{"id":146798,"date":"2026-02-26T11:00:11","date_gmt":"2026-02-26T10:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146798"},"modified":"2026-02-26T11:06:01","modified_gmt":"2026-02-26T10:06:01","slug":"wie-kam-es-zum-journalistischen-totalversagen-ueber-gaza-und-israel-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146798","title":{"rendered":"Wie kam es zum journalistischen Totalversagen \u00fcber Gaza und Israel \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Interview mit Fabian Goldmann zu seinem Buch &bdquo;Staatsr&auml;sonfunk&ldquo;<\/strong><br>\nIm zweiten Teil des Interviews mit dem Journalisten <strong>Fabian Goldmann<\/strong> sprechen wir &uuml;ber Mut und Angst von Journalisten, den Druck, dem sie ausgesetzt sind, Parallelen zur Rolle der Journalisten in der Corona-Zeit und dar&uuml;ber, was B&uuml;rger gegen einseitige und unvollst&auml;ndige Berichterstattung der Medien &uuml;berhaupt tun k&ouml;nnen. Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrte <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_908\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146798-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226_Wie_kam_es_zum_journalistischen_Totalversagen_ueber_Gaza_und_Israel_Teil_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226_Wie_kam_es_zum_journalistischen_Totalversagen_ueber_Gaza_und_Israel_Teil_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226_Wie_kam_es_zum_journalistischen_Totalversagen_ueber_Gaza_und_Israel_Teil_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226_Wie_kam_es_zum_journalistischen_Totalversagen_ueber_Gaza_und_Israel_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146798-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226_Wie_kam_es_zum_journalistischen_Totalversagen_ueber_Gaza_und_Israel_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260226_Wie_kam_es_zum_journalistischen_Totalversagen_ueber_Gaza_und_Israel_Teil_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Teil 1 des Interviews <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146790\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Maike Gosch: Nach Ihren vorigen Ausf&uuml;hrungen dr&auml;ngt sich der Eindruck auf, dass deutsche Journalisten nicht mutig genug sind. W&uuml;rden Sie das auch so sehen?<\/strong><\/p><p><strong>Fabian Goldmann<\/strong>: Es gibt nat&uuml;rlich solche und solche und zum Gl&uuml;ck auch in Deutschland ein paar mutige Journalisten, aber f&uuml;r die Mehrheit trifft das sicherlich zu. Mich hat es immer wieder &uuml;berrascht und erschreckt, wie wenig Journalisten es in den letzten Jahren in Deutschland gab, die den Mund aufgemacht haben und die Missst&auml;nde in ihren Redaktionen benannt haben. Das haben wir bei ausl&auml;ndischen Medienh&auml;usern ganz anders erlebt. In Gro&szlig;britannien sind Hunderte BBC-Mitarbeiter an die &Ouml;ffentlichkeit gegangen, haben gegen ihren Sender in Bezug auf die verzerrende Berichterstattung protestiert und den R&uuml;cktritt von Verantwortlichen verlangt. Dasselbe beim irischen &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei der <em>New York Times<\/em>, bei <em>AP (Associated Press)<\/em> und bei der <em>Washington Post<\/em> &ndash; auch dort gab es Offene Briefe, in denen Journalisten mit ihrem Namen in der &Ouml;ffentlichkeit gegen die Missst&auml;nde in ihrem Haus protestiert haben. Ich habe bis heute noch von keinem solchen Offenen Brief durch ZEIT-, taz- oder Tagesschau-Redakteure mitbekommen.<\/p><p><strong>In dem sehr interessanten Kapitel &bdquo;Druck von allen Seiten&ldquo; gegen Ende des Buches berichten Sie von Gespr&auml;chen mit Journalisten und freien Mitarbeitern zu diesem Thema. Und da schreiben Sie, dass das Wort, das hierbei am h&auml;ufigsten fiel, das Wort &bdquo;Angst&ldquo; war &ndash; also von Journalisten, die anders berichten wollten. Sie schildern sehr eindr&uuml;cklich, was f&uuml;r einem Druck viele Menschen ausgesetzt waren, linientreu zu berichten, und was denen passierte, die abwichen oder abweichen wollten. Inzwischen ist ja seit dem Untersuchungszeitraum im Buch ein bisschen Zeit vergangen. Haben Sie den Eindruck, dass bei den anderen Journalisten, die sich an die Linie gehalten haben, langsam eine Erkenntnis d&auml;mmert, dass sie eventuell etwas falsch gemacht haben?<\/strong><\/p><p>Nein, da d&auml;mmert &uuml;berhaupt nichts. Zwischendurch hatte ich diese Hoffnung auch. Es gab auch immer mal Diskussionen &ndash; nicht nur im Journalismus &ndash; dar&uuml;ber, ob der Wind sich jetzt im Gaza-Diskurs in Deutschland dreht, z.B. als es die gro&szlig;en pro-pal&auml;stinensischen Demonstrationen gab. Und die Hoffnung: &bdquo;Jetzt ist endlich auch Die Linke auf der richtigen Seite.&ldquo; Da wurde sich dar&uuml;ber gefreut, wenn irgendein Politiker es geschafft hat &ndash; nach zwei Jahren &ndash;, den Begriff &bdquo;Genozid&ldquo; in den Mund zu nehmen. Aber sobald das Thema wieder aus den Medien raus war, sind alle wieder verschwunden. In Berlin sind jetzt wieder jede Woche immer nur die gleichen paar 100 Leute auf der Stra&szlig;e und werden da weiterhin von der Polizei niedergekn&uuml;ppelt &ndash; ohne Unterst&uuml;tzung durch Die Linke und ohne dass die Medien dar&uuml;ber berichten.<\/p><p>Es gibt zum Gl&uuml;ck einige Medienschaffende, und die gab es auch schon sehr fr&uuml;h, die sich mutig und kritisch zu Wort gemeldet haben. Bei denen ist es weitgehend aber auch geblieben. Ich habe keinerlei Hoffnung, dass sich da jetzt noch irgendwas &auml;ndern wird. Der gro&szlig;e Druck, den es in Teilen der &Ouml;ffentlichkeit gab, den es auf der Stra&szlig;e und in den sozialen Medien gab, ist &uuml;berstanden. Wer auch nach zwei Jahren Genozid im Livestream nicht zum Umdenken gebracht wurde, der wird jetzt auch nicht mehr umdenken.<\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Von einer ehrlichen und selbstkritischen Aufarbeitung fehlt jede Spur.&ldquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass wir jetzt in der Phase sind, wo versucht wird, das irgendwie reinzuwaschen und die Geschichte der letzten zwei Jahre zu verkl&auml;ren. Wenn ich jetzt auf irgendwelchen Panels bin, dann begl&uuml;ckw&uuml;nschen sich Medienvertreter gegenseitig zu ihrer guten Berichterstattung, die sie in den letzten Jahren gemacht haben. Es werden Preise verliehen an Journalisten, die vermeintlich gut berichtet haben, und dann wird vielleicht hier und da mal auf kleine Probleme eingegangen oder eingestanden, dass man hier und da vielleicht schneller h&auml;tte kritisch berichten k&ouml;nnen. Aber der Tenor ist so, dass man insgesamt in einer sehr schwierigen Zeit, mit einer sehr unklaren Informationslage und unter gro&szlig;em &ouml;ffentlichen Druck unterm Strich einen guten Job gemacht hat. Von einer ehrlichen und selbstkritischen Aufarbeitung fehlt jede Spur.<\/p><p><strong>Das, was Sie da schildern, erinnert mich sehr an die Berichterstattung in der Corona-Zeit und den Umgang damit seitdem. Sehen Sie diese Parallelen auch?<\/strong><\/p><p>Daf&uuml;r bin ich leider der falsche Experte. Vom Gef&uuml;hl her w&uuml;rde ich aber sagen, dass der Vergleich passt. Mein Eindruck ist auch, dass einige der Probleme, die wir jetzt gesehen haben, sich auch so in der Corona- und Ukraine-Berichterstattung wiederfinden. Dazu z&auml;hlen so eine Art Staatstreue und Obrigkeitsh&ouml;rigkeit im Journalismus, aber auch der sogenannte &bdquo;Haltungsjournalismus&ldquo;, der von einigen anscheinend so verstanden wird, dass man dem Erreichen eines vermeintlich ehrenwerten Zieles journalistische Standards wie Ausgewogenheit und Faktentreue opfern kann. Damals galt manchem Journalisten die Impflicht als solch ein Ziel, heute ist es die Solidarit&auml;t mit Israel.<\/p><p><strong>Wir sollten vielleicht auch &uuml;ber das besondere Verh&auml;ltnis und die Geschichte von Deutschland und Israel sprechen, die es vielen wahrscheinlich schwer macht, bei diesem Thema &bdquo;narrativ umzusteuern&ldquo;. Ich habe vor einer Weile mal einen interessanten Satz von einem deutsch-israelischen Freund geh&ouml;rt, der sagte: &bdquo;Das Israel, welches diese deutschen Journalisten und andere Menschen in Deutschland verteidigen oder f&uuml;r das sie einstehen wollen, gibt es gar nicht mehr oder gab es vielleicht nie.&ldquo; Das fand ich einen interessanten Satz. Das w&uuml;rde bedeuten, die Menschen, die daran festhalten, haben so etwas wie eine &bdquo;psychologische Anpassungsst&ouml;rung&ldquo;, sie haben so ein positives Bild im Kopf davon, was Israel bedeutet, und auch wenn noch so viele Fakten diesem Bild widersprechen, k&ouml;nnen sie dieses Bild nicht aufgeben oder m&ouml;chten es nicht.<\/strong><\/p><p>Ja, auf jeden Fall. Das besondere Verh&auml;ltnis zu Israel ist nat&uuml;rlich tief in unserer Kultur, in unserer Geschichte verwurzelt. Der Politikwissenschaftler Daniel Marwecki zeigt in seinem Buch &bdquo;Germany and Israel: Whitewashing and Statebuilding&ldquo; sehr &uuml;berzeugend, dass dieses besondere Verh&auml;ltnis zu Israel nicht Folge einer kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte war oder eines Bem&uuml;hens um Antisemitismusbek&auml;mpfung oder mehr Gerechtigkeit in der Welt, sondern Teil des Bem&uuml;hens der Bundesrepublik um die Westbindung. Deutschland suchte in Form von Finanzhilfen und R&uuml;stungslieferungen den Schulterschluss mit Israel, damit dieses im Gegenzug die Absolution f&uuml;r die Verbrechen der deutschen Vergangenheit lieferte. In der Medienwelt l&auml;sst sich dasselbe Muster beim Springer-Verlag beobachten. Dessen Gr&uuml;nder Axel Springer war vor 1945 selbst verantwortlich f&uuml;r antisemitische Propaganda und wandelte sich in den 60ern zum bekennenden Israel-Fan. Gleichzeitig hatte er kein Problem damit, weiter ehemalige NSDAPler in seinen Redaktionen zu besch&auml;ftigen, von rassistischen Inhalten in <em>BILD<\/em> und Co. ganz zu schweigen.<\/p><p>Also dieses sehr auf Israel fokussierte und reduzierte Geschichtsverst&auml;ndnis, das pr&auml;gt vor allem deutsche Eliten in allen gesellschaftlichen und politischen Sph&auml;ren und das ist sicherlich auch einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r das Versagen der Medien. Weil, wie Sie schon sagten, dieses Weltbild sitzt so tief, dass selbst wenn Medienschaffende quasi die Fakten auf dem Tisch haben &ndash; wenn eins zu eins zu sehen ist, dass Israel das Massaker XY begangen hat, es Hunderte Seiten Genozidberichte gibt, man das alles nachlesen kann &ndash;, dann ist das trotzdem immer noch nicht st&auml;rker als dieses Weltbild; oder vielmehr als das Bild, das viele Journalisten von Israel und das Selbstbild, dass sie von sich selbst und vom Westen haben.<\/p><p><strong>Jetzt haben Sie gesagt, dass die Berichterstattung sich auch in letzter Zeit nicht zum Guten ver&auml;ndert hat und Sie auch wenig Selbsterkenntnis oder Selbstkritik bei den Journalisten sehen. Was glauben oder hoffen Sie dennoch, mit Ihrem Buch zu bewirken?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde nicht sagen, dass sich nichts ver&auml;ndert hat. Ich w&uuml;rde sagen, es ist sogar mit der Zeit schlechter geworden &ndash; dahingehend, dass die Berichterstattung immer weniger geworden ist, nicht erst jetzt nach dem sogenannten &bdquo;Friedensplan&ldquo;, der nat&uuml;rlich &uuml;berhaupt gar keinen Frieden gebracht hat. Das war auch schon im Sommer letzten Jahres so, als Israels Armee regelm&auml;&szlig;ig &uuml;ber 100 Pal&auml;stinenser pro Tag t&ouml;tete und es diese Verbrechen trotzdem kaum in die Schlagzeilen schafften.<\/p><p>Zu Ihrer Frage, was ich hoffe: Also, zwischendurch hatte ich schon ein wenig die Hoffnung, dass, wenn man Journalisten m&ouml;glichst pr&auml;zise und mit vielen Fakten auf ihre Verfehlungen hinweist, sich der eine oder andere findet, der denkt: &sbquo;Ja, stimmt. Ich mache es jetzt besser.&lsquo; Diese Hoffnung habe ich aufgegeben.<\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Ihr seid nicht die verr&uuml;ckt Gewordenen, die Medien sind es.&ldquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Was ich jetzt damit zu erreichen hoffe, ist vor allem, die &Ouml;ffentlichkeit f&uuml;r die Probleme zu sensibilisieren und ihr die n&ouml;tigen Fakten und Argumente zu geben, um ihr unbestimmtes Gef&uuml;hl, dass da irgendwas nicht stimmen kann, zu unterf&uuml;ttern, ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht die verr&uuml;ckt Gewordenen, die Medien sind es.<\/p><p>Ich hoffe auch, dass sich mehr Leute von etablierten Medien abwenden und sich ihre Informationen woanders holen und alternative Medien unterst&uuml;tzen. Eine Antwort auf die Frage &sbquo;Was l&auml;uft in Deutschland anders als in anderen westlichen Staaten?&lsquo; ist auch die Bereitschaft, kritische alternative Medien zu unterst&uuml;tzen. Das liegt leider auch an den Besonderheiten unseres Mediensystems. Menschen, die jeden Monat schon dazu verpflichtet werden, 18,36 Euro f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Rundfunk abzutreten, sind verst&auml;ndlicherweise oft nicht bereit, noch mehr f&uuml;r weitere Medien zu bezahlen. Ohne eine St&auml;rkung der alternativen Medien wird es aber nicht besser werden.<\/p><p><strong>Jenseits von der Unterst&uuml;tzung unabh&auml;ngiger Medien und einem kritischeren Medienkonsum, was k&ouml;nnen B&uuml;rger oder Leser noch gegen die einseitige und propagandistische Berichterstattung der Medien, wie Sie sie herausgearbeitet haben, tun?<\/strong><\/p><p>Wozu ich auch lange geraten habe, ist, sich bei den zust&auml;ndigen Kontrollgremien oder bei den Redaktionen selbst zu beschweren. Das habe ich mir auch f&uuml;r mein Buch angeschaut und kam dann zu dem Ergebnis: Das bringt eigentlich kaum etwas. Es gab Tausende Beschwerden beim Rundfunkrat und den Landesmedienanstalten, und die F&auml;lle zum Thema Nahost, die &uuml;berhaupt zur Entscheidung angenommen wurden, kann man an einer Hand abz&auml;hlen. F&auml;lle, in denen einseitige oder falsche und irref&uuml;hrende Berichterstattung dann tats&auml;chlich ger&uuml;gt wurden, gab es so gut wie gar keine. Rundfunkr&auml;te, Landesmedienanstalten und auch der Presserat sind selbst Teil des Problems, nicht Teil der L&ouml;sung.<\/p><p>Gleichzeitig schadet es auch nicht, sich dort oder direkt bei den Redaktionen zu beschweren. Zumindest ist die Folge davon, dass die betroffenen Journalisten merken, dass Leuten ihre falsche Berichterstattung auff&auml;llt, und das allein ist schon gut &ndash; allein dieses Bewusstsein aufrechtzuerhalten, auch durch Kritik in der &Ouml;ffentlichkeit und in den sozialen Medien, auch wenn es unmittelbar nichts bringt.<\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Es ist nat&uuml;rlich erst mal gut, wenn Leute ihre Informationen nicht mehr aus der Tagesschau bekommen.&ldquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Was ich auch h&auml;ufig geh&ouml;rt habe, ist, dass Leute sagen: &bdquo;Ich lese das doch eh nicht und es ist mir egal, was die berichten.&ldquo; Es ist nat&uuml;rlich erst mal gut, wenn Leute ihre Informationen nicht mehr aus der &bdquo;Tagesschau&ldquo; bekommen. Gleichzeitig sollte man sich aber trotzdem bewusst machen, welche Macht &bdquo;Tagesschau&ldquo; und <em>BILD<\/em> immer noch haben. Sie sind immer noch die mit gro&szlig;em Abstand reichweitenst&auml;rksten Medien und haben eine riesige Wirkung auf die Meinungsausbildung in Deutschland. Und sie beeinflussen auch diejenigen, die in den Parlamenten und in der Regierung sitzen und dort in unserem Namen die politischen Entscheidungen treffen. Von daher ist es auch weiter wichtig, die gro&szlig;en Medien zu kritisieren, nicht zuletzt nat&uuml;rlich auch die &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien, weil wir alle f&uuml;r sie bezahlen.<\/p><p><strong>Sie erw&auml;hnen in dem Kapitel &bdquo;Druck von allen Seiten&ldquo; auch, dass es immer wieder starken Druck und Interventionen von der israelischen Botschaft in Deutschland auf Medienunternehmen bzw. auf Redaktionen gab und auch durch pro-israelische Lobbygruppen wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft, um die Berichterstattung zu beeinflussen. Wie wichtig sind diese Akteure?<\/strong><\/p><p>Ja, das gibt es auf jeden Fall. Das gab es auch schon vor dem 7. Oktober. Solche Geschichten habe ich aus Redaktionen geh&ouml;rt. Vor allem bei den gro&szlig;en Leitmedien ruft immer wieder der israelische Botschafter in der Redaktion an und sagt, dass ihm diese und jene Berichterstattung nicht passt und dass das bitte ge&auml;ndert werden soll.<\/p><p>Dem gibt nat&uuml;rlich nicht jedes Medium nach, aber allein dass das regelm&auml;&szlig;ig passiert und auch weithin akzeptiert wird und nicht gro&szlig; skandalisiert wird, ist bedenklich. Offizielle israelische Vertreter sind auch regelm&auml;&szlig;ig an Kampagnen gegen kritische Journalisten oder Journalisten, die sie f&uuml;r kritisch halten, beteiligt. Da sind dann auch Tagesschau-Reporterinnen oder Spiegel-Redakteure darunter, aber auch viele andere. Ich war auch schon mal auf so einer Liste des Sprechers der israelischen Armee, &bdquo;Die Top Ten der Deutschen Israelhasser&ldquo; oder so etwas.<\/p><p>Der Skandal ist auch, dass solche Anfeindungen keinerlei Konsequenzen haben &ndash; weder in der deutschen Medienlandschaft, wo es wenig Solidarit&auml;t gibt und wenn, dann nur gegen&uuml;ber sehr bekannten Journalisten oder Journalisten der gro&szlig;en Medienh&auml;user. F&uuml;r freie Journalisten und jene au&szlig;erhalb des klassischen Mediensystems gibt es keine Solidarisierung durch Journalistenverb&auml;nde, die ja eigentlich auch f&uuml;r den Schutz von Journalisten in Deutschland zust&auml;ndig sind. Und es gibt auch keine Ma&szlig;nahmen durch Beh&ouml;rden oder Politik. Wenn man das einmal damit vergleicht, wie gro&szlig; die Emp&ouml;rung ist, wenn in anderen L&auml;ndern so etwas passiert &ndash; etwa in der T&uuml;rkei oder in Russland: Wenn dort Journalisten &ouml;ffentlich bedroht oder auf Listen gesetzt werden, gibt es hierzulande zu Recht viel Emp&ouml;rung, aber wenn das hier im eigenen Land geschieht, passiert nach wie vor so gut wie gar nichts. Das wiederum tr&auml;gt zus&auml;tzlich dazu bei, dass es guter, machtkritischer Journalismus in Deutschland weiterhin sehr schwer hat.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!<\/strong><\/p><p><em>Fabian Goldmann: <a href=\"https:\/\/manifest-buecher.de\/produkt\/staatsraesonfunk\/\">Staatsr&auml;sonfunk: Deutsche Medien und der Genozid in Gaza<\/a>, Berlin 2026, Manifest Verlag, Taschenbuch, 407 Seiten, ISBN 978-3-96156-145-2, 22 Euro.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Fabian Goldmann &amp; Manifest Verlag<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4ef771d1e84e4ad988cb98a21cf92a92\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Ein Interview mit Fabian Goldmann zu seinem Buch &bdquo;Staatsr&auml;sonfunk&ldquo;<\/strong><br \/> Im zweiten Teil des Interviews mit dem Journalisten <strong>Fabian Goldmann<\/strong> sprechen wir &uuml;ber Mut und Angst von Journalisten, den Druck, dem sie ausgesetzt sind, Parallelen zur Rolle der Journalisten in der Corona-Zeit und dar&uuml;ber, was B&uuml;rger gegen einseitige und unvollst&auml;ndige Berichterstattung der Medien &uuml;berhaupt tun k&ouml;nnen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146798\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":146791,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,183,11],"tags":[2218,3041,3058,302,1917,3028,1557,2269,1919,2669,1415,309,3542,2374],"class_list":["post-146798","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-cancel-culture","tag-diffamierung","tag-gaza","tag-genozid","tag-haltungsjournalismus","tag-israel","tag-konformitaetsdruck","tag-lueckenpresse","tag-leitmedien","tag-pressefreiheit","tag-repressionen","tag-schweigespirale","tag-staatsraeson"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/260225-goldmann-iv.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146798","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=146798"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146798\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":146860,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/146798\/revisions\/146860"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/146791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=146798"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=146798"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=146798"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}