{"id":146894,"date":"2026-02-27T09:57:57","date_gmt":"2026-02-27T08:57:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146894"},"modified":"2026-02-27T10:38:39","modified_gmt":"2026-02-27T09:38:39","slug":"raubtierkapitalismus-lohnt-us-konzern-amazon-umsatzweltmeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146894","title":{"rendered":"Raubtierkapitalismus lohnt: US-Konzern Amazon Umsatzweltmeister"},"content":{"rendered":"<p>Mehr, mehr, mehr &hellip; (kurzes Innehalten) und noch mehr. Das gelingt mit Werbung, mit Verlockung, mit clever formuliertem Kleingedruckten. Und schon zieht sich die Schlinge zu. Partnerschaft? Ach n&ouml;. Abh&auml;ngigkeit? Gerne. Plattmachen? Auch. Sprachlos schaut Beobachter auf das uners&auml;ttliche Projekt des Raubierkapitalismus namens Amazon. Siehe da: Der US-Konzern hat es endlich geschafft. Dank unstillbarer Gier, Hinterlist und Raffinesse sind die US-Amerikaner (Jeff Besos als Hauptaktion&auml;r) die Nummer 1 weltweit in Sachen Umsatz. Auf der Strecke bleiben ihre Partner &ndash; das ist verschwiegener Teil des Planes. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>FBA, die USA sind das Land boshafter Drei-Buchstaben-Konstellationen<\/strong><\/p><p>Schon mal was von FBA geh&ouml;rt? Das hat mich j&uuml;ngst mein sehr guter Freund gefragt. Die Frage stellte er mir im Zusammenhang mit der Neuigkeit, dass der m&auml;chtige US-Konzern Amazon jetzt der umsatzst&auml;rkste Weltkonzern ist. Und f&uuml;r den Konzern hat er mal gearbeitet, also genauer f&uuml;r eine Firma, die mit Amazon einen FBA einging. Die Tagesschau berichtete &uuml;ber den Erfolg von Amazon:<\/p><blockquote><p>\n<em>Erstmals ist der US-Konzern Amazon im vergangenen Jahr das umsatzst&auml;rkste Unternehmen der Welt gewesen. Er schob sich damit knapp vor den amerikanischen Handelsriesen Walmart, der die vergangenen 13 Jahre die Position inne hatte. Amazon konnte 2025 einen Umsatz von 716,9 Milliarden Dollar verzeichnen, w&auml;hrend Walmart auf 713,2 Milliarden Dollar kam <\/em><br>\n<strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/amazon-umsatz-staerkstes-unternehmen-100.html#:~:text=Amazon%20konnte%202025%20einen%20Umsatz,klassischen%20Handel%20nicht%20mithalten%20k%C3%B6nnen\">Tagesschau<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Zur&uuml;ck zum FBA. Das ist ein wichtiger (und nicht der einzige) Faktor, dass Jeff Besos&rsquo; Amazon es soweit hat bringen k&ouml;nnen. Das &bdquo;Prinzip&ldquo; vertraglicher Bindungen zwischen Amazon und ihren Gesch&auml;ftspartnern: Die Kosten den anderen, den meisten Ertrag uns und die Kontrolle &uuml;ber das Ganze erst recht. Ausgekl&uuml;gelt bis ins Detail. Sch&ouml;n verpackt in einem coolen Konzern-Slogan: &bdquo;Wir sind das kundenorientierteste Unternehmen der Welt.&ldquo;<\/p><p>Bei FBA geht es darum, erz&auml;hlt mir mein Freund, dass Firmen, Hersteller oder H&auml;ndler einen &bdquo;Versand durch Amazon&ldquo; (FBA &ndash; Fulfillment by Amazon) Full-Service in Deutschland nutzen. Amazon k&uuml;mmert sich um alles. Klingt gut, hat nur einen Haken. Denn bei FBA bezahlt grunds&auml;tzlich der H&auml;ndler die Kosten, auch f&uuml;r Retouren. Und Retouren passieren, Kunden schicken halt auch Sachen zur&uuml;ck. Amazon wickelt den gesamten Prozess ab, hei&szlig;t es und stellt den Firmen und H&auml;ndlern Geb&uuml;hren f&uuml;r Bearbeitung der R&uuml;cksendung in Rechnung. Die R&uuml;cksendungen landen beim H&auml;ndler und diese Waren sind nicht selten kaum oder nicht mehr zu gebrauchen. Schadensummierung pur. Und die H&ouml;he der Geb&uuml;hren und Kosten legt Amazon fest.<\/p><p><strong>Noch ein Trio der Buchstaben: LIF<\/strong><\/p><p>LIF. Amazon ist einfallsreich, Umsatz zu machen. So mit einem Zuschlag auf einen &bdquo;niedrigen&ldquo; Lagerbestand LIF (Low Inventory Fee) bei seinen Partnern. Amazon hat eine Geb&uuml;hr eingef&uuml;hrt, die direkt an die Lagerreichweite eines Produkts gekoppelt ist. Die Geb&uuml;hr wird f&uuml;r Standardartikel erhoben, deren Lagerbestand im Verh&auml;ltnis zur Kundennachfrage &uuml;ber einen Zeitraum von 30 bis 90 Tagen kontinuierlich unter 28 Tagen liegt. Diese Geb&uuml;hr wird dann als Mangel an Ware (eine entgangene Verkaufschance) gesehen und zu einer finanziellen Strafe (!) erhoben. Amazon bestraft also den eigenen Partner. Umgekehrt geht das nicht&hellip; Der Konzern meint, dass ein niedriger Lagerbestand die Verteilung der Produkte im Versandnetzwerk beeintr&auml;chtigt. Das Liefertempo wird leider langsamer und die eigenen Versandkosten erh&ouml;hen sich. Die Kosten f&uuml;r derlei Bestandsverwaltung werden auf den H&auml;ndler abgew&auml;lzt.<\/p><p><strong>G&auml;ngelei, Forderungen, Erpressung, Bestrafung, Verdr&auml;ngung statt Partnerschaft &ndash; Amazon ein D&uuml;sterkonzern<\/strong><\/p><p>Besos&rsquo; Konzern ist ein Meisterwerk der D&uuml;sternis. Das offenbaren &bdquo;zugespielte&ldquo; Unterlagen, die dem Zuschauer der &ouml;ffentlich-rechtlichen Tagesschau pr&auml;sentiert wurden. So hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n<em>Geheime Amazon-Unterlagen, die der ARD-Wirtschaftsredaktion exklusiv zugespielt wurden, legen nahe, dass nicht nur H&auml;ndler, sondern auch gro&szlig;e Unternehmen mit fragw&uuml;rdigen Methoden von Amazon geg&auml;ngelt werden. Denn Amazon ist nicht nur Marktplatzanbieter, sondern verkauft auch selbst als Einzelh&auml;ndler auf der eigenen Plattform. <\/em><\/p>\n<p><em>Hierzu verhandeln Amazon-Manager allj&auml;hrlich Einkaufskonditionen mit Markenherstellern aus. Die Dokumente zeichnen ein d&uuml;steres Bild, welche wettbewerbsfeindlichen Methoden der Konzern hierbei einzusetzen bereit ist, um selbst Markenhersteller unter Druck zu setzen. <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Erneut kommen drei Buchstaben ins Spiel &ndash; MRA:<\/p><blockquote><p>\n<em>Besonders brisant ist ein Dokument mit dem Titel &ldquo;MRA&rdquo;. Darin adressiert Amazon detaillierte Prognosen und Margen-Forderungen an Hersteller, die der US-Riese erwartet. Zugleich enth&auml;lt das Dokument einen detaillierten Ablaufplan f&uuml;r Sanktionen. Es soll Amazon-Managern als Orientierung f&uuml;r Verhandlungen mit Herstellern dienen, nach welchen Kalenderwochen welche Sanktionen stattfinden sollen, wie etwa Marketing-Aktivit&auml;ten f&uuml;r einen Hersteller einzustellen. <\/em><\/p>\n<p><em>Eine andere Ma&szlig;nahme erlaube Konkurrenten, den Markennamen des betroffenen Unternehmens f&uuml;r Werbung zu nutzen, w&auml;hrend der Markeninhaber von den Marketingm&ouml;glichkeiten ausgeschlossen ist.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>H&ouml;chste Eskalationsstufe<\/strong><\/p><p>Die Erfinder der Ablaufpl&auml;ne, Ma&szlig;nahmenkataloge, Strategien und Taktiken haben allein im Sinn: Mehr Macht macht mehr Geld. Nun ist Amazon Nummer 1. Bei der ARD ist zu erfahren:<\/p><blockquote><p>\n<em>Laut der Amazon-Insiderin ist dieser Ma&szlig;nahmenkatalog die &ldquo;h&ouml;chste Eskalationsstufe&rdquo; von Amazon. Ziel sei es, Hersteller davon abzuhalten, ihre Produkte anderen H&auml;ndlern zu g&uuml;nstigeren Konditionen zu verkaufen. &ldquo;Dieser Plan ist ein Druckmittel, um Hersteller in die Knie zu zwingen&rdquo;, sagt sie. Man k&ouml;nnte es mit einem Folterprozess vergleichen, bei dem man den Druck so lange erh&ouml;ht, bis der Hersteller nachgibt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Amazon-Managerin habe selbst Ma&szlig;nahmen wie diese gegen Hersteller eingesetzt. Diese Ma&szlig;nahmen gehen offenbar bis zur Auslistung von Produkten &ndash; das bedeutet, dass Produkte nicht mehr &uuml;ber Amazon verkauft werden. Amazon gehe es einzig und allein um die Marge, wenn die nicht stimme, komme eben jener MRA zum Einsatz.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wie gro&szlig; die Marktmacht ist, dass Amazon ihre &bdquo;Partner&ldquo; erpressen, g&auml;ngeln, bestrafen, auslisten, plattmachen kann, sagt dieser Satz:<\/p><blockquote><p>\n<em>Amazon mache das, was keiner so machen kann: Mittel und Wege zu finden, um zu sagen, &ldquo;&lsquo;deine Marge ist schlecht, gib uns mehr Geld&rsquo;, und dazu haben wir dann die geballte Marktmacht von Amazon genutzt.&rdquo; <\/em><br>\n<strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/amazon-wettbewerbsfeindlich-100.html\">Tagesschau<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Schlie&szlig;lich wird der Konzern noch angefragt, damit der Angeklagte auch zu Wort kommt, was es mit derlei Praxis auf sich hat. Und wie eingangs schon gesagt, verpacken die Amis das in Worte wie Honig wirkend, die doch zynischer und verlogener nicht sein k&ouml;nnen: Ihr Ziel sei es, einvernehmliche Vereinbarungen zu treffen und langfristige Partnerschaften aufzubauen.<\/p><p><strong>Portfolio der straffreien R&uuml;cksichtslosigkeit <\/strong><\/p><p>Mein sehr guter Freund hat die beschriebene Praxis von Amazon eins zu eins am Beispiel des kleinen Unternehmens beschrieben, f&uuml;r das er einst gearbeitet hat, selbst schlecht bezahlt wurde und das durch den &bdquo;Partner&ldquo; Amazon fast plattgemacht wurde. Mit einem uns&auml;glichen Portfolie straffreier R&uuml;cksichtslosigkeit ergaunerte, ja ergriff Amazon sich die Weltmacht des Umsatzes: Missbrauch der Marktmacht, Kostenwillk&uuml;r, Logistikzwang, Preiskontrolle, Sanktionen, Produktpiraterie. Und so weiter.<\/p><p>Daumenschrauben anziehen ist die Spezialit&auml;t der Krake aus &Uuml;bersee. Fantasievoll und gnadenlos wird jedes Risiko abgew&auml;lzt, ausgedacht in der US-Firmenzentrale von bestens ausgebildeten Mitarbeitern. Immer mehr, immer mehr. Was f&uuml;r eine Idee: So werden Kosten f&auml;llig bei &bdquo;Nichtverk&auml;uflichkeit&ldquo;: Ist ein Produkt, das zur&uuml;ckgeschickt wurde, besch&auml;digt, benutzt und so nicht mehr zu verkaufen, tr&auml;gt allein der H&auml;ndler den vollen Verlust des Warenwerts. Amazon lapidar: dann bitte einfach bis zehn Prozent des Umsatzes in die Kalkulation einplanen.<\/p><p>Noch ein Beispiel: das so genannte Markengrabbing. Das ist eine Praxis von amazon-fernen Firmen, deren Handeln von Amazon z&ouml;gerlich unterbunden wird. Stattdessen geschieht das: Unternehmen melden Marken auf Amazon an, die ihnen gar nicht geh&ouml;ren. Sie sperren darauf gar urspr&uuml;ngliche Verk&auml;ufer aus (&bdquo;Markengrabbing&ldquo;). Amazon zuckt mit den Schultern und macht sich das zum finanziellen Vorteil: Die Wiederherstellung des Zugangs ist f&uuml;r den eigentlichen H&auml;ndler, den Verk&auml;ufer, sehr kostspielig (Geb&uuml;hren). Zum Nutzen des Konzerns&hellip;<\/p><p><strong>R&uuml;cksichtslosigkeit auch gegen die eigenen Mitarbeiter <\/strong><\/p><p>Dass Amazon kein fairer Partner der Firmen, der Hersteller, der H&auml;ndler und eben auch der Kunden ist, hat sich herumgesprochen. Der Konzern steht aber auch, wie kann es anders sein, im eigenen Haus f&uuml;r R&uuml;cksichtslosigkeit: systemisch schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende Tarifvertr&auml;ge, hoher Zeitdruck, &Uuml;berwachung durch Kamerasysteme, Einsatz von Robotern, die den Druck weiter erh&ouml;hen oder mittels Leiharbeitern, die schlecht bezahlt werden, geradezu als Warnung an die feste Belegschaft.<\/p><p>Was sagen echte Kapitalisten dazu? Laurence Fink, Chef von BlackRock, dem derzeit gr&ouml;&szlig;ten und einflussreichsten US-Kapitalorganisator und gr&ouml;&szlig;ten Anteilseigner in den Banken und Konzernen des US-gef&uuml;hrten Kapitalismus, r&auml;umt etwas diffus, aber zutreffend ein: &bdquo;Der Kapitalismus funktioniert derzeit f&uuml;r zu wenige Menschen.&ldquo; Das ist im Beitrag von NachDenkSeiten-Autor Werner R&uuml;gemer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146609\">zu lesen<\/a>.<\/p><p>Der BlackRock-Mann wei&szlig;, dass der Gro&szlig;teil des oligarchischen Reichtums (Bezos inklusive), ohne eigene Arbeitsleistung anw&auml;chst und vom Staat durch die Nichtregulierung alter und neuer Monopole und durch die Nichteinhaltung bereits kapitalfreundlicher Gesetze gef&ouml;rdert wird, beispielsweise in Bereichen wie Steuern, Insiderhandel, Korruption und Umwelt. Bei Umwelt und Nachhaltigkeit zeigt sich Amazon so, wie man das von einem entfesselt agierenden Konzern nicht anders erwartet: Vernichtung von Retouren, Verpackungsm&uuml;ll und Nutzung fossiler Energien f&uuml;r so genannte Server-Farmen. Das Wort Steuervermeidung scheint ebenso ein wichtiges zu sein: Der Konzern wird fortgesetzt beschuldigt, durch Verlagerung der Gewinne in Niedrigsteuerl&auml;nder (z.B. Luxemburg) kaum Steuern zu zahlen.<\/p><p><strong>Friede, Freude, Heuchelei beim Umsatzweltmeister, der nicht zu bremsen ist<\/strong><\/p><p>Doch gegen&uuml;ber dem deutschen Fernsehen wird aufgetragen: &bdquo;Unser Ziel ist es, einvernehmliche Vereinbarungen zu treffen und langfristige Partnerschaften aufzubauen.&ldquo;<\/p><p>In sch&ouml;ner Werbesprache verbreitet Amazon, dass seine langfristigen Grunds&auml;tze auf extremer Kundenorientierung basieren, man wolle das &bdquo;kundenorientierteste Unternehmen der Welt sein&ldquo;.<\/p><p>Geradezu m&auml;rchenhaft, wie aus einem Hollywoodfilm stammend hat Amazon Spr&uuml;che aus der eigenen Betriebsphilosophie auf Lager wie: &bdquo;Bei Amazon ist immer &sbquo;Tag 1&lsquo; &ldquo; (It&rsquo;s always Day 1) oder &bdquo;Hart arbeiten, Spa&szlig; haben, Geschichte schreiben&ldquo; (Work hard, have fun, make history).<\/p><p>Zuletzt: Mein sehr guter Freund und ich schauen uns an, wir fassen uns an den Kopf und sagen unisono: Kann man sich nicht ausdenken.<\/p><p><small>Titelbild: max.ku\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr, mehr, mehr &hellip; (kurzes Innehalten) und noch mehr. Das gelingt mit Werbung, mit Verlockung, mit clever formuliertem Kleingedruckten. Und schon zieht sich die Schlinge zu. Partnerschaft? Ach n&ouml;. Abh&auml;ngigkeit? Gerne. Plattmachen? Auch. Sprachlos schaut Beobachter auf das uners&auml;ttliche Projekt des Raubierkapitalismus namens Amazon. Siehe da: Der US-Konzern hat es endlich geschafft. 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