{"id":146844,"date":"2026-02-27T14:00:24","date_gmt":"2026-02-27T13:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146844"},"modified":"2026-03-03T15:51:35","modified_gmt":"2026-03-03T14:51:35","slug":"die-bomben-die-die-schaedel-der-toten-blank-polieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146844","title":{"rendered":"Die Bomben, die die Sch\u00e4del der Toten blank polieren"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Auslaufen des New-START-Vertrags, dem R&uuml;ckzug der USA aus R&uuml;stungskontrollvertr&auml;gen und ihrer Bef&uuml;rwortung nuklearer &bdquo;Kriegsf&uuml;hrungsdoktrinen&rdquo; steigt das Risiko eines katastrophalen Konflikts zwischen Atomm&auml;chten. Von <strong>Vijay Prashad<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nLiebe Freunde,<\/p><p>Gr&uuml;&szlig;e vom Schreibtisch des <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/\">Tricontinental: Institute for Social Research<\/a>.<\/p><p>Am 5. Februar 2026 lief der New Strategic Arms Reduction Treaty (New START) aus und beendete die letzte noch verbliebene rechtliche Begrenzung der strategischen Atomwaffenarsenale der USA und der Russischen F&ouml;deration.<\/p><p>Der New-START-Vertrag, der 2010 unterzeichnet wurde und 2011 in Kraft trat, h&auml;tte durch ein Nachfolgeabkommen ersetzt werden m&uuml;ssen. Der Vertrag beschr&auml;nkte die strategischen Sprengk&ouml;pfe und Tr&auml;gersysteme beider Seiten und legte ein Verifikationssystem mit Inspektionen, Benachrichtigungen und Informationsaustausch fest.<\/p><p>Diese Ma&szlig;nahmen waren nicht nur Kosmetik, sie waren d&uuml;nne F&auml;den, die die zerst&ouml;rerischste Maschinerie, die jemals zusammengebaut wurde, z&uuml;gelten.<\/p><p>Das Auslaufen des New-START-Vertrags kam nicht pl&ouml;tzlich. Aufgrund des jahrzehntelangen Bruchs in den Beziehungen zwischen den USA und Russland wurden die Vor-Ort-Inspektionen im M&auml;rz 2020 von beiden Seiten pausiert und nie wieder fortgesetzt. Im Februar 2023 setzte Russland seine Teilnahme am New-START-Verfahren aus, woraufhin die USA entsprechend reagierten.<\/p><p>Russland hat <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/russia-us-putin-trump-nuclear-arms-treaty-dddab5e6b4d98ff428747487f401db15\">&ouml;ffentlich erkl&auml;rt<\/a>, dass es beabsichtigt, die zahlenm&auml;&szlig;igen Beschr&auml;nkungen des Vertrags weiterhin einzuhalten, sofern die USA dies ebenfalls tun.<\/p><p>Als der Vertrag formell auslief, war sein Verifizierungssystem bereits zusammengebrochen.<\/p><p>Wir leben jetzt in einer Welt, in der die beiden gr&ouml;&szlig;ten Atomm&auml;chte durch keinerlei vertraglich bindende Grenzen eingeschr&auml;nkt sind.<\/p><p>Seit 2002 sind die USA einseitig aus einem R&uuml;stungskontrollvertrag nach dem anderen ausgestiegen und haben damit die Architektur untergraben, die zur Stabilisierung der Abschreckung beigetragen hat. Zu diesen Vertr&auml;gen geh&ouml;ren die folgenden:<\/p><ol>\n<li>Der Vertrag &uuml;ber Ballistische Raketen (ABM) von 1972 &ndash; R&uuml;ckzug der USA im Juni 2002.<\/li>\n<li>Der Vertrag &uuml;ber Nukleare Mittelstreckenwaffen (INF) von 1987 &ndash; R&uuml;ckzug der USA im August 2019.<\/li>\n<li>Der Vertrag &uuml;ber den Offenen Himmel (Open Skies) von 1992 &ndash; R&uuml;ckzug der USA im November 2020.<\/li>\n<li>Der New-START-Vertrag von 2011 &ndash; ausgelaufen im Februar 2026.<\/li>\n<\/ol><p>Das Ende des New-START-Vertrags vollzieht sich vor dem Hintergrund einer Hinwendung zu Doktrinen der nuklearen &bdquo;Kriegsf&uuml;hrung&ldquo;, darunter auch eine erneute Betonung der teuflischen Idee der &bdquo;Counterforce&ldquo; &ndash; deren Umrisse in der <a href=\"https:\/\/media.defense.gov\/2018\/feb\/02\/2001872877\/-1\/-1\/1\/executive-summary.pdf\">2018 US Nuclear Posture Review<\/a> (NPR) zu finden sind.<\/p><p>Die Idee ist einfach: Man greift die Nuklearstreitkr&auml;fte und Kommandosysteme des Gegners anstatt seiner St&auml;dte an. Ein solcher Angriff wird als rationaler und sogar humaner angesehen. In Wirklichkeit destabilisiert ein Angriff dieser Art alle Abschreckungssysteme.<\/p><p>Die Counterforce-Doktrin setzt auf Schnelligkeit, Vorwegnahme und Vorteil durch Erstschlag, wodurch die Entscheidungszeit verk&uuml;rzt wird. Sie erzeugt einen &bdquo;Use-it-or-lose-it&ldquo;-Druck [Anm. der &Uuml;bersetzerin: dass man zuschlagen muss, bevor die eigenen Streitkr&auml;fte zerst&ouml;rt werden], der Fehleinsch&auml;tzungen strukturell, nicht zuf&auml;llig macht.<\/p><p>Durch den technologischen Fortschritt im R&uuml;stungsbereich wird diese Logik noch verst&auml;rkt. Hoch entwickelte konventionelle Angriffssysteme, Raketenabwehrsysteme, Hyperschall-Tr&auml;gersysteme und integrierte Kommando- und Kontrollnetzwerke (gemeinsam genutzte Systeme, die Sensoren, Kommunikation und Entscheidungsfindung miteinander verbinden) verwischen die Grenze zwischen nuklearem und nicht-nuklearem Krieg.<\/p><p>Eine Rakete, die mit konventioneller Absicht abgefeuert wird, k&ouml;nnte als nuklearer Schlag interpretiert werden. Dual-Use-Plattformen &ndash; Systeme, die konventionelle oder nukleare Sprengk&ouml;pfe transportieren k&ouml;nnen &ndash; untergraben die Klarheit der Signalgebung, da es schwierig ist, zu bestimmen, ob es sich um einen konventionellen oder nuklearen Abschuss handelt. Eskalationsleitern werden k&uuml;rzer. Der Spielraum f&uuml;r Fehler verringert sich auf Sekunden.<\/p><p>Die Counterforce-Doktrin ist nicht nur eine abstrakte Debatte, sondern hat sich in Regierungshaushalten und R&uuml;stungsbeschaffungsvertr&auml;gen konkretisiert.<\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/media.defense.gov\/2022\/Oct\/27\/2003103845\/-1\/-1\/1\/2022-NATIONAL-DEFENSE-STRATEGY-NPR-MDR.PDF\">2022 US NPR<\/a> (Nuclear Posture Review) bekr&auml;ftigte die Modernisierung der nuklearen Triade: landgest&uuml;tzte Interkontinentalraketen, U-Boot-gest&uuml;tzte ballistische Raketen und atomwaffenf&auml;hige strategische Bomber.<\/p><p>Entscheidend ist, dass die NPR 2022 die Politik des &bdquo;No First Use&rdquo; und des &bdquo;Sole Purpose&rdquo; ablehnt. &bdquo;No First Use&rdquo; bedeutet, dass man sich verpflichtet, Atomwaffen nicht als Erster einzusetzen. &bdquo;Sole Purpose&rdquo; bedeutet, dass ihre Rolle auf Abschreckung und, falls erforderlich, auf die Reaktion auf einen Atomangriff beschr&auml;nkt ist.<\/p><p>Die aktuelle Politik sieht vor, dass die USA den Einsatz von Atomwaffen nur unter &bdquo;extremen Umst&auml;nden&ldquo; in Betracht ziehen w&uuml;rden, um ihre vitalen Interessen oder die ihrer Verb&uuml;ndeten und Partner zu verteidigen. Aber sie schlie&szlig;t einen Erstschlag nicht aus und l&auml;sst eine &bdquo;enge Bandbreite an Eventualit&auml;ten&ldquo; offen, in denen Atomwaffen Angriffe mit &bdquo;strategischer Wirkung&ldquo; abschrecken k&ouml;nnten.<\/p><p>Diese Haltung bewahrt die Option, milit&auml;rische F&auml;higkeiten des Gegners &ndash; einschlie&szlig;lich seiner strategischen Streitkr&auml;fte, wenn n&ouml;tig &ndash; ins Visier zu nehmen, ohne sich offen zur Counterforce-Doktrin zu bekennen.<\/p><p>Der Kongressausschuss f&uuml;r die strategische Position der USA <a href=\"https:\/\/www.congress.gov\/crs-product\/IF12621\">von 2023<\/a> hat dies noch weitergef&uuml;hrt und argumentiert, dass die nukleare Planung der USA weiterhin auf das abzielen sollte, was den Gegnern &bdquo;am meisten wert ist&ldquo;. In diesen Texten werden Atomwaffen nicht als tragische Notwendigkeiten der modernen Staatspolitik dargestellt, sondern als normale Werkzeuge, die unter bestimmten Umst&auml;nden eingesetzt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Der Wahnsinn hinter diesen Haltungen wird durch die enormen Gewinne der R&uuml;stungsindustrie befeuert, die darauf abzielt, nukleare Systeme im Rahmen der Counterforce-Doktrin zu modernisieren.<\/p><p>Ein Bericht von PAX und der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) aus dem Jahr 2025 mit dem Titel <a href=\"https:\/\/assets.nationbuilder.com\/ican\/pages\/6939\/attachments\/original\/1739803384\/At_What_Cost_2025Feb_DBOTB.pdf?1739803384\">&bdquo;At Great Cost: The Companies Building Nuclear Weapons and their Financiers&ldquo;<\/a> stellte fest, dass zwischen Januar 2022 und August 2024 260 globale Finanzinstitute (darunter Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Verm&ouml;gensverwalter) 24 Hersteller von Atomwaffen finanzierten, wobei Investoren Aktien und Anleihen im Wert von knapp 514 Milliarden US-Dollar hielten und rund 270 Milliarden US-Dollar in Form von Krediten und B&uuml;rgschaften bereitstellten. Zu diesen Unternehmen geh&ouml;ren Airbus, BAE Systems, Bechtel, Boeing, General Dynamics, L3Harris Technologies, Northrop Grumman und Rolls-Royce.<\/p><p>Der ICAN-Bericht <a href=\"https:\/\/www.icanw.org\/hidden_costs_2024_global_nuclear_weapons_spending\">&bdquo;Hidden Costs: Nuclear Weapons Spending in 2024&rdquo;<\/a> sch&auml;tzt, dass die neun Atomwaffenstaaten im Jahr 2024 100,2 Milliarden US-Dollar f&uuml;r ihre Atomwaffenarsenale ausgegeben haben, wobei der Privatsektor mindestens 42,5 Milliarden US-Dollar aus Vertr&auml;gen im Zusammenhang mit Atomwaffen eingenommen hat. Diese Summe h&auml;tte das 28-fache des UN-Budgets abgedeckt und 345 Millionen Menschen, die unter schwerstem Hunger leiden, fast zwei Jahre lang ern&auml;hrt. Die Atomwaffenindustrie ist eine unglaubliche Verschwendung von menschlichen Ressourcen.<\/p><p>Trotz des Zusammenbruchs des bilateralen R&uuml;stungskontrollsystems ist das globale System der nuklearen Abschreckung und Vernichtung nicht verschwunden. Was jedoch &uuml;brig bleibt, ist von der Rolle der USA in der Architektur der Nuklearpolitik gepr&auml;gt:<\/p><ol>\n<li>Der Vertrag &uuml;ber die Nichtverbreitung von Kernwaffen (1970) bleibt in Kraft, obwohl er das System der nuklearen Apartheid verst&auml;rkt (trotz Artikel VI, der die Atomwaffenstaaten zur Abr&uuml;stung auffordert). Das Auslaufen des New-START-Vertrags vertieft die Legitimit&auml;tskrise des Atomwaffensperrvertrags und macht deutlich, dass das Versprechen der Abr&uuml;stung auf unbestimmte Zeit aufgeschoben wird. Indien, Israel und Pakistan haben den Vertrag nie unterzeichnet; die Demokratische Volksrepublik Korea unterzeichnete ihn 1985, trat jedoch 2003 wieder aus.<\/li>\n<li>Die <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\/\">Internationale Atomenergie-Organisation <\/a>(IAEO, 1957) betreibt ein Sicherungssystem mit Inspektionen, Materialbuchhaltung und &Uuml;berwachung. Das <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\/topics\/additional-protocol\">Zusatzprotokoll<\/a> der IAEO von 1997 erweitert diese Befugnisse, doch dieser Mechanismus leidet nach wie vor unter selektiver Durchsetzung. Die Untersuchungen der IAEO gegen den Iran beispielsweise basieren nicht auf Beweisen, sondern auf der Feindseligkeit des Globalen Nordens gegen&uuml;ber der iranischen Regierung.<\/li>\n<li>Die <a href=\"https:\/\/www.nuclearsuppliersgroup.org\/index.php\/en\/\">Nuclear Suppliers Group<\/a> (1975) ist ein informelles Exportkontrollsystem f&uuml;r sensible Technologien und Dual-Use-Materialien, die in Programmen zum Kernbrennstoffkreislauf und zur Herstellung von Kernwaffen verwendet werden. W&auml;hrend ihr Zweck darin besteht, die Verbreitung von Kernwaffen einzud&auml;mmen (verst&auml;rkt durch die <a href=\"https:\/\/disarmament.unoda.org\/en\/our-work\/weapons-mass-destruction\/un-security-council-resolution-1540\">Resolution 1540 des UN-Sicherheitsrats<\/a>), festigt sie letztendlich technologische Hierarchien. Die Atomwaffenstaaten dominieren die informellen Institutionen, &uuml;ben ihre Autorit&auml;t aus und bestehen gleichzeitig auf Zur&uuml;ckhaltung von anderen.<\/li>\n<\/ol><p>Einige br&uuml;chige Normen entziehen sich weiterhin der vollst&auml;ndigen Kontrolle der USA, sind jedoch fragmentiert und k&ouml;nnen keine umfassende Agenda vorantreiben. Dazu geh&ouml;ren:<\/p><ol>\n<li><a href=\"https:\/\/disarmament.unoda.org\/en\/our-work\/weapons-mass-destruction\/nuclear-weapons\/treaty-prohibition-nuclear-weapons\">Der Vertrag &uuml;ber das Verbot von Kernwaffen<\/a> (2017). Dabei handelt es sich um ein rechtsverbindliches Instrument, das eine kategorische Ablehnung von Atomwaffen darstellt. Bis Ende 2025 hatten 99 L&auml;nder den Vertrag ratifiziert oder unterzeichnet, aber keiner der neun Atomwaffenstaaten der Welt ist darunter. In Europa haben nur &Ouml;sterreich, der Vatikan, Irland, Malta und San Marino ihn ratifiziert. Der Vertrag, der von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen vorangetrieben wurde, ist weitgehend eine Initiative des Globalen S&uuml;dens.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.un.org\/nwfz\/content\/overview-nuclear-weapon-free-zones\">Atomwaffenfreie Zonen<\/a>. F&uuml;nf Regionen der Welt haben Vertr&auml;ge verabschiedet, um ihre Gebiete atomwaffenfrei zu machen. Diese sind der Vertrag von Tlatelolco (1967) f&uuml;r Lateinamerika und die Karibik, der Vertrag von Rarotonga (1985) f&uuml;r den S&uuml;dpazifik, der Vertrag von Bangkok (1995) f&uuml;r S&uuml;dostasien, der Vertrag von Pelindaba (1996) f&uuml;r Afrika und der Vertrag von Semipalatinsk (2006) f&uuml;r Zentralasien. Diese Vertr&auml;ge geh&ouml;ren in der Praxis zu den erfolgreichsten Errungenschaften im Bereich der nuklearen Abr&uuml;stung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ctbto.org\/\">Der Vertrag &uuml;ber das umfassende Verbot von Atomtests<\/a> (1996). Dieser Vertrag konnte noch nicht in Kraft treten, da mehrere daf&uuml;r notwendige Staaten ihn noch nicht ratifiziert haben. Politisch bleibt er jedoch von Bedeutung, da er nukleare Testexplosionen verbietet und dazu beigetragen hat, dass Atomtests international tabu sind. Das &Uuml;berwachungssystem des Vertrags funktioniert t&auml;glich, indem es seismische und atmosph&auml;rische Signale erfasst, wodurch Tests schwerer zu verbergen sind.<\/li>\n<\/ol><p>Die Landschaft nach dem New-START-Vertrag umfasst zwar einige Institutionen und Normen, aber die zentrale Beschr&auml;nkung der gr&ouml;&szlig;ten Atomwaffenarsenale ist nicht mehr vorhanden. Was wir jetzt haben, sind drei sich &uuml;berschneidende Krisen:<\/p><ul>\n<li>Eine Krise der Stabilit&auml;t. Ohne Transparenz und &Uuml;berpr&uuml;fung der gr&ouml;&szlig;ten Atomwaffenarsenale gibt es nur Misstrauen zwischen den Gro&szlig;m&auml;chten.<\/li>\n<li>Eine Krise der Legitimit&auml;t. Die L&auml;nder mit den gr&ouml;&szlig;ten Arsenalen fordern die Einhaltung der Nichtverbreitungsvereinbarungen, w&auml;hrend sie selbst ihre vertraglichen Verpflichtungen zur Abr&uuml;stung aufgegeben haben.<\/li>\n<li>Eine Krise des Gewissens. Es ist erschreckend, dass Atomwaffen heute als einsetzbar, handhabbar und notwendig bezeichnet werden &ndash; als legitime Optionen auf dem Schlachtfeld.<\/li>\n<\/ul><p>Eine R&uuml;ckkehr zu einem System der R&uuml;stungskontrolle ist notwendig. Aber wir m&uuml;ssen eine umfassendere Agenda in Betracht ziehen. Selbst die besten Vertr&auml;ge dienen nur der Eind&auml;mmung der Gefahr, beseitigen sie aber nicht.<\/p><p>Der tiefere Widerspruch bleibt bestehen: eine Welt, in der einige wenige Staaten das Recht f&uuml;r sich beanspruchen, die Menschheit im Namen der Sicherheit zu vernichten.<\/p><p>Das Auslaufen des New-START-Vertrags r&auml;umt mit Illusionen auf und offenbart eine Atomwaffenordnung, die Macht bewahrt und den Frieden nicht f&ouml;rdert.<\/p><p>Libyen gab sein Atomwaffenprogramm im Dezember 2003 auf. Acht Jahre sp&auml;ter wurde eine Resolution des UN-Sicherheitsrats (Nr. 1973), die ein Waffenembargo und eine Flugverbotszone verh&auml;ngte, von der NATO als Rechtfertigung f&uuml;r die milit&auml;rische Intervention genutzt, die den libyschen Staat zerst&ouml;rte. Daher war es logisch, dass die Volksrepublik Korea 2006 eine Atomwaffe testete und sich gegen die Bestrebungen der USA und ihrer ostasiatischen Verb&uuml;ndeten zum Regime Change abschirmte.<\/p><p>Die Counterforce-Doktrin der USA ermutigt L&auml;nder, einen solchen Schutzschild aufzubauen &ndash; eine schmerzhafte Realit&auml;t in einer Welt, die von den &Auml;ngsten gepr&auml;gt ist, die der <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/studies-on-contemporary-dilemmas-4-hyper-imperialism\/\">Hyperimperialismus<\/a> hervorruft.<\/p><p>Im Jahr 2003 schrieb der britische Dramatiker Harold Pinter (1930 &ndash; 2008), erz&uuml;rnt &uuml;ber den Globalen Krieg gegen den Terror, ein eindr&uuml;ckliches Gedicht mit dem Titel &bdquo;The Bombs&rdquo;. Ich erinnere mich, wie Pinter dieses Gedicht in London vortrug, der Rhythmus kraftvoll, die Hoffnung deutlich inmitten der Abscheulichkeit. Zu seinem Gedenken hier das Gedicht:<\/p><blockquote><p>\n<em>Es gibt keine Worte mehr zu sagen.<\/em><br>\n<em>Alles, was uns bleibt, sind die Bomben,<\/em><br>\n<em>die aus unseren K&ouml;pfen hervorbrechen.<\/em><br>\n<em>Alles, was uns bleibt, sind die Bomben,<\/em><br>\n<em>die uns das letzte Blut aussaugen.<\/em><br>\n<em>Alles, was uns bleibt, sind die Bomben,<\/em><br>\n<em>die die Sch&auml;del der Toten blank polieren.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Mit herzlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nVijay<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist der <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/newsletterissue\/start-nuclear-weapons\/\">8. Newsletter 2026 des Tricontinental: Institute for Social Research<\/a>, aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Marta Andujo.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: fotorauschen \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Auslaufen des New-START-Vertrags, dem R&uuml;ckzug der USA aus R&uuml;stungskontrollvertr&auml;gen und ihrer Bef&uuml;rwortung nuklearer &bdquo;Kriegsf&uuml;hrungsdoktrinen&rdquo; steigt das Risiko eines katastrophalen Konflikts zwischen Atomm&auml;chten. 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