{"id":146578,"date":"2026-02-21T14:00:16","date_gmt":"2026-02-21T13:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146578"},"modified":"2026-02-20T16:05:22","modified_gmt":"2026-02-20T15:05:22","slug":"a-moon-will-rise-from-the-darkness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146578","title":{"rendered":"\u201eA Moon Will Rise from the Darkness\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Ein Mond wird aus meiner Dunkelheit aufsteigen&ldquo;. Die leicht ge&auml;nderte Zeile stammt aus einem Gedicht von Mahmoud Darwish, dem gro&szlig;en pal&auml;stinensischen Dichter und einem der wichtigsten arabischen Autoren. Der 1941 in dem pal&auml;stinensischen Dorf Al Birwa, &ouml;stlich von Acre geborene Darwish hat Flucht und Vertreibung, Verlust und Exil mit Hunderttausenden von Pal&auml;stinensern geteilt. F&uuml;r ihr Leid, ihre Trauer, ihr Dasein in der Fremde und die Verbundenheit mit ihrer Heimat fand er Worte, die jeder verstand, die st&auml;rkten. Eine Rezension von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Ein Mond wird aus der Dunkelheit aufgehen&ldquo; ist der <a href=\"https:\/\/www.plutobooks.com\/product\/a-moon-will-rise-from-the-darkness\/\">Titel eines Buches<\/a>, das &bdquo;Berichte von Israels V&ouml;lkermord in Pal&auml;stina&ldquo; enth&auml;lt, wie der Untertitel sagt. Das Buch ist im Herbst 2025 in englischer Sprache bei Pluto Press in London erschienen und hat 224 Seiten. Das Titelbild &bdquo;Kinder von Gaza tr&auml;umen vom Frieden&ldquo; wurde von Malak Mattar gemalt, einer pal&auml;stinensischen K&uuml;nstlerin aus Gaza. Sie ging als Kind in die UNRWA-Schulen, wo ihre Mutter als Lehrerin unterrichtete. Das Buch erschien parallel in Gro&szlig;britannien und in den USA. Alle Erl&ouml;se aus dem Verkauf gehen an das UN-Hilfswerk f&uuml;r pal&auml;stinensische Fl&uuml;chtlinge, UNRWA.<\/p><p>Autorin des Buches ist Francesca Albanese, die UN-Sonderberichterstatterin f&uuml;r die Menschenrechte in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten (OPT). Es dokumentiert die drei Berichte der Sonderberichterstatterin, die sie w&auml;hrend des israelischen Krieges gegen Gaza f&uuml;r den UN-Menschenrechtsrat und die UN-Vollversammlung verfasste: &bdquo;Die Anatomie eines V&ouml;lkermordes&ldquo;; &bdquo;V&ouml;lkermord als koloniale Ausl&ouml;schung&ldquo;; &bdquo;Von der Besatzungs&ouml;konomie zur &Ouml;konomie des V&ouml;lkermordes&ldquo;.<\/p><p>Den Berichten und einer von Albanese verfassten Einleitung vorangestellt ist das Vorwort der Herausgeber Mandy Turner und Lex Takkenberg sowie ein Vorwort der drei Vorg&auml;nger von Albanese im Amt: Richard Falk, Professor f&uuml;r Internationales Recht (Emeritus) an der Princeton Universit&auml;t, der von 2008 bis 2012 UN-Sonderberichterstatter OPT war; John Dugard, Professor f&uuml;r Recht an der Universit&auml;t Witwatersrand und Leiden (Emeritus), der UN-Sonderberichterstatter OPT von 2001 bis 2008 war; Michael Lynck, unterrichtete Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakult&auml;t, Western Universit&auml;t London 1999 bis 2022, Professor Emeritus (2023), der von 2016 bis 2022 UN-Sonderberichterstatter OPT war.<\/p><p>Erg&auml;nzt wird das Buch von einem umfangreichen Anhang mit Anmerkungen und Quellen zu den einzelnen Kapiteln, die zu eigenen Recherchen auffordern.<\/p><p>Beigegeben sind dem Buch zu Beginn auf f&uuml;nf Seiten Stimmen hochrangiger, mit der Region und den Pal&auml;stinensern vertrauter Pers&ouml;nlichkeiten, darunter Ilan Papp&eacute;, Prinz Hassan Bin Talal von Jordanien, Craig Mukhiber, Andrew Feinstein, Avi Shlaim, Ramzy Baroud und viele andere mehr. Stellvertretend seien hier zwei der Kommentare wiedergegeben.<\/p><p>Raz Segal, au&szlig;erordentlicher Professor f&uuml;r Studien des Holocaust und V&ouml;lkermordes an der staatlichen Stockton Universit&auml;t der Gemeinde Galloway in New Jersey, schreibt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Mond wird aufgehen in der Dunkelheit&ldquo; spiegelt das furchtlose Streben von Francesca Albanese nach Wahrheit, ihren Kampf f&uuml;r Rechenschaftspflicht und ihren Glauben an eine andere Welt wider, die tats&auml;chlich schon aufgeht.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und Ghassan Abu Sitta, Professor f&uuml;r Chirurgie an der Amerikanischen Universit&auml;t von Beirut und leitender Rektor der Universit&auml;t von Glasgow. Er schreibt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Als ich Ende November 2023 aus Gaza zur&uuml;ckkam, wurde mir klar, dass Israel nur die Spitze des v&ouml;lkerm&ouml;rderischen Eisbergs war. Der Rest war ein Apparat, der das m&ouml;glich machte. Ein System aus Staaten, Institutionen und Einzelpersonen sicherte die Fortdauer eines V&ouml;lkermordprojekts, das nun bereits in seinem dritten Jahr ist. Dieses Buch analysiert diesen Apparat und beleuchtet seine konstitutiven Komplizen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Den Nerv getroffen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Sieht aus, als h&auml;tte ich einen Nerv getroffen.&ldquo; So reagierte Francesca Albanese im Juli 2025 auf die Erkl&auml;rung von US-Pr&auml;sident Donald Trump, die US-Administration habe sie <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/investigations\/trumps-war-global-justice-court-staff-un-face-terroristgrade-sanctions-2026-02-06\/\">auf die Sanktionsliste gesetzt<\/a>. Vorangegangen war ein &bdquo;vertrauliches Schreiben&ldquo;, das Albanese an mehrere der m&auml;chtigsten Unternehmen im Fr&uuml;hjahr desselben Jahres geschrieben hatte. Unter den Empf&auml;ngern waren u.a. Alphabet, Amazon, Caterpillar, Chevron, Hewlett Packard, IBM, Lockheed Martin, Microsoft und Palantir.<\/p><p>Albanese informierte sie dar&uuml;ber, dass ihre Namen bald in einem UN-Bericht stehen w&uuml;rden, weil sie &bdquo;zu schweren Menschenrechtsverletzungen beitragen&ldquo; w&uuml;rden, die Israel in Gaza und im Westjordanland ver&uuml;be. Die Unternehmen wandten sich hilfesuchend an das Wei&szlig;e Haus, berichtete sp&auml;ter die Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em>. Die Trump-Administration verh&auml;ngte gegen Albanese Sanktionen, weil sie &bdquo;Drohbriefe geschrieben&ldquo; habe.<\/p><p>Die Verleumdungen, der Hass, die Verfolgung, mit der die UN-Sonderberichterstatterin &uuml;berzogen wird, erinnern an mittelalterliche Verfolgungsjagden. Dass der Vergleich nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigen &Auml;u&szlig;erungen des israelischen UN-Botschafters Danny Danon in der UN-Vollversammlung im Oktober 2025. In ihrem Bericht &bdquo;Gaza V&ouml;lkermord: Ein kollektives Verbrechen&ldquo; hatte Albanese die internationale Gemeinschaft der Komplizenschaft beschuldigt, weil sie den Krieg Israels gegen die Pal&auml;stinenser unterst&uuml;tzten und geschehen lie&szlig;en. Danon beschuldigte sie, &bdquo;Israel mit L&uuml;gen und Hass zu verfluchen&ldquo;. Sie sei &bdquo;eine Hexe&ldquo;, und ihr Bericht sei eine weitere Seite in ihrem <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20251030-israeli-ambassador-calls-uns-francesca-albanese-a-witch-after-her-report-on-gaza-she-replies-mockingly\/\">&bdquo;Buch der Verw&uuml;nschungen&ldquo;<\/a>. Wenn sie das k&ouml;nnte, so Albanese, w&uuml;rde sie daf&uuml;r sorgen, dass Israels Verbrechen &bdquo;ein f&uuml;r alle Mal ein Ende h&auml;tten&ldquo;.<\/p><p>Der breiten Kampagne gegen Francesca Albanese schlossen sich k&uuml;rzlich auch die Au&szlig;enminister Frankreichs und Deutschlands an. Jean-Noel Barrot und Johann Wadephul forderten ihren R&uuml;cktritt. Albanese habe sich bereits &bdquo;mehrfach Ausf&auml;lle&ldquo; geleistet, nach den &bdquo;j&uuml;ngsten Ausf&auml;llen gegen&uuml;ber Israel&ldquo; sei sie &bdquo;in ihrer Position unhaltbar&ldquo;, so Wadephul. Barrot warf ihr &bdquo;Antisemitismus&ldquo; vor und erkl&auml;rte f&uuml;r die franz&ouml;sische Regierung, man verurteile &bdquo;vorbehaltlos die &uuml;bertriebenen und schuldhaften &Auml;u&szlig;erungen von Frau Francesca Albanese, die sich nicht gegen die israelische Regierung richten, deren Politik man kritisieren darf, sondern gegen Israel als Volk und Nation, was absolut inakzeptabel ist&rdquo;.<\/p><p>Ausl&ouml;ser war eine angebliche Aussage, die Albanese bei einem kurzen Videobeitrag anl&auml;sslich eines Podiums auf der Doha Konferenz des Senders <em>Al Jazeera<\/em> gemacht haben sollte. Laut einer &Uuml;bersetzung von Amnesty International (London) sagte sie: &bdquo;Die Tatsache, dass die meisten L&auml;nder der Welt Israel nicht gestoppt, sondern bewaffnet, ihm politische Ausreden, politischen Schutz, wirtschaftliche und finanzielle Unterst&uuml;tzung gegeben haben [&hellip;] Wir, die wir keine gro&szlig;en Finanzmittel, Algorithmen und Waffen kontrollieren, sehen jetzt, dass wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben und dass Freiheiten, die Achtung der Grundfreiheiten, der letzte friedliche Weg, das letzte friedliche Instrument sind, das wir haben, um unsere Freiheit <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2026\/02\/european-states-must-retract-attacks-francesca-albanese\/\">zur&uuml;ckzugewinnen<\/a>.&ldquo; Die Minister dagegen hatten Albanese vorgeworfen, sie habe Israel als &bdquo;gemeinsamen Feind&ldquo; der Menschheit bezeichnet.<\/p><p>Die Organisation forderte die Minister in &Ouml;sterreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland und Italien auf, sich &ouml;ffentlich f&uuml;r die Falschaussagen zu entschuldigen und alle Forderungen gegen sie zur&uuml;ckzunehmen. Einige h&auml;tten ihre Kommentare in den sozialen Medien gel&ouml;scht, das reiche nicht, so Amnesty. Die Regierungen m&uuml;ssten untersuchen, wie es zu diesen Falschinformationen gekommen sei und warum ein &bdquo;absichtlich gek&uuml;rztes Video&ldquo; mit dem die Aussagen von Albanese falsch dargestellt und grob verdreht wurden, nicht &uuml;berpr&uuml;ft wurde.<\/p><p><em>France 24<\/em> (englisch) hat mittlerweile ebenfalls in seiner Sendung &bdquo;Wahrheit oder L&uuml;ge&ldquo; (Truth or Fake) nachgewiesen, dass die ihr gemachten Vorw&uuml;rfe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iHChlXErbGs\">nicht stimmen<\/a>.<\/p><p>Den Ministern und ihren Mitarbeitern sei das Buch von Francesca Albanese empfohlen. Eigentlich sollten sie &ndash; in dem Amt, in dem sie sich aufhalten &ndash; s&auml;mtliche Berichte der UN-Sonderberichterstatterin gelesen haben. Eigentlich w&auml;re das ihr Job, und eigentlich h&auml;tten sie l&auml;ngst ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel einstellen m&uuml;ssen, wenn das internationale Recht und die UN-Charta f&uuml;r sie noch eine Bedeutung h&auml;tten.<\/p><p>Gerade darauf hat Francesca Albanese unerm&uuml;dlich aufmerksam gemacht: Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen machen sich mitschuldig, wenn sie der Ausl&ouml;schung der Pal&auml;stinenser in Gaza und im Westjordanland, der Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Rechte nicht entgegentreten und wenn sie nicht die eigene Hilfe, Finanzierung, Waffenlieferungen an und Waffenk&auml;ufe von Israel einstellen.<\/p><p>Das Buch &bdquo;Ein Mond wird aufsteigen aus der Dunkelheit&ldquo; wurde im Oktober 2025 fertiggestellt. Zu diesem Zeitpunkt dauerte der Vernichtungskrieg gegen die Pal&auml;stinenser in Gaza seit zwei Jahren an und habe sich &bdquo;mit Gewalt, ethnischer &sbquo;S&auml;uberung&lsquo;, Apartheid und drohender Annexion des verbliebenen historischen Pal&auml;stinas beschleunigt&ldquo;, hei&szlig;t es im Vorwort der Herausgeber Mandy Turner und Lex Takkenberg. Die Zeile aus dem Gedicht von Mahmud Darwish sei &bdquo;eine Metapher f&uuml;r Hoffnung und Kraft selbst in den dunkelsten Zeiten&ldquo;. Man widme das Buch &bdquo;den vergangenen, gegenw&auml;rtigen und zuk&uuml;nftigen K&auml;mpfen des pal&auml;stinensischen Volkes um Freiheit, Gerechtigkeit und W&uuml;rde&ldquo;. Bis dieser Tag der Freiheit komme, werde man &bdquo;reden und sich allen Versuchen widersetzen, Stimmen f&uuml;r Pal&auml;stina zum Schweigen zu bringen&ldquo;.<\/p><p>Francesca Albanese widmet ihre kurze Einf&uuml;hrung vor den drei ausf&uuml;hrlichen Berichten, die den Kern des Buches ausmachen, denjenigen, die sie w&auml;hrend der Ausbildung auf einen Weg gebracht haben, der sie an den Punkt brachte, an dem sie heute steht. Sie bedankt sich bei allen, die seit Oktober 2023 ihre Arbeit unterst&uuml;tzt haben, besonders auch bei ihren Vorg&auml;ngern im Amt, die sie best&auml;tigt haben.<\/p><p>Das Leben in Gaza sei &bdquo;schmerzhaft und apokalyptisch&ldquo;, schreibt sie. Apokalypse bedeute im Griechischen allerdings auch &bdquo;aufdecken&ldquo; und &bdquo;entschleiern&ldquo;. In Gaza sei nun offen, was lange verborgen gewesen sei, vieles k&auml;me ans Licht, fordere Aufmerksamkeit und Handeln. Ver&auml;nderung werde vorbereitet und jede Ver&auml;nderung bringe hohe Kosten mit sich. Jeder sei gefragt angesichts dessen, was in Gaza geschehe, jeder Mensch, jede Gesellschaft. &bdquo;Der Bogen der Geschichte neigt sich nur dann in Richtung Verantwortlichkeit, wenn wir uns weigern, wegzuschauen&ldquo;, so Albanese. Und sagen, was ist.<\/p><p><em>Francesca Albanese: A Moon Will Rise from the Darkness: Reports on Israel&rsquo;s Genocide in Palestine. London 2025, Pluto Press, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN 978-0745352312, 16,99 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Ein Mond wird aus meiner Dunkelheit aufsteigen&ldquo;. Die leicht ge&auml;nderte Zeile stammt aus einem Gedicht von Mahmoud Darwish, dem gro&szlig;en pal&auml;stinensischen Dichter und einem der wichtigsten arabischen Autoren. Der 1941 in dem pal&auml;stinensischen Dorf Al Birwa, &ouml;stlich von Acre geborene Darwish hat Flucht und Vertreibung, Verlust und Exil mit Hunderttausenden von Pal&auml;stinensern geteilt. 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