{"id":147046,"date":"2026-03-03T09:00:01","date_gmt":"2026-03-03T08:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147046"},"modified":"2026-03-04T07:14:08","modified_gmt":"2026-03-04T06:14:08","slug":"bezahlt-euren-krieg-selber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147046","title":{"rendered":"Bezahlt euren Krieg selber!"},"content":{"rendered":"<p>Europa muss wieder eigenst&auml;ndig denken, wenn es sich behaupten will. Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9255\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-147046-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303_Bezahlt_euren_Krieg_selber_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303_Bezahlt_euren_Krieg_selber_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303_Bezahlt_euren_Krieg_selber_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303_Bezahlt_euren_Krieg_selber_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=147046-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303_Bezahlt_euren_Krieg_selber_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260303_Bezahlt_euren_Krieg_selber_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dass die US-Politiker in den europ&auml;ischen Staaten tributpflichtige Vasallen sehen, hatte in den Neunzigerjahren der ehemalige Sicherheitsberater des US-Pr&auml;sidenten Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, in seinem Buch &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; in Erinnerung gerufen. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das eine Konstante der US-Politik, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts ge&auml;ndert. Die offizielle Erz&auml;hlung, die USA seien in Europa, um unsere Freiheit gegen die Sowjetunion und heute gegen Russland zu verteidigen, hat nie gestimmt. Die USA wollten und wollen die Welt beherrschen. Dazu brauchen sie, um ihre Konkurrenten Russland und China einzud&auml;mmen, Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte in ganz Europa und willf&auml;hrige europ&auml;ische Vasallen.<\/p><p>Der ehemalige Au&szlig;enminister Henry Kissinger sagte einst: &bdquo;Wer die Energiestr&ouml;me beherrscht, beherrscht die Welt.&ldquo; Deshalb versuchten die USA seit Jahrzehnten, russische Energielieferungen nach Europa zu stoppen und durch eigene Energielieferungen zu ersetzen. Als die Europ&auml;er nicht spurten, zerst&ouml;rten sie mit Hilfe der Ukraine die Energieleitungen Nord Stream 1 und 2. Donald Trump verhandelt im Moment mit Russland dar&uuml;ber, diese Leitungen wieder in Betrieb zu nehmen und sie einem amerikanischen Unternehmen zu geben. Die USA k&ouml;nnten den Europ&auml;ern in Zukunft nicht nur drohen, kein Fl&uuml;ssiggas mehr zu liefern, sondern auch, je nach ihrem geostrategischen Interesse, die Nord-Stream-Leitung auf- und zudrehen. Man kann nur hoffen, dass Putin sich darauf nicht einl&auml;sst, weil, l&auml;ngerfristig betrachtet, ein solcher Deal nicht im geostrategischen Interesse Russlands liegt.<\/p><p><strong>Weiter wie bisher<\/strong><\/p><p>Unabh&auml;ngig davon kann man Jens Berger nur zustimmen, wenn er <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146560\">auf Nachdenkseiten.de schreibt<\/a>: Nord Stream unter amerikanischer Kontrolle w&auml;re ein &bdquo;Mahnmal der Dem&uuml;tigung und des europ&auml;ischen Versagens&ldquo;. Die unterw&uuml;rfigen deutschen Vasallen bezahlen, w&auml;hrend sie von europ&auml;ischer Unabh&auml;ngigkeit reden, Milliarden f&uuml;r einen von den USA verursachten Krieg. &bdquo;Seit 20 Jahren habe ich geh&ouml;rt, dass es f&uuml;r Russland ein echtes Problem w&auml;re, wenn die Ukraine in die NATO kommt. Und ich denke, dass genau das der Grund ist, warum dieser Krieg begonnen hat&ldquo;, sagte US-Pr&auml;sident Donald Trump im Juni 2024. Die deutschen Kriegstreiber in Politik und Journalismus wollen das nicht wahrhaben und halten weiter an ihren L&uuml;gen fest.<\/p><p>Den H&ouml;hepunkt dieser besch&auml;menden Unterw&uuml;rfigkeit erlebten wir, als der Bundesgerichtshof feststellte, dass &bdquo;dringende Gr&uuml;nde daf&uuml;r sprechen, dass der ukrainische Staat den Sabotageakt initiiert und gesteuert hat&ldquo;. Statt sofort alle Finanzhilfen und Waffenlieferungen einzustellen, machen Merz, Klingbeil und Co. weiter wie bisher. Kein Land auf der Welt hat Politiker, die sich so h&uuml;ndisch verhalten. Erkl&auml;rbar w&auml;re dieses erb&auml;rmliche Verhalten nur, wenn die US-Geheimdienste Material h&auml;tten, um diese Marionetten zu erpressen.<\/p><p><strong>Die Propagandapresse jubelte<\/strong><\/p><p>Dass die US-Politiker, um ihre Vasallen gef&uuml;gig zu machen, gerne zur Erpressung greifen, hat der langj&auml;hrige Amerika-Koordinator der Bundesrepublik, Professor Werner Weidenfeld, vor Jahren in der ARD-Sendung &bdquo;Beckmann&ldquo; zu Protokoll gegeben: Wenn wir mit den USA einer Meinung sind, dann sind wir beste Freunde. Wenn wir in zweitrangigen Fragen nicht einer Meinung sind, fragen sie: &bdquo;Wo bleibt eure Dankbarkeit? Wir haben euch Freiheit und Demokratie gebracht.&ldquo; Und wenn wir in ernsten Fragen unterschiedliche Meinungen haben, dann kommen Geheimdienstinformationen auf den Tisch. Die Finanzierung des Ukraine-Krieges ist f&uuml;r die USA sicherlich eine ernste Frage. In Zukunft gen&uuml;gt die Drohung: Wir drehen euch den Gashahn zu.<\/p><p>Wer glaubt, Erpressung sei eine Spezialit&auml;t Trumps und man brauchte ihn nur auszusitzen, t&auml;uscht sich. Diejenigen, die der US-Politik eine solche Skrupellosigkeit nicht zutrauen, sollten sich an das ber&uuml;hmte Zitat des sp&auml;teren US-Pr&auml;sidenten Harry Truman erinnern, das am 24. Juni 1941 in der <em>New York Times<\/em> zu lesen war: &bdquo;Wenn wir sehen, dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn wir sehen, dass Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, und so k&ouml;nnen sie so viele wie m&ouml;glich untereinander t&ouml;ten.&ldquo; US-Pr&auml;sident Jimmy Carter nannte die USA auch wegen dieser Skrupellosigkeit die kriegerischste Nation der Weltgeschichte, und Martin Luther King erinnerte die Welt mit Blick auf die Ausrottung der Ureinwohner Amerikas daran, dass die USA &bdquo;in einem Genozid geboren wurden&ldquo;.<\/p><p>Die USA stellen vier Prozent der Weltbev&ouml;lkerung. Eine gr&ouml;&szlig;enwahnsinnige F&uuml;hrungsclique, die vielleicht mehrere Hundert Leute umfasst, will die ganze Welt beherrschen. Sie denkt nicht daran, den Vasallen eine strategische Autonomie zu gew&auml;hren. Als in j&uuml;ngster Zeit weniger wichtige Kommandoposten innerhalb der NATO mit Europ&auml;ern besetzt wurden, jubelte unsere Propagandapresse. Aber das ist alles nur vordergr&uuml;ndiges Theater. An den wahren Machtstrukturen &auml;ndert das nichts. Der wichtigste Posten der NATO in Europa ist der Saceur (Supreme Allied Commander Europe). Er wurde und wird stets mit einem US-General besetzt. Dieser ist dann der Oberbefehlshaber aller NATO-Streitkr&auml;fte in Europa. Der Hegemon denkt nicht daran, diese Position jemals einem Europ&auml;er zu &uuml;berlassen.<\/p><p><strong>Sprengstoffg&uuml;rtel statt Kugelweste<\/strong><\/p><p>Wenn das Imperium sagt, ihr m&uuml;sst f&uuml;nf Prozent eurer Wirtschaftsleistung f&uuml;r das Milit&auml;r ausgeben, dann stehen die Vasallen stramm, und die amerikanische R&uuml;stungsindustrie freut sich &uuml;ber Milliardenauftr&auml;ge. Wenn die Vereinigten Staaten beschlie&szlig;en, Russland und China mit Hyperschallraketen einzukreisen und einige davon in Deutschland aufzustellen, dann nicken deutsche Politiker wie Olaf Scholz und Boris Pistorius das ab, und der ehemalige BlackRock-Lobbyist Friedrich Merz stimmt freudig zu. Die Aufstellung dieser die Sicherheit der deutschen Bev&ouml;lkerung in extremer Form gef&auml;hrdenden Angriffswaffen mit kurzen Flugzeiten nach Moskau ist ein Lackmustest f&uuml;r die Glaubw&uuml;rdigkeit derjenigen Politiker, die eine strategische Autonomie Europas fordern. Da diese Raketen unter alleinigem Befehl der USA stehen und das vorrangige Ziel eines russischen Erst- oder Zweitschlages w&auml;ren, ist es so, als w&uuml;rde man Soldaten zum Schutz gegen Gewehrkugeln statt einer Kugelweste einen Sprengstoffg&uuml;rtel umschnallen.<\/p><p>Der deutsche Philosoph Immanuel Kant nannte die Aufkl&auml;rung einen Ausweg aus der selbstverschuldeten Unm&uuml;ndigkeit. &bdquo;Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.&ldquo; Selbstst&auml;ndiges Denken ist die Voraussetzung f&uuml;r die Selbstbehauptung Europas. Sie beg&auml;nne damit, dass ein europ&auml;ischer Politiker von Format den USA sagen w&uuml;rde: &bdquo;Euren Krieg m&uuml;sst ihr selbst bezahlen und so schnell wie m&ouml;glich beenden.&ldquo;<\/p><p>Oskar Lafontaine ist Finanzminister Deutschlands a. D. und ehemaliger Vorsitzender der SPD.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst in <a href=\"https:\/\/weltwoche.de\/daily\/bezahlt-euren-krieg-selber\/\">der Weltwoche Deutschland Nr. 09.26<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Andrew Angelov\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa muss wieder eigenst&auml;ndig denken, wenn es sich behaupten will. 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