{"id":146452,"date":"2026-02-18T14:00:46","date_gmt":"2026-02-18T13:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146452"},"modified":"2026-02-18T16:18:42","modified_gmt":"2026-02-18T15:18:42","slug":"operation-unthinkable-marco-rubios-rede-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146452","title":{"rendered":"Operation Unthinkable \u2013 Marco Rubios Rede in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Der US-Au&szlig;enminister begreift das Jahr 1945 als Niederlage des Westens und will die Nachkriegsordnung samt antikolonialer Befreiung revidieren. Daf&uuml;r gibt es auf der &bdquo;Sicherheitskonferenz&ldquo; Standing Ovations, allen voran: deutsche Minister. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1352\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146452-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218-Rubios-Rede-in-Muenchen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218-Rubios-Rede-in-Muenchen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218-Rubios-Rede-in-Muenchen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218-Rubios-Rede-in-Muenchen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146452-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260218-Rubios-Rede-in-Muenchen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260218-Rubios-Rede-in-Muenchen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der britische Premierminister Winston Churchill hat noch im Mai 1945 die Ausarbeitung der &bdquo;Operation Unthinkable&ldquo; in Auftrag gegeben. Der britische Generalstab wurde angehalten, einen Plan f&uuml;r einen Angriff auf die Sowjetunion auszuarbeiten, der gemeinsam mit US-amerikanischen Verb&auml;nden und 100.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht bereits am 1. Juli 1945 h&auml;tte erfolgen sollen. Wegen zu hoher Risiken, insbesondere aufgrund der Zweifel, ob die britischen Soldaten einem entsprechenden Angriffsbefehl &uuml;berhaupt Folge geleistet h&auml;tten, wurde das Vorhaben, das erst 1998 ver&ouml;ffentlicht wurde, fallengelassen. Der Plan allerdings war ganz in der Linie eines Winston Churchill f&auml;lschlicherweise zugeschriebenen Zitats: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir haben das falsche Schwein geschlachtet.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Rede von US-Au&szlig;enminister Marco Rubio auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz steht nun ganz in einer Traditionslinie mit der &bdquo;Operation Unthinkable&ldquo;, allerdings in einem weltpolitischen Ma&szlig;stab. Das Jahr 1945 wird in der M&uuml;nchen-Rede von Rubio als Jahr der Niederlage des Westens begriffen. Dahin will er wieder zur&uuml;ck, um die antikolonialistische Niederlage von 1945 aus seiner Sicht wieder auswetzen zu k&ouml;nnen. Das ist auch der wahre Grund, warum die US-Administration die Vereinten Nationen in den Graben schieben will.<\/p><p><strong>Rubios koloniale Nostalgie<\/strong><\/p><p>&bdquo;F&uuml;r f&uuml;nf Jahrhunderte vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Westen dabei, sich auszubreiten &ndash; seine Missionare, seine Pilger, seine Soldaten, seine Entdecker str&ouml;mten von seinen K&uuml;sten aus, um Ozeane zu &uuml;berqueren, neue Kontinente zu besiedeln, riesige Imperien zu bauen, die sich &uuml;ber den gesamten Globus erstreckten. Aber 1945, zum ersten Mal seit dem Zeitalter des Kolumbus, zog sich der Westen zur&uuml;ck&ldquo;, lautet Rubios historische Lehrstunde. Dann habe der Niedergang eingesetzt, &bdquo;beschleunigt durch gottlose kommunistische Revolutionen und antikoloniale Aufst&auml;nde&ldquo;. <\/p><p>Das Jahr 1945 wird also als Krise des Kolonialismus des Westens begriffen, als dessen F&uuml;hrungsmacht sich die USA sehen, die allerdings auch Verb&uuml;ndete braucht. Deshalb bekr&auml;ftigte der US-amerikanische Au&szlig;enminister: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir wollen nicht, dass unsere Verb&uuml;ndeten schwach sind, denn das macht uns schw&auml;cher.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Vielleicht war es dieses Versprechen, gebraucht zu werden, um zur US-amerikanischen St&auml;rke beitragen zu k&ouml;nnen, das die drei Deutschen als Erste im Saal aufspringen lie&szlig;. Es waren mit Au&szlig;enminister Johann Wadephul, Verteidigungsminister Boris Pistorius und dem bayerischen Ministerpr&auml;sidenten Markus S&ouml;der alle drei Parteien der Regierungskoalition, die stehend applaudierend kaum noch an sich halten konnten. <\/p><p>Rubios Rede war denn nicht nur ein Einf&uuml;hlen in 500 Jahre Kolonialismus, in Massenmord, Sklaverei und Ausbeutung bis zum Tod, sondern gerade auch eine Kampfansage an die M&auml;chte, die aus Sicht der US-Administration einer Rekolonisierung der Welt zugunsten eines erneuerten US-Imperialismus im Wege stehen: Russland und in erster Linie China.<\/p><p>Vasallentreu schob sich denn auch der deutsche Au&szlig;enminister Wadephul in M&uuml;nchen in die US-Schlachtordnung, indem er erkl&auml;rte, mit allen BRICS-Staaten gute Beziehungen pflegen zu wollen, nur nicht mit Russland und China. <\/p><p><strong>Abschied von den UN <\/strong><\/p><p>Die Vereinten Nationen m&uuml;ssen aus Sicht der USA deshalb in den Graben geschoben werden, da im UN-Sicherheitsrat Moskau und Peking ein Vetorecht innehaben und in der Generalversammlung eine Mehrheit des Globalen S&uuml;dens regelm&auml;&szlig;ig gegen die US-Rekolonisierungspolitik eines erneuerten Imperialismus stimmt, wie im Fall des V&ouml;lkermords in Gaza und der Blockade gegen Kuba. Die UN &bdquo;spielen keine Rolle mehr&ldquo;, so Rubio. Im besten Falle seien sie zu reformieren.<\/p><p>Es geht dabei um nichts anderes als die Revision der Niederlage Nazi-Deutschlands und des japanischen Kaiserreichs von 1945. Russland als Fortsetzungsstaat der Sowjetunion und China sollen k&uuml;nftig nicht mehr zu den Siegern geh&ouml;ren, da sie der Quell des Aufbegehrens im Globalen S&uuml;den sind. Rubio wird dabei sehr konkret, wo &uuml;berall der US-Imperialismus sich gegen die UN durchsetzen musste. Es folgt eine Liste der j&uuml;ngsten Interventionen. In v&ouml;lliger Geschichtsverdrehung f&uuml;hrt der Amerikaner aus: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Sie konnten den Krieg in Gaza nicht l&ouml;sen. Stattdessen war es amerikanische F&uuml;hrung, die die Geiseln von Barbaren befreite und einen zerbrechlichen Waffenstillstand herbeif&uuml;hrte<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Kein Wort zum V&ouml;lkermord Israels an den Pal&auml;stinensern, unterst&uuml;tzt durch US-Administration und Bundesregierung. Kein Wort dazu, dass der V&ouml;lkermord weitergeht. <\/p><p>Dann z&auml;hlt Rubio die Ukraine, Iran, Venezuela auf. Da die UN nicht in der Lage zu handeln seien, m&uuml;ssten dies die US-Amerikaner tun. Die V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che der USA sollen den Weg zum Handeln zeigen. Dabei will man die Europ&auml;er mitnehmen. &bdquo;Es wird uns unseren Platz in der Welt zur&uuml;ckgeben&ldquo;, so Rubios M&uuml;nchner Versprechen. Dieser Platz aber muss erk&auml;mpft werden gegen alle, die sich den USA entgegenzustellen wagen.<\/p><p><strong>Kriegsrhetorik f&uuml;r einen neuen Weltkrieg<\/strong><\/p><p>Rubios Rede ist eine Kriegsrede. Das Versprechen, einen Weltkrieg f&uuml;r die USA f&uuml;hren zu wollen, der dieser Gro&szlig;macht wieder ihren Platz zur&uuml;ckgibt. Die Europ&auml;er erhalten das Versprechen, mitgenommen zu werden auf diesem Weg, weil man auf sie zur St&auml;rkung der USA nicht verzichten mag. Die Aushungerung Kubas durch die USA d&uuml;rfte dabei nur ein erster Vorgeschmack sein, was noch folgen wird, um 500 Jahre koloniale gemeinsame Geschichte des Westens zu erf&uuml;llen und das Herrschaftsversprechen erneuern zu k&ouml;nnen. Westliche Zivilisation, der es zum Sieg zu verhelfen gilt, wird von Rubio verstanden sowohl als v&ouml;lkische wie auch Kultur- und Glaubensgemeinschaft. Insofern darf das Bewusstsein, das Jahr 1945 als Niederlage zu sehen, durchaus als verst&auml;ndlich angenommen werden.<\/p><p>US-Pr&auml;sident Donald Trump und sein Au&szlig;enminister stehen vor einer undenkbaren Operation im globalen Ma&szlig;stab. Das Risiko eines Weltkriegs scheint zum Kalk&uuml;l dazuzugeh&ouml;ren. Wer wird den US-Imperialismus auf diesem Weg stoppen?<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Tagesschau.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-Au&szlig;enminister begreift das Jahr 1945 als Niederlage des Westens und will die Nachkriegsordnung samt antikolonialer Befreiung revidieren. Daf&uuml;r gibt es auf der &bdquo;Sicherheitskonferenz&ldquo; Standing Ovations, allen voran: deutsche Minister. 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