{"id":14631,"date":"2012-10-05T09:19:22","date_gmt":"2012-10-05T07:19:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14631"},"modified":"2015-05-02T09:20:33","modified_gmt":"2015-05-02T07:20:33","slug":"steinbruck-und-seine-nebeneinkunfte-wie-die-suddeutsche-zeitung-politische-korruption-verharmlost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14631","title":{"rendered":"Steinbr\u00fcck und seine Nebeneink\u00fcnfte &#8211; Wie die S\u00fcddeutsche Zeitung politische Korruption verharmlost"},"content":{"rendered":"<p>Vor zwei Jahren ver&ouml;ffentlichte die S&uuml;ddeutsche Zeitung ein mehr als zwanzig Artikel umfassendes <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wozu_noch_Journalismus\">Dossier<\/a> zum Thema &bdquo;Wozu noch Journalismus&ldquo;. In seinem <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/serie-wozu-noch-journalismus-philosoph-und-spuerhund-1.949391\">Debattenbeitrag<\/a> erhebt der SZ-Journalist Hans Leyendecker die Frage, &bdquo;wie Medien mit ihrer Rolle als Vermittler zwischen Wirtschaft, Politik und Publikum und mit ihrer Rolle als Kritiker und Kontrolleur umgehen&ldquo; zur zentralen Frage f&uuml;r eine funktionierende Demokratie. Gemessen an diesem Standard erweist der Artikel <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/nebeneinnahmen-des-spd-kanzlerkandidaten-es-braucht-keine-steinbrueck-klausel-1.1485303\">&bdquo;Es braucht keine Steinbr&uuml;ck-Klausel&ldquo;<\/a> des SZ-Journalisten Detlef Esslinger der Demokratie einen B&auml;rendienst, verwechselt er doch die Kontroll- und Kritik-Funktion der Medien mit einem Persilschein f&uuml;r Selbstbedienungsmentalit&auml;t der politischen Eliten. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nPeer Steinbr&uuml;ck ist <a href=\"http:\/\/blog.abgeordnetenwatch.de\/2010\/08\/17\/ein-buch-29-vortrage-und-einige-hunderttausend-euro-die-nebeneinkunfte-des-peer-steinbruck\/\">Nebeneinkommensmillion&auml;r<\/a>. In der aktuellen Legislaturperiode konnte er als Vortragsreisender ein h&ouml;heres Einkommen erzielen als die Bundeskanzlerin f&uuml;r ihre Hauptt&auml;tigkeit. Wenn ein ehemaliger Finanzminister und designierter Kanzlerkandidat f&uuml;r Vortr&auml;ge bei Unternehmen und Verb&auml;nden der Finanzbranche innerhalb von zwei Jahren rund eine Million Euro kassiert, ist das f&uuml;r die allermeisten Beobachter ein Skandal. W&auml;re Steinbr&uuml;ck nicht Finanzminister gewesen, sondern &bdquo;nur&ldquo; Leiter eines st&auml;dtischen Bauamts und h&auml;tte nicht von der Finanz-, sondern von der Baubranche f&uuml;rstliche Vortragshonorare eingestrichen, s&auml;&szlig;e er heute nicht auf dem gem&uuml;tlichen Sessel bei G&uuml;nther Jauch, sondern auf der harten Anklagebank eines Gerichts. In Deutschland gibt es strenge Vorschriften f&uuml;r Beamte und Angestellte des &ouml;ffentlichen Dienstes, mit denen man der Korruption und der Vorteilsnahme im Amt Herr werden will. F&uuml;r Bundestagsabgeordnete gibt es diese Regeln nicht, da der Bundestag sich immer noch beharrlich weigert, der UN-Konvention gegen Korruption <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2012\/exklusiv-wir-veroffentlichen-das-geheime-gutachten-das-strengere-gesetze-gegen-abgeordnetenbestechung-fordert\/\">beizutreten<\/a>, die mittlerweile von 161 Staaten ratifiziert wurde. Damit befindet sich Deutschland bei der Abgeordnetenbestechung in einem &bdquo;exklusiven&ldquo; Klub mit Saudi-Arabien, Myanmar, dem Sudan und Nordkorea. Die Umsetzung der UN-Konvention gegen Korruption w&uuml;rde dem entsprechen, was der Linken-Politiker Ulrich Maurer &ouml;ffentlichkeitswirksam als <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Linke-will-Steinbrueck-Klausel-article7371221.html\">&bdquo;Steinbr&uuml;ck-Klausel&ldquo;<\/a> bezeichnet hat &ndash; klaren und transparenten Regeln, mit denen man der politischen Korruption Einhalt gebieten kann.<\/p><p>Dies sieht SZ-Journalist Detlef Esslinger g&auml;nzlich anders. F&uuml;r ihn gibt es hier &bdquo;nicht die geringsten Indizien f&uuml;r einen Interessenkonflikt&ldquo;. Damit steht Esslinger freilich allein auf weiter Flur. Vielleicht sollte er seinen juristisch geschulten, aber nicht minder steinbr&uuml;ckfreundlichen, Kollegen und ehemaligen Richter Heribert Prantl einmal konsultieren. Was h&auml;tte Prantl gesagt, wenn er in einem Fall &uuml;ber einen Beh&ouml;rdenleiter zu richten h&auml;tte, der in seiner aktiven Zeit einer Anwaltskanzlei ohne Ausschreibung einen lukrativen Auftrag zugeschanzt hatte und sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt von dieser Kanzlei f&uuml;rstlich f&uuml;r einen Honorarvortrag bezahlen lie&szlig;? W&uuml;rde Richter Prantl hier auch nicht das geringste Indiz f&uuml;r einen Interessenkonflikt sehen? Wohl kaum. Richter Prantl w&uuml;rde sicher auch Indizien f&uuml;r einen solchen Konflikt sehen, wenn ein ehemaliger Beh&ouml;rdenleiter lukrative Honorarvortr&auml;ge bei einem Unternehmen halten w&uuml;rde, zu dessen Gunsten und zu Lasten der &ouml;ffentlichen Kassen er in seiner Amtszeit <a href=\"http:\/\/taz.de\/Debatte-Peer-Steinbrueck\/!102766\/\">Entscheidungen getroffen hat<\/a>. Juristisch unterscheidet sich der Beh&ouml;rdenleiter jedoch vom Abgeordneten Steinbr&uuml;ck. <em> Nullum crimen sine lege<\/em> [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] ist ein fundamentaler Grundsatz des Strafrechts und Peer Steinbr&uuml;ck hat zwar <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDEBEE89202E20121003\">von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/themen\/politik\/steinbrueckhonorare100.html\">Deutschen Bank<\/a> Geld angenommen &ndash; dies ist jedoch wohl nicht strafbar, da es in Deutschland immer noch kein Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung gibt. <\/p><p>Steinbr&uuml;ck k&ouml;nne, so Esslinger gar nicht korrumpierbar sein, da er ja ein Abgeordneter der Opposition ist. Diese Argumentation ist schon ziemlich schr&auml;g. Es gibt kein Land, in dem Abgeordnetenbestechung strafbar ist, in dem dieses Gesetz nur f&uuml;r die Regierungsparteien gilt. Bei der Beantwortung der Frage, ob Steinbr&uuml;ck korrumpierbar ist, darf man nat&uuml;rlich auch seine Vergangenheit nicht ausblenden. Auch f&uuml;r Amtstr&auml;ger und Besch&auml;ftigte im &ouml;ffentlichen Dienst gelten die Straftatbest&auml;nde Vorteilsnahme und Bestechlichkeit, wenn das Geld nach der aktiven Dienstzeit flie&szlig;t. <\/p><p>&bdquo;Nat&uuml;rlich&ldquo; kann es sich Esslinger auch nicht verkneifen, Steinbr&uuml;cks Nebeneink&uuml;nfte auf abstruse Art und Weise mit den Eink&uuml;nften Oskar Lafontaines zu vergleichen. Laut Esslinger braucht es &bdquo;eine &ldquo;Steinbr&uuml;ck-Klausel&rdquo; [&hellip;] so wenig wie eine Recherche, auf welche Weise Oskar Lafontaine einst seinen Prachtbau auf dem saarl&auml;ndischen Berg finanziert hat&ldquo;. Selbst einem Detlef Esslinger d&uuml;rfte jedoch kein Fall bekannt sein, in dem der ehemalige Finanzminister Oskar Lafontaine Geld oder geldwerte Leistungen von Unternehmen und Verb&auml;nden bezogen hat, die in seinem ehemaligen Arbeitsbereich t&auml;tig sind. Neben seinen Pensionen &ndash; &uuml;ber die man streiten kann &ndash; und seiner &bdquo;journalistischen&ldquo; T&auml;tigkeit beim Springer-Verlag &ndash; &uuml;ber die man ebenfalls streiten kann &ndash; hat Lafontaine als sehr erfolgreicher Buchautor hohe Eink&uuml;nfte erzielt. Das ist sowohl rechtlich als auch moralisch ein gro&szlig;er Unterschied zu Steinbr&uuml;ck. Aber Lafontaines Villa muss wohl immer als Totschlagargument herhalten, wenn man sich argumentativ in einer Notlage befindet. <\/p><p>F&uuml;r Detlef Esslinger hat sich Peer Steinbr&uuml;ck getreu den Buchstaben des Gesetzes verhalten. Aber nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist jedoch auch moralisch richtig. Diese Lektion sollte sich SZ-Journalist Esslinger hinter die Ohren schreiben. Sein Kommentar ist jedoch nicht als juristische, sondern als moralische Verteidigung Steinbr&uuml;cks konzipiert, was die Sache keinesfalls besser macht. Journalisten, die Steinbr&uuml;cks Nebeneink&uuml;nfte kritisieren, werden von Esslinger als &bdquo;Schwadroneure&ldquo; verunglimpft. Und &uuml;berhaupt: Die kritischen Journalisten sollten sich gef&auml;lligst selbst an die Nase fassen und zun&auml;chst &bdquo;sichergehen, dass [sie] noch nie vor einem Industrieverband als Moderator f&uuml;r eine Podiumsdiskussion gemietet wurden&ldquo;. Der Kollege Esslinger mag <a href=\"http:\/\/www.vhw.de\/home\/regionalkongress-sued-am-4-september-2012-in-muenchen\/\">gut gebucht<\/a> sein, f&uuml;r das Gros der Journalisten trifft dies nicht zu. Auch wenn Herr Esslinger das angesichts seiner pers&ouml;nlichen Interpretation des Berufsethos nicht verstehen wird &ndash; aufrechte Journalisten w&uuml;rden ein solches Angebot &uuml;berhaupt nicht annehmen und da haben sie durchaus etwas mit aufrechten Politikern gemeinsam. Tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Esslinger bei der S&uuml;ddeutschen Zeitung nicht nur journalistisch t&auml;tig ist, sondern dass dort auch die Ausbildung der Volont&auml;re in <a href=\"http:\/\/kress.de\/kresskoepfe\/kopf\/profil\/3105-detlef-esslinger.html\">seinen Verantwortungsbereich f&auml;llt<\/a>. Man kann sich denken, was der Nachwuchs in Sachen Berufsethos bei der S&uuml;ddeutschen Zeitung lernt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] auf Deutsch: keine Verbrechen ohne Gesetz<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/9185dfd4a6de41528514474da9094b7b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Jahren ver&ouml;ffentlichte die S&uuml;ddeutsche Zeitung ein mehr als zwanzig Artikel umfassendes <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wozu_noch_Journalismus\">Dossier<\/a> zum Thema &bdquo;Wozu noch Journalismus&ldquo;. In seinem <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/serie-wozu-noch-journalismus-philosoph-und-spuerhund-1.949391\">Debattenbeitrag<\/a> erhebt der SZ-Journalist Hans Leyendecker die Frage, &bdquo;wie Medien mit ihrer Rolle als Vermittler zwischen Wirtschaft, Politik und Publikum und mit ihrer Rolle als Kritiker und Kontrolleur umgehen&ldquo; zur zentralen Frage<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14631\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,183],"tags":[529,734,253,460],"class_list":["post-14631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-medienkritik","tag-freshfields","tag-leyendecker-hans","tag-steinbrueck-peer","tag-sz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14631"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25909,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14631\/revisions\/25909"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}