{"id":147176,"date":"2026-03-05T09:00:41","date_gmt":"2026-03-05T08:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147176"},"modified":"2026-03-05T16:34:25","modified_gmt":"2026-03-05T15:34:25","slug":"iran-krieg-auf-dem-weg-in-die-weltwirtschaftskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147176","title":{"rendered":"Iran-Krieg &#8211; Auf dem Weg in die Weltwirtschaftskrise?"},"content":{"rendered":"<p>Kaum haben die Benzinpreise an den deutschen Tankstellen die 2-Euro-Marke gerissen, r&uuml;cken in der Debatte &uuml;ber den amerikanisch-israelischen &Uuml;berfall des Irans auch &ouml;konomische Fragen in den Mittelpunkt. Zu Recht. Die Folgen f&uuml;r die Weltwirtschaft und insbesondere die ohnehin schon angeschlagene deutsche Volkswirtschaft k&ouml;nnten in der Tat dramatisch sein. Derzeit demonstriert die Politik Gelassenheit. Offenbar spekuliert man darauf, dass der Krieg, &auml;hnlich wie der &bdquo;12-Tage-Krieg&ldquo; im letzten Juni, schnell vorbei geht und sich danach alles wieder normalisiert. Doch diese Hoffnung ist tr&uuml;gerisch, hat der derzeitige Krieg auch durch die T&ouml;tung von Ajatollah Chamenei eine andere Qualit&auml;t. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8413\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-147176-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Iran_Krieg_Auf_dem_Weg_in_die_Weltwirtschaftskrise_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Iran_Krieg_Auf_dem_Weg_in_die_Weltwirtschaftskrise_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Iran_Krieg_Auf_dem_Weg_in_die_Weltwirtschaftskrise_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Iran_Krieg_Auf_dem_Weg_in_die_Weltwirtschaftskrise_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=147176-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Iran_Krieg_Auf_dem_Weg_in_die_Weltwirtschaftskrise_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260305_Iran_Krieg_Auf_dem_Weg_in_die_Weltwirtschaftskrise_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/260305_Iran-Krieg-Weltwirtschaftskrise_JB.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Als Russland im Fr&uuml;hjahr 2022 seine Invasion der Ukraine startete, befand sich die deutsche Volkswirtschaft in einer Phase der Erholung. 2021 wuchs das deutsche BIP noch um 3,9 Prozent und konnte so zumindest zum Teil den herben R&uuml;ckgang durch die Coronama&szlig;nahmen im Vorjahr wieder ausgleichen. Doch die von Kanzler Scholz wenige Tage sp&auml;ter ausgerufene Zeitenwende stellte eine Z&auml;sur dar. Deutschland verabschiedete sich von vergleichsweise preiswerten Energieimporten aus Russland und machte sich von den volatilen Weltm&auml;rkten abh&auml;ngig. Infolge steigender Energiepreise kam es zu einem Preisschock. <\/p><p>Im Herbst 2022 lag der offizielle Verbraucherpreisindex durchg&auml;ngig mehr als 8 Prozent &uuml;ber dem Vorjahresmonat. Erst im Fr&uuml;hjahr 2024 erreichten die Preissteigerungen wieder ein normales Niveau. Da die L&ouml;hne in beiden Jahren dazwischen nat&uuml;rlich nicht im gleichen Ma&szlig;e wie die Preise stiegen, sanken die sogenannten Reall&ouml;hne und damit die Kaufkraft. Die Folgen davon sp&uuml;ren wir noch heute. 2023 und 2024 sank die deutsche Wirtschaftskraft, 2025 konnte lediglich ein sehr mageres Wachstum von 0,2 Prozent vermeldet werden. Deutschland befindet sich seit dem Preisschock in einer Stagflation &ndash; also in einer Phase, die durch steigende Preise bei stagnierender Wirtschaftskraft gekennzeichnet ist.<\/p><p><strong>Deutschlands Gasproblem<\/strong><\/p><p>Um die m&ouml;glichen Parallelen einmal in Zahlen zu fassen: Durch die Russland-Sanktionen sind Gasimporte im Volumen von rund 80 Milliarden Kubikmeter pro Jahr weggefallen und mussten durch Lieferungen aus anderen L&auml;ndern, vor allem den USA, ersetzt werden. Durch die Stra&szlig;e von Hormus wurden im letzten Jahr ganze 120 Milliarden Kubikmeter LNG verschifft &ndash; also 50 Prozent mehr als durch den Wegfall der russischen Pipelinelieferungen. Sollten diese Mengen langfristig ausfallen, w&auml;re die Auswirkung auf den Gaspreis gewaltig. <\/p><p>Aktuell wird Gas am f&uuml;r West- und Mitteleuropa ma&szlig;geblichen Handelspunkt Rotterdam (TTF) mit mehr als 50 Euro pro MWh bepreist. Das ist rund doppelt so viel wie im Januar. Zum Vergleich: Vor den Sanktionen lag der Preis meist in einem Korridor zwischen 7 und 15 Euro pro MWh. Doch der aktuelle Preis ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, da die aktuell gehandelten Mengen ja bereits vor Wochen verschifft wurden und die Eink&auml;ufer bei diesen Preisen (noch) nicht zwingend kaufen und damit den Preis weiter in die H&ouml;he treiben m&uuml;ssen. Sollte die Sperrung der Stra&szlig;e von Hormus jedoch l&auml;nger dauern, wird dies massiv auf die Preise durchschlagen.<\/p><p>Katar ist hinter den USA der gr&ouml;&szlig;te LNG-Exporteur der Welt. Oft wird das Problem in den Medien verharmlost, indem man darauf hinweist, dass die LNG-Lieferungen aus Katar ja physisch vor allem nach Ostasien gingen. Das ist nat&uuml;rlich richtig. Richtig ist aber auch, dass der LNG-Markt global ist. Ein Tanker, der heute im Golf von Mexiko beladen wird, kann nach Europa, aber auch nach Japan, S&uuml;dkorea oder China fahren. Oft werden &Ouml;l und LNG auch erst verkauft, wenn die Tanker bereits auf hoher See sind. So kommt es nicht selten vor, dass ein Tanker, der auf Kurs nach Rotterdam ist, im Atlantik pl&ouml;tzlich umdreht und Kurs auf das chinesische Guangzhou nimmt. Das weltweite Angebot und die weltweite Nachfrage bestimmen den Preis. Wenn dauerhaft durch die Blockade der Stra&szlig;e von Hormus rund ein F&uuml;nftel des globalen LNG-Angebots wegf&auml;llt, h&auml;tte dies massive Auswirkungen auf den Preis &ndash; vor allem dann, wenn die Abnehmer kaufen m&uuml;ssen.<\/p><p>Und genau das ist ein Problem f&uuml;r Deutschland. Zwar konnte Deutschland dank des warmen Sp&auml;twinters gerade noch so eine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=145753\">Gasmangellage<\/a> verhindern, jedoch sind die Speicher mit derzeit rund 21 Prozent F&uuml;llstand vergleichsweise leer und m&uuml;ssen bis zum Beginn der n&auml;chsten Heizperiode gef&uuml;llt werden. Genau dieser Effekt hat die Gaspreise 2022 f&ouml;rmlich explodieren lassen. Damals war es der Staat, der den Markt trotz horrender Preise leerkaufte &ndash; die Kosten f&uuml;r den Steuerzahler waren massiv. <\/p><p>Da wohl kein privater Eink&auml;ufer bei den in diesem Jahr zu erwartenden Preisen &uuml;berhaupt Gas f&uuml;r die Speicher einkaufen wird, wird der Staat wohl einmal mehr &ndash; in welcher Form auch immer &ndash; einspringen. Die Folge: Steigende Nachfrage. Wenn die Stra&szlig;e von Hormus bis dahin geschlossen bleibt und das Angebot niedrig ist, wird Folgendes passieren: Auf dem LNG-Markt wird der deutsche Staat dann mit anderen europ&auml;ischen und asiatischen K&auml;ufern um die Wette bieten und den Preis in m&ouml;glicherweise ungeahnte H&ouml;hen treiben. Die Kosten daf&uuml;r werden zeitversetzt dann die deutschen Haushalte und die Industrie voll treffen.<\/p><p><strong>&Ouml;l und Benzin<\/strong><\/p><p>&Auml;hnliche, wenn auch wahrscheinlich nicht ganz so dramatische Entwicklungen k&ouml;nnten beim &Ouml;l durch die Blockade ausgel&ouml;st werden. Hier flie&szlig;t sogar ein Viertel der weltweiten Transporte durch die Stra&szlig;e von Hormus. Anders als beim Gas sind Angebotsverknappungen beim &Ouml;l jedoch sofort f&uuml;r den Verbraucher an der Tanks&auml;ule sichtbar. Nun sind die zwei Euro, &uuml;ber die wir uns derzeit echauffieren, nur ein leichter Anstieg. Bislang sind die Weltmarktpreise f&uuml;r Brent gerade einmal von rund 60 auf derzeit 83 USD pro Barrel gestiegen. Experten rechnen mit einer Steigerung auf mindestens 100 bis 120 USD, wenn die Stra&szlig;e von Hormus l&auml;nger geschlossen bleibt. Bei diesen Preisen f&uuml;r Roh&ouml;l d&uuml;rfte der Preis f&uuml;r Superbenzin an den deutschen Tankstellen auf rund 2,30 Euro steigen.<\/p><p>Aber auch das w&auml;re immer noch ein vergleichsweise harmloses Szenario. Anders als LNG ist &Ouml;l kein homogenes Produkt. Das &Ouml;l aus dem Persischen Golf ist in der Regel &bdquo;leicht&ldquo; und &bdquo;sauer&ldquo;, also mit hohem Schwefelgehalt, wie es in der Fachsprache hei&szlig;t. &Ouml;l aus den USA ist hingegen meist &bdquo;sehr s&uuml;&szlig;&ldquo; (also mit geringem Schwefelgehalt), w&auml;hrend &Ouml;l aus Venezuela &bdquo;extra schwer&ldquo; und &bdquo;sauer&ldquo; ist. Man kann aber eine Raffinerie, die technisch f&uuml;r leichtes, saures &Ouml;l aus z.B. Saudi-Arabien konzipiert ist, nicht von heute auf morgen auf extra schweres, saures &Ouml;l aus z.B. Venezuela umstellen. Nicht nur &bdquo;das &Ouml;l&ldquo;, sondern auch und vor allem die Raffineriekapazit&auml;ten sind hier der Flaschenhals. <\/p><p>Erschwerend kommt hinzu, dass gerade die Golfstaaten ihr &Ouml;l meist selbst raffinieren und kein Roh&ouml;l, sondern die fertigen Endprodukte per Tanker exportieren. Und noch erschwerender kommt hinzu, dass viele notwendige &bdquo;Additive&ldquo;, die f&uuml;r die Raffinierung n&ouml;tig sind und die selbst hochverarbeitete Erd&ouml;lprodukte sind, heute in den Emiraten und in Saudi-Arabien produziert werden. Rechnet man diese Effekte mit ein, landet man bereits bei einem Tankstellenpreis von 2,80 Euro je Liter. Und selbst hier ist noch Luft nach oben.<\/p><p>W&auml;hrend in Europa noch Gleichmut herrscht, handelt China und <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2026-03-05\/china-tells-top-refiners-to-suspend-diesel-and-gasoline-exports\">stoppt bis auf Weiteres alle Exporte von Diesel und Benzin<\/a>. Viele Industriel&auml;nder k&ouml;nnten eine zeitweise physische &Ouml;lverknappung durch die Freigabe ihrer strategischen Reserve &uuml;berbr&uuml;cken und damit sogar die Preisentwicklung abfedern. Aber auch diese Reserve ist irgendwann einmal aufgebraucht. Entscheidend ist auch hier, wie lange der Krieg andauert.<\/p><p><strong>Lieferketten und Schwarze Schw&auml;ne<\/strong><\/p><p>Wie bereits erw&auml;hnt, geht es beileibe nicht nur um Roh&ouml;l und LNG, wenn wir &uuml;ber die Blockade der Stra&szlig;e von Hormus sprechen. Die Golfstaaten sind schon lange keine reinen Lieferanten von Rohstoffen, sondern haben in den letzten Jahrzehnten vor allem im Bereich der Petrochemie ihre Industrie aufgewertet. So betreibt der saudische Konzern SABIC im ost-saudischen al-Dschubail einen der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Industriecluster f&uuml;r petrochemische Produkte. Aber auch in den Emiraten, in Kuwait und in Bahrain gibt es derartige Produzenten. Wenn wir &uuml;ber die Blockade sprechen, m&uuml;ssen wir also auch &uuml;ber Engp&auml;sse in den globalen M&auml;rkten f&uuml;r Grundstoffe wie Ethylen, Polyethylene, Polyolefine, Aromaten und Methanol sprechen. Ein Freund, der &bdquo;in der Branche&ldquo; t&auml;tig ist, sagte mir, dass bei &bdquo;ihnen&ldquo; ein Gro&szlig;teil der Kunststoffgranulate aus Saudi-Arabien und Katar stammt. Hier sind wir dann bei den ber&uuml;hmten Lieferketten, die uns w&auml;hrend der Corona-Zeit um die Ohren geflogen sind.<\/p><p>Granulat aus Saudi-Arabien wird in China weiterverarbeitet und kommt dann nach Deutschland, um am Ende das Armaturenbrett eines VWs zu werden. Welche Lieferketten genau durch die Blockade der Stra&szlig;e von Hormus betroffen sind, ob sie sich ersetzen lassen und welche Folgen das f&uuml;r die Weltwirtschaft und insbesondere die stark von Lieferketten abh&auml;ngige deutsche Industrie hat, wird sich zeigen. Die Weltwirtschaft von heute ist extrem komplex und vernetzt und man sollte nicht denken, dass das Trennen der Lebensadern keine Folgen h&auml;tte.<\/p><p>Besonders bedeutend k&ouml;nnten die sogenannten &bdquo;Schwarzen Schw&auml;ne&ldquo; sein &ndash; so nennt man in der &Ouml;konomie Risiken, die zwar vorhanden, aber (noch) nicht bekannt sind. Betrachten wir dazu mal die Golfstaaten. Durch die Stra&szlig;e von Hormus gehen nicht nur deren &Ouml;l-, Gas- und Chemieexporte, sondern auch nahezu alle ihrer Importe. So werden beispielsweise 80 Prozent der Lebensmittelimporte der Golfstaaten durch die Stra&szlig;e von Hormus transportiert und in den Golfh&auml;fen umgeschlagen. So leicht d&uuml;rften diese Importe auch nicht umzulenken sein; schon gar nicht, wenn die teure, aber m&ouml;gliche Alternative Luftfracht aus logischen Gr&uuml;nden ausf&auml;llt. Ohne Nahrungsmittel d&uuml;rfte es in den hypermodernen Wohlstandsmetropolen am Golf schon bald unangenehm werden. Kaum vorzustellen, wenn Iran dann auch noch die &uuml;berlebenswichtigen Meerwasserentsalzungsanlagen ins Visier nehmen w&uuml;rde.<\/p><p>Welche Folgen die &ouml;konomischen Entwicklungen auf die Finanzm&auml;rkte haben, ist ebenfalls offen. Was passiert, wenn die Immobilienpreise in Dubai implodieren? Welche Banken haben die Kredite f&uuml;r die wahnwitzigen Wohn- und B&uuml;rogeb&auml;ude gegeben? Was passiert, wenn die reichen Scheichs und ihre noch viel reicheren Investitionsfonds ihr Geld aus Europa und Amerika abziehen, weil sie es nun selber brauchen? Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wenn pl&ouml;tzlich ein gro&szlig;er Teil des Risikokapitals, das derzeit die KI-Blase am US-Markt f&uuml;ttert, einfach wegf&auml;llt? Erwarten Sie hier keine pr&auml;zise Antwort. Ich bin aber sicher, dass die gro&szlig;en Finanzkonzerne ihre Algorithmen derzeit mit genau diesen Fragen f&uuml;ttern.<\/p><p><strong>It&rsquo;s the Nachfrage, stupid<\/strong><\/p><p>Wenn die Debatte auf steigende Energiepreise kommt, wird in Deutschland gern auf die ohnehin schon angeschlagene energieintensive Industrie verwiesen. Das ist im Fall der Gaspreise auch zum Teil gerechtfertigt, bei den &Ouml;lpreisen besteht hier aber nur ein indirekter Zusammenhang, der nichts mit dem &Ouml;l als solchem, sondern vor allem mit der Petrochemie zu tun hat, deren Einkaufskosten steigen w&uuml;rden. Da dies aber global geschieht, gibt es hier auch keinen dramatischen Nachteil f&uuml;r den Standort Deutschland. Gef&auml;hrlicher w&auml;ren Risse in den Lieferketten.<\/p><p>Nein, die Industrie ist bei den direkten Folgen des Iran-Kriegs gar nicht mal der Hauptbetroffene. Dramatisch ist vielmehr, dass steigende Energiepreise das verf&uuml;gbare Einkommen der Menschen reduzieren. Wer pro Monat k&uuml;nftig 100, 200 oder gar 500 Euro mehr f&uuml;r Benzin, Heizung oder Strom ausgeben muss, hat weniger Budget f&uuml;r andere Dinge. Darunter leidet die gesamte Volkswirtschaft &ndash; Bereiche, die als &bdquo;entbehrlich&ldquo; gelten und bei denen man als erstes spart, wie die Gastronomie und der Tourismus, sind freilich besonders exponiert.<\/p><p>Diese Nachfrageeffekte sind das eigentliche Problem. Weniger Ausgaben der Haushalte bedeuten weniger Einnahmen der Unternehmen. Versch&auml;rfend kommt hinzu, dass diesmal die Preissteigerungen global stattfinden werden und damit auch die f&uuml;r die deutsche Industrie immer noch so wichtigen Exportm&auml;rkte betroffen sind. Die Folgen sind nicht seri&ouml;s zu beziffern und h&auml;ngen nat&uuml;rlich stark davon ab, wie lange die Handelsstr&ouml;me aus dem und in den Persischen Golf gest&ouml;rt sind.<\/p><p><strong>Die entscheidenden Fragen<\/strong><\/p><p>Die hier geschilderten m&ouml;glichen wirtschaftlichen Folgen des Krieges sind nat&uuml;rlich ein &bdquo;Worst-Case-Szenario&ldquo;, das nur eintritt, wenn die Stra&szlig;e von Hormus &uuml;ber viele Wochen und Monate gesperrt bleibt. Das muss nat&uuml;rlich nicht sein. Der Krieg k&ouml;nnte eher enden und die Blockade k&ouml;nnte auch ganz oder in Teilen aufgehoben werden. Letzteres ist &uuml;brigens gar nicht unwahrscheinlich. China soll &ndash; so melden es einige nicht verifizierbare Quellen &ndash; hinter den Kulissen bereits m&auml;chtig Druck auf den Iran aus&uuml;ben, dass zumindest chinesische Schiffe von der Blockade ausgenommen werden. &Auml;hnliches berichten andere Quellen von Indien. <\/p><p>Seitens iranischer Quellen h&ouml;rt man auch immer wieder, dass man es vor allem auf &bdquo;amerikanische&ldquo;, &bdquo;britische&ldquo; und nat&uuml;rlich &bdquo;israelische&ldquo; Schiffe abgesehen habe. W&uuml;rden China und wom&ouml;glich auch andere neutrale Staaten von der Blockade ausgenommen, w&auml;ren die weltwirtschaftlichen Folgen und auch die Folgen f&uuml;r Deutschland deutlich geringer. Die M&auml;rkte sind &ndash; wie bereits dargelegt &ndash; global. Vereinfacht gesagt: Wenn China weiterhin LNG, &Ouml;l und petrochemische Produkte aus den Golfstaaten beziehen kann, muss man sie nicht auf den Weltm&auml;rkten kaufen und der Preiseffekt wird dadurch deutlich reduziert.<\/p><p>Doch was, wenn dies nicht geschieht? Die USA bringen bereits Konvois ins Spiel, die von der US-Navy dann durch die Stra&szlig;e von Hormus eskortiert werden. Das erinnert an die Zeiten des &bdquo;Tankerkriegs&ldquo; w&auml;hrend des Iran-Irak-Kriegs von 1984 bis 1988, als Iran die Stra&szlig;e von Hormus zwar nie vollst&auml;ndig blockiert, aber sehr wohl Tanker in der Stra&szlig;e von Hormus angegriffen hat. Doch damals gab es noch keine Drohnen und auch die Antischiffsraketen der Iraner waren damals auf einem ganz anderen technischen Stand. Ob der US-Konvoi-Plan &uuml;berhaupt umsetzbar ist, ist daher ungewiss.<\/p><p>Noch ungewisser ist es, ob sich die Reedereien &uuml;berhaupt darauf einlassen. Heute f&auml;hrt kein Tanker irgendwohin, wenn er selbst und seine Ladung nicht voll versichert ist. Die Versicherungen haben bereits am ersten Kriegstag s&auml;mtliche Deckungen f&uuml;r die Passage in den Persischen Golf gestrichen. Ob sie eine solche Konvoi-Fahrt versichern w&uuml;rden, ist fraglich und wenn, dann k&auml;men sicher gewaltige Risikoaufschl&auml;ge hinzu, die ihrerseits die Preise f&uuml;r &Ouml;l und LNG treiben w&uuml;rden.<\/p><p>Sicher, wenn es analog zum &bdquo;12-Tage-Krieg&ldquo; gar nach kurzer Zeit einen Waffenstillstand g&auml;be, w&auml;re die gesamte Debatte &uuml;berfl&uuml;ssig. Aber gerade das ist mittlerweile unwahrscheinlicher denn je. Es ist zwar gut m&ouml;glich, dass die USA und Israel nach einigen Wochen erkl&auml;ren, ihre Mission sei erfolgreich abgeschlossen &ndash; irgendwann werden ihnen auch schlicht die Ziele ausgehen. Ob Iran dann auch seine Waffen ruhen l&auml;sst, sei jedoch dahingestellt. Der &bdquo;12-Tage-Krieg&ldquo; war r&uuml;ckblickend eher ein &bdquo;Gepl&auml;nkel&ldquo;, bei dem beide Seiten gar keinen langen Krieg eingeplant hatten. Diesmal k&ouml;nnte es zumindest auf Seiten der Iraner aber anders sein, zumal der Krieg durch die T&ouml;tung ihres obersten geistlichen F&uuml;hrers und die offenbar geplante Eskalation durch Unterst&uuml;tzung von kurdischen Bodentruppen diesem Konflikt ein viel sch&auml;rfere Note gibt.<\/p><p>Die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal zu einem langanhaltenden Krieg kommt, ist also gegeben. Die Folgen k&ouml;nnten f&uuml;r die gesamte Welt dramatisch sein.<\/p><p><small>Titelbild: lavizzara\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ff66d31a5aec458897d056a2cb40a028\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum haben die Benzinpreise an den deutschen Tankstellen die 2-Euro-Marke gerissen, r&uuml;cken in der Debatte &uuml;ber den amerikanisch-israelischen &Uuml;berfall des Irans auch &ouml;konomische Fragen in den Mittelpunkt. Zu Recht. Die Folgen f&uuml;r die Weltwirtschaft und insbesondere die ohnehin schon angeschlagene deutsche Volkswirtschaft k&ouml;nnten in der Tat dramatisch sein. Derzeit demonstriert die Politik Gelassenheit. 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