{"id":146443,"date":"2026-02-18T11:00:24","date_gmt":"2026-02-18T10:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146443"},"modified":"2026-02-18T16:18:18","modified_gmt":"2026-02-18T15:18:18","slug":"wasserstoffspeicher-sind-privatsache-so-das-bundeswirtschaftsministerium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146443","title":{"rendered":"Wasserstoffspeicher sind Privatsache, so das Bundeswirtschaftsministerium"},"content":{"rendered":"<p>Der gerade vorgelegte Energiewende-Monitor des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sieht einen positiven Trend beim Ausbau von Solar- und Windenergie. Genau genommen handelt es sich bei diesem Monitor lediglich um einen Stromwende-Monitor unter v&ouml;lliger Au&szlig;erachtlassung der Wasserstoffwende, bei der mindestens genauso viel Energie darzustellen ist wie bei der Stromwende. Um aber die gesetzlichen 2030er-Ziele der Energiewende zu erreichen, m&uuml;sse der Ausbau noch beschleunigt werden. Von <strong>Heinz-J. Bontrup<\/strong> und <strong>Markus J. L&ouml;ffler<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_201\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146443-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218_Wasserstoffspeicher_sind_Privatsache_so_das_Bundeswirtschaftsministerium_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218_Wasserstoffspeicher_sind_Privatsache_so_das_Bundeswirtschaftsministerium_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218_Wasserstoffspeicher_sind_Privatsache_so_das_Bundeswirtschaftsministerium_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218_Wasserstoffspeicher_sind_Privatsache_so_das_Bundeswirtschaftsministerium_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146443-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218_Wasserstoffspeicher_sind_Privatsache_so_das_Bundeswirtschaftsministerium_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260218_Wasserstoffspeicher_sind_Privatsache_so_das_Bundeswirtschaftsministerium_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zur Vermeidung von Stromausf&auml;llen verlangt ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE) jedoch dringend nach gro&szlig;en Stromspeichern f&uuml;r den Fall, dass Wind und Sonne nicht hinreichend vorhanden sind. &Uuml;ber die dabei zuk&uuml;nftig notwendige Speicherleistung beim Strom stellt das DIW nur fest: &bdquo;Ende 2025 betrug die gesamte in Deutschland installierte Stromspeicherleistung 25,5 Gigawatt. Dies entspricht rund 43 Prozent der durchschnittlichen Stromnachfrage. Rund die H&auml;lfte dieser Speicherleistung machen mittlerweile Heimspeicherbatterien aus, die mit Aufdachsolaranlagen gekoppelt sind. Ihre Gesamtleistung ist in den vergangenen Jahren parallel zum Boom der Photovoltaik stark gewachsen.&ldquo; Kein Wort schreibt das DIW im Kontext zur notwendigen Gewinnung und Speicherung von Wasserstoff, ohne die eine hinreichende Stromspeicherung zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende nicht gelingen wird. Die fehlende Nennung irgendeines Hinweises darauf, dass nicht nur f&uuml;r den Stromwendeteil der Energiewende Wasserstoffspeicher ben&ouml;tigt werden, sondern in erheblich gr&ouml;&szlig;erem Umfang auch Wasserstoffspeicher f&uuml;r importierten Wasserstoff, ist mehr als nachl&auml;ssig. So sollen im Stromwendeteil lediglich bis zu 150 TWh\/Jahr Wasserstoff erzeugt werden; diese Zahl ergibt sich rechnerisch aus dem genehmigten Netzentwicklungsplan 2025. Der Gesamtbedarf Deutschlands liegt im Jahr 2045 gem&auml;&szlig; Nationalem Wasserstoffrat hingegen zwischen 620 und knapp 1.300 TWh\/Jahr.<\/p><p>Wir haben deshalb der Bundesregierung bzw. dem Bundesministerium f&uuml;r Wirtschaft und Energie (BMWE) am 11. Februar 2026 &uuml;ber das Transparenzportal &bdquo;<em>FragDenStaat<\/em>&ldquo; die konkrete Frage gestellt, &bdquo;wie viele Untergrundspeicher Deutschland im Jahr 2045 f&uuml;r Wasserstoff aus heimischer und ausl&auml;ndischer Elektrolyse plant&ldquo;.<\/p><p>Die folgende Antwort des Bundesministeriums hat uns ersch&uuml;ttert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Planung von Untergrundspeichern f&uuml;r die Aufnahme von Wasserstoff ist eine unternehmerische Entscheidung, abh&auml;ngig von den Erfordernissen des Marktes. Uns liegen keine Erkenntnisse vor, von wie vielen Speichern die Unternehmen im Jahr 2045 ausgehen. Aufgrund der gro&szlig;en Unsicherheiten am Wasserstoffmarkt d&uuml;rften endg&uuml;ltige Entscheidungen dazu erst in Zukunft erfolgen<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Was lediglich wie eine routinem&auml;&szlig;ige Verwaltungsantwort klingt, hat bei wissenschaftlicher Betrachtung in Wahrheit enorme Sprengkraft. Denn sie bedeutet nichts anderes, als dass f&uuml;r einen der zentralen Bausteine der Energiewende &ndash; die notwendige gro&szlig;skalige Speicherung von Wasserstoff &ndash; keine staatliche Ausbauplanung existiert. Speicher sind, so das Ministerium, Privatsache von Unternehmern. Unglaublich! Wann begreift die immer noch neoliberal bis zu marktradikal beseelte herrschende Politik endlich, dass das am Ende nur zu schwerwiegenden gesamtwirtschaftlichen Fehlallokationen f&uuml;hrt? Und die Energieversorgung einer Volkswirtschaft mit dem Basisgut Energie kann man schon gar nicht den freien Marktmechanismen und einer unternehmerischen Freiheit mit unterlegter Profitfunktion &uuml;berlassen, zumal diese sich regelm&auml;&szlig;ig in einer einzelwirtschaftlichen Rationalit&auml;tsfalle befindet und damit gesamtwirtschaftlich zu kontraproduktiven Ergebnissen f&uuml;hrt. So gelingt die Energiewende nicht!<\/p><p>Politik war bisher unf&auml;hig, einen zum Gelingen der Transformation notwendigen energiewirtschaftlichen und -technischen Masterplan zu entwickeln und der &Ouml;ffentlichkeit zur gesellschaftlichen (demokratischen) Diskussion vorzulegen. Politik denkt nicht zielf&uuml;hrend holistisch, sondern allenfalls partiell. Die daraus folgenden negativen Ergebnisse sind sattsam bekannt. Unertr&auml;glich wird es, wenn Politik im Zusammenhang mit der gesamtgesellschaftlichen Energieversorgung noch einseitige Kapitalinteressen bzw. die Interessen der privatwirtschaftlichen Energieunternehmen bedient, die bis heute &uuml;ber eine ungebrochene Marktmacht zur Profitmaximierung &uuml;ber Strompreise verf&uuml;gen und sich zus&auml;tzlich noch ihrer Verantwortung beim Atomausstieg entziehen konnten, wobei Milliarden an Subventionen ohne Gegenleistung erbeutet wurden, die zuk&uuml;nftig andere in der Volkswirtschaft erarbeiten m&uuml;ssen. (Siehe dazu ausf&uuml;hrlich den Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36442\">&bdquo;Heinz-J. Bontrups Stellungnahme zur Verteilung der Kosten der kerntechnischen Entsorgung&ldquo;<\/a> auf den NachDenkSeiten vom 2. Januar 2017)<\/p><p><strong>Warum Speicher keine Nebensache sind<\/strong><\/p><p>Worum geht es im Folgenden? Die deutsche Energiewende, genauer die Stromwende, basiert auf einer klaren Annahme: Strom aus Wind und Sonne wird k&uuml;nftig die tragende S&auml;ule des Energiesystems sein. Doch Wind und Sonne liefern ihre Energie nicht immer dann, wenn sie gebraucht wird, sondern dann, wenn sie verf&uuml;gbar ist. Im Sommer entstehen hohe &Uuml;bersch&uuml;sse aus Photovoltaik. Im Winter hingegen steigen Stromlasten und W&auml;rmebedarf stark an. Diese saisonale Diskrepanz ist kein Randproblem, sondern eine der Kernherausforderungen der energiewirtschaftlichen Transformation.<\/p><p>Strategische Modellrechnungen zur Energiewende &ndash; etwa die sogenannten Langfristszenarien &ndash; kommen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2045 zur &Uuml;berbr&uuml;ckung der Wintermonate Wasserstoffspeicher mit einem Energieinhalt von 76 bis 80 Terawattstunden (TWh) erforderlich sein werden. Diese Zahl bezieht sich auf sogenanntes &bdquo;Arbeitsgas&ldquo;, also die tats&auml;chlich nutzbare Energiemenge. Diese Gr&ouml;&szlig;enordnung findet sich auch im &bdquo;Wei&szlig;buch Wasserstoffspeicherung&ldquo; des BMWE wieder.<\/p><p>Gedacht ist dieser Speicherblock f&uuml;r die saisonale Gl&auml;ttung: &Uuml;bersch&uuml;ssiger Sommerstrom wird per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert und im Winter in wasserstofff&auml;higen Kraftwerken r&uuml;ckverstromt. Aus den Szenarien des Netzentwicklungsplans ergibt sich, dass daf&uuml;r etwa 135 bis 150 TWh Wasserstoff pro Jahr in Deutschland erzeugt werden k&ouml;nnten &ndash; abh&auml;ngig von der angenommenen Elektrolyseleistung.<\/p><p>Doch selbst dieser Mindestbedarf von 80 TWh Speicher steht heute nicht zur Verf&uuml;gung!<\/p><p><strong>Status quo: ern&uuml;chternde Kapazit&auml;ten<\/strong><\/p><p>Der Nationale Wasserstoffrat hat bereits 2021 darauf hingewiesen, dass s&auml;mtliche deutschen Salzkavernenspeicher, in denen derzeit rund 168 TWh Erdgas gelagert werden k&ouml;nnen, f&uuml;r Wasserstoff nur eine deutlich geringere Kapazit&auml;t aufweisen w&uuml;rden: etwa 33 TWh Porenspeicher, die weitere rund 94 TWh Erdgas aufnehmen, sind nur eingeschr&auml;nkt geeignet. Vorsichtige Sch&auml;tzungen gehen davon aus, dass h&ouml;chstens ein Viertel davon umger&uuml;stet werden k&ouml;nnte &ndash; also vielleicht weitere f&uuml;nf TWh Wasserstoff speicherbar sind.<\/p><p>In Summe stehen heute also weniger als 40 TWh potenziell nutzbarer Wasserstoff-Untergrundspeicher zur Verf&uuml;gung &ndash; nicht einmal die H&auml;lfte dessen, was f&uuml;r die saisonale Stromsicherung laut offizieller Planung mindestens erforderlich w&auml;re.<\/p><p>Doch damit endet die Rechnung noch nicht.<\/p><p><strong>Der eigentliche Ma&szlig;stab: der Gesamtbedarf an Wasserstoff<\/strong><\/p><p>Die &ouml;ffentliche Diskussion konzentriert sich h&auml;ufig auf die 80 TWh saisonale Speicher f&uuml;r das Stromsystem mit seinen maximal 150 TWh Wasserstofferzeugung. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Bildes: Der Nationale Wasserstoffrat geht f&uuml;r 2045 von einem Gesamtbedarf zwischen 620 und knapp 1.300 TWh Wasserstoff pro Jahr aus. In der Wasserstoff-Importstrategie der Bundesregierung wird immerhin schon ein Importbedarf von 360 bis 500 TWh Wasserstoff sowie von zus&auml;tzlich rund 200 TWh Derivaten (z.B. Ammoniak) genannt &ndash; oder mehr oder weniger.<\/p><p>Selbst wenn man konservativ rechnet, wird der heimisch erzeugte Wasserstoff nur einen Bruchteil des Bedarfs decken k&ouml;nnen. Der Rest muss importiert werden. Hier beginnt erst das eigentliche Speicherproblem.<\/p><p><strong>Der Vergleich mit Erdgas<\/strong><\/p><p>Um eine erste Gr&ouml;&szlig;enordnung zu erhalten, hilft ein Blick auf das heutige Erdgas-System.<\/p><p>Deutschland setzte im Jahr 2024 rund 900 TWh Erdgas um (Importe plus Eigenf&ouml;rderung). Daf&uuml;r standen Erdgas-Untergrundspeicher mit einer Arbeitsgas-Kapazit&auml;t von etwa 225 TWh zur Verf&uuml;gung. Das entspricht rund 25 Prozent des Jahresumsatzes. &Uuml;bertr&auml;gt man diese Relation auf einen k&uuml;nftigen Wasserstoffmarkt von bis zu 1.300 TWh, erg&auml;be sich &uuml;berschl&auml;gig ein Speicherbedarf von bis zu 320 TWh.<\/p><p>Selbst wenn man Annahmen zugunsten einer geringeren Saisonalit&auml;t beim Wasserstoffverbrauch trifft &ndash; etwa, weil Verkehr und Niedertemperaturw&auml;rme weitgehend elektrifiziert werden &ndash;, verbleibt immer noch ein optimistisch absch&auml;tzbarer Speicherbedarf von bis zu 200 TWh. Zur Erinnerung: Heute verf&uuml;gbar sind aber nur unter 40 TWh, ein F&uuml;nftel.<\/p><p><strong>Der Importfaktor: 80 Prozent per Schiff<\/strong><\/p><p>Geht man spekulativ davon aus, dass 80 Prozent des importierten Wasserstoffs als fl&uuml;ssiges Ammoniak per Schiff geliefert werden, verschiebt sich die Problematik zus&auml;tzlich.<\/p><p>Ein solcher Importweg ist diskontinuierlich: Schiffe kommen in Chargen, Wetterbedingungen beeinflussen Fahrpl&auml;ne, geopolitische Risiken sind nicht auszuschlie&szlig;en. Soll &ndash; analog zur europ&auml;ischen Gas-Sicherheitsverordnung &ndash; eine 30-Tage-Versorgungsreserve f&uuml;r den importabh&auml;ngigen Restmarkt vorgehalten werden, ergeben sich neue Zahlen:<\/p><p>Bei einem Restmarkt von 450 TWh pro Jahr w&auml;ren rund 37 TWh Reserve erforderlich. Bei 1.050 TWh sind es rund 86 TWh. Diese Energiemengen m&uuml;ssten als Ammoniak zwischengelagert werden &ndash; in Tankanlagen in H&auml;fen. Das entspricht mehreren Millionen Tonnen Lagerbestand und weit &uuml;ber hundert Gro&szlig;tanks. Technisch ist das machbar. Infrastrukturpolitisch ist es eine Mammutaufgabe, und die Lagerung von Ammoniak ist nicht unproblematisch &ndash; siehe Explosionen in Beirut\/Libanon 2020.<\/p><p>Wirtschaftlich werden die zuk&uuml;nftigen Wasserstoffmengen &uuml;berwiegend importiert werden m&uuml;ssen. Durch die weltweit hier nur zu erwartenden knappen Produktionskapazit&auml;ten und -mengen entsteht ein intensiver Nachfragerwettbewerb mit hohen Preisen f&uuml;r Wasserstoff, die im Ergebnis zu einer steigenden Energierechnung f&uuml;r die gesamte deutsche Volkswirtschaft f&uuml;hren. Dabei wird es, bei der &uuml;ber die Wirtschaftssektoren zu verteilenden Rechnung, zu gr&ouml;&szlig;eren Umverteilungseffekten in der sektoralen Wertsch&ouml;pfungskette kommen, wobei die Kosten am Ende jedoch die Endverbraucher als private Haushalte werden tragen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Und nun? Die Ministeriumsantwort<\/strong><\/p><p>Vor diesem Hintergrund wirkt die Antwort des BMWE wie ein politischer Offenbarungseid: Speicher seien &bdquo;unternehmerische Entscheidungen&ldquo;, hei&szlig;t es. Der Markt werde es richten.<\/p><p>Doch Speicher sind keine gew&ouml;hnlichen Marktg&uuml;ter, die man mal so eben kommodifizieren kann. Sie sind gesellschaftlich strategische Infrastruktur &ndash; vergleichbar mit Stromnetzen, Autobahnen oder Gasfernleitungen. Sie haben lange Vorlaufzeiten (Umbau etwa f&uuml;nf bis sechs Jahre, Neubau zehn bis zw&ouml;lf Jahre), eine hohe Kapitalbindung mit einer nur langfristigen Amortisation der vorgeschossenen Geldmittel, und zudem bieten sie nur geringe Renditen bezogen auf das eingesetzte Kapital.<\/p><p>Kein privates Unternehmen investiert deshalb hunderte Millionen oder gar Milliarden Euro in Speicher, wenn unklar ist, wie gro&szlig; der k&uuml;nftige Markt wirklich wird, ob regulatorische Eingriffe erfolgen, ob Mindestf&uuml;llst&auml;nde vorgeschrieben werden oder ob staatliche F&ouml;rdermechanismen existieren. Der Markt baut keine strategische Reserve auf eigene Rechnung, die immer mit einer prognostisch hinreichenden Profitrate unterlegt sein muss.<\/p><p>Hier gibt es nur zwei Optionen: Entweder der Staat schafft f&uuml;r die privatwirtschaftlichen Anbieter anreizende Rahmenbedingungen, oder der Staat bietet die Leistung durch ein nicht vom Profit getriebenes &ouml;ffentliches Unternehmen selbst an, wobei wir letztere Option empfehlen.<\/p><p>Eines muss dabei aber, unabh&auml;ngig von den Optionen, allen klar sein:<\/p><p>Die tats&auml;chliche Gr&ouml;&szlig;e des k&uuml;nftigen Wasserstoffmarktes ist hoch umstritten und die Szenarien variieren stark. Eine verbindliche Speicherplanung w&uuml;rde eine implizite Festlegung auf eine bestimmte Marktdimension bedeuten. Ein Speicherprogramm im Umfang von 100 bis 200 TWh bedeutet Investitionen im zweistelligen, m&ouml;glicherweise dreistelligen Milliardenbereich. Dies wird die private Wirtschaft nicht finanzieren, und auch angesichts angespannter &ouml;ffentlicher Haushaltslagen ist dies politisch heikel. M&ouml;glicherweise setzt die Politik darauf, dass internationale Lieferketten stabiler und g&uuml;nstiger sein werden als angenommen &ndash; und dass gro&szlig;e Puffer f&uuml;r eine Speicherung gar nicht notwendig werden. Doch diese Hoffnung ist hoch riskant.<\/p><p><strong>Welche Dramatik entsteht?<\/strong><\/p><p>Ohne rechtzeitigen Ausbau von Speichern ergeben sich erhebliche Risiken: Erstens Versorgungsl&uuml;cken im Winter, wenn R&uuml;ckverstromungskapazit&auml;ten mangels H<sub>2<\/sub>-Reserven nicht betrieben werden k&ouml;nnen. Zweitens eine Importabh&auml;ngigkeit ohne ausreichenden Puffer, mit potenziellen Preisschocks oder Lieferausf&auml;llen. Und drittens milliardenschwere Fehlinvestitionen, wenn Elektrolyseure und H<sub>2<\/sub>-Kraftwerke gebaut werden, aber die notwendige Speicherinfrastruktur fehlt und die Anlagen sich wirtschaftlich nicht betreiben lassen.<\/p><p>In diesem Fall w&uuml;rde die Energiewende nicht spektakul&auml;r scheitern &ndash; sie w&uuml;rde schleichend an systemischer Instabilit&auml;t leiden.<\/p><p><strong>Was kann man noch tun?<\/strong><\/p><p>Zwar ist es nicht zu sp&auml;t, aber Zeit ist der kritische Faktor. M&ouml;gliche Handlungsoptionen w&auml;ren die Definition klarer Zielgr&ouml;&szlig;en; hierzu m&uuml;sste die Bundesregierung verbindlich festlegen, welche Speicherkapazit&auml;ten bis 2045 angestrebt werden. Analog zu Kraftwerksreserven k&ouml;nnten Speicher &uuml;ber Verf&uuml;gbarkeitszahlungen abgesichert werden. Ein staatlich organisierter Wasserstoffpuffer &ndash; &auml;hnlich der Erd&ouml;lbevorratung &ndash; w&auml;re ebenso denkbar. Zudem m&uuml;sste die Importarchitektur realistisch geplant werden. Wenn z.B. 80 Prozent des Wasserstoffs in welcher Form auch immer per Schiff kommen sollen, braucht es Terminal- und Tankkapazit&auml;ten im industriellen Ma&szlig;stab.<\/p><p><strong>Die eigentliche Frage<\/strong><\/p><p>Die Ministeriumsantwort legt offen: Der Ausbau der Wasserstoffspeicher ist politisch nicht priorisiert. Doch ohne Speicher gibt es keine saisonale Absicherung. Ohne saisonale Absicherung keine Versorgungssicherheit, und ohne Versorgungssicherheit keine gesellschaftliche Akzeptanz und somit keine Energie-, sondern bestenfalls eine eingeschr&auml;nkte Stromwende.<\/p><p>Die Energiewende ist kein rein technisches Projekt. Sie ist ein infrastrukturelles Jahrhundertvorhaben. Wer Speicher zur &bdquo;unternehmerischen Entscheidung&ldquo; erkl&auml;rt und den Risiken von Marktmechanismen aussetzt, &uuml;berl&auml;sst einen systemkritischen Baustein der Energiewende dem Zufall. Die Frage lautet daher nicht, ob Speicher eine &bdquo;Privatsache&ldquo; sind. Die Frage lautet: Kann ein (noch) Industrieland wie Deutschland es sich leisten, seine Energie-Resilienz beim Wasserstoff und der hier notwendigen Speicherung dem Markt und privatwirtschaftlichen Interessen zu &uuml;berlassen? Die Antwort darauf wird dar&uuml;ber entscheiden, ob das Jahr 2045 einen energiepolitischen Erfolg &ndash; oder eine schmerzhafte Fehlallokation &ndash; markieren wird. Wir empfehlen daher dringend zur Gefahrenabwehr ein politisches Umdenken!<\/p><p><small>Titelbild: FOTOGRIN\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gerade vorgelegte Energiewende-Monitor des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sieht einen positiven Trend beim Ausbau von Solar- und Windenergie. Genau genommen handelt es sich bei diesem Monitor lediglich um einen Stromwende-Monitor unter v&ouml;lliger Au&szlig;erachtlassung der Wasserstoffwende, bei der mindestens genauso viel Energie darzustellen ist wie bei der Stromwende. Um aber die gesetzlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146443\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":146444,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,13,164,160],"tags":[519,2099,651,2182,2921],"class_list":["post-146443","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-energiewende","category-markt-und-staat","tag-diw","tag-energiespeicher","tag-energiewirtschaft","tag-erneuerbare-energie","tag-wasserstofftechnologie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/shutterstock_2520662957.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146443","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=146443"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146443\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":146465,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146443\/revisions\/146465"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/146444"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=146443"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=146443"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=146443"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}