1.10.2012 <\/strong><\/p><p><strong>Klinik&auml;rzte im Spannungsfeld zwischen Profit und Patientenwohl<\/strong><\/p><p>Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde, ich m&ouml;chte mich ganz herzlich bedanken, dass ich heute hier zu Ihnen &ldquo;das Wort zur Sache&rdquo; sprechen darf.<br>\nUnd besonders danken m&ouml;chte ich auch meinem Quintett &ldquo;Marburg Brass&rdquo; und Prof. Weyer an der Orgel f&uuml;r die so wunderbare Musik.<\/p><p>Gerne h&auml;tte ich dort oben mitmusiziert, aber als nun &ndash; neben meinem Zwillingsbruder &ndash; <strong>dienst&auml;ltester Arzt am hiesigen Uni-Klinikum<\/strong> f&uuml;hlt man eben doch so etwas wie eine moralische Verpflichtung, sich zu diesem wichtigen Thema hier in diesem Forum zu &auml;u&szlig;ern.<br>\nIch freue mich, dass Sie <strong>so<\/strong> zahlreich erschienen sind. <\/p><p>In den letzten Wochen und Monaten haben wir zur Situation an unserer Klinik &ndash; von den verschiedensten Standpunkten aus &ndash; wichtige Informationen erhalten.<\/p><p>Heute m&ouml;chte ich das Blickfeld noch einmal ein wenig ver&auml;ndern:<br>\nZun&auml;chst durch ein kurzes, selbstkritisches Zur&uuml;ckschauen in die Vergangenheit.<br>\nUnd mit einer so gesch&auml;rften Wahrnehmung soll anschlie&szlig;end die derzeitige Situation am Klinikum betrachtet werden, und zwar unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung unseres neuen Entlohnungssystems, des Fallpauschalensystems.<br>\nAls Letztes m&ouml;chte ich einige Ausblicke in die zuk&uuml;nftige Entwicklung des Krankenhauses wagen.<\/p><p>Ich gebe zu, was ich zu sagen habe, mag f&uuml;r einige von Ihnen zu parteiisch sein, zu einseitig.<br>\nAber:<br>\nManchmal fordern gewisse Missst&auml;nde parteiische Stellungsnahmen geradezu heraus, und <strong>als &Auml;rzte m&uuml;ssen wir Partei ergreifen, Partei f&uuml;r die uns anvertrauten Patientinnen und Patienten<\/strong>.<br>\nAu&szlig;erdem: Wenn man gegen einen &ouml;konomischen Zeitgeist argumentieren will, der immer mehr Lebensbereiche bestimmt, muss man wirklich t&uuml;chtig einseitig sein.<\/p><p>Ja, genau 33 Jahre sind es her, dass ich 1979 &ndash; damals noch unter Prof. Martini &ndash; als junger Assistenzarzt am hiesigen Klinikum zu arbeiten begann.<br>\nLange ist es her!<br>\nAber ich werde jetzt keinen jammervollen und nostalgischen Ton anstimmen, nach dem Motto: Fr&uuml;her war alles viel besser. Nein!<br>\nDenn auch damals gab es gro&szlig;e Ungerechtigkeiten wie z. B. <strong>Ungleichbehandlungen von Patienten<\/strong>, die f&uuml;r viele von uns nur schwer auszuhalten waren.<\/p><p>Und so werden Sie in meinen Ausf&uuml;hrungen immer wieder auch den einzelnen Arzt finden, der damals wie heute in einem Spannungsfeld stand und steht:<br>\nein Spannungsfeld zwischen einerseits seiner individuellen Menschlichkeit und F&uuml;rsorge f&uuml;r den Patienten, und andererseits pers&ouml;nlichen oder von au&szlig;en einwirkenden finanziellen Interessen.<\/p><p>Hierzu zwei Begebenheiten &ndash; zun&auml;chst aus der Vergangenheit:<\/p><p>Es sind schon viele Jahre her, dass einmal ein B&uuml;rgermeister aus einer gro&szlig;en mittelhessischen Stadt wegen Fieber, Husten und Auswurf in unser Krankenhaus eingewiesen wurde. Lungenentz&uuml;ndung diagnostizierten wir &Auml;rzte und nahmen ihn station&auml;r auf.<br>\nDamals gab es auch einen jungen Assistenzarzt in der R&ouml;ntgenabteilung, der t&auml;glich in einer kleinen Kammer R&ouml;ntgenaufnahmen der Lunge bei Patienten zu machen hatte.<br>\nSo auch an jenem Tag, als der Chef der R&ouml;ntgenabteilung pl&ouml;tzlich &ndash; mit besagtem B&uuml;rgermeister im Rollstuhl &ndash; erschien.<br>\nSich vorbeidr&auml;ngend an einer langen Wartenschlange im Flur, schob er auch den jungen Assistenzarzt beiseite, bugsierte den B&uuml;rgermeister zum R&ouml;-Apparat, machte pers&ouml;nlich eine Lungenaufnahme und besprach anschlie&szlig;end in gro&szlig;er Sorgfalt den Befund mit seinem Privatpatienten.<br>\nNach einer halben Stunde schlie&szlig;lich signalisierte der Chef seinem Assistenzarzt, nun doch bitte weiterzumachen und die immer l&auml;nger werdende Schlange endlich &ldquo;abzuarbeiten&rdquo;.<\/p><p>So weit, so gut &ndash; oder auch nicht.<br>\nDer B&uuml;rgermeister, als er wieder genesen und entlassen war, bedankte sich in der Presse aufs Herzlichste bei den Mitarbeitern f&uuml;r die so f&uuml;rsorgliche Behandlung im Krankenhaus.<br>\n&bdquo;Er k&ouml;nne &uuml;berhaupt nicht verstehen, dass es Patienten g&auml;be, die diese Einrichtung kritisch bewerteten.&ldquo;<\/p><p>So die Worte des B&uuml;rgermeisters.<\/p><p>Wir erkennen im Blick auf diesen Patienten:<\/p><p><strong>Jeder sieht nur das, was er sehen kann und sehen will.<\/strong><\/p><p>Und ich frage mich daher f&uuml;r heute ganz allgemein:<\/p><p><strong>Wird es in unserem Gesundheitswesen jemals eine Ver&auml;nderung geben, wenn wir unseren Politikern und anderen wichtigen Entscheidungstr&auml;gern realistische Erfahrungen in unseren Krankenh&auml;usern immer wieder vorenthalten &ndash; eben weil sie Privatpatienten sind?<\/strong><\/p><p>Eine Erfahrung, wie zum Beispiel diese:<\/p><p>4 Stunden im Notfallbereich zu warten, ohne einen Arzt gesehen zu haben, um sich dann resigniert, geschw&auml;cht und letztendlich verzweifelt einfach davon zu schleichen, wie es mein Schwiegervater vor einem Jahr am Klinikum erlebte.<\/p><p>Eine weitere Geschichte:<\/p><p>Einige Jahre sp&auml;ter erhielt unser junger Assistenzarzt &ndash; jetzt auf Station &ndash; einen Anruf seines Oberarztes, er m&ouml;ge bitte &ndash; auf Gehei&szlig; des Chefs &ndash; ein Einzelzimmer f&uuml;r einen Privatpatienten, bei dem einige Untersuchungen zu machen seien, bereitstellen.<br>\nDies war dem Stationsarzt jedoch nicht m&ouml;glich. Alle Betten auf seiner Station waren belegt.<br>\nUnd so kam, was kommen musste: Der Oberarzt erschien auf Station, nahm ein Zweibettzimmer, entlie&szlig; die eine der beiden Patientinnen sofort &ndash; heute w&uuml;rden wir dies zynisch blutige Entlassung nennen &ndash; und schob die andere schwerer erkrankte Patientin einfach aus ihrem Zimmer in den &auml;rztlichen Untersuchungsraum.<br>\nDer Privatpatient hatte nun sein Einzelzimmer.<\/p><p>Wir sehen am Verhalten dieser leitenden &Auml;rzte:<\/p><p><strong>Die Scheidewand zwischen Anvertrautsein und Preisgegebensein ist hauchd&uuml;nn.<\/strong><br>\n<strong>F&uuml;rsorge und Willk&uuml;r liegen nahe beieinander.<\/strong><\/p><p>Und wir erkennen:<\/p><p><strong>Auch in der Vergangenheit gab es &Auml;rzte, die korrumpierbar waren<\/strong> &ndash; hier in diesem Fall durch die in unserem Gesundheitssystem angelegte M&ouml;glichkeit, privat liquidieren zu d&uuml;rfen.<\/p><p>Nebenbei: In Schweden wurde dieses <strong>&ldquo;Zweiklassensystem&rdquo;<\/strong> &ndash; auch aufgrund solcher Verwerfungen &ndash; abgeschafft.<\/p><p>Und wie ist die Situation heute?<\/p><p>Es existiert noch immer ein Unterschied zwischen Privatpatienten und Kassenpatienten &ndash; die Erfahrung von Ungleichbehandlung hat sicherlich der eine oder die andere von Ihnen schon gemacht.<br>\nWir haben also dieses alte Problem noch immer nicht gel&ouml;st &ndash; so lesen wir in den Zeitungen ganz aktuell, dass Privatpatienten anscheinend viel schneller Organtransplantate bekommen als Kassenpatienten &ndash; doch stehen heute ganz anders gelagerte Konflikte im Vordergrund, insbesondere in Marburg angesichts eines Klinikums in privater Hand.<br>\nDenn ein b&ouml;rsennotiertes Unternehmen wie Rh&ouml;n muss den Spagat eingehen zwischen einer guten Krankenversorgung und einer hohen Rendite, eine Rendite, welche die immensen Schulden des Konzerns tilgt und Gewinnaussch&uuml;ttung f&uuml;r die Aktion&auml;re leisten soll &ndash; bei seri&ouml;ser Betrachtung eigentlich ein unm&ouml;gliches Unterfangen. <\/p><p>Wie sich ein derartiger Interessenskonflikt konkret auswirkt, m&ouml;chte ich kurz mit einem Beispiel aus der Gegenwart aufzeigen.<\/p><p>Eine der ersten Ma&szlig;nahmen nach &Uuml;bernahme durch den Rh&ouml;nkonzern war es, aus Kostengr&uuml;nden f&uuml;r jeweils zwei r&auml;umlich sehr nahe &ndash; quasi gegen&uuml;berliegende Stationen im Krankenhaus &ndash; nachts nur noch eine einzige Krankenschwester einzusetzen anstatt wie bisher zwei. Diese beiden Pflegekr&auml;fte hatten sich fr&uuml;her bei allen m&ouml;glichen n&auml;chtlichen Problemen auf den Stationen immer gegenseitig unterst&uuml;tzen k&ouml;nnen.<br>\nJetzt war folgendes Procedere vorgesehen:<br>\nSollten auf den beiden Stationen schwerkranke Patienten liegen, gab es die M&ouml;glichkeit, f&uuml;r die Nacht aus einem neu angelegten sogenannten Schwesternpool eine zweite Schwester anzufordern.<br>\nDas Problem war nur, dass dieser Pool chronisch unterbesetzt war.<br>\nSo auch an einem Wochenende im Fr&uuml;hjahr 2007, als eine alte sterbenskranke Patientin aufgenommen wurde. Ihr gr&ouml;&szlig;tes Problem war, dass sie alleinstehend war, dass sie keinen Angeh&ouml;rigen hatte, der sich nachts im Krankenhaus um sie h&auml;tte k&uuml;mmern k&ouml;nnen.<br>\nSo wurde f&uuml;r die Nacht aus besagtem Pool eine zweite Schwester angefordert, aber der Pool war &ndash; wie nicht anders zu erwarten &ndash; wieder einmal leer.<br>\nNotgedrungen schob die Nachtschwester die sterbende Frau aus ihrem Zimmer auf den hell erleuchteten Stationsflur, um sie des Nachts bei ihren Rundg&auml;ngen doch noch ab und zu ein wenig im Auge zu haben.<br>\nIn dieser <strong>menschlich untragbaren Situation<\/strong> ist unsere Patientin in ihrer dritten Nacht auf dem Flur verstorben. <\/p><p>Nach einem solchen Ereignis mussten wir &Auml;rzte uns selbst anklagen, weil wir nicht rechtzeitig diese strukturelle Misere erkannt hatten. Aber wir haben nach diesem Vorfall versp&auml;tet dann doch noch gehandelt und einen Beschwerdebrief aufgesetzt.<br>\nJa, und wenige Tage sp&auml;ter wurde diese Nachtwachenanordnung in der Tat r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht, sodass wieder jede einzelne Station ihre eigene Nachtschwester bekam.<br>\nDer Rh&ouml;nkonzern hatte also auf unsere Beschwerde hin reagiert. Der Sparzwang zu Lasten von Patienten wurde in diesem Falle aufgehoben.<\/p><p>Doch machen wir uns f&uuml;r die Zukunft nichts vor.<\/p><p>Gesellschaftliche Subsysteme &ndash; wie man Krankenhauskonzerne soziologisch nennen kann &ndash; werden heute durch den Code &ldquo;Geld&rdquo; gesteuert.<br>\nIn einem solchen Subsystem kann Ethik nur bedingt handlungswirksam werden, da der Code &ldquo;Moral&rdquo; mit Signalen wie &ldquo;gut&rdquo; und &ldquo;b&ouml;se&rdquo; kompatibel ist, aber nicht mit dem Code &ldquo;Geld&rdquo;.<\/p><p>Mit anderen Worten:<br>\nUnternehmen, die vornehmlich nach moralischen &Uuml;berlegungen in unserem Wirtschaftssystem handeln, werden vom Markt gnadenlos mit Untergang bestraft.<br>\nOder sie werden zu einem Spielball, zu einem Objekt der Begierde von Gro&szlig;konzernen, von sogenannten &ldquo;Global Players&rdquo; der Marktbranche, ganz nach dem Motto der kapitalistischen Konkurrenzideologie:<\/p><p><strong>Fressen oder Gefressenwerden.<\/strong><\/p><p>Entschuldigen Sie bitte die letzten harten Worte, aber wir m&uuml;ssen wieder lernen, die <strong>Dinge richtig beim Namen zu nennen<\/strong>.<\/p><p>Dieses Dilemma ist nat&uuml;rlich nicht nur auf den Rh&ouml;nkonzern begrenzt.<br>\nAlle Krankenh&auml;user, st&auml;dtische, staatliche und auch kirchliche, unterliegen heute einem zunehmenden Kosten-Nutzen-Kalk&uuml;l.<br>\nUnmenschliche Arbeitsbedingungen f&uuml;r die Mitarbeiter, Stellenabbau, Entlassungen, Ausgliederung in den Billiglohnsektor und &Uuml;berlastungsanzeigen im Pflegebereich sind die Folge und ich frage mich:<br>\nWo bleibt in diesem kommerzialisierten System &uuml;berhaupt noch die Zeit &ndash; und vielleicht demn&auml;chst auch die F&auml;higkeit &ndash;<\/p><p><strong>f&uuml;r das Gespr&auml;ch am Krankenbett?<\/strong><\/p><p><strong>Empathie, menschliche W&auml;rme und F&uuml;rsorge f&uuml;r den Kranken werden heute ersetzt durch einen m&ouml;glichst reibungslosen Service an einem Dienstleistungskunden.<\/strong><\/p><p>Wir haben hier&uuml;ber in dieser Kirche in den letzten Wochen schon vieles und wichtiges erfahren.<\/p><p>Manche Krankenh&auml;user meinen nun, den enormen wirtschaftlichen Druck, dem sie ausgesetzt sind, &uuml;ber das sogenannte &ldquo;Fallpauschalensystem&rdquo; entsch&auml;rfen zu k&ouml;nnen<\/p><p>Und hier erscheint am Horizont <strong>eine neue, weitere, schreckliche Form der Zwei-Klassen-Medizin<\/strong>.<\/p><p>Dies muss ich etwas genauer erkl&auml;ren:<\/p><p>Seit 2003 erfolgt in Deutschland die Abrechnung station&auml;rer Leistungen am Patienten nicht mehr &uuml;ber den fr&uuml;heren Krankenhaustagessatz, sondern &uuml;ber eine f&uuml;r die jeweilige Erkrankung des Patienten bundesweit festgelegte Fallpauschale.<br>\nMit der Einf&uuml;hrung dieses Systems gibt es f&uuml;r gewisse &ndash; ich betone: f&uuml;r gewisse Krankenh&auml;user nun eine M&ouml;glichkeit, in die Gewinnzone zu kommen.<br>\nMan unterscheidet heute n&auml;mlich nicht mehr so sehr zwischen lukrativen Privatpatienten und armen Kassenpatienten, sondern zwischen <strong>Erkrankungen<\/strong>, Erkrankungen, mit denen man Geld verdienen kann und solchen, mit denen man Verluste macht.<br>\nAmerikanische Gesundheitsmanager unterscheiden in ihrer pragmatischen und etwas schnoddrigen Art zwischen &ldquo;<strong>cash cows<\/strong>&rdquo; und &ldquo;<strong>poor dogs<\/strong>&ldquo;. <\/p><p>Cash cows &ndash; also K&uuml;he, die man melken kann &ndash; sind Patienten mit Krankheiten, bei denen ein Krankenhaus Gewinne erzielt, wo technisch aufw&auml;ndige Ma&szlig;nahmen durchgef&uuml;hrt werden, wie z. B. H&uuml;ft- und Kniegelenksprothesen-OPs, Nieren- und Knochenmarkstransplantationen, um nur einige wenige zu nennen.<br>\nPoor dogs sind Patienten mit Krankheiten, bei denen ein Krankenhaus kein Geld verdienen kann, wo es immer draufzahlen muss.<br>\nSolche armen Hunde sind f&uuml;r Kliniken &ndash; wirtschaftlich gesehen &ndash; absolut unattraktiv. Zu ihnen z&auml;hlen u.a. alte Patienten, Patienten mit vielen Krankheiten und chronisch Kranke, wie z.B. Patienten mit chronisch offenen Beinen oder Patienten, die sich wund gelegen haben oder auch Rheumatiker.<\/p><p>Eine wichtige, ja eine ganz entscheidende Frage ist nun:<\/p><p><strong>Wie werden wir &Auml;rzte uns in der Zukunft verhalten, wenn bei unseren Patienten solche Unterscheidungen durch unsere Verwaltungen vorgegeben werden?<\/strong><\/p><p>Ein guter Freund, Chefarzt eines nahe gelegenen, privaten Krankenhauses erz&auml;hlte mir k&uuml;rzlich eine Begebenheit:<br>\nZum Jahresende wurde er von seinem Kaufm&auml;nnischen Direktor &uuml;ber das Ergebnis der Jahresabrechnung informiert: &bdquo;Lieber Professor&ldquo;, begann der Dierektor, &bdquo;bei 70 % der Patienten konnten wir nach Einf&uuml;hrung des Fallpauschalensystems einen Gewinn erzielen, bei 30% haben wir jedoch deutlich rote Zahlen geschrieben. Ich freue mich, dass wir trotz allem insgesamt ein kleines Plus erwirtschaftet haben.&ldquo;<br>\n&ndash; Erleichterung machte sich auf dem Gesicht des Arztes breit. &ndash; <\/p><p>Doch dann:<br>\n&bdquo;Bevor Sie nun wieder gehen lieber Herr Professor, habe ich nur noch eine kleine Frage: Nennen Sie mir doch bitte ein wirtschaftliches Argument, warum ich jene 30% Verlust-Patienten &ndash; wir wissen beide, welche Krankheiten sie haben &ndash; im neuen Jahr noch aufnehmen und behandeln lassen soll.&ldquo;<\/p><p>Zun&auml;chst etwas irritiert, antwortete mein Freund dann: &bdquo;<strong>Das wirtschaftliche Argument bin ich!<\/strong> In dem Augenblick, wo Sie dies machen, k&uuml;ndige ich sofort.&ldquo;<br>\nDiese Antwort verdient Anerkennung, zeugt sie doch von einem humanen Ethos dieses Chefarztes, <strong>eines Arztes, der sich nicht korrumpieren lie&szlig;.<\/strong><\/p><p>Ein weiteres Beispiel:<\/p><p>In einem katholischen Krankenhaus in Mittelhessen weigert sich der leitende Chirurg, allgemein-notfallchirurgische Aufnahmen aus der Stadt anzunehmen, wie Verkehrsunf&auml;lle, Knochenbr&uuml;che, u.s.w.<br>\nEr wolle sich nur noch auf Operationen von H&uuml;ft- und Kniegelenksprothesen konzentrieren, die sehr lukrativ sind. Dieses Krankenhaus prosperierte nach wenigen Monaten, wurde gesund, konnte sogar expandieren. Ob es vielleicht auch an die B&ouml;rse geht?<\/p><p>Was lernen wir aus diesen Beispielen? <\/p><p>Einmal, dass manche &Auml;rzte <strong>auch heute korrumpierbar<\/strong> sind.<\/p><p>Zum anderen:<\/p><p>Es besteht in unseren Krankenh&auml;usern eine prinzipielle Gefahr der sogenannten &ldquo;<strong>Schn&auml;ppchenmedizin<\/strong>&ldquo;, die dazu f&uuml;hrt, dass finanziell attraktive Patienten bevorzugt werden.<\/p><p>Und das Perverse ist:<br>\nEin Krankenhaus, das nur noch solche &ldquo;cash-cow-Patienten&rdquo; aufnimmt, kann diesen dann selbstverst&auml;ndlich auch eine gute und umfassende pflegerische Betreuung zukommen lassen.<br>\nAber eben nur diesen handverlesenen Patienten. Unattraktive Patienten dagegen werden in andere Krankenh&auml;user abgeschoben.<\/p><p>Aber wer wird sie aufnehmen?<\/p><p>Unser Gesundheitssystem sieht nun vor, dass diese Patienten von sogenannten Krankenh&auml;usern der Erstversorgung, also von staatlichen oder kommunalen Krankenh&auml;usern aufgenommen werden, &ndash; ja aufgenommen werden <strong>m&uuml;ssen<\/strong>, denn nach bestehendem Recht d&uuml;rfen Krankenh&auml;user der Erstversorgung <strong>niemanden<\/strong> ablehnen.<br>\nSo finden wir dann auch hier ein uns bekanntes Muster:<\/p><p><strong>Gewinne werden privatisiert, Verluste sollen sozialisiert werden.<\/strong><\/p><p>Eine erschreckende Entwicklung bahnt sich hier seit geraumer Zeit an:<br>\nNach Ansicht von Experten werden in 10 Jahren die H&auml;lfte aller hoch spezialisierten Kliniken &ndash; und das sind die H&auml;user, die teure, aufw&auml;ndige und damit &auml;u&szlig;erst gewinntr&auml;chtige Leistungen anbieten &ndash; in Form von Aktiengesellschaften gef&uuml;hrt werden.<br>\nKann man das aus gesamtgesellschaftlicher Verantwortung wollen?<\/p><p>Zur&uuml;ck nach Marburg:<\/p><p>Zum Gl&uuml;ck gibt es f&uuml;r die Uniklinik in Marburg f&uuml;r dieses letztgenannte Problem der Schn&auml;ppchenmedizin derzeit eine Entwarnung: Noch!!<br>\nDenn unser Klinikum ist sowohl ein Krankenhaus der Erst- als auch der Maximalversorgung.<br>\nBei uns <strong>muss jeder<\/strong> aufgenommen werden und <strong>es wird auch<\/strong> jeder aufgenommen, egal ob man nun cash cow oder poor dog ist. Hier wird niemand abgewiesen.<br>\nUnd ich hoffe sehr, dass dies auch so bleiben wird.<\/p><p>Eine sogenannte &ldquo;<strong>Portalmedizin<\/strong>&ldquo;, bei der am Eingang einer Klinik &Auml;rzte nach kommerziellen Gesichtspunkten &uuml;ber eine Aufnahme entscheiden, gibt es in Marburg nicht und Rh&ouml;n will dies wohl auch nicht, derzeit. <\/p><p>Doch in den Hochglanzbrosch&uuml;ren des Rh&ouml;n-Konzerns finden wir allzu h&auml;ufig ein Schl&uuml;sselwort, n&auml;mlich &ldquo;Teleportalmedizin&rdquo;. Hier kann &uuml;ber sogenannte mediale Vernetzungen im Voraus entschieden werden, welches Krankenhaus welchen Patienten mit welcher Krankheit aufnehmen soll.<br>\nDies mag eine m&ouml;gliche Richtung sein, wie sich unser Klinikum in Zukunft weiterentwickeln k&ouml;nnte.<\/p><p>Eugen M&uuml;nch &ndash; Unternehmensgr&uuml;nder der Rh&ouml;n-Klinikum AG &ndash; hatte dieses Problem nat&uuml;rlich fr&uuml;h erkannt und formulierte in diesem Zusammenhang schon 2005 in seiner bekannten, etwas flapsigen Art:<\/p><p><strong>&bdquo;Tats&auml;chlich muss die Universit&auml;tsklinik zu viele &ldquo;leichte&rdquo; Patienten betreuen, die in zu teuren Betten liegen. Es ist ein bisschen so, als wolle die Klinik mit Rolls-Royce-Limousinen Personen-Nahverkehr betreiben.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Hier m&uuml;ssen wir in der Zukunft alle &auml;u&szlig;erst auf der Hut sein.<\/p><p>Zur&uuml;ck zur Gegenwart.<\/p><p>Das Fallpauschalensystem bietet aber noch eine weitere M&ouml;glichkeit, einen Gewinn zu erzielen. N&auml;mlich dadurch, dass es aus einigen poor dogs doch noch eine cash cow machen kann. Und dies geschieht durch eine radikale Ver&auml;nderung der Zeitabl&auml;ufe in einer Klinik. Weil Zeit Geld ist, muss alles immer schneller gehen. Die Arbeit wird verdichtet, die Leistung dadurch immer weiter erh&ouml;ht.<br>\nDurch eine <strong>solche Beschleunigung aller Zeitabl&auml;ufe<\/strong> &ndash; besonders im station&auml;ren Klinikbereich &ndash; entstehen f&uuml;r unsere Patienten u.a. immer k&uuml;rzere Liegezeiten.<\/p><p>Ja, und so kann &ndash; nur mal als Beispiel &ndash; aus einem Patienten mit einer Lungenentz&uuml;ndung, der vielleicht eine oder zwei Wochen im Krankenhaus liegt und damit nach der Fallpauschalenentlohnung ein poor dog ist, bei einem station&auml;ren Aufenthalt von lediglich 3 Tagen eine lukrative cash cow werden.<\/p><p>F&uuml;r manche, besonders j&uuml;ngere Patienten m&ouml;gen diese verk&uuml;rzten Liegezeiten u. U. sinnvoll sein &ndash; wer ist nicht froh, wenn er fr&uuml;her nach Hause entlassen wird &ndash; , doch vor allem bei &auml;lteren Menschen k&ouml;nnen solche vorzeitigen Entlassungen fatale Auswirkungen haben.<\/p><p>Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang eine Studie aus den USA, die an der University School of Medicine in Connecticut durchgef&uuml;hrt wurde.<br>\nDarin wurden die Behandlungsdaten von alten Patienten mit Lungenentz&uuml;ndung aus den Jahren 1992 und 1997 analysiert, vor und nach der Einf&uuml;hrung von Fallpauschalen.<br>\nEs zeigte sich in der Tat, dass die Verweildauer mit dem neuen System durchschnittlich um 35 Prozent zur&uuml;ckging. Die Krankenhauskosten pro Fall verringerten sich um 25 Prozent.<br>\nDie Sterblichkeit im Krankenhaus ging um 15 Prozent zur&uuml;ck.<\/p><p>Jedoch:<br>\nbei Ausweitung der Untersuchung auf die ersten 30 Tage nach der Entlassung stellte man fest, dass hier die Sterblichkeit um 35 Prozent gestiegen war. Die Wiederaufnahmen wegen eines R&uuml;ckfalls nahmen um 23 Prozent zu und die Verlegung in eine Pflegeeinrichtung sogar um 42 Prozent. <\/p><p>Diese Zahlen belegen f&uuml;r den Fall der Lungenentz&uuml;ndung bei alten Menschen eine eindeutige Verschlechterung der Behandlungsqualit&auml;t durch das neue Fallpauschalensystem.<br>\nAlle Verantwortlichen m&uuml;ssen sich &uuml;ber diese Gefahren im Klaren sein.<\/p><p>Was lernen wir daraus?<\/p><p><strong>Es geh&ouml;rt anscheinend zum Wesen unseres &ouml;konomischen Fortschritts, dass er die Schw&auml;chsten einer Gesellschaft, die Alten, die Kinder und die chronisch Kranken zuerst schl&auml;gt.<\/strong><\/p><p>Ich frage nun noch einmal:<\/p><p><strong>Werden wir &Auml;rzte in Zukunft dem zunehmenden Druck standhalten, der durch ein solch kommerzialisiertes Gesundheitssystem auf uns ausge&uuml;bt wird?<\/strong><\/p><p>Und wir sollten uns im Klaren sein: Rh&ouml;n ist in diesem System eine Speerspitze.<\/p><p>Doch fairerweise muss man derzeit feststellen: Noch mischt sich Rh&ouml;n weder bei unseren Patientenaufnahmen ein, geschweige denn in unsere &auml;rztlichen Ma&szlig;nahmen.<br>\nHier sind wir Assistenz&auml;rzte und ich <strong>hoffe<\/strong> doch auch unsere Chef&auml;rzte f&uuml;r die Zukunft absolut frei und unabh&auml;ngig. <\/p><p>Warum nur ein <strong>Hoffen<\/strong>?<\/p><p>Weil in den letzten Jahren an zahlreichen privaten Krankenh&auml;usern sogenannte &ldquo;<strong>Chefarzt-Boni-Vertr&auml;ge<\/strong>&rdquo; abgeschlossen wurden, Vertr&auml;ge, die wir bisher nur aus der Finanz- und Bankenwelt kennen- und leider auch f&uuml;rchten gelernt haben.<br>\nBei diesen Zahlungen erh&auml;lt der Chefarzt am Jahresende ein Extra-Honorar, d. h. einen Bonus, wenn er eine bestimmte Anzahl von speziellen medizinischen Leistungen erbracht hat,  Leistungen n&auml;mlich, die f&uuml;r den Klinikbetreiber &auml;u&szlig;erst profitabel sind, wie z. B. die uns schon bekannten Implantationen von H&uuml;ft- oder Kniegelenksprothesen, oder aber auch Herzkatheteruntersuchungen.<\/p><p>Problematisch wird es nun, wenn eine solche gewinntr&auml;chtige Behandlung f&uuml;r den betroffenen Patienten &ndash; medizinisch gesehen &ndash; gar nicht sinnvoll oder notwendig ist, sie aber dennoch, aufgrund des finanziellen Anreizes, vorgenommen wird.<\/p><p>Aus diesem Grunde stellen solche Chefarzt-Boni-Vertr&auml;ge in meinen Augen eine weitere, <strong>schlimme Form der Korrumpierbarkeit von &Auml;rzten<\/strong> dar.<\/p><p>Auch wenn ich derzeit an unserer Klinik &ndash; n&auml;mlich schwarz auf wei&szlig; &ndash; noch von keinen solchen Vertr&auml;gen wei&szlig;, ist ernsthaft &ndash; <strong>wirklich ernsthaft<\/strong> &ndash; anzunehmen, dass auch Rh&ouml;n zu einer solchen Praxis &uuml;bergehen wird &ndash; oder sie vielleicht gar schon praktiziert.<\/p><p>Und so ist eindringlich zu fragen:<\/p><p>Wie werden sich in der Zukunft unsere Chef&auml;rzte, die Direktoren unserer Klinikabteilungen, verhalten, <strong>wenn ihnen solche Bonus-Zahlungen von Rh&ouml;n angeboten werden<\/strong>?<\/p><p><strong>Denn eine wirklich schreckliche Situation w&uuml;rde eintreten, wenn irgendwann unsere Patienten &ndash; egal ob im Einzelfall berechtigt oder unberechtigt &ndash; hinter unseren individuellen &auml;rztlichen Ma&szlig;nahmen, eine verborgene, unausgesprochene, geldgesteuerte Handlungsanweisung vermuten k&ouml;nnten.<\/strong><\/p><p>Ein Horrorszenario f&uuml;r unsere &auml;rztliche Ethik, denn wir &Auml;rzte sind und bleiben dem &ldquo;Eid des Hippokrates&rdquo; verpflichtet, in dem die F&uuml;rsorge f&uuml;r den Patienten &uuml;ber alles andere gestellt ist.<\/p><p>Ich komme zum Schluss, fasse zusammen und ordne politisch ein:<\/p><ol>\n<li><strong>Wir &Auml;rzte beginnen langsam zu lernen, dass in einer marktorientierten Medizin die Vorrangstellung des Patienten zunehmend einer Einflussnahme von Investoren, B&uuml;rokraten, Versicherungsgesellschaften und Krankenhaustr&auml;gern weicht.<\/strong><br>\n<strong>In dem Augenblick jedoch, in dem &auml;rztliche F&uuml;rsorge dem Profit dient &ndash; egal ob dem eigenen oder einem fremden &ndash;, hat sie die wahre F&uuml;rsorge verraten.<\/strong><br>\n<strong>Dieser moralische Irrweg l&auml;sst sich nicht mehr reparieren.<\/strong><\/li>\n<li>F&uuml;r uns Marburger B&uuml;rger sollte klar sein, dass sich in unserer derzeitigen lokalen Auseinandersetzung ein gesamtgesellschaftlicher Kampf um die Zukunft unseres Zusammenlebens widerspiegelt.\n<p>Wollen wir eine durch&ouml;konomisierte, marktkonforme Gesellschaft, in der das Verwertbarkeits-, Effizienz- und  N&uuml;tzlichkeitsdenken der Wirtschaft auch in die letzten Winkel unseres Lebens kriecht, wo aus allen zwischenmenschlichen Beziehungen nur noch Leistungen werden, die entweder gekauft oder verkauft werden k&ouml;nnen? <\/p>\n<p>Es geht letztlich damit auch um die ganz prinzipielle Frage, ob bisher f&uuml;rsorglich von der Allgemeinheit verwaltete Bereiche wie Gesundheit, Bildung, Rente, &ouml;ffentlicher Nahverkehr, Wasser und Energie vom Staat privatisiert werden d&uuml;rfen, und damit der Gier von solchen Shareholder-Value-Vertretern ausgeliefert werden.<\/p>\n<p><strong>Ich pers&ouml;nlich halte den Sozialstaat &ndash; trotz all seiner uns bekannten M&auml;ngel &ndash; f&uuml;r eine der gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Kulturleistungen und es ist nicht hinnehmbar, wenn der Sozialstaat, also die organisierte Solidarit&auml;t, immer weiter zur&uuml;ckgedr&auml;ngt wird.<\/strong><\/p><\/li>\n<li>Die Politik sei daran erinnert, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Und diesen Kopf bilden einige unsere politischen Repr&auml;sentanten, die die reale effektive Macht in die H&auml;nde der Finanzm&auml;rkte und in die H&auml;nde global agierender Wirtschaftskonzerne gelegt haben und die in den letzten Jahrzehnten durch eine fragw&uuml;rdige Steuerpolitik die &ouml;ffentliche Hand bewusst in die Armut getrieben haben, ohne zu bedenken,\n<p><strong>dass sich einen armen Staat nur der Reiche leisten kann.<\/strong><\/p>\n<p>Und ein zweites:<\/p>\n<p><strong>Wer den Staat so enorm schw&auml;cht, schw&auml;cht letztendlich auch unsere Demokratie,<\/strong> bis hin zu einer reinen <strong>Fassadendemokratie<\/strong>.<\/p><\/li>\n<li>Daher fordern wir Marburger B&uuml;rger f&uuml;r unseren Fall, dass die Politik endlich wieder &ndash; im Sinne einer demokratischen Einflussnahme &ndash; zu einem Akteur in diesem derzeitigen Theater wird. Und wenn die Politiker &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; dieses Primat der Politik nicht durchsetzen wollen, wird uns wohl nichts anderes &uuml;brig bleiben, als mit langem Atem und gro&szlig;er Geduld uns weiterhin jeden Montag &ndash; <strong>als Zeichen einer demokratischen Selbsterm&auml;chtigung<\/strong> &ndash; solidarisch zu emp&ouml;ren.<\/li>\n<li>Ja, und pers&ouml;nlich w&uuml;nsche ich mir f&uuml;r die Zukunft &ndash; auch in Ihrer aller Interesse &ndash;, dass, wenn ich eines Tages als Patient in unsere Klinik eingewiesen werden sollte, ich nicht am Eingang mittels eines sogenannten &ldquo;Teleportalsystems&rdquo; von Rh&ouml;n, Helios, Sana oder von wem auch immer, erfasst und verschoben werde oder vielleicht als &ldquo;cash cow&rdquo; in eine &ldquo;Chefarzt-Boni-Statistik&rdquo; aufgenommen werde, sondern ich w&uuml;nsche mir, dass dann dort am Eingang unserer &ndash; hoffentlich wieder in gemeinn&uuml;tzig-&ouml;ffentlicher Tr&auml;gerschaft gef&uuml;hrten &ndash; Klinik eine Tafel angebracht worden ist, eine Tafel, so wie es Kaiser Joseph II &ndash; ein Sohn der Kaiserin Maria Theresia &ndash; im Foyer der 1784 in Wien neu errichteten Frauenklinik tat, eine Tafel mit folgender Aufschrift:\n<p><strong>In diesem Haus sollen die Patienten geheilt und getr&ouml;stet werden.<\/strong>\n<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Ich danke Ihnen.<\/p><p><strong> (&ldquo;Saluti et solatio aegrorum&rdquo;)<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/121004_saluti_et_solatio_aegrorum.jpg\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>]  <strong>Dr. med. Konrad G&ouml;rg<\/strong><br>\nArzt f&uuml;r Innere Medizin<br>\nAbteilung H&auml;matologie\/Onkologie<br>\n<strong>Universit&auml;tsklinikum Marburg<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Konrad G&ouml;rg[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14621#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], Arzt am Uni-Klinikum Marburg, das sich in Besitz der Rh&ouml;nkliniken befindet, hat am 1.10.2012 eine Rede gehalten, die wir unseren Leserinnen und Lesern zug&auml;nglich machen wollen. Es geht dabei um die Ungleichbehandlung von Patienten, um das Zwei-Klassen-System und die Folgen der weiteren Kommerzialisierung auf das Verh&auml;ltnis von Arzt und Patient.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14621\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,28],"tags":[485,412],"class_list":["post-14621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-privatisierung","tag-pkv","tag-privatkliniken"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14621"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25908,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14621\/revisions\/25908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}