{"id":146836,"date":"2026-02-26T13:00:22","date_gmt":"2026-02-26T12:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146836"},"modified":"2026-02-26T13:34:15","modified_gmt":"2026-02-26T12:34:15","slug":"vier-jahre-ukraine-krieg-und-die-isolation-von-jacques-baud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146836","title":{"rendered":"Vier Jahre Ukraine-Krieg und die Isolation von Jacques Baud"},"content":{"rendered":"<p>Eskalation nach au&szlig;en &ndash; Repression nach innen. Zum vierten Jahrestag des Ukraine-Krieges wurde &uuml;berdeutlich: Sowohl die Ukraine als auch die europ&auml;ischen NATO-Verb&uuml;ndeten wollen keinen Frieden in der Ukraine. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1756\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146836-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226-Ukraine-Krieg-Jaques-Baud-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226-Ukraine-Krieg-Jaques-Baud-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226-Ukraine-Krieg-Jaques-Baud-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226-Ukraine-Krieg-Jaques-Baud-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=146836-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260226-Ukraine-Krieg-Jaques-Baud-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260226-Ukraine-Krieg-Jaques-Baud-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Lautstark werden in Br&uuml;ssel, Berlin, London und Paris Forderungen nach noch mehr Waffen und Finanzhilfe f&uuml;r die Ukraine erhoben. Russland warnt vor einer atomaren Bewaffnung Kiews durch Frankreich und Gro&szlig;britannien sowie vor geplanten Angriffen auf die Pipeline Turkish Stream. Nimmt man die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft &uuml;ber die Verwicklung staatlicher Stellen der Ukraine in die Anschl&auml;ge auf die Nord-Stream-Pipeline ernst, erscheinen solche Warnungen nicht abwegig.<\/p><p>Klar ist, dass die europ&auml;ischen Eliten &ndash; mit Ausnahme Ungarns und der Slowakei &ndash; planen, den Krieg in der Ukraine weiter eskalieren zu lassen. Zu dieser Eskalationsstrategie geh&ouml;rt offenbar auch das Vorgehen gegen Kritiker im Inneren. Prominent ins Visier der EU geraten ist der Schweizer Publizist Jacques Baud. Mit Sanktionen zielen die EU-Mitgliedstaaten darauf ab, Baud mundtot zu machen, denn insbesondere seine Analyse der Vorgeschichte des Ukraine-Krieges wirft ein ganz anderes Licht auf die Kriegsgr&uuml;nde, als es der offiziellen Version der europ&auml;ischen NATO-Staaten entspricht. Jede weitere Ma&szlig;nahme gegen den Publizisten darf daher als Teil einer Mobilmachung gewertet werden.<\/p><p>Wie weit der Arm der EU-B&uuml;rokraten reicht, wurde deutlich, als vor wenigen Tagen auch die schweizerische Bank UBS dem ehemaligen Geheimdienstoffizier das Konto und Karten sperrte. Baud, der in Br&uuml;ssel lebt, hat damit eine weitere M&ouml;glichkeit verloren, sich finanziell &uuml;berhaupt &uuml;ber Wasser zu halten.<\/p><p><strong>Historische Parallelen: Isolation als Herrschaftsinstrument<\/strong><\/p><p>Um zu begreifen, was hier von Seiten der EU geschieht, muss man weit in die Geschichte zur&uuml;ckgehen; die alleinige Charakterisierung der EU-Ma&szlig;nahmen als autorit&auml;r scheint nicht ausreichend. Denn zu sehr erinnern die Ma&szlig;nahmen, die auf die Isolation Bauds zielen &ndash; der sich im &Uuml;brigen keines Verbrechens schuldig gemacht hat &ndash;, an das System der Verbannung und die Politik der Isolation gegen&uuml;ber Oppositionellen von 1922&ndash;1943 im italienischen Faschismus. Trotz aller Unterschiede. <\/p><p>Auch das Confino des italienischen Faschismus war eine b&uuml;rokratische Ma&szlig;nahme, die nicht auf die Bestrafung konkreter Vergehen, sondern auf Pr&auml;vention und Generalpr&auml;vention abzielte. Sicherlich wurde Baud nicht wie die italienischen Verbannten auf eine abgelegene Insel gebracht. Doch der Entzug finanzieller Mittel sowie die auferlegte Armut als unausgesprochene Strafe lassen durchaus Vergleiche zu. Das Confino auf abgelegenen Inseln &ndash; auf denen es keine Bankfilialen gab &ndash; diente dazu, die Verbannten wirtschaftlich zu ruinieren und sozial zu isolieren.<\/p><p><strong>F&uuml;nf Thesen gegen den offiziellen Kriegsmythos<\/strong><\/p><p>Anl&auml;sslich des vierten Jahrestages des Ukraine-Krieges gilt es auch inhaltlich zu fragen, warum Baud in den Fokus der Generalpr&auml;vention der EU und ihrer Mitgliedstaaten ger&auml;t. Offenbar wurde er f&uuml;r die Sanktionsb&uuml;rokratie zu einer gef&auml;hrlichen Person. Was aber macht seine Gef&auml;hrlichkeit aus, dass nun alles darangesetzt wird, ihn zwar nicht auf eine einsame Insel, wohl aber mitten in Br&uuml;ssel zu isolieren und ihm durch den Entzug wesentlicher Lebensgrundlagen die Existenz zu erschweren?<\/p><p>Im Grunde zielen die EU-Ma&szlig;nahmen auf einen Widerruf &ndash; und, falls dieser nicht erfolgt, auf die Zerst&ouml;rung der Person. Entgegen den Einlassungen des Ausw&auml;rtigen Amts wird Baud im Sanktionsbeschluss nicht vorgeworfen, in russischen Medien aufzutreten &ndash; was er (seit dem Beginn des Ukrainekriegs 2022) nachweislich auch nicht tut. Es muss also um etwas anderes gehen. Alles deutet darauf hin, dass es die Inhalte sind, die Baud zu einer gef&auml;hrlichen Person machen.<\/p><p>In f&uuml;nf zentralen Punkten widerspricht Baud dem Kriegsmythos von NATO und EU:<\/p><ol>\n<li>Baud weist darauf hin, dass der Krieg durch die NATO-Osterweiterung und gebrochene Versprechen des Westens provoziert worden sei und dass russische Sicherheitsinteressen &ndash; etwa hinsichtlich einer m&ouml;glichen NATO-Mitgliedschaft der Ukraine &ndash; ignoriert wurden. Der Konflikt sei eine Reaktion auf eine jahrelange Bedrohung Russlands und kein unprovozierter Aggressionsakt Putins.<\/li>\n<li>Baud analysiert, dass die Ukraine den Konflikt im Donbass aktiv eskaliert und eine Offensive geplant habe. Er verweist sowohl auf Angriffe auf Zivilisten im Donbass als auch auf die Vorbereitung einer Offensive mit westlicher Unterst&uuml;tzung. Zudem bezieht er sich auf Aussagen des ehemaligen ukrainischen Pr&auml;sidentenberaters Oleksiy Arestowytsch, der 2019 einen Krieg als m&ouml;glichen Preis f&uuml;r einen NATO-Beitritt der Ukraine benannte. <\/li>\n<li>Besonders unangenehm f&uuml;r den Westen ist Bauds Feststellung, dass das westliche Ziel nicht der Schutz der Ukraine, sondern ein langfristiger Kampf gegen Russland sei. Europa opfere die Ukraine geopolitischen Interessen, w&auml;hrend die USA den Konflikt nutzten, um Europa enger an sich zu binden und ihre R&uuml;stungsindustrie &uuml;ber von Europ&auml;ern finanzierte ukrainische Bestellungen zu st&auml;rken.<\/li>\n<li>Milit&auml;risch sei Russland &uuml;berlegen. Der Westen missverstehe bewusst den russischen Ansatz, der auf die Zerst&ouml;rung ukrainischer Kr&auml;fte und nicht prim&auml;r auf territoriale Eroberungen abziele. Aufgrund dieser Fehleinsch&auml;tzung seien ukrainische Gegenoffensiven zum Scheitern verurteilt. Der Krieg sei f&uuml;r die Ukraine verlustreich und nicht gewinnbar.<\/li>\n<li>Baud pl&auml;diert seit Langem f&uuml;r Verhandlungen, wie sie derzeit in Genf zwischen der Ukraine, Russland und den USA stattfinden. Seine &Uuml;berzeugung ist, dass der Krieg nur durch Diplomatie und Neutralit&auml;tsgarantien beendet werden k&ouml;nne, nicht durch einen milit&auml;rischen Sieg. Er kritisiert die Eskalationsstrategie des Westens und betont, dass eine L&ouml;sung Kompromisse erfordere, da sonst ein langer, verlustreicher Stellungskrieg drohe.<\/li>\n<\/ol><p>Diese Analysen sind es, die Baud f&uuml;r die europ&auml;ischen Eliten zu einer gef&auml;hrlichen Person machen. Die EU will ihn ohne Gerichtsverfahren bestrafen &ndash; nicht nur, um ihn selbst mundtot zu machen, sondern um andere abzuschrecken. Wer &auml;hnliche Analysen ver&ouml;ffentlicht, soll wissen, dass auch sein b&uuml;rgerliches Leben zerst&ouml;rt werden kann.<\/p><p>Diesen R&uuml;ckgriff auf generalpr&auml;ventive Ma&szlig;nahmen, die Anleihen im italienischen Faschismus nehmen, kann man nur als Vorbereitung auf einen gro&szlig;en Krieg verstehen. Solidarit&auml;t mit Jacques Baud ist daher nicht nur ein Einsatz f&uuml;r die Freiheit, sondern auch ein notwendiger Widerstand gegen die Kriegsmobilisierung der europ&auml;ischen NATO-Eliten, die Europa allem Anschein nach in einen Krieg mit Russland treiben wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eskalation nach au&szlig;en &ndash; Repression nach innen. Zum vierten Jahrestag des Ukraine-Krieges wurde &uuml;berdeutlich: Sowohl die Ukraine als auch die europ&auml;ischen NATO-Verb&uuml;ndeten wollen keinen Frieden in der Ukraine. 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