{"id":146387,"date":"2026-02-17T11:21:21","date_gmt":"2026-02-17T10:21:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146387"},"modified":"2026-02-22T06:45:15","modified_gmt":"2026-02-22T05:45:15","slug":"appell-von-militaers-an-jeden-buerger-sich-auf-verteidigung-vorzubereiten-militaerisch-politischer-verlautbarungsjournalismus-vom-spiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146387","title":{"rendered":"Appell von Milit\u00e4rs an jeden B\u00fcrger, sich auf \u201eVerteidigung\u201c vorzubereiten \u2013 milit\u00e4risch-politischer Verlautbarungsjournalismus vom Spiegel"},"content":{"rendered":"<p>Der Generalinspekteur der Bundeswehr und der britische Generalstabchef <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/bedrohung-durch-russland-carsten-breuer-und-richard-knighton-fordern-aufruestung-europas-a-460da50a-5062-44dd-b46e-00b1e965b0d2?sara_ref=re-so-x-rss#ref=rss\">fordern in einem Offenen Brief die Aufr&uuml;stung Europas<\/a>. Darin <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus699189ad0abe5c8b74ed0574\/verteidigung-wir-handeln-gemeinsam-nicht-nur-grossbritannien-und-deutschland.html\">appellieren sie<\/a> an jeden einzelnen B&uuml;rger, sich auf &bdquo;Verteidigung&ldquo; vorzubereiten. Ein solcher Brief des rangh&ouml;chsten deutschen Offiziers ist im Hinblick auf eine Entsch&auml;rfung des Konflikts mit Russland eine Katastrophe. Der <em>Spiegel<\/em> berichtet zwar vordergr&uuml;ndig sachlich &uuml;ber den Brief &ndash; doch &bdquo;sachlich&ldquo; ist hier nicht &bdquo;neutral&ldquo;. Bestellt die Politik das Feld der Kriegspropaganda, m&uuml;ssen Redaktionen ihr den Pflug aus der Hand nehmen &ndash; und sich nicht als Esel davorspannen lassen. Sonst entsteht dabei ein politisch-milit&auml;rischer Verlautbarungsjournalismus. Eine Medienanalyse von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4355\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146387-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260217_Appell_von_Militaers_an_jeden_Buerger_sich_auf_Verteidigung_vorzubereiten_militaerisch_politischer_Verlautbarungsjournalismus_vom_Spiegel_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260217_Appell_von_Militaers_an_jeden_Buerger_sich_auf_Verteidigung_vorzubereiten_militaerisch_politischer_Verlautbarungsjournalismus_vom_Spiegel_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260217_Appell_von_Militaers_an_jeden_Buerger_sich_auf_Verteidigung_vorzubereiten_militaerisch_politischer_Verlautbarungsjournalismus_vom_Spiegel_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260217_Appell_von_Militaers_an_jeden_Buerger_sich_auf_Verteidigung_vorzubereiten_militaerisch_politischer_Verlautbarungsjournalismus_vom_Spiegel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146387-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260217_Appell_von_Militaers_an_jeden_Buerger_sich_auf_Verteidigung_vorzubereiten_militaerisch_politischer_Verlautbarungsjournalismus_vom_Spiegel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260217_Appell_von_Militaers_an_jeden_Buerger_sich_auf_Verteidigung_vorzubereiten_militaerisch_politischer_Verlautbarungsjournalismus_vom_Spiegel_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In Zeiten, in denen Politiker, Milit&auml;rs und Experten unaufh&ouml;rlich von einem Krieg sprechen, der angeblich &bdquo;droht&ldquo;, ist echter Journalismus gefragt. In Zeiten, in denen Politiker, Milit&auml;rs und Experten immer wieder vor dem Angriff eines als feindlich betrachteten Landes reden, brauchen Staat, Land, Demokratie und Gesellschaft die &bdquo;Vierte Macht&ldquo;. Jetzt kommt es darauf an: Sind Medien dem gewachsen, was in einer solchen Zeit den B&uuml;rgern in zunehmend hoher Dosierung verabreicht wird?<\/p><p>Journalisten m&uuml;ssen im Allgemeinen, und in Zeiten der Kriegstrommelei erst recht, Propaganda so schnell erkennen, wie ein Tier Nahrung riecht. Journalisten m&uuml;ssen in der Lage sein, Propaganda zu dekonstruieren und publizistisch in Richtung der Absender zu schleudern. Denn mit das Schlimmste, was einer Gesellschaft passieren kann, ist, dass sie der Kriegspropaganda anheim f&auml;llt.<\/p><p>Jeder Journalist wei&szlig;, dass Kriege vom Grundsatz her von allen L&auml;ndern, ob sie nun selbst ein Land angegriffen haben oder zu den Angegriffenen z&auml;hlen, nur aus guten, edlen, gerechten und anst&auml;ndigen Motiven gef&uuml;hrt werden &ndash; egal wie b&ouml;se und barbarisch ein Land agiert.<\/p><p>Ferner wei&szlig; jeder Journalist, dass grunds&auml;tzlich in allen L&auml;ndern, die in Kriege verstrickt sind, Kriegspropaganda anzutreffen ist. Der Grund ist denkbar einfach: Kein normaler Mensch will in einen Krieg verstrickt werden und auf dem Schlachtfeld j&auml;mmerlich verrecken. Menschen &ndash; oder genauer: B&uuml;rger &ndash; werden nur dann in den Krieg ziehen, wenn ihnen solange eingeh&auml;mmert wurde, dass die &bdquo;Verteidigung&ldquo; oder gar der Angriff die einzige M&ouml;glichkeit ist, um das eigene Land und die Mitmenschen vor einem gro&szlig;en Schaden zu bewahren.<\/p><p>Journalisten sind aufgrund ihrer beruflichen Profession und ihres speziellen Wissens dazu vorgesehen, sich in einem politisch hochbrisanten Spannungsfeld zu bewegen. Wenn Politiker das Feld der Kriegspropaganda bestellen, m&uuml;ssen ihnen Journalisten, so schnell es &uuml;berhaupt nur geht, den Pflug aus der Hand nehmen &ndash; und sich nicht als Esel davorspannen lassen.<\/p><p>Doch da gibt es: &bdquo;unsere Medien&ldquo;. Und es gibt den <em>Spiegel<\/em>.<\/p><p>Am Montag ver&ouml;ffentlichte der <em>Spiegel<\/em> einen Artikel mit der Dachzeile:<\/p><blockquote><p>\n<em>Bedrohung durch Russland<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Darunter die &Uuml;berschrift:<\/p><blockquote><p>\n<em>Topmilit&auml;rs aus Deutschland und Gro&szlig;britannien fordern Aufr&uuml;stung <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Im Vorspann hei&szlig;t es: &bdquo;In einem offenen Brief mahnen Bundeswehr-Generalinspekteur Breuer und der britische Generalstabschef Knighton, sich rechtzeitig auf einen m&ouml;glichen Angriff Russlands vorzubereiten. Ihr Appell richtet sich auch an jeden einzelnen B&uuml;rger.&ldquo;<\/p><p>Alles, was dem Leser bis zu dieser Stelle von dem Qualit&auml;tsmagazin zugemutet wird, ist journalistisch eine Katastrophe &ndash; obwohl der Artikel weitestgehend nachrichtlich verfasst ist, aber dazu gleich mehr.<\/p><p>Los geht es mit der Dachzeile.<\/p><p>&bdquo;Bedrohung durch Russland&ldquo; &ndash; die Aussage ist von der Redaktion auf eine Weise aufgesetzt, als entspr&auml;che der kommunizierte Inhalt der Realit&auml;t. Man muss wahrlich keine Haar spalten, aber die genaue Auseinandersetzung ist an dieser Stelle angebracht.<\/p><p>Die Frage, ob es f&uuml;r Deutschland eine Bedrohung durch Russland gibt, ist m&ouml;glicherweise die Frage &uuml;ber Krieg und Frieden. Schon jetzt ist die Frage, ob Russland eine Bedrohung f&uuml;r Deutschland darstellt, mit einem gigantischen Aufr&uuml;stungsprogramm verbunden. Doch, wie zu sehen ist: Der <em>Spiegel<\/em> stellt an dieser Stelle keine (!) Frage. Es gibt stattdessen eine Dachzeile, die eine umstrittene Vorstellung von Wirklichkeit als gegeben ansetzt. Das Problem: Diese &bdquo;Bedrohung durch Russland&ldquo; ist in den K&ouml;pfen von gewissen Politikern und Milit&auml;rs &ndash; ob sie tats&auml;chlich besteht, daran scheiden sich die Ansichten, aber vor allem auch: Alleine schon der gesunde Menschenverstand fordert Zweifel.<\/p><p>Russland verf&uuml;gt &uuml;ber rund 145 Millionen B&uuml;rger. Alleine die EU umfasst 450 Millionen B&uuml;rger. Unter den v&ouml;llig abwegigen Pr&auml;missen, dass Russland von sich aus einen Krieg gegen die NATO er&ouml;ffnen w&ouml;llte, dass Russland vielleicht sogar Deutschland angreifen w&ouml;llte, dass Russland sogar glauben w&uuml;rde, diesen Krieg &bdquo;gewinnen&ldquo; zu k&ouml;nnen: Wie sollen 450 Millionen B&uuml;rger &ndash; oder die Anzahl an B&uuml;rger, die nach einem &ndash; sagen wir &ndash; nicht-nuklear gef&uuml;hrten Krieg noch am Leben w&auml;re &ndash; von Russland unter Kontrolle gebracht werden? Alleine die EU umfasst 24 Sprachen, etwa 60 weitere Minderheitensprachen, dazu all die unterschiedlichen Mentalit&auml;ten usw. Von den eigenen Verlusten an Menschenleben Russlands einmal ganz abgesehen: Nach einem &bdquo;gewonnenen&ldquo; Krieg k&auml;me f&uuml;r Russland der Krieg nach dem Krieg. Partisanen, unbeugsame Bev&ouml;lkerungen, Widerst&auml;ndige. F&uuml;r Russland w&auml;re es ein Albtraum &ndash; l&auml;ngst nicht nur administrativ.<\/p><p>Hinzu kommt: Realistisch betrachtet wird ein Krieg zwischen NATO und Russland aller Voraussicht nach schnell nuklear eskalieren &ndash; denn sowohl f&uuml;r die NATO-Staaten als auch f&uuml;r Russland wird es um alles gehen. Ein Nuklearkrieg w&uuml;rde aber sowohl Europa als auch Russland zerst&ouml;ren. Mit anderen Worten: Ob auf die eine oder andere Weise: Ein Russland, das aus freier Entscheidung und aus Gro&szlig;machtsinteresse die NATO angreift, ergibt schlicht keinen Sinn.<\/p><p>Der <em>Spiegel<\/em> m&uuml;sste im Zusammenhang mit dem Offenen Brief von Generalinspekteur Carsten Breuer und Richard Knighton, dem Generalstabschef der britischen Streitkr&auml;fte, mit <em>journalistischer Distanz<\/em> agieren. Die Dachzeile &bdquo;Bedrohung durch Russland&ldquo; sollte erg&auml;nzt werden mit dem Begriff &bdquo;angeblich&ldquo;.<\/p><p>Doch der <em>Spiegel<\/em> berichtet vordergr&uuml;ndig &bdquo;nachrichtlich&ldquo; &uuml;ber ein Thema, das von vorne bis hinten von Propaganda durchdrungen ist, ohne diese so dringend notwendige Distanz. Sachlich, nachrichtlich: Das ist an dieser Stelle nicht objektiv. Die Aussage von der &bdquo;Bedrohung durch Russland&ldquo; &ndash; sie wirkt hier so &bdquo;real&ldquo;, wie es damals f&uuml;r viele Qualit&auml;tsmedien die Massenvernichtungswaffen im Irak waren. Dass es sich hier <em>nicht<\/em> um einen handwerklichen Schnitzer handelt, wird im weiteren Verlauf deutlich.<\/p><p>In der &Uuml;berschrift w&auml;hlt die Spiegelredaktion die Formulierung: &bdquo;Topmilit&auml;rs&ldquo;.<\/p><p>Breuer ist Vier-Sterne-General. Auch Richard Knighton ist ein Vier-Sterne-General. Die Formulierung &bdquo;Topmilit&auml;rs&ldquo; ist insofern sicherlich richtig, weil es sich bei beiden um die rangh&ouml;chsten Milit&auml;rs handelt. Allerdings steckt der Teufel im Detail.<\/p><p>Seit langem ist es eine Unsitte von Medien, Experten bei der Vorstellung in ihren Beitr&auml;gen mit der Voranstellung &bdquo;Top&ldquo; anzuf&uuml;hren. Da gibt es einen &bdquo;Top-Virologen&ldquo;, &bdquo;Top-Mediziner&ldquo;, &bdquo;Top-Experten&ldquo; und eben &bdquo;Top-Milit&auml;rs&rdquo;.<\/p><p>Diese Formulierung mag einerseits eine Marotte sein, die auf redaktionelle Aufmerksamkeitsw&uuml;nsche zur&uuml;ckgeht. Redaktionen wollen Mediennutzern eben vermitteln, dass sie hier ganz besondere Experten sprechen lassen. Doch so einfach ist es nicht.<\/p><p>Journalisten beeinflussen subtil auf vielen verschiedenen Wegen Mediennutzer. Wer die &bdquo;Berichterstattung&ldquo; verfolgt, merkt schnell: Immer wieder findet die Formulierung &bdquo;Top&ldquo; dann in den Mainstreammedien Anwendung, wenn es darum geht, nicht nur einen als besonders bef&auml;higten Sprecher anzuf&uuml;hren. Die Formulierung &bdquo;Top&ldquo; verwenden Redaktionen sehr gerne dann, wenn der &bdquo;Top-Milit&auml;r&ldquo; das ausspricht, was der eigenen Sicht entspricht. Zitieren Redaktionen Fachleute, deren Meinung sie nicht vertreten, f&uuml;hren sie die Formulierung &bdquo;umstritten&ldquo; an. Dann ist es nicht der &bdquo;Top-Milit&auml;r&ldquo;, sondern etwa ein &bdquo;umstrittener&ldquo;, &bdquo;russlandfreundlicher&ldquo; usw. ehemalige General, der&hellip; .<\/p><p>Kurzum: &Uuml;ber die Formulierung &bdquo;Top&ldquo; werten Redaktionen scheinbar sachlich einen Sprecher auf. Beim Leser kommt an, dass hier einer spricht, dessen Aussage einen besonderen Wert haben muss.<\/p><p>Nun zum Vorspann:<\/p><blockquote><p>\n<em>In einem offenen Brief mahnen Bundeswehr-Generalinspekteur Breuer und der britische Generalstabschef Knighton, sich rechtzeitig auf einen m&ouml;glichen Angriff Russlands vorzubereiten. Ihr Appell richtet sich auch an jeden einzelnen B&uuml;rger.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auch der Vorspann wirkt vordergr&uuml;ndig &bdquo;neutral&ldquo;. Sachlich &bdquo;informiert&ldquo; der <em>Spiegel<\/em> seine Leser &uuml;ber die Nachricht und zentrale Aussagen aus dem Brief.<\/p><p>Allerdings: Insbesondere in Anbetracht dessen, dass im Hinblick auf einen Angriff Russlands, vor dem die beiden Milit&auml;rs warnen, die Ansichten weit auseinandergehen, m&uuml;sste auch an dieser Stelle dringend eine journalistische Perspektivierung erfolgen. Zum Beispiele w&auml;re anzumerken: Andere &bdquo;Top-Experten&ldquo; (wenn diese Formulierung denn schon Anwendung finden soll) &bdquo;widersprechen&ldquo;.<\/p><p>Doch das ist nicht der Fall.<\/p><p>Und nun kommt eine Stelle, an der es journalistisch v&ouml;llig untragbar wird. Der <em>Spiegel<\/em> schreibt: &bdquo;Ihr Appell richtet sich auch an jeden einzelnen B&uuml;rger.&ldquo;<\/p><p>Diese Aussage &ndash; aber im Grunde genommen der gesamte Artikel &ndash; richtet seine Aufmerksamkeit auf die Breite der Gesellschaft. Er setzt das Schlaglicht gar auf &bdquo;jeden einzelnen B&uuml;rger&ldquo;, der sich &bdquo;vorbereiten&ldquo; soll &ndash; f&uuml;r die &bdquo;Verteidigung&ldquo;. 13 Mal kommt der Begriff in dem Artikel alleine oder in zusammengesetzter Form vor. Doch was hei&szlig;t denn &bdquo;Verteidigung&ldquo;? Am langen Ende hei&szlig;t &bdquo;Verteidigung&ldquo; wahrscheinlich: Krieg.<\/p><p>Bei Lichte betrachtet: Was w&uuml;rde es bedeuten, wenn ein Angriff Russlands auf Deutschland bevorstehen k&ouml;nnte? Das gesamte Land, alle B&uuml;rger m&uuml;ssten im Grunde genommen alles stehen und liegen lassen. Sie m&uuml;ssten in Anbetracht der damit verbundenen nuklearen Gefahr, so schnell es &uuml;berhaupt nur geht, das Land (und besser noch: ganz Europa!) verlassen. Diejenigen, die dazu nicht in der Lage w&auml;ren, m&uuml;ssten sich im Bunkerbau versuchen, sie m&uuml;ssten in jene Gegenden ziehen, in denen sie vielleicht vor Angriffen wenigstens noch eine gewisse &Uuml;berlebenschance h&auml;tten. Gro&szlig;e St&auml;dte wie etwa Berlin w&auml;ren unverz&uuml;glich nur noch als Geisterstadt wahrzunehmen.<\/p><p>Anders gesagt: Wie sollen sich denn B&uuml;rger, wenn sie nicht gerade zu jenen extremen Schritten bereit sind, die hier kurz skizziert wurden, auf einen Krieg mit Russland &bdquo;vorbereiten&ldquo;? F&uuml;r 14 Tage Nahrungsmittelvorrat anlegen, das Auto vollgetankt in die Garage stellen und schonmal Oma Erna bei sich im Keller unterbringen?<\/p><p>Und nochmal: Welchen Sinn, welchen Zweck h&auml;tte ein solcher Angriff Russlands auf einen NATO-Staat? Und vor allem auch: Wenn es zu einem Krieg mit Russland kommen sollte, dann w&uuml;rden alle politischen Verantwortungs- und Entscheidungstr&auml;ger in die Geschichtsb&uuml;cher als jene Politiker eingehen, die vielleicht die gr&ouml;&szlig;te Katastrophe der Menschheit <em>nicht verhindern wollten<\/em> &ndash; und ein Krieg mit Russland lie&szlig;e sich eben ziemlich leicht verhindern, wenn denn der politische Wille vorhanden w&auml;re.<\/p><p>Um es abzuk&uuml;rzen: Obwohl der Spiegel-Artikel nachrichtlich, sachlich, n&uuml;chtern angesetzt ist, hat er eine schwere journalistische Schlagseite. Die journalistischen Unzul&auml;nglichkeiten beginnen in der Dachzeile, ziehen sich in die &Uuml;berschrift, kommen im Teaser zum Vorschein und finden sich dann auch im Artikel selbst. Der Artikel selbst wirkt zwar nachrichtlich, aber dadurch, dass an keiner Stelle Stimmen angef&uuml;hrt werden, die den Milit&auml;rs widersprechen, spiegelt sich in dem Beitrag ein milit&auml;risch-politischer Verlautbarungsjournalismus.<\/p><p>Deutlich wird: Das vordergr&uuml;ndig der Leserschaft nachrichtlich, sachlich, n&uuml;chtern Pr&auml;sentierte ist in Wirklichkeit kein objektiver Journalismus. In der &bdquo;Sachlichkeit&ldquo; versteckt sich redaktionelle Parteiischkeit.<\/p><p>Die Aussagen der &bdquo;Top-Milit&auml;rs&ldquo; sch&uuml;ren &Auml;ngste in der Bev&ouml;lkerung. Und: Die Aussagen k&ouml;nnen das friedliche Zusammenleben der deutschen und russischst&auml;mmigen Bev&ouml;lkerung in Deutschland weiter sch&auml;digen.<\/p><p>Echte journalistische Objektivit&auml;t, Perspektivierung, Distanzierung und Kritikf&auml;higkeit sind in einem solchen Beitrag dringend erforderlich.<\/p><p>Sonst kommen Redaktionen, die sich einem &bdquo;Weltbildjournalismus&ldquo; verpflichtet f&uuml;hlen, doch auch nicht schnell genug damit hinterher, &bdquo;kritisch einzuordnen&ldquo;. Auf eine kritische Einordnung wird hier verzichtet. Das Ergebnis ist ein &bdquo;Journalismus&ldquo;, der sich &ndash; ob bewusst oder unbewusst &ndash; zum verl&auml;ngerten Arm von Propaganda macht.<\/p><p>In ihrem Brief schreiben die beiden Milit&auml;rs &uuml;brigens: &bdquo;Aufr&uuml;sten ist kein Kriegstreiben. Sondern das verantwortungsvolle Handeln von Nationen, die entschlossen sind, ihre Bev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen und den Frieden zu bewahren.&ldquo; Dem g&auml;be es viel entgegenzusetzen &ndash; inhaltlich und argumentativ. Wo sind diese Stimmen in den Medien?<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Spiegel<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Beitrag<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146537\">Leserbriefe zu &bdquo;Appell von Milit&auml;rs an jeden B&uuml;rger, sich auf &bdquo;Verteidigung&ldquo; vorzubereiten &ndash; milit&auml;risch-politischer Verlautbarungsjournalismus vom Spiegel&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Generalinspekteur der Bundeswehr und der britische Generalstabchef <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/bedrohung-durch-russland-carsten-breuer-und-richard-knighton-fordern-aufruestung-europas-a-460da50a-5062-44dd-b46e-00b1e965b0d2?sara_ref=re-so-x-rss#ref=rss\">fordern in einem Offenen Brief die Aufr&uuml;stung Europas<\/a>. Darin <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus699189ad0abe5c8b74ed0574\/verteidigung-wir-handeln-gemeinsam-nicht-nur-grossbritannien-und-deutschland.html\">appellieren sie<\/a> an jeden einzelnen B&uuml;rger, sich auf &bdquo;Verteidigung&ldquo; vorzubereiten. Ein solcher Brief des rangh&ouml;chsten deutschen Offiziers ist im Hinblick auf eine Entsch&auml;rfung des Konflikts mit Russland eine Katastrophe. Der <em>Spiegel<\/em> berichtet zwar vordergr&uuml;ndig sachlich &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146387\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":146388,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,183,11],"tags":[3293,2472,893,259,420,244],"class_list":["post-146387","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bellizismus","tag-expertokratie","tag-militarisierung","tag-russland","tag-spiegel","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/260217_spiegel_kloeckner.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=146387"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":146693,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146387\/revisions\/146693"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/146388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=146387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=146387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=146387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}