{"id":146246,"date":"2026-02-13T15:24:12","date_gmt":"2026-02-13T14:24:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146246"},"modified":"2026-02-13T18:03:10","modified_gmt":"2026-02-13T17:03:10","slug":"europa-braucht-jetzt-den-mut-zum-frieden-ein-mahnruf-zum-4-jahrestag-des-ukrainekrieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146246","title":{"rendered":"Europa braucht jetzt den Mut zum Frieden &#8211; ein Mahnruf zum 4. Jahrestag des Ukrainekrieges"},"content":{"rendered":"<p>Die Welt erlebt derzeit einen der tiefgreifendsten geopolitischen Umbr&uuml;che seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs &ndash; einen Umbruch, in dem die Europ&auml;ische Union kaum noch als gestaltende Kraft wahrgenommen wird. Damit riskiert sie, zum gro&szlig;en Verlierer dieser globalen Neuordnung zu werden. Von <strong>Harald Kujat<\/strong> und <strong>Michael von der Schulenburg<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4164\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146246-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260213_Europa_braucht_jetzt_den_Mut_zum_Frieden_ein_Mahnruf_zum_4_Jahrestag_des_Ukrainekrieges_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260213_Europa_braucht_jetzt_den_Mut_zum_Frieden_ein_Mahnruf_zum_4_Jahrestag_des_Ukrainekrieges_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260213_Europa_braucht_jetzt_den_Mut_zum_Frieden_ein_Mahnruf_zum_4_Jahrestag_des_Ukrainekrieges_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260213_Europa_braucht_jetzt_den_Mut_zum_Frieden_ein_Mahnruf_zum_4_Jahrestag_des_Ukrainekrieges_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146246-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260213_Europa_braucht_jetzt_den_Mut_zum_Frieden_ein_Mahnruf_zum_4_Jahrestag_des_Ukrainekrieges_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260213_Europa_braucht_jetzt_den_Mut_zum_Frieden_ein_Mahnruf_zum_4_Jahrestag_des_Ukrainekrieges_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Denn die EU befindet sich heute in der wohl schwierigsten Lage seit ihrer Gr&uuml;ndung. Im Osten steht sie vor einem zunehmend aussichtslosen Ukrainekrieg; im S&uuml;den f&uuml;hrt Israel, einer ihrer engsten Partner, mehrere milit&auml;rische Konflikte, die es nicht mehr gewinnen kann. Zugleich befindet sich die transatlantische Allianz durch ihr perspektivloses Engagement an der Seite der Ukraine vor einer Zerrei&szlig;probe. W&auml;hrend Russland die st&auml;ndige Neutralit&auml;t der Ukraine und die Angliederung der sicherheitspolitisch und geostrategisch bedeutenden Gebiete in der Ostukraine fordert, wollen die USA die amerikanische Hemisph&auml;re ausweiten, indem sie nach dem strategisch wichtigen Gr&ouml;nland ihres NATO-Verb&uuml;ndeten D&auml;nemark greifen. Im Iran droht ein v&ouml;llig unkontrollierbarer Krieg, der die europ&auml;ische Nachbarregion des Mittleren Ostens auf Jahre in Unruhen versinken lassen w&uuml;rde. Und mit China, der aufstrebenden globalen Macht, findet die EU keinen stabilen Modus der Zusammenarbeit. Die neue Staatengruppe der BRICS-plus-Staaten, die der EU inzwischen demografisch, wirtschaftlich und technologisch &uuml;berlegen ist, wird von Europa fahrl&auml;ssig ignoriert.<\/p><p>Die Europ&auml;ische Union ist nicht zuletzt durch den Ukrainekrieg geschw&auml;cht und in der Machtarithmetik der gro&szlig;en M&auml;chte zur&uuml;ckgefallen. Noch dazu, weil Europas strukturelle Probleme der sicherheits- und energiepolitischen sowie technologischen Abh&auml;ngigkeit den weltpolitischen Einfluss zus&auml;tzlich mindern. Und die Sanktionen gegen Russland haben unsere Verwundbarkeit offengelegt, interne Divergenzen verst&auml;rkt und zentrifugale Kr&auml;fte befeuert.<\/p><p>Diese Entwicklungen haben bereits heute gravierende geopolitische und wirtschaftliche Folgen &ndash; Folgen, die Sicherheit und Wohlstand kommender Generationen nachhaltig beeintr&auml;chtigen werden. Dennoch f&auml;llt der EU und &ndash; mit wenigen Ausnahmen &ndash; ihren Mitgliedstaaten kaum etwas anderes ein, als mit leeren Drohungen, selbstsch&auml;digenden Sanktionen und einem &uuml;berhasteten, extrem teuren Aufr&uuml;stungsprogramm zu reagieren. In einer Zeit, die n&uuml;chterne Analyse und besonnenes Handeln erfordern w&uuml;rde, versinkt Europa in Selbstgerechtigkeit und Selbst&uuml;bersch&auml;tzung und ist gefangen in einem moralisierten Informationskrieg, das den Blick auf die Realit&auml;t verstellt.<\/p><p>Wir Europ&auml;er &ndash; und das schlie&szlig;t alle nicht zur EU geh&ouml;renden Staaten, inklusive Russland, unseres Kontinents ein &ndash; m&uuml;ssen endlich den Mut aufbringen, einen neuen Weg zur Selbstbehauptung und zum Frieden zu suchen. Dazu muss sich die EU, als gr&ouml;&szlig;te politische Gemeinschaft Europas, aus ihrer selbst auferlegten moralischen Zwangsjacke befreien, die sie daran hindert, mit einem Gegner &uuml;berhaupt zu sprechen. Sie muss beginnen, sich den neuen Realit&auml;ten zu stellen, um der Diplomatie eine echte Chance zu geben.<\/p><p><strong>Die vorrangige Priorit&auml;t muss jetzt ein Frieden auf dem europ&auml;ischen Kontinent sein<\/strong><\/p><p>Die Europ&auml;ische Union und Russland werden auch in Zukunft auf dem europ&auml;ischen Kontinent zusammen &ndash; oder zumindest nebeneinander &ndash; leben m&uuml;ssen. Wie wir Europ&auml;er dieses Verh&auml;ltnis unter uns gestalten, wird entscheidend daf&uuml;r sein, wie gut und sicher wir und kommende Generationen in Europa leben k&ouml;nnen. F&uuml;r beide Seiten ist daher das Verh&auml;ltnis zueinander von grundlegender Bedeutung. Aufgrund ihrer geografischen Lage und ihrer begrenzten Rohstoffbasis ist die EU auf ein stabiles und friedliches Verh&auml;ltnis mit Russland vermutlich noch st&auml;rker angewiesen als umgekehrt.<\/p><p>Wenn wir in Frieden zusammenleben wollen, m&uuml;ssen wir das tun, was wir in den vergangenen vier Jahren konsequent abgelehnt haben: mit Russland &uuml;ber eine friedliche L&ouml;sung des Ukrainekrieges zu verhandeln. Denn nur so schaffen wir die Voraussetzung f&uuml;r eine dauerhafte gesamteurop&auml;ische Sicherheits- und Friedensordnung im Interesse aller Europ&auml;er.<\/p><p>Inzwischen sind &ndash; trotz der weiterhin von Kriegsrhetorik gepr&auml;gten Sprache vieler europ&auml;ischer politischer Eliten &ndash; erste leise Signale zu h&ouml;ren, dass auch eine Verhandlungsl&ouml;sung in Betracht gezogen werden solle. So stellt der deutsche Bundeskanzler nach vier Jahren Krieg doch noch fest, dass auch Russland ein europ&auml;isches Land sei, mit dem man einen Ausgleich anstreben solle. Die italienische Ministerpr&auml;sidentin und der franz&ouml;sische Pr&auml;sident fordern, dass Europa wieder direkte Gespr&auml;che mit Russland f&uuml;hren m&uuml;sse, um an einer m&ouml;glichen Friedensl&ouml;sung im Ukrainekonflikt mitzuwirken. Meloni fordert zudem, dass die EU einen Sondergesandten ernennt, damit man mit einer Stimme spreche. Konkrete Schritte fehlen jedoch bislang; Friedensvorschl&auml;ge gibt es auch nicht. Zu viele glauben noch an einen baldigen Zusammenbruch der russischen Milit&auml;rmacht und hoffen, dass die Ukraine den Krieg doch noch auf dem Schlachtfeld gewinnen k&ouml;nne. <\/p><p>Mit dem <a href=\"https:\/\/tinyurl.com\/mwwz3tzu\">detaillierten Vorschlag zu Friedensverhandlungen<\/a>, den wir gemeinsam mit Horst Teltschik, Peter Brandt, Hajo Funke und Johannes Klotz erarbeitet haben, wollen wir hier einen Beitrag leisten. In dem k&uuml;rzlich von uns ver&ouml;ffentlichten Dokument &bdquo;Ukraine und Russland: Wie dieser Krieg mit einem Verhandlungsfrieden beendet werden kann&ldquo; legen wir pr&auml;zise Vorschl&auml;ge zu den Rahmenbedingungen m&ouml;glicher Verhandlungen vor: zur L&ouml;sung territorialer Fragen, zur Rolle der NATO und einer m&ouml;glichen Neutralit&auml;t der Ukraine, zu Sicherheitsgarantien, zur k&uuml;nftigen St&auml;rke der ukrainischen Armee sowie zu einem Friedensvertrag und einem Waffenstillstand. Dar&uuml;ber hinaus entwickeln wir Ans&auml;tze f&uuml;r eine regionale Sicherheitsarchitektur und eine zuk&uuml;nftige europ&auml;ische Friedensordnung &ndash; ohne die es auch keinen tragf&auml;higen Friedensvertrag f&uuml;r die Ukraine geben kann.<\/p><p>Im Folgenden m&ouml;chten wir auf drei zentrale Voraussetzungen f&uuml;r erfolgreiche Friedensverhandlungen eingehen, die in unserem Vorschlag implizit enthalten sind.<\/p><p><strong>Es muss eine Atmosph&auml;re der Verst&auml;ndigung geschaffen werden<\/strong><\/p><p>Das gr&ouml;&szlig;te Problem der EU und ihrer Mitgliedstaaten besteht darin, dass sie heute in ihrer eigenen Kriegspropaganda gefangen sind. &Ouml;ffentliche Aussagen, in denen der russische Pr&auml;sident mit Hitler verglichen wird, &bdquo;Russland wird immer ein Feind f&uuml;r uns bleiben&ldquo;, Russland &bdquo;aus der Geschichte getilgt&ldquo; werden k&ouml;nne, der russische Staat zerschlagen und in unabh&auml;ngige Einheiten aufgeteilt werden m&uuml;sse, sind &Auml;u&szlig;erungen, die von blindem Hass zeugen und eher typisch f&uuml;r Verlierer sind. Aber Hass ist ein schlechter Ratgeber und ist v&ouml;llig ungeeignet, wenn man ernsthaft Friedensverhandlungen anstreben m&ouml;chte.<\/p><p>Solange westliche Politiker glauben, Russland durch eine beliebige Verl&auml;ngerung des Krieges in die Knie zwingen zu k&ouml;nnen, sind Verhandlungen nicht m&ouml;glich. Dieser Glaube ist zudem gef&auml;hrlich. Nach dem R&uuml;ckzug der USA verf&uuml;gen die europ&auml;ischen NATO-Staaten &ndash; die sich untereinander nicht einmal einig sind &ndash; weder &uuml;ber die finanziellen noch &uuml;ber die milit&auml;rischen Mittel, um einen solchen Kurs durchzuhalten. Es k&ouml;nnte eine Situation entstehen, in der die Verteidigung der ukrainischen Streitkr&auml;fte zusammenbricht. Das w&auml;re unbedingt zu verhindern, denn ein milit&auml;rischer Zusammenbruch w&uuml;rde unweigerlich auch einen politischen Zusammenbruch der Ukraine nach sich ziehen. Der ukrainische Staat w&auml;re dann kaum noch &uuml;berlebensf&auml;hig. Deshalb brauchen wir <strong>jetzt<\/strong> Verhandlungen!<\/p><p>Unter den gegebenen milit&auml;rischen Voraussetzungen m&uuml;ssen wir Verhandlungen daher auch als Chance f&uuml;r die Ukraine begreifen, eine milit&auml;rische Niederlage zu verhindern. Das erfordert eine grundlegende Ver&auml;nderung unserer Haltung gegen&uuml;ber der ukrainischen Regierung und gegen&uuml;ber Russland. Wer einen Verhandlungsfrieden anstrebt, muss auch seine Sprache &auml;ndern. Diplomatische Bem&uuml;hungen setzen Respekt, Zuh&ouml;ren und die Bereitschaft zum Verstehen voraus &ndash; gerade gegen&uuml;ber dem Kriegsgegner. Das ist so bei allen diplomatischen Bem&uuml;hungen, einen Krieg zu beenden, und der Ukrainekrieg bildet keine Ausnahme.<\/p><p><strong>Die durch den Krieg geschaffenen Realit&auml;ten d&uuml;rfen nicht l&auml;nger ignoriert werden<\/strong><\/p><p>In der EU wird der Ukrainekrieg &uuml;berwiegend durch eine moralische Brille betrachtet. Gewiss: Jeder Krieg ist unmoralisch. Doch in Kriegen geht es nicht um moralische Kategorien, sondern ausschlie&szlig;lich um gegens&auml;tzliche Interessen. Diese n&uuml;chterne und f&uuml;r viele irritierende Einsicht ist f&uuml;r ernsthafte Friedensverhandlung unverzichtbar.<\/p><p>Kriege entstehen, wenn zentrale Interessen &ndash; insbesondere solche, die von einer oder beiden Seiten als existenziell betrachtet werden &ndash; politisch oder diplomatisch nicht mehr ausgeglichen werden k&ouml;nnen. Auch im Ukrainekrieg gilt Clausewitz&rsquo; Feststellung: <em>&bdquo;Der Krieg ist eine blo&szlig;e Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.&ldquo;<\/em> Denn Krieg ist kein autonomes oder ausschlie&szlig;lich milit&auml;risches Geschehen, vielmehr bleibt auch im Krieg das politische Ziel handlungsleitend. Da Umfang, Intensit&auml;t und vor allem auch die Beendigung eines milit&auml;rischen Konflikts stets an der politischen Zielsetzung ausgerichtet sind, d&uuml;rfen Politik und Diplomatie in einem Krieg nicht suspendiert werden.<\/p><p>Wer Frieden will, sollte sich daher davor h&uuml;ten, an Maximalforderungen festzuhalten. Forderungen, Russland m&uuml;sse zuerst alle besetzten Gebiete r&auml;umen, hohe Reparationen zahlen, seine politischen F&uuml;hrer vor ein Sondergericht stellen und jede Einwendung gegen eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine aufgeben oder gar die Stationierung von Truppen aus NATO-Staaten auf ukrainischem Gebiet akzeptieren, w&uuml;rden faktisch auf eine Kapitulation Russlands hinauslaufen. Der Kriegsverlauf hat jedoch eine andere Realit&auml;t geschaffen. Die Lage der Ukraine ist &auml;u&szlig;erst kritisch. Sollte Russland seine Ziele durch eine milit&auml;rische Niederlage der Ukraine erreichen, w&uuml;rde das bedeuten, dass Verhandlungen &ndash; falls es &uuml;berhaupt dazu kommt &ndash; von russischen Forderungen ausgehen w&uuml;rden. Denn in allen Kriegen bestimmt der Sieger die Agenda &ndash; das wird auch hier nicht anders sein.<\/p><p><strong>Verhandlungen sollten auf eine positive Friedensperspektive hin ausgerichtet sein<\/strong><\/p><p>Wenn der Krieg milit&auml;risch nicht mehr zu gewinnen ist, bleiben nur Verhandlungen, um eine noch akzeptable L&ouml;sung zu erreichen. Es geht dann darum, durch diplomatischen Interessenausgleich Bedingungen zu finden, die auch f&uuml;r die unterlegene Seite tragbar sind. Die Geschichte kennt viele Beispiele, in denen dies gelungen ist &ndash; und die Ukraine verf&uuml;gt &uuml;ber hervorragende Diplomaten.<\/p><p>In unserem Friedensvorschlag nennen wir daher drei &uuml;bergeordnete Verhandlungsziele, auf die sich alle Beteiligten im Vorfeld einigen sollten. Sie gehen von einer gemeinsamen Verantwortung Russlands und der EU f&uuml;r eine unabh&auml;ngige, stabile und souver&auml;ne Ukraine sowie f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Sicherheit und den Frieden in Europa aus. Es handelt sich daher vorrangig um gesamteurop&auml;ische Friedensziele:<\/p><ol>\n<li><strong>Die Sicherung des Fortbestands der Ukraine<\/strong> als souver&auml;ner, unabh&auml;ngiger und funktionsf&auml;higer europ&auml;ischer Staat &ndash; und die Wiederherstellung einer Zukunftsperspektive f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung nach vier Jahren eines grausamen Krieges.<\/li>\n<li><strong>Den Grundstein einer gesamteurop&auml;ischen Sicherheits- und Friedensordnung<\/strong> zu legen, die sowohl die Sicherheitsinteressen Russlands als auch jene der Ukraine ber&uuml;cksichtigt.<\/li>\n<li>Darauf aufbauend <strong>die Ausarbeitung konkreter L&ouml;sungen f&uuml;r die zentralen Konfliktpunkte<\/strong>, sodass der Krieg bei ausreichender Kompromissbereitschaft beider Seiten beendet werden kann.<\/li>\n<\/ol><p>Da sich in diesen Verhandlungen, wie bei allen Friedensverhandlungen, zutiefst verfeindete Kriegsparteien gegen&uuml;bersitzen werden, k&ouml;nnte man durch die gemeinsame Festlegung positiver Friedensziele auch eine positivere Verhandlungsatmosph&auml;re erzeugen. Es wird sicherlich weiterhin darum gestritten werden, wie diese Ziele erreicht werden. Aber so sind es nicht mehr Verhandlungen zwischen Sieger und Verlierer, sondern Verhandlungen dar&uuml;ber, wie ein gemeinsames Europa mit einer EU und einem Russland und mit einem souver&auml;nen ukrainischen Staat in dessen Mitte aussehen solle.  <\/p><p>Diese Ziele h&auml;tten einen weiteren Vorteil: Sie st&uuml;nden amerikanischen Friedensbem&uuml;hungen nicht entgegen, sondern w&uuml;rden sie durch eine eigenst&auml;ndige europ&auml;ische Verhandlungsschiene sinnvoll erg&auml;nzen. So k&ouml;nnten dann auch amerikanische Interessen mit denen Europas zusammenflie&szlig;en. Das Ergebnis w&auml;re sicherlich ein viel stabilerer und zukunftsweisender Frieden &ndash; aber ein noch verstocktes Europa muss da auch mitmachen wollen.<\/p><p><strong>Ein kurzer Nachgedanke zu Deutschland<\/strong><\/p><p>Die deutsche Regierung scheint in der EU eine F&uuml;hrungsrolle anzustreben, und der Bundeskanzler hat dies auch im Hinblick auf den Ukrainekrieg deutlich gemacht. Deshalb w&auml;re es sinnvoll, wenn Deutschland auch eine F&uuml;hrungsrolle bei der Suche nach einer friedlichen L&ouml;sung &uuml;bern&auml;hme. Das Grundgesetz ist eine Friedensverfassung. Die Pr&auml;ambel weist den verantwortlichen Politikern die Richtung: Deutschland soll &bdquo;als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen&ldquo;.<\/p><p>Deutschland ist der mit Abstand gr&ouml;&szlig;te finanzielle Unterst&uuml;tzer der Ukraine und sollte ein Interesse daran haben, dass seine milliardenschweren Unterst&uuml;tzungszahlungen f&uuml;r den Aufbau der Lebensgrundlagen des schrecklich geschundenen ukrainischen Volkes und nicht f&uuml;r Waffen und weitere Zerst&ouml;rungen ausgegeben werden. Es w&uuml;rde Deutschland den Zugang zu den Rohstoffen und M&auml;rkten des wirtschaftlich aufstrebenden Asiens er&ouml;ffnen. Die in einen Abw&auml;rtsstrudel geratene deutsche Wirtschaft w&uuml;rde am meisten von einem kooperativen Verh&auml;ltnis mit Russland gewinnen.<\/p><p>Hinzu kommt eine besondere historische Verantwortung. Deutschland stand Russland im Ersten und Zweiten Weltkrieg, im Kalten Krieg und steht ihm nun erneut als Gegner gegen&uuml;ber. Gerade deshalb muss es m&ouml;glich sein, einen anderen Weg zu finden &ndash; und zwar aus Deutschlands ureigenem Interesse. So wie Deutschland und Frankreich einst ihre sogenannte Erbfeindschaft &uuml;berwanden, sollte Deutschland heute danach streben, auch im Verh&auml;ltnis zu Russland eine dauerhafte Verst&auml;ndigung zu erreichen. Ein solcher Schritt k&ouml;nnte endlich den Frieden sichern, den der von zahllosen Kriegen zerrissene europ&auml;ische Kontinent so dringend braucht.<\/p><p>Wir hoffen, dass wir mit unserem Friedensvorschlag einen kleinen Beitrag dazu leisten k&ouml;nnen.<\/p><p><small>Titelbild: Tetiana Chernykova \/ shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Zu den Autoren:<\/em><\/p><p><em><strong>Harald Kujat<\/strong>, General a.D., war von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr und von 2002 bis 2005 Vorsitzender des NATO-Milit&auml;rausschusses, der h&ouml;chsten milit&auml;rischen Position der Nordatlantischen Allianz. In dieser Funktion war er auch Vorsitzender des NATO-Russland-Rates und der NATO-Ukraine-Kommission der Generalstabschefs.<\/em><\/p><p><em><strong>Michael von der Schulenburg<\/strong> arbeitete 34 Jahre f&uuml;r die Vereinten Nationen und kurz der OSZE in vielen Krisen- und Kriegsgebieten der Welt, zuletzt im Rang eines UN Assistant Secretary-Generals. Seit 2024, ist Schulenburg Mitglied des Europ&auml;ischen Parlaments und besch&auml;ftigt sich haupts&auml;chlich mit au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Fragen. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt erlebt derzeit einen der tiefgreifendsten geopolitischen Umbr&uuml;che seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs &ndash; einen Umbruch, in dem die Europ&auml;ische Union kaum noch als gestaltende Kraft wahrgenommen wird. Damit riskiert sie, zum gro&szlig;en Verlierer dieser globalen Neuordnung zu werden. 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