{"id":147010,"date":"2026-03-02T09:02:20","date_gmt":"2026-03-02T08:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147010"},"modified":"2026-03-02T14:52:52","modified_gmt":"2026-03-02T13:52:52","slug":"der-wahnsinn-hat-methode-energie-und-die-us-amerikanische-aussenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147010","title":{"rendered":"Der Wahnsinn hat Methode \u2013 Energie und die US-amerikanische Au\u00dfenpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Der aktuelle &Uuml;bergang von einer Welt der westlichen Vorherrschaft hin zu einer multipolaren Ordnung ist von Spannungen, Konflikten und Kriegen gepr&auml;gt. Was ist der Zusammenhang zwischen den aktuellen Konflikten, von Iran &uuml;ber Venezuela bis zur Ukraine? Und hat Trumps scheinbar erratische Au&szlig;enpolitik Methode, oder ist sogar das Chaos die Methode? Ein Vortrag von <strong>Thomas Fazi<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1746\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-147010-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260302-Wahnsinn-hat-Methode-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260302-Wahnsinn-hat-Methode-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260302-Wahnsinn-hat-Methode-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260302-Wahnsinn-hat-Methode-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=147010-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260302-Wahnsinn-hat-Methode-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260302-Wahnsinn-hat-Methode-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dies ist die schriftliche Version des Vortrags von Thomas Fazi, italienischer Journalist und Autor der NachDenkSeiten, am 29. Januar in Berlin anl&auml;sslich der Festveranstaltung zur Vorstellung von <em><a href=\"http:\/\/www.globalgeopoliticsjournal.com\">Global Geopolitics<\/a><\/em>, einer neuen wissenschaftlichen Fachzeitschrift, die sich mit internationalen Beziehungen, Machtstrukturen und globalen strategischen Entwicklungen befasst. Die Veranstaltung stand unter der Leitung von Prof. Efe Can G&uuml;rcan, Chefredakteur von <em>Global Geopolitics<\/em>, und wurde in Kooperation mit der Eurasischen Gesellschaft organisiert.<\/p><p><em>(Der Vortragstext wurde f&uuml;r die Ver&ouml;ffentlichung aus dem Englischen &uuml;bersetzt, leicht gek&uuml;rzt und bearbeitet.)<\/em><\/p><p><strong>Vortrag<\/strong><\/p><p>&bdquo;Zu Beginn m&ouml;chte ich betonen, dass es sich bei den aktuellen geopolitischen Spannungen und Verschiebungen eindeutig nicht um eine Krise wie viele andere handelt, die die Welt im vergangenen Jahrhundert oder in fr&uuml;heren Jahrhunderten erlebt hat. Vielmehr befinden wir uns, so lie&szlig;e sich argumentieren, mitten in der gr&ouml;&szlig;ten geopolitischen Transformation der Menschheitsgeschichte. Was wir derzeit beobachten, ist faktisch das Ende von 500 Jahren westlicher wirtschaftlicher, politischer und milit&auml;rischer globaler Hegemonie, die sich in den vergangenen 30 Jahren nach dem Kalten Krieg in Form einer absoluten und unangefochtenen US-westlichen globalen Vorherrschaft manifestiert hat. Diese Welt ist eindeutig vorbei, und die Megatrends hin zu einer multipolaren Ordnung sind f&uuml;r uns alle klar erkennbar. Wenn nichts dazwischenkommt, ist die wahrscheinliche Entwicklung dieser globalen Machtverschiebung relativ leicht vorherzusagen. Wir werden weiterhin den Aufstieg der nicht-westlichen Welt sowie die relative Schw&auml;chung der Macht und des globalen Einflusses der Vereinigten Staaten und des westlichen Blocks insgesamt beobachten.<\/p><p>F&uuml;r den durchschnittlichen westlichen B&uuml;rger w&auml;re diese Entwicklung kein gro&szlig;es Problem. Ich bin der Auffassung, dass die Lebensqualit&auml;t nicht unmittelbar mit der relativen globalen Macht eines Landes verbunden ist. Das Leben in &Ouml;sterreich ist, so denke ich, nach nahezu jedem Ma&szlig;stab besser als das in den USA, obwohl das &ouml;sterreichische BIP (Bruttoinlandsprodukt) nur einen Bruchteil des amerikanischen ausmacht. Zugleich l&auml;sst sich nicht bestreiten, dass in den fr&uuml;hen Nachkriegsjahrzehnten die Gewinne des Imperiums in vielerlei Hinsicht bis zu den durchschnittlichen westlichen B&uuml;rgern durchsickerten. Ich denke jedoch, dass dies seit Langem nicht mehr der Fall ist. Insbesondere, wenn wir auf die Vereinigten Staaten blicken, ist offensichtlich, dass die Ertr&auml;ge imperialer Macht seit geraumer Zeit im Wesentlichen nur noch an die oberste Spitze der sozialen und &ouml;konomischen Pyramide flie&szlig;en, an die Oligarchie. Heute w&uuml;rde ich argumentieren, dass nahezu ausschlie&szlig;lich die Wall Street, der milit&auml;risch-industrielle Komplex und Gro&szlig;konzerne von den endlosen Kriegen und dem dollarzentrierten System profitieren. Gew&ouml;hnliche Amerikaner haben davon schon lange nicht mehr profitiert und profitieren auch heute nicht davon. Der durchschnittliche Amerikaner w&uuml;rde aus meiner Sicht viel mehr von einer Umwandlung seines Landes in einen &bdquo;normalen&ldquo; Staat profitieren. Ich glaube sogar, dass dies eine notwendige Voraussetzung f&uuml;r die Demokratisierung der Vereinigten Staaten ist.<\/p><p>Gl&uuml;cklicherweise f&uuml;r uns westliche B&uuml;rger strebt China nicht danach, die Vereinigten Staaten als globalen Vorherrscher zu ersetzen. Es folgt vielmehr einem tats&auml;chlich nicht-hegemonialen Weltbild, und es gibt Jahrhunderte chinesischer Praxis und Literatur, die dies belegen. Das sind gute Nachrichten. F&uuml;r die Vereinigten Staaten und die westliche Oligarchie im weiteren Sinne sind sie jedoch weniger erfreulich. Sie w&uuml;rden zweifellos zu den Verlierern eines R&uuml;ckgangs der US-amerikanischen und westlichen Hegemonie z&auml;hlen.<\/p><p>Damit gelangen wir zu dem zentralen Problem, mit dem wir heute weltweit konfrontiert sind: der Unwilligkeit der US-amerikanischen und breiteren westlichen Eliten, diesen &Uuml;bergang zur Multipolarit&auml;t zu akzeptieren &ndash; aus den zuvor genannten materiellen Gr&uuml;nden, aber meines Erachtens auch aus tief verankerten ideologischen Motiven heraus, aus einem tief verwurzelten ideologischen &Uuml;berlegenheitsdenken, das westliche Eliten pr&auml;gt und sie in der gegenw&auml;rtigen Phase, klinisch gesprochen, nahezu verr&uuml;ckt erscheinen l&auml;sst. Besonders deutlich wird das aus meiner Sicht hier in Europa. Aus europ&auml;ischer Perspektive wird Multipolarit&auml;t oder auch nur eine eigenst&auml;ndige, nicht-westliche Entwicklung als existenzielle Bedrohung wahrgenommen. Sie wird zur Sicherheitsbedrohung umgedeutet. Dies zeigt sich konstant in der Art und Weise, wie dar&uuml;ber gesprochen wird. Aus der Sichtweise ihrer eigenen Klasseninteressen heraus ist diese Einsch&auml;tzung in gewisser Weise nachvollziehbar. Und ich denke, dass ein Gro&szlig;teil des Chaos und der Gewalt, die wir heute weltweit beobachten, letztlich darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist.<\/p><p>Ich habe meinen Vortrag mit der Formulierung eingeleitet, &bdquo;wenn nichts dazwischenkommt, sei die Entwicklung relativ leicht vorherzusagen&ldquo;. Doch was bedeutet &bdquo;wenn nichts dazwischenkommt&ldquo; im gegenw&auml;rtigen Zusammenhang &uuml;berhaupt, insbesondere dann, wenn der Wandel globaler Natur ist? Wir beobachten fortw&auml;hrende Wechselwirkungen und R&uuml;ckkopplungseffekte. Deshalb ist die Zukunft keineswegs leicht vorherzusagen. Tats&auml;chlich leben wir in einer Welt, in der sich kaum noch etwas verl&auml;sslich vorhersagen l&auml;sst, nicht einmal die Entwicklungsrichtung dieser Megatrends. Denn was wir sehen, ist, dass die Vereinigten Staaten und die westlichen M&auml;chte alles daransetzen, diesen &Uuml;bergang zur Multipolarit&auml;t zu verlangsamen, wenn nicht gar zu blockieren oder zur&uuml;ckzudrehen, ungeachtet dessen, was politische Akteure wie Mark Carney inzwischen &ouml;ffentlich erkl&auml;ren m&ouml;gen.<br>\nBis zur Pr&auml;sidentschaft Donald Trumps war die Strategie meines Erachtens relativ eindeutig: eine Politik der direkten milit&auml;rischen Eind&auml;mmung, vor allem von Russland und China, was bekanntlich zum noch andauernden Stellvertreterkrieg in der Ukraine gef&uuml;hrt hat. Unter Trump hat das Imperium seine Strategie ver&auml;ndert. Es passt sich offenkundig an. Zwar mag es &uuml;bertrieben erscheinen, im Zusammenhang mit Trump &uuml;berhaupt von &bdquo;Strategie&ldquo; zu sprechen, da sein Handeln h&auml;ufig erratisch und inkonsistent wirkt. In gewisser Hinsicht trifft das zu. Gleichwohl halte ich diese scheinbare Unberechenbarkeit zumindest teilweise f&uuml;r absichtlich eingesetzt. Aus meiner Sicht ist das Chaos selbst Bestandteil der Strategie: andere Staaten permanent im Unklaren dar&uuml;ber zu lassen, welcher n&auml;chste Schritt erfolgen wird. Es besteht ein st&auml;ndiger Widerspruch zwischen Rhetorik und tats&auml;chlichem Handeln; h&auml;ufig &auml;u&szlig;ert er gleichzeitig mehrere, einander widersprechende Positionen.<\/p><p>M&ouml;glicherweise interpretiere ich zu viel in Trump hinein, aber ich sehe darin zumindest teilweise eine bewusste Strategie von st&auml;ndig inszeniertem Chaos und Destabilisierung. Es ist keine Strategie im klassischen Sinne, aber sie erf&uuml;llt im Moment ihren Zweck. Das Ziel besteht aus meiner Perspektive eindeutig darin, die Herausbildung einer multipolaren Ordnung zu verz&ouml;gern und diesen &Uuml;bergangsprozess zu bremsen. Technisch formuliert: Das gezielte &bdquo;St&ouml;ren&ldquo; oder &bdquo;Durcheinanderbringen&ldquo; internationaler Prozesse ist f&uuml;r Trump selbst Teil der Strategie.<\/p><p>Wenn wir Trumps Handlungen analysieren, erkennen wir deutlich, dass sie einem Muster folgen; es gibt eine innere Logik. Er greift nicht wahllos L&auml;nder an, sondern zielt auf die Schwachstellen im System seiner Gegner. Viele Kommentatoren haben nach der Analyse der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA optimistisch festgestellt: &bdquo;Oh, Trump, akzeptiert wohl die Multipolarit&auml;t, da er sich aktiv aus der direkten Konfrontation mit China zur&uuml;ckzieht. Und dann f&uuml;hrt er auch noch Verhandlungen mit Russland.&ldquo; Aber ich halte dies lediglich f&uuml;r eine taktische Anpassung. Die US-amerikanische F&uuml;hrung wei&szlig;, dass die Vereinigten Staaten derzeit nicht &uuml;ber die Mittel verf&uuml;gen, um sich milit&auml;risch direkt mit China zu messen. Das Ziel bleibt jedoch, den Aufstieg Chinas zu verlangsamen, indem die schwachen Glieder des von China gef&uuml;hrten Systems ins Visier genommen werden: Venezuela, Iran &ndash; allesamt Verb&uuml;ndete Chinas und selbstverst&auml;ndlich auch Russlands.<\/p><p>Ich denke, es zeigt sich eine noch koh&auml;rentere Strategie, wenn wir etwas tiefer gehen und uns die L&auml;nder ansehen, auf die Trump abzielt. Dazu w&uuml;rde ich auch die europ&auml;ischen Staaten selbst z&auml;hlen &ndash; nicht nur wegen Gr&ouml;nland, sondern aufgrund des langfristigen Bestrebens, Europas Abh&auml;ngigkeit von amerikanischem Gas zu verfestigen und Europas fr&uuml;here Abh&auml;ngigkeit von russischem Gas durch eine vollst&auml;ndige Abh&auml;ngigkeit von US-amerikanischem Gas zu ersetzen. Dies ist seit Langem ein strategisches Ziel der Vereinigten Staaten, das inzwischen vollst&auml;ndig erreicht wurde, und wir erkennen darin ein Muster: All diese geopolitischen Brennpunkte haben mit Energie zu tun.<\/p><p>Wir wissen alle, dass die Kriege des fr&uuml;hen 21. Jahrhunderts allesamt mit Energie zu tun hatten. Und trotzdem neigen wir heute dazu, zu denken, dass Energie nicht mehr der Haupttreiber der US-Au&szlig;enpolitik ist, trotz Trumps offener Aussagen wie &bdquo;Wir werden einfach Venezuelas &Ouml;l nehmen&ldquo;.<\/p><p>Es geht dabei nicht nur um Venezuela. Wir wissen, dass ein Gro&szlig;teil der gesamten US-Au&szlig;enpolitik der Nachkriegszeit darauf ausgerichtet war, die &Ouml;lm&auml;rkte sowohl physisch als auch finanziell zu kontrollieren. Dabei ging es nicht nur darum, &Ouml;l f&uuml;r die Vereinigten Staaten selbst zu sichern, auch wenn dies ein Teilaspekt war, sondern vielleicht noch wichtiger darum, die Dollarhegemonie &uuml;ber das Petrodollarsystem zu st&uuml;tzen sowie andere L&auml;nder zu kontrollieren, indem man die physischen und finanziellen strategischen Kontrollpunkte des &Ouml;lmarktes beherrschte. Dadurch konnten die Vereinigten Staaten andere Staaten im Bedarfsfall durch Sanktionen und andere Mittel von dieser Lebensader der modernen Wirtschaft abschneiden.<\/p><p>In den vergangenen Jahren hat sich dieses System jedoch langsam aufgel&ouml;st. Staaten au&szlig;erhalb der Kontrolle der Vereinigten Staaten &ndash; Venezuela, Iran, Russland &ndash; haben die Welt zunehmend mit &Ouml;l und Gas versorgt, ohne sich amerikanischen Vorgaben zu unterwerfen, und tun dies auch immer h&auml;ufiger au&szlig;erhalb des dollarzentrierten Finanzsystems. Auf diese Weise haben sie zugleich Chinas rasanten Aufstieg bef&ouml;rdert. Dies stellt auf mehreren Ebenen eine Bedrohung f&uuml;r die US-Hegemonie dar. Es schw&auml;cht die Dollarhegemonie, aber vielleicht noch wichtiger: Es nimmt den Vereinigten Staaten die M&ouml;glichkeit, Energie als Instrument wirtschaftlicher und politischer Kontrolle und Erpressung einzusetzen &ndash; eine Praxis, die sie historisch stets verfolgt haben.<\/p><p>Ich denke daher, dass in den Planungsst&auml;ben der Vereinigten Staaten, lange vor Trump und bereits seit geraumer Zeit, die Entscheidung gefallen ist, die Kontrolle &uuml;ber die physischen und finanziellen Energiefl&uuml;sse wiederherzustellen. Dabei geht es heute selbstverst&auml;ndlich nicht nur um &Ouml;l, sondern ebenso um Gas und andere strategische Ressourcen. Betrachtet man die verschiedenen US-Interventionen sowie die von den USA gef&uuml;hrten oder initiierten Kriege, also nicht nur Venezuela, sondern auch Iran und selbst den Stellvertreterkrieg in der Ukraine, ebenso wie den Druck auf Europa, sich vom russischen Gas abzukoppeln &ndash; was meines Erachtens von Beginn an eines der Ziele dieses Stellvertreterkrieges war &ndash;, so l&auml;sst sich ein roter Faden erkennen: die Wiedererlangung der Kontrolle &uuml;ber Energiefl&uuml;sse.<\/p><p>In diesem Sinne sind offizielle Gegner selbstverst&auml;ndlich Zielscheiben, doch auch sogenannte Verb&uuml;ndete geraten ins Visier. Europa ist innerhalb dieser Strategie selbst ein Zielobjekt. Wir sehen deutlich, wie Trump Europas Abh&auml;ngigkeit, konkret die Abh&auml;ngigkeit von amerikanischen Energieexporten, politisch instrumentalisiert und diese Abh&auml;ngigkeit ausdr&uuml;cklich als Druckmittel einsetzt, um politische Ziele durchzusetzen.<br>\nAbschlie&szlig;end stellt sich die zentrale Frage: Wird diese Strategie funktionieren? Ich wei&szlig; es nicht. Bisher waren die Vereinigten Staaten meines Erachtens recht erfolgreich. Europa dazu zu bewegen, in seiner Energiepolitik eine 180-Grad-Wende zu vollziehen, weg von g&uuml;nstigem, verl&auml;sslichem Gas aus der unmittelbaren Nachbarschaft hin zu deutlich teurerem, weniger verl&auml;sslichem und politisch instrumentalisierbarem Gas aus den USA, ist eine bemerkenswerte Leistung f&uuml;r ein Land, dem oft erratisches Handeln und strategische Orientierungslosigkeit unterstellt werden. Auch der Sturz Maduros sowie der Aufbau der Drohkulisse gegen&uuml;ber dem Iran waren bisher erfolgreich.<\/p><p>Ich m&ouml;chte zum Ende anmerken, dass ich in pro-multipolaren Kreisen h&auml;ufig ein gewisses &uuml;berm&auml;&szlig;iges Vertrauen wahrnehme: die Annahme, dass die Entwicklung hin zur Multipolarit&auml;t letztlich unaufhaltsam sei und die USA nichts Entscheidendes dagegen unternehmen k&ouml;nnten, dass sie sie vielleicht etwas verlangsamen, aber nicht wirklich aufhalten k&ouml;nnten. Da bin ich mir nicht so sicher. Denn wenn wir von einer neuen internationalen Ordnung sprechen, ob man sie nun multipolar oder polyzentrisch nennt, dann erfordert sie, wie der Begriff bereits impliziert, ein gewisses Ma&szlig; an Ordnung. Wenn die Vereinigten Staaten und ihre Verb&uuml;ndeten jedoch auf dauerhafte Unordnung und Destabilisierung setzen, k&ouml;nnen sie den BRICS-Staaten erhebliche Schwierigkeiten bereiten, und ich denke, genau das geschieht bereits.<\/p><p>Daher bin ich mir nicht sicher, ob Chinas Ansatz, um jeden Preis eine Konfrontation mit den USA zu vermeiden, sich langfristig auszahlen wird. Doch das wird letztlich die Zeit zeigen.<\/p><p><em>&Uuml;bersetzung aus dem Englischen: <strong>Tun&ccedil; Akko&ccedil;<\/strong><\/em><\/p><p><small>Titelbild: &copy; Tun&ccedil; Akko&ccedil;<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der aktuelle &Uuml;bergang von einer Welt der westlichen Vorherrschaft hin zu einer multipolaren Ordnung ist von Spannungen, Konflikten und Kriegen gepr&auml;gt. Was ist der Zusammenhang zwischen den aktuellen Konflikten, von Iran &uuml;ber Venezuela bis zur Ukraine? 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